Hell, neutral und warm – so sollten Räume für das Freispiel gestaltet sein

Der Raum ist ein wichtiger Faktor für ein langes und intensives freies Spielen, stellt Barbara Schwarz de Groot, Schulleiterin, in ihrer Forschungsarbeit zum Thema Spiel fest und gibt in dieser fünfteiligen Serie Einblick in Ihre Ergebnisse.

Hier gehts zu den ersten drei Beiträgen.

Voraussetzung für ein qualitativ hochstehendes Freispiel sind geeignete Räumlichkeiten, das heisst ein Haupt- sowie ein Nebenraum, in welchen es den einzelnen Kindern aber auch der Lehrperson wohl ist.

Es sollten Räume sein, welche zusammenhängend und überblickbar sind und ohne Aufwand in unterschiedliche Bereiche eingeteilt werden können. Gute Lichtbedingungen, Beschattung und auch eine gute Schalldämmung muss gewährleistet sein. Hell, neutral und warm – so sollten Räume für das Freispiel gestaltet sein weiterlesen

5 Fragen an Regula Moser, Schulleiterin Primarschule Ossingen

In der Rubrik «5 Fragen an…» interviewt Schulleiterin Simone Kramer ihre Nachfolgerin Regula Moser und gibt so den Staffetten-Stab weiter:

Regula, was bedeutet für dich Schulführung?

«Schule ist ein Stück Leben, das es zu gestalten gilt». Das stand im alten Lehrplan, gilt für mich aber auch im Lehrplan 21. Als Schulleiterin kann ich einiges beeinflussen, weil ich viele Wege plane.

Du warst 16 Jahre Schulleiterin in Seuzach. Wo und wie hat sich die Rolle der Schulleitung in dieser Zeit entwickelt?

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Kinder brauchen mehr Freiraum

Im Kindergarten und in der Primarschule braucht die Kinder mehr Zeit, um sich beim Lernen selber organisieren zu können. Wie ihnen die Lehrpersonen dabei beobachtend, beratend und unterstützend zur Seite stehen, erläutert Schulleiterin Barbara Schwarz de Groot in dieser 5-teiligen Serie zum Thema Freispiel.

Sie haben Folge 1 und 2 verpasst? Hier gehts zu diesen spannenden Berichten.

Beispiele aus dem Kindergarten:

Kinder brauchen mehr Freiraum weiterlesen

Spiel 2/5

Schulleiterin Barbara Schwarz de Groot schreibt in dieser 5-teiligen Serie zum Thema Freispiel und gibt so Einblick in ihre spannende Forschungsarbeit.

Kindergarten A

Der Besucher betritt den KG, es läuft leise Musik und 22 Kinder malen an individuellen, ihren feinmotorischen Fähigkeiten entsprechenden Mandalas. Eine Ampel steht auf orange, das heisst die Kinder dürfen sich leise unterhalten. Die Kindergartenlehrperson schreitet zwischen den Tischen durch ohne einen Kommentar abzugeben.

Kindergarten B

Der Besucher betritt den KG, ein mächtiger Geräuschpegel von 22 Kindern kommt ihm entgegen. Spiel 2/5 weiterlesen

Spiel 1/5

In dieser 5-teiligen Serie gibt Schulleiterin Barbara Schwarz de Groot jeweils am Freitag Einblick in Ihre Forschung zum Thema Freispiel und welchen Beitrag die Schulleitung zur Unterrichtsqualität beitragen kann.

Am 20. August kommen sie wieder, die knapp vier jährigen verspielten Mädchen und Knaben mit den orange farbigen TCS Streifen und den neuen Kindergartentäschli, keck erwartungsvoll oder scheu an der Hand der Mutter. Für die ganze Familie ist die Einschulung, also der 1. Kindergartentag ein einschneidendes Erlebnis.

Margrit Stamm, Professorin, Pädagogische Psychologie und Erziehungswissenschaft sagt: Spiel 1/5 weiterlesen

Pausenzeit?

«Also Dienstag, definitiv?» vergewissert sich eine Schulleiterin.» Uff, nicht ganz einfach, einen passenden Termin zu finden», stellt eine Leiterin Betreuung nüchtern fest. «Umso mehr freue ich mich auf den gemeinsamen Besuch der Tagesschule mit euch», rundet ein Schulleiter das Gespräch ab.

