Digitalisierung in der Erwachsenenbildung – do it yourself?

Beitrag von Gabriel Flepp

Die Digitalisierung ist in der Erwachsenenbildung angekommen. Dafür gibt es verschiedene Gründe, u. a.  steht ein Generationenwechsel der Kundschaft bevor. So haben Kundinnen und Kunden, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind, entsprechende Forderungen an den Unterricht. Also stellt sich die Frage, wie sich Erwachsenenbildnerinnen und -bildner auf die Digitalisierung vorbereiten bzw. wie fit sie sich auf diesem Gebiet schon fühlen.

Nicht gut auf Digitalisierung vorbereitet – und doch kompetent?

Ein Grossteil der befragten Erwachsenenbildner fühlt sich in der eigenen Aus- und Weiterbildung nicht gut auf die Digitalisierung vorbereitet (vgl. Grafik 1). Dennoch geben 70 Prozent der Befragten an, die notwendigen Kompetenzen zu besitzen, um digitale Technologien systematisch nutzen zu können (vgl. Grafik 2). Diese ersten Anhaltspunkte gehen aus einer Befragung zur Digitalisierung hervor, die vom SVEB und der PH Zürich durchgeführt wurde.

Grafik Digitalisierung
Grafik 1: Viele Erwachsenenbildner fühlen sich nicht gut auf die Digitalisierung vorbereitet.
Grafik Digitalisierung
Grafik 2: Eine Mehrheit der Erwachsenenbildner fühlt sich kompetent genug, um digitale Technologien systematisch zu nutzen.

Diese Ergebnisse legen die Hypothese nahe, dass sich Erwachsenenbildnerinnen und -bilder ihre medienpädagogischen Kompetenzen informell aneignen. Informelles Lernen heisst Lernen, das im Alltag, am Arbeitsplatz oder in der Familie stattfindet. Es ist nicht strukturiert und führt üblicherweise nicht zu einer Zertifizierung.

Wie die Befragten tatsächlich zu ihren medienpädagogischen Kompetenzen gekommen sind, und was sie unter einem systematischen Einsatz von digitalen Technologien verstehen, lässt sich aus den quantitativen Ergebnissen nicht ableiten. Auch kann der systematische Einsatz von Lehrperson zu Lehrperson sehr variieren. Während es für die einen genügt, eine Powerpoint-Präsentation zu zeigen, beginnen andere schon, über Unterricht mit Virtual-Reality-Brillen nachzudenken.

Interviews zur Digitalisierung in der Erwachsenenbildung

Um die Aneignung medienpädagogischer Kompetenzen genauer zu betrachten, führe ich im Rahmen meiner Masterarbeit Interviews mit Inhaber/-innen des eidgenössischen Fachausweises Ausbilder/-in. Bei diesen Interviews geht es in einem ersten Schritt darum, herauszufinden, welche digitalen Technologien die befragten Erwachsenenbildnerinnen und -bildner in ihrem Arbeitsalltag anwenden und zu welchem Zweck sie dies tun. Möglich sind hier Einsatzgebiete wie Unterricht, Evaluationen, Prüfungen, selbstorganisiertes Lernen oder Beratungen.      

In einem zweiten Schritt werden die Ausbildnerinnen und Ausbildner gefragt, wie sie zu ihren medienpädagogischen Kompetenzen kommen. Diese können in der Regel formal, nicht-formal oder informell beispielsweise über Kolleginnen und Kollegen, Videos oder Bücher etc. angeeignet werden. Besonders spannend sind Antworten zur eigenen Motivation, Unterstützung und zu allfälligen Schwierigkeiten.

Schliesslich werden sie zur Bedeutung medienpädagogischer Kompetenzen in der Zukunft der Erwachsenenbildung befragt. Gegenstand dieser Fragen sind eine Selbsteischätzung bezüglich Zukunft sowie eigene Bestrebungen, sich darauf vorzubereiten.

Erste Ergebnisse aus den Interviews

Erste Ergebnisse dieser Analyse zeigen, dass es individuelle Ansichten davon gibt, welche medienpädagogischen Kompetenzen in der Erwachsenenbildung und bei der Gestaltung von mediengestütztem Unterricht überhaupt gefragt sind. So hebt eine befragte Person, bezogen auf den (digitalisierten) Unterricht, beispielsweise hervor, dass man bei der Planung von Unterricht mit digitalen Medien unbedingt die Perspektive der Lernenden, welche zum Teil auch sehr individuell sein können, einnehmen solle und sagt sinngemäss: «Wie kann ich den Unterricht optimal für das Zielpublikum gestalten? Ich denke, das ist künftig im Zusammenhang mit Digitalisierung die grosse Herausforderung.»

