Teacher Leader im Einsatz für die Schulqualität

Schulqualität ist nicht allein Aufgabe von Schulleitungen oder den formalen Entscheidungsträger:innen in Schulen. Die gemeinschaftliche Auseinandersetzung mit Qualität ist ein wichtiges Anliegen an guten Schulen – auch, aber nicht nur, wenn die externe Schulevaluation mal wieder vorbeikommt. Ein Praxisbeispiel für Schulqualität als gemeinsame Verantwortung zeigt Janine Freivogel vom Zentrum für Brückenangebote Baselland.

In einer «guten Schule» ist die systematische Auseinandersetzung mit der Qualität der eigenen Arbeit und der Leistungen auf Ebene der ganzen Organisation ein wesentliches Merkmal. Im Diskurs über die Zusammenhänge zwischen Schulführung und dem Lernen der Schüler:innen («Leadership for Learning») spricht man in diesem Zusammenhang von einer «shared accountability», von einer gemeinschaftlich geteilten Verantwortung für die Schüler:innen und Lernenden – für ihre Entwicklung beziehungsweise ihre Leistungen.

Diese gemeinsame Verantwortung nimmt an organisationalen Grenzen nicht unbedingt ein Ende, sondern bezieht sich auf das System als Ganzes. Dies zeigt sich am Beispiel von Janine Freivogel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am kantonalen Zentrum für Brückenangebote Baselland (ZBA BL). Das Zentrum begleitet Lernende ohne Anschlusslösung nach der Sekundarschule beim Übergang in die Berufsbildung. Freivogel beschreibt in aller Kürze anhand eines Beispiels, welche Elemente wesentlich waren für die Arbeit an Schulqualität:

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Make a Makerspace – Hochschule macht Making

Mit Making regen Lehrpersonen durch handlungsorientierte Projekte und kreative Designprozesse das Interesse der Schüler:innen an. Ein Makerspace ist ein hierfür konzipierter Raum und stellt Infrastruktur und Materialien bereit. Die Schüler:innen können dort experimentieren, interagieren und ihre Kreativität und praktischen Fähigkeiten entfalten. Bernadette Spieler zeigt auf, wie eine Making-Lernumgebung ein kompetenzbasiertes und ko-konstruktives Lernen an Schulen fördern kann.

Durch den Fokus auf die Entwicklung kreativer Lösungen für aktuelle und zukünftige Herausforderungen fördert Making ein breites Spektrum an Fähigkeiten. In diesem Prozess werden zahlreiche digitale und zukunftsorientierte Kompetenzen geschult und der Umgang mit technischen Geräten wird erlernt. Die bearbeiteten Herausforderungen sind meist interdisziplinärer Art, einschliesslich der Bewältigung von Herausforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit.

Makerspaces als physische Lernumgebungen für Making-Aktivitäten erfahren in der Schweiz ein wachsendes Interesse. Angebote diesbezüglich sind beispielsweise die FabLabs Zürich und Winterthur, Startbahn29, CreativeLabZ, Makerspace PH Thurgau oder das ETH Student Project House. Makerspaces sind lebendige Treffpunkte, an denen sich Interessierte versammeln, um Ideen und Projekte gemeinsam zu entwickeln, sich gegenseitig zu unterstützen und Probleme zu lösen. Sie bieten ein ideales Umfeld für das praktische Erlernen von essenziellen Zukunftskompetenzen. Auf Hochschulebene wird zudem erforscht, wie Making im schulischen Kontext noch stärker gefördert werden kann (Making im Unterricht).

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Warum Zusammenarbeit im Bildungswesen bereichernd ist

Frank Brückel ist seit vielen Jahren in der Schulentwicklung tätig, hat als Dozent an der PH Zürich engen Kontakt zu vielen Schulen und Gemeinden und er beschäftigt sich mit vergangenen, laufenden und zukünftigen Entwicklungen. Der Austausch mit Schulleitungen, Schulpflegen und Mitarbeiter:innen aus der Verwaltung sind ihm wichtig. Im Beitrag geht er dabei besonders auf die aktuellen Freuden und Herausforderungen ein.

