Green Skills: Was Bildung heute nachhaltig macht

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Text von Corinna Borer

Warum nachhaltige Kompetenzen mehr sind als Umweltwissen

Nachhaltigkeit lässt sich längst nicht mehr auf einzelne Umweltprojekte reduzieren. Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Ressourcenknappheit und globale Ungleichheiten verändern, wie wir lernen, arbeiten, wirtschaften und zusammenleben. Damit wird Nachhaltigkeit zur Kompetenzfrage: Welche Fähigkeiten brauchen Menschen, um diese Veränderungen zu verstehen und verantwortungsvoll mitzugestalten?

Green Skills: Die Kompetenzen hinter den Technologien der grünen Transformation. Der Windpark von Paldiski an der Ostsee. (Bild: Adobe Stock)

In diesem Zusammenhang ist immer häufiger von «Green Skills» die Rede. Der Begriff klingt vielversprechend, bleibt aber erklärungsbedürftig. Während meiner Weiterbildungszeit habe ich mit Lehrenden aus unterschiedlichen Bildungskontexten in der Grund- und Berufsbildung gesprochen und war unter anderem in Schulen in Estland und Finnland. Sowohl das eine als auch das andere Land haben ein angesehenes Bildungssystem und eine für mich interessante geschichtliche Entwicklung durchlaufen. In den Gesprächen wurde für mich deutlich: Green Skills, Greening, Green Life Skills oder Bildung für nachhaltige Entwicklung gelten als wichtig, bleiben aber oft Randthemen oder werden als Modewort wahrgenommen. Gerade deshalb lohnt sich ein genauerer Blick: Was sind Green Skills, und was bedeuten sie für lebenslanges Lernen?

Green Skills: Future Skills mit Nachhaltigkeitskompass

Green Skills ist ein Begriff, der je nach Kontext unterschiedlich gefüllt wird. Häufig werden darunter Kompetenzen verstanden, die Menschen benötigen, um zu einer ressourcenschonenden, klimaverträglichen und nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft beizutragen. Eng gefasst geht es um technisch-fachliche Fähigkeiten für sogenannte Green Jobs, etwa in erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, nachhaltigem Bauen, Kreislaufwirtschaft oder Umweltmanagement.

Für Lernen und Bildung greift dieses Verständnis jedoch zu kurz. Green Skills umfassen auch systemisches Denken, kritisches Urteilen, Kooperation, Kommunikation, Zukunftsdenken sowie den Umgang mit Unsicherheit und Zielkonflikten. Der Begriff «Green Life Skills» von Kwauk und Casey (2021) erweitert den Blick zusätzlich: Es geht darum, dass Menschen die Wurzeln ökologischer und sozialer Krisen verstehen, eigene Handlungsmöglichkeiten erkennen und Verantwortung im Alltag, in Organisationen und in der Gesellschaft übernehmen.

Damit stehen Green Skills in engem Zusammenhang mit der Agenda 2030 und den Sustainable Development Goals. Nachhaltigkeit bedeutet dort nicht nur Klimaschutz, sondern auch Bildung, Gesundheit, Gerechtigkeit, menschenwürdige Arbeit, nachhaltigen Konsum und starke Institutionen.

Green Skills überschneiden sich mit Future Skills, setzen aber einen klareren normativen Fokus: Sie fragen nicht nur, welche Kompetenzen Menschen für die Zukunft brauchen, sondern wie diese Zukunft nachhaltig, gerecht und verantwortungsvoll mitgestaltet werden kann. Kurz gesagt: Green Skills sind Future Skills mit Nachhaltigkeitskompass.

Erst verstehen, dann handeln

In meinen Gesprächen mit Akteur:innen der Berufs- und Erwachsenenbildung in Finnland wurde deutlich, dass Green Skills teilweise als Hype wahrgenommen werden. Wenn der Begriff schnell verwendet wird, ohne dass klar ist, was damit gemeint ist, wird «green» beliebig.

Gerade deshalb braucht es zuerst ein grundlegendes Verständnis: Wie funktionieren Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft? Wie hängen Umweltressourcen, Konsum, Arbeit und Zusammenleben zusammen? Erst auf dieser Grundlage entstehen Kompetenzen, die mehr sind als oberflächliche Anpassung.

Bei SYKLI, einem finnischen Environmental College, wurde für mich klarer, wie gross der Bedarf an Weiterbildung ist. Nachhaltigkeit muss in berufliche und organisationale Praxis übersetzt und gelebt werden: Wie nutzen wir Ressourcen? Wie können Organisationen und Unternehmen nachhaltiger planen und arbeiten? Und welche Kompetenzen brauchen Fachpersonen, Führungskräfte und Lehrende, um Veränderungsprozesse zu realisieren?

Nachhaltigkeit als Kompetenz verstehen

Ein hilfreicher Referenzrahmen dafür ist «GreenComp», der europäische Kompetenzrahmen für Nachhaltigkeit. Er basiert auf dem Europäischen Grünen Deal von 2019 und beschreibt Nachhaltigkeit als Kompetenz in vier Bereichen: Nachhaltigkeitswerte verkörpern, Komplexität annehmen, nachhaltige Zukünfte entwerfen und für Nachhaltigkeit handeln.

