Wie Nachhaltigkeit Führungskultur wird – IDGs als Orientierungsrahmen für Schulführung

Die Sustainable Development Goals (SDGs) geben seit 2015 den globalen Rahmen für nachhaltige Entwicklung vor. Schulen spielen hierbei eine zentrale Rolle, weil sie Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung fördern. Jedoch werden die Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung in der Praxis häufig nur oberflächlich umgesetzt. Der Grund liegt weniger im fehlenden Wissen als in der Schulkultur. Der Beitrag von Franziska Kamm, Ivo Kamm, Irene Lampert und Simone Schoch (2026) in der neuen Ausgabe aus dem Web-Journal #schuleverantworten wird von Stefanie Michel-Loher und Jasmin Kolb aufgegriffen und zeigt, wie Schulführung durch die «innere Dimension» ergänzt werden kann, um nachhaltiges Handeln zu ermöglichen.

Damit rückt die Frage in den Vordergrund, wie Schulführung zwischen globalen Nachhaltigkeitszielen und konkreter Schulpraxis vermittelt – ein Anliegen, das im Feld Leadership for Sustainability untersucht wird. Die innere Dimension, die im Folgenden mit den Inner Development Goals beschrieben wird, ist dabei ein zentraler, aber nicht der einzige Baustein.

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Wenn die Maschine entscheidet: Hartmut Rosas «Situation und Konstellation»

Hartmut Rosas neues Buch Situation und Konstellation ─ Vom Verschwinden des Spielraums  trifft einen wunden Punkt der Gegenwart. Wir leben in Gesellschaften, die zunehmend von Algorithmen, Formularen und automatisierten Entscheidungslogiken durchdrungen sind und bemerken kaum, was wir dabei verlieren. Eine Buchrezension von Olaf Köster-Ehling über das schleichende Verschwinden unseres Handlungsspielraums und was das mit uns macht.

Die Kernthese: Konstellationen fressen Situationen

Der Soziologe unternimmt den Versuch, Problemlagen unserer Gesellschaft mit zwei zentralen Begriffen zu fassen: der Konstellation und der Situation. Konstellationen zeichnen sich durch ein starres Regelwerk aus, das meist gemäss binärer Unterscheidungen funktioniert. Situationen hingegen sind weniger klar definiert, dynamisch gedacht und bedürfen der Initiative des Einzelnen.

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Auf Schulbesuch in Niederösterreich

Eine Delegation von 14 Personen aus der Schweiz besuchte Ende April 2026 im Rahmen des Projekts #schuleverantworten ihre Kolleg:innen in Niederösterreich. Im Zentrum standen Schulbesuche und der fachliche Austausch zur Frage, wie Lernen, Führung und Schulentwicklung in unterschiedlichen Kontexten gestaltet werden. Niels Anderegg gibt Einblick in Eindrücke und weiterführende Fragen aus dieser Begegnung.

Die PH Niederösterreich und die PH Zürich betreiben gemeinsam das Projekt #schuleverantworten. Viermal im Jahr erscheint ein Web-Journal, welches sich an Führungspersonen von Schulen richtet und kostenlos abonniert werden kann. Parallel zum Web-Journal wird jeweils ein Web-Dialog veranstaltet, in welchem sich Führungspersonen aus der Schweiz und Österreich zum Thema des Web-Journals anregen lassen und austauschen können. Am Projekt beteiligen sich sowohl Mitarbeitende der beiden Hochschulen als auch Führungspersonen von unterschiedlichen Schulformen aus beiden Ländern. Gemeinsam bilden sie das Redaktionsteam und das Editorial Board. Ziel von #schuleverantworten ist es, Entwicklungen, Erfahrungen und Erkenntnisse praktisch und wissenschaftlich im Dialog zwischen schulischen Führungspersonen länderübergreifend zu teilen.

Um den Austausch auch innerhalb des #schuleverantworten-Teams zu stärken, organisierten Stefanie Michel und Frank Brückel zum zweiten Mal gegenseitige Besuche. Finanziell unterstützt werden die Besuche von Movetia.

