European Conference Educational Research ECER

Jeweils im September findet die Europäische Konferenz für erziehungswissenschaftliche Forschung statt. Neben vielen Teildisziplinen gibt es auch einen Themenstrang zu Educational Leadership. Kolleginnen und Kollegen teilen mit uns ihre Eindrücke vom diesjährigen ECER.

Schon fast wie bei einem Klassentreffen versammeln sich alle europäischen Forschende – und auch viele Kolleginnen und Kollegen aus Übersee – im Bereich Schulführung und stellen sich während vier Tagen ihre neusten Forschungsprojekte und -resultate vor. Dieses Jahr war die Universität Hamburg Gastgeberin der ECER.

Niels Anderegg hat Kolleginnen und Kollegen gebeten, in einem kurzen Beitrag etwas mit uns zu teilen, dass sie für sich an der ECER entdeckt haben. So erhalten wir ihre Eindrücke und einen Einblick in die verschiedenen Forschungsprojekte.

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Wie Forschung für Führungspersonen sinnvoll sein kann

Grosse Werkstatt Schulführung – Schulentwicklung und Diplomierung des ersten DAS Schulführung Advanced

Während des einjährigen Durchlaufs des DAS Schulführung Advanced findet in den frühen Abendstunden vier Mal pro Jahr ein zweistündiger Austausch mit einem spannenden Thema eines geladenen Referenten statt. In diesem neu entwickelten Format «Werkstatt» tauschen sich DAS-Teilnehmende, Forschende, Praktizierende und Dozierende aus, welche sich für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Schulführung – Schulentwicklung interessieren.

Forschende stellen ihre Projekte vor und diskutieren mit Schulleitungen und Dozierenden ihre Ergebnisse. Praktizierende erhalten für ihr Führungsverhalten und ihre Schulentwicklungsprozesse relevante und handlungsorientierte Erkenntnisse. Forschende nehmen wichtige Aspekte aus dem reichhaltigen Erfahrungsschatz der Praktizierenden in die Planung, Ausrichtung und Interpretation ihrer Forschung auf. So kann die wichtige Verzahnung von Wissenschaft und Praxis gelingen. Eine Win-Win-Situation! Wie Forschung für Führungspersonen sinnvoll sein kann weiterlesen

Facetten von Schulleitungshandeln

Am 18.03.2019 durften wir das Forschungsprojekt „Von den Besten lernen – Schulleitungshandeln an lernwirksamen Schulen“ beim Forum Schulleitung in Winterthur vorstellen und erste Ergebnisse präsentieren.

Das von der Robert-Bosch-Stiftung geförderte Forschungsprojekt Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Schratz an der Universität Innsbruck, Institut für Schulforschung sowie Lehrerinnen- und Lehrerbildung, durchgeführt. Es geht der Frage nach, wie sich Schulleitungshandeln an lernwirksamen Schulen zeigt und hat sich zum Ziel gesetzt, Erkenntnisse für die Professionalisierung von Schulleiterinnen und Schulleitern und für die Begleitung von Schulentwicklungsprozessen fruchtbar zu machen.

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Forschungsprojekt zur Schulentwicklung von Primarschulen: 100 Primarschulen in der Deutschschweiz gesucht

Wie arbeiten Sie und Ihr Team konkret im Schulalltag, um die eigene Schule und den Unterricht weiterzuentwickeln? Wie gelingt es Ihnen, Ihre Schülerinnen und Schüler optimal zu fördern? Diesen und weiteren Fragen geht die Studie „School Improvement Capacity for Academic Learning“ am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich nach und sucht dazu 100 Primarschulen.

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Werkstatt Schulführung – von den Besten lernen

An der PH Zürich gibt es neu Werkstätten, in denen Forschende im Themenfeld Schulführung / Schulentwicklung aus einem laufenden Projekt berichten. Eingeladen zu den Werkstätten sind die aktuellen und ehemaligen Teilnehmenden des DAS- und MAS-Studiengangs und Dozierende im Bereich Schulleitung / Schulentwicklung. Ziel der Werkstätten ist es, miteinander ins Gespräch zu kommen und voneinander zu lernen.

