Rezension «Lernseits denken – erfolgreich unterrichten»

Ich möchte allen Personen, die im Bildungsbereich tätig sind,  das kürzlich erschienen Buch von Evi Agostini, Michael Schratz, Erika Risse (Hg.): Lernseits denken – erfolgreich unterrichten, Hamburg (2018) ans Herz legen und habe deswegen versucht, eine kurze – und hoffentlich aussagekräftige – Rezension zu schreiben. 

Die Autoren Evi Agostini (Instituts für LehrerInnenbildung und Schulforschung Universität Innsbruck), Michael Schratz  (emeritierter Professor des Instituts für LehrerInnenbildung und Schulforschung der Universität Innsbruck) und Erika Risse (Beraterin und Coach für die Qualifizierung von Lehrpersonen und Schulleitenden) beschreiben in ihrem Buch eine neue pädagogisch-didaktische Perspektive auf eine ergebnisoffene, personalisierte Begegnung der Lehrperson mit den Schülerinnen und Schülern. Das Buch lädt alle in der Schule tätigen Personen ein, sich von einem „lehrseitigen“ Denkansatz zu lösen, sich dem „lernseitigem“ Denken zu öffnen und damit einen  vermehrt sinnstiftenden, experimentierfreudigen und flexiblen Lernprozess zu initiieren, was letztendlich zu einer Haltungs- und Kulturveränderung in Schulen führen kann. 

Nachdem notwendige Begriffe definiert wurden, werden die in acht Kerngedanken gefassten Aussagen der Autoren in kurzweiliger und gut verständlicher Form anhand von Vignetten, ihren Bewertungen und einem anschliessenden Gespräch zwischen Lehrpersonen und Forschenden erläutert. Somit gelingt die Verflechtung zwischen Wissenschaft und Praxis auf anschauliche Weise. 

Die Kerngedanken zielen auf eine persönliche und bewusste Wahrnehmung der Lernenden in ihrem Lernprozess und in ihren Kompetenzen und  auf das professionelle, flexible und ergebnisoffene Eingehen der Lehrperson darauf. Dieser Ansatz erfordert Mut und Kompetenz seitens der Lehrperson, sich auf die Persönlichkeit des Lernenden einzulassen. Viele Unterrichtssituationen sind nicht planbar und erfordern einen anspruchsvollen Umgang, der Irritationen ausgelöst kann. Dass dabei grosse Beziehungsarbeit geleistet wird und Offenheit notwendig ist, versteht sich von selbst. 

Dieses Buch basiert auf in Schulen oft gross geschriebenen, notwendigen ethischen Werten wie „Wertschätzung“ und „Achtsamkeit“, und sollte deswegen Grundlektüre jeder im Bildungswesen tätigen Person sein. Gemeinsam diesen Ansatz zu verfolgen, hiesse vielleicht, Schulkultur noch mal neu zu denken? 

Heike Beuschlein, Dozentin Zentrum Management und Leadership, PH Zürich

Rezension: Fokus Personalentwicklung

Das Buch ‘Fokus Personalentwicklung – Konzepte und ihre Anwendung im Bildungsbereich’ von Christine Böckelmann und Karl Mäder ist nachdem es lange vergriffen war, endlich in zweiter vollständig überarbeiteter und erweiterter Auflage wieder erhältlich. Die «gute Schule» braucht «gute Personen» und so ist die Personalentwicklung für Führungspersonen an Bildungsorganisationen eine der wichtigsten und vornehmsten Aufgaben: Dies gilt sowieso für Schulleitungen, aber auch für Schulpräsidien, Leitungen Betreuung und Schulverwaltungsleitungen. Personalentwicklung ist Chefsache oder, wie das erste Modul in unserem CAS Personalentwicklung heisst: «Personalentwicklung ist nicht delegierbar».

Das Buch ‘Fokus Personalentwicklung’ gibt einen guten Überblick über die unterschiedlichen Themengebiete der Personalentwicklung. Das Buch kann für das Selbststudium verwendet werden. Dann ist es aber eine eher trockene Materie. Mir scheint es hilfreicher und sinnvoller das Buch immer wieder bei spezifischen Situationen im Führungsalltag in die Hand zu nehmen und einzelne aktuelle Themen nachzulesen. So findet man im Buch auf wenigen Seiten die wichtigsten Informationen und kann diese gleich mit der Praxis und dem Leitungsalltag verbinden. Nehmen wir zum Beispiel das Thema ‘Gesund bleiben im Lehrberuf’. Die Studie des Schweizerischen Schulleitungsverbandes (VSLCH) zu den Herausforderungen der Schulleitenden ergab, dass die Gesundheit der Lehrpersonen ein Thema ist, dass die Schulleitungen zur Zeit sehr beschäftigt. Ab ins Buch – von Seite 103-107 erhält man auf wenigen Seiten die wichtigsten theoretischen und praktischen Hinweise dazu. Und wenn es um Burn-Out geht? Seite 107-110. Und wer sich für ein anderes Thema der Personalentwicklung interessiert – das Buch gibt vielfältige Einblicke.

Diese vielfältigen Einblicke haben manchmal den Nachteil, dass die einzelnen Themen nur sehr knapp abgehandelt werden können. So findet man beispielsweise zum Thema ‘Multiprofessionelle Teams’ (Seite 68-70) nur grundlegende Informationen. Wer sich mit dem Thema vertiefend auseinandersetzen will, braucht dann eine spezifischere Literatur. Das ist die Krux jedes Buches, dass einen Überblick über ein grosses Themagebiet gibt: Wie gelingt es das ganze Thema umfassend auf eine übersichtliche Anzahl Seiten so darzustellen, dass die einzelnen Themen trotzdem möglichst vielfältig besprochen werden. Nach meinem Empfinden ist dies Christine Böckelmann und Karl Mäder gut gelungen.

Das Buch gehört für mich in jede Bibliothek einer Führungsperson in Bildungsorganisationen, so dass immer wieder darin nachgeschlagen werden kann. Und so verbindet sich die Praxis mit der Theorie und der «guten Schule» steht nichts mehr im Wege.

Niels Anderegg, Bereichsleiter Management und Leadership, PH Zürich

Die Schäli-Elf – Teil 4/4

Zum Abschluss der vierteiligen Serie zur Fussball-WM folgen hier die beiden Sturmspitzen aus der Führungsphilosophie von Beat Schäli, Rektor der Schule Walchwil.

