Die unbewusste Kulturfalle: Ethnozentrismus

Schulen sind Orte kultureller Vielfalt – doch viele Schulleitende treffen Entscheidungen, ohne es zu merken, aus der eigenen kulturellen Brille heraus. Ethnozentrismus ist nicht Böswilligkeit, sondern die unbewusste Annahme, dass die eigene Art, Dinge zu tun, die richtige ist. Im Schulkontext kann das zu Entscheidungen führen, die Lehrpersonen, Eltern und Schüler:innen ausschliessen – ohne, dass Sie es beabsichtigen. Der erste Schritt zur Veränderung? Bewusstsein. Andreia Fernandes erklärt, was Ethnozentrismus ist und wie er sich in der Schulpraxis zeigt.

Ethnozentrismus bedeutet nicht Rassismus oder bewusste Diskriminierung. Es ist subtiler: Es ist die unbewusste Überzeugung, dass die Normen, Werte und Arbeitsweisen Ihrer eigenen Kultur der Standard sind (und insgeheim die Hoffnung, dass alle anderen sich daran anpassen).

Als Schulleiter:in prägen Sie täglich die Kultur Ihrer Schule. Sie entscheiden über Kommunikationsstile, Entscheidungsprozesse, Feedback-Kultur und Elternbeteiligung. Jede dieser Entscheidungen trägt Ihre kulturelle Prägung in sich ─ oft unbewusst.

Die Folge: Eltern mit anderem kulturellem Hintergrund fühlen sich nicht gehört. Lehrpersonen aus anderen Kulturen passen sich an, statt sich authentisch einzubringen. Und Sie wundern sich, warum es nicht läuft.

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Wie Nachhaltigkeit Führungskultur wird – IDGs als Orientierungsrahmen für Schulführung

Die Sustainable Development Goals (SDGs) geben seit 2015 den globalen Rahmen für nachhaltige Entwicklung vor. Schulen spielen hierbei eine zentrale Rolle, weil sie Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung fördern. Jedoch werden die Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung in der Praxis häufig nur oberflächlich umgesetzt. Der Grund liegt weniger im fehlenden Wissen als in der Schulkultur. Der Beitrag von Franziska Kamm, Ivo Kamm, Irene Lampert und Simone Schoch (2026) in der neuen Ausgabe aus dem Web-Journal #schuleverantworten wird von Stefanie Michel-Loher und Jasmin Kolb aufgegriffen und zeigt, wie Schulführung durch die «innere Dimension» ergänzt werden kann, um nachhaltiges Handeln zu ermöglichen.

Damit rückt die Frage in den Vordergrund, wie Schulführung zwischen globalen Nachhaltigkeitszielen und konkreter Schulpraxis vermittelt – ein Anliegen, das im Feld Leadership for Sustainability untersucht wird. Die innere Dimension, die im Folgenden mit den Inner Development Goals beschrieben wird, ist dabei ein zentraler, aber nicht der einzige Baustein.

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Wenn die Maschine entscheidet: Hartmut Rosas «Situation und Konstellation»

Hartmut Rosas neues Buch Situation und Konstellation ─ Vom Verschwinden des Spielraums  trifft einen wunden Punkt der Gegenwart. Wir leben in Gesellschaften, die zunehmend von Algorithmen, Formularen und automatisierten Entscheidungslogiken durchdrungen sind und bemerken kaum, was wir dabei verlieren. Eine Buchrezension von Olaf Köster-Ehling über das schleichende Verschwinden unseres Handlungsspielraums und was das mit uns macht.

Die Kernthese: Konstellationen fressen Situationen

Der Soziologe unternimmt den Versuch, Problemlagen unserer Gesellschaft mit zwei zentralen Begriffen zu fassen: der Konstellation und der Situation. Konstellationen zeichnen sich durch ein starres Regelwerk aus, das meist gemäss binärer Unterscheidungen funktioniert. Situationen hingegen sind weniger klar definiert, dynamisch gedacht und bedürfen der Initiative des Einzelnen.

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Future Skills: Problemlösen, Nachhaltigkeit und Innovationskraft in der Schule stärken

Wie können Schulen Kinder und Jugendliche auf eine zunehmend digitale, komplexe und unsichere Welt vorbereiten? Im Projekt ComeThinkAgain hat die PH Zürich erste Weiterbildungsmodule zu Computational Thinking, Entrepreneurship Education und Green Skills mit Lehrpersonen und Berufsbildner:innen erprobt. Die Erfahrungen zeigen: Future Skills entstehen dort, wo digitales Problemlösen, nachhaltiges Denken und kreative Ideenentwicklung zusammenkommen. Ein Beitrag von Bernadette Spieler, Melanie Kieber und Henry Chen.

Welche Kompetenzen brauchen Schüler:innen, um die Zukunft nicht nur zu verstehen, sondern aktiv mitzugestalten? Diese Frage beschäftigt vor allem dann, wenn fächerübergreifende Unterrichtsvorhaben geplant werden. Im Erasmus+ Projekt ComeThinkAgain werden dazu Weiterbildungsmodule entwickelt, die drei Kompetenzbereiche verbinden: Computational Thinking, Entrepreneurship Education und Green Skills.