Die erste Werkstatt hat am 13. November 2018 stattgefunden. Ass.-Prof. Mag. Dr. Markus Ammann und Alexander Bergmann, beide von der Universität Innsbruck, gaben einen ausserordentlich spannenden Einblick in das von der Robert-Bosch-Stiftung geförderte Projekt «Von den Besten lernen – Schulleitungshandeln an den Siegerschulen des Deutschen Schulpreises». Sie sind Teil eines Forschungsteams, das in 29 mit dem deutschen Schulpreis prämierten Schulen untersucht, wie das Schulleitungshandeln Einfluss nimmt auf eine erfolgreiche Schule.

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Fallstudien: Churermodell und Einmalzulage

Fünf ausgewählte Schulleitungen aus der Praxis bereiten ein Setting vor, das Einblicke in komplexe Herausforderungen von Schulführung bietet. Teilnehmende des CAS Führen einer Bildungsorganisation stellen sich den Aufgaben und präsentieren ihre Lösungsansätze und Gedanken – heute im dritten und letzten Teil:

Ist die Bündner Gerstensuppe noch heiss?

Ein erfolgreich gestartetes Schulmodell brachte grosses Interesse und sogar einen Schulpreis hervor. Trotzdem stellt sich heute die Frage: Wie geht es weiter? 

An der Primarschule Otelfingen wird nach dem Churermodell unterrichtet. Das Schulteam hat in einem langfristigen Prozess auf die Umsetzung des Modells vorbereitet und die wichtigsten Ziele im pädagogischen Fussabdruck (Leitbild) festgehalten.

Aus Sicht des Schulleiters droht jetzt, nach dem ersten schwungvollen Hype, die Begeisterung der Lehrpersonen für das Modell abzuflachen.

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Die richtige Mischung macht gute Führung aus – Mix it!

Welche Zutaten braucht es, um seinen Führungs-Cocktail zu mixen? Prof. Dr. Petros Pashiardis von der Open University of Cyprus und Prof. Dr. Stefan Brauckmann von der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt stellen in diesem faszinierenden Artikel die Ergebnisse ihrer Forschung zur Verfügung.

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Dank ICSEI über den Zaun blicken

ICSEI [ixi] tönt einfach und sympathisch. Es könnte ein Wort auf Schweizerdeutsch sein, wie z.B. [hixgi] oder [häxli]. Ist es aber nicht, sondern die Abkürzung eines Kongresses, der dann gar nicht mehr einfach tönt: «International Congress for School Effectiveness and School Improvement». Wir bleiben lieber beim [ixi], oder?

Im Januar 2018 war ich zum zweiten Mal dabei und nun bin ich süchtig nach ICSEI. Nicht nur deshalb, weil der Kongress an wunderbaren Orten stattfindet wie in diesem Jahr – in Singapur. Letztes Jahr fand er übrigens im eiskalten Ottawa statt, bei minus 20 Grad – ein echtes Erlebnis.

 

 

 

 

 

Es hat mehrere Gründe, warum ich ICSEI mag:

* ICSEI ist ein Kongress, der Interprofessionalität und -nationalität lebt: Wissenschaftler/innen, Schulleitungen, Politiker/innen, Lehrpersonen, Privatanbieter, Weiterbildner/innen aus allen Ecken der Welt bilden eine bunte Gesellschaft, die von Toleranz und gegenseitiger Wertschätzung geprägt ist.

* Es gibt ganz viele neugierige Teilnehmende und es entstehen echte Diskussionen nach den Symposien, Referaten und Workshops über die Höflichkeitsfragerunde hinaus.

* Mein Thema, Schulentwicklung, steht im Zentrum des Kongresses. Er hiess dieses Jahr: „Deepening School Change for Scaling: Principles, Pathways & Partnerships“.

* Dieses Jahr waren meine Highlights die Paneldiskussionen, in denen zentrale Themen kontrovers diskutiert wurden: Improving and leading schools for the future economy and society; Educational innovations must be disruptive to be effective; School improvement for equity and excellence: rhetoric, possibility or reality?