Vom 27. bis 29. April 2026 besuchte eine Delegation von 14 Personen aus der Schweiz ihre Kolleg:innen in Niederösterreich. Sie haben ein reiches und interessantes Programm zusammengestellt. Vom Kindergarten über die Volksschule und das Gymnasium bis zu Berufsschulen erhielten die Teilnehmenden während fünf verschiedener Schulbesuche vertiefende Einblicke in das österreichische Schulsystem und den Alltag als Schulleiter:in in Österreich. An einem Nachmittag fand zudem ein inhaltlicher Austausch zur Leseförderung und zur Frage der Förderung von Deutsch als Zweitsprache statt und an einem anderen Nachmittag eine Redaktionssitzung zur Weiterentwicklung der gemeinsamen Produkte.

Weiterentwicklung von #schuleverantworten an der PH Niederösterreich
Weiterentwicklung von #schuleverantworten an der PH Niederösterreich

Nachfolgend finden Sie einige persönliche Eindrücke von Teilnehmenden über einzelne Elemente der Reise.

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Jetzt braucht es «Schulleitung für alle»

Wie «Schule für alle» gelingen kann, gehört zu den zentralen Herausforderungen für Schulleitungen. Zwischen politischem Auftrag, gesellschaftlichen Erwartungen und zunehmendem heterogenen Schulalltag geht es für Führungspersonen darum, Integration nicht nur zu organisieren, sondern wirksam zu verankern. Im Fokus stehen dabei das Verständnis und die gezielte Nutzung sonderpädagogischer Expertise als integraler Bestandteil schulischer Führung.

Der Beitrag von Aurelia Hummel und Alexandra Hofmann, der im PROFIL Nr. 2/2026 am 26. Juni erscheint, nimmt genau diese Perspektive ein. Im Interview greift Ivo Kamm zentrale Gedanken ihrer Publikation auf und vertieft sie aus der Perspektive von Schulleitungen: Was bedeutet es konkret, Integration zu führen? Welche Kompetenzen sind gefragt? Und wie kann es gelingen, die «Schule für alle» im Spannungsfeld von Praxis, Politik und öffentlichem Diskurs nachhaltig zu stärken?

Die beiden Autorinnen Aurelia Hummel und Alexandra Hofmann zeigen auf, warum eine integrative Schule nur dann ihre Wirkung entfalten kann, wenn sonderpädagogische Konzepte nicht isoliert gedacht, sondern bis auf die Leitungsebene hin durchdrungen und verantwortet werden. Am Beispiel der Psychomotoriktherapie verdeutlichen sie, welches Potenzial in professionell eingesetzten Förderangeboten liegt – und welche Risiken entstehen, wenn dieses Wissen im System nicht ausreichend verankert ist.

1. Ihr Text plädiert für eine «Schule für alle» und betont die Notwendigkeit einer vertikalen Verankerung sonderpädagogischer Konzepte. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Beitrag gerade jetzt zu schreiben?

Hummel: Weil wir nicht glauben, dass die Schule für alle kaputt ist. Wir sind am Besserwerden mit den Instrumenten, die wir haben. Eines der Wichtigsten – aus unserer Sicht als Psychomotoriktherapeutinnen – sind die sonderpädagogischen Massnahmen, die den Volksschulen gegeben sind. Da erleben wir im Berufsalltag beides, dass Kindern und ihren Lehrpersonen wirklich eine Last genommen wird – oder wie das System leerläuft. Dann sagen alle: «Seht ihr? Diesen Kindern helfen wir nur noch mit einer separaten Schiene.» Dabei wäre das oft nicht nötig.

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Future Skills: Problemlösen, Nachhaltigkeit und Innovationskraft in der Schule stärken

Wie können Schulen Kinder und Jugendliche auf eine zunehmend digitale, komplexe und unsichere Welt vorbereiten? Im Projekt ComeThinkAgain hat die PH Zürich erste Weiterbildungsmodule zu Computational Thinking, Entrepreneurship Education und Green Skills mit Lehrpersonen und Berufsbildner:innen erprobt. Die Erfahrungen zeigen: Future Skills entstehen dort, wo digitales Problemlösen, nachhaltiges Denken und kreative Ideenentwicklung zusammenkommen. Ein Beitrag von Bernadette Spieler, Melanie Kieber und Henry Chen.

Welche Kompetenzen brauchen Schüler:innen, um die Zukunft nicht nur zu verstehen, sondern aktiv mitzugestalten? Diese Frage beschäftigt vor allem dann, wenn fächerübergreifende Unterrichtsvorhaben geplant werden. Im Erasmus+ Projekt ComeThinkAgain werden dazu Weiterbildungsmodule entwickelt, die drei Kompetenzbereiche verbinden: Computational Thinking, Entrepreneurship Education und Green Skills.

