Wein- und Käseabend «Wer heute die Schule regiert?» im Zunfthaus zur Waag

Liebe Blog-Leserinnen und Blog-Leser 

Am Mittwochabend, 13.02.2019 von 17.30 bis 19.30 Uhr laden wir Sie ins traditionsträchtige Zunfthaus zur Waag nach Zürich ein, um mit uns für einmal nicht online sondern in der Zunftstube zu diskutieren – bei Wein und Käse – eine absolute Premiere. 

Erinnern Sie sich an den Blog-Beitrag «Wer heute die Schule regiert»? Ein NZZ-Artikel unter dem Titel «Einst hatten die Lehrerinnen und Lehrer das Sagen – Wer heute die Schule regiert» rüttelte auf und gab zu denken. Darin geht der Journalist Martin Beglinger der Frage von Richard Münchs Vortrag nach, ob es ein globales Netzwerk gäbe, welches das traditionelle pädagogische Establishment aushebelt und die Ökonomisierung der Schule anstrebt.

Johannes Breitschaft, Dozent des Zentrums Management und Leadership der PH Zürich reagierte auf den NZZ-Artikel und stellte im Blog Schulführung vier spannende Fragen:

  • Wer steuert eigentlich das Bildungswesen im Kanton Zürich?
  • Gibt es nicht wesentlichere Werte in der Bildungspolitik als ökonomische Prinzipien?
  • Wer hinterfragt das «Wofür» und nicht nur das «Wie» und «Was» bei Veränderungen und neuen Verfahren und Instrumenten?
  • Wie wahrscheinlich sind disruptive Szenarien in der Bildung, sodass digitale globale Player das Zepter übernehmen?

Dank der angeregten Blog-Diskussion kam die Idee auf, das Gespräch bei Wein und Käse fortzuführen. Nachdem auch Rektor Heinz Rhyn und  NZZ-Journalist Martin Beglinger ihr Interesse an der Teilnahme bekundeten, war der Termin rasch gefunden. Und mit Herrn Wimmer, Wirt des prachtvollen Zunfthauses zur Waag in Zürich, gewannen wir einen idealen Gastgeber.

Auch er war von unserem Ansinnen sofort begeistert: Jede Teilnehmerin / jeder Teilnehmer bringt einen eigenen, persönlichen Käse mit. Für Wein, Brot und weiter Beilagen fürs Buffet ist gesorgt.

Möchten auch Sie an dieser spannenden Diskussion teilnehmen? Sie brauchen sich nur anzumelden und einen persönlichen Käse (500g) mitzubringen.

Zögern Sie also nicht und sichern Sie sich einen Platz in der Zunftstube. Die Platzzahl ist beschränkt. Melden Sie sich unter folgendem Link für den Wein- und Käseabend an und bringen Sie ihren ganz persönlichen Käse mit!

Dieser spezielle Anlass ist ausschliesslich unserer Blog-Leserschaft vorbehalten. Wir freuen uns sehr auf Ihr Dabeisein.

Jörg Berger, Schulleiter Schule Knonau und Wissenschaftlicher Mitarbeiter Zentrum Management und Leadership, PH Zürich

Anmeldung: Wein- und Käseabend im Zunfthaus zur Waag

Der Berufsauftrag als Kontrollinstrument entprofessionalisiert Lehrpersonen

Momentan laufen die politischen Diskussionen um den neu definierten Berufsauftrag heiss. Dabei steht vor allem die berufliche Belastung der Lehrpersonen und die Frage, was alles innerhalb der Jahreszeiten geleistet werden kann, im Mittelpunkt. Das ist eine interessante und wichtige Diskussion, doch sie überschattet eine weitere Diskussion, welche mir ebenfalls wichtig und dringlich erscheint. Der neu definierte Berufsauftrag ist ein Führungsinstrument, welches Chancen und Risiken in sich birgt. Bei der konkreten Umsetzung an der einzelnen Schule kann viel gewonnen, aber auch viel verloren werden.

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Rezension: Fokus Personalentwicklung

Das Buch ‘Fokus Personalentwicklung – Konzepte und ihre Anwendung im Bildungsbereich’ von Christine Böckelmann und Karl Mäder ist nachdem es lange vergriffen war, endlich in zweiter vollständig überarbeiteter und erweiterter Auflage wieder erhältlich. Die «gute Schule» braucht «gute Personen» und so ist die Personalentwicklung für Führungspersonen an Bildungsorganisationen eine der wichtigsten und vornehmsten Aufgaben: Dies gilt sowieso für Schulleitungen, aber auch für Schulpräsidien, Leitungen Betreuung und Schulverwaltungsleitungen. Personalentwicklung ist Chefsache oder, wie das erste Modul in unserem CAS Personalentwicklung heisst: «Personalentwicklung ist nicht delegierbar».