In den bisherigen Teilen wurden die Fehlerkultur im Tor und die Verteidigungspositionen «Vorbild – Ziele – Expertenrat – Regeln» sowie das Mittelfeld «Enthusiasmus – Mensch – Teamgeist – Timing» vorgestellt.

Sie haben einen Teil verpasst? Lesen Sie gleich hier nach und erfahren Sie mehr über die Parallelen von Fussballtrainern und Schulleitern. Die Schäli-Elf – Teil 1/4, 2/4 und 3/4

Sturm: Ressourcen – Glück

„Ich glaube nicht an Glück, aber ich glaube daran, dass man es braucht.“

Alan Ball

Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein und das entscheidende Tor erzielen. Dafür gilt es die Ressourcen gut einzuteilen und auszuschöpfen, so dass schlussendlich, eventuell mit einem Quäntchen Glück, der Torerfolg herausschaut.

 Ressourcen: Jeder Mensch hat eine andere Belastbarkeit. Es ist hilfreich, wenn man jederzeit auch die Grenze der Machbarkeit erkennt. Alarmsignale gibt es viele, doch werden diese gerne übersehen. Einmal ist da die emotionale Erschöpfung: Das Gefühl, emotional ausgelaugt, verbraucht und am Ende seiner Kräfte zu sein. Dann gibt es den inneren Widerwillen gegen Menschen. Es zeigt sich wenn ein Gefühl der Verhärtung und Abstumpfung gegenüber Menschen, die einem am Arbeitsplatz begegnen, entsteht. Die Einstellung gegenüber anderen Menschen wird unpersönlich, herzlos und zynisch. Letzten Endes folgt die reduzierte Leistungsfähigkeit.

Wenn ich am Abend über einen längeren Zeitraum nicht mehr von der Arbeit abschalten kann, dann weiss ich, dass mein Akku unbedingt wieder geladen werden muss. Ähnlich wie bei Joachim Löw helfen mir dieselben Beschäftigungen, um wieder zu Kräften zu kommen. Bücher und Bewegung sind meine Ladekabel. Für diese Auszeiten lohnt es sich gezielt Termine freizuhalten.

Mir gefällt auch die Eigenart von Ottmar Hitzfeld. Es gibt Orte die Hitzfeld immer wieder kurz aufsucht, wie zum Beispiel ein Restaurant an der österreichisch-schweizerischen Grenze. Das sind kleine Nischen, wohltuende Oasen, und der Besuch gleicht einem Ritual.

 Glück: Der letzte und elfte Begriff der Schäli-Elf hatte es nicht immer einfach. Glück ist doch keine Strategie bzw. ein Mechanismus, hiess es immer wieder von Leuten, welche sich mit dieser Führungsphilosophie auseinandersetzten. Am ehesten noch eine Haltung, das heisst wenn ich auf das Glück vertraue.

Bei Guardiola gehört das Glück sogar zu den vier wichtigsten Faktoren des Fussballs – Ball, Raum, Zeit und Glück.

Deutschland wäre 2014 ohne Glück nicht Weltmeister geworden. Als bestes Beispiel dient hier das Achtelfinalspiel gegen Algerien. Erst im Schlussspurt und nach Verlängerung besiegte Deutschland den krassen Aussenseiter aus Nordafrika. Im Spielbericht hiess es später: „Doch das erlösende 1:0 sollte dafür kurz nach dem Beginn der Verlängerung fallen: Müller setzte sich auf der linken Seite durch und flankte nach innen, wo Schürrle den Ball – halb gewollt, halb mit etwas Glück – mit dem Absatz in die Maschen beförderte.“

Manchmal muss man einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Oder eine glückliche Fügung sorgt dafür, dass alles gar nicht so schlimm wie befürchtet kommt.

Ich bin fest davon überzeugt, dass man im Leben immer auch ein Quäntchen Glück benötigt. Aber man muss auch bereit sein dafür. Wie sagt es das Sprichwort von Charles des Montesquieu doch so treffend:

„Es gibt niemanden, den das Glück nicht einmal in seinem Leben besucht. Aber wenn es ihn nicht zu seinem Empfang bereitfindet, kommt es zur Türe herein und geht zum Fenster hinaus.“

Trotz der intensiven Auseinandersetzung mit verschiedenen Strategien, Mechanismen und Haltungen für Führungserfolg werde ich zukünftig weiterhin Fehler machen, Menschen enttäuschen und ins Grübeln kommen. Doch dank dieser Auseinandersetzung habe ich für mich eine Führungsphilosophie entwickelt, welche mich bei einer „Blutgrätsche“ nicht aus den Bahnen haut oder nach einem Fehlentscheid im Stadiongras versinken lässt.

Diese elf Mosaiksteine meiner Führungsphilosophie werden mich zur regelmässigen Reflexion anregen und wahrscheinlich wird die Schäli-Elf nicht bis zum „Abpfiff“ so durchspielen. Ein Spieler bzw. ein Begriff wird an Durchschlagskraft verlieren und ausgewechselt werden. Das schafft dann wiederum Platz für etwas Neues, Frisches. Sie erhebt somit nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ist meine Momentaufnahme. Und falls sie auch eine Aufstellung für andere Interessierte wird, umso schöner.

Beat Schäli, Rektor Schule Walchwil ZG

Wie sind Sie gut aufgestellt? Welche Positionen der Schäli-Elf treffen auch auf Ihre Führungsphilosophie zu? Wählen Sie hier aus!

Und hier gehts zur kompletten Forschungsarbeit: Die Schäli-Elf

Die Kunst der Fehlermeldung: eine vernachlässigte Textsorte

Das Verfassen von aussagekräftigen und nachvollziehbaren Fehlermeldungen ist eine Kunst. Wer im ICT-Support arbeitet, kann ein Lied davon singen. Selbst Lehrpersonen bekunden grosse Mühe damit, sich in den Leser (hier den ICT-Support) zu versetzen und eine Situation so zu beschreiben, dass der Fehler identifiziert und das Problem behoben werden kann.

Fehlermeldungen gehören einer Textsorte an, die irgendwo zwischen Bildbeschreibung und Erfahrungsbericht zu verorten ist. Gut formulierte Fehlermeldungen ersparen Rückfragen und ermöglichen einen effizienten Unterhat der ICT-Infrastruktur, was nicht zuletzt Neven und Kosten spart.

