Welche Führung brauch die Schule21?

Der Verband Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz hat zusammen mit über 50 Autorinnen und Autoren das Buch «Schule21 macht glücklich» geschrieben. Darin führen wir aus, was wir unter einer zeitgemässen Schule verstehen. Aber wie stellen wir uns die Schulführung in der Schule21 vor? Welche Skills benötig eine Schulleitung künftig? Darauf finden sich im Buch nur wenige Antworten, weshalb der VSLCH nun dran ist, dieser Frage auf den Grund zu gehen.

An der Präsidentenkonferenz von Anfang September 2021 wurde mit den Präsidien der kantonalen Schulleitungsverbänden der erste Anlauf genommen, um der Frage nach der künftigen Schulführung nachzugehen: «Welche Schulführung braucht die Schule21, damit sie glücklich macht?». Gegliedert nach den sieben Kapiteln des Buches wurde in einem World Café nach Haltungen und Fähigkeiten der künftigen Schulführung gesucht. Dabei wurde gezielt nicht auf die Rolle der Schulleitung fokussiert, sondern auf die Schulführung als Ganzes. Zur Schulführung zählen wir Behörden, Gesamtleitungen, Rektorate, Schulleitungen, Teilleitungen oder Personen mit Spezialfunktionen. Im Anschluss an die Sammlung wurden die Beschreibungen geclustert und einem möglichen übergeordneten Thema zugewiesen.

Alter Wein in neuen Schläuchen?

Spannend war, dass sich die Schwerpunkte der künftigen Schulführungskompetenzen von Buchkapitel zu Buchkapitel kaum unterschieden. Es gab Akzente, die sich je nach Kapitelthema mehr oder weniger aufdrängen. 

Wir wollen nicht zu viel vorwegnehmen, geben aber gerne einen kleinen Einblick, zu welchen Schlüssen unsere Kolleginnen und Kollegen kamen. Die künftige Schulführung für eine glückliche Schule21 sollte über folgende Fähigkeiten und Haltungen verfügen:

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Vom Schulzimmer ins Schulleitungsbüro

Die Erfahrungen, die man mit dem Einstieg als Schulleiter:in macht, vergisst man wohl nie. Martina Arpagaus, hat den Schritt zur Schulleiterin gewagt und leitet seit dem Sommer 2021 eine Zürcher Primarschule. Sie teilt mit uns ihre Gedanken und Gefühle, die sie in der Anfangszeit als Schulleiterin erlebt hat und aktuell prägen.

Ich bin unterwegs. Richtung Gipfel. Der Weg steil, das Gelände felsig. Plötzlich merke ich, dass ich barfuss unterwegs bin. Ohne jedes Schuhwerk. Zu gefährlich für den Aufstieg, aber für den Abstieg ist es zu spät; es würde dunkel. Ratlosigkeit und Panik machen sich breit. Der Puls rast, ich schwitze, die Schläfen pochen, als ich aus dem Traum erwache.  Ich analysiere blitzschnell und zugegebenermassen absolut küchenpsychologisch: Mein Unterbewusstsein hält mich für zu wenig gut vorbereitet auf meinen Wechsel in die Schulleitung.

Tagsüber kontrolliere ich meine Gedanken und Befürchtungen und spreche, wie es sich gehört, nicht von Angst, sondern von «Respekt» vor dem neuen Job. Tatsächlich freue ich mich sehr, bald auf eine andere Art Verantwortung für meine Schule zu übernehmen und vom Schulzimmer ins Schulleitungsbüro zu wechseln. Ich freue mich, in komplizierten Schülerfällen zusammen mit allen Beteiligten gute Lösungen zu finden. Ich freue mich, in das unbekannte Universum der Finanzen einzutauchen und die Ressourcen sinnvoll zu verwalten. Und ich freue mich, Personal umsichtig zu führen und strategische Entscheide zum Wohl der Kinder zu fällen.

Zu zweit ist es leichter

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Stärkung der psychischen Gesundheit für eine erfolgreiche Schule

Voraussetzung für eine erfolgreiche Schule sind gesunde Schulleitungen und Lehrpersonen. Wie Stress reduziert und die Psyche gestärkt werden kann, beschreibt Roger Keller in einer kurzen Geschichte.

