Teacher Leadership – Wie wir am besten zusammenarbeiten können

In einer Vertiefungsarbeit im Rahmen des CAS Pädagogische Schulführung hat sich Stephan Mernberger, Schulleiter am Lernstudio Zürich und Winterthur, mit dem Thema Teacher Leadership auseinandergesetzt. Er beleuchtet das Zusammenspiel zwischen Teacher Leadership und Schulleitung und erfragt dabei, welche Aufgaben einer Schulleitung zukommen. 

Die wohl offensichtlichste Aufgabe einer Schulleitung ist es, dafür zu sorgen, dass die Schule sich in dem Masse positiv entwickelt, indem sie das umsetzt, was unter der Ägide von Forschungsstand, gesellschaftlichem Konsens und hausinterner traditioneller Bewahrung als umsetzbar gewünscht wird. 

Derzeit ist die Institution Schule in der Schweiz mit vielerlei Herausforderungen konfrontiert: 

  • eine sich – zumindest wird dies medial so empfunden – stark wandelnde Gesellschaft; 
  • eine starke Aufmerksamkeit der Gesellschaft in Bezug auf das System Schule plus internationaler Vergleichssysteme (Pisa); 
  • ein durch die pädagogische Ausrichtung zum Beispiel inklusiver und multiethnischer Integration erweitertes Arbeitsfeld; 
  • eine durch die Einführung von Schulleitungen erstrebte Professionalisierung; 
  • ein verändertes Profil des Lehrberufs. 

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Teacher Leadership und Laufbahnen in der Schule

Karriereentwicklung oder Laufbahnmodelle sind im Lehrberuf auf den ersten Blick kein grösseres Thema. Oberflächlich könnte man auf drei Phasen schauen: Berufseinsteigende, die breite Mitte der Konsolidierung und die erfahrenen Lehrpersonen. Manchmal wird auch die Schulleitung als Karriereziel gesehen. Dabei lässt das Schulwesen viel mehr zu und es zeigen sich andere Möglichkeiten für Lehrer:innen – auch eine Frage in Hinblick auf die Attraktivität des Lehrberufs. Niels Anderegg und Nina Cathrin-Strauss über Beispiele von Teacher Leaders und deren Laufbahnen.

Laufbahnen im Lehrberuf sind ein historisches Thema, welches wissenschaftlich immer wieder einmal thematisiert wird. In den 1970ern schlug eine Expertenkommission vor, die Differenzierung der Lehrerschaft anhand von Rollen, Fächern oder Funktionen zu überlegen, was grössere Ablehnung auslöste. Diese kann auch als Stärkung der Vorstellung von Gleichheit unter den Lehrpersonen gelesen werden. Weder eine Hierarchisierung noch eine Differenzierung zwischen den Lehrer:innen war gewünscht. Eine LCH-Befragung zeigte vor knapp 20 Jahren, dass Lehrpersonen mehrheitlich offen für Laufbahnen sind, wenn sie denn Anerkennung bringen und keine grossen Konsequenzen für den eigenen Unterricht bedeuten.

Wo stehen wir heute? Unserer Ansicht nach gibt es die Differenzierung und auch Hierarchisierung unter den Lehrer:innen, auch durch die Beteiligung von Lehrpersonen an Führungsaufgaben. Auf unterschiedliche Weise ermöglicht Teacher Leadership Potenziale für Lehrer:innen, ihre Rolle zu erweitern oder Erfahrungen zu sammeln und Kompetenzen zu entwickeln. Dabei geht es nicht primär um Karriere im Sinne eines hierarchischen Aufstieges, sondern um die Stärkung und Weiterentwicklung der eigenen Kompetenzen im Dienste der ganzen Schule. Teacher Leadership kann, muss aber nicht ein Weg hin zur Schulleitung sein.

Drei (fiktive) Beispiele stehen in diesem Beitrag im Fokus, die aufzeigen, wie eine Weiterentwicklung in der Führungsrolle als Teacher Leader hilfreich und sinnvoll sein kann – für die einzelnen Personen aber auch die Schulen insgesamt.

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Lehrpersonenmangel: Schule zwischen Krise und Aufbruch

In den letzten Wochen war der Lehrpersonenmangel ein beherrschendes Thema in den Medien. Auch der zunehmende Leistungsdruck, die integrative Schule und der damit verbundene Anspruch an Lehrpersonen wurden aufgegriffen. Kaum hinterfragt wird hingegen, wie Führungspersonen im Bildungswesen mit diesen Herausforderungen umgehen können, um sie im Alltag gut bewältigen zu können oder sogar als Bereicherung wahrzunehmen. Frank Brückel über Austauschmöglichkeiten, die dabei helfen können.