«Ich sehe immer wieder diese kleine Landschule in Estland vor mir. Wie die einfach Pausenplatzspiele im langen Gang aufgezeichnet haben, das ginge an meiner Schule nicht.» – «Ach komm, mach doch einfach mal und schau mal, was passiert … «

«Was gestern Prof. Dr. Martin Bonsen in seinem Referat gesagt hat, hat mich total bestärkt, die Strukturen an unserer Schule zu verändern. Ich hätte noch länger ihm zuhören können…»

Pausenzeiten? – Irgendwie weiss man’s – und doch – immer wieder zeigt sich das Phänomen aufs Neue: Interessante Leute, spannende Themen und die Pausen sind zu kurz!

Das war auch anfangs Juni zu beobachten: Teilnehmende des CAS «Pädagogische Schulführung» (PSF) fanden sich zum letzten Modultag im Tagungszentrum auf der Au ein. Das garstige Wetter zwang die Leute, die Pause in der grossen Eingangshalle an den Stehtischen zu verbringen, doch die intensiven Gespräche untereinander und das grosszügige Znünibuffet entschädigte sie vollauf.

Miteinander unterwegs sein, Gewissheit erlangen, einfach tun oder noch mehr davon – kennen Sie das auch? Eine hohe Zufriedenheit und ein wenig Wehmut!

Im Herbst startet der 4. Durchgang des CAS «Pädagogische Schulführung». Kommen Sie doch mit auf diese «pädagogische Bildungsreise»! Mit viel Inhalt und kurzen, intensiven Pausen.

Hansjörg Hophan, Dozent, PH Zürich

Rezension: Fokus Personalentwicklung

Das Buch ‘Fokus Personalentwicklung – Konzepte und ihre Anwendung im Bildungsbereich’ von Christine Böckelmann und Karl Mäder ist nachdem es lange vergriffen war, endlich in zweiter vollständig überarbeiteter und erweiterter Auflage wieder erhältlich. Die «gute Schule» braucht «gute Personen» und so ist die Personalentwicklung für Führungspersonen an Bildungsorganisationen eine der wichtigsten und vornehmsten Aufgaben: Dies gilt sowieso für Schulleitungen, aber auch für Schulpräsidien, Leitungen Betreuung und Schulverwaltungsleitungen. Personalentwicklung ist Chefsache oder, wie das erste Modul in unserem CAS Personalentwicklung heisst: «Personalentwicklung ist nicht delegierbar».

Das Buch ‘Fokus Personalentwicklung’ gibt einen guten Überblick über die unterschiedlichen Themengebiete der Personalentwicklung. Das Buch kann für das Selbststudium verwendet werden. Dann ist es aber eine eher trockene Materie. Mir scheint es hilfreicher und sinnvoller das Buch immer wieder bei spezifischen Situationen im Führungsalltag in die Hand zu nehmen und einzelne aktuelle Themen nachzulesen. So findet man im Buch auf wenigen Seiten die wichtigsten Informationen und kann diese gleich mit der Praxis und dem Leitungsalltag verbinden. Nehmen wir zum Beispiel das Thema ‘Gesund bleiben im Lehrberuf’. Die Studie des Schweizerischen Schulleitungsverbandes (VSLCH) zu den Herausforderungen der Schulleitenden ergab, dass die Gesundheit der Lehrpersonen ein Thema ist, dass die Schulleitungen zur Zeit sehr beschäftigt. Ab ins Buch – von Seite 103-107 erhält man auf wenigen Seiten die wichtigsten theoretischen und praktischen Hinweise dazu. Und wenn es um Burn-Out geht? Seite 107-110. Und wer sich für ein anderes Thema der Personalentwicklung interessiert – das Buch gibt vielfältige Einblicke.