Am letzten Konferenztag werden jeweils Schulbesuche angeboten. Das ist auch ganz interessant; mal eine Schule in Kanada oder Singapur von drinnen gesehen zu haben. Alles in allem ist es eine tolle Möglichkeit zu lernen und sich zu vernetzen. Auch die ganz grossen Namen wie Michael Fullan, Andy Hargraeves, Alma Harris, Dennis Shirley, Caren Seashore und Luisa Stoll sind am Kongress mit dabei und es gibt die Gelegenheit sich mit ihnen auszutauschen. Nächstes Jahr findet der Kongress gar nicht so weit weg, nämlich in Norwegen, statt. Falls Sie Lust haben mal über den Zaun zu blicken finden Sie weitere Informationen hier: https://www.icsei.net/

Enikö Zala-Mezö, Leiterin Zentrum für Schulentwicklung PH Zürich

Auf die Schulleitung kommt es an

Bereits steht der letzte Kongresstag vor der Tür. Die Tage in Düsseldorf vergehen wie im Flug. Es ist ein Anlass im Jahr, an dem ich als Schulleitung auftanken, neue Ideen und Impulse mitnehmen kann und etwas Distanz zum Schulalltag gewinne.

Bei der Auswahl der Vorträge für den Samstag habe ich lange hin und her überlegt. Hattie interessierte mich, doch hatte ich auch schon viel darüber gelesen und glaube gut informiert zu sein. Es ist aber immer wieder spannend zu hören, wie sich verschiedene Pädagogen mit Hattie auseinandersetzen und die Resultate interpretieren. Also doch, Hattie zum Frühstück!

Das Eingangszitat des Referats von Michael Felten, Gymnasiallehrer und Lehrbeauftragter in der Lehrerausbildung «Ihr müsst den Kindern zeigen, dass die Schule etwas ganz Besonderes ist» hat mich nachdenklich gestimmt. Noch immer ist es für viele Kinder auf dieser Welt nicht selbstverständlich, dass sie zur Schule gehen können oder sie nehmen teils lange und gefährliche Schulwege in Kauf. Einige unserer Schülerinnen und Schüler hingegen sehen die Schule oftmals als unangenehme Pflicht. Doch was macht es aus, dass Schule in der westlichen Welt für viele Schülerinnen und Schüler als ein Müssen oder eine Unterbrechung der Freizeit angesehen wird?

Auf diese Frage gibt es sicherlich unterschiedliche, teils diametral auseinanderliegende Antworten die, abendfüllend diskutiert werden könnten. Als Schulleiterin stellt sich mir die Frage: Was kann ich dazu beitragen, dass Schule attraktiv ist und die Schülerinnen und Schüler den Besuch der Schule wieder als Privileg betrachten?

Michael Felten, Autor von «Auf die Lehrer kommt es an!» zeigt in diesem Referat, dass es auch auf die Schulleitung ankommt. Für ihn ist der Kern der Schulentwicklung Unterrichtsentwicklung. Aber:

– wer stösst Unterrichtsentwicklung an?

– Wohin soll sie gehen?

Aufgrund der Ergebnisse von Hattie hat die Schulleitung einen hohen Effekt (d=0.84) wenn sie sich an der Unterrichtsentwicklung beteiligt und ihre Expertise einbringt. Doch wie soll sie das tun? Eher als Motivator, Vorbild und Mentor oder durch Führung mit Vorgaben, einem System klarer Regeln und Entwicklungsarbeit an der Lernkultur? Hattie belegt mit seiner Metastudie, dass die klare, instruktionale Führung den höheren Wirkungsgrad hat.

Laut Felten – und das zeigt sich auch in meinem persönlichen Umfeld – neigen Schulleitungen eher dazu «gut Freund» mit dem Kollegium sein zu wollen, gerade dann, wenn Schulleitungen aus dem Kollegium herauskommen, also eher die transformationale Führung bevorzugen.

Für mich persönlich bedeutet der Befund von Hattie aber nicht, dass Schulleiterinnen und Schulleiter nicht auch als Vorbild, Mentor und Coach führen sollen. Denn wie schon Joachim Bauer (2005) gesagt hat: «Der Mensch ist für den anderen Menschen die Motivationsdroge Nummer eins.»

Und zum Schluss nochmals Hattie mit seinen drei Kernbefunden:

– Auf die Lehrer kommt es an

– Viele Wege führen nach Rom – nicht alle!