GreenComp macht deutlich: Nachhaltigkeitskompetenz bleibt nicht beim Wissen stehen. Lernende sollen Werte reflektieren, Systeme verstehen, Zielkonflikte erkennen, Zukunftsbilder entwerfen und handeln können. Genau darin liegt die Stärke von Green Skills: sie fragen nicht nur, was Menschen über Nachhaltigkeit wissen sollen, sondern was sie brauchen, um Nachhaltigkeit in konkreten Situationen umzusetzen.

Die Dimensionen von Green Skills für nachhaltige Arbeitsmärkte und Gesellschaften. Eigene vereinfachte Darstellung von Corinna Borer auf Basis von Kwauk und Casey (2021).

Ein wichtiger Bezugspunkt ist dabei Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). BNE fragt, wie Menschen lernen, gute Entscheidungen für eine nachhaltige Zukunft zu treffen – im Alltag, im Beruf und als Teil der Gesellschaft. Green Skills knüpfen daran an und machen konkreter, welche Fähigkeiten dafür gebraucht werden: Zusammenhänge erkennen, unterschiedliche Perspektiven einbeziehen, Zielkonflikte aushalten und ins Handeln kommen. So wird Nachhaltigkeit nicht nur besprochen, sondern in konkreten Situationen angewendet und geübt.

Beim Individuum beginnen – und die Institution mitdenken

Bei meinem Besuch der Gaia Schule in Tallinn wurde sichtbar, wie früh Green Skills angelegt werden können. Die Schule orientiert sich am Gaia-Education-Verständnis von «healthy person, healthy community, healthy world». Nachhaltigkeit wird dort nicht nur als Umweltthema verstanden, sondern als Beziehung: zu sich selbst, zur Gemeinschaft und zur Welt.

Kinder üben im Klassenzimmer oder in der Natur (outdoor schooling), ihre Meinung zu äussern, anderen zuzuhören, zu beobachten, sich zu präsentieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Sie lernen beispielsweise, woher Lebensmittel kommen, wie Obst und Gemüse angebaut werden und welche Rolle natürliche Kreisläufe für eine nachhaltige Zukunft spielen. Damit entwickeln sie Kompetenzen, die für nachhaltiges Handeln entscheidend sind: sich selbst und andere wahrnehmen, Zusammenhänge verstehen und Verantwortung in einer Gemeinschaft übernehmen.

Die Natur als Klassenzimmer (outdoor schooling): Green Skills von klein auf fördern. (Bild: Corinna Borer)

Green Skills beginnen also nicht erst in der Berufsbildung. Sie entstehen dort, wo Menschen lernen, sich selbst, andere und die Welt bewusst wahrzunehmen. Gleichzeitig brauchen sie Institutionen, die nachhaltiges Denken und Handeln im Alltag ermöglichen – in Unterricht, Schulkultur, Führung, Partizipation und Zusammenarbeit.

Hochschulen: Nachhaltigkeit lehren und leben

Für Pädagogische Hochschulen ergibt sich daraus eine doppelte Verantwortung. Sie bilden Lehrpersonen, Ausbildner:innen, Schulleitungen und weitere Fachpersonen aus und weiter, die Green Skills in Bildungsorganisationen fördern sollen. Gleichzeitig müssen Hochschulen Nachhaltigkeit in der eigenen Institution glaubwürdig gestalten und leben.

Dass Green Skills heute weit über Umweltwissen hinausgehen, verdeutlichen europäische Erasmus+ Projekte wie ComeThinkAgain, an dem die PH Zürich als Partnerinstitution beteiligt ist, sowie Personal Green Skills in Higher Education, das von der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt gemeinsam mit europäischen Partnern umgesetzt wird. Beide Projekte verknüpfen Nachhaltigkeitskompetenzen mit digitalem Denken, Entrepreneurship, Weiterbildung und Train-the-Trainer-Ansätzen.

Für die PH Zürich bietet die Nachhaltigkeitspolicy einen institutionellen Rahmen. Entscheidend ist jedoch, wie dieser im Alltag sichtbar wird: in Lehrveranstaltungen, Mobilität, Ernährung, Beschaffung, Digitalisierung und Zusammenarbeit. Dozierende müssen dabei keine perfekten Vorbilder sein. Ihre professionelle Vorbildrolle besteht vielmehr darin, Zusammenhänge sichtbar zu machen, Zielkonflikte offenzulegen und mit Studierenden Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Eine zentrale GreenComp-Kompetenz ist dabei systemisches Denken: Nachhaltigkeitsfragen nicht isoliert zu behandeln, sondern ökologische, soziale, ökonomische und globale Dimensionen miteinander zu verbinden.

Green Skills sind deshalb weniger ein fertiger Kompetenzkatalog als eine gemeinsame Lernaufgabe — in Lehre, Hochschulkultur und konkretem Handeln. Wenn Green Skills also mehr sein sollen als ein Schlagwort: Wo könnten wir in unserem Bildungsbereich das «green» beginnen — beim Wissen, bei der Haltung, in der Kommunikation, bei der Organisation oder beim konkreten Handeln?