Diese vielfältigen Einblicke haben manchmal den Nachteil, dass die einzelnen Themen nur sehr knapp abgehandelt werden können. So findet man beispielsweise zum Thema ‘Multiprofessionelle Teams’ (Seite 68-70) nur grundlegende Informationen. Wer sich mit dem Thema vertiefend auseinandersetzen will, braucht dann eine spezifischere Literatur. Das ist die Krux jedes Buches, dass einen Überblick über ein grosses Themagebiet gibt: Wie gelingt es das ganze Thema umfassend auf eine übersichtliche Anzahl Seiten so darzustellen, dass die einzelnen Themen trotzdem möglichst vielfältig besprochen werden. Nach meinem Empfinden ist dies Christine Böckelmann und Karl Mäder gut gelungen.

Das Buch gehört für mich in jede Bibliothek einer Führungsperson in Bildungsorganisationen, so dass immer wieder darin nachgeschlagen werden kann. Und so verbindet sich die Praxis mit der Theorie und der «guten Schule» steht nichts mehr im Wege.

Niels Anderegg, Bereichsleiter Management und Leadership, PH Zürich

Die Schäli-Elf – Teil 4/4

Zum Abschluss der vierteiligen Serie zur Fussball-WM folgen hier die beiden Sturmspitzen aus der Führungsphilosophie von Beat Schäli, Rektor der Schule Walchwil.

In den bisherigen Teilen wurden die Fehlerkultur im Tor und die Verteidigungspositionen «Vorbild – Ziele – Expertenrat – Regeln» sowie das Mittelfeld «Enthusiasmus – Mensch – Teamgeist – Timing» vorgestellt.

Sie haben einen Teil verpasst? Lesen Sie gleich hier nach und erfahren Sie mehr über die Parallelen von Fussballtrainern und Schulleitern. Die Schäli-Elf – Teil 1/4, 2/4 und 3/4

Sturm: Ressourcen – Glück

„Ich glaube nicht an Glück, aber ich glaube daran, dass man es braucht.“

Alan Ball

Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein und das entscheidende Tor erzielen. Dafür gilt es die Ressourcen gut einzuteilen und auszuschöpfen, so dass schlussendlich, eventuell mit einem Quäntchen Glück, der Torerfolg herausschaut.

 Ressourcen: Jeder Mensch hat eine andere Belastbarkeit. Es ist hilfreich, wenn man jederzeit auch die Grenze der Machbarkeit erkennt. Alarmsignale gibt es viele, doch werden diese gerne übersehen. Einmal ist da die emotionale Erschöpfung: Das Gefühl, emotional ausgelaugt, verbraucht und am Ende seiner Kräfte zu sein. Dann gibt es den inneren Widerwillen gegen Menschen. Es zeigt sich wenn ein Gefühl der Verhärtung und Abstumpfung gegenüber Menschen, die einem am Arbeitsplatz begegnen, entsteht. Die Einstellung gegenüber anderen Menschen wird unpersönlich, herzlos und zynisch. Letzten Endes folgt die reduzierte Leistungsfähigkeit.

Wenn ich am Abend über einen längeren Zeitraum nicht mehr von der Arbeit abschalten kann, dann weiss ich, dass mein Akku unbedingt wieder geladen werden muss. Ähnlich wie bei Joachim Löw helfen mir dieselben Beschäftigungen, um wieder zu Kräften zu kommen. Bücher und Bewegung sind meine Ladekabel. Für diese Auszeiten lohnt es sich gezielt Termine freizuhalten.

Mir gefällt auch die Eigenart von Ottmar Hitzfeld. Es gibt Orte die Hitzfeld immer wieder kurz aufsucht, wie zum Beispiel ein Restaurant an der österreichisch-schweizerischen Grenze. Das sind kleine Nischen, wohltuende Oasen, und der Besuch gleicht einem Ritual.

 Glück: Der letzte und elfte Begriff der Schäli-Elf hatte es nicht immer einfach. Glück ist doch keine Strategie bzw. ein Mechanismus, hiess es immer wieder von Leuten, welche sich mit dieser Führungsphilosophie auseinandersetzten. Am ehesten noch eine Haltung, das heisst wenn ich auf das Glück vertraue.

Bei Guardiola gehört das Glück sogar zu den vier wichtigsten Faktoren des Fussballs – Ball, Raum, Zeit und Glück.