Bei den Freuden sind sich alle einig: Das Schönste am Beruf ist die Arbeit mit den Schüler:innen oder der eigene Beitrag dazu, dass Schulen jeden Tag ihre Arbeit machen können. Auch die Antworten auf die Herausforderungen lassen sich gruppieren: neben dem Fachkräftemangel wird nicht selten der Umgang mit einer zunehmenden Heterogenität in der Schülerschaft genannt, daneben der digitale Wandel, die Umstellung auf Tagesschulen oder die Einführung von erweiterten Tagesstrukturen, eine gelingende Zusammenarbeit mit den Eltern sowie die Sorge um die Gesundheit der Teammitglieder verbunden mit einer zunehmenden Belastung in den Kollegien. Wahrscheinlich kommt noch das eine oder andere Thema hinzu.

Ausgehend von diesen Fragen entwickelt sich oft eine spannende Diskussion darüber, wie diesen Herausforderungen am besten begegnet werden kann. Die am häufigsten genannte Lösung erscheint auf den ersten Blick einfach, wird aber bei näherer Betrachtung schnell komplex: Je besser wir zusammenarbeiten, desto besser können wir den Herausforderungen begegnen.

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Personalentwicklung von Schulleitenden als (aktuelle) Kernaufgabe von Schulbehörden

Gibt es zu wenige Lehrer:innen, wählen sich diese ihre Schulen und damit auch ihre Schulleitungen aus. Gibt es zu wenige Schulleitende, so suchen sich diese ihre Schulen und ihre Schulpflegen aus. Personalentwicklung wird dadurch für die Schulpflegen zu einem viel wichtigeren Thema. Niels Anderegg zeigt auf, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Mangel an Lehrer:innen und an Schulleitenden geben kann.

Zurzeit steht der Lehrpersonenmangel im Zentrum vieler Diskussionen. Gute Schulen brauchen gute Lehrer:innen – fehlen diese, so besteht die Gefahr, dass auch die Qualität der Schule sinkt. Der Fachkräftemangel betrifft jedoch nicht nur die Lehrpersonen, sondern auch die Schulleitenden. Schon seit einiger Zeit scheint der Markt an guten Schulleiter:innen trocken zu sein und etliche Präsident:innen von Schulpflegen haben in den letzten Jahren berichtet, dass es immer schwieriger wird, eine gute Schulleitung zu finden. Findet man jedoch keine geeignete, wird es in mehrfacher Hinsicht teuer:

  • Besetzt man die Stelle mit einer ungeeigneten Person, besteht die Gefahr, dass gute Lehrer:innen die Schule verlassen und die Suche nach neuen dadurch nicht vereinfacht wird. Wer will – wenn man schon die Auswahl hat – an einer Schule arbeiten, die von Lehrer:innen verlassen wird?
  • Trennt man sich nach etlichen Schwierigkeiten und Krisen von der Schulleitung, steht man wieder am Anfang der Suche. Jedoch aus einer deutlich geschwächten Position heraus. Wer will eine Schule leiten, welche in den letzten Jahren etliche Schwierigkeiten und Krisen hatte?
  • Stellt man statt einer ungeeigneten Person eine:n Springer:in ein, hat man die Chance, dass die Schule ruhig weiterläuft. Man gibt jedoch einiges an Geld aus und gewonnen hat man – ausser der Zeit – noch nichts. Die neue Schulleitung muss weiterhin gefunden werden.

Was kann man als Schulpflege tun, damit man nicht in einen solchen Teufelskreis kommt? Nachfolgend werden drei Themenfelder zur Diskussion gestellt.

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Geordnetes Schulsystem und Lernspass – darum braucht es beides

Im dritten Beitrag über das erste Jahr als Schulpräsidentin in Uitikon, stellt sich Caroline Čada Fragen zur Rolle der Schule als Lern- und Lebensort.

Vor ein paar Tagen stand ich auf dem Pausenplatz unseres Schulhauses. Lässige Musik ertönte aus dem Radio,  die Schüler:innen tanzten, unterhielten sich und spielten. Es war gleichzeitig Besuchsmorgen, viele Eltern waren anwesend. Erwachsene und Kinder genossen entspannt die Frühlingssonne. In diesem Moment dachte ich an die Rolle der Schule als Lern- und Lebensort.