Der Spannungsbogen einer Fehlermeldung beginnt mit der Beschreibung des Settings: An welchem Gerät, Computer bzw. Tablet ist ein Fehler aufgetreten? Mit welchem Betriebssystem und welcher Anwendungssoftware ist dieses Gerät ausgestattet? Wo ist das Gerät mit allen dazugehörigen Kabeln und Zusatzgeräten zu finden?
Anschliessend folgt die Klärung der Hoffnungen und Wünsche: Was wurde konkret erwartet?
Der Höhepunkt jeder Fehlermeldung besteht in der unerwarteten Wende: Inwiefern wurde die Erwartung enttäuscht? Was genau funktionierte nicht? Wie wurde festgestellt, dass etwas nicht funktioniert – und nicht einfach die Erwartungen unrealistisch waren? Welche Fehlermeldung ist erschienen? Und hier kommen die Lesekompetenzen ins Spiel: Ja, die ganze Fehlermeldung muss gelesen werden. Nein, es reicht nicht, einfach nur den Knopf «OK» zu drücken.
Und zum Ausklang der Fehlermeldung: Was wurde bis jetzt unternommen? Konnte der Fehler reproduziert werden an einem anderen Gerät oder mit einem anderen Login?

Eigentlich müsste das Verfassen von treffenden Fehlermeldungen an den ICT-Support geschult werden und zwar gleichermassen für Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler. Mehrere Kompetenzen werden beim Verfassen von Fehlermeldungen trainiert:

– Sich in die Rolle des Lesers oder der Leserin versetzen.

– Genau beobachten und in eigenen Worten beschreiben.

– Problemlösestrategien anwenden und allenfalls weiterentwickeln.

– Lesekompetenzen vertiefen.

Gutgemeinte Anleitungen und Vorlagen in Tabellenform, die das Verfassen von Fehlermeldungen erleichtern sollen, finden ihren Weg erstaunlich schnell ins Altpapier-Körbchen. Wenn die Einsicht fehlt, dass technische Probleme nicht behoben werden können, wenn der ICT-Support das Problem nicht nachvollziehen und reproduzieren kann, hilft alles nichts.

Das einzige, was immer wirkt: den Spiess umdrehen. Im vollbesetzten Lehrerzimmer laut und anklagend ausrufen: «Die Kaffeemaschine funktioniert nicht.» Und zwar so lange und penetrant, bis entnervte Gegenfragen kommen: «Was hast du denn gemacht?», «Bei welcher Maschine hast du es probiert?», «Ist die Maschine eingeschaltet?», «Hast du eine Kaffeekapsel eingelegt?», «Ist Wasser im Behälter?» Spätestens jetzt wird hoffentlich der Sinn gut formulierter Fehlermeldungen klar.

Dr. Bettina Waldvogel (Dipl. Informatik-Ing. ETH) arbeitet als PH-Dozentin, Lehrerin und im IT-Support einer Primarschule

Die Schäli-Elf – Teil 3/4

In unserer vierteiligen Serie zur Fussball-WM gibt Beat Schäli, Rektor der Schule Walchwil Einblick in seine Führungsphilosophie. In den ersten beiden Teilen wurde die Fehlerkultur im Tor und die Verteidigungspositionen «Vorbild – Ziele – Expertenrat – Regeln» vorgestellt. Hier folgen Akteure im Mittelfeld:

Sie haben einen Teil verpasst? Lesen Sie gleich hier nach und erfahren Sie mehr über die Parallelen von Fussballtrainern und Schulleitern. Die Schäli-Elf – Teil 1/4 und 2/4

Mittelfeld: Enthusiasmus – Mensch – Teamgeist – Timing

„Ich esse Fussball, ich schlafe Fussball, ich atme Fussball. Ich bin nicht verrückt, nur leidenschaftlich.“

Thierry Henry

Man kann sowohl Einfluss in die Offensive, wie auch in die Defensive ausüben. Enthusiasmus, Mensch, Teamgeist und Timing bilden in der Schäli-Elf diese Schaltzentrale.

 Enthusiasmus: Es sind doch genau die Dinge, welche ich mit Begeisterung ausübe, welche schlussendlich zu Fortschritten führen. Schon von Kindesbeinen an begegnet man dieser untrüglichen Regel. Sei es beim Erlernen einer Sportart oder der ersten Fremdsprache in der Schule.

Und deswegen ist es eminent wichtig, dass die Führungsperson mit diesem Feuer in sich voranschreitet und andere mitziehen und motivieren kann. Klopp und Guardiola leben von diesen Emotionen, wo sie bei Löw und vor allem Hitzfeld eher versteckt zur Geltung kommen. Wenn man Jürgen Klopp während eines Spiels an der Aussenlinie beobachtet, sein Haareraufen bei einer missglückten Aktion, die gelösten Luftsprünge bei einem Tor, merkt man, dass das System von Klopp Hand in Hand mit Enthusiasmus geht.

Ich muss vom Sinn meiner Arbeit überzeugt sein, sonst kann ich nicht motivieren. Wenn ich das nicht mehr kann, muss ich einen Ort, eine Beschäftigung finden, wo ich das wieder kann. Oder in den Worten von Guardiola: „Wenn ich sehe, dass die Augen meiner Spieler nicht mehr glänzen, ist es Zeit für mich, zu gehen.“

 Mensch: Er steht im Mittelpunkt. Immer und überall. Führungskräfte benötigen Menschen. Denn erfolgreiche Chefs verbindet sicher eines: Es gab Menschen, die ihnen folgten. Es gab Menschen, die hinter ihnen standen und somit „Ja“ zu ihnen sagten und sich eine Verbesserung ihrer Leistungen und somit ihrer Lebensqualität versprachen. Deshalb anerkannte man sie als Führungskräfte.

Was mir an der Pädagogik gefällt, ist, dass man es immer mit Menschen zu tun hat. Sei es mit den Kindern, den Lehrpersonen, den Eltern oder auch mit beratenden und bestimmenden Gremien. Was alle vier Trainer erwähnen ist die Zeit. Die Zeit für Herzlichkeit und echtes Interesse. Kontakt, Herzlichkeit und Wärme sind im Umgang mit Menschen unverzichtbar.

Die Aufgabe der Führung ist es Menschen zu befähigen, gemeinsam Leistungen zu erbringen, ihre Stärken wirkungsvoll und ihre Schwächen unwesentlich zu machen. Jeder Mensch hat seine einzigartigen Eigenschaften, die ihn von anderen unterscheiden. Als Schulleiter kann ich, wenn ich mir den jeweiligen Stärken der einzelnen Lehrpersonen bewusst bin, ungeahnte Leistungen freisetzen.

