Partizipation ist wichtiger als Hierarchien oder Rollen

Im Rahmen des Schulleitungsmonitors Schweiz erhielten über 2’000 Schulleitende die Gelegenheit, frei ihre Vision der Schule des 21. Jahrhunderts zu beschreiben. Nachfolgend skizziert Ella Grigoleit die zentralen Themenfelder der 1100 eingegangenen Rückmeldungen.

Für viele der befragten Schulleitungen fusst die Schule des 21. Jahrhunderts auf einer engen Zusammenarbeit verschiedener Anspruchsgruppen: Sie wünschen sie sich intensivere Austausch- und Kooperationsformate mit Bildungsinstitutionen, Betrieben und übergeordneten Instanzen wie kantonalen Vertretungen und Gemeinden. Auch die schulinterne Zusammenarbeit und Partizipation sowohl in der Gestaltung des Alltags als auch in Schulentwicklungsbelangen sollte, so die Befragten, in der Schule der Zukunft noch intensiver sein.

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Krieg in der Ukraine – Checkliste für Schulleitende

In den nächsten Tagen und Wochen werden viele Menschen aus der Ukraine in die Schweiz kommen und die Schulen haben die wichtige Aufgabe, Kinder und Jugendliche aufzunehmen und für sie da zu sein. Um diese gesellschaftlich und menschlich so wichtige Aufgabe leisten zu können, gibt Niels Anderegg konkrete Hinweise, an was Schulleitende alles denken müssen und wie sie handeln können.

Was vielen von uns bis vor kurzem noch unvorstellbar erschien, ist leider seit einigen Tagen bittere Realität. Mitten in Europa wird ein Land militärisch angegriffen und viele Menschen müssen von einem Tag auf den anderen ihr Zuhause fluchtartig verlassen und in einem fremden Land mit fremder Kultur, fremder Sprache bei fremden Menschen Zuflucht suchen. Meist können die Flüchtenden nur das Allernotwendigste mitnehmen und viele Familienmitglieder – so auch die Ehemänner und Väter, welche im Krieg kämpfen und dabei ihr Leben riskieren – müssen zurückgelassen werden. In den nächsten Tagen und Wochen werden viele Menschen aus der Ukraine in die Schweiz kommen und die Schulen haben die wichtige Aufgabe, Kinder und Jugendliche aufzunehmen und für sie da zu sein. Um diese gesellschaftlich und menschlich so wichtige Aufgabe leisten zu können, ist es notwendig, dass sich Schulen darauf vorbereiten. Die folgende Checkliste soll Hinweise geben, an was Schulleitende alles denken müssen und wie sie handeln können. Dabei bedeutet Checkliste nicht abarbeiten von Aufgaben, sondern Anregungen zu erhalten, um mit der momentanen Situation möglichst produktiv umgehen zu können.

Ein Anliegen ist mir besonders wichtig: Die nachfolgenden Punkte können Stress auslösen. «Das alles muss ich auch noch machen!» Das ist ein Stückweit kaum zu vermeiden, da die Herausforderungen gross sind und die Schulleitung die zentrale Schnittstelle ist. Gleichzeitig ist Stress wenig hilfreich und sollte, wenn immer möglich vermieden werden. Die nachfolgenden Punkte sind Anregungen und es ist zwingend, dass Schulleitungen Prioritäten setzen. Es gibt dringende Dinge und solche, welche wünschenswert sind. Und es gibt Dinge, für welche momentan einfach die Zeit und Energie fehlen. Bei den einzelnen Punkten steht bewusst «was die Schulleitung tun kann» und nicht «was sie muss» oder «was notwendig ist». Prioritäten setzen und zu sich und den anderen gut schauen, sind wichtige Führungsaufgaben, welche gerade in Situationen wie jetzt zwingend beachtet werden müssen.

Und etwas Zweites: Schulen bestehen nicht nur aus der Schulleitung. Wir sprechen bewusst von Gemeinschaftlicher Schulführung und versuchen Teacher Leadership zu stärken. Vieles kann gemeinsam gemacht und Aufgaben können verteilt werden. Vertrauen, in sich selbst und die anderen, ist ebenfalls eine wichtige Führungsvoraussetzung.

