Lange Links kurz gemacht

Beitrag von Caspar Noetzli

Logo Caspar's Toolbox

 In der Serie «Caspars Toolbox» stellt Caspar Noetzli einmal jährlich eine bewährte App oder ein digitales Werkzeug vor, das sich im Unterrichtsalltag sinnvoll einsetzen lässt – diesmal den URL-Shortener.

 

Mit einem sogenannten URL-Shortener – auf Deutsch etwa «Internetadressen-Verkürzer» – lassen sich lange Links zu Dokumenten und Webseiten verkürzen. Kurze Internetadressen sehen schöner aus, lassen sich schneller merken und einfacher kopieren. Das tönt erstmal banal – doch sie haben noch weitere praktische Merkmale und Anwendungsmöglichkeiten:

  • In einem Buch oder einer Broschüre können optisch ansprechende und aussagekräftige Verweise zu weiterführenden Materialien abgedruckt werden. Das Ziel dieser Links lässt sich jederzeit anpassen, so dass die gedruckten Links über Jahre richtig funktionieren und nicht veralten.
  • Im Verwaltungsbereich des URL-Shorteners sehen Sie, wie oft Ihr Link effektiv angeklickt wurde.
  • Den Kurzlink zu einer wiederkehrenden Tagung können Sie über Jahre beibehalten und einfach jeweils die aktuelle Tagungswebsite hinterlegen.

In diesem Screencast zeige ich Ihnen, wie ein URL-Shortener funktioniert und wie Sie selber Kurz-URLs erstellen und bearbeiten können. Ein Hinweis, welchen Typ von URL-Shortener Sie besser nicht benutzen sollen, rundet das Erklärvideo ab:

Links kürzen

Verschiedene Hochschulen stellen Ihren Mitarbeitenden, und teilweise auch den Studierenden, URL-Shortener zur Verfügung:

  • Angehörige der Pädagogischen Hochschule Zürich nutzen tiny.phzh.ch, um Internetadressen zu kürzen und QR-Codes zu erstellen.
  • Auch an der ETH Zürich steht ein URL-Shortener unter diesem Link zur Verfügung.
  • An der Universität Zürich findet man ihn unter tiny.uzh.ch/t.

Gibt es auch an Ihrer Hochschule einen URL-Shortener? Falls ja, fügen Sie die Adresse dazu – hoffentlich eine kurze –  bitte ins unten stehende Kommentarfeld ein. Falls nein, fragen Sie bei Ihren Informatikdiensten nach und verweisen Sie dabei vielleicht auf diesen Artikel.

Wie immer freue ich mich über Kommentare, Fragen und vor allem über eigene Erfahrungsberichte. Bitte benutzen Sie dazu die Kommentarfunktion direkt unterhalb dieses Blog-Beitrags.

INFOBOX

In der Abteilung Hochschuldidaktik und Erwachsenenbildung werden verschiedene Digital-Learning-Veranstaltungen angeboten, z.B. der Kurs E-Didaktik des ZHE, die Veranstaltungen für Berufsfachschullehrpersonen in der Rubrik Digitales Lernen oder die Veranstaltungen für Erwachsenenbildende in der Rubrik Digitalisierung.

Zudem bietet das Zentrum Hochschuldidaktik und -entwicklung der PH Zürich Webinare zum Distanzlernen an.

Zum Autor

Caspar-Noetzli-sw

Caspar Noetzli ist Dozent und Berater im Digital Learning Center der PH Zürich.

Tragen Lehrpreise zur Hochschulentwicklung bei?

Beitrag von Franziska Zellweger, Mònica Feixas, Gabriel Flepp, Simone Heller-Andrist

In den vergangenen Jahren haben viele Universitäten und Hochschulen weltweit Auszeichnungen für hervorragende Leistungen in der Hochschullehre eingeführt (Gibbs 2008; Turner & Gosling 2012), um exzellente Dozentinnen und Dozenten anzuerkennen und zu würdigen, den Wert der Lehre als akademische Tätigkeit zu fördern und wertvolle Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen – so auch die Pädagogische Hochschule Zürich.

Lehrpreise
Die akademische Tätigkeit wird an vielen Hochschulen mit Preisen gewürdigt.

Häufig werden Einzelpersonen oder Teams beispielsweise mit Barzahlungen, Plaketten oder einer Reduktion des Lehrdeputats belohnt. Die von Studierenden nominierten Dozierenden werden von einem Komitee anhand bestimmter Kriterien für herausragende Leistungen beurteilt (Beispiel: Kriterien der Hochschule Darmstadt). In Deutschland gibt es derzeit mehr als 100 Lehrpreise. Darunter ist der Ars-Legendi-Preis für herausragende Leistungen in der Hochschullehre besonders renommiert.

