Teacher Leadership – Wie wir am besten zusammenarbeiten können

In einer Vertiefungsarbeit im Rahmen des CAS Pädagogische Schulführung hat sich Stephan Mernberger, Schulleiter am Lernstudio Zürich und Winterthur, mit dem Thema Teacher Leadership auseinandergesetzt. Er beleuchtet das Zusammenspiel zwischen Teacher Leadership und Schulleitung und erfragt dabei, welche Aufgaben einer Schulleitung zukommen. 

Die wohl offensichtlichste Aufgabe einer Schulleitung ist es, dafür zu sorgen, dass die Schule sich in dem Masse positiv entwickelt, indem sie das umsetzt, was unter der Ägide von Forschungsstand, gesellschaftlichem Konsens und hausinterner traditioneller Bewahrung als umsetzbar gewünscht wird. 

Derzeit ist die Institution Schule in der Schweiz mit vielerlei Herausforderungen konfrontiert: 

  • eine sich – zumindest wird dies medial so empfunden – stark wandelnde Gesellschaft; 
  • eine starke Aufmerksamkeit der Gesellschaft in Bezug auf das System Schule plus internationaler Vergleichssysteme (Pisa); 
  • ein durch die pädagogische Ausrichtung zum Beispiel inklusiver und multiethnischer Integration erweitertes Arbeitsfeld; 
  • eine durch die Einführung von Schulleitungen erstrebte Professionalisierung; 
  • ein verändertes Profil des Lehrberufs. 

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Das erste Jahr als Schulpräsidentin: Wie alles begann

Caroline Čada, Schulpräsidentin Uitikon, berichtet in einer mehrteiligen Beitragsserie über ihre Erfahrungen und Gedanken im ersten Jahr. So hat alles angefangen.

«Geboren werden, das kann jeder! Sogar ich habe es geschafft! Aber dann, dann muss man werden! Werden!» Dem humorvoll-verzweifelten Satz von Benjamin Malaussène, Hauptfigur in Daniel Pennacs Buch «Monsieur Malaussène» (1995, frei übersetzt), entnimmt man eine der schwierigsten Aufgaben des Menschen: seine eigene Entwicklung. Es ist nämlich keine einfache Sache, den zahlreichen und vielfältigen Anforderungen des Werdens, in welcher Richtung auch immer gerecht zu werden.

Mit einem Augenzwinkern kann man den Satz so umformulieren: «Gewählt werden, das kann jeder! Sogar ich habe es geschafft!». Das stimmt, und das ist das Besondere an politischen Ämtern: Jeder kann sich wählen lassen.

Vom Mitglied der Schulpflege zur Schulpräsidentin

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5 Fragen an Florence Bernhard – Inhaberin der Gesamtschule Winterthur

In unserer Rubrik «5 Fragen an…» interviewt Schulleiter Daniel Jeseneg die Gesamtleiterin Florence Bernhard zu ihrer Tätigkeit. Den Stafetten-Stab reichen wir an sie weiter.

Florence, du hast die Gesamtschule Winterthur vor etwa 10 Jahren ins Leben gerufen. Wie kam es dazu?

Durch meine Anstellung im April 2008 als Dozentin am Institut Unterstrass in Zürich habe ich die Gesamtschule Unterstrass AG von Prof. Dieter Rüttimann kennengelernt und gedacht: Eine solche Schule braucht es in Winterthur! Ein Jahr später habe ich den Entschluss gefasst, mit einem ähnlichen Konzept eine eigene Schule in Winterthur zu gründen. Die Eröffnung der Gesamtschule Winterthur (GSW) mit dem Profil des naturwissenschaftlichen Forschens und Entdeckens fand im August 2013 statt.

Ich finde es unglaublich lehrreich und spannend, pädagogische Konzepte zu gestalten und weiterzuentwickeln. In der Volksschule war diese Flexibilität durch vorgegebene Strukturen nicht überall gegeben. Nun kann ich voller Freude meine pädagogischen Ideen und Überzeugungen mit meinem grossartigen Team schnell und wirkungsvoll umsetzen.

Die Gesamtschule Winterthur ist dafür bekannt, das Lernen aus einer forschenden Perspektive zu betrachten. Wie lebt ihr das forschende Lernen?

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Übergänge im 1. Zyklus gemeinsam gestalten

In Zusammenarbeit mit dem Volksschulamt Zürich, dem Institut Unterstrass und engagierten Schulgemeinden sind Leitfäden und Filme zur gemeinsamen und zeitgemässen Übergangsgestaltung im 1. Zyklus entstanden. Der Fokus liegt auf konkreten, praktisch umsetzbaren Empfehlungen und dem Einbezug aller Beteiligten (Gemeinde, Schule und Betreuung, Kinder und ihre Eltern). Natalie Geiger zeigt auf, wie der Übertritt gemeinsam gestaltet werden kann.

