Fehr Mitglied Schulbehörde Volketswil

Schule in einer digitalisierten Welt – und die Rolle der Schulbehörden

Anfangs Juli fand an der PH Zürich eine Abendveranstaltung für Schulbehörden statt zum Thema «Schule in einer digitalisierten Welt». Eine Teilnehmerin war Raffaela Fehr, Mitglied der Schulbehörde in Volketswil. Andrea Hugelshofer hat sie befragt, wie «ihre» Schulbehörde mit dem Thema «Digitalisierung» umgeht.

Raffaela Fehr, Sie sind in der Schulgemeinde Volketswil im Thema Digitalisierung engagiert. Welche Rolle nimmt bei diesem Thema Ihre Schulpflege ein?

Die Schulpflege Volketswil legt die langfristige strategische Stossrichtung fest. Sie ist bestrebt, den Schulen einen Rahmen zu geben, in welchem sie sich entwickeln können und sollen. Die Umsetzung in den einzelnen Schulhäusern liegt in der Verantwortung der Schulleitenden und kann, je nach Thema, unterschiedlich aussehen. In Arbeitsgruppen nimmt die Schulpflege Volketswil Einsitz, sofern es sich um konzeptionelle Arbeiten handelt, die für die ganze Schule Volketswil Gültigkeit haben.

Vor einem Jahr hat die Schulpflege einen ICT Guide verabschiedet, welcher von einer Arbeitsgruppe ausgearbeitet wurde. In dieser Arbeitsgruppe war auch die Schulpflege vertreten. Die Gesamtschulpflege wurde rollend über den Fortschritt informiert und hat das Konzept am Ende verabschiedet.

Der ICT Guide beantwortet vor allem Fragen rund um den Unterricht und das im Zuge vom Lehrplan 21 neu eingeführte Fach Medien und Informatik. Er definiert das angestrebte Ziel, in welchem Zeitraum das Ziel erreicht werden soll und unter welchem Ressourceneinsatz. Die Antworten auf diese Fragen stehen in Abhängigkeit zueinander. Ein gemeinsames Ziel muss gefunden und dazu eine Zeitachse festgelegt werden. Denn Digitalisierung ist immer auch Changemanagement.

Dabei sind die operativen Führungsverantwortlichen gefordert. Der Ressourceneinsatz wurde vom Ziel und der Zeit bestimmt. Allerdings liegt gerade auch da ein grosser Stolperstein und die Verantwortung bei der Schulpflege. Die Digitalisierung ist mit grossen Investitionen zum Beispiel in technische Ausrüstung, Personal und Weiterbildung verbunden. Es ist die Aufgabe der Schulpflege, mit den vorhanden Ressourcen verantwortungsvoll umzugehen, die Digitalisierung ist schliesslich nicht das alleinige Thema in der Schule Volketswil. Nötigenfalls muss sie das Ziel oder die Zeitachse anpassen.

Welche Fragen beschäftigen Sie im Zusammenhang mit Digitalisierung in der Schule aktuell?

Nachdem der ICT-Guide sich mittlerweile in der Umsetzung befindet, wurde Ende 2019 eine Arbeitsgruppe gebildet, welche die administrative Seite in den Fokus stellt. Auch hier ist die Schulpflege mit zwei Personen vertreten. Der Fokus liegt nun darauf, die Digitalisierung auch im «Unternehmen» Schule Volketswil voranzutreiben und zu nutzen.

Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich unter anderem mit Themen wie administrative Prozesse vereinfachen, digitale und vernetzte Zusammenarbeit fördern sowie bestmögliche Nutzung ausgewählter Tools. In den vergangenen Monaten hat sich gezeigt, dass wir dabei ein besonderes Augenmerk auf den Datenschutz zu richten haben und der Prozess hinter dem Prozess beleuchtet werden muss, wie zum Beispiel wer erhält Zugriff auf welche Daten.

In den vergangenen Monaten erhielt das Thema «Schule im digitalen Zeitalter» neuen Schub. Was für eine Schule wünschen Sie sich persönlich für die Zukunft?

Für den pädagogischen Teil erhoffe ich mir, dass eine gute Balance zwischen digitalem und analogem Lernen gefunden wird und dass unsere Schülerinnen und Schüler die notwendigen Kompetenzen erlangen, um selbstverantwortlich mit den sich bietenden Möglichkeiten umgehen zu können.

Die Lehrpersonen sollen ICT natürlich in den Unterricht integrieren. Das Legen eines Grundsteines, um die besonders gefragten IT-Skills aufzubauen, finde ich wichtig. Auf der administrativen Seite erhoffe ich mir den Sprung zu einer digitalisierten Organisation, damit sich die grossen Investitionen auch wirklich so niederschlagen, dass die Lehrpersonen die administrativen Aufgaben in möglichst kurzer Zeit bewältigen können.

INFOBOX

Hinweis Themenreihe «Fokus Schulbehörde»: Der nächste Anlass findet am 21. September zum Thema «Neuorganisation der Schulführung: Hierarchisierung oder Agilität? statt.
Steckbrief

Raffaela Fehr (35) ist als Schulpflegerin Volketswil und Kantonsrätin FDP politisch tätig. Sie wohnt in Volketswil und ist Mutter von zwei Mädchen. In Ihrer Freizeit unternimmt sie mit ihrer Familie gerne Aktivitäten im Freien.

Zur Autorin

Andrea Hugelshofer ist Dozentin im Zentrum Management und Leadership an der PH Zürich. Sie beschäftigt sich als Beraterin und Dozentin mit Themen rund um Personalentwicklung, den Erhalt von Gesundheit und Leistungsfähigkeit sowie dem Umgang mit Konflikten. Insbesondere verantwortet sie spezifische Weiterbildungsangebote für Mitglieder von Schulbehörden.

Redaktion: Melina Maerten

Titelbild: zVg

3 Gedanken zu „Schule in einer digitalisierten Welt – und die Rolle der Schulbehörden“

  1. „Die Lehrpersonen sollen ICT natürlich in den Unterricht integrieren.“ Ich würde in diesem Satz „sollen“ und „natürlich“ ersatzlos streichen und den „Unterricht“ durch „Lernen“ ersetzen. Der Satz heisst nun: Die Lehrpersonen integrieren ICT ins Lernen.

    Lernen hat noch nie ausschliesslich in der Schule stattgefunden. Seit 20 Jahren können wir dank digitaler Mittel wo und wann und mit wem immer lernen. Die zeitgemässe Schule unterstützt dieses Lernen, in dem jede Lehrperson eine PLE unterhält.

  2. Danke für die Anmerkung. Das stimmt natürlich und man könnte den Satz auch so schreiben. Frau Fehr meinte mit dem „natürlich“, dass ICT selbstverständlich zum Lernen gehören soll.
    Welche Rolle nimmt in Ihrer Gemeinde die Schulbehörde bei solchen Prozessen ein?

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