Die Schüler:innen, die Lehrpersonen und die Schulleitung verbringen meistens mehr Zeit in der Schule als zu Hause. Man kennt sich. In der Schule als Lebensort werden Werte und Haltungen vermittelt, gewisse Verhaltensweisen gefordert und andere abgelehnt, Kinder unterschiedlicher Herkunft zusammengebracht und Toleranz gelehrt. Die Schule bringt Stabilität und Struktur. Im Auftrag unserer Gesellschaft verfolgt sie höhere Ziele: die Vermittlung von Bildung im umfassenden Sinne, die Förderung der Kreativität und des kritischen Geistes, das Schaffen von künftigen mündigen Bürgern, die für sich selbst und ihre Umwelt Verantwortung übernehmen.

Auf dem Pausenplatz stehend, erinnerte ich mich an dieses Gedicht von Khalil Gibran:

«Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.»

Gemäss Gibran sollten wir die Köpfe unserer Kinder nicht mit starren Vorstellungen füllen, «…denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern…».

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Onboarding-Konzept hilft neuen Lehrpersonen, sich einzuleben

Der Lehrpersonen-Mangel war ein grosses Thema im Sommer 2022. Schweizweit haben sich Schulleitungen um die Besetzung von Stellen bemüht und kreative Lösungen gesucht, um Lücken zu füllen. Die Anstellungen von Personen ohne Lehrdiplom wurden viel diskutiert. Helene Hora, Schulleiterin an der Schule Holderbach Zürich, hat sich zu dieser Zeit im Rahmen ihrer Zertifikatsarbeit in der Schulleitungsausbildung mit Onboarding beschäftigt. Sie berichtet von ihren Erfahrungen.

Seit 2021 sind so viele Kinder auf die Welt gekommen wie seit 1972 nicht mehr. Die Personen aus geburtenstarken Nachkriegs-Jahrgängen wurden oder werden pensioniert. Die Schüler:innenzahlen wachsen und auch in den kommenden Jahren ist ein Anstieg zu erwarten, besonders in den Städten. Für den Schulalltag bedeutet dies eine gegenwärtige Herausforderung. Schulen müssen sich auf die neue «Babyboomer-Generation» einstellen. Diese Tatsache war für mich im Dezember 2022 sehr klar, als ich vor der Herausforderung stand, in Zeiten des Lehrermangels ganze 16 neue Lehrpersonen einzustellen. Dass ich damit nicht allein war, zeigte sich an den vielen Mails unter Schulleitungen nach dem Motto: «Wer hat? Ich suche noch.»

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«Sehen und gesehen werden» – Sichtbarkeit als Führungsaufgabe

Besondere Leistungen und Beiträge im Team sichtbar zu machen, schafft Anerkennung und stärkt die Handlungsspielräume von Teacher Leadern. Schulleitungen und andere Führungskräfte können hier ihren Beitrag leisten, wie Nina-Cathrin Strauss erläutert.

Sich selbst als kompetent und wirksam zu erleben, ist insbesondere im beruflichen Kontext ein Bedürfnis von Menschen. Das Erleben und Erwarten von Selbstwirksamkeit – dem der kanadische Psychologe Albert Bandura mit der Selbstbestimmungstheorie (1997) federführend zu grosser Bedeutung verholfen hat – ist nach wie vor ein grosses Thema im Bildungsbereich. Denn als Pädagog:innen und Fachpersonen im Bildungsbereich sind wir immer wieder konfrontiert mit dem eigenen und fremden Selbstwirksamkeitserleben. Warum ist das Konzept so wichtig für uns?

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Kompetenzorientierte Beurteilungspraxis – Wie Sie Erziehungsberechtigte mit ins Boot holen

Das Vertrauen von Erziehungsberechtigten in die Lehrperson hängt stark davon ab, ob ihre Prüfungs- und Beurteilungspraxis nachvollzogen werden kann. Viele Erziehungsberechtigte haben jedoch eine andere Beurteilungspraxis erlebt, als sie aktuell nach Vorgaben des Lehrplans 21 umgesetzt wird. Welche Informationen sind für Eltern in Zusammenhang mit kompetenzorientierter Beurteilung bedeutsam? Christine Eckhardt geht der Frage nach.