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Grenzen der integrativen Beschulung

Das Bundesgericht prüfte im Urteil 2C-665/2025 vom 11. Februar 2025 die Voraussetzungen für die Zuweisung eines Kindes mit Down-Syndrom in eine separative Sonderschulung. Thomas Bucher zeigt im folgenden Beitrag zudem entscheidende Hinweise auf, welche Grenzen entlang verschiedener gesetzlicher Grundlagen zu beachten sind.

Dem Urteil lag die Frage zugrunde, unter welchen Voraussetzungen die Zuweisung eines Kindes mit Down-Syndrom in eine separative Sonderschulung mit dem verfassungs- und konventionsrechtlichen Integrationsgebot vereinbar ist. Das Bundesgericht setzte sich dabei vertieft mit den Anforderungen auseinander, welche Art. 8 Abs. 2 BV, das Behindertengleichstellungsgesetz sowie die UNO-Behindertenrechtskonvention an staatliche Bildungsentscheide stellen.

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«Level-up» – Leitfaden für eine zukunftsfähige Schule?

Mit dem Buch «Level-up» bieten Geneviève Appenzeller und Tanja Alvesalo, zwei Schulleiterinnen, einen Leitfaden hin zur kooperativen Schulkultur. Das Buch hat nicht weniger vor, als «einen neuen Weg aus der Sackgasse»* zu zeigen. Niels Anderegg schildert in der folgenden Rezension seine Einschätzungen und Gedanken zum Buch.

Als eine Freundin von mir, mich auf das Buch «Level-up» aufmerksam machte und mich fragte, ob ich eine Rezension dazu schreiben könnte, habe ich trotz meiner vollen Agenda sehr gerne zugesagt. Einerseits weil ich es sehr schätze, wenn nicht nur Wissenschaftler:innen, sondern auch Praktiker:innen (oder noch besser gemeinsam) schreiben und ihr Wissen und ihre Erfahrung mit anderen teilen. Andererseits weil mich der Untertitel «Wie kooperative Schulkultur Motivation, Selbstführung und Resilienz stärken» sehr angesprochen hat.

Eine reichhaltige Fundgrube von vielen praktischen Ideen für die Gestaltung von Schule

Das Buch von Geneviève Appenzeller und Tanja Alvesalo umfasst 170 Seiten, ist in vier Kapiteln gegliedert. Die sehr lesefreundliche Strukturierung des Buches lässt gut zu, dass zwischen den verschiedenen Abschnitten hin und her gesprungen und selektiv gelesen werden kann. So bin ich beispielsweise nach der Einführung (User’s Guide) gleich mit dem Kapitel zu den Schüler:innen gestartet.

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Ankündigung des neuen Sammelbands «Leadership out of Boxes – Führung und Kreativität im Fokus»

Welche Rolle spielt Kreativität im Führungshandeln? Und wie kann Führung Kreativität fördern? Genau diesen Fragen widmet sich der Sammelband «Leadership Out of Boxes – Führung und Kreativität im Fokus», der Anfang Juni erscheint. Die Beiträge nähern sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven: praxisnah, theoretisch fundiert oder empirisch gestützt. In diesem Blogbeitrag geben Stefanie Michel-Loher, Nina-Cathrin Strauss und Frank Brückel einen ersten Einblick.

Im Zentrum steht ein Verständnis von Führung, das über lineare und eindimensionale Vorstellungen hinausgeht und darauf abzielt, Bedingungen für kreatives Denken und Handeln zu schaffen. Im Sinne gemeinschaftlicher Schulführung wird Kreativität als Ergebnis eines Zusammenspiels von Personen, Strukturen und Kultur verstanden, in dem neue Perspektiven entstehen und bestehende Muster weiterentwickelt werden.

