«Purpose Driven Organizations: Sinn – Selbstorganisation – Agilität»

Nach Tätigkeiten in verschiedenen Branchen ist Andrea Hugelshofer letztes Jahr zur Schule «zurückgekehrt» – und eine Motivation dahinter war auch, dass ihr die gesellschaftliche Bedeutung der Schule sehr wichtig ist. In der Zeit des Stellenwechsels stiess sie auf das Buch «Purpose Driven Organizations» von Franziska Fink und Michael Moeller.

Die beiden blicken in ihrem Buch zunächst auf die heutige komplexe (Wirtschafts-)Welt und die aus ihrer Sicht notwendige Agilität von Organisationen. Sinn oder «Purpose», wie sie es nennen, wird bei ihnen zum wichtigsten Faktor, um Komplexität zu reduzieren und sowohl der Organisation wie auch den Mitarbeitenden zu ermöglichen, sich weiterzuentwickeln.

5 Prinzipien sinnorientierter Organisationen

  1. Dominanter Purpose: Mit «purpose» ist ein übergeordneter Beitrag einer Organisation an die Gesellschaft gemeint, der handlungsleitend wirkt. Fink und Moeller beschreiben, wie man zu einem dominanten Purpose finden kann – in einer Variante auch den «Why-Prozess» nach Simon Sinek. Es liegt nahe, dass die Schule einen relevanten Beitrag an die gesellschaftliche Entwicklung leistet. In diesem Sinne könnte eine Purpose-Orientierung ein guter Leitstern für die Schulentwicklung sein.

  2. Kodifizierte Selbstorganisation: Hinter diesem sperrigen Begriff steht das Verständnis, dass Sinnorientierung den einzelnen Mitarbeitenden Spielraum geben muss, um eigenständig zu handeln. Gleichzeitig sind Ablauf, Entscheidungsregeln und Rahmenbedingungen der Entscheidungen klar geregelt (= kodifiziert). Die Autoren geben in diesem Zusammenhang viele Hinweise auf agile Praktiken der Zusammenarbeit.

  3. Ganzheitliche Partnerschaft: Nicht nur Organisationen sollen ihren Sinn verfolgen, sondern die einzelnen Mitarbeitenden sollen innerhalb der Organisation ihre eigene Persönlichkeit einbringen können. Selbstentfaltung ist erwünscht – bei Lehrpersonen ein wichtiger Teil, um authentisch und lebendig unterrichten zu können (siehe auch Selbstbestimmung bei Deci & Ryan.

  4. Superflexible Vertrauenskultur: Vertrauen ist hier der Ausdruck eines Menschenbildes. Beziehungen sollen auf Augenhöhe stattfinden. Superflexibilität drückt sich darin aus, dass Lernen und Agilität vor Effizienz und Perfektion stehen sollen (Beispiel: Suchen Sie nach Lösungen für Situationen, die «good enough» sind und «safe enough to try», um sie dann in Anpassungsprozessen laufend zu verbessern). Dieses «iterative» Denken, etwas ausprobieren, Wirkung überprüfen mit den Betroffenen, Anpassungen machen – das scheint mir auch in vielen Schulsituationen relevant.

  5. Co-Evolution mit dem Ökosystem: Jede Organisation und die Schule ganz besonders, steht in intensiver Relation zu ihrer Umwelt, zu Eltern, der Gemeinde, dem Kanton. «Purpose Driven Organizations» messen ihrem Umfeld und der Kopplung mit ihm grosse Bedeutung bei.

Im zweiten Teil des Buches werden Praxisbeispiele vorgestellt. Der dritte Teil beinhaltet eine umfangreiche Sammlung an Methoden und Tools, welche insbesondere Holocracy-Ansätze spiegeln.

Franziska Fink ist Journalistin und Philosophin, Michael Moeller ist Betriebswirtschafter. Beide sind tätig in der systemischen Organisationsberatung. Insbesondere den journalistischen Hintergrund von Franziska Fink merkt man: Das Buch ist gut strukturiert und die beschriebenen Tools und Methoden sind auf kompakte Art verständlich dargestellt – die Methodenübersicht im dritten Teil des Buches werde ich sicher immer wieder hervornehmen.

