Spiel 1/5

In dieser 5-teiligen Serie gibt Schulleiterin Barbara Schwarz de Groot jeweils am Freitag Einblick in Ihre Forschung zum Thema Freispiel und welchen Beitrag die Schulleitung zur Unterrichtsqualität beitragen kann.

Am 20. August kommen sie wieder, die knapp vier jährigen verspielten Mädchen und Knaben mit den orange farbigen TCS Streifen und den neuen Kindergartentäschli, keck erwartungsvoll oder scheu an der Hand der Mutter. Für die ganze Familie ist die Einschulung, also der 1. Kindergartentag ein einschneidendes Erlebnis.

Margrit Stamm, Professorin, Pädagogische Psychologie und Erziehungswissenschaft sagt: “Der Hype um die möglichst frühe Förderung und Schulvorbereitung der Kinder – verbunden mit der Sicherheitsangst unserer Gesellschaft – hat dazu geführt, dass das Spiel sowohl im Elternhaus als auch in Kindergärten nicht mehr zu seinem Recht kommt.“

Trifft das auch auf unsere Schulen zu? Diesem Thema bin ich im CAS Führen einer Bildungsorganisation im Rahmen meiner Zertifikatsarbeit “Unterrichtssequenz Freispiel im Kindergarten. Feedback der Schulleitung als Beitrag zur Entwicklung der Unterrichtsqualität“ nachgegangen.

Leider entnehme ich aus den Rückmeldungen von Schulleitungen und auch Kindergartenlehrpersonen, dass das gemeinsame Verständnis zu dieser Unterrichtssequenz noch nicht überall vorhanden ist. Einige Kindergartenlehrpersonen stellen fest, dass die Wichtigkeit dieser Unterrichtssequenz immer noch unterschätzt wird.

Dies sieht Stamm als „Good Practice“ von spielbasierten Kindergärten

  • Gute Beziehungen
  • Freispielzeit im festen Tagesablauf
  • Genügend grosse, nicht störbare Zeitgefässe
  • Keine abrupte Spielbeendung
  • Spielen; kein Laissez-faire, nicht durchdidaktisierte, keine mediengesteuerte Unterhaltung
  • Proaktive, zurückhaltende, selektive und kontinuierlich abnehmende Spiel-und Lernbegleitung
  • Unterstützung der Entwicklung individueller kindlicher Spielfähigkeit
  • Kontinuierliche Selbstreflexion

Der Begriff Freispiel wird sehr unterschiedlich definiert. Von ganz offenen Spielformen, bei denen die Kinder sich vollständig frei einrichten und orientieren können, bis hin zu stark strukturierten Spielfeldern, bei denen sie vorbestimmte Spielabläufe nachvollziehen müssen, sind in der Praxis verschiedene Zwischenstufen anzutreffen.

In Bezug auf das kompetenzorientierte Lehren und Lernen im Lehrplan 21 und der kontinuierlichen Kompetenzentwicklung der Schüler über die Schulstufen hinweg, nimmt eine gemeinsame Grundhaltung der Schule zur Unterrichtssequenz Freispiel im Kindergarten oder freie Tätigkeit wie sie an der PHZH genannt wird, einen sehr hohen Stellenwert ein.

Das setzt eine gemeinsame Grundhaltung aller Akteure im Schulalltag voraus.

Wie sieht diese Grundhaltung an Ihrer Schule aus?

Barbara Schwarz de Groot, Schulleiterin, Kindergartenlehrperson, Geschäftsleitungsmitglied Zürcher Lehrerinnen und Lehrerverband

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