SL-Ausbildung_Teilnehmende_Absolventenbefragung

Vom Feedback zur Weiterentwicklung: Was wir im DAS Schulleitung verändert haben

Was brauchen Schulleitende, um gut in ihre neue Führungsrolle zu finden? Welche Erfahrungen, Lerngelegenheiten und Formen der Begleitung unterstützen sie dabei? Diese Fragen begleiten uns bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung des DAS Schulleitung. Stefanie Michel-Loher und Ivo Kamm zeigen anhand der Ergebnisse der Absolvent:innenbefragung, was sich bewährt und wo es sich lohnt, genauer hinzuschauen.

Besonders positiv bewerten die Absolvent:innen die individuell wählbaren Module aus dem Wahlpflichtbereich, die Standortgespräche und das Führungscoaching. Kritischer fällt die Einschätzung der Labs aus. Auch die Rolle der bisherigen Praxisdozierenden wird unterschiedlich wahrgenommen. Gleichzeitig zeigt sich die hohe Bedeutung des gemeinsamen Lernens: Rund zwei Drittel der Befragten beurteilen den Austausch in den Lerngruppen als wichtig oder sehr wichtig.

Rückmeldungen und die Ergebnisse der Absolvent:innenbefragung nehmen wir zum Anlass, die bestehenden Ausbildungsgefässe immer wieder zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Dabei interessiert uns insbesondere: Was soll ein Format bewirken? Welche Lernprozesse wollen wir damit anregen? Und wie können wir angehende Schulleiter:innen auf ihrem Weg in die neue Führungsrolle bestmöglich begleiten?

In die Führungsrolle finden

Die Module im Pflichtbereich haben wir in den vergangenen Lehrgängen weiterentwickelt und stärker auf einen gemeinsamen roten Faden ausgerichtet: in die Rolle als Schulleiter:in finden. Die einzelnen Module sollen nicht primär nebeneinander unterschiedliche Führungsthemen behandeln. Vielmehr greifen sie verschiedene Facetten derselben Entwicklungsaufgabe auf: Wie verstehe ich meine Rolle? Wie gestalte ich Führung? Wie arbeite ich mit anderen zusammen? Wie positioniere ich mich? Und wie entwickle ich meine eigene Führungspraxis weiter?

Damit rückt neben dem Erwerb von Wissen, der hauptsächlich asynchron stattfindet, die Auseinandersetzung mit dem eigenen Führungshandeln stärker ins Zentrum. Das erscheint uns auch deshalb bedeutsam, weil die Absolvent:innen in der Befragung angegeben hatten, dass die Vielfalt und Komplexität der Rolle ein Grund für die Übernahme einer Schulleitungsfunktion war und sie zugleich von hohen Anforderungen im Berufsalltag berichten. Gerade auch der Austausch mit den anderen Teilnehmenden ist hier sehr hilfreich.

Aus Praxisdozierenden werden Mentor:innen

Eine weitere Veränderung betrifft die Praxisbegleitung. Die bisherige Rolle der Praxisdozierenden haben wir grundlegend weiterentwickelt und für den DAS Schulleitung 08, der im September 2026 gestartet ist, ein Mentor:innen-Modell eingeführt. Mentor:innen begleiten die Teilnehmenden während zwei Jahren und werden festen Lerngruppen zugeordnet. Die Mentor:innen moderieren vier Lerngruppentreffen, ermöglichen Einblicke in Führungspraxis durch Hospitationen beziehungsweise Job Shadowing und stehen auch für individuelle Fragen zur Verfügung.

Entscheidend ist für uns weniger, dass erfahrene Schulleiter:innen Antworten auf alle Fragen geben. Vielmehr sollen Mentor:innen die Teilnehmenden darin unterstützen, ihre eigenen Erfahrungen zu reflektieren, unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten zu erkennen und eine eigene Führungspraxis zu entwickeln.

Die Labs schärfen und das eigene Lernen verstehen

Am deutlichsten fordert uns die Rückmeldung zu den Laboren (Labs) heraus. Drei Viertel der befragten Absolvent:innen schätzen dieses Format als eher unwichtig bis sehr unwichtig ein. Die Labs sind bewusst als offene und selbstorganisierte Lernform konzipiert. Auch für uns im gesamten Lehrgangsleitungsteam war das Lab ein neues Format, als wir es eingeführt haben. An der Grundidee halten wir fest, haben das Konzept aber geschärft.