Das Buch ‘Fokus Personalentwicklung’ gibt einen guten Überblick über die unterschiedlichen Themengebiete der Personalentwicklung. Das Buch kann für das Selbststudium verwendet werden. Dann ist es aber eine eher trockene Materie. Mir scheint es hilfreicher und sinnvoller das Buch immer wieder bei spezifischen Situationen im Führungsalltag in die Hand zu nehmen und einzelne aktuelle Themen nachzulesen. So findet man im Buch auf wenigen Seiten die wichtigsten Informationen und kann diese gleich mit der Praxis und dem Leitungsalltag verbinden. Nehmen wir zum Beispiel das Thema ‘Gesund bleiben im Lehrberuf’. Die Studie des Schweizerischen Schulleitungsverbandes (VSLCH) zu den Herausforderungen der Schulleitenden ergab, dass die Gesundheit der Lehrpersonen ein Thema ist, dass die Schulleitungen zur Zeit sehr beschäftigt. Ab ins Buch – von Seite 103-107 erhält man auf wenigen Seiten die wichtigsten theoretischen und praktischen Hinweise dazu. Und wenn es um Burn-Out geht? Seite 107-110. Und wer sich für ein anderes Thema der Personalentwicklung interessiert – das Buch gibt vielfältige Einblicke.

Diese vielfältigen Einblicke haben manchmal den Nachteil, dass die einzelnen Themen nur sehr knapp abgehandelt werden können. So findet man beispielsweise zum Thema ‘Multiprofessionelle Teams’ (Seite 68-70) nur grundlegende Informationen. Wer sich mit dem Thema vertiefend auseinandersetzen will, braucht dann eine spezifischere Literatur. Das ist die Krux jedes Buches, dass einen Überblick über ein grosses Themagebiet gibt: Wie gelingt es das ganze Thema umfassend auf eine übersichtliche Anzahl Seiten so darzustellen, dass die einzelnen Themen trotzdem möglichst vielfältig besprochen werden. Nach meinem Empfinden ist dies Christine Böckelmann und Karl Mäder gut gelungen.

Das Buch gehört für mich in jede Bibliothek einer Führungsperson in Bildungsorganisationen, so dass immer wieder darin nachgeschlagen werden kann. Und so verbindet sich die Praxis mit der Theorie und der «guten Schule» steht nichts mehr im Wege.

Niels Anderegg, Bereichsleiter Management und Leadership, PH Zürich

Fokus starke Lernbeziehungen: Schulversuch gescheitert?

Mit der Veröffentlichung der Resultate der Evaluation ist der Schulversuch ‘Fokus starke Lernbeziehungen’ unter Druck geraten. Nun könnten die Kritikerinnen und Kritiker des Versuchs loslegen und die Messer schleifen: «Wir haben es ja schon immer gesagt und geschrieben!»

Ich halte dies jedoch für falsch. Fehler machen und ebenso Scheitern sind wesentliche Elemente von Lernen und Entwicklung. Schulentwicklung ist immer eine Suchbewegung und lebt von Menschen, die etwas wagen, die sich getrauen, neue Wege zu gehen. Und es braucht kritische Stimmen, welche auf wunde und blinde Stellen weisen, Diskussion anregen und schauen, ob die gesetzten Ziele auch erreicht werden. In diesem Dialog findet Lernen und Entwicklung statt.

Ich hoffe, dass die Evaluationsresultate des Schulversuches diesen Dialog fördern. Würde der Versuch einfach abgebrochen, würden motivierte Schulleitungen und Lehrpersonen der Projektschulen zurückbleiben, die sich in den letzten Jahren intensiv für die Entwicklung ihrer Schule engagiert haben. Führt man den Versuch einfach weiter, verhindert man Lernen. Es braucht den Dialog und das gemeinsame Lernen. Die Entflechtung und Rollenklarheit von Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Praxis müssen aus meiner Sicht dringend Teil dieses Dialogs sein.

Nach meinem Verständnis von Schulentwicklung gibt die Politik die Ziele vor und die Schulleitungen haben die Aufgabe, diese Ziele zusammen mit den Lehrpersonen an ihren konkreten Schulen zu verfolgen und zu erreichen. Die Verwaltung und Wissenschaft haben die Aufgabe, die Schulen in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Konkret könnte dies heissen, dass die Politik definiert, dass sie inklusive Schulen wünscht, in denen alle Schülerinnen und Schüler gut lernen können und die Schulen gleichzeitig eine möglichst einfache, zweckmässige Schulorganisationen pflegen können. Die Schulleitungen haben dann den Auftrag, dies an ihren Schulen umzusetzen. Dazu brauchen die Schulen Freiheiten, welche ihnen von der Verwaltung gewährt werden müssen.

Ich hoffe, dass sich der Schulversuch – der dann kein Versuch, sondern ‘normale’ Schulentwicklung ist – in diese Richtung entwickelt.