Deutschland wäre 2014 ohne Glück nicht Weltmeister geworden. Als bestes Beispiel dient hier das Achtelfinalspiel gegen Algerien. Erst im Schlussspurt und nach Verlängerung besiegte Deutschland den krassen Aussenseiter aus Nordafrika. Im Spielbericht hiess es später: „Doch das erlösende 1:0 sollte dafür kurz nach dem Beginn der Verlängerung fallen: Müller setzte sich auf der linken Seite durch und flankte nach innen, wo Schürrle den Ball – halb gewollt, halb mit etwas Glück – mit dem Absatz in die Maschen beförderte.“

Manchmal muss man einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Oder eine glückliche Fügung sorgt dafür, dass alles gar nicht so schlimm wie befürchtet kommt.

Ich bin fest davon überzeugt, dass man im Leben immer auch ein Quäntchen Glück benötigt. Aber man muss auch bereit sein dafür. Wie sagt es das Sprichwort von Charles des Montesquieu doch so treffend:

„Es gibt niemanden, den das Glück nicht einmal in seinem Leben besucht. Aber wenn es ihn nicht zu seinem Empfang bereitfindet, kommt es zur Türe herein und geht zum Fenster hinaus.“

Trotz der intensiven Auseinandersetzung mit verschiedenen Strategien, Mechanismen und Haltungen für Führungserfolg werde ich zukünftig weiterhin Fehler machen, Menschen enttäuschen und ins Grübeln kommen. Doch dank dieser Auseinandersetzung habe ich für mich eine Führungsphilosophie entwickelt, welche mich bei einer „Blutgrätsche“ nicht aus den Bahnen haut oder nach einem Fehlentscheid im Stadiongras versinken lässt.

Diese elf Mosaiksteine meiner Führungsphilosophie werden mich zur regelmässigen Reflexion anregen und wahrscheinlich wird die Schäli-Elf nicht bis zum „Abpfiff“ so durchspielen. Ein Spieler bzw. ein Begriff wird an Durchschlagskraft verlieren und ausgewechselt werden. Das schafft dann wiederum Platz für etwas Neues, Frisches. Sie erhebt somit nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ist meine Momentaufnahme. Und falls sie auch eine Aufstellung für andere Interessierte wird, umso schöner.

Beat Schäli, Rektor Schule Walchwil ZG

Wie sind Sie gut aufgestellt? Welche Positionen der Schäli-Elf treffen auch auf Ihre Führungsphilosophie zu? Wählen Sie hier aus!

Und hier gehts zur kompletten Forschungsarbeit: Die Schäli-Elf

Die Kunst der Fehlermeldung: eine vernachlässigte Textsorte

Das Verfassen von aussagekräftigen und nachvollziehbaren Fehlermeldungen ist eine Kunst. Wer im ICT-Support arbeitet, kann ein Lied davon singen. Selbst Lehrpersonen bekunden grosse Mühe damit, sich in den Leser (hier den ICT-Support) zu versetzen und eine Situation so zu beschreiben, dass der Fehler identifiziert und das Problem behoben werden kann.

Fehlermeldungen gehören einer Textsorte an, die irgendwo zwischen Bildbeschreibung und Erfahrungsbericht zu verorten ist. Gut formulierte Fehlermeldungen ersparen Rückfragen und ermöglichen einen effizienten Unterhat der ICT-Infrastruktur, was nicht zuletzt Neven und Kosten spart.

Der Spannungsbogen einer Fehlermeldung beginnt mit der Beschreibung des Settings: An welchem Gerät, Computer bzw. Tablet ist ein Fehler aufgetreten? Mit welchem Betriebssystem und welcher Anwendungssoftware ist dieses Gerät ausgestattet? Wo ist das Gerät mit allen dazugehörigen Kabeln und Zusatzgeräten zu finden?
Anschliessend folgt die Klärung der Hoffnungen und Wünsche: Was wurde konkret erwartet?
Der Höhepunkt jeder Fehlermeldung besteht in der unerwarteten Wende: Inwiefern wurde die Erwartung enttäuscht? Was genau funktionierte nicht? Wie wurde festgestellt, dass etwas nicht funktioniert – und nicht einfach die Erwartungen unrealistisch waren? Welche Fehlermeldung ist erschienen? Und hier kommen die Lesekompetenzen ins Spiel: Ja, die ganze Fehlermeldung muss gelesen werden. Nein, es reicht nicht, einfach nur den Knopf «OK» zu drücken.
Und zum Ausklang der Fehlermeldung: Was wurde bis jetzt unternommen? Konnte der Fehler reproduziert werden an einem anderen Gerät oder mit einem anderen Login?

