Blickwinkel Schulpräsidium

Fränzi Heusser ist Schulpräsidentin in Wald. Sie kam mitten in der Legislatur in ihr Amt, war jedoch schon aus früheren Tätigkeiten vertraut mit Gemeindestrukturen und der Situation von Milizbehörden. Sie ist zu 20 Prozent im Gemeinderat engagiert und zu 30 Prozent als Schulpräsidentin tätig. Andrea Hugelshofer befragt Heusser, wie sie ihre Aufgabe als Schulpräsidentin versteht.

Fränzi Heusser, du bist Schulpräsidentin in einer Einheitsgemeinde. Was kennzeichnet deine Aufgabe in diesem Kontext?

In Wald ist das Schulpräsidium von Amtes wegen Mitglied des Gemeinderates und zuständig für die Führung des Schulressorts. Eine Herausforderung besteht in der formalen Führungsstruktur von Schulen, da verschiedene Führungsgremien wie Schulleitung, Schulpflege, Gemeinderat und Kanton bei der Schulsteuerung beteiligt sind. So werden schulische Entscheidungen verzögert, weil sie über mehrere Stufen hinweg zu erfolgen haben.

Auch die Zuständigkeiten in der Zusammenarbeit sind unkonkret. Die strategische Planung und Führung der Schule und die finanziellen Entscheidungskompetenzen in schulischen Angelegenheiten beispielsweise liegen im Endeffekt nicht bei der gleichen Behörde. Diese Ausgangslage macht eine gelingende Zusammenarbeit stark von den beteiligten Personen abhängig und führt dazu, dass die erfolgreiche Ausführung eines Schulpräsidiums im Wesentlichen darauf basiert, wie gut es gelingt, in allen beteiligten Gremien für gegenseitiges Verständnis zu sorgen und damit Mehrheiten zu schaffen. Strukturelle Konfliktsituationen bergen somit ein grosses Risiko.

Schulpräsidium, Schulführung
Bild: integratedconsulting.eu

Was ist dir wichtig bei der Führung der Schulbehördenmitglieder?

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«Leitung Bildung» 2. Teil: Wie die Stadt Bülach ihre Zusammenarbeit gestaltet

In einem Blogbeitrag vom 19. Mai 2020 haben wir ein Gespräch mit Markus Fischer, Leiter Bildung in Bülach, zusammengefasst. Er schilderte dort, wie die Stadt Bülach ihre Abteilung Bildung organisiert hat. In einem zweiten Beitrag geht es nun darum, wie die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren im Bildungsbereich gestaltet wird.

Die Zusammenarbeit zwischen der Schulpflege und den operativen Bereichen konnte im Rahmen einer Reorganisation noch deutlicher geklärt werden. So setzt die Schulpflege Schwerpunkte mit Blick auf die Resultate der Schulevaluation. Die Legislaturziele und die ein Jahr später erstellten Schulprogramme sind aufeinander abgestimmt.

Die Schulbehörde verlangt von den Schulleitenden einen jährlichen Rechenschaftsbericht. Auf dieser Basis erstellt die Schulpflege einen Qualitätsbericht, in dem die Berichte der Schulleitenden gewürdigt, wichtige Themen für ganz Bülach aufgenommen und mögliche Massnahmen skizziert werden.

Bei der Umsetzung der Schulprogramme arbeiten die Schulen im Rahmen der Bildungskonferenz eng zusammen. Wichtige Themen werden gemeinsam geplant, Weiterbildungen organisiert und auch Arbeits- oder Projektgruppen gebildet. So erarbeiten beispielsweise Lehrpersonen zusammen mit Vertretungen der Schulleitung, der Schulsozialarbeit und der Fachstelle Sonderpädagogik Strategien im Umgang mit herausfordernden Unterrichtssituationen, welche dann in den einzelnen Schulen weiterbearbeitet werden.

Die Bildungskonferenz hat zudem für die Schuljahre 2019 bis 2021 einen gemeinsamen Entwicklungsschwerpunkt für die Unterrichtsentwicklung festgelegt. Bei Schulbesuchen (SL, Behörde oder Leiter Bildung), bei MAG und MAB und auch bei Hospitationen wird ein besonderes Augenmerk auf schülerzentrierten und schüleraktivierenden Unterricht gelegt. Einmal pro Jahr erhalten die Lehrpersonen eine Rückmeldung von Seiten der Schulleitung. Als Leiter Bildung bin ich an diesen Veranstaltungen ebenfalls dabei. Projekte, welche strategisch wichtig sind oder beträchtliche Kosten verursachen, werden in Form von Kreditanträgen der Schulpflege eingereicht. Über den Abschluss der Projekte wird im Rahmen der Rechenschaftslegung berichtet.