– Die Beziehung macht’s

Diese drei Aussagen lassen sich auch auf meine Tätigkeit als Schulleiterin übertragen und werden mich in meinen Schulleitungsalltag begleiten.

Simone Augustin, Schulleiterin Schule Aeugst am Albis ZH und Co-Leiterin Bezirksschulleiterkonferenz Affoltern

Hat die Schule ein Umsetzungsdefizit?

Nach dem Referat von Prof. Dr. Andreas Helmke am Deutschen Schulleiterkongress stellt sich für Simone Augustin, Schulleiterin in Aeugst am Albis die Frage: Hat die Schule ein Umsetzungsdefizit? Hier beschreibt sie den weiten Weg vom Wissen zum Tun.

Nach einer kurzen Stärkung am Buffet und einem erfrischenden Spaziergang entlang des Rheins, freue ich mich auf den Nachmittag mit Prof. Dr. Andreas Helmke, Autor diverser Fachliteratur – darunter «Kernpunkte guten Unterrichts – ein summarischer Überblick» oder «Unterrichtsdiagnostik als Ausgangspunkt für Unterrichtsentwicklung» und Mitentwickler der evidenzbasierten Methode der Unterrichtsdiagnostik und -entwicklung EMU.

Gleich zu Beginn des Referats zeigt Helmke an einem anschaulichen Beispiel auf, weshalb Unterrichtsdiagnostik und Feedback so zentral für Schulentwicklung ist.

Beispiel: Lehrpersonen wurden während einer Lektion gefilmt. Danach wurden sie gefragt, wie hoch sie ihren Sprechanteil in der gefilmten Lektion einschätzen. Danach wurden die gefilmten Lektionen, mit der Stoppuhr in der Hand, betrachtet und der effektive Sprechanteil ermittelt. Der Unterschied in der untenstehenden Grafik spricht für sich.

 

 

 

 

 

«Es besteht oftmals eine Kluft zwischen dem, was Lehrpersonen glauben zu tun und dem, was sie wirklich tun.» Das heisst jetzt aber nicht, dass alle Lehrpersonen unfähig sind. Es ist ein Zeichen dafür, dass das Lehr- und Lerngeschehen

· hoch komplex

· multidimensional

· gleichzeitig

· unvorhersehbar

· sowie unaufschiebbar ist.

Um dem hochkomplexen Geschehen gerecht zu werden, braucht es eine evidenzbasierte Bestandsaufnahme. Dazu eignen sich folgende Methoden:

· Schülerfeedback

· Kollegiales Feedback

· kollegiale Hospitation

· virtuelles Feedback (Videoaufnahmen des Unterrichts)

· Feedback durch Dritte

Viele dieser Feedbackmethoden sind bekannt und teils auch seit Jahren in vielen Schulen fest verankert. Doch was geschieht nach dem Feedback? Was passiert in der Unterrichtstunde nach dem kollegialen Feedback, nach dem Betrachten der auf Video festgehaltenen Lektion?

Nach Helmke wäre der folgende Vierschritt optimal:

1. Diagnose

2. evidenzbasiert, kriteriengeleitete Reflexion

3. Durchführung von Massnahmen

4. Analyse der Wirksamkeit

Meist hapert es ab Punkt 3. Es gibt im Alltag so viele kleine Hinderungsgründe; keine Zeit Unterricht neu zu planen, es hat ja bis jetzt auch ganz gut funktioniert, das Neue kenne ich zu wenig, der Kollege macht es ja auch so…

Ich habe mir während dem Vortrag immer wieder die Frage gestellt: «Was kann ich als Schulleitung dazu beitragen, dass Unterrichtsentwicklung stattfindet und Feedback nicht als l’art pour l’art betrieben wird?» Aus meiner Sicht gibt es einen wichtigen Punkt, denn ich zukünftig beherzigen werde. Nach einer Weiterbildung oder einem Feedback die Frage an mich und mein Team stellen: «Was probiere ich morgen konkret aus und mit wem bespreche ich meine gemachte Erfahrung.»

Simone Augustin, Schulleiterin Schule Aeugst am Albis ZH und Co-Leiter der Bezirksschulleiterkonferenz Affoltern