Gemeinsam Zukunft gestalten: Rückblick auf das Netzwerktreffen der Club of Rome-Schulen

Rund 30 Schulleitungen und Teacher Leader aus dem Netzwerk der Club of Rome-Schulen trafen sich am 21. November 2025 an der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, um sich zwei Tage lang zu den zentralen Fragen zum Thema Nachhaltigkeit auszutauschen. Hierzu durften wir die ersten Erkenntnisse aus dem Projekt Leadership for Sustainability präsentieren und gemeinsam mit Fach- und Führungspersonen zu reflektieren. Ein Tag voller Impulse, Dialoge und dem spürbaren Willen, Schule als lernende Organisation weiterzuentwickeln.

Im Fokus standen die sieben Merkmale nachhaltiger Schulen, die im Rahmen des Literaturreviews (Lampert et al., 2026) identifiziert wurden. Sie bilden einen praxistauglichen Orientierungsrahmen für Schulen, die Nachhaltigkeit in ihrer Schule verankern möchten.

Die Erkenntnisse des Literaturreviews wurden in sieben Merkmalen zusammengefasst (Lampert et al., 2026):

Abbildung: Merkmale nachhaltiger Schulen, eigene Darstellung

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Do’s & Don’ts der multiprofessionellen Zusammenarbeit an Schulen

Wo Schule gelebte Praxis ist, wird die Welt komplex. Unterschiedliche Perspektiven, professionelle Haltungen und Erfahrungen treffen aufeinander. Schule ist heute kein Ort mehr, an dem eine einzelne Profession alle Antworten liefern kann. Die Herausforderungen, die im Klassenzimmer ankommen, sind vielfältiger geworden. Darauf reagiert Schule zunehmend mit einem multiprofessionellen Ansatz. Eine Befragung von Schulleiter:innen, Lehrpersonen, Heilpädagog:innen und Kolleg:innen aus der Verwaltung aus verschiedenen Schulstufen in der Schweiz zeigt, wann Zusammenarbeit hilfreich ist und wann nicht. Stefanie Michel-Loher und Jasmin Kolb greifen den Artikel von Bots et al. (2025) aus dem Webjournal #schuleverantworten auf und beschreiben Gelingensbedingungen und Herausforderungen multiprofessioneller Zusammenarbeit.

Multiprofessionelle Zusammenarbeit beschreibt die Kooperation von Personen mit unterschiedlichem beruflichem Hintergrund: Lehrpersonen, Heilpädagog:innen, Schulsozialarbeit, Betreuung, Verwaltung, ICT oder gerade an Berufsschulen auch Betriebe. In der Fachdiskussion gilt sie seit Längerem als zentrales Merkmal schulischer Qualität und Wirksamkeit. Gleichzeitig ist klar: Zusammenarbeit ist kein Selbstläufer. Zusammenarbeit ist gewinnbringend, wenn ein offener Informationsaustausch und das gezielte Einbringen von Fachwissen stattfinden, klare Rollen und Zuständigkeiten definiert werden und regelmässige Kommunikation mit direktem Bezug zum Schulalltag erfolgt. Dies ermöglicht laut Aussage einer Berufsfachlehrperson der Befragung:
«Bei grösseren Lernschwierigkeiten können gemeinsam zielführende Strategien erarbeitet werden – etwa durch intensivere Betreuung im Lehrbetrieb oder durch Lehrplanungen mittels Semesterplan» (Bots et al., 2025, 139).

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Schulführung und Inklusion: Schulen gemeinsam vielfältiger gestalten

Der Umgang mit Diversität ist eine zentrale Herausforderung der heutigen Schule. Lernende bringen unterschiedliche Bedürfnisse, Fähigkeiten und Hintergründe mit – und Schulen stehen vor der Aufgabe, allen Kindern und Jugendlichen eine echte Teilhabe zu ermöglichen. Olaf Köster-Ehling zeigt Inklusion als Grundlage einer demokratischen Schule auf.

Inklusion bedeutet weit mehr, als einzelne Unterstützungsangebote bereitzustellen. Sie ist ein demokratisches Projekt, das darauf abzielt, Bildungsungleichheiten zu verringern und vielfältige Lebenslagen wahrzunehmen. Neben der Kategorie Behinderung rücken auch Aspekte wie Sprache, Herkunft oder soziale Lage in den Blick. Eine differenzsensible Schule entwickelt Kulturen, Strukturen und Praktiken, die Vielfalt anerkennen und Barrieren abbauen.