INFOBOX

Projekte

In der internationalen Bildungsentwicklung wird die Frage nach Green Skills besonders anspruchsvoll: Die grüne Transformation ist global, zeigt sich aber lokal sehr unterschiedlich. Deshalb lassen sich Green Skills nicht einfach als fertige Kompetenzliste übertragen, sondern müssen mit Partnern vor Ort entwickelt werden. Hier knüpft das Projekt FutureS in der Republik Moldova der PH Zürich an. Future und Green Skills können hier als Querschnittsperspektive verstanden werden – in Unterrichtsmaterialien, in der Weiterbildung von Lehrpersonen, in Schulentwicklungsprozessen und in der Zusammenarbeit mit lokalen Partnerinstitutionen.

ComeThinkAgain, ein weiteres Projekt der PH Zürich, verbindet Computational Thinking, Entrepreneurship Education und Green Skills in Berufs- und Hochschulbildung.

Literaturtipps/Weitere Informationen

- Die Publikation «Nachhaltigkeit in Bildungsorganisationen gestalten» von Irene Lampert und Dominik Allenspach zeigt, warum BNE nicht als Zusatzthema, sondern als Whole School bzw. Whole Institution Approach verstanden werden muss.
zum Interview mit den Autor:innen und zur Publikation

- GreenComp bietet einen europäischen Kompetenzrahmen für Nachhaltigkeit und unterscheidet vier Bereiche: Werte, Komplexität, Zukunft und Handeln.
Guia Bianchi, Ulrike Pisiotis & Marcelino Cabrera Giraldez, 2022: GreenComp: The European Sustainability Competence Framework

- Gaia Education / Gaia YES! unterstützt Lehrpersonen und Bildungsinstitutionen bei Education for Sustainable Development.
Gaia Education, o. J.: Gaia YES! Curriculum for Teachers and Educators

Über die Autorin

Corinna Borer ist Dozentin für Globales Lernen und leitet Projekte in der Abteilung Internationale Bildungsentwicklung der PH Zürich.

Green Skills: How to make education sustainable

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Contribution by Corinna Borer

Why sustainable skills are more than just environmental knowledge

Sustainability can no longer be reduced to individual environmental projects. Climate change, biodiversity loss, resource scarcity and global inequalities are transforming the way we learn, work, manage our economies and live together. This makes sustainability a question of competence: what skills do people need to understand these changes and help to shape them responsibly?

Green Skills: The competencies behind the technologies of the green transition.
The Paldiski wind farm by the Baltic Sea. (Picture: Adobe Stock)

In this context, there is increasing talk of Green Skills. The term sounds promising, but still needs explaining. During my continuing professional development time, I spoke with teachers from various educational backgrounds in primary and vocational education and visited schools in Estonia and Finland. Both countries have highly regarded education systems and have undergone historical developments that I found particularly interesting. It became clear to me during these discussions that Green Skills, Greening, Green Life Skills and Education for Sustainable Development (ESD) are considered important, yet often remain marginal topics or are perceived as buzzwords. This is precisely why it is worth taking a closer look: what are Green Skills, and what do they mean for lifelong learning?

Green Skills: Future Skills with a Sustainability Compass

Green skills is a term that is defined differently depending on the context. It is often understood to refer to the skills people need to contribute to a resource-efficient, climate-friendly and sustainable economy and society. In the narrowest sense, it refers to technical and specialist skills for so-called «green jobs», for example in renewable energy, energy efficiency, sustainable construction, the circular economy or environmental management.

However, this understanding falls short when it comes to education. Green Skills also encompass systemic thinking, critical judgement, cooperation, communication, forward thinking, as well as dealing with uncertainty and conflicting objectives. The term «Green Life Skills», coined by Kwauk and Casey (2021), broadens the perspective further: the aim is for people to understand the roots of ecological and social crises, recognise their own scope for action and take responsibility in everyday life, within organisations and in society.

Green Skills are therefore closely linked to the 2030 Agenda and the Sustainable Development Goals. In this context, sustainability means not only climate protection, but also education, health, justice, decent work, sustainable consumption and strong institutions.

Green Skills overlap with Future Skills, but have a clearer normative focus: they ask not only what skills people need for the future, but also how this future can be shaped in a sustainable, fair and responsible way. In short: Green Skills are Future Skills with a sustainability compass.

Understand first, then act

In my discussions with stakeholders in vocational and adult education in Finland, it became clear that Green Skills are sometimes perceived as just a fad. If the term «green» is used hastily without clarifying what it means, it becomes a meaningless label.

This is precisely why a fundamental understanding is needed first: how do the environment, society and the economy function? How are environmental resources, consumption, work and community life interconnected? It is only on this basis that skills can emerge which go beyond superficial adaptation.

At SYKLI, a Finnish environmental college, it became clearer to me just how great the need for continuing education is. Sustainability must be translated into vocational and organisational practice and put into action: how do we use resources? How can organisations and companies plan and work more sustainably? And what skills do specialists, managers and teachers need to implement change processes?

Understanding Sustainability as a Skill

A useful reference framework for that is GreenComp, the European competence framework for sustainability. It is based on the 2019 European Green Deal and describes sustainability as a competence across four areas: embodying sustainability values, embracing complexity, designing sustainable futures, and taking action for sustainability.