Eigentlich müsste das Verfassen von treffenden Fehlermeldungen an den ICT-Support geschult werden und zwar gleichermassen für Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler. Mehrere Kompetenzen werden beim Verfassen von Fehlermeldungen trainiert:

– Sich in die Rolle des Lesers oder der Leserin versetzen.

– Genau beobachten und in eigenen Worten beschreiben.

– Problemlösestrategien anwenden und allenfalls weiterentwickeln.

– Lesekompetenzen vertiefen.

Gutgemeinte Anleitungen und Vorlagen in Tabellenform, die das Verfassen von Fehlermeldungen erleichtern sollen, finden ihren Weg erstaunlich schnell ins Altpapier-Körbchen. Wenn die Einsicht fehlt, dass technische Probleme nicht behoben werden können, wenn der ICT-Support das Problem nicht nachvollziehen und reproduzieren kann, hilft alles nichts.

Das einzige, was immer wirkt: den Spiess umdrehen. Im vollbesetzten Lehrerzimmer laut und anklagend ausrufen: «Die Kaffeemaschine funktioniert nicht.» Und zwar so lange und penetrant, bis entnervte Gegenfragen kommen: «Was hast du denn gemacht?», «Bei welcher Maschine hast du es probiert?», «Ist die Maschine eingeschaltet?», «Hast du eine Kaffeekapsel eingelegt?», «Ist Wasser im Behälter?» Spätestens jetzt wird hoffentlich der Sinn gut formulierter Fehlermeldungen klar.

Dr. Bettina Waldvogel (Dipl. Informatik-Ing. ETH) arbeitet als PH-Dozentin, Lehrerin und im IT-Support einer Primarschule

Die Schäli-Elf – Teil 3/4

In unserer vierteiligen Serie zur Fussball-WM gibt Beat Schäli, Rektor der Schule Walchwil Einblick in seine Führungsphilosophie. In den ersten beiden Teilen wurde die Fehlerkultur im Tor und die Verteidigungspositionen «Vorbild – Ziele – Expertenrat – Regeln» vorgestellt. Hier folgen Akteure im Mittelfeld:

Sie haben einen Teil verpasst? Lesen Sie gleich hier nach und erfahren Sie mehr über die Parallelen von Fussballtrainern und Schulleitern. Die Schäli-Elf – Teil 1/4 und 2/4

Mittelfeld: Enthusiasmus – Mensch – Teamgeist – Timing

„Ich esse Fussball, ich schlafe Fussball, ich atme Fussball. Ich bin nicht verrückt, nur leidenschaftlich.“

Thierry Henry

Man kann sowohl Einfluss in die Offensive, wie auch in die Defensive ausüben. Enthusiasmus, Mensch, Teamgeist und Timing bilden in der Schäli-Elf diese Schaltzentrale.

 Enthusiasmus: Es sind doch genau die Dinge, welche ich mit Begeisterung ausübe, welche schlussendlich zu Fortschritten führen. Schon von Kindesbeinen an begegnet man dieser untrüglichen Regel. Sei es beim Erlernen einer Sportart oder der ersten Fremdsprache in der Schule.

Und deswegen ist es eminent wichtig, dass die Führungsperson mit diesem Feuer in sich voranschreitet und andere mitziehen und motivieren kann. Klopp und Guardiola leben von diesen Emotionen, wo sie bei Löw und vor allem Hitzfeld eher versteckt zur Geltung kommen. Wenn man Jürgen Klopp während eines Spiels an der Aussenlinie beobachtet, sein Haareraufen bei einer missglückten Aktion, die gelösten Luftsprünge bei einem Tor, merkt man, dass das System von Klopp Hand in Hand mit Enthusiasmus geht.