Was können Lehrpreise bewirken?

Es gibt nur wenige empirische Studien zur Wirkung von Lehrpreisen (Gibbs 2008). In einer Online-Befragung, an der sich hauptsächlich Partner des europäischen Projekts European Forum for Enhanced Collaboration in Teaching (EFFECT) beteiligten, gaben die Teilnehmenden (n=78) Auskunft über die Ziele und wahrgenommenen Wirkungen von Lehrpreisen (Efimenko et al. 2018):

Wichtigste Ziele von LehrpreisenNachgelagerte Ziele von Lehrpreisen
Motivation des akademischen Personals für eine qualitativ hochwertige LehreVerbesserung der Zufriedenheit von Studierenden
Förderung von Innovationen in Lehr- und LernaktivitätenDifferenzierung der akademischen Profile
Verbesserung der institutionellen Anerkennung und des Bewusstseins für die Verbesserung von Lehr- und LernprozessenFörderung kompetitiven Haltung unter den Akademikern bezüglich der Lehre
Förderung der Anerkennung der Bedeutung von Lehre im Verhältnis zu ForschungsaktivitätenEinstellung über Peer-Reviews und Anregung der Zusammenarbeit in pädagogischen Fragen
 Entwicklung neuer Programme und Kurse
Die Motivation des akademischen Personals gilt als eines der wichtigsten Ziele von Lehrpreisen.

Es scheint jedoch eine erhebliche Kluft zwischen der Bedeutung dieser Ziele und der tatsächlichen Wirkung der Lehrpreise zu geben (Efimenkto et al. 2018, 103). Besonders weit auseinander klaffen Ziel und Wirkung bezüglich der beiden Aspekte, Dozierende für qualitativ hochwertige Lehre zu motivieren sowie sie zu Innovation in der Lehre zu ermutigen. Das lässt aufhorchen.

Im Rahmen der Tagung Lehrpreise an Hochschulen an der Universität Zürich sprachen sich Expertinnen und Experten für zukunftsgerichtete Verfahren aus. Diese sollten – anstatt retrospektiv ausgerichteter Preise für die Leistung einzelner – die institutionelle Entwicklung anstossen. Diese Ansätze tragen dem breiten Konsens im hochschulpolitischen Diskurs Rechnung, dass die Qualität der Lehre durch das Zusammenspiel aller an einem bestimmten Lehrangebot beteiligten Personen gefördert werden soll. Entsprechend sollten solche Preise nicht nur auf etwas Neues, erstmals Erdachtes, fokussieren, sondern auch auf nachhaltige, kontextgerechte Ansätze.

Ambivalente Erfahrungen mit «traditionellen» Lehrpreisen

Die Pädagogische Hochschule Zürich hat in der Vergangenheit ambivalente Erfahrungen mit der traditionellen Umsetzung von Lehrpreisen gemacht. Obwohl die Preisträgerinnen und Preisträger von der Anerkennung und Sichtbarkeit des Preises profitierten und die Umsetzung des Preises zu einer breiten Diskussion über die Qualität der Lehre beigetragen hat, gab es auch Schwierigkeiten. Das Label «Best Teaching», die Unteilbarkeit und die uneingeschränkte Verwendung des Preisgeldes führten zu Akzeptanz­problemen.

Der neue «Förderpreis der Lehre» ist deshalb zukunftsgerichtet und fördert vielversprechende Ideen zum Lehren und Lernen. Er unterstützt die Umsetzung von bis zu drei Projekten mit je 10’000 Franken.

Lehrpreis
Der neue Förderpreis der Lehre ist an der PH Zürich 2019 zum ersten Mal verliehen worden.

Schon früh wurde entschieden, dass nicht nur die Dozierenden, sondern auch die Studierenden und das Verwaltungspersonal Projekte vorschlagen können. Daher stand die erstmalige Auszeichnung 2019 unter dem Motto «Zusammenwirken» und förderte gemeinsame Projekte zwischen Forschenden, Lehrenden, Praxispartnern, Studierenden und Verwaltungsmitarbeitenden.

Innovation findet am Rande von Strukturen statt

Das Antragsverfahren für den Förderpreis der Lehre gestaltete sich in der ersten Vergabe zweistufig:

  • In einem ersten Schritt war eine kurze Skizze einer Projektidee notwendig. Ende Juni 2019 wurde die unerwartet hohe Zahl von 39 Projektvorschlägen eingereicht.
  • Danach wurden die Initiantinnen und Initianten der 15 überzeugendsten Projektvorschläge in einem zweiten Schritt eingeladen, eine knappe Projektplanung einzureichen. Im Oktober wählte eine Jury schliesslich drei Gewinnerprojekte.