GreenComp makes it clear that sustainability competence goes beyond mere knowledge. Learners should be able to reflect on values, understand systems, recognise conflicting objectives, envisage future scenarios and take action. This is precisely where the strength of Green Skills lies: they ask not only what people should know about sustainability, but also what they need to put sustainability into practice in specific situations.

The dimensions of Green Skills for sustainable labour markets and societies. Own simplified representation based on Kwauk and Casey (2021).

An important point of reference is Education for Sustainable Development (ESD). ESD asks how people learn to make good decisions for a sustainable future – in everyday life, at work and as part of society. Green Skills build on this and specify more precisely which abilities are needed: recognising interconnections, taking different perspectives into account, managing conflicting goals and taking action. In this way, sustainability is not merely discussed, but applied and practised in specific situations.

Starting with the Individual – and involving the Institution

During my visit to Gaia School in Tallinn, it became clear just how early Green Skills can be introduced. The school is guided by the Gaia Education philosophy of «healthy person, healthy community, healthy world». Sustainability is understood not merely as an environmental issue, but as a relationship: with oneself, with the community and with the world.

Whether in the classroom or out in nature (outdoor schooling), children practise expressing their opinions, listening to others, observing, presenting themselves and working together to find solutions. For example, they learn where food comes from, how fruit and vegetables are grown, and the role of natural cycles in a sustainable future. In doing so, they develop crucial skills for sustainable action, such as self-awareness, understanding interconnections and taking responsibility within a community.

Nature as a classroom (outdoor schooling): fostering Green Skills from an early age.  (Photo: Corinna Borer)

Green Skills, therefore, do not begin with vocational training. They emerge where people learn to be mindful of themselves, others and the world. At the same time, they require institutions that enable sustainable thinking and action in everyday life – in teaching, school culture, leadership, participation and collaboration.

Higher Education Institutions: teaching and practising Sustainability

Universities of teacher education therefore have a dual responsibility. They are responsible for training and providing further training for teachers, trainers, school leaders and other professionals, who are expected to promote Green Skills within educational organisations. At the same time, higher education institutions must credibly promote and practise sustainability within their own organisation.

The fact that Green Skills nowadays go far beyond environmental knowledge is illustrated by European Erasmus+ projects such as ComeThinkAgain, in which the PH Zurich is involved as a partner institution, and Personal Green Skills in Higher Education, which is being implemented by the University of Applied Sciences Würzburg-Schweinfurt in collaboration with European partners. Both projects link sustainability skills with digital thinking, entrepreneurship, continuing professional development and train-the-trainer approaches.

For the PH Zurich, the sustainability policy provides an institutional framework. What is crucial, however, is how this is reflected in everyday life: in teaching, mobility, catering, procurement, digitalisation and collaboration.

Lecturers do not need to be perfect role models. They should rather highlight interconnections, reveal conflicting objectives and develop options for action with their students. A key GreenComp competence in this context is systemic thinking, which involves considering sustainability issues in the context of their ecological, social, economic and global dimensions rather than in isolation.

Green Skills are therefore less a ready-made catalogue of competencies than a shared learning task — in teaching, university culture and concrete action. So if Green Skills are to be more than just a buzzword, where in our field of education could we start with the «green» aspect — knowledge, attitude, communication, organisation or concrete action?

INFOBOX

Projects

In the context of international educational development, the question of Green Skills is particularly challenging: the green transition is global, yet manifests itself very differently at a local level. For this reason, Green Skills cannot simply be transferred as a ready-made list of competencies, but must be developed in collaboration with local partners. This is where the Project FutureS in the Republic of Moldova comes in. In the project, Future and Green Skills are understood from a cross-cutting perspective – in teaching materials, in the continuing teacher education, in school development processes and in collaboration with local partner institutions.

ComeThinkAgain, another project of the PH Zürich, combines computational thinking, entrepreneurship education and Green Skills in vocational and higher education.

Further information/Literature

- GreenComp provides an European competence framework for sustainability and distinguishes between four areas: values, complexity, future and action.
Guia Bianchi, Ulrike Pisiotis & Marcelino Cabrera Giraldez, 2022: GreenComp: The European Sustainability Competence Framework

- Gaia Education / Gaia YES! supports teachers and educational institutions in Education for Sustainable Development.
Gaia Education, o. J.: Gaia YES! Curriculum for Teachers and Educators

About the Author

Corinna Borer is a lecturer in Global Learning and a project leader in the The Centre for Global Education and Cooperation at PH Zurich.

Zukunft ist ein Muster, kein Affe

Text von Charlotte Axelsson

Ich mag Wetter-Apps. Oder wie meine Kollegin an der ZHdK, Mela Kocher, gerne zu sagen pflegt: die faszinierendste Glaskugel, in die wir täglich schauen.

Und dennoch ist es – auch an mir – immer wieder lustig zu beobachten, wie überrascht wir sind, wenn nach 26 Grad und heiterem Sonnenschein am nächsten Tag plötzlich ein Drop-down auf 18 Grad und Gewitter kommt. Es ist schwer vorzustellen, aber es kommt trotzdem.