Gerade in der Führung ist es wichtig, dass man sich der menschlichen Wechselwirkung bewusst ist. Guardiola betont, dass wir in unserem Job, und das gilt sowohl für die Trainergilde, als auch für Schulleitungen, einerseits über den Spielern bzw. Lehrpersonen stehen, andererseits auch unter ihnen, weil wir von ihnen abhängig sind.

 Teamgeist: Im Zentrum jedes Trainers bzw. Schulleiters Tätigkeit steht das Team. Die Zusammensetzung der Mannschaft bzw. des Lehrer/innenteams, ihre Leistungsbereitschaft und die Stimmung sind die entscheidenden Faktoren, welche über Niederlage oder hoffentlich eben Sieg bzw. Schulqualität entscheiden.  Wer als Trainer oder Schulleiter sein Team nicht hinter sich hat, ist verloren.

Guardiola, Hitzfeld, Klopp und Löw verbindet, dass es ihnen immer wieder gelungen ist, das Team hinter sich zu bringen. Ihnen ist bewusst, dass man Grosses nur gemeinsam erreichen kann. Dieses Gefühl des gemeinsamen Erfolges ist unbezahlbar. Deswegen dürfen oder sogar besser gesagt sollen solche Momente auch gefeiert werden. In der Schule gibt es immer wieder Anlässe, welche sich dazu eignen.

Timing: Es gilt einen wohlüberlegten Start und dann auch den richtigen Abgang zu finden. Hier gibt es keine Zeitvorgaben.

Pep Guardiola war immer der Ansicht, dass alles damit beginnt, dass man nach dem Ausschau hält, was man wirklich mag. So etwas zu finden ist das Wesentliche, das allem anderen zugrunde liegt. So wurde er von Spaniens Torhüterlegende Zubizaretta  nach seiner ersten, erfolgreichen Trainersaison bei Barcelona bei einem Abendessen daran erinnert, dass sein Job mit einem Verfallsdatum versehen war.

Der Bestseller-Autor Bernhard Moestl zitiert in einem Buch einen unbekannten Verfasser: „Es ist besser, als stur kritisiert zu werden und seine Vorstellungen verwirklicht zu haben, als von anderen für Rücksicht und Einsicht gelobt zu werden, aber auf halbem Wege einen bequemen Kompromiss eingegangen zu sein.“

Beat Schäli, Rektor Schule Walchwil ZG

Im nächsten und letzten Teil werden die beiden Sturmspitzen vorgestellt. Verpassen Sie nichts und folgen Sie dem Blog Schulführung!

Und hier gehts zur kompletten Forschungsarbeit: Die Schäli-Elf

Die Schäli-Elf – Teil 2/4

In unserer vierteiligen Serie zur Fussball-WM gibt Beat Schäli, Rektor der Schule Walchwil Einblick in seine Führungsphilosophie. Nach der Fehlerkultur im Tor stellt er hier seine Verteidigung vor:

Sie haben den ersten Teil verpasst? Lesen Sie gleich hier nach und erfahren Sie die Parallelen von Fussballtrainern und Schulleitern. Die Schäli-Elf – Teil 1/4

Verteidigung: Vorbild – Ziele – Expertenrat – Regeln

„Das ist grossartig. Sag ihm, er sei Pelé, und schick ihn zurück aufs Feld.“

John Lambie als Trainer vom schottischen Klub Partick Thistle, nachdem ihm mitgeteilt wurde, dass einer seiner Spieler nach einem Zusammenprall nicht mehr wisse, wer er sei.

Die Abwehr ist das Fundament jeder Mannschaft. Sie ist für den langfristigen Erfolg entscheidend. In der Schäli-Elf  werden diese vier wichtigen Positionen durch „Vorbild sein“, „Ziele setzen“, „Expertenrat einholen“ und Regeln vorgeben“ besetzt.

 Vorbild: Das persönliche Interesse an der eigenen Schule gilt es vorzuleben. Durch den Besuch von Theateraufführungen verschiedener Klassen oder auch nur mal das Betrachten der aufgehängten Zeichnungen im Gang entsteht das Gefühl von Wertschätzung.

Auch erachte ich es als hilfreich, wenn ich als Schulleiter ab und zu selber unterrichte. Die Lehrpersonen wissen dann, dass die Schulleitung nicht nur spricht, sondern auch Haltungen vorlebt. Guardiolas Vorbild Johan Cruyff bringt es auf den Punkt: „Trainer sollen durch ihr eigenes Vorbild führen. Sie sollten Fussball spielen können, somit auch während des Trainings auf dem Fussballplatz sein und unterrichten, weil es nichts Besseres gibt, als das Spiel anzuhalten, zu korrigieren, Anweisungen zu geben und zu erklären, warum jemand einen bestimmten Pass zu einem bestimmten Mitspieler hätte spielen, eine bestimmte Position einnehmen oder ein technisches Element hätte ändern sollen.“

 Ziele: Guardiola dazu: „Nicht die Titelgewinne seien das Ziel, sondern die Entwicklung einer bestimmten Spielweise. Wenn sie an ihren Grundsätzen festhielten, seien Titel die vollkommen logische Konsequenz. Und einer der Schlüssel zum Erfolg sei, niemals das Ziel aus den Augen zu verlieren.“ Wenn man sich mit den Zielen von Guardiola befasst, stösst man immer wieder auf seine drei Grundkonzepte: Die Abwehrkette, die fünfzehn vorausgehenden Pässe, der Umgang mit den lauernden Spitzen.

Ich finde es immens wichtig, dass die Mitarbeiter in das Setzen und Ausformulieren von Zielen frühzeitig miteingebunden werden. Dies kann die Identifikation mit den Zielen stärken und die erfolgreiche Umsetzung unterstützen.

 Expertenrat: Der Beruf als Trainer, wie auch als Schulleiter, kann sehr einsam sein. Es gilt einerseits ein Netzwerk aufzubauen, welches einen mit Hilfestellungen, Ideen oder auch einfach mal mit einem offenen Ohr unterstützen kann und andererseits von erfahrenen Persönlichkeiten zu profitieren.

Es lohnt sich auch mal über die eigene Berufsgattung hinauszuschauen, denn gerade im Bereich der Führung sind es, was auch der Vergleich mit der Wirtschaft, dem Fussball und der Schule zeigt, oftmals dieselben Herausforderungen, welche von Führungspersonen bewältigt werden müssen.