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«Level-up» – Leitfaden für eine zukunftsfähige Schule?

Mit dem Buch «Level-up» bieten Geneviève Appenzeller und Tanja Alvesalo, zwei Schulleiterinnen, einen Leitfaden hin zur kooperativen Schulkultur. Das Buch hat nicht weniger vor, als «einen neuen Weg aus der Sackgasse»* zu zeigen. Niels Anderegg schildert in der folgenden Rezension seine Einschätzungen und Gedanken zum Buch.

Als eine Freundin von mir, mich auf das Buch «Level-up» aufmerksam machte und mich fragte, ob ich eine Rezension dazu schreiben könnte, habe ich trotz meiner vollen Agenda sehr gerne zugesagt. Einerseits weil ich es sehr schätze, wenn nicht nur Wissenschaftler:innen, sondern auch Praktiker:innen (oder noch besser gemeinsam) schreiben und ihr Wissen und ihre Erfahrung mit anderen teilen. Andererseits weil mich der Untertitel «Wie kooperative Schulkultur Motivation, Selbstführung und Resilienz stärken» sehr angesprochen hat.

Eine reichhaltige Fundgrube von vielen praktischen Ideen für die Gestaltung von Schule

Das Buch von Geneviève Appenzeller und Tanja Alvesalo umfasst 170 Seiten, ist in vier Kapiteln gegliedert. Die sehr lesefreundliche Strukturierung des Buches lässt gut zu, dass zwischen den verschiedenen Abschnitten hin und her gesprungen und selektiv gelesen werden kann. So bin ich beispielsweise nach der Einführung (User’s Guide) gleich mit dem Kapitel zu den Schüler:innen gestartet.

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Ankündigung des neuen Sammelbands «Leadership out of Boxes – Führung und Kreativität im Fokus»

Welche Rolle spielt Kreativität im Führungshandeln? Und wie kann Führung Kreativität fördern? Genau diesen Fragen widmet sich der Sammelband «Leadership Out of Boxes – Führung und Kreativität im Fokus», der Anfang Juni erscheint. Die Beiträge nähern sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven: praxisnah, theoretisch fundiert oder empirisch gestützt. In diesem Blogbeitrag geben Stefanie Michel-Loher, Nina-Cathrin Strauss und Frank Brückel einen ersten Einblick.

Im Zentrum steht ein Verständnis von Führung, das über lineare und eindimensionale Vorstellungen hinausgeht und darauf abzielt, Bedingungen für kreatives Denken und Handeln zu schaffen. Im Sinne gemeinschaftlicher Schulführung wird Kreativität als Ergebnis eines Zusammenspiels von Personen, Strukturen und Kultur verstanden, in dem neue Perspektiven entstehen und bestehende Muster weiterentwickelt werden.

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In Frieden lernen – Führung gestalten in gesellschaftlich polarisierenden Kontexten

«Die Jungen werfen zum Spass mit Steinen nach Fröschen. Die Frösche sterben im Ernst.» Erich Frieds Worte beschreiben eine Gegenwart, in der Hass, Abwertung und Gewalt oft spielerisch, beiläufig oder ironisch daherkommen, mit ernsten Folgen. Gesellschaftliche Konflikte wirken heute unmittelbar in schulische Kontexte hinein.  Der Beitrag von Judith Hollenweger und Wiltrud Weidinger (2026) in der neuen Ausgabe aus dem Web-Journal #schuleverantworten wird von Stefanie Michel-Loher und Jasmin Kolb aufgegriffen, um an ihrem Beispiel der Plattform «In Frieden lernen» aufzuzeigen, wie Fallarbeit, Beziehungskontexte und strategische Handlungsfelder Schulleitung einen sicheren Lern- und Lebensraum ermöglichen können.

Lehrpersonen und Schulleitungen stehen unter erheblichem Druck, in emotional aufgeladenen und konfliktträchtigen Situationen angemessen zu reagieren. Die Fallarbeit auf der Plattform «In Frieden lernen» nutzt konkrete schulische Situationen, um Polarisierung und Diskriminierung nachvollziehbar zu machen. Anhand realitätsnaher Beispiele werden Ursachen, Rollen und Wirkmechanismen analysiert und mögliche Handlungsoptionen reflektiert. Aufgegriffen wird zum Beispiel Dana, eine Schülerin (1. Klasse, Oberstufe) aus Israel:

«Sie lebt seit zwei Jahren in der Schweiz. Seit ihrer Ankunft erlebt sie Mobbing, insbesondere von männlichen Mitschülern. Nach dem Terrorangriff in Israel am 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Gaza-Krieg nehmen die Anfeindungen zu. Im Dezember 2023 verfolgen sie zehn Jugendliche auf dem verschneiten Pausenplatz, bewerfen sie mit Eis und rufen Parolen wie «Ihr Israelis seid Nazis» und «Kindermörder!». Dana wird leicht verletzt. Erst danach berichtet sie ihrem Klassenlehrer von den wiederholten Vorfällen.» (Hollenweger u. Wiltrud Weidinger 2026, 2).