Das ist jetzt vielleicht ein hinkender Vergleich und ein sehr hoher Bogen, den ich spanne. Aber er zeigt zwei Dinge: Zukunft, ob nah oder fern, ist schwer vorstellbar – auch wenn es gute Anzeichen dafür gibt, dass etwas eintreten wird. Und zweitens zeigt er etwas über unser Mindset im Umgang mit Veränderung. Obwohl es für die leichten Sandalen und den Jupe dann wirklich zu kalt ist, ziehen wir es manchmal trotzdem durch.

Vielleicht ist genau das der Punkt: Zukunft ist selten komplett überraschend und selten komplett planbar. Sie liegt irgendwo dazwischen – zwischen Anzeichen, Mustern, Entscheidungen und unserer Fähigkeit, anders zu reagieren, als wir es gestern getan hätten.

Der Affe im Titel bezieht sich auf das Infinite-Monkey-Theorem: Wenn ein Affe unendlich lange zufällig auf einer Schreibmaschine tippt, entsteht irgendwann vielleicht auch Shakespeare. So ähnlich ist es mit Zukunftsprognosen: Manchmal liegt jemand richtig – aber nicht, weil die Zukunft wirklich vorhersehbar wäre. Sondern weil Wahrscheinlichkeit, Muster und Zufall zusammenspielen.

Zukunftsarbeit bedeutet deshalb nicht, richtig zu raten. Sie bedeutet, besser vorbereitet zu sein.

Es ist deshalb vielleicht nicht verwunderlich, dass gerade so viele Formate rund um Future Mindset, Future Skills, Future Tracks, Future Crafting oder Education Futurists entstehen. Was steht dahinter? Und was macht man eigentlich in solchen Future-Mindset-Kursen?

Weil sie marketingmässig gut funktionieren, könnten Kritiker:innen sagen. Ich sage: weil sie notwendig sind. Also mache ich mir die Mühe und gebe einen Blick hinter die Kulissen: Mit welchen Glaskugeln arbeiten Zukunftsforscher:innen, Bildungsanbieter und Organisationen eigentlich?

Manche Zukünfte sind schon gebaut

Ein schönes Beispiel dafür beschrieb mir Martin Sturzenegger von der VBZ am 25 Jubilars von Zeix. Er sagte sinngemäss: In seinem Betrieb sei die Zukunft in Teilen schon gesetzt. Er wisse ziemlich genau, was in den nächsten 25 Jahren umgesetzt werde und was nicht. Trams sind bestellt, Gesetze sind geregelt, Pläne sind erstellt. Natürlich kann immer etwas dazwischenkommen. Aber vieles ist nicht mehr reine Spekulation. Es ist bereits angelegt – in Infrastruktur, Budgets, politischen Entscheiden und langfristigen Planungen.

Der Gedanke brachte mich zur Arbeitsweise der PHZH. Ist es nicht auch ein wenig so mit Bildung?

Zukunftsgespürbrille des Education Futurist im Immerse Theater

Wir bilden heute Menschen aus, die morgen Schüler:innen unterrichten. Diese Schüler:innen stehen dann viel später selbst im Beruf. Plötzlich sprechen wir auch hier von Zeiträumen von 20 oder 25 Jahren. Was heute in der Ausbildung gedacht, vermittelt oder eben ausgelassen wird, wirkt weit in die Zukunft hinein.

Bildung ist also immer auch Zukunftsarbeit. Nicht abstrakt, sondern sehr konkret.

Das bringt mich zu vier Glaskugeln, die uns im Frühjahr 2026 an der internen Weiterbildung Future Track, am 25 Jubilar Zeix Event, am After the Algorithm Festival und am House of Change Festival begleitet haben: Szenariotechnik, Mustererkennung, KI als Verbündete und Haltung. Im Herbst greifen wir diese Fäden wieder auf – im CAS Education Futurist der PH Zürich und in einer spannenden Kooperation mit der ZHdK.

Film zu «Future Track», ein internes Angebot für das administrative und technische Personal der PHZH. (Animation: Walking Frames. walkingframes.tv)

Szenarien als Denkwerkzeuge

Die Szenariotechnik beschäftigt sich mit der Frage: Welche Zukünfte sind denkbar? Welche sind wünschenswert? Welche weniger? Und welche wirken heute vielleicht sogar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich?

Es geht dabei nicht darum, die eine Zukunft zu finden, die sicher kommt. Sondern darum, vorwegzudenken, was passieren könnte. Szenarien sind keine Orakel. Sie sind Denkwerkzeuge.

Diskussion zur Zukunft am 25 Jahre Zeix am 28.01.2026. Hier das Szenarioprisma. (Foto: Zeix AG)

Jede dieser Möglichkeiten gibt mir einen Hinweis darauf, was ich jetzt und in naher Zukunft tun kann, um einer wünschenswerten Zukunft näherzukommen. Ich kann Strategien entwickeln. Ich kann bestimmte Felder fördern, von denen ich annehme, dass sie in meiner gewünschten Zukunft relevant sind. Oder ich kann Mitarbeitende in Weiterbildungen schicken, damit sie Kompetenzen aufbauen, die sie morgen vielleicht dringend brauchen.

Muster erkennen: Mit Vergangenheiten ab in die Zukünfte

An dieser Stelle mag ich die Idee von Armin Nassehi: Durch das Erkennen von Mustern können wir Prognosen darüber machen, welche Muster sich in der Vergangenheit besonders oft wiederholt haben. Anhand dieser Vergangenheitsanalyse können wir erkannte Muster in die Zukunft projizieren und uns vorstellen, wie sich bestimmte Entwicklungen verhalten, verändern oder wiederholen könnten.