Mir ist wichtig, dass die Schulbehörde, die operative Gesamtführung und die Schulleitungen nicht aneinander vorbeikommunizieren und es nicht zu Doppelspurigkeiten kommt. Dazu braucht es einen offenen und direkten Austausch. Alle müssen am gleichen Tisch sitzen.  Mindestens jedes Quartal führen wir ein Gespräch zwischen jeder Schulleitung, dem zugeteilten Mitglied der Schulpflege und mir als Leiter Bildung.

Die Schulleitung informiert über den Stand der Projekte, über personelle Geschäfte, Schülerbelange oder heikle Elternkontakte. Dabei geht es nicht um Kleinigkeiten sondern ausschliesslich um Hochschwelliges, welches früher oder später auch in der Behörde zum Thema werden könnte. Offene Fragen oder kursierende Gerüchte können gemeinsam besprochen und meist sofort geklärt werden. Bei schwierigen Personalfragen stehe ich den Schulleitungen im Nachgang für die weiteren Schritte zur Verfügung. Das wird geschätzt und auch immer wieder mal gerne in Anspruch genommen.

Im Rahmen der Personalführung habe ich pro Quartal eine Austauschsitzung mit jeder Schulleitung. Dabei erhalte ich auch Feedback zu meiner Arbeit und erfahre, welches die Erwartungen der Schulleitung sind.

Einmal pro Jahr findet die Zielvereinbarung und Zielüberprüfung mit den Schulleitungen statt. Ich kann mich glücklich schätzen, dass wir in Bülach einen sehr offenen Austausch pflegen, der von Wertschätzung und Vertrauen geprägt ist. Auch die Akzeptanz gegenüber mir und meiner Rolle als Leiter Bildung ist hoch.

INFOBOX

Markus Fischer referiert im Rahmen der Themenreihe «Fokus Schulbehörde» am 21.09.2020 zusammen mit Christoph Ziegler, Kantonsrat und Präsident der Bildungskommission und Nina-Cathrin Strauss und Niels Anderegg vom Zentrum Management & Leadership der PH Zürich zum Thema «Hierarchisierung oder Agilität?». 

Mehr Informationen finden Sie hier.

Das Gespräch wurde aufgezeichnet von Andrea Hugelshofer.

Zur Autorin

Andrea Hugelshofer ist Dozentin im Zentrum Management und Leadership an der PH Zürich. Sie beschäftigt sich als Beraterin und Dozentin mit Themen rund um Personalentwicklung, den Erhalt von Gesundheit und Leistungsfähigkeit sowie dem Umgang mit Konflikten. Insbesondere verantwortet sie spezifische Weiterbildungsangebote für Mitglieder von Schulbehörden.

Hier geht es zum Teil 1: Wie organisiert sich die Stadt Bülach im Bereich Bildung?

«Leitung Bildung» Teil 1: Wie organisiert sich die Stadt Bülach im Bereich Bildung?

Mit dem Entscheid des Kantonsrates vom 20. April 2020 wird es zukünftig möglich sein, dass Gemeinden ihre Schule mit einer zusätzlichen Hierarchiestufe organisieren – Leitung Bildung. Einige Gemeinden im Kanton Zürich haben sich schon so eingerichtet. Andrea Hugelshofer hat mit Markus Fischer, Leiter Bildung in Bülach, über seine Aufgabe gesprochen.

Jede und jeder im Stadtrat Bülach hat eine Abteilungsleitung für das eigene Ressort. In meiner Funktion ist das die Leitung Bildung, sagt Markus Fischer. Der Stadtschreiber führt quasi als CEO diese Abteilungsleitungen und gewährleistet im Rahmen der Geschäftsleitung (GL) eine enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Abteilungen.

Die Abteilung Bildung – zu dem auch die schulergänzenden Dienste (Therapiebereich, SPD, SSA, Betreuung) gehören – wird über ein GL-Modell geführt. Die Idee dahinter ist, dass operative und strategische Führung klarer getrennt werden. Da dies aus gesetzlichen Gründen noch nicht vollständig möglich ist, ist das Schulpräsidium Mitglied der GL.

Die Aufgaben der Geschäftsleitung

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Revision des Volksschulgesetzes: Zürcher Kantonsrat hat entschieden

Nicht in der Messehalle, sondern per schriftlichem Verfahren hat am vergangenen Montag, 20. April, der Kantonsrat in zweiter Lesung die Vorlage zur Änderung des Volksschul- und Lehrpersonalgesetzes (5507b VSG und LPG) verabschiedet. Hierbei werden Kompetenzen zwischen Schulbehörde und Schulleitung weiter geklärt und es wird den Gemeinden ermöglicht, eine sogenannte Leitung Bildung einzuführen. Wir haben Christoph Ziegler, den Präsidenten der Kommission für Bildung und Kultur des Kantonsrats (KBIK) zu diesem Entscheid interviewt:

Herr Ziegler, wie verlief die zweite Lesung bezüglich der Einführung von Gesamtschulleitungen im Kantonsrat?

