5 Fragen an Christoph Schieb, Schulleiter der Grundschule Bad Münder

In der Rubrik «5 Fragen an…» interviewt Schulleiter Ivo Kamm den Schulleiter Christoph Schieb. Der Stafetten-Stab wird dieses Mal nach Deutschland weitergegeben.

1. Christoph, aus deinen Erzählungen hat mich besonders beeindruckt, wie die Schülerinnen und Schüler bewirkt haben, dass ihr neue Toiletten für eure Schule und sogar ein neues Schulhaus bekommen habt! Wie hat sich das genau zugetragen?

Das ist wahrlich eine Geschichte, die neue Beteiligungsformen, die Frage nach der Qualität im Ganztag, Inklusion und natürlich die Schulentwicklung insgesamt berührt.

In Kurzform: 40 Jahre lang befand sich unsere Schule in einem Schulgebäude, dass sich am Ende nicht mehr als zeitgemäss erwies. Eine veraltete Bausubstanz und beengte Raumverhältnisse liessen eine moderne Unterrichts- und Tagesgestaltung kaum zu. Hinzu kamen als dauerhaftes Ärgernis die Toiletten der Schülerinnen und Schüler, die nicht nur sanierungsbedürftig waren, sondern durch ihre Aussenlage und fehlende Barrierefreiheit schon lange für Gesprächsstoff unter allen Beteiligten sorgten.

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5 Fragen an Ivo Kamm, Schulleiter Primarschule Jonschwil

In der Rubrik «5 Fragen an…» interviewt Schulleiter Eckart Störmer den Schulleiter Ivo Kamm, der erklärt, wie seine Schule das digitale Netzwerk nutzt und die Schülerinnen und Schüler ihre Ideen umsetzen können. Der Stafetten-Stab wird somit weitergereicht:

  1. Ivo, beim Besuch der Primarschule Jonschwil haben mich mehrere Dinge beeindruckt, eines davon ist die Art und Weise, wie ihr die Kinder an demokratisches Handeln heranführt. Ihr sprecht sogar von Demokratiepädagogik. Was versteht ihr darunter?

Laut der deutschen Verfassung gehört es zur Hauptaufgabe jeder Schule, mündige Bürgerinnen und Bürger auszubilden. Auch der Lehrplan 21 und die 21st century skills der OECD bestätigen dieses Bildungsziel. Wir sind überzeugt davon, dass wir Demokratie nicht mittels eines Schulfachs «politische Bildung» ab der Sek. 1 Stufe lehren können. Demokratie erlernen die Kinder und Jugendlichen, indem sie sie erleben.

Deshalb beteiligen wir die Kinder und Jugendlichen an der Gestaltung des Schulalltags, des Zusammenlebens und der Schulgemeinschaft. Wir führen regelmässig Klassenrat und Vollversammlungen durch und diskutieren mit den Schülerinnen und Schüler auf Augenhöhe über Dilemmas aus ihrer Lebenswelt, der Schulgemeinschaft oder unserer Gesellschaft. Themen für die Vollversammlungen entstehen manchmal aus Schülerinnen- und Schülerfragen, Anliegen von Lehrpersonen und Fragen aus der Gemeinde.

In einer der vergangenen Vollversammlungen diskutierten die Kinder darüber, wie das alte Schulgebäude in hundert Jahren aussehen würde, wenn es die Natur zurückerobern würde. Daraus entstand die Idee, das Schulhaus vor dem Abriss mit Pflanzen und Tieren zu bemalen. Die ganze Bevölkerung wirkte mit. Es ist unser Ziel, dass jede Schülerin und jeder Schüler einmal in der Primarschulzeit als Delegierte Verantwortung für die Schulgemeinschaft übernehmen darf und dadurch Demokratie als etwas erlebt werden kann, was allen Menschen zugänglich ist und wo alle unsere Meinungen gefragt sind.