In den vergangenen Jahren gewann die betriebliche Gesundheitsförderung an Schweizer Schulen zunehmend an Bedeutung mit dem Ziel, ein unterstützendes Schulklima zu schaffen, das es allen Beteiligten ermöglicht, ihren Alltag aktiv und gesund zu gestalten. Dies ist wichtig für erfolgreiche Schulen, wie das Argumentarium «Gesundheit stärkt Bildung» der Allianz BGF in Schulen (Achermann Fawcett, Keller, & Piera, 2018) zeigt: Die Gesundheit von Schulleitungen und Lehrpersonen steht in einem direkten Zusammenhang mit der Qualität von Unterricht und somit dem Wohlbefinden und der Lernleistung der Schülerinnen und Schüler.

Reduktion von Belastungen und Förderung von Ressourcen

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Schule und Forschung – eine gewinnbringende Partnerschaft

Vorurteile pflegen und festigen, die Sprache so wählen, dass Missverständnisse entstehen, Fragen zum falschen Zeitpunkt stellen, Antworten ausserhalb des Zeitfensters schicken, Prozesse sabotieren und dann bloss nichts ändern wollen. Das sind Bedingungen, damit eine Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis sicher nicht gelingt. Doch wie müssen die Voraussetzungen aussehen, damit sich Bildungsforschung und Bildungspraxis auf Augenhöhe begegnen (können) und auf beiden Seiten ein Nutzen resultiert? Michael Späth, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Allianz für Schulqualität «profilQ» mit den Antworten.

Die Weiterentwicklung der Lehrer:innenausbildung hat im Zuge der Bologna-Reform vor rund 20 Jahren mit der Pädagogischen Hochschule (PH) zu einem neuen Hochschultypus in der Bildungslandschaft Schweiz geführt. Die PH begannen damit, verschiedene Bereiche an einem Ort zu vereinen: Aus- und Weiterbildung, Forschung und Entwicklung. Die Schule rückte nun auch in den PH stärker in den Fokus der System-, Schul- und Unterrichtsforschung und -entwicklung. Obwohl daraus zahlreiche Forschungsbefunde vorliegen, welche Anregungen für die Praxis liefern, fällt gleichzeitig auf, dass sie bei den Schulen kaum Beachtung erfahren und nur selten praktisch umgesetzt werden (1).

Sind Schulen forschungsfeindlich?

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Wie relevant ist derzeit «Kompetenzorientiertes Beurteilen» für Schulen?

Die Einführung des Lehrplans 21 mit der Fokussierung auf Kompetenzen liegt nun schon einige Jahre zurück. Kompetenzorientiertes Unterrichten und daran angepasstes kompetenzorientiertes Beurteilen sollten sich mittlerweile flächendeckend im Kanton Zürich etabliert haben. Daher scheint die Relevanz zur Auseinandersetzung mit dieser Thematik aktuell nicht mehr so gegeben zu sein. Doch der Jahresbericht 2019/2020 der Fachstelle für Schulbeurteilung des Kantons Zürich bringt diese Behauptung ins Wanken, wie Christine Eckhardt zusammenfasst.

Ein Blick in den Jahresbericht 2019/2020 der Fachstelle für Schulbeurteilung des Kantons Zürich (FSB) zeigt, dass im Vergleich zum Jahresbericht 2010/2011 sich das Bild bezüglich der «Beurteilung von Schülerleistungen» kantonal gesehen nicht wesentlich verändert hat. Damals wurden lediglich 15 Prozent der Schulen im Qualitätsbereich «Beurteilung von Schülerleistungen» mit «gut» oder «sehr gut» beurteilt».