1. Kinder und Jugendliche haben Fragen, Erwachsene keine Antworten

Die Bilder aus der Ukraine bewegen uns. Bei den einen lösen sie Angst aus: Werden bald auch wir angegriffen? Gibt es einen dritten Weltkrieg? Was, wenn Atomwaffen eingesetzt werden? Andere spielen vielleicht auf dem Pausenplatz Krieg. Schulen müssen diese verschiedenen Reaktionen der Schüler:innen – aber auch Erwachsenen – aufnehmen und mit ihnen professionell umgehen. Doch was heisst professionell mit ihnen umzugehen? Wie gelingt dies, damit es nicht moralisierend, jedoch ehrlich und faktenbasiert ist? Wann soll etwas angesprochen werden und wann nicht? Für viele Lehrer:innen und andere Mitarbeitenden stellen sich zur Zeit solche und viele weitere Fragen. Damit sie situativ professionell reagieren können, ist es wichtig, dass solche und andere Themen unter den Erwachsenen diskutiert werden, sie sich gegenseitig unterstützen und die nötige fachliche Hilfe erhalten.

Was die Schulleitung tun kann:

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Wer Schulleiter:innen sind

Der Schulleitungsmonitor Schweiz (SLMS) ist die erste gross angelegte Studie, die sich mit den Führungskräften der Volksschule auseinandersetzt. Die Befragung von schweizweit 2’000 Schulleitenden zeigt viel Zufriedenheit trotz hoher Arbeitszeit, grossem Aufwand für administrative, verwaltende und personelle Aufgaben sowie erstaunlicher Lohnungleichheit.

Schulleitungen spielen eine grosse Rolle in der Organisation und Entwicklung von Schulen. Das hat laut der NZZ am Sonntag vom 30. Januar 2022 Corona deutlich ans Licht gebracht: Dank des grossen Einsatzes dieser Führungskräfte in Kooperation mit ihren Lehrpersonen haben Schweizer Schulen laut der S-Clever-Studie im Vergleich zu umliegenden Ländern gut abgeschnitten. Um Erkenntnisse zur zentralen Position der Schulleitenden zu gewinnen, wurde von den beiden Schulleitungsverbänden VSLCH und CLACESO sowie den Pädagogischen Hochschulen FHNW und HEP Vaud der Schulleitungsmonitor lanciert, dies mit Unterstützung der Stiftung Mercator Schweiz und der Jacobs Foundation.

Die teilnehmenden Schweizer Schulleitungen sind knapp überwiegend männlich (53%). Das Alter liegt im Durchschnitt bei 50 Jahren. Während weibliche Lehrpersonen gemäss Daten des Bundesamts für Statistik an Primar- und Sekundarschulen in der Mehrheit sind, so stellt sich dies bei den Befragten anders dar: An Primarschulen (inklusive Kindergärten) sind die Schulleitungen in der Mehrheit weiblich (54%). An Sekundarschulen sind hingegen nur 29% der befragten Schulleitungen weiblich.

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Welche Führung braucht die Schule21?

Der Verband Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz hat zusammen mit über 50 Autorinnen und Autoren das Buch «Schule21 macht glücklich» geschrieben. Darin führen wir aus, was wir unter einer zeitgemässen Schule verstehen. Aber wie stellen wir uns die Schulführung in der Schule21 vor? Welche Skills benötigt eine Schulleitung künftig? Darauf finden sich im Buch nur wenige Antworten, weshalb der VSLCH nun dran ist, dieser Frage auf den Grund zu gehen.

An der Präsidentenkonferenz von Anfang September 2021 wurde mit den Präsidien der kantonalen Schulleitungsverbänden der erste Anlauf genommen, um der Frage nach der künftigen Schulführung nachzugehen: «Welche Schulführung braucht die Schule21, damit sie glücklich macht?». Gegliedert nach den sieben Kapiteln des Buches wurde in einem World Café nach Haltungen und Fähigkeiten der künftigen Schulführung gesucht. Dabei wurde gezielt nicht auf die Rolle der Schulleitung fokussiert, sondern auf die Schulführung als Ganzes. Zur Schulführung zählen wir Behörden, Gesamtleitungen, Rektorate, Schulleitungen, Teilleitungen oder Personen mit Spezialfunktionen. Im Anschluss an die Sammlung wurden die Beschreibungen geclustert und einem möglichen übergeordneten Thema zugewiesen.