In unseren Ideenbüros beraten Kinder einander selbstständig und finden gemeinsam Lösungen für ihre Probleme und Anliegen. Es wurde schon eine Theater AG gegründet, ein Friedensstifterprogramm entwickelt, die Schülerzeitung lanciert und ein Regenschirmverleih für den Pausenhof organisiert. Viele Streitigkeiten können durch die Beratungstätigkeit der Ideenbürokinder gelöst werden.

Aus unserer Sicht fördert die Schülerinnen- und Schüler-Partizipation die Persönlichkeitsentwicklung und die kommunikativen Kompetenzen nachhaltig und trägt zur Qualität und zu tragfähigen Lösungen an unserer Schule bei.

Ich erinnere mich gerne an den Spatenstich unseres neuen Schulhauses zurück. Die Schülerinnen und Schüler haben sich an einer Vollversammlung vom Architekten den Sinn und Zweck des Spatenstichs erklären lassen und dann in altersdurchmischten Gruppen Ideen für einen solchen gesucht. Nachdem die Vorschläge vorgestellt und diskutiert waren, bewerteten sie die Kinder. Die beiden meistgenannten Vorschläge wurden durch die Ideenbürokinder zu einem konsensfähigen Vorschlag zusammengefasst, sodass wir einen einzigartigen und unvergesslichen Spatenstich erleben durften.

  1. Das Zweite, das für mich bemerkenswert bei euch ist, ist die Art, wie ihr die Familien eurer Schüler unterstützt. Wie sieht diese Unterstützung aus?

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Warum wir in der digitalen Gesellschaft die «Gemeinsame Schule» brauchen

Die Diversität gehört neben der Digitalisierung zu den wichtigsten Themen von Schule. Niels Anderegg versteht unter Diversität nicht «nur» sonderpädagogische Fragen, sondern auch Fragen der Gesellschaft und des Zusammenlebens.

Wir leben in einer globalen Gesellschaft, in der die einzelne Person mit ihren Wünschen und Bedürfnissen wichtig ist. Der deutsche Soziologe Andreas Reckwitz spricht von der Gesellschaft der Singularitäten. Der Widerspruch zwischen «Ich bin wichtig» und der «Welt als Dorf» gilt es heute und noch sehr viel stärker in Zukunft zu gestalten. Dass die Schule der Ort ist, wo dies gelernt und gelebt werden kann, gehört nicht zu den sonst so beliebten Abschiebungen von gesellschaftlichen Problemen an die Schule. Sehr viel mehr ist es einer der Grundaufträge von Schule.

Die Bedeutung der Schule nach Gert Biesta und Hartmut von Hentig

Der Pädagoge Gert Biesta definiert für die Schule einen dreifachen Auftrag. Neben der Qualifizierung hat die Schule nach Biesta den Auftrag der Subjektwerdung und der Sozialisation. Unsere Gesellschaft braucht starke Persönlichkeiten, die miteinander kooperieren und die anstehenden Probleme gemeinsam lösen. Die Schule ist der Ort, wo dies gelernt, geübt und gelebt wird. Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, Erfahrungen in der Gemeinschaft zu machen und gleichzeitig sich selbst zu akzeptieren und sich einzubringen.

Der Pädagoge Hartmut von Hentig hat jeweils von der Schule als Polis gesprochen. Wenn man die Schule als Polis beobachten möchte, dann geht man heute wahrscheinlich am besten in den Kindergarten. Hier trifft man auf eine höchst diverse Kindergruppe, die gemeinsam spielt, lebt und lernt. Häufig machen die Kinder Unterschiedliches, gehen ihren Ideen und Neigungen nach. Sie wenden das an, was sie bereits können und bestaunen diejenigen, die anderes können, um es dann auszuprobieren. Die Kinder gehen ihren individuellen Weg und agieren doch als Gemeinschaft: Subjektwerdung und Sozialisation.

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