Niels Anderegg, Zentrumsleiter Management und Leadership, PH Zürich

Denken bei 300 km/h

Der TGV zischt wie ein Pfeil durch die flache Landschaft zwischen Amsterdam und Paris. Mit 300 km/h zieht die Landschaft an mir vorbei. In mir drin ist genau das Gegenteil. Ich bin am Schreiben eines Buchbeitrages und erfahre wieder einmal, das Denken und Schreiben langsame Prozesse sind. Ich meinte den Text in meinem Kopf zu haben und ihn nur noch aufschreiben zu müssen. Weit gefehlt! Beim Schreiben zeigen sich Unschärfe in der Argumentation und Brüche in den Zusammenhängen. Das ist der Grund, warum mir das Schreiben so wichtig ist, auch wenn es anstrengend und manchmal mühsam ist. Gerade jetzt wo der Abgabetermin bedrohlich nahe rückt und der Text sich einfach sperrt würde ich gerne einfach wie der TGV rasen. Aber unterschiedliche Dinge brauchen unterschiedlich Zeit.

Ich glaube, ein Rezept erfolgreicher Schulführung ist, sich bewusst die Zeit einzuteilen und sich für unterschiedliche Dinge unterschiedlich Zeit zu nehmen. Eigentlich warten 100 Mails auf eine Antwort und in meiner To do-Liste leuchten einige Punkte dunkelrot. Diese müssen warten – denn jetzt ist Zeit zum Denken und schreiben. Vielleicht heute Abend oder morgen ist dann ihre Zeit gekommen und der Text muss ruhen. In meiner Zeit als Schulleiter musste ich lernen immer ein Ding nach dem anderen zu machen und nicht alles gleichzeitig. Die hat übrigens auch dazu geführt, dass ich wieder «Herr meiner Agenda» wurde. Ich bestimme, wann ich was mache und was ich auf der Seite lasse.

Wenn nun einige denken, dass ich dies nun doch sehr ‘schön male’, dann muss ich zum Teil leider zustimmen. Auch mir passiert es immer wieder, dass ich im Meer des Unerledigten und des Dringenden untergehe und wie ein steuerloses Schiff im Sturm treibe. Hier helfen mir kleine Tricks. Zum Glück reklamiert meine Assistentin, die Herrin meiner Agenda, ab und an, dass sie keine Termine mehr finden kann und droht, dass sie ganze Tage für sich einfach reserviert. Oder ich nehme statt das Flugzeug den Zug und habe so einen ganzen Tag Zeit um zu Lesen und zu Schreiben. Ich kenne Schulleitende, die ganz ähnliche Tricks anwenden. So geht beispielsweise eine Schulleiterin zusammen mit ihrer Co-Leiterin konsequent die letzten drei Arbeitstage jedes Monates in ihr Ferienhaus. Die drei Tage nutzen sie um zu denken und ihre Schule weiterzuentwickeln. Aber auch um sich selber Sorge zu tragen und die Zusammenarbeit zu stärken. «Diese drei Tage sind uns heilig», meinte die Schulleiterin im Interview und fügte dann mit einem Schmunzeln dazu «leider müssen wir sie manchmal auf zwei Tage verkürzen». Da das Ferienhaus jedoch nicht in der Nähe ist, lohnt sich die Anreise für zwei Tage kaum. Auch das ein kleiner Trick.

PS: Wer auch einmal denkend mit dem TGV nach Amsterdam reisen will: Wir fahren mit der Studienreise Schulführung und -entwicklung International und dem CAS Pädagogische Schulführung auch im nächsten Jahr wieder nach Amsterdam. Auch das ein Trick, sich Zeitfenster zum denken herauszunehmen.

Niels Anderegg, Zentrumsleiter Management und Leadership, PHZH

Wann ist ein Laie ein Laie?

Die Frage wurde in der Pause während einem Kommunikationstraining für Schulpflegemitglieder von einer Teilnehmerin gestellt. Ausgangspunkt für die Frage war eine Diskussion über die Rolle von Schulpflegerinnen und Schulpfleger bei der Mitarbeitendenbeurteilung. «Wir können ja nie so professionell beurteilen wie eine Schulleitung», meinte eine Teilnehmerin. Wie viele andere musste ich auch nicken und wusste innerlich doch, dass mit der Argumentation etwas nicht stimmt. Die Frage hat mich nicht mehr losgelassen und zum Nachdenken angeregt.

Wenn Schulpflegerinnen und Schulpfleger Laien sind und mit professionellen Schulleitungen verglichen werden, dann haben sie verloren und man kann die Schulpflegen abschaffen. Für die Schulen wäre dies aus meiner Sicht jedoch ein Verlust. Und das hat damit zu tun, dass Schulpflegen in meinem Verständnis keine Laien sind. Sie wären dann Laien, wenn sie, wie vor der Einführung von Schulleitungen, die operative Führung innehaben. Sie wären dann unausgebildete Schulleiterinnen und Schulleiter oder eben: Laien. Die Schulpflegen haben heute jedoch eine andere Aufgabe: Sie sind Vertreterinnen und Vertreter der Bevölkerung und sorgen als strategische (oder politische) Führung dafür, dass das Dorf die Schule hat, welche die Bevölkerung will. Sie sind gewissermassen das ‘Volk’ der Volksschule.