Für mich liegen viele Bezüge zur Schule sehr auf der Hand – ich wünsche mir die Schule als «Purpose Driven Organization»! Gleichzeitig geschieht von den erwähnten Themen im Buch sicher schon einiges im Schulumfeld und da kann das ein oder andere Kapitel vielleicht auch wirken wie «alter Wein in neuen Schläuchen».

Zur Autorin

Andrea Hugelshofer ist Dozentin im Zentrum Management und Leadership an der PH Zürich. Sie beschäftigt sich als Beraterin und Dozentin mit Themen rund um Personalentwicklung, den Erhalt von Gesundheit und Leistungsfähigkeit sowie dem Umgang mit Konflikten. Insbesondere verantwortet sie spezifische Weiterbildungsangebote für Mitglieder von Schulbehörden.

Redaktion: Melina Maerten

Quelle und Bilder: Lernmedienshop, Caio Resende von pexels.com

Die 4. Dimension der Digitalisierung

Wie kaum eine andere Technologie ist Digitalisierung nahe am Menschen, weil sie mit Information, Kommunikation, Kooperation und Interaktion verbunden ist. Wir verwenden digitale Technologien immer und überall: Wir kommunizieren miteinander, wir kaufen mit dem Smartphone ein, wir koordinieren mit dieser Technologie Haushaltsgeräte und wir tätigen Bankgeschäfte. Jutta Rump über den Einsatz der digitalen Technologie.

Unbestritten führt die Digitalisierung zu einer steigenden Geschwindigkeit sowie einer zunehmenden Arbeitsintensität und -komplexität. Des Weiteren gilt es mit einem stetig steigenden Informationsfluss und einer Wissensexplosion umzugehen. Vor allem in der Wissensexplosion wird der Einfluss der Digitalisierung gut sichtbar. Mittlerweile kann der Einzelne das für ihn relevante Wissen, angesichts der Dynamik der Wissensentwicklung und des Ausmasses der Wissensbasis, nicht mehr fassen. Wir wachen am Morgen mit dem Gefühl auf, unser Wissen aktuell zu halten und gehen am Abend ins Bett mit der Gewissheit, dass wir am nächsten Morgen wieder vor der Herausforderung stehen, neue Informationen verarbeiten zu müssen.

Was für einen Einfluss der Einsatz der digitalen Technologie am Arbeitsplatz hat

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Schulqualität: Alles ist relativ?!

Die Qualität von Schule ist ein Thema, dass uns Bildungsinteressierte nicht loslässt und nicht loslassen darf. Nina-Cathrin Strauss und Hansjürg Brauchli gehen folgenden Fragen auf den Grund: Was meint Schulqualität? Und wie können wir Schulqualität (weiter)entwickeln?

Als Lehrpersonen, Schulleitungen, Behördenmitglieder, Forschende, Weiterbildnerinnen und Weiterbildner und nicht zuletzt auch Schülerinnen und Schüler, Eltern und weiterführende Institutionen liegt unser Interesse in einer hohen Qualität von Schule. Doch zuerst schauen wir uns den Begriff genauer an.

(Schul)qualität: Wer, wie was?

Betrachten wir den Begriff Qualität näher, wird es schnell vielseitig und individuell, ähnlich wie bei Begriffen wie Schönheit, Gerechtigkeit oder Freiheit, wie Lee Harvey und Diana Green (2000) deutlich machen. Denn Qualität ist «relativ zu demjenigen, der diesen Begriff verwendet sowie abhängig von den Kontexten, in denen er verwendet wird». Qualität ist eine Zuschreibung, für jede Person etwas anderes und somit abhängig vom Blickwinkel und von den Interessen, Erfahrungen, Überzeugungen und Zielen der Person, welche die Qualität bestimmt. Eine Lehrerin der 3. Sek kann einen anderen Blick auf die Qualität ihrer Schule haben als ein Mitglied einer Schulbehörde.

Dann ist es auch eine Frage, was wir betrachten. Qualität kann sich um Prozesse oder Ergebnisse drehen, um die soziale oder pädagogische Interaktion im Unterricht oder um die Leistungen der Schülerinnen und Schüler – in der Forschung zu Schulqualität übrigens oft nur die Leistungen in vermeintlich wichtigeren oder leichter überprüfbaren Fächern wie Mathematik.