So fand Hitzfeld in dem Journalisten Miklos Szvircsev einen absolut vertrauenswürdiger Austauschpartner. Pep Guardiola schätzt die unbekümmerten Abendessen mit dem ehemaligen Schachweltmeister Gary Kasparow und auf die Stärken von Joachim Löw angesprochen, gibt der Chefscout des Deutschen Fussballbundes Urs Siegenthaler zur Antwort: „Eine von Joachims grössten Stärken ist, dass er sich mit Vertrauten umgibt und dann auch noch fähig ist, ihnen zuzuhören.“

Je mehr du deine Schwächen kennst, umso gezielter kannst du dir Rat bzw. die Leute zu dir in die Kommandozentrale holen, um weitsichtig handeln und führen zu können.

Wenn immer möglich versuche ich in- und ausländische Schulen zu besuchen. Denn jede Schule ist einzigartig und macht irgendetwas richtig gut. Oder eben ganz nach Guardiola: „Ideen gehören allen. Ich habe so viele wie möglich geklaut.“

 Regeln: Bei Durchforschen der verschiedenen Fachbücher und Biografien wurden die Wörter „Disziplin“ und „Regeln“ oftmals in einem Atemzug genannt. Kann und soll ich alle Personen in meinem Arbeitsumfeld gleich behandeln? Lassen die Gegebenheiten das auch immer zu? Gerade Klopp und Guardiola neigen klar dazu, dass nicht immer für alle dieselben Richtlinien gelten, wo bei Hitzfeld der Begriff „gerecht sein“ doch eine hohe Priorität hat.

Mir persönlich kommt die Haltung von Jürgen Klopp am nächsten. Er gibt der Mannschaft eine klare Linie vor, von Disziplin geprägt, aber am Menschen orientiert.

Nicht alle Menschen ticken gleich und jedes Individuum durchlebt eigene Lebensphasen. Es gilt den Mitarbeitenden zuzuhören und mit dem Wissen dieser unterschiedlichen Voraussetzungen, einen Lösungsweg zu finden, welchen man gegenüber anderen Menschen vertreten kann.

Beat Schäli, Rektor Schule Walchwil ZG

Im nächsten Teil wird das Mittelfeld vorgestellt. Wenn Sie dem Blog Schulführung folgen, verpassen Sie nichts.

Und hier gehts zur kompletten Forschungsarbeit: Die Schäli-Elf

ICT-Lernkultur: Tipps zur Umsetzung des pädagogischen ICT-Konzepts

Informatik ist mehr als einfach ein neues Schulfach. Informatik ist in verschiedener Hinsicht sehr speziell und zwingt zu einem radikalen Umdenken. Stolpersteine sind garantiert.

Der folgende Text ist keine wissenschaftliche Auseinandersetzung, sondern der Versuch, anhand einiger typischer Beispiele aus dem ICT-Support zur Verständigung zwischen Schulleitungsmitgliedern, Lehrpersonen und den Personen im IT-Support beizutragen.

«Der Lehrer ist immer genervt, wenn er am Computer ist.»
Die Aussage stammt von einer Gruppe Schülerinnen und Schüler. Nicht das, was die Lehrperson im Unterricht sagt, sondern was sie vorlebt, bleibt bei den Schülerinnen und Schülern in Erinnerung. Die Lehrpersonen dienen als Rollenmodell, wie man mit der ICT-Infrastruktur umgeht. Niemand erwartet, dass die Lehrpersonen im Umgang mit dem Computer alles wissen. Im Gegenteil: Die Lehrpersonen sollen dazu stehen, wenn sie eine Problemstellung nicht selber lösen können. Es gibt verschiedene Arten der Reaktion: Die Lehrperson hat die nötige Kompetenz erarbeitet, um ein paar «erste Hilfe»-Schritte selber ausführen zu können und falls nötig eine Fehlermeldung zu erstellen. Oder: Sie bricht die Übung unaufgeregt ab und klärt die Lösung nach dem Unterricht mit dem Support. Eventuell kann auch ein Schüler oder eine Schülerin das Problem lösen oder hat eine Idee für eine kreative, unerwartete Lösung.
Tipp: Fehlerkultur entwickeln und leben. Kaum in einem schulischen Bereich wird so deutlich, dass die Lehrperson nicht alles wissen kann. Sie darf und soll dazu stehen, wenn sie etwas nicht weiss.
ICT-Lernkultur: Die Lehrperson hat kein Informationsmonopol. Im Gegenteil: Die Rolle der Lehrperson besteht darin, souverän Lösungswege und Problemlösestrategien aufzuzeigen oder vorzuzeigen, wie man Hilfe holen kann.

«Mit diesen Computern kann man nicht arbeiten!»
Und dabei hat es so schön angefangen: Neue ICT-Infrastruktur und neue Cloud-Lösung sowie auf individuelle Bedürfnisse abgestimmte ICT-Unterstützungsangebote wurden durch die Schule zur Verfügung gestellt. Und doch wird die neue ICT-Infrastruktur kaum genutzt. Was ist geschehen?

Mehrere Personen berichteten sich gegenseitig von technischen Problemen: Ein Login funktioniert nicht (das Passwort wurde vergessen), eine Datei lässt sich nicht öffnen (es wurde versucht die Datei mit einem unpassenden Programm zu öffnen) und jemand vermutet, dass Daten verschwinden (es wurde lokal gespeichert und anschliessend am falschen Computer gesucht). Aber statt Hilfe zu holen und die Probleme beheben zu lassen, haben sich die Lehrpersonen gegenseitig hochgeschaukelt. Aus zwei drei kleinen Mücken wird ein Elefant und plötzlich regt sich Widerstand.
Tipp: Niederschwellige Angebote wie Fragestunde oder «Lernpartner» anbieten. Widerstände entstehen meist aus Ängsten. Manchen Lehrpersonen fällt es sehr schwer, Hilfe zu holen. Umso wichtiger ist, dass alle im Team eingebunden sind und allenfalls ICT-Projekte gemeinsam angegangen werden.
ICT-Lernkultur: Alle helfen mit die ICT-Infrastruktur optimal zu nutzen. Schulpflegemitglieder, Schulleitung, Klassen- und Fachlehrpersonen, Heilpädagoginnen und nicht zuletzt die Schülerinnen und Schüler unterstützen einander und tauschen ihr Wissen aus.