Alter Wein in neuen Schläuchen?

Spannend war, dass sich die Schwerpunkte der künftigen Schulführungskompetenzen von Buchkapitel zu Buchkapitel kaum unterschieden. Es gab Akzente, die sich je nach Kapitelthema mehr oder weniger aufdrängen. 

Wir wollen nicht zu viel vorwegnehmen, geben aber gerne einen kleinen Einblick, zu welchen Schlüssen unsere Kolleginnen und Kollegen kamen. Die künftige Schulführung für eine glückliche Schule21 sollte über folgende Fähigkeiten und Haltungen verfügen:

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Visit my school: Alemannenschule Wutöschingen

Schulleiter Stefan Ruppaner öffnet am Montag, 27. September 2021 die Türen der vielbeachteten Alemannenschule in Wutöschingen exklusiv für die Leserinnen und Leser unseres Schulführungsblogs.

«Wenn es gelingt, dass ein Kind jeden Tag gerne in die Schule geht, können wir nicht verhindern, dass es etwas lernt», so der Leitspruch von Schulleiter Stefan Ruppaner im Interview auf dem Blog Schulführung vor knapp einem Jahr. «Die Zukunft des Lernens liegt zum einen beim Selbstorganisierten Lernen (SoL) und zum anderen beim Lernen durch Erleben (LdE)», gab er zu Notiz.

Vom Lernatelier über den Marktplatz zum Clubunterricht

Der Raum als dritter Pädagoge hat an der Alemannenschule Wutöschingen eine wichtige Bedeutung. «Wir unterscheiden sieben Lernräume», führt Ruppaner aus: Lernatelier, Kooperativer Lernbereich (Marktplatz), Input-Räume, Lernräume für der Clubunterricht (ausserschulische Lernorte), Lebensräume für die Freizeit, Digitaler Lernraum, Zuhause (Homelearning). Man dürfe nicht vergessen, dass der Raum mehr ist als das Schulgebäude. Der Wald, der Bach und die Firmen sind als Lernorte mindestens genauso wichtig. Für Ruppaner steht eines fest: «Die Schule, egal wo sie stattfindet, sollte ein Ort der Sehnsucht sein.»

Programm des Schulbesuchs und Anmeldung

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Schule21 macht glücklich

Im Schweizer Bildungssystem besteht neben dem Lehrplan 21 keine gemeinsam getragene Vision, finden wir vom Verband Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz VSLCH. Höchste Zeit, dies zu ändern! Zusammen mit den Präsidien der Kantonssektionen haben wir eine gemeinsame Zielvorstellung einer zeitgemässen Schule im 21. Jahrhundert entworfen.

Die Vision nennt sich «Schule21 macht glücklich». Glücklich deshalb, weil unsere Schule nicht allein zu einem glücklichen und mündigen Leben nach der Schulzeit verhelfen soll. Vielmehr sollen die Schüler*innen sowie alle Mitarbeitenden die Lern- und Arbeitszeit selbst als glücklich und erfüllend erleben. Schule21 gleich aus vier Gründen: Es geht um unsere Vision einer zeitgemässen Schule im 21. Jahrhundert, zur Vision können alle Schulleiter*innen aus allen 21 deutschschweizer Kantonen beitragen, das Buch dazu wird im Jahr 2021 erscheinen und bezieht sich unter anderem auf den kompetenzorientierten Lehrplan 21.