Schulpflegende und Schulleitende agieren nach meinem Verständnis in unterschiedlichen Rollen, Perspektiven und Aufgabenfelder in der Schulführung. Die Frage, ob Schulpflegende Laien sind, stellt sich nicht im Vergleich zu den Schulleitenden, sondern im Vergleich zu den Anforderungen an eine politische Führung. Zum Beispiel in der Frage, wie sie schwierige Gespräche kommunikativ führen können. Für mich geht es nicht um die Frage, ob Schulpflegende Laien sind, sondern wie professionell sie als Schulpflegende agieren. Und professionell agierende Schulpflegen sind ein wesentliches Element für Schulqualität.

Aus diesem Grund verstehen wir uns im Zentrum Management und Leadership an der PH Zürich seit einigen Jahren nicht mehr nur als Kompetenzzentrum für Schulleitung, sondern als Kompetenzzentrum für Schulführung. Darin sind alle Führungspersonen und -funktionen in Bildungsorganisationen gemeint. Neben Schulleitungen unterstützen wir unter anderem auch die politische oder administrative Führung und entwickeln verschiedene Angebote für diese Personengruppen.

Und wer Lust hat als Schulpflegerin, Schulpfleger auf solche Pausengespräche und dabei auch noch an der eigenen Kommunikation zu arbeiten, am 8. Mai 2018 biete ich das nächste Kommunikationstraining an.

Niels Anderegg, Zentrumsleiter Management und Leadership, PHZH

Darum braucht es Schulleitungen!?

Der reisserische Titel könnte suggerieren, dass nun ein normatives, vielleicht auch gewerkschaftliches Pamphlet für Schulleitungen kommt. Wer dies erwartet, wird enttäuscht sein. Ich habe nur eine kleine Geschichte zu bieten.

Früher war alles anders
An einem Elternabend erzählt ein Vater einer Schulleiterin, dass auch er schon in diese Schule ging. Er erzählt ihr von seinem Klassenlehrer, welcher während 30 Jahren an dieser Schule wirkte – gefürchtet und geachtet gleichermassen. Von vielen Schülerinnen und Schüler wurde er wegen seinen legendären Wanderungen gehasst. Jeden Monat mussten sie unabhängig von Wetter, Jahreszeit und Kondition eine Wanderung machen. In der 4. Klasse waren es immer 10 Kilometer, in der 5. Klasse 15 Kilometer und in der 6. Klasse sogar 20 Kilometer. Jeden Monat 20 Kilometer! Der Lehrer kannte kein Pardon und jede und jeder musste da durch. Der Vater selber war jedoch froh bei diesem Lehrer gewesen zu sein. «Wir haben viel gelernt bei ihm und das Wandern … er war halt ein Wanderfan». Er erzählte auch vom Lehrer im Zimmer nebenan. Diesen hätte man meistens besser verstanden als den eigenen Lehrer. «Wenn der wütend war – der konnte schreien. Ein herzensguter Mensch war er. Aber manchmal rastete er einfach aus und dann war ‘fertig lustig’». Am Ende meinte der Vater, dass er eine gute Zeit an dieser Schule hatte. Aber früher war es anders und er ist froh, dass sein Sohn nicht mehr in die alte, sondern in die neue Schule gehen kann.

Wir und die Schule

Als die Schulleiterin nach dem Elternabend auf dem Fahrrad nach Hause fährt, kommt ihr der Gedanke, dass es vielleicht gerade deshalb Schulleitungen braucht. Die Lehrerinnen und Lehrer sind nicht mehr allmächtig und die Schülerinnen und Schüler den einzelnen Personen ausgesetzt. Der Schulleiterin ist es wichtig, dass sie gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrer die Verantwortung tragen, dass sie sich austauschen und von und miteinander lernen. Nicht mehr ‘ich und die Klasse’, sondern ‘wir und die Schule’. «Aber tun wir dies auch wirklich?» Die Schulleiterin stutzt einen kurzen Moment. Es könnte ja auch sein, dass Schulleitungen bewirken, dass Lehrerinnen und Lehrer zu gesichtslosen Unterrichtsbeamten verkommen, welche nur noch konsensorientierten Einheitsbrei produzieren. «Ich will keine Lehrerinnen und Lehrer, welche beim Eingang zum Schulhaus ihre Persönlichkeit und ihre Leidenschaft an die Garderobe hängen», resümiert die Schulleiterin für sich. «Und gleichzeitig will ich auch nicht, dass alle einfach machen können, was sie wollen». Zu Hause angekommen beschliesst die Schulleiterin sich und ihre Lehrerinnen und Lehrer in den nächsten Tagen und Wochen einmal zu beobachten.

