Den Atem anhalten – oder einen langen Atem haben?

Mit Respekt vor den Gewohnheiten der Menschen kann die aktuelle Krise optimal genutzt werden. Denn, wer wollte nicht auch schon mal als Schulleiter die hart gesottenen, analogen Lehrpersonen auf den digitalen Geschmack bringen? Jetzt sind praktisch alle dazu gezwungen. Doch was bleibt nach der Krise? Mit zwei einfachen Schritten kann eine digitale Nachhaltigkeit langfristig verankert werden. David Sigos, Schulleiter an der Primarschule Regensdorf, ist überzeugt, dass mit viel Verständnis und einer gemeinsamen Strategie der grosse digitale Schritt gelingt.

Vieles lässt sich aushalten, wenn die Aussichten gut sind. In diesem Fall: Der Normalbetrieb kann in absehbarer Zeit wieder aufgenommen werden. Endlich wieder unterrichten, wie ich es mir gewohnt bin! Doch was ist mit den positiven Erfahrungen der digitalen Lehr- und Lernformen? Warum wollen wir so stark zurück zum Gewohnten? Der Grund ist: Was wir nicht wollen, akzeptieren wir nicht. Wir wollen an unseren Gewohnheiten festhalten. 

Gewohnheiten sind der härteste Klebstoff der Welt

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«Gut Ding will Weile haben!»

Im Kanton Schaffhausen müssen Schulen nicht zwingend durch Schulleitungen geführt werden. Jörg Berger hat Christian Amsler, Regierungsrat für Schaffhausen, gefragt, was er ändern möchte und wie er über Schulführung denkt.

Herr Amsler, Sie sind seit 10 Jahren Erziehungsdirektor des Kantons Schaffhausen, dem einzigen Schweizer Kanton, der nicht vorschreibt, dass Schulen durch Schulleitungen geführt werden. Wie stehen Sie dazu?

Ich bin vollends überzeugt, dass es in einer komplexen Welt, wie wir sie heute antreffen, ohne Schulleitung nicht mehr geht. Ich bin mir den Schaffhauser Tugenden bewusst.

Was muss ich mir darunter vorstellen?

Politisch ticken wir etwas anders und benötigen hin und wieder etwas länger als der Rest der Schweiz. Gleichzeitig sehe ich sehr optimistisch in die Zukunft. Ich bin überzeugt, dass Schulleitungen bald flächendeckend in den Schulen unseres Kantons anzutreffen sind.

Weshalb machen Sie nicht mehr Dampf?

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Leichtigkeit leben

Das Buch von Fabian Schmid ist brillant – eine erfrischend unkonventionelle, tiefsinnige und gleichzeitig lockere Betrachtung zum Thema Lebensbalance. Ein bisschen Leichtigkeit kommt auch Lehrpersonen und Schulleitern zu Gute, wenn sie einige Stunden zu viel gearbeitet haben. Eine Buchrezension von Jacqueline Winter.

Ein Buch, das zum Leben animiert! Es hat mich neugierig gemacht, weil es überraschend daherkommt. Es hat mich überzeugt, weil es entwaffnend argumentiert: »Das Leben ist eine geniessbare Leihgabe. Willst du recht haben, oder glücklich sein?»

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Wie Schulen den Corona Tsunami zu bewältigen versuchen

In den letzten beiden Wochen hat sich Niels Anderegg über die mangelnde Sensibilität mancher Expertinnen und Experten und von verschiedenen Hochschulen und Firmen geärgert. Mit dem Entscheid des Bundesrates die Schulen zu schliessen und den Unterricht mit Fernlernen weiterzuführen, kam auf die Schulen eine riesige Welle von Aufgaben und Pflichten zu.