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Trainingscamp Leadership: Führungskompetenzen von Schulleitenden in einem geschützten Rahmen weiterentwickeln


Führung wird oft mit Erfahrung, Persönlichkeit oder Intuition verbunden. Doch professionelles Führungshandeln – gerade in Bildungsorganisationen – ist mehr als ein Talent. Es ist ein Handwerk. Dieses besteht aus verschiedenen Kompetenzen, welche gelernt, geübt und reflektiert werden müssen. Regelmässiges trainieren in einem geschützten Rahmen hilft der Führungsperson, deutlich bessere Resultate zu erzielen und den komplexen Schulleitungsalltag souverän zu meistern. Der Geschäftsmann Guy Schleiniger über die Bedeutung von Leadership im Schulleitungsalltag.

Die Aufgabe der Schulleitung ist die ganzheitliche, zielorientierte Führung einer Schuleinheit. Schulleitende bewegen sich in ihrem Alltag in einem komplexen Gefüge aus Erwartungen, Beziehungen und organisationalen Rahmenbedingungen. Sie führen Gespräche, begleiten Mitarbeitende, gestalten Teams und treffen Entscheidungen – oft gleichzeitig. Diese Gleichzeitigkeit ist keine Ausnahme, sondern Normalität.

Alle diese Tätigkeiten sind im Kern Führungskompetenzen. Diese lassen sich nicht allein durch Theorie bewältigen. Professionelles Führungshandeln – insbesondere im Bildungsbereich – ist ein Handwerk, welches gelernt, geübt und reflektiert werden muss. Das Trainingscamp Leadership setzt genau hier an: Es versteht Führung nicht als statische Rolle, sondern als dynamische Praxis, die sich im Tun entwickelt.

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Teacher Leadership International ─ Führungskompetenzen von Lehr-, Fach- und Betreuungspersonen an Schweizerschulen im Ausland stärken

Damit Schulen eine hohe Lernwirksamkeit erreichen können, nehmen neben der Schulleitung auch Lehr-, Fach- und Betreuungspersonen Führung und Verantwortung rollengerecht wahr. Teacher Leadership spielt damit eine entscheidende Rolle bei der Ausgestaltung der Unterrichtspraxis, und Teacher Leader nehmen in diesem Sinne nicht nur Einfluss auf das Lernen von Schüler:innen, sondern auch auf das von Kolleg:innen. Im Interview mit Serge Künzler, Geschäftsführer von educationsuisse, werden die Relevanz und die Auswirkungen von Teacher Leadership in internationalen Bildungskontexten näher beleuchtet.

Jasmin Kolb: Warum ist Teacher Leadership ein wichtiges Thema, insbesondere für Schweizerschulen im Ausland?

Serge Künzler: Teacher Leadership ist ein wichtiges Thema, weil es Lehr- und Fachpersonen mit spezifischer Expertise, Interessen oder Kompetenzen die Möglichkeit gibt, sich international zu vernetzen und innovative Impulse in den Schulalltag einzubringen. Führung und Verantwortung können dabei sowohl für einen Teilbereich oder ein spezifisches Themenfeld innerhalb der Schule wahrgenommen werden. Dies kann formell zum Beispiel mit Teamleitungen oder auch informell geschehen.

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Professionell mit Spannungsfeldern umgehen

Professionelles Führungshandeln von Schulleitungen ist mehr als nur Verwalten, Organisieren oder Koordinieren. Der gesetzliche Auftrag formuliert, wofür Schulleitungen verantwortlich sind: administrativ, personell, finanziell und gemeinsam mit der Schulkonferenz pädagogisch. Gleichzeitig entwerfen das Berufsleitbild des Verbandes, die Wissenschaft (z. B. im Zürcher Schulführungsmodell) und nicht zuletzt die alltägliche Praxis eine Rolle, die sehr viel differenzierter sein kann. Schulleitungen sollen initiieren, beraten, moderieren, entscheiden, inspirieren, konfrontieren und vernetzen. Diese Gleichzeitigkeit erzeugt keine Fehler – sie erzeugt Spannungen. Und diese Spannungen sind Teil professioneller Führung. Nina-Cathrin Strauss zum Umgang mit solchen Spannungsfeldern.

Blicken wir auf das professionelle Handeln von Schulleitungen, bewegen sie sich in ihrem Führungsalltag in einem komplexen Feld voller Zwischenräumen. Zwischen Menschen und Rollen. Zwischen Erwartungen und Auftrag. Zwischen pädagogischer Idee und organisatorischer Wirklichkeit. Wer diesen Beruf ergreift, entscheidet sich nicht für Eindeutigkeit, sondern für Komplexität. Vielleicht zeigt sich Professionalität in der Schulleitung ebenfalls weniger darin, Spannungsfelder zu beseitigen, als darin, sie wahrzunehmen, auszuhalten und gestaltend zu bearbeiten.

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