Ich muss vom Sinn meiner Arbeit überzeugt sein, sonst kann ich nicht motivieren. Wenn ich das nicht mehr kann, muss ich einen Ort, eine Beschäftigung finden, wo ich das wieder kann. Oder in den Worten von Guardiola: „Wenn ich sehe, dass die Augen meiner Spieler nicht mehr glänzen, ist es Zeit für mich, zu gehen.“

 Mensch: Er steht im Mittelpunkt. Immer und überall. Führungskräfte benötigen Menschen. Denn erfolgreiche Chefs verbindet sicher eines: Es gab Menschen, die ihnen folgten. Es gab Menschen, die hinter ihnen standen und somit „Ja“ zu ihnen sagten und sich eine Verbesserung ihrer Leistungen und somit ihrer Lebensqualität versprachen. Deshalb anerkannte man sie als Führungskräfte.

Was mir an der Pädagogik gefällt, ist, dass man es immer mit Menschen zu tun hat. Sei es mit den Kindern, den Lehrpersonen, den Eltern oder auch mit beratenden und bestimmenden Gremien. Was alle vier Trainer erwähnen ist die Zeit. Die Zeit für Herzlichkeit und echtes Interesse. Kontakt, Herzlichkeit und Wärme sind im Umgang mit Menschen unverzichtbar.

Die Aufgabe der Führung ist es Menschen zu befähigen, gemeinsam Leistungen zu erbringen, ihre Stärken wirkungsvoll und ihre Schwächen unwesentlich zu machen. Jeder Mensch hat seine einzigartigen Eigenschaften, die ihn von anderen unterscheiden. Als Schulleiter kann ich, wenn ich mir den jeweiligen Stärken der einzelnen Lehrpersonen bewusst bin, ungeahnte Leistungen freisetzen.

Gerade in der Führung ist es wichtig, dass man sich der menschlichen Wechselwirkung bewusst ist. Guardiola betont, dass wir in unserem Job, und das gilt sowohl für die Trainergilde, als auch für Schulleitungen, einerseits über den Spielern bzw. Lehrpersonen stehen, andererseits auch unter ihnen, weil wir von ihnen abhängig sind.

 Teamgeist: Im Zentrum jedes Trainers bzw. Schulleiters Tätigkeit steht das Team. Die Zusammensetzung der Mannschaft bzw. des Lehrer/innenteams, ihre Leistungsbereitschaft und die Stimmung sind die entscheidenden Faktoren, welche über Niederlage oder hoffentlich eben Sieg bzw. Schulqualität entscheiden.  Wer als Trainer oder Schulleiter sein Team nicht hinter sich hat, ist verloren.

Guardiola, Hitzfeld, Klopp und Löw verbindet, dass es ihnen immer wieder gelungen ist, das Team hinter sich zu bringen. Ihnen ist bewusst, dass man Grosses nur gemeinsam erreichen kann. Dieses Gefühl des gemeinsamen Erfolges ist unbezahlbar. Deswegen dürfen oder sogar besser gesagt sollen solche Momente auch gefeiert werden. In der Schule gibt es immer wieder Anlässe, welche sich dazu eignen.

Timing: Es gilt einen wohlüberlegten Start und dann auch den richtigen Abgang zu finden. Hier gibt es keine Zeitvorgaben.

Pep Guardiola war immer der Ansicht, dass alles damit beginnt, dass man nach dem Ausschau hält, was man wirklich mag. So etwas zu finden ist das Wesentliche, das allem anderen zugrunde liegt. So wurde er von Spaniens Torhüterlegende Zubizaretta  nach seiner ersten, erfolgreichen Trainersaison bei Barcelona bei einem Abendessen daran erinnert, dass sein Job mit einem Verfallsdatum versehen war.

Der Bestseller-Autor Bernhard Moestl zitiert in einem Buch einen unbekannten Verfasser: „Es ist besser, als stur kritisiert zu werden und seine Vorstellungen verwirklicht zu haben, als von anderen für Rücksicht und Einsicht gelobt zu werden, aber auf halbem Wege einen bequemen Kompromiss eingegangen zu sein.“

Beat Schäli, Rektor Schule Walchwil ZG

Im nächsten und letzten Teil werden die beiden Sturmspitzen vorgestellt. Verpassen Sie nichts und folgen Sie dem Blog Schulführung!

Und hier gehts zur kompletten Forschungsarbeit: Die Schäli-Elf