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Agile Führungsausbildung für Bildungsorganisationen

An der Pädagogischen Hochschule Zürich wird in einem grossen Reformprojekt die Schulleitungsausbildung neugestaltet, sodass diese den individuellen Bedürfnissen der einzelnen Personen, Funktionen und Aufgaben gerecht wird. Dabei liegt die Betonung auf dem ‘und’, denn die neue Ausbildung muss sowohl personalisiert sein, der Unterschiedlichkeit und der Vorbildung der einzelnen Personen gerecht werden, als auch die Anforderungen an die unterschiedlichen Funktionen und Aufgaben berücksichtigen. So steht die neue Ausbildung nicht nur Schulleiter:innen, sondern allen Führungspersonen von und in Bildungsorganisationen offen. Dabei sollen bedarfsgerecht unterschiedliche, aufeinander abgestimmte und anrechenbare Abschlüsse erzielt werden können. Niels Anderegg stellt erste Merkmale der Führungsausbildung vor.

Darüber, dass Schulen nicht hierarchisch-bürokratisch, sondern gemeinschaftlich geführt werden, besteht sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis Konsens. So spricht James Spillane davon, dass die Zeit der Supermänner und Wunderfrauen als Führungspersonen heute vorbei ist und die Wissenschaft von Modellen wie Shared oder Distributed Leadership und Konzepten wie Teacher Leadership ausgehen. Betrachtet man die Führungspraxis, dann zeigt sich sehr deutlich, dass verschiedenste Personen – Teacher Leaders, Fachleitungen, Schulleiter:innen, Behördenmitglieder oder Mitarbeitende der Schulverwaltung – in die Führung einer Schule involviert sind.

Was in der Theorie geklärt und in der Praxis gelebt wird, muss auch Auswirkungen auf die Aus- und Weiterbildung von Führungspersonen von und in Bildungsorganisationen haben. Diese soll auf die Pluralität von Führungsfunktionen und -aufgaben reagieren und sich von einer Schulleitungsausbildung hin zu einer Führungsausbildung für Bildungsorganisationen weiterentwickeln. Direkter ausgedrückt: Die Ausbildung muss agiler werden, um so der Diversität der verschiedenen, funktionalen und personalen Bedürfnisse sowie Ansprüchen gerecht zu werden.

Dies möchte die PH Zürich mit der neuen Schulleitungsausbildung berücksichtigen und umsetzen, die im Herbstsemester 2022 starten soll. Ich stelle erste Grundzüge davon vor, die ich am Beispiel des digitalen Wandels illustriere.

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Schulleitung gesucht: So geht die Schulpflege in Schlieren vor

Immer wieder ist aus Gemeinden zu hören, dass es schwierig ist, kompetente und gut ausgebildete Schulleitungen zu finden. Wie Bea Krebs, Schulpräsidentin in Schlieren, in ihrer Gemeinde bei der Suche nach geeigneten Schulleitungen vorgeht, dies erfahren Sie im Interview von Andrea Hugelshofer.

Das Projekt «Schulleitungsmangel» der PH Zürich möchte den Bedarf an gut ausgebildete Schulleitungen mit verschiedenen Massnahmen unterstützen. Eine davon ist, dass wir einen Überblick gewinnen möchten, was für die einzelnen Gemeinden bei der Rekrutierung von Schulleitenden relevant ist und wie sie dabei vorgehen. Diesbezüglich wird aktuell eine Befragung der Schulpräsidien im Kanton Zürich ausgewertet. Schulpräsidentin in Schlieren, Bea Krebs, gibt einen Einblick in die Schulleitungsrekrutierung in ihrer Gemeinde.

Bea Krebs, was macht für Sie eine gute Schulleitung aus?

Führungs- und organisationsstark, sozialkompetent, flexibel, interessiert, belastbar, wertschätzend und loyal sind Eigenschaften, über welche eine gute Schulleitung möglichst verfügen sollte. Ebenso wichtig ist aber die Freude im Team zu arbeiten, die Schule zum Wohl der Kinder und Jugendlichen weiterzuentwickeln und eine gute Zusammenarbeit mit der Schulpflege als sinnvoll anzuschauen.

Wie gehen Sie bei der Besetzung von Schulleitungsstellen vor?

