Demokratie steckt nicht nur in Wahlurnen, Parlamenten oder Regeln. Sie lebt vor allem in uns: in unseren Werten, Haltungen und unserer Fähigkeit, gute Urteile zu fällen. Genau diese «Innenseite der Demokratie» nehmen Franziska und Ivo Kamm im Web-Journal #schuleverantworten in den Blick und zeigen, warum Schulen dafür zentrale Orte sind. Jasmin Kolb und Stefanie Michel-Loher greifen den Artikel auf und beleuchten im folgenden Blogbeitrag zentrale Thesen und Impulse.
Das aktuelle Jahrbuch Demokratiepädagogik & Demokratiebildung steht unter dem Motto «Krisenmodus verlassen – Transformationen gestalten». Damit verschiebt sich der Fokus weg vom blossen Reagieren, hin zu einer Kultur, die Mut, Kreativität und Engagement fördert. Schulen sollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern Räume schaffen, in denen Demokratie gelebt wird. Der Europarat spricht hier vom Reference Framework of Competences for Democratic Culture (RFCDC) einem Kompetenzrahmen, der betont, dass Demokratie nur funktioniert, wenn Menschen Werte, Haltungen, Wissen und Fähigkeiten miteinander verbinden.
Mit der «Innenseite» sind kulturell-relationalen Qualitäten, die bestimmen, wie wir miteinander umgehen, gemeint. Werte entstehen dabei nicht abstrakt, sondern durch Erfahrung, Beziehung, Auseinandersetzung. Bildung soll Menschen befähigen, die Welt aktiv und verantwortlich zu gestalten nicht nur Kompetenzen anhäufen. Zentral dafür: Agency, also verantwortungsbewusste Handlungsmacht.
Ein solches Beispiel wie Schule gemeinsam unterwegs sein kann und Haltung und Agency entwickeln zeigt das Projekt The Week. Es ermöglicht Erfahrungsräume, in denen Demokratie nicht als Debatte, sondern als «gemeinsames Innehalten, Zuhören und Handeln» (Kamm & Kamm, 2025) erlebbar gemacht wird. The Week folgt der Theory U nach Otto Scharmer und beinhaltet als entscheidender Schritt die innere Bewegung sowie innere Bereitschaft ins Handeln zu kommen. Kamm und Kamm beschreiben die drei Abende als «kollektives Bildungsritual» das folgendes beinhaltet:
•Co-Initiating – Hinschauen und Hinhören. Fakten, Geschichten und Bilder öffnen den Raum für ehrliches Zuhören.
•Co-Sensing – Tiefer verstehen. Die Gruppe betrachtet systemische Ursachen und wechselt die Perspektive vom Ich zum Wir.
•Presencing– Innehalten. Zwischen dem zweiten und dritten Abend entsteht eine Kippstelle: Zwischen Ohnmacht und Gestaltungskraft taucht die Frage auf: Was will durch mich in die Welt?
•Co-Creating – Handlungsperspektiven. Am dritten Abend werden gelungene Beispiele präsentiert. Teilnehmende entwickeln erste eigene Initiativen.
•Co-Evolving – Verstetigung. Viele Gruppen führen das Format fort, initiieren Projekte oder schließen sich Netzwerken an (Kamm & Kamm, 2025, S. 47).
Damit wird das Innere der Demokratie erfahrbar und der Kreis zwischen Demokratiepädagogik, Wertepraxis und Führungskultur sind mit der inneren Entwicklung eng verbunden.
INFOBOX:
Der ganze Beitrag ist in der aktuellen Ausgabe des Web-Journals von #schuleverantworten zum Thema WERTvolle Bildung nachzulesen.
Schuleverantworten ist eine Kooperation der PH Niederösterreich und der PH Zürich. Die angebotenen kostenlosen Web-Dialoge und das Web-Journal sollen Ideen, Dialoge und Erfahrungen bieten, Impulse geben und zum Diskurs an und um Führungsverantwortung in der Schulwelt anregen.
Zu den Autorinnen

Stefanie Michel-Loher arbeitet im Zentrum Management und Leadership. Sie ist Studiengangs- und Lehrgangsleiterin im DAS Schulleitung und beschäftigt sich mit Fragen zu Führung, insbesondere bezüglich Educational Governance und Bildungsprozessen an Schulen.

Jasmin Kolb hat pädagogische Psychologie an der Universität Fribourg studiert und arbeitet im Zentrum Management und Leadership als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Sie beschäftigt sich vor allem mit wissenschaftlichen Evaluationen und der Weiterentwicklung der Schulleitungsausbildung.
Redaktion: Jasmin Kolb
Beitragsbild: PHZH Archiv