Das wird besonders interessant, wenn man nicht nur auf Gesellschaft, Organisationen oder Technologie schaut, sondern auf die eigene Biografie.

Woher komme ich? Was habe ich gemacht? Was hat sich bei mir immer wieder in bestimmten Abständen, Situationen oder Übergängen wiederholt?

Muster verändern sich – kommen aber immer wieder ähnlich vor, hier das Herz-Symbol der Gen Alpha. (Foto: Charlotte Axelsson)

Vielleicht funktioniert die eigene Biografie manchmal ähnlich wie eine Wetterkarte: Nicht alles ist vorhersehbar, aber es gibt Muster, Wiederholungen und typische Wetterlagen. Wenn wir sie erkennen, können wir bewusster entscheiden, ob wir wieder gleich reagieren – oder diesmal anders.

Future Skills und KI als Verbündete

Im Rahmen des «Future Track», einer internen Weiterbildung für das administrative technische Personal der PH Zürich, kam auch die Frage auf, welche Fähigkeiten in einer sich verändernden Arbeitswelt zentral werden. Und natürlich, ob KI unsere Arbeit komplett übernehmen wird?

Nach dem Input von Eva Pauline Bossow zu «Future Skills» brachte die Kursteilnehmerin Stefanie Casanova einen Gedanken besonders schön auf den Punkt: Wir brauchen eine Art «Anpassungsintelligenz». Entscheidend werden nicht nur fachliche oder technologische Fähigkeiten, sondern vor allem menschliche Kompetenzen wie Resilienz, Agilität und Flexibilität.

Gerade Flexibilität ist dabei mehr als blosses flexibles Anpassen. Es geht darum, mit Unsicherheit umgehen zu können, Perspektiven zu wechseln und Veränderung aktiv mitzugestalten, statt nur darauf zu reagieren.

Oder wie Raim Idrizovic, Teilnehmer des «Future Tracks», zusammenfasst: «Wir sollten KI als einen Verbündeten für die berufliche Zukunft nutzen, in welcher vor allem die Flexibilität zählt!»

Im März am Festival «After The Algorithm» wurde bei «Kaffee, Kuchen & KI» diskutiert. (Foto: Damien Jenal)

Das trifft einen wichtigen Punkt. KI-Technologien sind nicht nur Tool, Bedrohung oder Hype. Sie ist auch ein Spiegel dafür, wie beweglich wir im Denken, Lernen und Arbeiten werden müssen. KI-Technologien können uns helfen, Muster schneller sichtbar zu machen. Entscheidend bleibt aber, wie wir diese Muster deuten, einordnen und verantwortungsvoll nutzen.

Positive Zukunftsbilder

Als Letztes möchte ich noch die Methode der Utopie bis hin zur Protopia beschreiben. Und was das mit unserer individuellen und kollektiven Einstellung zu tun hat.

Medial werden wir ständig mit möglichen Zukünften konfrontiert: in Science-Fiction-Filmen, Medienbildern, politischen Narrativen oder technologischen Versprechen. Diese Bilder bereiten uns auf Zukünfte vor. Manchmal öffnen sie Möglichkeitsräume. Manchmal machen sie Angst. Manchmal werden sie auch strategisch eingesetzt.

Unsere Zukünfte sind also beeinflussbar. Und manchmal auch manipulierbar.

Das kann man im Grossen analysieren. Ich bleibe hier aber im Kleinen: Wenn ich mich mit positiver Autosuggestion beschäftige, merke ich schnell, dass eine grundsätzlich positive Betrachtung auch die gewünschte Zukunft positiver erscheinen lässt. Umgekehrt funktioniert es ebenso. Wenn ich davon ausgehe, dass ohnehin alles schlechter wird, erkenne ich weniger Handlungsspielraum.

Eine Beobachtung aus dem Festival am House of Change wurde mir besonders wichtig: die Kraft des positiven Bildes. Nicht als naives Schönreden. Nicht als «alles wird gut»-Plakat. Sondern als Haltung, die Menschen in Bewegung bringt.

Diskussion zur Menschlichkeit, Bildung und Freundlichkeit am House of Change Festival 2026. (Foto: Mirjam Kluka)

Wenn wir eine Zukunft nicht nur als Bedrohung beschreiben, sondern auch als gemeinsamen Möglichkeitsraum, verändert sich etwas. Dann wird Zukunft nicht nur etwas, das auf uns zukommt. Sondern etwas, das wir mitgestalten können.

Dabei geht es für mich stark um Menschlichkeit und Zusammenhalt. Denn durch Menschlichkeit und Zusammenhalt sind wir stärker als alleine. Gerade in Zeiten, in denen vieles komplex, unsicher oder überfordernd wirkt, ist das vielleicht eine der wichtigsten Zukunftskompetenzen überhaupt: nicht nur individuell resilient zu sein, sondern kollektiv tragfähig zu werden: mit Freundlichkeit. Alle haben unterschiedliche Erfahrungen und wollen alle in eine wünschenswerte Zukunft.