Bezüglich der Aneignung medienpädagogischer Kompetenzen lässt sich, auch mangels Alternativen, eine Tendenz zum informellen Lernen ausmachen. Eine befragte Person gibt an, dass sie schon immer in der digitalen Welt zu Hause gewesen sei, sich mit IT-Heftchen weiterbilde und bei neuen Dingen immer versuche, den Transfer in die Erwachsenenbildung zu machen.

Digitalisierung findet zu Hause statt
Digitalisierung selbst gemacht: Viele Erwachsenenbildner bilden sich informell weiter.

Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Digitalisierung im Unterricht zeigt sich auch immer wieder, dass der stärkste Antrieb für den Einsatz digitaler Medien im Unterricht die Eigenmotivation ist. Wer dem Thema positiv gegenüber steht und motiviert ist, setzt sich auch mehr damit auseinander und setzt dementsprechend mehr Medien im Unterricht ein und umgekehrt.

Fazit

Fest steht: Digitalisierung ist aus dem Unterricht in der Erwachsenenbildung nicht mehr wegzudenken. Bisherige Untersuchungen zu diesem Thema zeigen erstens Tendenzen, wonach medienpädagogische Kompetenzen von Erwachsenenbildnerinnen und -bildnern in erster Linie informell angeeignet werden.       
Als weitere Schlussfolgerung lässt sich (mit Vorsicht) auch behaupten, dass Personen, die in der Erwachsenenbildung tätig sind, verschiedene Vorstellungen davon haben, was es bedeutet, genügend kompetent zu sein, um digitale Technologien beim Unterrichten systematisch zu nutzen.

Wird die Zukunft der Erwachsenenbildung digitaler? Wenn man den Einschätzungen einer befragten Person glauben möchte, ja. So soll es in zehn Jahren möglich sein, sich mit einer Virtual-Reality-Brille virtuell in einen Kursraum zu setzen und zu lernen. Dies würde dann wiederum zur Frage führen, wie man mit dem, gerade in der Erwachsenenbildung hochgeschätzten, direkten sozialen Austausch umgeht.

INFOBOX

Aktuelle Publikation zum Thema: Digitalisierung und Lernen. Gestaltungsperspektiven für das professionelle Handeln in der Erwachsenenbildung und Weiterbildung. Herausgegeben von Erik Haberzeth (PH Zürich) und Irena Sgier (SVEB).

Die Vernissage zum Buch findet am 26. Juni 2019 an der PH Zürich statt – wir freuen uns über Anmeldungen!

Zum Autor

Gabriel Flepp DigitalisierungGabriel Flepp ist wissenschaftlicher Assistent am ZHE und verfasst derzeit seine Masterarbeit in Erziehungswissenschaft zum Thema «Aneignung medienpädagogischer Kompetenzen und medienpädagogische Professionalisierung von Erwachsenenbildnerinnen und Erwachsenenbildnern». 

Redaktion: Martina Meienberg

«Heidi» forschend betrachtet – Filmanalyse an der Hochschule

Beitrag von Peter Holzwarth

«Und in der letzten Stunde schauen wir einen Film», lautet eine gängige Ankündigung von Lehrpersonen. Filme werden den Schülerinnen und Schülern oft als Belohnung und als Spezialstunde vor den Ferien in Aussicht gestellt. Immer häufiger jedoch wird Film auch als Bildungsgegenstand ernst genommen, sowohl in ästhetischer als auch in thematischer Hinsicht. Wenn sich angehende Lehrpersonen an der Hochschule filmbezogene Kompetenzen aneignen, gelingt es ihnen vielleicht später Filmbildungsprozesse in ihrem eigenen Unterricht auf hohem Niveau zu initiieren. Dieser Blog-Beitrag gibt einen Einblick in das Buch «Filme verstehen. Anleitung zur Filmanalyse im Studium am Beispiel des Spielfilms Heidi» (2019). Im Fokus steht dabei das dritte Kapitel, die Entwicklung einer geeigneten Forschungsfrage.

Filmanalysen fördern diverse Kompetenzen.
Filmanalysen ermöglichen ästhetische und thematische Zugänge zum Bildungsgegenstand.