Ausserdem geht die Bestimmung von Qualität immer aus von einer bestimmten gesellschaftlichen Realität und den Werten und Zielen in Bezug auf Bildung, die damit verbunden sind. Heute sind dies die Individualisierung, Inklusion oder Bildungsgerechtigkeit, die unsere Schulen und die Erwartungen an Schule prägen; in den 1950ern waren dies andere gesellschaftliche Realitäten.

Schulqualität: Merkmale und Empfehlungen

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Raumgestaltung an Schulen – Schnittstellen zwischen Pädagogik und Architektur

Jeder Mensch steht in Resonanz zu seiner Umgebung, beeinflusst sie und wird von ihr beeinflusst. Dieses Gesetz ist eine universelle Gesetzmässigkeit, die tagtäglich auf unser Leben einwirkt. Rektor Stefan Schneider meint, dass diese Tatsache auch für die Schule als Lern- und Lebensort gilt und für die Menschen, die zusammen ihre Zeit am Arbeitsort verbringen.

Wird die Schule als Lern- und Lebensort betrachtet, so müsste deren Raumgestaltung einen wichtigen Stellenwert in den Schulentwicklungs-Konzepten einnehmen. In der Realität ist die Raumgestaltung jedoch in vielen Fällen ein nicht berücksichtigtes Element im Schulalltag und in den Unterrichtsentwicklungen.

«Raumpädagogik»

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die Architektur und die Gestaltung von Innen- und Unterrichtsräumen an Schulen zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. Zahlreiche Studien belegen, dass Räume und Umgebungen Auswirkungen auf Lernleistungen, Wohlbefinden und Sozialverhalten haben und das Lernverhalten und die Bildungsprozesse der Schülerinnen und Schüler beeinflussen.

Die Raumgestaltung eines Schulzimmers, wie man es von früher kennt.

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Krisen in Schulen – So reagiert die Schulleitung richtig

Drohungen, Gewaltvorfälle, Mobbing, sexuelle Übergriffe und Belästigungen können dazu führen, dass Schulen schnell im Rampenlicht der Öffentlichkeit und Medien stehen. Dabei kann eine unprofessionelle Medienarbeit der Schulleitung die Situation noch verschlimmern. Im schlechtesten Fall kann es sein, dass eine Krisensituation an einer Schule in der Presse dramatisiert oder skandalisiert wird. Simon Kopp zeigt im Gespräch mit Daniel Brodmann Regeln auf, wie man sich darauf vorbereiten soll.

Schulleitungen sind sich der Wichtigkeit der Medienarbeit teils nicht bewusst und deshalb zu einem grossen Teil wenig auf solche Vorfälle vorbereitet. Dabei ist in Krisensituationen kompetentes Handeln der Schulleitung unerlässlich.

Folgende Regeln in Krisensituationen können helfen, als Schule einen möglichst geringen Schaden davonzutragen:

1. Tritt ein Ernstfall ein, sollten Schulleitungen darauf vorbereitet sein. Der Prozess der Kommunikation muss vorliegen, damit er umgehend initiiert werden kann. Dabei muss klar sein, wer im Falle einer Krise informiert werden muss (interne vor externen Anspruchsgruppen) und wer im Krisenfall die Führung übernimmt und als Ansprechperson an die Öffentlichkeit tritt. Eine Ansprechperson gibt der Krise ein Gesicht.

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Die Aufmerksamkeit auf die Beziehungsgestaltung richten

Lässt man sich darauf ein, dass der Zustand unserer Welt – auch unserer Schulwelt – das Ergebnis unserer gemeinsamen Handlungen ist, dann führt kein Weg daran vorbei, die Gefühle und Sichtweisen aller Beteiligten in einem empathischen Dialog wahrzunehmen, sagt Eckart Störmer, Leiter der Tagesschule Oberglatt. Dies erfordert nicht nur ein verändertes Zuhören, sondern eine veränderte Qualität der Beziehungsgestaltung.