Vielleicht fragen Sie sich nun, was ich Ihnen mit dieser Geschichte sagen will. Meine Antwort wäre: «Ich weiss es nicht». Deshalb liebe ich Geschichten. Ich kann aus Geschichten Dinge für mich herauslesen und diese mit anderen diskutieren. Andere Personen mit anderen Perspektiven werden anderes herauslesen. Die Frage, ob oder wozu es Schulleitungen braucht, kann die Geschichte nicht beantworten. Ich lese einiges heraus, was für Schulleitungen spricht. Ich sehe in der Geschichte Chancen und Risiken. So ambivalent wie die Geschichte ist, so ambivalent ist wahrscheinlich auch die Frage.

Welche Geschichten, Erfahrungen haben Sie? Ich bin ein neugieriger Mensch. Veröffentlichen Sie Ihre Geschichte hier auf dem Blog oder schicken Sie mir diese zu. Ich würde mich freuen.

Niels Anderegg, Zentrumsleiter Management und Leadership, PHZH

Forschungstagebuch 3/3

Im Rahmen des Forschungsprojektes ‘Von den Besten lernen – Schulleitungshandeln an den Siegerschulen des Deutschen Schulpreises’ reist Niels Anderegg für drei Tage an eine Siegerschule des Deutschen Schulpreises nach Ostdeutschland. Jeden Tag berichtet er im Blog Schulführung.

Am dritten Tag führe ich vor allem Gespräche. Während den zwei Tagen in denen ich an der Schule bereits präsent bin und mit vielen Personen kleine Gespräche geführt habe, ist eine Bezeihung entstanden, welche bereits ein gewisses Vertrauen beinhaltet. So habe ich heute sowohl mit einer Gruppe Lehrpersonen und später auch noch mit einer Gruppe Schüler/innen ein Interview geführt. Die Kunst der Interviewführung besteht darin, die Fragen, welche wir an allen Schule standardmässig stellen, in den Gesprächsverlauf einzubauen, konzentriert hinzuhören und Themen aufzunehmen. Gleichzeitig ist es wichtig,  den Gesprächsverlauf möglichst wenig zu leiten, da sonst die Gefahr besteht, dass die Teilnehmenden so antwortet, wie ich frage und nicht wie sie denken. Eine besondere Herausforderung beim heutigen Interview war es, die Schüler/innen zum Erzählen zu bringen. Vier der sechs teilnehmenden Schüler/innen haben nur wenig gesprochen. Durch Anlächeln, Ansprechen, Ermutigen oder Anpassen der Fragen versuchte ich, alle miteinander ins Gespräch zu bringen.

 

 

 

 

 

Die Interviews sind immer sehr spannend, da sie Themen nochmals auf eine andere Art auf den Punkt bringen. So meint eine Lehrperson im Interview, dass sie den Job des Schulleiters nicht möchte. Als Begründung gibt sie an, dass sie auch noch ein Privatleben haben möchte. Oder eine Schülerin, welche lange nichts gesagt hat, erzählt auf einmal von einem Konflikt, den sie in der Klasse mit einer Lehrperson hatten. Sie hätten sich entschieden damit zum Schulleiter zu gehen und dieser hat sich der Sache angenommen. Er reagiert noch am gleichen Tag, vermittelte und es konnte eine gute Lösung gefunden werden. Ein Schüler reagiert auf die Geschichte mit der Bemerkung: «Das ist das tolle an unserem Schulleiter. Wenn man ein Problem hat, dann reagiert er sofort und schiebt es nicht auf die lange Bank». Eine Qualität, welche auch von den Lehrpersonen im Interview so genannt wurde. «Ich sehe den Schulleiter nicht sehr oft. Aber wenn ich ihn brauche, dann ist er sofort da und handelt. Man kann ihn jederzeit aufs Handy anrufen. Das Handy ist sein zweites Zuhause.»

 

 

 

 

 

 

Die Unterschiedlichkeit und gleichzeitige Gleichheit zwischen den Schulleitenden ist etwas das mich während den vielen Feldphasen an den Siegerschulen des Deutschen Schulpreises am meisten aufgefallen ist. Jede Schulleiterin und jeder Schulleiter tut es auf seine Art, hat seine Ecken und Kanten und doch tun sie im Grunde genommen Ähnliches. Dieses Ähnliche wollen wir finden. Mit den Feldphasen ist das Forschungsprojekt noch lange nicht abgeschlossen. Eine Studentische Mitarbeiterin transkribiert die über 100 von uns geführten Interviews. Diese werden wir danach codieren und in Kategorien zusammensetzen, so dass wir am Schluss aus den Dokumenten der Schule, den Beobachtungen und den Interviews Merkmale für das Schulleitungshandeln von pädagogisch erfolgreiche Schulen erhalten. Wir sind schon jetzt gespannt, was wir finden werden. Ich werde sicher immer wieder davon hier im Blog erzählen und präsentieren.