«Wenn die anderen Tablets haben, müssen wir auch welche haben.»
ICT-Infrastruktur kann leicht zu einem Statussymbol werden. Häufig steht die Anschaffung von Hard- und Software im Vordergrund und das pädagogisch-didaktische Setting verschwindet aus dem Fokus. Um neue ICT-Infrastruktur im Unterricht gewinnbringend einsetzen zu können, braucht es eine gute Einarbeitung und vor allem Unterrichtsideen, die genau auf die vorhandene Infrastruktur abgestimmt sind.
Tipp: Vorsicht bei Anschaffungswünschen zu denen keine konkreten Unterrichtsszenarien genannt werden. Neue Geräte und Software in Betrieb zu nehmen ist ein nicht zu unterschätzender Aufwand. Nur wer konkrete Ziele vor Augen hat und sich den Einsatz im Unterricht genau vorstellen kann, wird die Geräte auch regelmässig einsetzen.
ICT-Lernkultur: Entweder die Einarbeitung in die neue ICT-Infrastruktur anhand von konkreten Unterrichtsideen gemeinsam im Team mit viel Elan anpacken. Oder: Die Haltung pflegen: «Lasst uns das beste machen aus dem, was wir haben!» Der pädagogische ICT-Support kann in jedem Fall wertvolle Unterstützung bieten.

«Wir haben keine Schulung gehabt.»
Wenn es keine Schulung gibt, kann es auch nicht verlangt werden – so die vorherrschende Meinung bei nicht wenigen Lehrpersonen. Die Digitalisierung geht jedoch so schnell voran, dass es unmöglich wird, für alles und jedes eine Schulung anzubieten. Eine «digitale Kluft» zwischen jenen Lehrpersonen, die sich interessiert und neugierig mit neuen Technologien auseinandersetzen und den anderen, die auf die Schulung warten, bahnt sich an.
Tipp: Niederschwellige Angebote zum Austausch im Team. In jedem Lehrerteam ist sehr viel Know-How vorhanden. Meist wird das Wissen aber nicht geteilt, sei es, weil die einen sich nicht trauen zu fragen, oder weil diejenigen, die etwas wissen sich nicht aufdrängen wollen. Ganz ohne Strukturen findet kaum ein Austausch statt. Wird jedoch z.B. an einem Mittag im Monat ein «Compi-Kafi» zu einem Thema ausgeschrieben, so kann der Prozess des Wissensaustausches etwas angekurbelt werden. Wichtig ist aber, dass das keine Schulungen sind, bei denen die Lehrpersonen passiv konsumieren, sondern ein gegenseitiges Geben und Nehmen stattfindet.
ICT-Lernkultur: Die Verantwortung für die persönlichen ICT-Kenntnisse trägt jede und jeder selber. Neugier, Interesse, Freude am Ausprobieren, Eigeninitiative, innovative Projektideen, unkonventionelle Herangehensweisen und Mut zu Neuem sollen unterstützt werden.

«Die Schülerinnen und Schüler können das sowieso schon.»
Schülerinnen und Schüler sind oft sehr talentiert im Präsentieren ihrer Computerfertigkeiten. Lehrpersonen sollen sich durch das gut inszenierte Halbwissen jedoch nicht blenden lassen. Wenn ein Schüler eine Animation in der Präsentationssoftware erstellen kann, heisst das nicht, dass er auch ein Bild einfügen und in der Grösse skalieren kann. Abgesehen davon, dass die Schülerinnen und Schüler sich der Wirkung der Präsentation und der Rechte an den Bildern oft nicht bewusst sind.
Tipp 1: Den Unterrichtsstoff unbeirrt durchziehen. Wenn die Schülerinnen und Schüler die Inhalte tatsächlich schon kennen, sind sie halt schneller mit den Aufgaben fertig und können ihr Wissen noch vertiefen.
Tipp 2: Echte Überflieger (ja, die gibt es gelegentlich auch) können sich im ICT-Support nützlich machen. Als «Compi-Kid» können sie Verantwortung übernehmen für die Schülergeräte im Schulzimmer, sicherstellen, dass alle Computer am Netz angeschlossen sind, anderen Kindern beim Aufräumen ihrer Dateien helfen oder neue Programme erproben.
ICT-Lernkultur: Das Wissen der Schülerinnen und Schülern kann und soll gewinnbringend im Unterricht eingesetzt werden.

Dr. Bettina Waldvogel (Dipl. Informatik-Ing. ETH) arbeitet als PH-Dozentin, Lehrerin und im IT-Support einer Primarschule

Projektwoche «Elektrobo» – Robotik, programmieren, experimentieren in der Schule Bronschhofen

Der Lehrplan 21 stellt die Lehrerinnen und Lehrer auch im Bereich Informatik vor neue Herausforderungen. Plötzlich sind Roboter wie Thymios, Ozobots oder Bee-Bots ein Thema. Aber auch das Anwenden von Mini-Computern wie Calliope oder das Programmieren mit Scratch oder Lightbot im Unterricht muss erlernt sein.

Im Kanton St. Gallen gibt es für diese Themen in der 5. und 6. Primarklasse mit «Medien und Informatik» ein neues Schulfach, aber bereits in den unteren Klassen, beginnend im Zyklus 1, gilt es in diesem Bereich Kompetenzen aufzubauen.

Doch wie soll man Lehrpersonen dafür fit machen, die eigentlich keine grosse Affinität zu diesen digitalen Themen haben? Wie werden die Berührungsängste abgebaut? Unsere Schule hat sich dafür entschlossen, in die Offensive zu gehen. Wir organisierten eine Sonderwoche zum Thema «Roboter, programmieren, experimentieren» für alle knapp 350 Kinder unserer Schule. Dazu ist es nicht nötig, dass man «Informatikcracks» im Team hat – wir hatten die jedenfalls nicht. Was hingegen hilft, ist ein unkompliziertes Team mit der Offenheit, sich unverkrampft auf etwas Neues einzulassen.

