Wie wichtig Organisationsregeln- und brüche sind

Vielleicht kann man den Professor für Soziologie, Stefan Kühl, auch als «Business Punk» oder «systemischen Querdenker» betiteln. Immer wieder nimmt er allgemeingültige Management- und Organisationsregeln auseinander und denkt sie anders. Auch in seinem neusten Buch. Johannes Bereitschaft mit der Rezension.

Stefan Kühl entwickelt die Gedanken des Soziologen Niclas Luhmann in seinem Buch zur «brauchbaren Illegalität» weiter. Nehmen wir an, dass alle Regeln und Anweisungen buchstabengetreu ausgeführt werden: Die Folge davon ist, dass eine Organisation auch bei noch so guter Planung immer schwerfälliger wird und sie an der rigiden Auslegung ihrer formalen Strukturen zerbricht, Kreativität kaum Platz findet, Neues seltener entsteht.

Was unterschiedliche Publikationen wie Talebs «Antifragilität» oder Wüthrichs «Musterbrecher» andeuten, wird hier durch Kühl gezielt aus Sicht der Organisationsperspektive thematisiert: In Zeiten, in denen die Einflussfaktoren Volatilität, Unsicherheit, Komplexität, Ambiguität (VUCA) eine immer höhere Bedeutung haben, kann man davon ausgehen, dass eine Organisation die Intelligenz vieler braucht. Diese beinhaltet auch das Gespür, welche Dehnungen oder Überschreitungen von organisationsbezogenen Regeln sinnvoll für das Ganze sind und die Organisation als solches weiterbringt – aus verwaltungsorientierter Sicht ein zumindest kühner Gedanke!

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Lernen sichtbar machen

Lernen ist ein zentrales Element von Schule. Viele Schulen haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten grosse Anstrengungen unternommen, ihren Alltag so zu gestalten, dass die Schüler:innen möglichst gut lernen können. Selbstorganisiertes, personalisiertes oder organisiertes Lernen, offene Aufgaben, Churer Modell, altersdurchmischtes oder dialogisches Lernen und Lernbüros. Es gab viele Innovationen und Niels Anderegg ist froh, dass die «Einstuhlung» von Schüler:innen kaum noch vorkommt. Mit welcher Form man Lernen sichtbar machen kann.

Der Schulalltag bedeutet an den meisten Schulen nicht mehr, dass man während 45 Minuten mit Blick zur Tafel ruhig sitzt, sondern ist viel lebendiger und anregender geworden. Was in der Reformpädagogik an einzelnen Schulen begann, ist heute an vielen Schulen Alltag und das ist gut so.

Ich hatte und habe das Glück und Vergnügen als Forscher und neugieriger Mensch vertiefende Einblicke in viele verschiedene pädagogisch innovativen Schulen zu erhalten und konnte davon sehr profitieren. Dabei mache ich die Beobachtung, dass Schulen mit gleichen Konzepten sehr unterschiedlich arbeiten. Oder konkreter an einem Beispiel: Ich habe Schulen mit Lernlandschaften erlebt, welche eine grosse Bereicherung für die Schüler:innen sind und in denen intensiv und auf unterschiedliche Art und Weise gelernt wurde. In solchen Schulen fand eine reichhaltige Auseinandersetzung mit dem Gegenstand und sich selbst statt und als Besucher wurde man richtiggehend angesteckt. Und dann erlebte ich Lernlandschaften, in welchen Schüler:innen wie in Grossraumbüros Arbeitsblatt um Arbeitsblatt lustlos abgearbeitet hatten oder irgendwo versuchten, in einer Nische der Arbeit zu entgehen.

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Hat die Generation Alpha das Spielen verlernt?

Zwischen vier und acht Jahren lernen Kinder, in dem sie spielen. Doch wie steht es um die Lernfähigkeit der Generation Alpha, geboren in den Jahren ab 2010? Catherine Lieger ist dieser Frage nachgegangen. Eine Studie des Instituts für Generationenforschung in Deutschland spricht nämlich deutliche Worte.