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Gute Führung – Faktoren und Vorstellungen von interdisziplinären Berufsgruppen

In Schulen trifft man auf verschiedene Auffälligkeiten an: Spracherwerbsstörung, Autismus-Spektrum-Störung, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, psychische Traumata, Störung des Sozialverhaltens, Ängste, depressive Störung, Enkopresis, Enuresis und Allergien. Für das Unterrichten von Kindern mit einer solchen Auffälligkeit wird immer mehr in interdisziplinären Teams gearbeitet. Diese haben die anspruchsvolle Aufgabe, die Kindergruppen zu unterrichten, zu therapieren und zu betreuen. Dies fordert von allen Teammitgliedern grosses fachliches Know-how, Flexibilität und Teamfähigkeit.  Till Lother, Bereichsleiter Schule und integrative Sonderschulung, Sprachheilschule Unterägeri, teilt mit uns seine Erkenntnisse aus seiner MAS Forschungsarbeit zum Thema «Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams».

Überall, wo Menschen aus verschiedenen Fachrichtungen zusammenarbeiten, gibt es Auseinandersetzungen, andere Erwartungshaltungen, andere Grundwerte und verschiedene Führungsverständnisse. Die Führungsarbeit von interdisziplinären Teams ist sehr vielseitig und spannend, aber auch sehr anspruchsvoll und herausfordernd. Es müssen oft unpopuläre und nicht den Erwartungen entsprechende Entscheide getroffen werden.

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«Ich habe in den letzten Wochen den Drive verloren, was ich sehr schade finde…»

Entwicklungen in Schulen lassen sich nicht an einzelnen Personen oder Funktionen «festmachen». Wir überschätzen uns als Personen und unsere individuellen Handlungen, auch wenn wir aus der Schulentwicklungsforschung wissen, dass bei Veränderungen das Kollektiv und das gemeinsame Lernen in Gruppen eine zentrale Rolle spielt. Andrea Kern, Frank Brückel und Reto Kuster mit ihrem zweiten Beitrag zum Thema Schulentwicklung.

Eine grosse Herausforderung für das Gelingen von Entwicklungsprozessen ist das Zusammenbringen verschiedener Haltungen und subjektiver Überzeugungen bei der Umsetzung eines Projekts. Untersuchungen wie jene von Helmke & Jäger 2002 oder Klieme et al. 2006 lassen erahnen, dass dieser kollektive Kraftakt nicht immer so gelingt, wie man dies aus sicherer Distanz zum Schulalltag mit analytischem Blick gerne hätte.

Darauf deutet auch das nachfolgende Beispiel, welches einer realen Projektsituation entspringt und die Mehrschichtigkeit von Schulentwicklung vor Augen führt.

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«Bewegen, mich engagieren – und nicht reklamieren»

Seit einigen Jahren benötigen in verschiedenen Kantonen Schulleiter:innen nicht zwingend ein Lehrdiplom. Führungspersonen aus anderen Branchen können eine Schule leiten. Was ist die Motivation zu einem solchen Quereinstieg in die Schulleitung? Welche Erfahrungen machen Menschen im System Schule? Ivo Kamm hat sich mit Nicole Iacono, quereinsteigende Schulleiterin der Schule Mönchaltdorf getroffen.

Nicole, was hast du vor deiner Zeit als Schulleiterin beruflich gemacht?

Aufgewachsen in einer Unternehmerfamilie waren die Firmenthemen am Mittagstisch immer präsent. Es ist ein kleiner Familienbetrieb  in der Technikbranche. Personal, Finanzen, das Auf und Ab an Auftragsbestand waren somit Tagesthema und haben mein wirtschaftliches Denken sicherlich unbewusst schon in jungen Jahren geprägt.

Nach meiner Ausbildung arbeitete ich in der Privatwirtschaft als Communciations Manager bei Cathay Pacific Airways und leite nun seit 31 Jahren unser Familienunternehmen in der 2. Generation. In dieser Zeit habe ich zwei weitere Firmen, Decofun und Pastapassione, gegründet, wo ich meine private Leidenschaft für Innendekoration und Freude an gutem Essen in eine Unternehmensidee einfliessen lassen konnte.

Was hat dich bewogen, Schulleiterin zu werden?

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