Die Berichte reichen von gegenseitigen Schuldzuweisungen (NZZ vom 4.7.2022), über einen Lehrer-Crashkurs in 9 Punkten (NZZ am Sonntag vom 20.8.2022) bis hin zu Erfahrungsberichten von Betroffenen (Sonntagszeitung vom 20.8.2022). Vielleicht nicht ganz so prominent, aber genauso aktuell, wurde der zunehmende Leistungsdruck aufgegriffen (Sonntagszeitung vom 20.08.2022) oder auch der Anspruch an Lehrpersonen, alle Kinder entsprechend ihren Möglichkeiten in den Unterricht zu integrieren. All diese Themen laufen bei der Schulleitung zusammen. Doch kaum jemand spricht davon, wie diese breite Führungsverantwortung heute zu bewältigen ist.

Austausch über gute Praxis

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Wie Sie Lernziele fürs Unterrichten festlegen

Unterwegs an Wegweisern und Weggabelungen innehalten und prüfen: Wo sind wir gerade und wie müssen wir weitergehen, dass wir unser Wanderziel erreichen? Das Bild des Wanderns lässt sich auf das Planen und Durchführen von Unterricht übertragen, sagt Christine Eckhardt: Lernziele festlegen, diese transparent machen und auf dem Lernweg immer wieder prüfen, passt die Richtung und wie geht’s weiter.

Ein Merkmal kompetenzorientierten Unterrichts ist es, dass der Unterricht nicht von den zu bearbeitenden Inhalten, Methoden, Lernangeboten, sondern von den Kompetenzen her geplant wird. Zentral ist, über welche die Schüler:innen am Ende einer Lerneinheit verfügen sollten. Zu Beginn einer jeden Sequenzplanung werden die angestrebten Kompetenzen festgelegt und in Lernzielen konkretisiert, sodass klar ist, wohin es geht (Outcome).

Damit kommt den Lernzielen eine wegweisende Funktion zu. Sie steuern zum einen den Unterricht mit dessen Lerngelegenheiten und zum anderen die Beurteilung, bei der überprüft wird, inwieweit die Lernziele (Sachnorm) erreicht wurden.

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Schulische Zusammenarbeit mit Eltern

Das Projekt «Spielen Plus Elternfilme» der Pädagogischen Hochschule Zürich sowie des Volksschulamts Zürich vermittelt die Botschaft, dass Spielen und Lernen im Alter von vier bis acht Jahren eine Einheit bilden. Fabienne Huber führt das Angebot über die konkreten Spiel- und Lernsituation, welche in der Schule, zu Hause sowie in der Freizeit direkt umgesetzt werden können, in diesem Blogbeitrag aus.

Die Hoheit der Erziehung geniessen Eltern und Erziehungsberechtigte. Sie meistern diese Verantwortung oft mit grossem Einsatz und ihrem besten Wissen und Können. Die Verantwortung für die schulische Bildung übernehmen die kantonalen und kommunalen Behörden, die Schulleitungen sowie die Lehrpersonen in schulischen Bildungsinstitutionen. Die Bildungswissenschaft wie auch der Lehrplan 21 heben hervor, dass sich die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternschaft durch diese gemeinsame Verantwortung ergibt (vgl. Lehrplan 21, Grundlagen, Einleitende Kapitel, Zusammenarbeit mit den Eltern/Erziehungs­berechtigten).

Über die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit Eltern im Zyklus 1

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«Sie sind mir Proviant, Kompass und Gesellschaft zugleich»

Es handelt sich um einen der abwechslungsreichsten und vielschichtigsten Jobs. Er ist nur zu bewältigen mit einem guten Team, einem kompetenten Vis-à-vis und einer Verwaltung, die einen tatkräftig beim «Kraxeln» unterstützt. Für Martina Arpagaus ist das erste Jahr in der Schulleitung um. Sie zieht Bilanz.

Im ersten Blog «Vom Schulzimmer ins Schulleitungsbüro» schrieb ich, dass ich mich unausgerüstet und barfuss unterwegs fühle beim Weg zur Schulleitung. Ich bin es heute noch. Tagtäglich bin ich unsicher und begegne Situationen, die ich zum ersten Mal managen muss – Frust und Freude inklusive. Aber ich bin nicht allein. Es gibt ein Team, es gibt eine Schulleitungskollegin und eine Verwaltung. Unterdessen ist für mich das Allerwichtigste im Job: Netzwerken, austauschen, Hilfe holen, delegieren.