Kriterien für Forschungsfragen

Für die Entwicklung einer geeigneten Forschungsfrage gibt es kein allgemeingültiges Rezept. Es gibt aber Kriterien, anhand derer sich geeignete und ungeeignete Fragen voneinander unterscheiden lassen. Dies wird nun anhand von vier möglichen Fragen für eine Filmanalyse von «Heidi» (2015) illustriert:

  • Wie heisst die deutsche Stadt, in der Heidi eine Weile lebt? (Es liegt auf der Hand, dass es sich hierbei um keine geeignete Forschungsfrage handelt. Sie wird nur aus didaktischen Gründen und zur Illustration verwendet.)
  • Inwieweit unterscheidet sich die Zuschauerwirkung des Films
    «Heidi» in der Schweiz und in Deutschland?
  • Wie häufig wird das filmästhetische Element «subjektive Kamera» im Film «Heidi» zum Einsatz gebracht?
  • Welche Aneignungsstrategien im Spannungsfeld von Fremdbestimmung und Selbstbestimmung werden durch Heidi im Haus Sesemann zum Ausdruck gebracht?

Diese Fragen sollten, damit sie sich für eine Filmanalyse eignen, folgende vier Kriterien erfüllen (Holzwarth u. Maurer 2019, 58):

  • Eine Frage sollte so formuliert sein, das sie anhand des Filmmaterials beantwortet werden kann (Kriterium 1).
  • Die Antwort auf die Frage darf zu Beginn noch nicht feststehen (Kriterium 2).
  • Die Beantwortung der Frage erfordert einen Theoriebezug (Kriterium 3).
  • Die Frage lässt zu, dass die Ergebnisse in einen grösseren gesellschaftlichen Zusammenhang gebracht werden können (Kriterium 4).

Nun gilt es, die Beispielfragen anhand dieser vier Kriterien zu überprüfen.

Überprüfung der Beispielfragen

Die Frage Wie heisst die deutsche Stadt, in der Heidi eine Weile lebt? kann man zwar anhand der Analyse des Filmmaterials beantworten (Kriterium 1 erfüllt), die Antwort «Frankfurt» steht aber bereits nach der ersten Visionierung des Films fest (Kriterium 2 nicht erfüllt). Es ist kein weiterer Theoriebezug nötig, um die Frage zu beantworten (Kriterium 3 nicht erfüllt). Ausserdem lässt sich das Ergebnis «Frankfurt» nicht ohne Weiteres in einen sinnvollen gesellschaftlichen Zusammenhang bringen (Kriterium 4 nicht erfüllt) (ebd. 59).

Die Fragestellung Inwieweit unterscheidet sich die Zuschauerwirkung des Films «Heidi» in der Schweiz und in Deutschland? ist gehaltvoll und erfordert einen mehrperspektivischen Theoriebezug (Filmaneignung, Medienwirkung, interkulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede). Es ist nötig, die Wirkungsaspekte zunächst theoretisch zu fassen und auf den Film herunterzubrechen (Kriterium 3 erfüllt). Die Ergebnisse lassen sich problemlos in einen weiterführenden Diskurs über interkulturelle Unterschiede etc. einbinden (Kriterium 4 erfüllt). Und das Ergebnis steht zu Beginn noch nicht fest (Kriterium 2 erfüllt). Letztlich ist es aber unmöglich, die Frage alleine durch die Analyse des Films zu beantworten (Kriterium 1 nicht erfüllt) (ebd.).

Die Frage Wie häufig wird das filmästhetische Element «subjektive Kamera» im Film «Heidi» zum Einsatz gebracht? lässt sich anhand des Films beantworten (Kriterium 1 erfüllt). Die Antwort ist erst nach erfolgter Analyse möglich (Kriterium 2 erfüllt). Dafür ist die Aufarbeitung des Konzepts «subjektive Kamera» erforderlich (Kriterium 3 erfüllt). Allerdings lässt sich das quantitative Ergebnis nicht so einfach in weiterreichende gesellschaftliche Zusammenhänge einbinden (Kriterium 4 nicht erfüllt) (ebd.).