In der aktuellen repräsentativen Studie des Instituts für Generationenforschung wurden 1.231 Pädagoginnen und Pädagogen sowie Grundschullehrer:innen betreffend ihrer Wahrnehmung über ihre zu betreuenden Kinder befragt. Es wurden infolge 22’511 Kinder beurteilt. In der Studie zeigen 56 Prozent der 4-5-Jährigen kein altersentsprechendes vertieftes Spielen. Bei den 6-7-Jährigen sind es 37 Prozent.

Wir stellen fest, dass viele Alpha-Kinder heute schon vier bis fünf ausserschulische Aktivitäten nachgehen. Viele Eltern betrachten es als vorteilhaft, ihr Kind schon früh mit dem Erlernen eines Instruments oder einer Sportart zu fördern. Dazu kommt, dass die Spielzeuge immer mehr vorgefertigt sind. Geburtstagspartys werden beinahe schon professionell aufgegleist. Und wenn gerade nichts läuft, helfen digitale Gadgets ab. Es muss alles immer besser, grösser, perfekter sein. Der soziale Druck steigt und der einfache Umgang mit dem Spiel verliert an Bedeutung.

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Die doppelte pädagogische Verantwortung

Die Zukunft kann niemand voraussehen. Die Corona-Krise hat dies verdeutlicht. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir Erwachsenen jetzt Verantwortung übernehmen und den jungen Menschen etwas zeigen. Auf dem Weg in eine neue konstruktive Zone gilt deshalb, die ergänzende Hälfte der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu etablieren. Thomas Marti mit dem 2. Beitrag.

Teil 2: Mit der Karte unterwegs

Rückblickend auf den ersten Teil meines Beitrages und der Beschreibung der drei Hauptpunkte der «Krise der Erziehung» von Hannah Arendt, sind wir bei der aktuellen Diskussion über die Schule und deren Zukunft angelangt: bei den Bildern von spielenden Kindern in der Schule und einer gewissen Verzerrung des Diskurses über Bildung. Verantwortung zu übernehmen heisst nach Arendt, das Kind vor der Welt zu schützen und gleichzeitig die Welt vor dem Kind zu schützen.

Diese doppelte pädagogische Verantwortung beschreibt Arendt folgendermassen: «Das Kind bedarf einer besonderen Hütung und Pflege, damit ihm nichts von der Welt her geschieht, was es zerstören könnte. Aber auch die Welt bedarf eines Schutzes, damit sie von dem Ansturm des Neuen, das auf sie mit jeder neuen Generation einstürmt, nicht überrannt und zerstört werde.»

Jungen Menschen etwas zeigen

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Die (neue) Krise der Erziehung

Es ist wichtig, den operativen Rahmen von Schulführung regelmässig zu erweitern. Die Kritik an den Schulen ist populär, baut aber mitunter auf Defizitdiskursen auf. Es lohnt sich, den Problemraum zu erweitern, bis hin zu Hannah Arendt, die sich deutlich zu einer damaligen Krise der Erziehung geäussert hat. Und heute? Thomas Marti mit dem 1. Teil seiner Beitragsserie.

Teil 1: Das Skizzieren der Karte

Wir befinden uns in einer multikausalen Krisensituation. Sei es die ökologische, die Demokratie-, Finanz-, Psycho- oder aktuell Corona-Krise. Diese haben uns vor grosse Herausforderungen gestellt und wird uns deren Weitere vorsetzen. Insbesondere die Schule als Institution gerät in den Fokus von allerlei Begehrlichkeiten.

Populäre Kritik an der Schule ist weit verbreitet und Forderungen nach einer Bildungsrevolution, einem Umdenken, einem neuen Mindset, nach Verantwortung, Selbstbestimmung und Anschlussfähigkeit, nach neuem Lernen und nach Fitness für die Zukunft gehört zur Tagesordnung. Die Popularität dieser Kritik beruht oft darauf, dass einzelne Aspekte der Schulwirklichkeit ausgewählt werden, um diese dann als Muster allen Übels ins Scheinwerferlicht zu stellen.