 

 

 

 

 

Drei intensive Forschungstage liegen hinter mir und ich laufe müde und beschenkt mit meinem Koffer zum Bahnhof. Irgendwo zwischen Schule und Bahnhof entdecke ich an einem DDR-Plattenbau das folgende Grafiti (siehe Foto): «Ich liebe dich – NIEMAND». Ein poetisches und nachdenkliches Grafiti zugleich. Gerade darum bin ich als Schulleitungsforscher unterwegs. Natürlich will ich verstehen, was die Schulleitungen an diesen pädagogisch hervorragenden Schule machen um diese hohe Qualität zu erhalten. Aber eigentlich treibt mich der Wunsch, dass möglichst alle Kinder solche Schulen besuchen können.

Forschungstagebuch 2/3

Im Rahmen des Forschungsprojektes ‘Von den Besten lernen – Schulleitungshandeln an den Siegerschulen des Deutschen Schulpreises’ reist Niels Anderegg für drei Tage an eine Siegerschule des Deutschen Schulpreises nach Ostdeutschland. Jeden Tag berichtet er im Blog Schulführung.

Mein 2. Forschungstag beginnt heute früh am Morgen. Um 7 Uhr treffe ich in der Schule ein und habe Zeit, im Lehrer/innen-Zimmer noch einen Kaffee zu trinken. Mehr als der Kaffee interessiert mich jedoch die Art und Weise wie die Lehrpersonen und Schüler/innen am Morgen an der Schule ankommen. Und ich werde nicht enttäuscht. Seit einigen Tagen sind viele Schüler/innen krank und auch bei den Lehrpersonen gibt es mehrere Absenzen. Zudem sind diese Woche noch einige Lehrpersonen im Skilager. Heute gibt es drei zusätzliche Krankmeldungen – insgesamt fehlen 15 von 40 Lehrpersonen. Ein Lehrer meldet sich ganz kurzfristig ab, da seine Tochter krank ist. Alle Stunden müssen von den anwesenden Lehrpersonen übernommen oder Klassen zusammen unterrichtet werden. Und das an einem Tag, wo sowohl der Schulleiter als auch seine Stellvertreterin nicht an der Schule sind. Jetzt zeigt sich, ob und wie Distributed und Teacher Leadership funktioniert. Und ja, es funktioniert. Mit einer grossen Gelassenheit wird organisiert und eingeteilt. Als ich den Lehrer, der auch Mitglied der erweiterten Schulleitung ist, darauf anspreche, zuckt er nur mit den Schultern. «Iss einfach so», meint er und erklärt, dass die Prozesse und Verantwortlichkeiten geklärt seien. «Jetzt springe ich ein und ein anderes Mal springt jemand für mich ein». Was er nicht sagt, ich aber eindrücklich erlebe, ist, dass die Schüler/innen es sich gewohnt sind, selbstständig zu arbeiten. Dies wird im regulären Unterricht eingeübt und von ihnen verlangt und funktioniert auch, wenn keine Lehrperson direkt anwesend ist. Im Laufe des Tages begegne ich immer wieder Schüler/innen, welche für sich selbstständig arbeiten. Es ist ein ganz normaler Schulalltag – nur mit etwas weniger Lehrpersonen.

Diese Selbständigkeit ist ein Produkt ihres pädagogischen Verständnisses und Handelns, wird mir erklärt. Schüler/innen müssen involviert werden, sie müssen ihren Fragen nachgehen können und verstehen, dass die Schule wegen ihnen stattfindet. Das bedeutet nicht, dass sie nur das machen, worauf sie Lust haben. Vielmehr bedeutet es, dass sie einbezogen sind, dass sie Teil und nicht nur Objekt der Schule sind und dass sie verstehen, was sie warum machen. Diese Haltung, welche über viele Jahre aufgebaut worden ist, wird von allen gelebt, wie der heutige Tag eindrücklich demonstriert.

 

 

 

 

 

Aber eigentlich will ich heute beschreiben, was ich als Forscher den ganzen Tag so mache. Die Aufgabe ist relativ einfach: Ich gehe den Alltag der Schule mit, beobachte und notiere meine Beobachtungen. Ich bin gewissermassen ein Schwimmer im Schulalltag und lass mich durch das Schulhaus treiben. Konkret habe ich am Morgen einen Lehrer mit seiner Klasse begleitet, habe ihn im Lehrer/innen-Zimmer beobachtet, im Unterricht und im Flur. Ich versuche, so viel wie möglich von dem, was ich sehe und wahrnehme, zu notieren. Dabei hat es Dinge, welche mich sofort anspringen und in denen ich Zusammenhänge sehe. Gleichzeitig gibt es auch Dinge, welche mir auf den ersten Blick nicht wesentlich erscheinen. Erst im Nachhinein, bei der Auswertung, erhalten sie plötzlich eine Relevanz. Dadurch habe ich die Möglichkeit, auch Neues zu entdecken und zu verstehen. Und gleichzeitig gibt es immer wieder Momente, in denen ich meine, etwas verstanden zu haben. Wenn ich meine Beobachtungsnotizen im Nachhinein auswerte, merke ich, dass das, was ich meine, Verstanden zu haben, nur die halbe Wahrheit ist und es Hinweise gibt, welche genau dagegen sprechen. Forschung ist ein langsames Suchen, Herantasten, Finden und Verwerfen. Meistens alles gleichzeitig. In der Feldphase geht es aber ‘nur’ um das Aufnehmen.  Das Verstehen brauche ich nur, um meinen Beobachtungen eine gewisse, jedoch nicht zu enge Richtung zu geben.