Das Team als Stütze im Sturm

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Pädagogische Schulführung im Kindergarten

Kinder entwickeln sich im Kindergarten unterschiedlich. Sie haben ihre eigene Lerngeschwindigkeit und bringen verschiedene Fähigkeiten mit. Wie Lehrpersonen in ihrer Arbeit unterstützt und die Qualitätskriterien von gutem Unterricht sichergestellt werden können. Katharina Ganz.

«Schwierige Kinder im Kindergarten»
«Kindergartenlehrpersonen am Anschlag»
«Kinder können nicht mehr spielen»

So oder ähnlich präsentieren sich aktuelle Schlagzeilen, wenn es um die Situation im Kindergarten geht. Bei Schuleintritt bringen Kinder ganz unterschiedliche Voraussetzungen mit. Die Heterogenität im Kindergarten ist hoch. Die Ansprüche an die Kindergartenlehrpersonen ebenso.

Situation im Kindergarten

Kinder, die in die Schule eintreten, stehen in Bezug auf ihre Entwicklung an ganz unterschiedlichen Orten: sei dies in Bezug auf ihre Kognition und Wahrnehmung, die Sprache, die motorischen Fähigkeiten, die sozio-emotionale Entwicklung oder bezüglich ihres Spiel- und Lernverhaltens. Die Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen und die Umsetzung von Harmos – die Kinder sind teilweise jünger, wenn sie in den Kindergarten kommen – führen zu einer zusätzlichen Vielfalt und Heterogenität. Hinzu kommen gesellschaftliche Veränderungen wie sozio-ökonomische oder sozio-kulturelle Aspekte, Digitalisierung, vielfältige Familienformen, die sich in einer Klasse widerspiegeln.

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Den digitalen Wandel in der Schule kompetent gestalten

Wenn Schüler:innen im Unterricht ein Video produzieren, die Klassenlehrerin die Eltern über ein digitales Kommunikationstool zum Beurteilungsgespräch einlädt und die Lehrpersonen der Mittelstufe gemeinsam die nächste Projektwoche auf die Beine stellen, braucht es zweifelsohne die notwendige Infrastruktur dafür. Diese ist aber nur dann hilfreich, wenn man weiss, welche digitalen Werkzeugen wann zum Einsatz kommen und wie adäquat damit umgegangen werden kann. Eliane Burri geht der Frage nach, was die Kompetenzentwicklung von Lehrpersonen vor dem Hintergrund des digitalen Wandels bedeutet und wie der Kompetenzaufbau begünstigt werden kann.

Lehrpersonen sind von den durch die Digitalisierung ausgelösten Veränderungen in hohem Masse betroffen. Die Unterrichtsinhalte ändern sich, neue Kompetenzanforderungen werden an die Schüler:innen und auch an die Lehrpersonen gestellt. Die damit verbundenen Entwicklungsprozesse gestalten Schulleitungen und Lehrpersonen gemeinsam. Dadurch ergeben sich neue Anforderungen an die professionellen Kompetenzen von Lehrpersonen. Über ihre fachliche und pädagogische Expertise hinaus müssen sie zunehmend in der Lage sein, digitale Medien in der Schule und im Unterricht sinnvoll zu integrieren.

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Um Lehrpersonen werben – eine Herausforderung für Schulleitungen

Der Lehrermangel im Kanton Zürich ist aktuell wieder ein Thema. Lehrpersonen befinden sich in der angenehmen Situation, dass sich die Schulen um sie reissen. Der Markt spielt. Das Angebot ist aber viel kleiner als die Nachfrage. Für Schulleiterin Martina Arpagaus eine ungünstige Ausgangslage. Sie teilt mit uns ihre Erfahrungen:

Frische Blumen, Gratiskaffee und vielleicht sogar in der einen Hälfte des Kindergarten-Sandkastens ein Jacuzzi? Heutzutage muss man Lehrpersonen etwas Besonderes bieten, damit sie die eigene Schule als neuen Arbeitsort aussuchen. Das Zürcher Volksschulamt hat soeben den Lehrer:innenmangel bestätigt. Vor allem auf der Kindergartenstufe ist die Misere gross. Wir in unserer Schuleinheit haben 2,5 Stellen zu besetzen und so gut wie keine Bewerbungen. Das Besetzen von Stellen ist anspruchsvoll, aufwendig, gelegentlich frustrierend und bedarf Innovationen sowie neuer Ideen.