In unserer Schule des 21. Jahrhunderts lernen die Schülerinnen und Schüler mit allen Sinnen des Körpers; geistig, musisch und physisch. Wir schaffen Gelegenheiten, in denen sie ihre Stärken entfalten. Es ist eine Schule, in welcher der Raum zum dritten Pädagogen wird mit Sitzkreis, Leseecke, Reflexionsort, Rückzugsmöglichkeiten, Studiumsplatz, Begegnungszonen für Dialog, Diskussion und Präsentation, MakerSpace, Cloud…

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Mit Büchern Gutes tun

Steckst du auch im Dilemma? Raclette im Lehrerinnen- und Lehrerzimmer kannst du vergessen, den gemütlichen Brunch mit dem Team anlässlich des Schulsilvesters ist abgesagt. Was noch bleibt, ist Glühwein mit abgepackten Guetzli – draussen und mit Abstand wohlverstanden. Doch die letzten Monate haben uns gelehrt, anders zu denken. Weshalb an alten Mustern festhalten? Wie wäre es mit einem Buch als Geschenk für alle Mitarbeitende? Buchtipps von Jörg Berger.

Poetisch soll es sein, mitten aus dem Herz geschrieben, einnehmend und erfrischend frech. Selbstverständlich soll es nicht ein beliebiges Buch sein. Es soll eine Botschaft transportieren. Im besten Fall eine im Sinne des dringend benötigten Lernkulturwandels an unseren Schulen und ohne theoretisch zu wirken. Drei Bücher dieser Art stelle ich euch vor.

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Führen in der Krise – Wie der Blick in die Theaterwelt Schulleitende bereichern kann

Daniel Rohr, Schauspieler, Regisseur und seit 2004 mit grossem Erfolg Leiter des Theaters Rigiblick, widmet sich mit Leidenschaft seinen Aufgaben. In der Corona-Krise, welche die Kunstszene mit starker Wucht traf, sind Leitungspersonen besonders gefragt, ihre Führungsaufgaben proaktiv, klar und sensibel wahrzunehmen. Wie Daniel Rohr dies gelang und welche Elemente sich in die Schule übertragen lassen, ist aus einem Zoom-Interview mit Heike Beuschlein herauszulesen.

Herr Rohr, ich war in einer Ihrer ersten Veranstaltungen nach dem Lockdown. Es berührte mich, mit welchen wertschätzenden Worten Sie sich nach der Aufführung bei Ihrem Team und einzelnen Schlüsselpersonen bedankten. Wie beschreiben Sie Ihr Verhältnis zu Ihrem Team?

Das Theater Rigiblick hat eine sehr sehr flache Hierarchie und ich habe das grosse Glück, dass ich keinen gewaltigen Apparat habe und dass ich sehr nahe an den Menschen bin, die hier arbeiten. Wenn man den Teamgedanken ausweitet, sind ja auch die Künstlerinnen und Künstler Teils des Teams. Weil ich mit allen in engem Kontakt bin, konnte ich diese auch schützen. Wir richteten z.B. einen Corona-Hilfsfond ein. Das Verhältnis zu allen ist sehr eng, es ist sehr familiär, es ist von einem grossen Vertrauen geprägt. Das liegt nicht nur an mir. Als Team ist man nur so stark, wie das schwächste Glied in der Kette. Ich habe das grosse Glück, dass auch meine Stellvertreterin in die gleiche Richtung geht. Wir sind immer dabei unsere menschlichen Grundsätze weiterzugeben: Humanismus, gute Werte und Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft. Das ist das, was man von aussen spürt, dass das Team sehr eng verzahnt ist und dass wir die Menschen danach gut auswählen können. Bei uns ist der Teamgedanke sehr sehr sehr gross. Und das ist gegenseitig, von einer grossen Solidarität getragen. Jeder springt jederzeit für jeden ein. Ich geniesse eine grosse Akzeptanz auch von den Jungen und lasse mich jederzeit von den Jungen inspirieren. Das ist schon ein grosses Geschenk.

Der Lockdown im März war ein Schock für viele. Die Kunstszene traf es besonders. Was waren damals Ihre ersten Massnahmen?