Als Schulleiter versuche ich zu vermitteln, dass sich schulische Professionalität oft gerade nicht darin zeigt, dass man jederzeit weiss, wie eine Situation zu beurteilen und was zu tun ist, sondern darin, dass wir den anderen (Schülern, Eltern und Kollegen …) empathisch und schöpferisch zuhören. Es geht darum, die Qualität der Beziehungsgestaltung positiv zu beeinflussen.

Hier liegt, wie Otto Scharmer (Dozent am Massachusetts Institute of Technology; 2019) sich ausdrückt, der Archimedische Punkt des sozialen Feldes. Durch Verbindung der sichtbaren (was wir tun, sagen und sehen) und der unsichtbaren Schichten (die innere Verfassung) des sozialen Feldes, kann die Qualität des sozialen Handelns verbessert werden. Deshalb rückt die Schulleitung der Tagesschule Oberglatt die Qualität der Beziehungsgestaltung mit Schülern und Eltern, aber auch mit den Mitarbeitenden in den Fokus. Es kommt dabei zunächst besonders auf die Qualität des Zuhörens an. Scharmer unterscheidet vier Arten des Zuhörens:

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Der Jahresrückblick 2019

«Und wieder ist ein Jahr vorüber! Ich staune jedes Mal, wie schnell es geht», sagt Dozent Johannes Breitschaft. Er blickt mit uns auf 2019 zurück. Wie er das alte Jahr reflektiert, um das neue frisch anzugehen.

Typischerweise kommt man in der Regel nach den Festtagen (hoffentlich) etwas zur Ruhe, vielfach ist diese Zeit auch die der Besinnung. Das ist die Qualität dieses Zeitabschnitts. In der Besinnung ist es Zeit, innezuhalten, einen Rückblick zu nehmen und einen Vorausblick zu wagen. Es passiert oft und leicht, dass wir uns in zahlreichen Aktivitäten verlieren und uns zu wenig fragen, was wirklich ist oder war und was für uns einen echten Wert hat.

Damit wieder frisch in das neue Jahr gestartet werden kann, finde ich es sinnvoll, mir ein paar Gedanken zum alten zu machen.
Warum eigentlich? Weil:

  • mir bewusst wird, wie reichhaltig das Jahr war. Ohne diesen Rückblick würde es eher in Vergessenheit geraten;
  • ich Einsichten gewinnen kann, die für das neue Jahr von Relevanz sind;
  • es einfach gut tut, die kleinen und grossen stärkenden Momente nochmals kurz und in Erinnerung zu rufen und zu durchleben;
  • ich mich gestärkt auf das Neue freue kann.

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Führungsrochade in (Tages-)Schulen

Spielen Sie Schach oder coachen Sie ein Fussballteam? Dann ist Ihnen «Rochade» bestimmt ein Begriff. Das Grundprinzip der Rochade lässt sich als Metapher durchaus auf die Führungsarbeit in Schulen übertragen. Die Dozenten Reto Kuster und Frank Brückel zeigen Spielzüge auf.

Nicht selten lassen sich knifflige Spielsituationen mit dem Rochieren von Positionen überraschend schnell auflösen. Man setzt sich über gewohnte Formationen hinweg, überspringt oder wechselt die Seiten und kann damit wirksamer auf Spielzüge des Gegenübers reagieren.

Diese Situationen können auch in der Führungsarbeit in Schulen vorkommen. Speziell in Tagesschulen sehen sich die Leitungspersonen immer wieder mit der Sachlage konfrontiert, welche eine Rochade im Führungshandeln erfordern.

Die Frage, wer wen führt, lässt sich im Alltag kaum trennscharf beantworten, auch wenn Organigramme oder Aufgabenbeschriebe Eindeutigkeit vermitteln. Umso wichtiger ist es für ein Leitungsteam in Tagesschulen, Führungsverantwortung gemeinsam zu übernehmen und situativ zu handeln. Drei Fallbeispiele:

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Perspektive auf Schule: Das Eigene am Fremdem erkennen

«Thinking out of the box» ist einer der Metaphern, welche man in der modernen Führungsliteratur immer wieder findet. Eine der dahinterstehenden Fragen ist, wie es gelingen kann, mit einer anderen Perspektive auf die eigene Schule zu schauen. Dies mit dem Ziel, Dinge neu zu sehen. Aber auch zu erkennen, welche Elemente einem warum wichtig sind und was man anders, sinnvoller machen könnte.