Oder wie es Kay Janina Hefti nach der Weiterbildung «Future Track» formulierte:

«Es gibt keine singulare Zukunft, sondern multiple Zukünfte. Und die Zukunft ist auch unfair verteilt: Leute, die sich schon längstens mit AI etc. beschäftigen, befinden sich in einer anderen Gegenwart als Leute, die sich überhaupt noch nicht damit befasst haben.»

Dieser Satz bleibt hängen. Denn er zeigt: Zukunft ist nicht für alle gleich weit weg. Manche leben bereits in Arbeitsrealitäten, die für andere noch wie Science Fiction wirken. Manche experimentieren längst mit KI, Automatisierung und neuen Lernformen. Andere stehen noch vor der Frage, ob sie sich überhaupt damit beschäftigen sollen.

Betrachtung

Im Umkehrschluss heisst das: Wir brauchen diese ganzen Future-Initiativen auf verschiedenen Ebenen. Nicht, weil sie die Zukunft vorhersagen können. Sondern weil sie helfen, komplexe Entwicklungen zu verstehen, Entscheidungen vorzubereiten, Unsicherheit auszuhalten und eigene Handlungsmöglichkeiten zu erkennen.

Sie geben uns Werkzeuge an die Hand, um die eigene Zukunft in einer schnell verändernden Zeit aktiver mitzugestalten.

Und wieso ist das wichtig?

Weil früher der persönliche Weg oft klarer schien. Mein Vater war Schuster, also wurde ich – wenn männlich gelesen – vielleicht auch Schuster. Heute ist das nicht mehr der Fall. Berufswege, Rollen, Technologien und Lebensentwürfe sind offener, brüchiger, flexibler geworden.

Zukunft ist deshalb kein Affe, der zufällig etwas Richtiges tippt.

Zukunft ist ein Muster, das wir erkennen können.

Und ein Mindset, mit dem wir entscheiden, wie wir darauf reagieren.

Vielleicht brauchen wir dafür genau das: eine Zukunftsgespürbrille. Keine Glaskugel, die uns sagt, was kommt. Sondern eine Haltung, mit der wir Muster erkennen, Möglichkeiten sehen und gemeinsam handlungsfähig bleiben.

INFOBOX

Die Zukunftsgespürbrille kann man übrigens auch im CAS Education Futurist der PH Zürich anziehen. Weitere Informationen und nächste Infoveranstaltungen finden sich hier.

Mehr zum Thema gibt es im Podcast zum Hören mit Charlotte.

Und wer sich für das interne Angebot «Future Track» für eine starke Hochschuladministration interessiert, darf sich gerne per E-Mail bei Charlotte Axelsson melden.

Charlotte freut sich ausserdem über Rückmeldungen: Was ist deine Lieblings-App auf der du die Zukunft erahnst?

Zur Autorin

Future Skills: Mehr als nur ein Hype? Ein Kompass für die Schweizer Bildungslandschaft

Text: Tobias Zimmermann und Daniel Degen

Vielleicht kennen Sie das Gefühl aus Ihrem Dozierenden-Alltag: Die Studierenden beherrschen die Theorien, bestehen die Prüfungen mit Bravour – und stehen dennoch ratlos da, wenn ein Projekt in der Praxis plötzlich «völlig anders» verläuft als geplant. Das Wissen ist da, aber die Handlungsfähigkeit fehlt. Oder umgekehrt: Die Studierenden kommen mit viel Praxiserfahrung in den Unterricht, können aber nicht erläutern, warum sie wie handeln. Am Ergebnis ändert sich nichts: In beiden Fällen sind die Studierenden bei sich verändernden Praxisfällen plötzlich überfordert.

In der Schweizer Bildungsdiskussion geistert seit einiger Zeit ein Begriff umher, der genau diese Lücke schliessen will: Future Skills. Doch was verbirgt sich dahinter? Ist es der nächste bildungspolitische «Hype» oder der notwendige Kern einer neuen Lernkultur?

Future Skills: Ein bildungspolitischer Hype oder notwendiger Kern einer neuen Lernkultur? (Bildquelle: Adobe Stock)

Zwischen Hype und Handlungsnotwendigkeit

Kritiker mahnen oft, der Begriff sei alter Wein in neuen Schläuchen. Tatsächlich erinnert die Debatte an den Diskurs um die «Schlüsselkompetenzen» der 1990er Jahre. Doch hier ist Vorsicht geboten: Wie der Bildungsforscher Franz E. Weinert bereits hinreichend belegte, gibt es keine «inhaltleeren» Kompetenzen. Kompetenz ohne Fachwissen ist wie «Stricken ohne Wolle» (Schiefner & Weil 2010).

Der relevante Kern von Future Skills liegt daher nicht in der Ersetzung von fachbezogenem Wissen und Können. Vielmehr geht es um die Disposition, solches Wissen und Können in unvorhersehbaren Situationen verantwortungsvoll anzuwenden. Mit anderen Worten: Es geht um die Fähigkeit, in ungewissen Situationen nicht nur zu reagieren, sondern solche aktiv und fundiert gestalten zu können (OECD 2018).

