Wie können Schulen Kinder und Jugendliche auf eine zunehmend digitale, komplexe und unsichere Welt vorbereiten? Im Projekt ComeThinkAgain hat die PH Zürich erste Weiterbildungsmodule zu Computational Thinking, Entrepreneurship Education und Green Skills mit Lehrpersonen und Berufsbildner:innen erprobt. Die Erfahrungen zeigen: Future Skills entstehen dort, wo digitales Problemlösen, nachhaltiges Denken und kreative Ideenentwicklung zusammenkommen. Ein Beitrag von Bernadette Spieler, Melanie Kieber und Henry Chen.
Welche Kompetenzen brauchen Schüler:innen, um die Zukunft nicht nur zu verstehen, sondern aktiv mitzugestalten? Diese Frage beschäftigt vor allem dann, wenn fächerübergreifende Unterrichtsvorhaben geplant werden. Im Erasmus+ Projekt ComeThinkAgain werden dazu Weiterbildungsmodule entwickelt, die drei Kompetenzbereiche verbinden: Computational Thinking, Entrepreneurship Education und Green Skills.
Probleme strukturiert denken
Computational Thinking verbindet vor allem Kompetenzen, welche Denkweisen aus der Informatik aufgreifen: Zum Beispiel komplexe Probleme zerlegen, Muster erkennen, Wesentliches abstrahieren und Schritt-für-Schritt-Lösungen entwickeln. Die Lehrpersonen arbeiten dabei mit unplugged Aktivitäten, spielbasierten Ansätzen, Making und Kombinationen mit anderen Fächern. Ein zentrales Ziel ist, dass Computational Thinking fächerübergreifend und -verbindend gedacht wird und somit als Denkwerkzeug für verschiedene Probleme fungieren kann.

Aus Ideen wird Wirkung
Entrepreneurship Education ist kein reines «wirtschaftliches Denken» im engen Sinn. Im Zentrum steht die Frage, wie aus Ideen ein Wert für andere entstehen kann. Dieser Wert kann sozial, kulturell, ökologisch oder wirtschaftlich sein und vor allem innovativ. Basierend auf dem EntreComp-Framework werden eigene Ideen entwickelt oder mit Techniken wie Design Thinking, Prototyping oder agilen Methoden gearbeitet. Dadurch wird sichtbar, wie unternehmerisches Denken Kreativität, Zusammenarbeit, kritisches Denken und Selbstwirksamkeit fördern kann.
Nachhaltigkeit verstehen und gestalten
Green Skills beschäftigen sich mit Themen wie ökologischem Fussabdruck, Agenda 2030, GreenComp oder Kreislaufwirtschaft. Wichtig ist dabei nicht nur Wissen über Nachhaltigkeit, sondern die Frage, wie Lernende Zusammenhänge analysieren, Daten und Modelle nutzen, Zukunftsbilder entwickeln und Handlungsoptionen reflektieren können. Lernende untersuchen beispielsweise den ökologischen Fussabdruck ihres Schulwegs, werten Daten aus und entwickeln daraus eigene Handlungsmöglichkeiten. So wird sichtbar, wie Green Skills fächerübergreifend im Unterricht verankert werden können, etwa in NMG (Natur, Mensch und Gesellschaft), Medien und Informatik, Geografie, Mathematik oder projektorientierten Lernformaten.
Warum gerade diese Future Skills?
Die drei Bereiche ergänzen sich: Computational Thinking hilft, das Problemlösen auf komplexe Situationen anzuwenden. Green Skills geben Orientierung für verantwortliches Handeln. Entrepreneurship Education unterstützt dabei, Ideen in konkrete Lösungen zu überführen. Für Schulen entsteht daraus ein starker Ansatz für fächerübergreifende Projekte, digitale Bildung, BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) und innovative Unterrichtsentwicklung. Für Schulleitungen bietet dieser Ansatz eine Grundlage, fächerübergreifende Projekte gezielt zu verankern und Lehrpersonen verschiedener Fachbereiche in einer gemeinsamen Unterrichtsentwicklung zusammenzubringen.
INFOBOX
ComeThinkAgain
ComeThinkAgain ist ein internationales Erasmus+ Projekt. In der Schweiz wird es durch Movetia gefördert. Ziel ist die Entwicklung und Erprobung von Weiterbildungsmodulen zu Computational Thinking, Entrepreneurship Education und Green Skills für Lehrpersonen und Ausbildner:innen.
Weiterbildungsangebote PH Zürich
Ab Herbst stehen an der PH Zürich erste Schnupperkurse zu Future Skills zur Verfügung. Im Zentrum stehen Nachhaltigkeitskompetenzen, unternehmerisches Denken, digitale Bildung und die Frage, wie diese Themen fächerübergreifend im Unterricht aufgegriffen werden können.
Modulpilotierung Herbst 2026
Gesucht werden Primarlehrpersonen, die ein kombiniertes Modul zu Computational Thinking, Green Skills und Entrepreneurship Education erproben möchten: «Future Skills, nachhaltig, digital, innovativ». Mehr Informationen finden Sie hier.
Hier geht es zur Anmeldung (kostenlos)
Kontakt: Bernadette Spieler
Wir empfehlen Ihnen einen weiteren Beitrag zum Thema Future Skills – eine Führungsaufgabe im Zyklus 1. Geschrieben von Catherine Lieger, Dozentin und Beraterin im Zentrum Schule und Entwicklung an der PH Zürich.
Zu den Autor:innen

Bernadette Spieler ist Professorin für informatische Bildung an der PH Zürich und am ZMI/BDW tätig. Mit dem Projekt ComeThinkAgain verfolgt sie das Ziel, innovative Ansätze vor allem zur Vermittlung von Computational Thinking zu erforschen und diese interdisziplinär zu verknüpfen.

Henry Chen ist Informatiker EFZ (Systemtechnik) mit Berufsmatur und schloss 2019 an der PH Zürich die Ausbildung zur Sekundarlehrperson ab. An der Berufswahlschule Uster leitet er den Bereich ICT, an der PH Zürich berät er im Zentrum Digital Learning (ZDL) zu digitalen Lehr- und Lernformen.

Melanie Kieber arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Zentrum Medienbildung & Informatik. Sie ist in der Weiterbildung, Ausbildung und Forschung im Bereich M&I tätig.
Redaktion: Melina Maerten
Beitragsbild: zVg: Lego Prototyping wird als agile Methode genutzt