Bildung in die Schulführung bringen

Der Titel für diesen Blogbeitrag kommt von Professorin Viviane M. J. Robinson von der Universität Auckland, Neuseeland. Mit «Putting Education back into Educational Leadership» hat sie 2006 einen Artikel geschrieben, von dem Niels Anderegg einzelne Stellen kurz vorstellt und zur Diskussion bringen möchte.

Die These des Beitrages ist, dass es eine leider häufig nicht beachtete Selbstverständlichkeit ist, dass die Bildung, also das Lernen der Schülerinnen und Schüler im Zentrum der Schulleitung stehen sollte. Zu häufig übernehmen wir allgemeine Führungskonzepte, statt aus der Schule heraus zu schauen, welche Form von Führung wir in unseren Bildungsorganisationen brauchen. Das neuste Beispiel dafür ist agile Führung.

Um die Jahrtausendwende hat die amerikanische Erziehungswissenschaftskonferenz (AERA) eine Taskforce eingesetzt, um die Frage der Ausrichtung der Schulführungsforschung neu zu positionieren. Der Grund für die Einsetzung dieser Arbeitsgruppe war der Verdacht, dass sich die Schulführungsforschung zu wenig um erziehungswissenschaftliche Fragen dreht. Dieser Verdacht hatte sich bestätigt und als Resultat der Taskforce wurde eine Neuausrichtung der amerikanischen – und damit der weltweiten – Schulführungsforschung mit stärkerem Bezug auf die Pädagogik gefordert. Diesen Gedanken nimmt Viviane Robinson in ihrem Aufsatz von 2006 auf.

In ihrer Analyse kommt Robinson zum Schluss, dass die Schulführungsforschung – und damit auch die Aus- und Weiterbildung von Schulleitenden – sich viel zu stark an den generischen Führungstheorien ausgerichtet hat. Sie spricht von «Generic Leadership». Bildungsorganisationen haben teilweise andere Ansprüche an Führung als beispielsweise Herstellungsorganisationen.

Nehmen wir das Beispiel Personalführung:

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Lernen international: Vaduz / Malbun – Tallinn – Amsterdam

Eine Binsenwahrheit für Pädagoginnen und Pädagogen: Lernen hat auch damit zu tun, Bekanntes loszulassen und Platz für neue Eindrücke zu schaffen. Die Reisen nach Vaduz / Malbun, Tallinn und Amsterdam, welche im Rahmen des «CAS Pädagogische Schulführung» oder separat als «Schulführung und -entwicklung international» gewählt werden können, bieten solche Lernchancen.

Zu erfahren, wie andere Länder mit Trends oder Bildungsreformen umgehen, welche Rolle die Schulführung dabei spielt und wie sich Schulsysteme diesbezüglich unterscheiden, eröffnet neue Perspektiven für den eigenen Berufsalltag und sind ein zentrales Ziel dieser Reisen.

Darüber hinaus «leben» die Studienaufenthalte von persönlichen Begegnungen, kulturellen Differenzen, von Neugierde und Offenheit. Und auch von der Überzeugung, dass das Verlassen der eigenen Komfortzone als Motor für das eigene Lernen dient und eine positive Wirkung auf die eigene Arbeit haben kann.

Das Gewinnen von Eindrücken rund um Schulführung und Schulentwicklung steht bei diesem Programm im Fokus. Ein Teilnehmer schildert dies wie folgt:

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Verantwortungsvolle Schule

Letzte Woche fand das zweite internationale Modul des CAS Pädagogische Schulführung in Amsterdam statt. Das Thema des Moduls war «verantwortungsvolle Schule». Es drehte sich alles um die Frage, wie Führungspersonen von Bildungsorganisationen ihre Schule so gestalten und weiterentwickeln können, dass sie den spezifischen Bildungsbedürfnissen der Schülerinnen und Schüler ihres Quartiers oder Dorfes möglichst gerecht werden.