Wir führen heute stärker in die Arbeitsweise der Labs ein, thematisieren das selbstregulierte Lernen expliziter und schaffen mehr Orientierung darüber, was dieses Lernformat ermöglicht und welche Verantwortung damit bei den Teilnehmenden liegt. Selbstreguliertes Lernen bedeutet eben nicht, mit einer Aufgabe allein gelassen zu werden. Es braucht Klarheit über Ziele und Rahmenbedingungen, Möglichkeiten zur Reflexion und zugleich Freiräume, um eigene Lernwege zu gestalten.

Dabei verstehen wir das selbstregulierte Lernen in den Labs auch als eine Art «Doppeldecker»: Die Teilnehmenden erleben selbst, was es bedeutet, Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen, Orientierung zu suchen, eigene Wege zu entwickeln und dabei mit anderen zusammenzuarbeiten. Genau diese Fragen stellen sich auch in ihren Schulen – für Lehrpersonen ebenso wie für Schüler:innen. Indem Schulleitende selbst Erfahrungen mit solchen Lernformen machen, können sie besser verstehen, welche Rahmenbedingungen selbstreguliertes Lernen braucht und wo Unterstützung notwendig ist. Gleichzeitig übernehmen sie damit eine Vorbildrolle: Wer von anderen Eigenverantwortung, Kooperation und selbstreguliertes Lernen erwartet, sollte bereit sein, diese Formen des Lernens auch selbst zu erproben.

Damit verändert sich auch unsere eigene Rolle als Lehrgangsleitung. Ein Lab ernst zu nehmen bedeutet, loszulassen und darauf zu vertrauen, dass der Prozess trägt und die Teilnehmenden wissen, was sie brauchen, und eigene Lösungen finden. Nicht für alle Teilnehmenden ist zum gleichen Zeitpunkt dasselbe relevant.

Begleiten bedeutet auch Loslassen

Vielleicht verbindet genau dieser Gedanke «Begleiten bedeutet auch Loslassen» die verschiedenen Veränderungen: Mentor:innen bieten bedarfsabhängig Nähe zur Praxis, die Module im Pflichtbereich unterstützen individuell beim Hineinfinden in die Rolle als Schulleiter:in und die Labs bieten Räume für selbstreguliertes Lernen, sodass die Teilnehmenden ihr Lernen weiterentwickeln können. Wir wollen die Teilnehmenden auf ihrem Weg in die Führungsrolle begleiten und sie darin unterstützen, zunehmend Sicherheit zu gewinnen, Verantwortung für ihre eigene Professionalisierung zu übernehmen und ihre Schule aktiv mitzugestalten.

Das bedeutet für uns als Lehrgangsleitende, auf der einen Seite Orientierung zu schaffen und einen verlässlichen Rahmen zu geben,  auf der anderen Seite den Teilnehmenden die Verantwortung für ihre Lernprozesse zu ermöglichen. So verstehen wir die Weiterentwicklung des DAS Schulleitung als einen fortlaufenden Prozess – für die Teilnehmenden ebenso wie für uns als Lehrgangsleitende.

INFOBOX

Im ersten Beitrag haben Mirjam Kocher und Jasmin Kolb die Ergebnisse der Absolvent:innenbefragung DAS Schulleitung ausgewertet und gewähren damit spannende Einblicke in die Herausforderungen und Motivation von Schulleitenden.

Zu den Autor:innen

Stefanie Michel-Loher

Stefanie Michel-Loher arbeitet im Zentrum Management und Leadership. Sie ist Studiengangsleiterin des DAS Schulleitung und Co-Tagungsverantwortliche des Symposiums Personalmanagements: «Handle unüblich! Neue Wirklichkeiten wagen – Eine lustvolle Anstiftung zur kreativen Problemlösung».

Ivo Kamm

Ivo Kamm ist Studiengangsleiter des DAS Schulleitung, Coach, Supervisor und Organisationsberater am Zentrum für Management und Leadership der Pädagogischen Hochschule Zürich. Er war Lehrer, Unternehmer in der IT-Branche, Galerist und später Schulleiter.

Redaktion: Melina Maerten
Beitragsbild: Bildarchiv PHZH

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