Dafür braucht es Teams, die multiprofessionell zusammenarbeiten, und eine Schulführung, die Entwicklungsprozesse gezielt steuert. Sie schafft Rahmenbedingungen, fördert Zusammenarbeit und regt die Reflexion über bestehende Praktiken an.

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Das Innere der Demokratie: Warum Schulen neue Resonanzräume brauchen

Demokratie steckt nicht nur in Wahlurnen, Parlamenten oder Regeln. Sie lebt vor allem in uns: in unseren Werten, Haltungen und unserer Fähigkeit, gute Urteile zu fällen. Genau diese «Innenseite der Demokratie» nehmen Franziska und Ivo Kamm im Web-Journal #schuleverantworten in den Blick und zeigen, warum Schulen dafür zentrale Orte sind. Jasmin Kolb und Stefanie Michel-Loher greifen den Artikel auf und beleuchten im folgenden Blogbeitrag zentrale Thesen und Impulse.

Das aktuelle Jahrbuch Demokratiepädagogik & Demokratiebildung steht unter dem Motto «Krisenmodus verlassen – Transformationen gestalten». Damit verschiebt sich der Fokus weg vom blossen Reagieren, hin zu einer Kultur, die Mut, Kreativität und Engagement fördert. Schulen sollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern Räume schaffen, in denen Demokratie gelebt wird. Der Europarat spricht hier vom Reference Framework of Competences for Democratic Culture (RFCDC) einem Kompetenzrahmen, der betont, dass Demokratie nur funktioniert, wenn Menschen Werte, Haltungen, Wissen und Fähigkeiten miteinander verbinden.

Mit der «Innenseite» sind kulturell-relationalen Qualitäten, die bestimmen, wie wir miteinander umgehen, gemeint. Werte entstehen dabei nicht abstrakt, sondern durch Erfahrung, Beziehung, Auseinandersetzung. Bildung soll Menschen befähigen, die Welt aktiv und verantwortlich zu gestalten nicht nur Kompetenzen anhäufen. Zentral dafür: Agency, also verantwortungsbewusste Handlungsmacht.

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Rechtsmittelzug gegen die Gymi-Aufnahmeprüfung bei der Beanstandung der Erfahrungsnote

Der Schüler E bestand im Frühling 2024 die Aufnahmeprüfung ins Langgymnasium nicht. Gegen den Nichtaufnahmeentscheid rekurrierten die Eltern und beantragten die Anpassung der Erfahrungsnote respektive der Zeugnisnoten der 6. Klasse in den Fächern Deutsch und Mathematik. Später gelangten die Eltern an das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich. Dieses hat in einem wegweisenden Entscheid festgelegt, wie das Verfahren bei einer Anfechtung des Aufnahmeentscheides mit Beanstandung der Zeugnisnoten der 6. Klasse verläuft und wie der Rechtsmittelzug aussieht. Reto Allenspach fasst den Entscheid zusammen.

Bei der Aufnahmeprüfung ins Langgymnasium aus der 6. Primarklasse zählt im Kanton Zürich nebst der Prüfungsnote auch die Erfahrungsnote, die sich aus den Zeugnisnoten in Deutsch und Mathematik aus dem ersten Semester der 6. Klasse zusammensetzt (§§ 10 ff. des Reglements für die Aufnahme in die Gymnasien mit Anschluss an die 6. Klasse der Primarschule [AufnahmeR, LS 413.250.1]). Die Anfechtung eines Nichtaufnahmeentscheides ist in § 22 AufnahmeR wie folgt geregelt:

                   1 Die Entscheide über die Aufnahme können mit Rekurs bei der Bildungsdirektion angefochten werden.

                   2 Bei Anordnungen über die Erfahrungsnoten kann ein Entscheid der Schulpflege verlangt werden.

                   3 Werden die Erfahrungsnoten zusammen mit dem Entscheid über die Aufnahme angefochten, sistiert die Bildungsdirektion das Rekursverfahren in der Regel bis zum Vorliegen des Entscheides der Schulpflege.

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«Das Bildungssystem ist ungerecht»

Das Spiel «IQ 110», übersetzt aus dem englischen und adaptiert auf das schweizerdeutsche Bildungssystem, ermöglicht es nicht nur Lehr-, Fach- und Führungspersonen Bildungs(un)gerechtigkeit zu erfahren, sondern bietet auch Schüler:innen die Möglichkeit, sich mit ihrem Schulsystem auseinanderzusetzen. Jasmin Kolb erzählt von ihren Erfahrungen im Spiel mit Jugendlichen einer Kantonsschule.