Von einem Tag auf den anderen mussten die Lehrerinnen und Lehrer ihren Unterricht komplett umstellen und ihn fortan mit digitalen Medien, Selbstlernaufgaben und anderen Unterrichtsmethoden gestalten. Neben didaktischen Herausforderungen waren auch Fragen der Betreuung, der Beziehungspflege und dem Umgang mit Schülerinnen und Schülern aufgetaucht, welche von ihren Eltern kaum oder nicht unterstützt werden können.

Wenn ich auf diese zwei bis drei Wochen zurückblicke, dann bin ich beeindruckt, was vielen Schulen in der so kurzen Zeit gelungen ist und habe höchsten Respekt von dem, wie die Lehrerinnen und Lehrer, Schulleitenden und viele andere Personen sich engagiert haben. Die letzten Wochen waren wieder ein lebender Beweis für die Qualität und Wichtigkeit unserer Schule und den darin engagierten Personen. Ich hoffe, dass die Gesellschaft und Politik sich in den nächsten Jahren daran erinnert und der Schule und den darin tätigen Personen die entsprechende Anerkennung gibt und Ressourcen zur Verfügung stellt.

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Schulqualität – den Qualitätsscheinwerfer lenken

Im ersten Blogbeitrag «Schulqualität – Alles ist relativ?!» haben sich Hansjürg Brauchli und Nina-Cathrin Strauss dem Begriff angenähert und gezeigt, dass vieles zum Thema Qualität nicht so klar ist, wie man meinen könnte. Qualität – und auch Schulqualität – ist abhängig von der Perspektive derjenigen, die sich damit beschäftigen. So können Merkmale und Kriterien diskutiert und ausgehandelt werden.

Im Kern geht es darum, in Schulen gemeinsam zu definieren, welche Bereiche oder Kriterien von Qualität in den Fokus genommen werden sollen. So kann ein gemeinschaftliches Verständnis von Schulqualität entwickelt werden – und ein erster, wichtiger Schritt im Bemühen um ihre Sicherung und Entwicklung ist gemacht.

Durch ein gemeinsames Verständnis aller Beteiligten – idealerweise über möglichst viele Systemebenen hinweg von den Lehrpersonen über die Schulleitung bis zur vorgesetzten Behörde – geschieht im Alltag eine Fokussierung auf die vereinbarten Aspekte von Schulqualität. Im Sinne von Peter Senge (1990) werden damit die mentalen Modelle einer Schule als lernender Organisation sichtbar und dienen als Grundlage für die weitere Entwicklung.

Realitätscheck: Das Bauchgefühl mit Daten ergänzen

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«Chunsch cho bastle?»

Eine Liftfahrt mit zwei Studierenden kann inspirierend sein. Bei Niels Anderegg hat der Dialog zwischen den beiden die Frage zum Professionsverständnis aufgeworfen.

Zu einer Zeit, als die PH noch geöffnet war und man noch gemeinsam Lift fahren konnte, durfte ich einen Dialog zwischen zwei Studierenden mitanhören. Wir standen zu zweit im Lift, da schlüpft im letzten Moment noch eine Studentin mit hinein. Und schon ging die Fahrt los. Die beiden Studierenden schienen sich zu kennen. «Chunsch au is Bastle?», fragte der Student die Studentin. Diese bedauerte: «Nei, ich han Turne». Schon waren wir angekommen und die Studentin und ich mussten aussteigen, während der Student noch weiter hoch zu den Werkräumen fuhr.

Mein Sohn, der, wie er es nennt, an einer «richtigen» Hochschule studiert und den Tag nicht mit «Mandalamalen und Zahlentanzen» verbringt, hätte seine Freude an diesem Dialog. Er würde sich in seinen Vorurteilen gegenüber der PH und den PH-Studierenden bestätigt fühlen. Mich lässt der Dialog ratlos zurück.