Die ersten vier Schuljahre bilden die Basis für die weitere Schullaufbahn eines Kindes. Zwei Übergänge sind für die meisten Kinder und ihre Eltern beim Start in die obligatorische Schulzeit immer noch prägend: der Eintritt in den Kindergarten und der Übertritt in die 1. Klasse. Mit dem Lehrplan 21 wird ein Paradigmenwechsel angestrebt:  Lernförderung soll stärker aus der Perspektive der Kinder geschehen.

Indem die Übergänge stärker in den Fokus gerückt werden, wird zeitgleich das Lernen der Kinder im 1. Zyklus zum Thema. Wie lernen Kinder eigentlich – zu Hause, in der Spielgruppe, in der Kindertagesstätte (Kita), im Kindergarten und in der Primarschule?

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Teacher Leadership und Laufbahnen in der Schule

Karriereentwicklung oder Laufbahnmodelle sind im Lehrberuf auf den ersten Blick kein grösseres Thema. Oberflächlich könnte man auf drei Phasen schauen: Berufseinsteigende, die breite Mitte der Konsolidierung und die erfahrenen Lehrpersonen. Manchmal wird auch die Schulleitung als Karriereziel gesehen. Dabei lässt das Schulwesen viel mehr zu und es zeigen sich andere Möglichkeiten für Lehrer:innen – auch eine Frage in Hinblick auf die Attraktivität des Lehrberufs. Niels Anderegg und Nina Cathrin-Strauss über Beispiele von Teacher Leaders und deren Laufbahnen.

Laufbahnen im Lehrberuf sind ein historisches Thema, welches wissenschaftlich immer wieder einmal thematisiert wird. In den 1970ern schlug eine Expertenkommission vor, die Differenzierung der Lehrerschaft anhand von Rollen, Fächern oder Funktionen zu überlegen, was grössere Ablehnung auslöste. Diese kann auch als Stärkung der Vorstellung von Gleichheit unter den Lehrpersonen gelesen werden. Weder eine Hierarchisierung noch eine Differenzierung zwischen den Lehrer:innen war gewünscht. Eine LCH-Befragung zeigte vor knapp 20 Jahren, dass Lehrpersonen mehrheitlich offen für Laufbahnen sind, wenn sie denn Anerkennung bringen und keine grossen Konsequenzen für den eigenen Unterricht bedeuten.

Wo stehen wir heute? Unserer Ansicht nach gibt es die Differenzierung und auch Hierarchisierung unter den Lehrer:innen, auch durch die Beteiligung von Lehrpersonen an Führungsaufgaben. Auf unterschiedliche Weise ermöglicht Teacher Leadership Potenziale für Lehrer:innen, ihre Rolle zu erweitern oder Erfahrungen zu sammeln und Kompetenzen zu entwickeln. Dabei geht es nicht primär um Karriere im Sinne eines hierarchischen Aufstieges, sondern um die Stärkung und Weiterentwicklung der eigenen Kompetenzen im Dienste der ganzen Schule. Teacher Leadership kann, muss aber nicht ein Weg hin zur Schulleitung sein.

Drei (fiktive) Beispiele stehen in diesem Beitrag im Fokus, die aufzeigen, wie eine Weiterentwicklung in der Führungsrolle als Teacher Leader hilfreich und sinnvoll sein kann – für die einzelnen Personen aber auch die Schulen insgesamt.

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Lehrpersonenmangel: Schule zwischen Krise und Aufbruch

In den letzten Wochen war der Lehrpersonenmangel ein beherrschendes Thema in den Medien. Auch der zunehmende Leistungsdruck, die integrative Schule und der damit verbundene Anspruch an Lehrpersonen wurden aufgegriffen. Kaum hinterfragt wird hingegen, wie Führungspersonen im Bildungswesen mit diesen Herausforderungen umgehen können, um sie im Alltag gut bewältigen zu können oder sogar als Bereicherung wahrzunehmen. Frank Brückel über Austauschmöglichkeiten, die dabei helfen können.

Die Berichte reichen von gegenseitigen Schuldzuweisungen (NZZ vom 4.7.2022), über einen Lehrer-Crashkurs in 9 Punkten (NZZ am Sonntag vom 20.8.2022) bis hin zu Erfahrungsberichten von Betroffenen (Sonntagszeitung vom 20.8.2022). Vielleicht nicht ganz so prominent, aber genauso aktuell, wurde der zunehmende Leistungsdruck aufgegriffen (Sonntagszeitung vom 20.08.2022) oder auch der Anspruch an Lehrpersonen, alle Kinder entsprechend ihren Möglichkeiten in den Unterricht zu integrieren. All diese Themen laufen bei der Schulleitung zusammen. Doch kaum jemand spricht davon, wie diese breite Führungsverantwortung heute zu bewältigen ist.

Austausch über gute Praxis

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Barcamp – gemeinsam Lernen gestalten

Tagungen sind oftmals frontale Referate. Nicht so das Barcamp. Diese moderne Form einer interaktiv gestalteten Tagung lebt vom Engagement der Teilnehmenden und bricht so bewusst mit Traditionen. Beiträge, sogenannte Sessions, werden zu Beginn der Veranstaltung von den Teilnehmenden selbst eingebracht und später durchgeführt. So entsteht ein inspirierendes Peer-Learning, bei dem alle von den Erfahrungen der anderen lernen können. Damit eignet sich das Barcamp auch für interne Teamweiterbildungen. Ein Beitrag von Tobias M. Schifferle.