Am Ende des Moduls vom CAS Pädagogische Schulführung – nachdem sich die Teilnehmenden während zwei Tagen theoretisch mit dem Thema auseinandergesetzt und eine Schule besucht haben – hatten sie die Aufgabe, eine Schule neu zu gründen.

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Denken bei 300 km/h

Der TGV zischt wie ein Pfeil durch die flache Landschaft zwischen Amsterdam und Paris. Mit 300 km/h zieht die Landschaft an mir vorbei. In mir drin ist genau das Gegenteil. Ich bin am Schreiben eines Buchbeitrages und erfahre wieder einmal, das Denken und Schreiben langsame Prozesse sind. Ich meinte den Text in meinem Kopf zu haben und ihn nur noch aufschreiben zu müssen. Weit gefehlt! Beim Schreiben zeigen sich Unschärfe in der Argumentation und Brüche in den Zusammenhängen. Das ist der Grund, warum mir das Schreiben so wichtig ist, auch wenn es anstrengend und manchmal mühsam ist. Gerade jetzt wo der Abgabetermin bedrohlich nahe rückt und der Text sich einfach sperrt würde ich gerne einfach wie der TGV rasen. Aber unterschiedliche Dinge brauchen unterschiedlich Zeit.

Ich glaube, ein Rezept erfolgreicher Schulführung ist, sich bewusst die Zeit einzuteilen und sich für unterschiedliche Dinge unterschiedlich Zeit zu nehmen. Eigentlich warten 100 Mails auf eine Antwort und in meiner To do-Liste leuchten einige Punkte dunkelrot. Diese müssen warten – denn jetzt ist Zeit zum Denken und schreiben. Vielleicht heute Abend oder morgen ist dann ihre Zeit gekommen und der Text muss ruhen. In meiner Zeit als Schulleiter musste ich lernen immer ein Ding nach dem anderen zu machen und nicht alles gleichzeitig. Die hat übrigens auch dazu geführt, dass ich wieder «Herr meiner Agenda» wurde. Ich bestimme, wann ich was mache und was ich auf der Seite lasse.

Wenn nun einige denken, dass ich dies nun doch sehr ‘schön male’, dann muss ich zum Teil leider zustimmen. Auch mir passiert es immer wieder, dass ich im Meer des Unerledigten und des Dringenden untergehe und wie ein steuerloses Schiff im Sturm treibe. Hier helfen mir kleine Tricks. Zum Glück reklamiert meine Assistentin, die Herrin meiner Agenda, ab und an, dass sie keine Termine mehr finden kann und droht, dass sie ganze Tage für sich einfach reserviert. Oder ich nehme statt das Flugzeug den Zug und habe so einen ganzen Tag Zeit um zu Lesen und zu Schreiben. Ich kenne Schulleitende, die ganz ähnliche Tricks anwenden. So geht beispielsweise eine Schulleiterin zusammen mit ihrer Co-Leiterin konsequent die letzten drei Arbeitstage jedes Monates in ihr Ferienhaus. Die drei Tage nutzen sie um zu denken und ihre Schule weiterzuentwickeln. Aber auch um sich selber Sorge zu tragen und die Zusammenarbeit zu stärken. «Diese drei Tage sind uns heilig», meinte die Schulleiterin im Interview und fügte dann mit einem Schmunzeln dazu «leider müssen wir sie manchmal auf zwei Tage verkürzen». Da das Ferienhaus jedoch nicht in der Nähe ist, lohnt sich die Anreise für zwei Tage kaum. Auch das ein kleiner Trick.

PS: Wer auch einmal denkend mit dem TGV nach Amsterdam reisen will: Wir fahren mit der Studienreise Schulführung und -entwicklung International und dem CAS Pädagogische Schulführung auch im nächsten Jahr wieder nach Amsterdam. Auch das ein Trick, sich Zeitfenster zum denken herauszunehmen.

Niels Anderegg, Zentrumsleiter Management und Leadership, PHZH