Bei der Umsetzung dieser Neukonzeption standen folgende Fragen im Vordergrund:

  1. Wie gelingt es den Ideenreichtum sichtbar zu machen?
    Für die Jury war es beeindruckend, die Breite der Ideen und Vorschläge zur Förderung des Lehrens und Lernens zu sehen, aber sie konnte nur drei Projekte auszeichnen. Deshalb wurden die Projektideen der 15 Finalisten-Teams veröffentlicht.
  2. Was sind ideale Rahmenbedingungen für eine freie Projektumsetzung, die gleichzeitig sicherstellen, dass die Projekterfahrungen zu einem institutionellen Lernprozess beitragen?
    Ein neuer Prozess war erforderlich, um die Gewinnerteams bei der Projektumsetzung zu unterstützen. Zwischen dem Rektor, den Verantwortlichen für den Förderpreis und den Gewinnerteams wurde eine Vereinbarung unterzeichnet, in der die Rollen und Verantwortlichkeiten, aber auch der Freiraum (z. B. die Strukturierung des Projekts und die Verwendung der Gelder) explizit benannt sind.

Bei den eingereichten Projekten war auffällig, dass Innovation am Rande der bestehenden Strukturen stattfindet. So wurde z. B. ein neues Modul vorgeschlagen, das aktuell (noch) nicht vorgesehen ist. Die institutionelle Unterstützung der Leitenden war in diesem Punkt, wie auch im gesamten Prozess, besonders bedeutend.

Fazit und offene Fragen

Wir sind überzeugt, dass ein prospektiver Lehrpreis etwas zur Förderung der Lehrentwicklung beiträgt, wenn das Verfahren auf drei Ebenen wirksam ist:

  1. Es trägt zur Sichtbarkeit der individuellen Kompetenzen bei.
  2. Es regt den Wissenstransfer zwischen Einzelpersonen und Teams an: Es geht nicht um den Austausch von Best Practice, die oft kontextgebunden ist, sondern um die Unterstützung der Zusammenarbeit für eine «next practice».
  3. Es fördert das Capacity Building: Um kollaboratives Lernen auf institutioneller Ebene zu kapitalisieren, müssen angemessene Strukturen, Prozesse und eine entsprechende Kultur vorhanden sein.

Folglich werden wir die Auswirkungen mit Fokus auf diesen Ebenen beobachten. Dabei interessieren uns folgende Fragen:

  • Inwieweit regt der Förderpreis sinnvolle Diskurse über die Qualität des Lehrens und Lernens an?
  • Wie nachhaltig sind die geförderten Projekte, Leitideen und Diskursräume?
  • Inwieweit gibt der Förderpreis Impulse zur Verbesserung der Strukturen und Möglichkeiten für innovatives Lehren und Lernen in der Hochschule?

Wir freuen uns über ein konstruktiv-kritisches Mitdenken unserer Leserinnen und Leser!

Autorenteam

Franziska Zellweger ist Professorin für Hochschuldidaktik am ZHE Zentrum für Hochschuldidaktik und -entwicklung der PH Zürich und ist seit 2012 in die Ausgestaltung von Lehrpreisverfahren an der PH Zürich involviert. 

 

Mònica Feixas am ZHE Zentrum für Hochschuldidaktik und -entwicklung der PH Zürich als Leiterin des CAS Hochschuldidaktik. Sie ist an internationalen Netzwerk- und Forschungsprojekten beteiligt und hat Erfahrungen als Gutachterin für Innovationsfonds und Lehrpreise an verschiedenen Universitäten. 

 

Gabriel Flepp DigitalisierungGabriel Flepp ist als wissenschaftlicher Assistent am ZHE Zentrum für Hochschuldidaktik und -entwicklung der PH Zürich an vielen Projekten beteiligt, unter anderem beim Förderpreis der Lehre an der PH Zürich. 

 

Simone Heller

Simone Heller-Andrist arbeitet am ZHE Zentrum für Hochschuldidaktik und -entwicklung der PH Zürich als Projektleiterin für Entwicklungs- und Weiterbildungsangebote im Hochschulbereich. Sie leitet den CAS Hochschuldidaktik «Winterstart» und zeichnet verantwortlich für den Förderpreis der Lehre an der PH Zürich.