Die singuläre Perspektive

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Leistungserwartung und psychische Gesundheit – Wie Schulleitende die Balance finden

Führungspersonen in Bildungsorganisationen haben eine grosse Verantwortung, wenn es um das Wohl Ihrer Mitarbeitenden geht. In stressigen Zeiten wird von allen viel Leistung erwartet und diese kann auf die Psyche schlagen. Um Erfolge zu erzielen, benötigt es aber eine stabile Gesundheit. Andrea Hugelshofer und Heike Beuschlein haben sich über wesentliche Fragen zur Rolle von Schulleitungen rund um die psychische Gesundheit an Schulen ausgetauscht.

Andrea Hugelshofer: Heike, ich habe immer wieder Schulleitende vor Augen, welche mir schildern, dass sie sich Gedanken um Mitarbeitende machen, welche psychisch angeschlagen wirken. Da tauchen oft Fragen auf: Was gehört in die Privatsphäre der Lehrperson oder ist einfach eine «normale» Krise im Lebenslauf? Wo bin ich gefragt als fürsorgliche Schulleitung, auch in meiner Verantwortung für die Schülerinnen und Schüler sowie gegenüber den anderen Lehrpersonen?

Heike Beuschlein: Andrea, Schulleitungen sind hier gefragt, sensibel unter Berücksichtigung vieler Bedürfnisse Entscheidungen zu treffen. Keine einfache Aufgabe! Es gibt in brennenden Situationen so viel zu beachten. Und wie können Schulleitungen auch auf ihre eigene Gesundheit achten?

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Spielen als «Game Changer» in der Schulentwicklung

Das Spiel ist die zentrale Lernform bei 4- bis 8-Jährigen*. Wenn Kinder spielen, lernen sie gleichzeitig – durch das Erleben mit allen Sinnen, ganz beiläufig. Das bewusste Lernen setzt erst nach und nach ein. Diese Erkenntnis aus der Forschung spiegelt sich im Lehrplan 21 wider und bewirkt einen pädagogisch-didaktischen Paradigmenwechsel. Die Folge sind Veränderungsprozesse im Kindergarten, in der Schule und der schulergänzenden Betreuung – und entsprechend auch in der Schulentwicklung.

*Kinder im Alter von 4 bis 8 Jahren entsprechen der Altersgruppe im 1. Zyklus (Schweizer Bildungssystem: Kindergarten bis 2. Klasse). Der 1. Zyklus wird im Folgenden auch Elementarbildung genannt.

Damit das Spiel als Lernform bei 4- bis 8-jährigen Kindern institutionell verankert werden kann, benötigt es neben einem inhaltlichen auch einen strukturellen Prozess im Kontext einer Schulentwicklung (Lieger, Ganz, 2021, S. 145). Dieser kann aus einem internen Bedürfnis heraus entstehen oder extern initiiert sein. Im ersten Fall zum Beispiel durch Heterogenität in den Klassen, Verbesserung der Übergänge, Anpassung der Spiel- und Lernumgebung. Im zweiten Fall zum Beispiel durch Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen, Lehrplan, Förderung der fachlichen und überfachlichen Kompetenzen in Spielprozessen.

Schulentwicklungsprozesse zielen auf die Verbesserung der Qualität in einer Bildungsinstitution und der Passung ab. Es kommt zu einem Wandel in den Bereichen der Organisations-, Personal- und Unterrichtsentwicklung («Drei-Wege-Modell der Schulentwicklung» von Hans-Günter Rolff (2012)).

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Formen der Zusammenarbeit – erfolgreiche DaZ-Förderung beginnt auf Schulebene

Die Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und Klassenlehrpersonen im Sinne einer auf den nachhaltigen Zweitspracherwerb ausgerichteten Kooperation ist anspruchsvoll. Die Umsetzung der Forderung des Volksschulamts Kanton Zürich (VSA) nach einer ergänzenden und unterstützenden Zusammenarbeit setzt auf beiden Seiten Transparenz, vorausschauende Organisation und Flexibilität voraus. Auf Schulebene können für gelingende Prozesse die Weichen gestellt werden. Anna Germann.

