Spiel 2/5

Schulleiterin Barbara Schwarz de Groot schreibt in dieser 5-teiligen Serie zum Thema Freispiel und gibt so Einblick in ihre spannende Forschungsarbeit.

Kindergarten A

Der Besucher betritt den KG, es läuft leise Musik und 22 Kinder malen an individuellen, ihren feinmotorischen Fähigkeiten entsprechenden Mandalas. Eine Ampel steht auf orange, das heisst die Kinder dürfen sich leise unterhalten. Die Kindergartenlehrperson schreitet zwischen den Tischen durch ohne einen Kommentar abzugeben.

Kindergarten B

Der Besucher betritt den KG, ein mächtiger Geräuschpegel von 22 Kindern kommt ihm entgegen. Gerade poltert ein Turm aus grossen Bauklötzen zusammen, die komplizierte Brücke daneben aus Kapplas ist stehengeblieben. Ein Hund (Kind mit Hundemaske) schnüffelt dem Besucher am Bein, er ist an einer Leine mit seiner Meisterin unterwegs zur Hundeschule welche im Kreis aufgestellt ist, aus Klötzen und Töggeln. Der Marroniverkäufer bietet lauthals seine heissen Marronis an und zwei Mädchen stehen daneben und singen das Marronilied. 4 Kinder sitzen an einem Tisch und spielen das Mäusespiel mit einem Becher. Zwei Knaben stehen mit der Malschürze an der Malwand, ein Knabe malt einen Vulkanausbruch welchen er auch kommentiert und sein Freund versucht das gleiche Bild zu malen. An einem mit Plastik bedeckten Tisch sitzen 4 lachende Kinder und kleben eifrig WC-Röhren und weiteres wertloses Material aneinander. Ein Knabe und ein Mädchen sitzen an einem Tisch und machen „Rush Hour“ – ein kniffliges Denkspiel. Der Besucher sucht die Kindergärtnerin, sie sitzt an einem Tisch neben dem Marronistand und faltet mit zwei Kindern Tüten für den Marroniverkäufer.

Eine gemeinsame Grundhaltung an Ihrer Schule zum Thema Freispiel im Kindergarten ist Ihnen wichtig? Dann können Ihnen die obigen Beispiele als Diskussionsgrundlage dienen.

  • Werden die Kinder individuell und differenziert gefördert?
  • Interaktionen zwischen Kindergartenlehrperson und Kindern?
  • Interaktionen zwischen den Kindern?
  • Organisatorischer Aufwand?
  • Nachhaltiger Lernerfolg?
  • Vor und Nachteile der im Beispiel genannten Unterrichtssequenzen?

Lust auf noch mehr? Dann machen sie doch gleich einen Besuch in einem Kindergarten in der Unterrichtssequenz Freispiel.

Beitrag von Barbara Schwarz de Groot, Schulleiterin, Kindergartenlehrperson, Geschäftsleitungsmitglied Zürcher Lehrerinnen und Lehrerverband

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