Kündigungen von Lehrpersonen nicht persönlich nehmen

Kurz vor dem Kündigungstermin wurden mir drei Kündigungen auf den Tisch gelegt. Alle drei unerwartet. Jede der Lehrperson hatte eine persönlich nachvollziehbare Begründung, zwei nannten den näheren Arbeitsweg zur neuen Stelle. Dagegen komme ich natürlich nicht an.

Es ist der Situation geschuldet, dass ausgebildete, gute Lehrkräfte gegenwärtig einem Wust von freien Stellen gegenüberstehen.

Dass die Kündigungen aber so kurz vor Ende der Frist und ohne vorgängige Andeutung auf meinem Pult landen, nehme ich in den ersten Minuten schon etwas persönlich. Nach ein paar innerlichen Zweifelrunden stürze ich mich in die Ausschreibung der Stellen, mache erste Telefonate und führe Vorstellungsgespräche. Ich gebe zu, das passiert mit der mir eigenen Zuversicht, aber schon auch mit etwas Sorge.

Frisst der Teufel zur Not Fliegen?

Man schreibt die Stellen aus und bekommt kaum Bewerbungen. Wenn sich jemand mit den geeigneten Qualifikationen bewirbt, kommt es fast automatisch zum Vorstellungsgespräch. Man wird toleranter, weil man weiss, dass man nicht wirklich die Wahl hat. Eine Kandidatin wird ein zweites Mal ins künftige Klassenzimmer geführt, weil sie es noch einmal spüren will. Unter normalen Umständen hätte sie das womöglich nicht verlangt und ich wahrscheinlich nicht gemacht. Es kam in diesem Fall zu keiner Anstellung. Ich habe mir erlaubt, auch Personen abzusagen, obwohl sie das Diplom hatten: Eine Person konnten wir uns nicht vor einer Klasse vorstellen, die andere bekam sehr schlechte Qualifikationen von ihrer Referenzperson.

Film ab für neue Kindergärtner:innen

Die Ausgangslage auf der Kindergartenstufe ist ernst, aber hoffnungsvoll. Deshalb geht mein Schulkreis nun in die Offensive und finanziert neben einer Assistenz an den Vormittagen auch ein professionelles Filmteam, um mit einem sympathischen Porträt auf unsere Schule als attraktiven Arbeitsplatz aufmerksam zu machen. Das Drehbuch schrieb ich selbst und rückte dabei alle unsere Vorzüge in den Vordergrund. Allen voran natürlich jene Kindergärtnerinnen, die bei uns bleiben. Sie priesen professionell, herzlich und authentisch die Vorteile ihres Arbeitsplatzes an. Auch unsere Lage mit viel Natur und nahe bei einem Bahnhof kam zum Tragen. Inwiefern der Film Früchte trägt, werden die nächsten Wochen zeigen.

INFOBOX

Als die Arbeitskollegin von Martina Arpagaus gerade im Urlaub weilte und die Omikron-Welle über die Schule rollte, musste die Schulleiterin Prioritäten setzen. Wie ihr das gelang, erfahren Sie im letzten Beitrag.

Zur Autorin

Martina Arpagaus


Martina Arpagaus ist 47 Jahre alt. Nach ihrer Ausbildung als Kindergärtnerin arbeitete sie zwei Jahrzehnte als Radiojournalistin. Dann unterrichtete sie Deutsch als Zweitsprache und seit dem Sommer 2021 arbeitet sie als Schulleitung 2 in einer Zürcher Primarschule.»   

Redaktion: Melina Maerten

Titelbild: adobe stock

Endlich wieder eine Tagung unter Menschen

Niels Anderegg genoss es anfangs April endlich wieder einmal an eine Tagung zu reisen und vor einem Publikum zu sprechen. In seinem Tagebuch-Blog erzählt er von seinen Erfahrungen an der österreichischen Bundeskonferenz zur Begabungsförderung in Kärnten und warum er solche Tagungen während der Corona-Pandemie vermisst hat.

Dienstag, 5. April 2022

Seit langer Zeit steige ich zum ersten Mal wieder in einen Nachtzug ein. Nach einem intensiven Arbeitstag geniesse ich es, vor der Abfahrt mit einem Kollegen ein Bier zu trinken und dann anschliessend Richtung Kärnten zu fahren.

Zugfahrt zur Tagung in Kärnten

Auch wenn das Schlafen im Nachtzug nicht so komfortabel ist wie zu Hause, so geniesse ich die Fahrt dennoch. Während man bei einer Online-Tagung sich 5 Minuten vor Beginn einfach am Bildschirm einloggt, mache ich mich nun auf die Reise und werde nicht nur neue Inhalte, sondern auch mir bisher unbekannte Menschen treffen und einen neuen Ort kennenlernen.

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