Das Barcamp wurde um die Jahrtausendwende im informatisch geprägten San Francisco erfunden. Bereits da war es als lockeres Tagungsformat für alle Interessierten gedacht. In den letzten Jahren etablierten sich auch Barcamps im schulischen Bereich. Ursprünglich als Grossgruppenformat gedacht, eignen sie sich auch gut für kleinere Gruppen. Barcamps können in zwei Stunden durchgeführt werden, dauern in der Regel jedoch ein bis drei Tage. Bei mehrtägigen Barcamps intensiviert sich der persönliche und fachliche Austausch nochmals. Auch für ganz- oder halbtägige Teamweiterbildungen eignet sich das Format sehr gut.

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Rassismus ist kein Rechtsaussenphänomen

Verstehen Führende und Lehrende, wie im Bildungswesen über alltägliches Handeln Diskriminierungen (Beispiel Rassismus) erfolgen, Zugehörigkeiten und Lernerfolge verhindert werden? Beschäftigt Sie dies angesichts all der Herausforderungen, die an Sie gerichtet werden? Eher Nein – sicher? Seit je werden defizitär angesehene gesellschaftliche Entwicklungen wie beispielsweise Umgang mit Genussmitteln oder Verkehrserziehung in pädagogische Probleme umcodiert. Solche sind in jeder Schule zu bearbeiten: so auch Diskriminierung und Rassismus. Petra Hild und Regina Scherrer Käslin regen zur Diskussion an.

Warum positionieren und äussern wir uns so, wie wir es tun und was könnte das mit Diskriminierung zu tun haben? Weder die PH Zürich noch andere Bildungsorte, das heisst, auch Ihre Schule stellen einen Lernraum, frei von Diskriminierungen und rassistischen Tendenzen dar. Neben institutioneller Diskriminierung (fehlende Barrierefreiheit, mangelnder Nachteilsausgleich) verweist der strukturelle Rassismus (Alltagsrassismus) auf die Privilegierten: «Ich weiss, ich säg, ich (c)han, …». Wer hat in Bildungssettings das Sagen, was meint da Augenhöhe und welche Rolle spielt die (An-)Sprache, spielen SprachEN? Sprache ist das zentrale Instrument zur Verständigung – egal ob gesprochen, geschrieben oder als Emoji. Jede Äusserung hat das Potenzial, das Gegenüber zu integrieren oder auszugrenzen und kann rassistisch wirken – auch unbeabsichtigt.

Diskriminierung
Quelle: Instagram, antidis_phfreiburg

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Wie Sie Lernziele fürs Unterrichten festlegen

Unterwegs an Wegweisern und Weggabelungen innehalten und prüfen: Wo sind wir gerade und wie müssen wir weitergehen, dass wir unser Wanderziel erreichen? Das Bild des Wanderns lässt sich auf das Planen und Durchführen von Unterricht übertragen, sagt Christine Eckhardt: Lernziele festlegen, diese transparent machen und auf dem Lernweg immer wieder prüfen, passt die Richtung und wie geht’s weiter.

Ein Merkmal kompetenzorientierten Unterrichts ist es, dass der Unterricht nicht von den zu bearbeitenden Inhalten, Methoden, Lernangeboten, sondern von den Kompetenzen her geplant wird. Zentral ist, über welche die Schüler:innen am Ende einer Lerneinheit verfügen sollten. Zu Beginn einer jeden Sequenzplanung werden die angestrebten Kompetenzen festgelegt und in Lernzielen konkretisiert, sodass klar ist, wohin es geht (Outcome).

Damit kommt den Lernzielen eine wegweisende Funktion zu. Sie steuern zum einen den Unterricht mit dessen Lerngelegenheiten und zum anderen die Beurteilung, bei der überprüft wird, inwieweit die Lernziele (Sachnorm) erreicht wurden.

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«Sie sind mir Proviant, Kompass und Gesellschaft zugleich»

Es handelt sich um einen der abwechslungsreichsten und vielschichtigsten Jobs. Er ist nur zu bewältigen mit einem guten Team, einem kompetenten Vis-à-vis und einer Verwaltung, die einen tatkräftig beim «Kraxeln» unterstützt. Für Martina Arpagaus ist das erste Jahr in der Schulleitung um. Sie zieht Bilanz.

Im ersten Blog «Vom Schulzimmer ins Schulleitungsbüro» schrieb ich, dass ich mich unausgerüstet und barfuss unterwegs fühle beim Weg zur Schulleitung. Ich bin es heute noch. Tagtäglich bin ich unsicher und begegne Situationen, die ich zum ersten Mal managen muss – Frust und Freude inklusive. Aber ich bin nicht allein. Es gibt ein Team, es gibt eine Schulleitungskollegin und eine Verwaltung. Unterdessen ist für mich das Allerwichtigste im Job: Netzwerken, austauschen, Hilfe holen, delegieren.

Das Team als Stütze im Sturm

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