Meine Ratlosigkeit hat mit dem hinter dem «Chunsch cho bastle» stehende Professionsverständnis zu tun. Welches Bild hat der Student von seinem Beruf, wenn es in seiner Ausbildung nicht um die Auseinandersetzung mit Fragen der Didaktik und Methodik in einem wesentlichen und gleichzeitig schwierig zu unterrichtendem Fach wie dem Werken geht? Und welches Bild seines Berufes und seiner Ausbildung vermittelt er damit gegen aussen? Kein Wunder geistern unterschiedlichste Witze über PH-Studierende umher und steht der Werkunterricht politisch immer wieder mal auf der Kippe. Wenn wir so über unsere Profession sprechen, dann müssen wir uns nicht wundern.

Das jugendliche Alter des Students erklärt und verzeiht vieles und dass es auch um eine gewisse Coolness gegenüber der Studentin ging, ist mir aus meiner eigenen Studienzeit nicht ganz unbekannt.

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Hotline zum Thema Fernlernen

Zum Thema Fernlernen gibts eine Telefon-Hotline für Lehrpersonen und Schulleitungen der Deutschschweiz – 043 305 50 00.

Montag – Freitag: 9 – 11 Uhr und 16 – 18 Uhr

Montag – Donnerstag: zusätzlich 19.30 – 21.30 Uhr

Diese Hotline wird betrieben von Fachpersonen aus verschiedenen Kantonen und Organisationen und besteht voraussichtlich bis Ende März 2020.

Bitte bereiten Sie sich auf das Gespräch vor (je präziser die Fragestellung ist, umso einfacher für das Beratungsteam).

Vielen Dank, Gebert Rüf Stiftung, für die Unterstützung!

Zur Autorin

Rahel Tschopp Zentrumsleiterin Medienbildung und Informatik

Rahel Tschopp ist Zentrumsleiterin für Medienbildung und Informatik an der PH Zürich. In Projektleitungen, Prozessbegleitungen, Fachberatungen und
Schulentwicklung im Bereich Medien/ICT kennt sie sich aus.

Schulleiterinnen und Schulleiter in ihrem Führungshandeln unterstützen

Eine Schule zu leiten, gilt vielerorts als einsame Verantwortung, die von den Schulleiterinnen und Schuleitern häufig als belastend wahrgenommen wird. Die Herausforderungen, mit denen sich Personen an der Spitze von Schulen konfrontiert sehen, nehmen in den letzten Jahren stark zu. Umso dringender braucht es ein starkes Beratungs- und Unterstützungsnetz, heisst es laut dem österreichischen Bildungsforscher Prof. Dr. Stefan Brauckmann. Jörg Berger hat ihn interviewt.

Wie nehmen Schulleiterinnen und Schulleiter ihre Aufgabe aktuell wahr?

Momentan sind die Zuschreibungen, was Schulleiterinnen und Schulleiter zu tun haben, sehr normativ und die Rollen werden immer weiter ausdifferenziert. Man hat mittlerweile den Eindruck, alles sei zur Führungsaufgabe geworden, von dem Umgang mit Daten bis zur Personalführung und zum Beschwerdemanagement. Viele Schulleiterinnen und Schulleiter zeigen aktuell Überforderungstendenzen, wie aus Belastungs- und Beanspruchungsstudien klar hervorgeht. Diese Aufgaben können auch aus objektiver Sichtweise nicht mehr von einer Person allein bewältigt werden, zumal diese Personen auch nicht für die Vielzahl an Rollen vorbereitet worden sind.

Sollte man gerade bei dieser Vorbereitung ansetzen?

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Strategische und operative Schulführung – Miteinander statt Gegeneinander

Ein Schulbehördenmitglied berichtet wie folgt: «Unsere Schulleitung beschränkt den Kontakt mit unserer Behörde auf ein Minimum und sie versucht, wenn immer möglich uns von der Schule fernzuhalten. Sie begründet dies damit, dass die Schulleitung die Profis seien und es folglich ihre Schule sei. Dies hat in jüngster Vergangenheit zu Konflikten zwischen Schulbehörde und Schulleitung geführt.» Barbara Kummer, Präsidentin Schulpflege Andelfingen, setzt im Gespräch mit Daniel Brodmann auf die Zusammenarbeit.