Bereits bei der ersten schulinternen Weiterbildung, die uns mit den Möglichkeiten der auf dem Markt vertrauten Produkten bekannt machte, liessen sich auch skeptische Lehrpersonen begeistern. Beim Programmieren löst man Probleme, für die es anfänglich noch keine klare Lösung gibt – und zwar sehr spielerisch. Dies bereitete den Lehrpersonen aller Stufen grosse Freude. In Stufenteams einigte man sich über Inhalte, die in der Sonderwoche vermittelt werden sollten. Erfreut und erstaunt waren wir, wie viel Support wir für diese Woche von ausserhalb erhalten konnten. Da waren einerseits die Pädagogischen Hochschulen, die gerne Hand boten, aber auch verschiedene Stiftungen, die solche Unterrichtsaktivitäten unterstützen. Beispielsweise konnte günstig zusätzliche Hardware gemietet werden. Auch eine kostenlose Exkursion ins Verkehrshaus zur i-factory war möglich.

In Bronschhofen hat es Tradition, dass Projektwochen auch eine wichtige soziale Komponente haben. Schülerinnen und Schüler sollen sich untereinander besser kennenlernen, das Erleben und das handelnde Lernen sind zentral. Es zeigte sich, dass sich das gewählte Sonderwochenthema ausgezeichnet dafür eignete. Ausprobieren, experimentieren, das Arbeiten in Gruppen, das Erleben, dass genaues Arbeiten manchmal unabdingbar ist – die Schülerinnen und Schüler waren an allen Tagen mit innerem Feuer dabei. Sie lernten extrem schnell, die Stimmung in der Schule war ausgezeichnet. Besonders erfreulich war, dass auch Kinder, die ansonsten eher durch anspruchsvolles Verhalten auffallen, sich für die Thematik interessierten und intrinsisch motiviert mitarbeiteten. Die Unterrichtszeiten wurden freiwillig überzogen.

Angereichert wurde die Woche durch musische und kreative, thematisch abgestimmte Inhalte. Ein eigens getexteter Sonderwochensong wurde jeweils gemeinsam zum Tageseinstieg gesungen. Es gab Workshops zum Basteln und Gestalten von Mal- sowie Putzrobotern. Auch allerhand technische Experimente wurden durchgeführt.

Am Schluss der Woche konnte ohne viel Aufwand eine Werkschau für die Eltern und andere Interessierte organisiert werden. Die Kinder zeigten stolz das Erlernte und verblüfften ihre Angehörigen mit den neu erworbenen Kompetenzen.

Das selbstentdeckende Lernen im Bereich der Informatik ermöglichte auf spielerische Weise den Zugang zur digitalen Welt. Dies zog Mädchen und Jungs, Kindergärtler und 6. Klässler, Lehrerinnen und Lehrer gleichermassen in ihren Bann.

Hanspeter Helbling, Schulleiter Schule Bronschhofen

Die Schäli-Elf – Teil 1/4

Rektor Beat Schäli aus Walchwil ZG zeigt überraschende Parallelen in der Berufsausübung von Fussballtrainern und Schulleitern. Im Blog Schulführung gibt er während der Fussball-WM in einer vierteiligen Serie Einblick in seine Führungsphilosophie.

„You‘ll never walk alone“! Als Trainer und Schulleiter klingt dieser sagenumwobene Fangesang zwar auch wohlklingend in den Ohren, aber in dieser Führungsposition steht man oft alleine in der Coachingzone. Umso wichtiger ist es, dass man sich seines Tuns jederzeit klar bewusst ist. Und dieses Tun soll erfolgreich sein!

Auf den ersten Blick scheint ein Vergleich zwischen Führungspersonen in einem Sportverein oder einem nach unternehmerischen Grundsätzen geführten Grossklub mit der Schule absurd. Schulen gelten eher als träge staatliche Institutionen die es tunlichst vermeiden, durch schnelles Auswechseln der Führungspersonen in den Schlagzeilen zu landen. Menschen, kulturelle Verschiedenheiten und unterschiedliche Philosophien prägen an beiden Orten den Alltag und es ist mittlerweile unbestritten, dass sowohl Trainer als auch Schulleiter grossen Anteil am sportlichen Erfolg bzw. Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler haben.

Pep Guardiola, Ottmar Hitzfeld, Jürgen Klopp und Jogi Löw sind Meister ihres Faches. Sie sind Weltmeister im Erkennen von kleinsten Anzeichen von Unzufriedenheit, Rissen, Unstimmigkeiten im Team. Was können wir als Schulleiter von diesen Menschen, welche täglich im Rampenlicht stehen, lernen?

Auf ihren Aussagen und Gemeinsamkeiten gründend, entstand meine Führungsphilosophie aus elf Kriterien – die Schäli-Elf. Elf, die Zahl einer Fussballmannschaft. Im ersten Teil präsentiere ich Ihnen die Aufstellung im Tor.

Tor: Fehlerkultur

„Wie viele Fehlentscheidungen sind eigentlich erlaubt? Weil, wenn’s 15 sind, hast du noch eine frei.“

Jürgen Klopp zum Schiedsrichterassistenten

Wenn der Torwart einen Fehler macht, dann zeigt sich das meistens auf der Anzeigetafel. Er ist sozusagen das Letzte Glied in der Fehlerkette. Deswegen steht die Fehlerkultur bei der Schäli-Elf im Tor. Eine Schule ohne Fehler gibt es nicht. Erinnern wir uns an die eigene Schulzeit zurück. Wie oft hebt man den Arm in letzter Sekunde nicht, da die bevorstehende Antwort einem doch nicht ganz sicher erscheint? Deshalb gilt es eine Fehlerkultur zu entwickeln im Bewusstsein, dass Fehler passieren dürfen. Das zeigt sich auch in der Aussage von Jogi Löw: „Natürlich gibt es im Fussball manches Mal Einflüsse, dass sich diese Entscheidung am Ende doch als falsch herausstellt. Damit muss ein Trainer leben. Aber es ist wichtig, dass er sich in dem Moment, in dem er die Entscheidung trifft, alle Möglichkeiten überlegt hat und sich seiner Sache sicher ist.“

Beat Schäli, Rektor Schule Walchwil ZG

Die Schäli-Elf

Von der analogen zur digitalen Kommunikation

Marc Neuenschwander ist Schulleiter der Schulen Arth-Goldau, die sich seit 2009 in Kooperation mit der PH Schwyz als Projektschule im Bereich digitale Medien profiliert. In seiner MAS-Abschlussarbeit entwickelte er Handlungsempfehlungen für Schulleitende im Umgang mit digitalen Kommunikationsmedien, welche das Wohlbefinden im Umgang mit digitalen Kommunikationsmedien positiv beeinflussen können.