Wegen der Coronakrise gab es bei der zweiten Lesung ein schriftliches Verfahren ohne Diskussion. Es gab also (wie übrigens auch fast immer bei einem normalen Verfahren) keine Änderungen zur ersten Lesung, wo ja hitzig diskutiert und argumentiert wurde.

Welchen Nutzen sieht die Kommission und der Kantonsrat in der Einführung einer Gesamtschulleitung?

Die mögliche Schaffung einer neuen Stelle soll in erster Linie die Schulpflegen in grösseren Gemeinden entlasten. Die Anforderung an das Amt der Schulpflegepräsidien übersteigt dort oft die zeitlichen Möglichkeiten von Milizpolitiker*innen.

Was waren in der Diskussion die umstrittenen Punkte?

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Wie ein Pinguin im Wasser zu einer wertschätzenden Führung

Ein Workshop der Themenreihe «Motiviert und gestärkt in der Schule» an der PHZH beschäftigte sich mit «wertschätzender Führung». In der Vorbereitung fragte sich Andrea Hugelshofer: Wie gestalte ich einen Workshop zu einem Thema, bei dem sich die meisten einig sind, dass es wichtig ist? Und zu einem Thema, dass im Alltag doch gerne wieder vergessen geht, weil aktuelle Schwierigkeiten gemeistert werden müssen?

Ich erinnerte mich an eine Geschichte von Eckhart von Hirschhausen, Moderator und Comedian, in der es darum geht, «im Element zu sein», dort zu sein, wo «es flutscht», wie er es in einer seiner Fernsehsendung nennt.

Wenn es in der Schule «flutscht», dann verstärken sich das körperliche und psychische Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler, der Lehrpersonen und der Schulleitung sowie die Unterrichtsqualität gegenseitig. Es entsteht ein positives Schulklima. Ein wichtiger Beitrag der Schulleitung hierbei kann Wertschätzung im Alltag sein – sich selbst, den Lehrpersonen und Schülerinnen und Schülern gegenüber.

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Wenn unterschiedliche Logiken zusammenkommen

Manchmal prallen unterschiedliche Bedürfnisse und Logiken aufeinander. Zum Beispiel die alltägliche Verantwortung der Schulleitung für die Schüler/innen und Lehrpersonen – und die eigene Mitverantwortung in der Schulpflege, aber auch die eigenen Berufs- und Familienverantwortungen. Andrea Hugelshofer schildert persönliche Momente.

«Mit der Schülerin XY geht es nicht mehr so weiter. Wir haben am nächsten Mittwoch um 12:15 Uhr ein schulisches Standortgespräch abgemacht. Bist du dabei?» Als Mitglied einer Kreisschulbehörde gerate ich bei kurzfristigen Terminanfragen ins Rotieren: Um welches Kind geht es, habe ich schon Informationen in meinen Notizen oder Mails?

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Schulbehörde und Schulleitung – «Wir müssen miteinander!»

Die Zusammenarbeit zwischen Schulbehörde und Schulleitung hat eine anspruchsvolle Ausgangslage: politisch gewählte Laien führen Fachpersonen. Andrea Hugelshofer widmet sich einer wichtigen Grundlage dieser Zusammenarbeit, dem Vertrauen.

«Wichtig ist, dass man sich als Team versteht und ein Vertrauensverhältnis besteht. Hierfür braucht es ein Rollenbewusstsein: Die Schulleitung ist die Fachperson. Ich muss akzeptieren, dass ich Laie bin und mich auf die strategische Arbeit fokussiere – und die Schulleitung muss sich bewusst sein, dass der Präsident Chef ist.» Dies die Aussage eines Schulpräsidenten in einem Gespräch, das ich mit ihm über seine Erfahrungen bezüglich Zusammenarbeit zwischen Schulleitung und Schulbehörde geführt habe.

Auch in anderen Gesprächen wurde immer wieder das Stichwort Vertrauen erwähnt. Eine Schulleitung betont im Gespräch das Vertrauen, das ihr und ihrer Kompetenz geschenkt wird:

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Inklusion durch Kooperation statt Koordination

Die Schulen stehen vor der Herausforderung, die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen und damit eine Schule zu schaffen, in der alle Kinder und Jugendlichen aufgenommen und optimal gefördert werden. Ziel ist eine inklusive Schulkultur, in der die Individualität aller Kinder und ihre Bedürfnisse im Vordergrund stehen.

Diese Inklusionshaltung fliesst in die Prozesse der Schulentwicklung, der Unterrichtsentwicklung und ganz besonders in die Personalentwicklung ein. Inklusion bedingt kompetente, motivierte und positiv eingestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, welche berufsgruppenübergreifend zusammenarbeiten können. Diese Zusammenarbeit muss als notwendig und sinnvoll erkennbar sein, da die Kooperation immer auf die spezifische schulische Situation und auf die Bedürfnisse aller beteiligten Personen fokussiert ist.

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