Wer führt die Schule?

Schulleiterinnen und Schulleiter nehmen als Führungspersonen eine wichtige Funktion im Schulsystem ein. Sie bringen eine Professionalisierung mit und kennen ihre Schule und das «Schulbusiness» besser als die Schulbehörde. Denn die Schulpflege ist kein Fachgremium, sondern besteht in der Regel aus Laien, welche in einem anderen wirtschaftlichen Umfeld tätig sind. Dennoch sind die Schulleitung als auch die Schulbehörde mit der Führung der Schule beauftragt. 

Die Schulbehörde fällt die strategischen Entscheide und die Schulleitung setzt diese operativ um. Mit anderen Worten sind Schulleiterinnen und Schulleiter verantwortlich für die operative schulische Ebene mit einem oder mehreren Schulhäusern, für Lehrpersonenteams und für Schülerinnen und Schüler. Die Schulpflege plant die finanziellen, personellen sowie räumlichen Ressourcen und beaufsichtigt die Schule.

Zweifelsohne stehen die strategische und die operative Führungsebene in einer engen Wechselbeziehung zueinander. So muss auch die Schulleitung im Interesse realistischer, sinnvoller und umsetzbarer Zielsetzungen und zum Wohle der Schule strategisch denken und strategische Prozesse unterstützen.

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«Im Pyjama und ungeschminkt»

Der Gewinn digitaler Entwicklung für Schulleitende und Lehrpersonen und wie Schulleitende diesen Prozess unterstützen können; Darüber hat Heike Beuschlein mit Marc Weder, Leiter des Bereichs «Digitale Bildung und Forschung» bei Microsoft, gesprochen.

Durch Daten das Bauchgefühl sinnvoll stützen

Die erste Aufgabe am Morgen ist ein zehnminütiger Datencheck. So sieht Marc Weder, Microsoft Verantwortlicher für die Bildungskunden in der Schweiz und in Liechtenstein, die moderne Schulführung.

Während in den Anfängen seiner Aufgabe der Fokus in den Schulen auf der Awareness der digitalen Medien lag und sich in den darauffolgenden Jahren auf die Sinnhaftigkeit der Digitalisierung verschob, wird sich seiner Meinung nach zukünftig der Blickwinkel auf eine sinnvolle Nutzung der Daten fokussieren. Das ist zum Beispiel durch ein «Business Intelligence Cockpit» möglich. Intuitive Entscheidung der Schulleitenden sollen durch gezielte Daten verschiedener Kenngrössen wie beispielsweise über Abwesenheiten, Notenentwicklung und Prüfungskollisionen untermauert werden.

Personalführung und Personalentscheidungen basieren in zunehmendem Masse auf gesammelten Daten und ermöglichen so, dem Profil der Schule, den Erfordernissen des Unterrichts und den Bedürfnissen der Lehrpersonen entsprechend strategisch zu handeln. Was zunächst sehr mathematisch und wenig menschlich klingt, kann dem Schulleitenden jedoch helfen, professionell zu handeln.

Lehrpersonen ermutigen

Marc Weder unterstützt mit seinem zehnköpfigen Team Kindergärten, Schulen und Hochschulen auf ihrem Weg in die Digitalisierung. Für ihn ist der erste Schritt, Lehrpersonen für eine zunehmende Digitalisierung zu motivieren, das vorbildhafte Verhalten der Schulleitung. Nur Schulleitungen, die selbst ihre Hemmschwelle überwinden und ein offenes Lernverhalten für digitale Medien zeigen, können Lehrpersonen vorleben, dass es nicht nur erlaubt, sondern absolut akzeptabel und manchmal wichtig ist, Fehler zu machen.

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