In den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren durchlief die Kommunikation innerhalb des Schulbetriebes einen enormen Wandel. Von der einst analogen Kommunikation (Schriftwechsel, Meldezettel, schwarze Bretter im Lehrerzimmer und Informationssitzungen) hat sich die Informationsweitergabe an Schulen vorwiegend auf digitale Medien und mit der Verbreitung von Smartphones auch in die Hosentasche verlagert.

 Schulleitende sind die Schlüsselpersonen, wenn es um die zu verwendenden Kommunikationskanäle an ihrer Schule geht. Sie bestimmen, wie oft, in welcher Form und auf welchen Kanälen informiert wird. Die Untersuchungen im Rahmen der Masterarbeit haben ergeben, dass sich Schulleitende bei der Bearbeitung der eigenen Kommunikationskanäle selber enorm unter Druck setzen, was oftmals zu Stress oder Unbehagen führt. Eine Auswahl der empfohlenen Handlungsweisen wird im Folgenden in Kurzform beschrieben:

 Flow im Arbeitsprozess

 Der optimale Zustand für das Schaffen, zu dem ein Mensch fähig ist, wird als Flow bezeichnet. Um diesen Flow zu erreichen, ist es erforderlich, dass man sich einer Aufgabe konsektuiv widmet, also ohne Unterbrechung, da man sich ansonsten jeglicher Chance beraubt, in den Zustand dieser Tiefenkonzentration zu gelangen. Um überhaupt eine Art von Flowgefühl zu erlangen, ist die Konzentration von mindestens 15 Minuten auf eine Aufgabe zwingend. Werden wir während unserer Arbeit gestört oder unterbrochen, benötigen wir wiederum erst 15 Minuten, bis wir wieder einen ähnlich produktiven Zustand erleben, wie vor der Unterbrechung. Deshalb empfiehlt es sich, während der Arbeit alle gängigen Signaltöne am Smartphone oder am PC auf stumm zu schalten, um mögliche Störquellen zu minimieren. Die Arbeitszufriedenheit steigt merklich, je länger man sich während eines Arbeitstages ungestört einer Tätigkeit widmen kann.

Arbeitszeiten von Lehrpersonen

 Viele Lehrpersonen leisten einen grossen Teil ihrer Arbeit auch an den Abenden oder an den Wochenenden. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass E-Mails die Schulleitenden auch rund um die Uhr und ausserhalb der normalen Bürozeiten erreichen. Die Beantwortung dieser E-Mails muss durch die schulleitende Person nicht sofort bei Erhalt erfolgen, sondern kann auch am nächsten Arbeitstag in Angriff genommen werden. Nur weil man die Möglichkeit hat, den E-Mailposteingang rund um die Uhr auf dem Smartphone abzurufen, bedeutet dies nicht, dass man die erhaltenen E-Mails deswegen lesen oder gar unverzüglich bearbeiten muss. Die wenigsten E-Mailinhalte sind dermassen wichtig, als dass sie nicht am folgenden Arbeitstag beantwortet werden könnten. In dringenden Notfällen wird mit Sicherheit nicht auf das Schreiben einer E-Mail, sondern auf das Telefon zurückgegriffen.

Bewirtschaftung von E-Mails

 Schulleitende setzen sich oft selber unter Druck, die erhaltenen E-Mails möglichst zeitnah zu beantworten. Der Vorteil bei der E-Mailkommunikation liegt genau darin, dass das Zeitfenster für die Bearbeitung in den meisten Fällen selbst gewählt werden kann. Die rollende Abarbeitung der eingehenden E-Mails und der damit verbundene Wunsch, das E-Mailpostfach möglichst leer zu kriegen, sind hierbei nicht förderlich für das Wohlbefinden. Das E-Mailposteingangsfach muss am Ende des Arbeitstages nicht leer sein. Die wenigsten E-Mails sind so wichtig, als dass sie innerhalb von 10 Minuten beantwortet werden müssten. Es empfiehlt sich zudem, die erhaltenen E-Mails nach ihrer Wichtigkeit und Dringlichkeit zu ordnen und diese dann entsprechend abzuarbeiten.

Umgang mit problembeladenen E-Mailinhalten

 Bei der schriftlichen Kommunikation mit E-Mail besteht die Gefahr, dass Inhalte aufgrund fehlender Mimik, Gestik und Betonung falsch verstanden werden können und auch zwischen den Zeilen gelesen wird. Aufgrund von Missverständnissen können so Probleme entstehen, welche im direkten Gespräch hätten vermieden werden können. In komplexen Problemlösesituationen soll in jedem Fall das direkte Gespräch der schriftlichen Kommunikation vorgezogen werden. Anstatt ankommende Mails mit komplexen Fragestellungen sofort zu beantworten, wird der Erhalt dieser kurz bestätigt mit dem Hinweis, dass eine Antwort zu gegebenem Zeitpunkt erfolgen wird. Dies reduziert den Druck, auf alle Anfragen unverzüglich eine Antwort bereit zu haben.

Bündeln von Informationen

 Informationen an das ganze Lehrerteam sollten durchdacht sein und der Versand nach Möglichkeit in regelmässigen Abständen erfolgen. Statt jede wichtige Information unverzüglich in einem eigenen Mail an die ganze Lehrerschaft zu versenden, bewährt es sich, die Mitteilungen zu sammeln und diese in regelmässigen Abständen als Infomails, Teaminfo oder Wochenmail zu versenden. Mit dieser Massnahme kann die Datenflut und vor allem die Anzahl E-Mails enorm reduziert werden, zudem befinden sich alle Mitarbeitenden gleichzeitig auf dem neuesten Informationsstand. Die Infomails werden umso mehr gelesen, wenn sie nicht nur informieren, sondern auch persönliche Ansichten (Lob, Freude, Rückmeldungen zu aktuellen Projekten) enthalten.

Quasi als Extrakt der Forschung auf dem Gebiet der digitalen Kommunikation konnten aufgrund der Erkenntnisse viele weitere Handlungsempfehlungen für Schulleitende abgeleitet werden. Diese Tipps von der Praxis für die Praxis sind im Kapitel 7.2 in der Abschlussarbeit „Von der analogen zur digitalen Kommunikation“ niedergeschrieben und stehen allen interessierten Personen zum Lesen zur Verfügung.

Masterarbeit Schulinformationssystem

Marc Neuenschwander, Schulleiter Schulkreis Arth SZ

Nehmen Sie an unserer Kurzumfrage teil! Hier Klicken!