Wo Schule gelebte Praxis ist, wird die Welt komplex. Unterschiedliche Perspektiven, professionelle Haltungen und Erfahrungen treffen aufeinander. Schule ist heute kein Ort mehr, an dem eine einzelne Profession alle Antworten liefern kann. Die Herausforderungen, die im Klassenzimmer ankommen, sind vielfältiger geworden. Darauf reagiert Schule zunehmend mit einem multiprofessionellen Ansatz. Eine Befragung von Schulleiter:innen, Lehrpersonen, Heilpädagog:innen und Kolleg:innen aus der Verwaltung aus verschiedenen Schulstufen in der Schweiz zeigt, wann Zusammenarbeit hilfreich ist und wann nicht. Stefanie Michel-Loher und Jasmin Kolb greifen den Artikel von Bots et al. (2025) aus dem Webjournal #schuleverantworten auf und beschreiben Gelingensbedingungen und Herausforderungen multiprofessioneller Zusammenarbeit.
Multiprofessionelle Zusammenarbeit beschreibt die Kooperation von Personen mit unterschiedlichem beruflichem Hintergrund: Lehrpersonen, Heilpädagog:innen, Schulsozialarbeit, Betreuung, Verwaltung, ICT oder gerade an Berufsschulen auch Betriebe. In der Fachdiskussion gilt sie seit Längerem als zentrales Merkmal schulischer Qualität und Wirksamkeit. Gleichzeitig ist klar: Zusammenarbeit ist kein Selbstläufer. Zusammenarbeit ist gewinnbringend, wenn ein offener Informationsaustausch und das gezielte Einbringen von Fachwissen stattfinden, klare Rollen und Zuständigkeiten definiert werden und regelmässige Kommunikation mit direktem Bezug zum Schulalltag erfolgt. Dies ermöglicht laut Aussage einer Berufsfachlehrperson der Befragung:
«Bei grösseren Lernschwierigkeiten können gemeinsam zielführende Strategien erarbeitet werden – etwa durch intensivere Betreuung im Lehrbetrieb oder durch Lehrplanungen mittels Semesterplan» (Bots et al., 2025, 139).
Gleichzeitig zeigt die Befragung klar, Kooperation wird belastend, wenn sie schlecht organisiert oder inhaltlich unklar ist. Häufig genannte Hürden sind unklare Verantwortlichkeiten und pädagogische Haltungen, mangelnde psychologische Sicherheit und Wertschätzung, fehlende oder verspätete Kommunikation und Zeitmangel. Die Autor:innen tragen basierend auf diesen Aussagen Do’s & Dont’s in Bezug auf multiprofessionelle Zusammenarbeit zusammen, dies gerade für Schulleitungen hilfreich sein können, wenn die Kooperation einmal nicht so funktioniert.
Do’s
- Fachwissen offen teilen und pragmatisch einbringen,
- klare Rollen- und Verantwortungsverteilungen schaffen,
- regelmässig und transparent kommunizieren,
- gegenseitige Wertschätzung und Vertrauen pflegen (z. B., indem gemeinsame Team-grundsätze formuliert und im Alltag gelebt werden, gegenseitiges Feedback als Teil der Professionalisierung verstanden wird, kooperative Entscheidungsprozesse etabliert sind, eine positive Fehlerkultur gefördert wird und Zeitgefässe für informelle Begegnungen geschaffen werden),
- Zeit- und Raumgefässe für Austausch schaffen,
- und Vielfalt der Perspektiven nutzen, um Lernende ganzheitlich zu fördern
(Bots et al., 2025, 140).
Don’ts
- Unklare Zuständigkeiten und Überschneidungen in den Aufgaben,
- Zusammenarbeit ohne klaren Nutzen oder Ziel,
- übermässige Bürokratie und verordnete Kooperation,
- fehlende oder verspätete Kommunikation,
- überfrachtete Sitzungsstrukturen ohne Alltagsbezug,
- und Missachtung von Autonomie und Kompetenzen der Beteiligten
(Bots et al., 2025, 140).
INFOBOX:
Der ganze Beitrag ist in der aktuellen Ausgabe des Web-Journals von #schuleverantworten zum Thema Multiprofessionelles Arbeiten an Schulen nachzulesen. Zur Vertiefung kann der dazugehörige Web-Dialog vom 13. Januar 2026 unter folgenden Link nachgeschaut werden.
#schuleverantworten ist eine Kooperation der PH Niederösterreich und der PH Zürich. Die angebotenen kostenlosen Web-Dialoge und das Web-Journal sollen Ideen, Dialoge und Erfahrungen bieten, Impulse geben und zum Diskurs an und um Führungsverantwortung in der Schulwelt anregen.
Zu den Autorinnen:

Jasmin Kolb hat pädagogische Psychologie an der Universität Fribourg studiert und arbeitet im Zentrum Management und Leadership als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Sie beschäftigt sich vor allem mit wissenschaftlichen Evaluationen und der Weiterentwicklung der Schulleitungsausbildung.

Stefanie Michel-Loher arbeitet im Zentrum Management und Leadership. Sie ist Studiengangs- und Lehrgangsleiterin im DAS Schulleitung und beschäftigt sich mit Fragen zu Führung, insbesondere bezüglich Educational Governance und Bildungsprozessen an Schulen.
Redaktion: Jasmin Kolb
Titelbild: Grafik PHZH
Literaturnachweis – aktueller Artikel
Bots, Ursula, Frank Brückel, Diana Bütikofer, Jacqueline Lanz und Reto Wegmüller. 2025. „Kooperation bedeutet, dass wir ein WIR-Verständnis unserer Schule haben und voneinander erfahren, was Schüler*innen zum Lernen brauchen: Befragungen zur multiprofessionellen Zusammenarbeit an verschiedenen Schulen in der Schweiz.“ #schuleverantworten 5, Nr. 4. https://doi.org/10.53349/schuleverantworten.2025.i4.a624
„Fachwissen offen teilen und pragmatisch einbringen“ bedingt eine PLE (Beispiel 1: https://imnusshof.ch/wp/ ; Beispiel 2: https://fachstelle.imnusshof.ch/)
Schule, angefangen bei den PHs, kann das nicht.