Die Frage Welche Aneignungsstrategien im Spannungsfeld von Fremdbestimmung und Selbstbestimmung werden durch Heidi im Haus Sesemann zum Ausdruck gebracht? erfordert eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Konzept «Aneignung» (dadurch sind die Kriterien 3 und 2 erfüllt). Die Analyse bezieht sich auf die Filmpassagen, in denen Heidi im Hause Sesemann verweilt (Kriterium 1 erfüllt). Auch das Kriterium 4 ist abgedeckt, da die Möglichkeiten der Aneignung im Spannungsfeld von Fremdbestimmung und Selbstbestimmung eine urmenschliche Grundfrage darstellen, die sich in zahlreichen Kontexten zeigt (Migration, Schule, Familie etc.) (ebd. 59f.).

Mit Hilfe dieser Tabelle kann die Forschungsfrage einer Filmanalyse überprüft werden.

Fazit

Die vierte Beispielfrage, die alle Kriterien einer geeigneten Forschungsfrage erfüllt, zeigt nur eine von vielen Möglichkeiten und Perspektiven, einen Spielfilm zu analysieren. Welche Frage sich letztlich tatsächlich anbietet, hängt immer vom Film, aber auch von den Interessen und der Motivation desjenigen ab, der die Analyse macht. Fest steht: Eine passende Frage zu finden, ist anspruchsvoll. Die Suche braucht einige Zeit und ist unverzichtbarer Bestandteil einer Filmanalyse (ebd. 73f.). Ist sie gefunden, kann das Analysieren und Forschen – und damit das Abenteuer – losgehen. Wie das gelingen kann, zeigt das hier vorgestellte Buch anhand eines Analysebeispiels aus einer Masterarbeit, die sich ebenfalls auf die Heidi-Verfilmung von 2015 bezieht. Das Konzept ist auf verschiedene Hochschulkontexte und -anforderungen adaptierbar (z. B. Seminararbeit, Masterarbeit).

Wer sich einmal im Leben intensiver mit einer Filmanalyse beschäftigt hat, wird fortan mit einem anderen Blick im Kino oder vor dem Bildschirm sitzen. Mehr sehen und mehr verstehen, stellt eine Bereicherung für den Filmgenuss dar – auch in der Freizeit.

Zum Autor 

Peter HolzwarthPeter Holzwarth ist Dozent für Medienpädagogik an der PH Zürich. Er leitet das Fachteam Medienpädagogik, arbeitet im Digital Learning (DLE) und in der Abteilung Internationale Bildungsentwicklung (IB). Ausserdem ist er Berater bei der Stelle für Personalfragen (SteP). 

 

Redaktion: Martina Meienberg

Der Effekt von Powerpoint ist bei Erwachsenen fast gleich null

Beitrag von Maik Philipp

Über das Lernen sind viele Behauptungen im Umlauf, auch an Hochschulen. Manche davon stimmen, andere nicht – und meistens ist die Realität komplexer. Gestaltet man Unterricht aufgrund falscher Annahmen über das Lernen, untergräbt man seine Wirkung. Deshalb nehmen wir in der Serie «Urban Legends» verbreitete, aber problematische Annahmen über Lehren und Lernen an Hochschulen unter die Lupe. Diesmal zum Thema Powerpoint. 

Nachteile von Powerpoint im Unterricht

Der Einsatz von Powerpoint und anderer Präsentationssoftware ist im Hochschulkontext üblich. Zwei Gründe sprechen dafür, wenn man Lernende befragt: Erstens halten Lernende den Einsatz für sinnvoll, wenn es darum geht, eine strukturierte Auseinandersetzung mit dem Lernstoff zu ermöglichen. Zweitens erlaube die Präsentationssoftware eine gesteigerte Aufmerksamkeit. Diesen Vorteilen stehen handfeste Nachteile gegenüber: ein hohes Tempo, mitunter ein zu hohes, zum sinnvollen Notieren von Inhalten und die Gefahr, abgelenkt statt gelenkt zu werden. Was sich als Frage daraus ergibt: Was ist der Mehrwert für das Lernen, wenn statt Powerpoint beispielsweise traditionellere Formen (Chalk and Talk) eingesetzt werden?

Null-Ergebnisse beim Zusatznutzen

Dieser Frage hat sich jüngst eine Metaanalyse gewidmet. Darin verfolgten die Autoren die Frage, welche Effekte sich auf das Lernen nachweisen lassen. Die Effekte auf das Lernen betrafen verschiedene, primär kognitive Leistungsmasse, also nicht die oben angesprochenen Einstellungen von Personen zum Powerpoint-Einsatz. Die empirische Basis für die Auswertungen bildeten 48 Studien, veröffentlicht im Zeitraum von 1996 bis 2017. 45 Studien stammten aus dem Hochschulkontext, womit sich die Metaanalyse also mit grosser Mehrheit mit den Effekten in der Erwachsenenbildung beschäftigte.