Ich griff als allererstes zum Hörer und rief die über hundert hier arbeitenden Künstlerinnen und Künstler an. Diese Aktion nahm vier Tage in Anspruch, denn ich rief wirklich alle an, auch die sogenannten Substituts. Ich sagte Ihnen: «Passt auf, das ist jetzt eine schwierige Situation, aber ich habe immer so von eurer Solidarität, von eurer guten Arbeit profitiert, jetzt ist es an uns, euch zu schützen». Danach rief ich unsere Mäzeninnen und Mäzenen an und sagte zu ihnen: «Jetzt ist es an euch, uns zu unterstützen». Das funktionierte gut. Wir hatten schon einen Plan für ein Benefizkonzert, für welches wir eine Eingabe beim Kanton gemacht hatten. Das schaffte Vertrauen. Es gibt immer einige Personen, die durchs Netz fallen. Uns gelang es, diese aufzufangen.

Wie konnten Sie Ihr Team, aber auch selbständige KünstlerInnen, mit denen Sie arbeiten, über die Wochen hinweg «bei der Stange halten», sie trotz grosser Unsicherheit nachhaltig motivieren?

Ich war immer in Kontakt mit allen. Ich hatte das grosse Privileg im Garten meines schönen alten Bauernhauses zu arbeiten, aber ich war fast jeden Tag in meinem Büro hier vor Ort. Dass alle an einem Strang ziehen und sich gegenseitig stützen, ist symbolisch für uns im Theater Rigiblick. Deswegen war es mir auch wichtig, das Vertrauen weiterhin aufrecht zu erhalten in dieser Zeit. Und dass alle spüren, hey, der Dani ist jetzt Papa und die Brigitta ist jetzt Mama, und die sind jetzt für uns da. Ich meine das im Sinne der Sache. Mir ist es wichtig, dass wir eine gute Stimmung haben und aus dieser guten Stimmung heraus ist man bereit, mehr zu leisten. Und dann bin ich auch bereit, mehr zu leisten. Wenn das personalisiert ist und die Menschen merken, ich bin gemeint. Dann sind die Menschen bereit, hier zu arbeiten, auch wenn sie merken, woanders verdient man 200 CHF mehr, einfach, weil es hier Spass macht.

Sie schaffen und erschaffen immer wieder neue Rollen, neue Szenarien. Auch Schulen müssen in dieser Zeit kreative Lösungen finden, ihre Performance gestalten und dabei alle Beteiligten mitnehmen. Was von dem, wie Sie im Theater Rigiblick diese Problemsituation gestaltet und gemeistert haben, könnte auch für eine Schule wichtig sein?

Es gibt ein Gesetz in der der Physik, das überall gilt: Die Energie, die ich reinstecke, die kommt auch wieder raus. Da glaube ich felsenfest daran. Ich glaube, wenn ich als Lehrerin oder Lehrer bereit bin, viel in die Kinder, in die Schule, in die Ausbildung zu stecken und wenn ich interessiert an dem bin, was ich mache, dann kommt von den Kindern, den Jugendlichen so viel mehr zurück und dann geht man gerne. Und man hat ja auch immer Gleichgesinnte, mit denen man gemeinsam entwickeln kann. Und es ist ja dann auch spannender, den Beruf auszuüben. Antonio Gramcsci, Gründer der italienischen kommunistischen Partei sagte «Pessimismus der Intelligenz, Optimismus der Tat», das habe ich mir während der Corona-Phase gesagt: Wir befürchten das Schlimmste, aber wir machen das Beste daraus.

Was geben Sie aus Ihrer persönlichen Sicht als Führungsperson Schulleitenden mit auf den Weg?

Ich glaube, das Zuhören ist wichtiger als das Erzählen. Es ist vermessen, dass ich etwas mitgeben kann. Aber ich stelle mir vor, dass man ausgleichen können muss. Da sind unterschiedliche Menschen, da sind unterschiedliche Ansätze. Da muss man viel vermitteln. Aber das ist hier auch der Fall. Kürzlich fragten wir uns in einer Sitzung: Was machen wir mit Corona? Da sass das ganze Team zusammen. Allen stand ein Slot von 3 oder 4 Minuten zur Verfügung. Sie konnten einbringen, wie sie damit umzugehen gedenken. Es kamen super Inputs. Und dann kann ich immer noch sagen, das nehmen wir, das nehmen wir nicht.