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Startklar oder allein gelassen? Wie Lehrkräfte Onboarding durch die Schulleitung erleben

Schulisches Onboarding ist ein komplexer Integrationsprozess mit vielen Zwischenräumen: Neue Lehrkräfte werden in ihre Aufgaben, das Kollegium und die schulische Kultur eingeführt. Ein gelungener Onboarding-Prozess geht folglich deutlich über organisatorische Einweisungen hinaus – er inkludiert neben der strukturellen und administrativen Rahmung auch die soziokulturelle Integration, die Orientierung in Bezug auf Werte und Entwicklungsziele der Schule. Schliesslich sind im Onboarding auch die individuellen Erwartungen der neuen Lehrperson wesentlich, die oft auf eine Diskrepanz zwischen eigenen beruflichen Rollenvorstellungen und realem Alltag hindeuten. Welche Rolle die Schulleitung in diesem Prozess aus der Sicht von Lehrkräften einnimmt oder einnehmen soll, schildern Christine Ottner-Diesenberger, Birgit Neger und Birgit Pecoraro der PH Wien anhand einer durchgeführten Analyse.

Individuelle Onboarding-Erfahrungen von Lehrpersonen verschiedener Schulformen in Österreich wurden retrospektiv reflektiert und analysiert. Dabei zeigt sich, dass Schulleiter:innen nicht nur als organisatorische Instanz wahrgenommen werden, sondern als entscheidende Gestalter:innen des gesamten Einstiegsprozesses.[1]

Durchaus prägend, wenig überraschend ist der Erstkontakt: Ist er gelungen, ermöglicht er Orientierung und signalisiert Offenheit und Wertschätzung. Lehrpersonen erinnern sich konkret an das erste Gespräch mit der Schulleitung oder der erweiterten Führungsebene. Aussagen wie «Besonders positiv war das erste Gespräch mit meinem Abteilungsleiter» (BMHS, AK2513 (Mittleren und Höheren Schulen)) verweisen darauf, wie frühe Interaktionen mit der Führungsebene den weiteren Verlauf beeinflussen. Umgekehrt wird fehlende Präsenz der Schulleitung unmittelbar negativ bewertet (MS, ES2521): Wenn Führung in dieser Phase nicht sichtbar oder ansprechbar ist, entsteht schnell das Gefühl, auf sich allein gestellt zu sein.

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In Frieden lernen – Führung gestalten in gesellschaftlich polarisierenden Kontexten

«Die Jungen werfen zum Spass mit Steinen nach Fröschen. Die Frösche sterben im Ernst.» Erich Frieds Worte beschreiben eine Gegenwart, in der Hass, Abwertung und Gewalt oft spielerisch, beiläufig oder ironisch daherkommen, mit ernsten Folgen. Gesellschaftliche Konflikte wirken heute unmittelbar in schulische Kontexte hinein.  Der Beitrag von Judith Hollenweger und Wiltrud Weidinger (2026) in der neuen Ausgabe aus dem Web-Journal #schuleverantworten wird von Stefanie Michel-Loher und Jasmin Kolb aufgegriffen, um an ihrem Beispiel der Plattform «In Frieden lernen» aufzuzeigen, wie Fallarbeit, Beziehungskontexte und strategische Handlungsfelder Schulleitung einen sicheren Lern- und Lebensraum ermöglichen können.

Lehrpersonen und Schulleitungen stehen unter erheblichem Druck, in emotional aufgeladenen und konfliktträchtigen Situationen angemessen zu reagieren. Die Fallarbeit auf der Plattform «In Frieden lernen» nutzt konkrete schulische Situationen, um Polarisierung und Diskriminierung nachvollziehbar zu machen. Anhand realitätsnaher Beispiele werden Ursachen, Rollen und Wirkmechanismen analysiert und mögliche Handlungsoptionen reflektiert. Aufgegriffen wird zum Beispiel Dana, eine Schülerin (1. Klasse, Oberstufe) aus Israel:

«Sie lebt seit zwei Jahren in der Schweiz. Seit ihrer Ankunft erlebt sie Mobbing, insbesondere von männlichen Mitschülern. Nach dem Terrorangriff in Israel am 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Gaza-Krieg nehmen die Anfeindungen zu. Im Dezember 2023 verfolgen sie zehn Jugendliche auf dem verschneiten Pausenplatz, bewerfen sie mit Eis und rufen Parolen wie «Ihr Israelis seid Nazis» und «Kindermörder!». Dana wird leicht verletzt. Erst danach berichtet sie ihrem Klassenlehrer von den wiederholten Vorfällen.» (Hollenweger u. Wiltrud Weidinger 2026, 2).

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