Neben dem Beobachten ist ein zweites, wesentliches Element das Führen von Gesprächen. Am zweiten und dritten Tag ist man an einer Schule nicht mehr fremd und die Lehrpersonen und Schüler/innen beginnen einem anzusprechen und Fragen zu stellen. Ungefragt beginnen die Leute zu erzählen und ich kriege viel authentischere Antworten, als wenn ich in einer Interviewsituation die Personen befragen würde (was ich jedoch auch immer wieder mache).

 

 

 

 

 

Im Verlauf des Tages habe ich auch die Aussenstelle besucht. Die Aussenstelle ist ein altes Schulhaus, das eigentlich nicht mehr benutzt werden kann, jedoch auf Grund des Platzmangels von der Schule genutzt wird. Gerade für mich als Schweizer war es wieder einmal beeindruckend zu sehen, wie trotz schlechten Rahmenbedingungen guter Unterricht gehalten werden kann. Gleichzeitig ist die Situation für die Lehrpersonen belastend. Und hier kommen wir wieder auf die Frage der Schulführung zu sprechen. Dem Schulleiter dieser Schule gelingt es immer wieder, Gelder für seine Schule zu finden und die politischen Behörden davon zu überzeugen, dass nun etwas geschehen muss. Ein schönes Beispiel dafür ist die ehemalige Turnhalle (siehe erstes Foto). Diese sollte eigentlich abgerissen werden. Ein Schüler hatte jedoch die Idee, dass daraus Werkstätten entstehen könnten. Obwohl das Geld für den Abriss bereits budgetiert war, gelang es dem Schulleiter alle davon zu überzeugen, dass die alte Turnhalle zu Werkstätten und die Schule sich dadurch stärker der Berufsorientierung widmen kann. Über verschiede Fördermittel gelang es, aus der alten Halle ein pädagogisches Bijou zu machen. Als vor einigen Wochen der Bundespräsidenten die Schule besuchte, wurden die Foto- und Filmaufnahmen just in dieser Halle gemacht. Der Schulleiter hat sich gefreut wie ein kleines Kind.

 

 

 

 

 

Den Begriff Feldphase nehme ich am Ende des Tages dann auch noch wörtlich. Nach vielen Stunden des Sitzens geniesse ich es, noch kurz vor dem Eindunkeln über die Felder des gefrorenen Moors zu joggen und mich zu bewegen. Ein guter Ort, um über die Eindrücke und Erkenntnisse des Tages nachzudenken.

Niels Anderegg, Zentrumsleiter Management und Leadership PH Zürich

Forschungstagebuch 1/3

Im Rahmen des Forschungsprojektes ‘Von den Besten lernen – Schulleitungshandeln an den Siegerschulen des Deutschen Schulpreises’ reist Niels Anderegg für drei Tage an eine Siegerschule des Deutschen Schulpreises nach Ostdeutschland. Jeden Tag berichtet er im Blog Schulführung.

Normalerweise reise ich jeweils am Vortag an, so dass ich am ersten Tag ausgeruht an die Schule gehen kann. Leider ist es dieses Mal nicht möglich. So nehme ich um 20 Uhr im Hauptbahnhof Zürich den Nachtzug in Richtung Berlin.

 

 

 

 

 

Das schöne am Nachtzug ist, dass man gleich mit einem Fläschchen Vino Spumante begrüsst wird. Und auch sonst ist es in meinem Zimmerlein gemütlich, so dass ich noch einen Fachartikel für das Forschungstreffen vom Montag lesen und dann bald tief und fest einschlafen kann.

Da ich umsteigen muss, werde ich schon um 5 Uhr geweckt. Immerhin mit einem Frühstück. Dann heisst es umsteigen und mit der S-Bahn in eine kleine Provinzstadt fahren, das Hotel suchen, den Koffer einstellen und ab an die Schule. Ich bin schon sehr gespannt was mich erwartet. Auch wenn ich bereits viel über die Schule gelesen habe, so ist die erste Begegnung an der Schule doch immer wieder überraschend. Michael Schratz spricht immer wieder davon, dass man sich in eine Schule ‘hineinspüren’ muss. Und genau so ist es auch heute wieder.

 

 

 

 

 

 

Als ich in der Schule ankomme überkommt mich wieder einmal das eigenartige Gefühl, dass man ‘Schule spürt’. Das mag nun, gerade in einem Bericht eines Forschers eigenartig klingen, aber ich mache immer wieder die Erfahrung, dass ich in ein Schulhaus hineinkomme und sogleich die Qualität dieser Schule fühlen kann. Und da geht schon das Forschen los. Was spricht mich an? Was macht diesen Ort besonders?