Wie fühlt es sich an, wenn der Weg zur Maturität ein Spiel wäre und nicht alle mit denselben Karten spielen dürften? Diese Frage stellten sich die Jugendlichen, als sie IQ 110 – An Exceptionally Unfair Game spielten – ein Lernspiel, das auf eindrückliche Weise erlebbar macht, wie ungleiche Bedingungen den Bildungsweg prägen und wie komplex das Thema Bildungsgerechtigkeit tatsächlich ist.

Im Spiel übernehmen die Jugendlichen zufällig verschiedene Rollen – Kinder mit ganz unterschiedlichen Startbedingungen: Svenja, die mit ihren Eltern und ihrem älteren Bruder in der Nähe der Stadt in einer Villa mit eigener Kunstsammlung und vielen inspirierenden Menschen wohnt, zu Mirko, der mit zwei Vätern in einer zweistöckigen Wohnung mitten in der Stadt wohnt, sehr viel Energie hat und mit vollem Tatendrang und Ideen im eigenen Restaurant hilft, bis hin zu Nina, die mit Mama, Papa, Schwester, Bruder und kleiner Zwillingsschwester in einer Sozialwohnung am Rand der Stadt lebt, Secondhandkleidung trägt und am liebsten Karate-Videos auf YouTube schaut.

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Rezension «Queer Kids – 15 Porträts»

Christina Caprez ist Soziologin und Historikerin, war Redaktorin beim SRF 2 Kultur und arbeitet nun als freie Journalistin und Autorin, unter anderem zum Thema Sexualität. In ihrem Buch «Queer Kids – 15 Porträts» porträtiert sie 15 Stimmen von Kindern und Jugendlichen, welche von ihrer persönlichen Lebensrealität rund um das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt und Identität erzählen. Dabei wird schnell klar, dass dies ein brennendes Thema ist, welches die heutige Generation beschäftigt. Eine Buchrezension von Jasmin Kolb. 

«Wenn queere Jugendliche in der Schule ein Ort hätten, an dem man ihnen zuhört, wäre das eine grosse Hilfe» – Yaro, 20 Jahre

Das Thema der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt ist unter Jugendlichen heute aktueller denn je. Kinder und Jugendliche sind informierter als früher und queere Schüler:innen wagen häufiger ein Coming-out. In der letzten Zürcher Jugendbefragung waren es sogar 26 Prozent der weiblichen und 9% der männlichen Jugendlichen in der neunten Klasse, die sich immer mehr als nicht oder nicht ausschliesslich heterosexuell identifizieren. Studien über das Wohlbefinden von Schweizer LGBTQ+ -Jugendlichen in Schulen sind bisher nur vereinzelt vorhanden. Die Studie SOGUS beispielsweise konnte zeigen, dass sich über die Hälfte (58.4%) der queeren Jugendlichen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihrem Geschlecht oder Geschlechtsausdruck unwohl an der Schule fühlten (Ott et al., 2024). Dies besonders in Bezug auf Orte wie Umkleideräume, Toiletten, den Sportunterricht sowie durch individuelle Diskriminierung, das Fehlen von trans- und nicht-binär-sensibler Infrastruktur oder homofeindlichem Sprachgebrauch. Im Vergleich dazu fühlten sich 34.8 Prozent aufgrund keiner der befragten Gründe unwohl (Ott et al., 2024). Die Erfahrungen sind demnach divers.

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Voraussetzungen für das rechtmässige Querversetzen in der Volksschule des Kantons Zürich

Es existieren verschiedene Ausgangslagen, die eine Schulleitung oder die Schulpflege veranlassen können, ein:e Schüler:in in eine parallel geführte Klasse zuzuweisen. Begrifflich handelt es sich um eine sogenannte Querversetzung. Hierbei kann es zu konfligierenden Interessen zwischen den Erziehungsberechtigten und der Schulleitung beziehungsweise der Schulpflege kommen. Was die rechtlichen Bedingungen sind und was dazu führen kann, ein Kind querzuversetzen, erläutert Thomas Bucher.

Die nachfolgenden Ausführungen referenzieren auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich vom 18. März 2021 (VB.2021.00109) und sind für Schulleitungen und Schulpflegen nicht nur im Falle von Querversetzungen bedeutsam.