Zur Autorin

Heike Beuschlein setzt sich als Dozentin und Beraterin in unterschiedlichen Kontexten mit Fragen zur Schulführung, Schulentwicklung und Kommunikation auseinander. Sie ist Lehrgangsleiterin des CAS Führen einer Bildungsorganisation (Schulleitungsausbildung), leitet den DAS Schulführung Advanced und organisiert im Tandem jährlich eine Studienreise für Führungspersonen.

Redaktion: Jörg Berger

Titelbild: zVg

Vom Unterrichts- zum Schulbesuch

Mit der aktuellen Revision des Volksschulgesetzes im Kanton Zürich verlagert sich die Zuständigkeit bezüglich Mitarbeitendenbeurteilung (MAB) von Lehrpersonen ganz zu den Schulleitenden. Damit verbunden ändern auch die Vorgaben bezüglich Schulbesuchen. Schulbehörden werden mit dem Ziel einer Stärkung ihrer strategischen Führung weiterhin Schulbesuche durchführen aber ohne Vorgaben darüber, wieviele Besuche es geben soll und wie diese gestaltet werden sollen.

Bisher: Fokus UNTERRICHTSbesuch

Als Mitglied einer (Kreis-)Schulbehörde mache ich viele Unterrichtsbesuche. Spannend ist es zu sehen, wie unterschiedlich Lehrpersonen die Beziehungen zu den einzelnen Schülerinnen und Schülern gestalten, wie sie die Klasse führen und den Unterricht gestalten. Auch Zusammenarbeit kann im und rund um den Unterricht erlebt werden – selten ist eine Lehrperson längere Zeit allein im Schulzimmer mit den Schülerinnen und Schülern. Nicht nur während des Unterrichts mache ich Beobachtungen – sondern immer auch auf dem Weg: Komme ich in der grossen Pause, fällt mir auf, wie der Aussenraum gestaltet und genützt ist, was die Kinder auf dem Pausenplatz tun, wie sie und die Pausenaufsicht mit Konflikten und schwierigen Situationen umgehen. Aber ich erlebe auch die Atmosphäre im Lehrerzimmer, habe selbst das ein oder andere Gespräch bei der Kaffeemaschine und sehe, wie Absprachen getroffen werden. Nach dem Unterrichtsbesuch nehme ich mir live vor Ort oder telefonisch Zeit für ein Gespräch mit der Lehrperson.

Diese Unterrichtsbesuche sind wertvoll für mich und mein Verständnis dessen, was unsere Schulen beschäftigt. Gleichzeitig habe ich mich als Behördenmitglied immer etwas daran gestossen, dass wir eben «Unterrichtsbesuche» machen und damit unsere Aufgabe sehr nahe an der Rolle der Schulleitenden ist.

Neu: Fokus SCHULbesuch

Ich freue mich deshalb darüber, dass laut Volksschulgesetz weiterhin Behördenbesuche vorgesehen sind, dass sich jetzt aber der Fokus verschiebt hin zur Schule als Ganzes. Vielleicht werden also die Wege ins Schulhaus mit meinen Beobachtungen der Raumnutzung, der Pausenzeit, des Umgangs miteinander an dieser Schule genauso wichtig sein wie der Unterrichtsbesuch.

Ich möchte weiterhin Schwerpunkte einzelner Fächer kennenlernen und etwas darüber erfahren, wie die Lehrpersonen die Arbeit in diesem konkreten Schulhaus erleben. Ich freue mich darauf, über meine Eindrücke und Erfahrungen mit der Schulleiterin oder mit Mitarbeitenden ins Gespräch zu kommen und die beobachteten Themen auch im Schulprogramm wiederzufinden – z.B. als Stärken dieser Schule!

Wie könnten diese Besuche auch zukünftig nützlich gestaltet werden? Wie können Schulbehördenmitglieder «am Puls» der Schule und im Austausch mit den Lehrpersonen und der Schulleitung bleiben? Wie können solche Besuche auch für den Umgang mit strategischen Themen genützt werden und letztendlich einen Beitrag zu einer «guten Schule» leisten?