Für das Lernen ist der Zusatznutzen von Powerpoint minimal.

Der studienübergreifende Vergleich zeigte bezogen auf die Überlegenheit von Powerpoint gegenüber traditionelleren Formaten der Wissensvermittlung: nichts. Das Hauptergebnis ist nämlich ein Null-Ergebnis. Dies zeigte sich in statistisch nicht signifikanter Effektstärke von g = 0.07. Das bedeutet: Der Zusatznutzen von Powerpoint für das kognitive Lernen war bestenfalls minimal und hart an der Grenze des Nachweisbaren.

Personen im Schulalter profitieren eher

Dieses Resultat unterschied sich jedoch in einer einzigen spezifischen Auswertung, nämlich beim Alter. Denn in der Metaanalyse wurde geprüft, ob Personen im Schulalter anders vom Powerpoint-Einsatz in ihren Lernleistungen betroffen waren als ältere Lernende. Das war tatsächlich sehr deutlich der Fall. Zwar gab es in den über 45 Studien mit Studierenden keine Effekte (g = 0.01). Doch in den restlichen drei Untersuchungen profitierten die Schülerinnen und Schüler aus dem Schulbereich anders, nämlich deutlicher (g = 1.08). Der in seinen Befunden erstaunliche Alters- bzw. Bildungsetappenvergleich relativiert sich freilich dadurch, dass die Anzahl der Studien in den beiden Vergleichsgruppen (Schule vs. Hochschule) extrem ungleich verteilt war.

Zur Vollständigkeit sei noch erwähnt, dass abgesehen vom Altersgruppenvergleich keine weiteren Moderatoranalysen Unterschiede nachweisen konnten. Es war demnach unerheblich, in welchem Fach die Studien durchgeführt wurden. Ob es sich dabei um publizierte Studien handelte, war ebenfalls nicht relevant. Auch spielte es keine Rolle, ob es experimentelle Variationen gab und mit welchen Massen die Lerneffekte erfasst worden waren. Diese Null-Ergebnisse zu Effekten von Studienmerkmalen sind deshalb wichtig, weil solche Merkmale die Ausprägung von Effekten in der Bildungsforschung zum Teil systematisch beeinflussen.

Was denn nun: Powerpoint oder Chalk and Talk? 

Was bedeutet das metaanalytische Null-Ergebnis für die Erwachsenenbildung? Impliziert es, man sollte auf Powerpoint verzichten? Vielleicht ist es wenig hilfreich, die Frage als Dichotomie, also als logischen Ausschluss zu formulieren. Denn der bisherige Einsatz von Powerpoint hat weder gross genutzt noch geschadet. Statt also ein Entweder-Oder zu postulieren, lohnt es sich zu fragen, wie Präsentationssoftware gewinnbringend eingesetzt werden kann. Eine solche Frage betrifft einerseits die Verwendung von Animationen und Bewegtbildern, andererseits die sinnvolle Verknüpfung von mündlichen Redeanteilen und fixierten Präsentationsinhalten. Auch die Frage, wie sich das Anfertigen von Notizen mit der Präsentationssoftware steigern lässt, ist anschlussfähig. Die Metaanalyse zum Effekt von Powerpoint auf Lernergebnisse zeigt also, dass es nicht per se sinnvoll ist, auf den Technologieeinsatz allein zu vertrauen.

Und auch so lassen sich die Ergebnisse insgesamt interpretieren und für den eigenen Einsatz in der Hochschuldidaktik und in der Erwachsenenbildung nutzen: als essenzielle Frage nämlich, wie Powerpoint helfen kann, das Lernen angemessen zu unterstützen. Denn wenn sich nicht allein durch die Verwendung einer Präsentationssoftware ein Mehrwert ergibt, dann eventuell, wenn Präsentationssoftware geschickt partiell verwendet wird und ein Werkzeug unter vielen ist.

Zum Autor

Maik Philipp ist Professor für Deutschdidaktik an der PH Zürich. Seine Schwerpunkte sind Lese- und Schreibförderung mit Fokus auf Evidenzbasierung. Neuere Publikationen: «Lesekompetenz bei multiplen Texten» (2018), «Lesestrategien» (2015) und «Grundlagen der effektiven Schreibdidaktik» (2018).

Redaktion: Martina Meienberg