Art. 62 Abs. 1 der Schweizerischen Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV, SR 101) nennt die Kantone als für das Schulwesen zuständig. Sie haben für einen ausreichenden, an öffentlichen Schulen unentgeltlichen, Grundschulunterricht zu sorgen, der obligatorisch ist und allen Kindern offensteht (Art. 19 in Verbindung mit Art. 62 Abs. 2 BV).

Der erwähnte Anspruch auf ausreichenden und unentgeltlichen Schulunterricht erstreckt sich nicht auf die freie Schul- oder Klassenwahl. § 62 Abs. 2 der Volksschulverordnung des Kantons Zürich vom 28. Juni 2006 (VSV, LS 412.101) verwehrt die Elternmitwirkung explizit bei «Anordnungen organisatorischer Art wie der Zuteilung zu einer Schule oder einer Klasse sowie bei Weisungen im Schulalltag oder bei der Notengebung und der Schülerbeurteilung».

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Mit dem Schulentwicklungsrad auf der Reise nach Südtirol und darüber hinaus

Growth Mindset als gemeinsame Verantwortung: Im April 2025 durften Heike Beuschlein und Frank Brückel bei den 11. Rechtenthaler Gesprächen zur Schulentwicklung in Südtirol ihre Arbeit mit dem Schulentwicklungsrad vorstellen. Unter dem Leitthema «Growth Mindset als VerANTWORTung. SINNstiftendes Lernen im Kontext von Kontinuität und Veränderung» bot die Tagung im Schloss Rechtenthal Bildungsinteressierten aus Südtirol, Tirol und Bayern Raum für den Dialog über nachhaltige Schulentwicklung in einer Zeit grosser Herausforderungen und Veränderungen.

Wir möchten hier einen Einblick geben, wie wir das Schulentwicklungsrad bei dieser Gelegenheit eingesetzt haben und wie es sich international in unterschiedlichen Themenfeldern sowie auf verschiedenen Ebenen des Bildungssystems anwenden lässt.

Schulentwicklung als gemeinsame Aufgabe im Mehrebenensystem

Die Rechtenthaler Gespräche sind geprägt vom Anspruch, Menschen aus Schulen, Bildungsverwaltung und Wissenschaft zusammenzubringen. Das passte hervorragend zu unserem Ansatz: Schulentwicklung gelingt besonders gut, wenn sie als Aufgabe im Mehrebenensystem verstanden wird. Schulen, Behörden, Hochschulen – alle haben ihre Rolle. Das Schulentwicklungsrad hilft dabei, diese Rollen und deren Zusammenspiel sichtbar zu machen und zu gestalten.

Wir haben in unserer Keynote und den Workshops gezeigt, wie das Rad dabei als Analyse-, Planungs- und Reflexionsinstrument dient. Anhand des Projekts Learning Support Teams (LST) konnten wir verdeutlichen, wie eine inklusive, ressourcenorientierte Zusammenarbeit aufgebaut wird:

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WERTvolle Bildung und Führung

Früher standen Tugenden wie Disziplin, Fleiss, Respekt und Pflicht im Vordergrund, heute rücken in einer heterogenen Gesellschaft Werte wie Selbstbestimmung, Umweltverantwortung, Kreativität, Empathie, Solidarität, Toleranz und digitale Mündigkeit in den Fokus. Pädagogische Werte dienen weniger als festes Regelwerk, sondern als Orientierung und Kompass hin zu (zwischen)menschliche Qualitäten, welche als gelebte Prinzipien den schulischen Alltag formen. Besonders im Bereich «Leadership for Learning» wird die Wichtigkeit von diskursiven Prozessen für eine gemeinsame Vorstellung von «guter Schule» betont. Dies zeigt Niels Anderegg im Artikel «Werteentwicklung in der pädagogischen Schulführung» in der aktuellen Ausgabe von #schuleverantworten auf.

Im internationalen Projekt «Leadership for Learning» gingen Forschende der Frage nach, welchen Einfluss Führung auf das Lernen von Schüler:innen hat (Swafield & Macbeth, 2023) und ermittelten fünf Prinzipien von Leadership for Learning:

• Lernen im Fokus

• Förderliche Lernbedingungen

• Dialog

• Führung gemeinsam gestalten

• Gemeinsame Verantwortung (Swafield & MacBeath, 2023)

Nachfolgend wird exemplarisch ein Auszug aus dem Artikel zum Prinzip «Lernen im Fokus» dargestellt. Dabei geht es darum, dass eine Fokussierung auf das Lernen diskursive Prozesse benötigt. Niels Anderegg beschreibt dies folgendermassen:

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