Gesucht: Schulen, die schon SCHULbesuche durchführen

Als Dozentin an der PH Zürich interessiert es mich – und andere Lesende bestimmt auch – welche Schulgemeinden schon jetzt die Besuche der Behördenmitglieder «anders» durchführen. Wie gestalten Sie diese Besuche? In welcher Form tauschen Sie sich über Eindrücke mit den Mitarbeitenden der Schule aus? Was bewirken diese Besuche?

Gerne möchte ich Sie einladen, in der Kommentarfunktion Ihre Erfahrungen mit uns zu teilen! Wir sind gespannt!

Zur Autorin

Andrea Hugelshofer ist Dozentin im Zentrum Management und Leadership an der PH Zürich und Mitglied einer Kreisschulpflege in Winterthur. Sie beschäftigt sich als Beraterin und Dozentin mit Themen rund um Personalentwicklung, den Erhalt von Gesundheit und Leistungsfähigkeit sowie dem Umgang mit Konflikten. Insbesondere verantwortet sie spezifische Weiterbildungsangebote für Mitglieder von Schulbehörden.

Redaktion: Jörg Berger

Titelbild: Pixabay

Spannungsfelder der Führung: Autonomie und Kooperation im Team

Die individuelle Autonomie ist ein hohes Gut in Schulen. Zugleich zählen Kooperation und gemeinschaftliche Verantwortung für das Lernen der Schülerinnen und Schüler zu den Merkmalen «guter Schulen». Nina-Cathrin Strauss fragt sich, was dieses Spannungsfeld für Führungspersonen und Schulteams bedeutet.

Entscheidungen über Entscheidungen

Lehrpersonen treffen als pädagogische Expertinnen und Experten täglich Unmengen an Entscheidungen. Sie entscheiden im Unterricht darüber, wie sie ausgehend von ihrer Planung ein Thema konkret aufbereiten, wie sie auf Störungen oder Fragen reagieren, ihr Vorgehen allenfalls anpassen und wie sie differenzieren, wenn nicht alle Schülerinnen und Schüler folgen können. Empirische Schätzungen gehen davon aus, dass Lehrpersonen alle zwei Minuten eine Entscheidung darüber treffen, wie sie handeln (Dann/Haag 2017). Auch wenn es 5 min sind, es sind sehr viele Entscheidungen in Situationen, die oft nicht unbedingt klar sind, ganz unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten hätten und wo auch nicht immer klar ist, wohin die Entscheidung führt und ob sie erfolgreich sein wird. Das ist eine grosse Verantwortung, die das Bedürfnis nach Autonomie über das pädagogische Handeln stärkt.

«Beliefs» prägen Handeln

Viele dieser Entscheidungen geschehen ganz unbewusst und hängen mit den «Beliefs» bzw. den pädagogischen Überzeugungen zusammen: Überzeugungen «bringen zum Ausdruck, was eine Lehrperson glaubt, worauf sie vertraut, was sie subjektiv für richtig hält und mit welchen fachpädagogischen Ideen, Anschauungen, Weltbildern und Wertorientierungen – mit welchem Professionsideal – sie sich identifiziert» (Reusser, Pauli, und Elmer 2011, 644). Wie Lehrpersonen pädagogisch handeln hängt also zusammen mit den Vorstellungen von «gutem Unterricht», vom Lernen und Lehren, von der Haltung und den Erwartungen den Kindern gegenüber. Zum Beispiel zeigen sich in Forschungen immer wieder die hohen Erwartungen an die Kompetenzen und Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen als wichtiges Merkmal von erfolgreichen Schulen.

Individuell oder gemeinsam erfolgreich?

Diese Überzeugungen sind individuell und beruhen auf persönlichen und beruflichen Erfahrungen der Lehrpersonen. Und sie unterscheiden sich von Person zu Person und führen zu unterschiedlichem pädagogischem Handeln. Überzeugungen sind aber auch sozial geprägt und können sich entwickeln, wenn sie geteilt werden, in der Diskussion und in der Zusammenarbeit mit anderen Lehrpersonen.