Führungspersonen haben meist eine hohe Identifikation zu ihrer eigenen Schule und diese verhindert manchmal, dass man einen Schritt zurücktritt und wohlwollend kritisch die eigene Schule und das eigene Handeln betrachtet. Um sich und die Schule jedoch weiter zu entwickeln, braucht es immer wieder diesen Schritt zurück.

Eine gute Möglichkeit dafür, ist die Hospitation einer anderen Schule. Dadurch kann man Neues kennenlernen und gleichzeitig das Eigene im Fremden erkennen. Vor welchen Problemen steht diese Schule und wie geht sie damit um? Wie löst diese Schule Fragen, welche sich auch bei uns stellen? Was gefällt mir an dieser Schule und warum? Mit Fragen durch eine fremde Schule zu gehen, ist eine Auseinandersetzung mit seinen eigenen. Dabei ergeben sich auf einmal Fragestellungen, welchen man sich vorher noch gar nicht bewusst war.

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Buchrezension Michael Fullan «Nuance»

Der Kanadier Michael Fullan ist ein Doyen der englischsprachigen Schulführungsliteratur. In den vergangenen 30 Jahren hat er unzählige Publikationen rund um Schulführung und Educational Change veröffentlicht. Mit seinem neusten Buch «Nuance: Why Some Leaders Succeed and Others Fail» legt er sozusagen sein «Spätwerk» vor. Hansjürg Brauchli rezensiert.

Michael Fullan (*1940) verfolgt mit seinem Buch zwei Absichten: Einerseits will er aufzeigen, dass es schlecht um unsere Gesellschaft steht und es das Bildungssystem je länger je weniger schafft, «bessere» Bürgerinnen und Bürger zu bilden, andererseits will er zeigen, welche Merkmale neue Führungspersonen haben müssen, die es für eine erfolgreiche Veränderung brauchen wird.

Gute Schulleiterinnen und Schulleiter als Retterinnen und Retter der Welt?! Fullan weiss, wie es der Untertitel sagt, welche dieser Führungspersonen erfolgreich sein werden. Es braucht in seinen Worten «nuanced leaders», die er als neugierig, offen für andere Menschen, sensibel für Situationen und einem Streben nach einer besseren Zukunft verpflichtet beschreibt.

Das JAC-Modell

Zur Umsetzung dieser «nuancierten Führung» schlägt Michael Fullan das JAC-Modell vor: Joint determination (gemeinsame Entschlossenheit), adaptability (Anpassungsfähigkeit) und culture-based accountability (Rechenschaft als Kultur). Er führt diese drei Komponenten, die er mehr als Haltung denn als Rezept versteht, anhand von zehn Fallbeispielen aus der englischsprachigen Welt von Kanada über Grossbritannien bis Australien aus und porträtiert Führungspersonen auf allen Ebenen des Bildungssystems. Diese Fallbeispiele nehmen über die Hälfte der rund 120 Seiten ein.

Für Leserinnen und Leser, die an Erfahrungsberichten der unterschiedlichsten Führungspersonen im Bildungsbereich interessiert sind, bietet das Buch einen Fundus an Einblicken in den Umgang mit herausfordernden Veränderungsprozessen. Das JAC-Modell und die konkrete Umsetzung werden dabei nebensächlich. Und wer eher an Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen interessiert ist, für den wird die Lektüre der vielen Fälle sehr zähflüssig.

Nichtsdestotrotz habe auch ich in dieser Fülle eine Perle für mich entdeckt. Das Zitat der amerikanischen Organisationstheoretikerin Mary Parker Follet (1868–1933), welche eine zentrale Führungsaufgabe auf den Punkt bringt: «The leader is more responsible than anyone else for that integrative unity which is the aim of the organization.» Und das ist mehr Prozess denn Produkt: «There is no such thing as unity; there is only unifying.»

Hansjürg Brauchli, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, PH Zürich

Info:

Quelle:
Fullan, Michael. 2019. Nuance: Why Some Leaders Succeed and Others Fail. Thousand Oaks, California: Corwin Press.

Bild: Screenshot aus Handout