Schulen sind aus verschiedenen Perspektiven aufgefordert, Erziehungsberechtigte bei der Thematik kompetenzorientiertes Beurteilen ins Boot zu holen. Einerseits fordern die kantonalen Rahmenbedingungen, dass Eltern informiert werden, was die Kinder und Jugendlichen wissen und können, wie diese lernen und wie man sie dabei wirksam unterstützen kann. Transparenz ist gefordert und entspricht auch einem Bedürfnis der Erziehungsberechtigten, wie Umfrageergebnisse der kantonalen Elternmitwirkungs-Organisation aufzeigen. Andererseits ist es bedeutsam, die Eltern im Boot zu haben, da die Leistungsbeurteilung in Anlehnung an Studienergebnisse in einem engen Zusammenhang steht, wie viel Vertrauen die Eltern in die Lehrpersonen haben, was wiederum Auswirkungen auf den Lernerfolg der Kinder hat.

Kompetenzorientierte Beurteilung steht im Kontrast zu den persönlichen Schulerfahrungen der Erziehungsberechtigten

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5 Fragen an Philippe Villiger, Schulleiter der Gesamtschule Schüpberg

In unserer Rubrik «5 Fragen an…» interviewt Gesamtleiterin Florence Bernhard den Schulleiter Philippe Villiger zu seiner Tätigkeit. Der Stafetten-Stab wird damit weitergereicht.

1. Philippe, du leitest seit bald drei Jahren die kleine Gesamtschule Schüpberg (BE). Vorher hat Beatrice Friedli-Deuter die Schule über mehrere Jahrzehnte geführt und geprägt. Was nimmst du von ihren Ideen und Überzeugungen mit?

Vor der Übernahme der Leitung der Gesamtschule Schüpberg hatte ich das Privileg, mehrere Jahre mit Beatrice Friedli zusammenzuarbeiten und viel von ihr zu lernen. Sie hat eine Schule geprägt, in der immer die Schüler:innen im Zentrum stehen. Auch in schwierigen Situationen hat sie vor allem die Stärken der Kinder gesehen. Aufgrund dieser Haltung konnten an der Gesamtschule Schüpberg viele Kinder die Freude an der Schule zurückerlangen und gestärkt ins Berufsleben einsteigen.

Beatrice hinterliess eine Schule mit einer gewachsenen Schulhauskultur und vielen Ritualen. Die Schule wird getragen von einer starken Gemeinschaft aus ehemaligen Schüler:innen, Eltern, Lehrer:innen und anderen der Schule verbundenen Personen. Dadurch ergeben sich viele Ressourcen wie zum Beispiel für Projekte oder um Herausforderungen zu bewältigen. Beatrice hat die Lehrkräfte in ihrer Arbeit gestärkt und ihnen viel Gestaltungsfreiheit gelassen. Sie hat Rahmenbedingungen für Kreativität geschaffen und hatte den Mut, auch unkonventionelle Lösungen umzusetzen.

2. In eurer Schule werden seit über 200 Jahren Kinder von der 1. bis 9. Klasse unterrichtet. Für viele Aussenstehende ist ein Schulalltag mit so unterschiedlichen Alters- und Lernunterschiede unvorstellbar. Wie würdest du einen «normalen» Schulalltag beschreiben?

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Teacher Leadership – Wie wir am besten zusammenarbeiten können

In einer Vertiefungsarbeit im Rahmen des CAS Pädagogische Schulführung hat sich Stephan Mernberger, Schulleiter am Lernstudio Zürich und Winterthur, mit dem Thema Teacher Leadership auseinandergesetzt. Er beleuchtet das Zusammenspiel zwischen Teacher Leadership und Schulleitung und erfragt dabei, welche Aufgaben einer Schulleitung zukommen. 

Die wohl offensichtlichste Aufgabe einer Schulleitung ist es, dafür zu sorgen, dass die Schule sich in dem Masse positiv entwickelt, indem sie das umsetzt, was unter der Ägide von Forschungsstand, gesellschaftlichem Konsens und hausinterner traditioneller Bewahrung als umsetzbar gewünscht wird. 

Derzeit ist die Institution Schule in der Schweiz mit vielerlei Herausforderungen konfrontiert: 

  • eine sich – zumindest wird dies medial so empfunden – stark wandelnde Gesellschaft; 
  • eine starke Aufmerksamkeit der Gesellschaft in Bezug auf das System Schule plus internationaler Vergleichssysteme (Pisa); 
  • ein durch die pädagogische Ausrichtung zum Beispiel inklusiver und multiethnischer Integration erweitertes Arbeitsfeld; 
  • eine durch die Einführung von Schulleitungen erstrebte Professionalisierung; 
  • ein verändertes Profil des Lehrberufs. 

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