Nun stellt sich die Frage, ist das gewollt? Denn für Expertinnen und Experten ist die Autonomie über ihr Handeln und ihre Überzeugungen ein ganz hohes Gut. Denn sie kennen ihr Unterrichtssetting am besten und können einschätzen, was die Schülerinnen und Schüler brauchen, um gut lernen zu können.

Zugleich unterscheiden sich die Erfahrungen und Erfolge der Lehrpersonen. Im Rückblick auf die besondere Situation in den letzten Monaten sind die Unterschiede in einigen Schulen wohl noch deutlich geworden – oder untergegangen in der räumlichen Trennung. Die Schülerinnen und Schüler haben je nach Schule und Lehrperson unterschiedlich intensive, kreative Lösungen erlebt und haben unterschiedlich profitiert. Hier wird die Frage der Gerechtigkeit aus Sicht der Kinder und Jugendlichen deutlich, die aber natürlich auch ausserhalb der Krise wichtig ist. Denn letztlich geht es in einer guten Schule darum Kinder und Jugendliche bestmöglich zu fördern. Und in Schulen ist die Kooperation und der Austausch zu einem wesentlichen Aspekt geworden, diese Krise zu bewältigen.

Autonomie lassen vs. Kooperation stärken: Spannungsfelder der Schulführung

In einigen Schulen haben sich Schulleitungen – zusammen mit Teacher Leadern wie den PICTS-Lehrpersonen – in den letzten Monaten also verstärkt um Austausch und Verbindungen bemüht.  Dies auch, weil es guttut, gemeinsam über (gute und schlechte) Erfahrungen, über pädagogische Settings und über das eigene (Un)wohlbefinden zu sprechen. Aus Sicht der Kinder und Jugendlichen ist diese Kooperation aber auch wichtig, weil wir wissen, dass geteilte Überzeugungen und Kooperation die Qualität von Unterricht und Schule stärkt. Und die Schulleitung prägt die Rahmenbedingungen. Sie schafft Gelegenheiten für Kooperation und gemeinsame Reflexionen. Und sie prägt die Qualität der Beziehungen und der Kooperationskultur in der Schule, wenn sie ermutigt und ermöglicht, dass sich Lehrpersonen mit ihren Überzeugungen und ihrer Expertise einbringen für die Entwicklung als «gute Schule».

INFOBOX

Im Herbst 2020 startet der CAS Pädagogische Schulführung #06 an der PH Zürich unter der Leitung von Nina Strauss, Reto Kuster und Niels Anderegg. Die ersten beiden Module «Gute Schule» und «Lernen und Organisation» können auch einzeln besucht werden. Der CAS richtet sich bewusst an unterschiedliche Personen im Schulsystem, die sich mit pädagogischen Fragen aus Sicht der Führung beschäftigen. Weitere Informationen erhalten sie hier.

In diesem Video wird der CAS Pädagogische Schulführung näher vorgestellt.

Quellen:
Dann, Hanns-Dietrich, und Ludwig Haag. 2017. „Lehrerkognitionen und Handlungsentscheidungen“. In Lehrer-Schüler-Interaktion, herausgegeben von Martin K. W. Schweer, 89–120. Schule und Gesellschaft 24. Springer Fachmedien Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-15083-9_4.
Reusser, Kurt, und Christine Pauli. 2011. „Berufsbezogene Überzeugungen von Lehrerinnen und Lehrern“. Handbuch der Forschung zum Lehrerberuf 2.  

Zur Autorin

Nina-Cathrin Strauss beschäftigt sich als Dozentin und Forscherin mit der Frage, wie gemeinschaftliche Führung zur Entwicklung als gute Schule beitragen kann. Neben dem CAS Pädagogische Schulführung ist sie Ko-Leiterin im CAS Schulqualität.

Redaktion: Jörg Berger

Titelbild: pixabay

Hier gehts zu einem weiteren Blogbeitrag von Nina-Cathrin Strauss zum Thema «Distributed Leadership»