Mir fällt sogleich auf, dass Schülerinnen und Schüler überall am Arbeiten sind: Auf dem Gang, in kleinen Nischen und in den Schulzimmern, welche alle offene Türen haben. Hier wird mit einer Ernsthaftigkeit gearbeitet und gelernt, die spürbar ist. Dieser erste Eindruck wird sich im Verlauf des Tages weiter bestätigen und ich finde sowohl bei den Beobachtungen als auch in den Gesprächen mit dem Schulleiter und verschiedenen Personen immer wieder hinweise, warum dies an dieser Schule so ist. Und genau darum geht es mir in diesen drei Tagen: Ich möchte verstehen wie diese Schule ‘tickt’ und was die Schulleitung dafür macht.

 

 

 

 

 

Im Schulsekretariat treffe ich den Schulleiter zusammen mit den beiden Sekretärinnen und dem Hausmeister bei einem Kaffeeklatsch. Das Wort Beziehung wird während dem ganzen Tag immer wieder fallen. «Die wichtigste Aufgabe als Schulleiter ist es die Beziehungen zu den Menschen zu pflegen und zu gestalten». Auf dem Rundgang durch das Schulhaus spricht der Schulleiter immer wieder Schülerinnen oder Schüler an, murmelt dem einem zu, dass der Vortrag hervorragend war und sagt zum anderen, dass er dies toll gemacht habe. Auf meine Frage, ob er denn alle 450 Schülerinnen und Schüler kenne, schaut er mich nur erstaunt an. Später, im Verlaufe des Tages wird er zu Schulleitenden, welche auf Hospitation sind, sagen, dass er über den Unterricht und die Schülerinnen und Schüler wenig wisse, da seien die Lehrpersonen die Profis und die wissen ganz viel. 10 Minuten später, als eine der hospitierenden Schulleiterin von ihrer Beobachtung einer schwierigen Situation in einer Klasse berichtet, meint der Schulleiter: «Ach ja, Sie waren wohl in der 9b». Und berichtet dann, dass es dort momentan nicht so rund läuft und erzählt von den Gründen weshalb das momentan so ist und was sie dagegen unternehmen. Als ich ihn später darauf anspreche und meine, dass ich es ihm nicht abnehme, dass er nicht so viel über den Unterricht und die Schülerinnen und Schüler weiss, muss er schmunzeln. «Mir ist es wichtig, dass die Schulleitenden den Lehrpersonen vertrauen und ihnen die Möglichkeit geben auszuprobieren und ihr Ding zu machen». Hier kommt wieder die Beziehungsgestaltung ins Spiel. «Lehrpersonen und auch Schülerinnen und Schüler müssen die Möglichkeit haben ihre Ideen umzusetzen und auszuprobieren. Dazu brauchen sie mein Vertrauen und meine Wertschätzung. Die gebe ich ihnen durch mein Interesse und meine Präsenz». Der Schulleiter kontrolliert nicht, sondern ermutigt. Und er ist neugierig. Immer wieder fragt er Schülerinnen und Schüler, welche irgendwo am Arbeiten sind, was sie gerade tun. Er lässt es sich erklären und ist begeistert. Am Ende des Tages meint er bedauernd, dass er so gerne an allen Präsentationen der Projektarbeiten der Schülerinnen und Schüler dabei sein möchte. Aber das sei unmöglich. Ein Projekt hat es ihm dann jedoch so angetan, dass er versucht seine Termine so zu schieben, dass er an dieser Präsentation dabei sein kann. Dieses Team (der Projektunterricht an dieser Schule findet immer in Teams statt) geht der Frage nach, in wie weit die momentane Regierungsbildung in Deutschland mit der Situation der Weimarer Republik verglichen werden kann. «Auf diese Fragestellung muss man doch zuerst einmal kommen. Und das von Schülerinnen und Schüler die mitten in der Pubertät stecken und alle sagen, dass sie keinen Bock auf Lernen haben». Wie war das mit dem ersten Eindruck: Die Ernsthaftigkeit mit welcher hier gearbeitet wird.

Am Ende des Tages habe ich über 10 Seiten Beobachtungen in mein Forschungstagbuch getippt und das erste Interview mit dem Schulleiter geführt. Mit vielen Eindrücken und neuen Fragen und Hinweisen verlasse ich die Schule und gehe ins Hotel. Dort gehe ich nochmals meine Notizen durch und schreibe mir Stichworte, Eindrücke und Fragen auf. Ich bin schon gespannt auf den nächsten Tag. Ich werde um 7 Uhr einen Lehrer treffen und ihn und seine Klasse dann durch den Morgen begleiten. Ich freue mich darauf.

Nach der Nacht im Schlafwagen freue mich nun auf mein Hotelbett. Zuerst muss nun jedoch noch die Mailflut aus dem Büro bearbeitet werden. Auch als Forscher ist man immer noch ein Stück mit dem Büroalltag verbunden.

Niels Anderegg, Zentrumsleiter Management und Leadership PH Zürich