In der «DaZ-Broschüre» sind die Vorgaben und Richtlinien rund um den DaZ-Unterricht aufgeführt. Klar und verbindlich ist die Zuweisung zum DaZ-Unterricht mit Hilfe des Instrumentariums «sprachgewandt» und die gemeinsame Festlegung von Lern- und Förderzielen. Das Abstimmen von Unterrichtsinhalten und die Wahl von Unterrichts- und Arbeitsformen lassen jedoch einen gewissen Spielraum. Dies kann zu Unsicherheiten führen.

Zusammenarbeit heisst Kontrolle abgeben

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Welche Führung braucht die Schule21?

Der Verband Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz hat zusammen mit über 50 Autorinnen und Autoren das Buch «Schule21 macht glücklich» geschrieben. Darin führen wir aus, was wir unter einer zeitgemässen Schule verstehen. Aber wie stellen wir uns die Schulführung in der Schule21 vor? Welche Skills benötigt eine Schulleitung künftig? Darauf finden sich im Buch nur wenige Antworten, weshalb der VSLCH nun dran ist, dieser Frage auf den Grund zu gehen.

An der Präsidentenkonferenz von Anfang September 2021 wurde mit den Präsidien der kantonalen Schulleitungsverbänden der erste Anlauf genommen, um der Frage nach der künftigen Schulführung nachzugehen: «Welche Schulführung braucht die Schule21, damit sie glücklich macht?». Gegliedert nach den sieben Kapiteln des Buches wurde in einem World Café nach Haltungen und Fähigkeiten der künftigen Schulführung gesucht. Dabei wurde gezielt nicht auf die Rolle der Schulleitung fokussiert, sondern auf die Schulführung als Ganzes. Zur Schulführung zählen wir Behörden, Gesamtleitungen, Rektorate, Schulleitungen, Teilleitungen oder Personen mit Spezialfunktionen. Im Anschluss an die Sammlung wurden die Beschreibungen geclustert und einem möglichen übergeordneten Thema zugewiesen.

Alter Wein in neuen Schläuchen?

Spannend war, dass sich die Schwerpunkte der künftigen Schulführungskompetenzen von Buchkapitel zu Buchkapitel kaum unterschieden. Es gab Akzente, die sich je nach Kapitelthema mehr oder weniger aufdrängen. 

Wir wollen nicht zu viel vorwegnehmen, geben aber gerne einen kleinen Einblick, zu welchen Schlüssen unsere Kolleginnen und Kollegen kamen. Die künftige Schulführung für eine glückliche Schule21 sollte über folgende Fähigkeiten und Haltungen verfügen:

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Stärkung der psychischen Gesundheit für eine erfolgreiche Schule

Voraussetzung für eine erfolgreiche Schule sind gesunde Schulleitungen und Lehrpersonen. Wie Stress reduziert und die Psyche gestärkt werden kann, beschreibt Roger Keller in einer kurzen Geschichte.

In den vergangenen Jahren gewann die betriebliche Gesundheitsförderung an Schweizer Schulen zunehmend an Bedeutung mit dem Ziel, ein unterstützendes Schulklima zu schaffen, das es allen Beteiligten ermöglicht, ihren Alltag aktiv und gesund zu gestalten. Dies ist wichtig für erfolgreiche Schulen, wie das Argumentarium «Gesundheit stärkt Bildung» der Allianz BGF in Schulen (Achermann Fawcett, Keller, & Piera, 2018) zeigt: Die Gesundheit von Schulleitungen und Lehrpersonen steht in einem direkten Zusammenhang mit der Qualität von Unterricht und somit dem Wohlbefinden und der Lernleistung der Schülerinnen und Schüler.

Reduktion von Belastungen und Förderung von Ressourcen

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