Was treibt uns an? Die Ergebnisse einer Umfrage

Eine informelle Umfrage gibt Hinweise, wo Lehrende der Tertiärstufe den grössten Entwicklungsbedarf sehen. 26 Personen beantworteten unsere Online-Umfrage (Mehrfachnennungen möglich). Aus einer Auswahl von sechs gesellschaftlichen oder technologischen Trends halten sie die folgenden beiden für die stärksten Treiber, die eine Anpassung der Bildungsziele an Hochschulen und in der Höheren Berufsbildung nötig machen (je 18 Nennungen):

  • Demokratische Resilienz: Die Befähigung, komplexe gesellschaftliche Debatten mitzugestalten.
  • Generative KI und Automatisierung: Die Ablösung kognitiver Routineaufgaben.

Auch psychische Resilienz wurde mit 14 Nennungen als wichtig eingeschätzt, während Klimakrise (11), globale Vernetzung (9) und demografischer Wandel (5) von weniger als der Hälfte der Teilnehmenden gewählt wurden.

Diese Ergebnisse spiegeln wider, dass Future Skills keine rein technologische Antwort auf das Silicon Valley sind. Es geht um Societal Agency – die Fähigkeit, den gesellschaftlichen Wandel verantwortungsvoll mitzugestalten (Ehlers 2026, siehe Infobox).

Die drei Säulen der Handlungsfähigkeit

Mit Ehlers (2026) lassen sich diese Anforderungen in drei Kompetenzfeldern bündeln (vgl. das NextSkills-Forschungsprogramm):

  • Subjektentwicklung: Wer andere führen will, muss sich selbst führen können. Selbstwirksamkeit und Ambiguitätstoleranz (das Aushalten von Widersprüchen) sind hier das Fundament.
  • Objektbezogene Gestaltung: Hier geht es um Kreativität, Systemkompetenz und digitale Gestaltungskraft. Nicht nur Fragen beantworten, sondern die richtigen Fragen stellen.
  • Organisationsbezogene Navigation: In einer vernetzten Welt ist niemand mehr allein kompetent. Kooperation und «Sensemaking» (Sinnstiftung) sind die Brücken zur kollektiven Wirksamkeit.

Damit umfassen Future Skills wesentliche Elemente von personalen, sozialen und methodischen Kompetenzdimensionen. Der Aufbau von fachlichen und überfachlichen Kompetenzen gelingt nur dann, wenn wir verstehen, dass Lernen einen aktiven, individuellen Konstruktionsprozess der Lernenden voraussetzt (Schunk 2020). In anderen Worten: Dozierende können Lernprozesse anstossen und begleiten, das Lernen bleibt aber Sache der Lernenden.

Herausforderungen für die Praxis: Stofflogik vs. Wirkungslogik

Einige Wortantworten in unserer Umfrage kritisieren, es würden immer noch viele Lehrende zu sehr vom Lehren ausgehen und am Stoff, an den Inhalten, hängen. Future Skills würden deshalb oft als «Add-on» betrachtet, statt sie ins Zentrum des Lernens zu integrieren. Das Beharrungsvermögen einzelner Dozierender ist gewiss eine von verschiedenen Hürden für die breite Implementierung von Future Skills.

Das Problem ist jedoch systemisch: Solange immer noch viele Leistungsnachweise primär die Reproduktion von Wissen belohnen und die Bildungsinstitutionen den Transfer zwischen Wissen und Können nicht einfordern, fördern sie keine echte Handlungsfähigkeit in Breite und Tiefe. Wir brauchen deshalb eine Wende von der Stofflogik (Was müssen wir alles durchnehmen?) zur Wirkungslogik: Zu welcher Veränderung der Urteils- und Handlungskompetenz führt diese Einheit?

Für die Schweizer Bildungsinstitutionen bedeutet dies konkret:

  • Tertiär B (Höhere Berufsbildung): Die enge Verzahnung von Theorie und Praxis, wie sie im Schweizerischen Berufsbildungsgesetz verankert ist, bietet eine ideale Startrampe. Hier können Realsituationen direkt als Lernarchitektur genutzt werden. Curricula müssen der tatsächlichen Verbindung von handlungsleitendem Wissen mit praktischen Anwendungen aber stärker gerecht werden und zwischen Kompetenz, Lernaktivität und Beurteilung eine didaktische Kohärenz sicherstellen.
  • Tertiär A (Hochschulen): Der 1995 von Barr & Tagg geforderte «Shift from Teaching to Learning» wurde im Rahmen der Bologna-Reform vielerorts durch operationalisierte Lernziele umgesetzt. Um Lernaktivitäten, Beurteilungsformate und tatsächliche Urteils- und Handlungskompetenz zu verbinden, sollten sich die Hochschul-Curricula noch stärker zu vernetzten Lernökologien entwickeln. Solche sind mehr als ein Puzzle aus einzelnen Modulen; Ziel wären Lernprozesse, in denen auch Scheitern und Neuanfangen als wichtige Bestandteile nachhaltigen Lernens verstanden werden.
Leistungsnachweise: Idealerweise ein Transfer zwischen Wissen und Können. (Bildquelle: Adobe Stock)

Fazit: Future Skills Literacy als neues «Betriebssystem»

Eine Antwort zu unserer Umfrage lautet: «Wir sollten nicht von Future Skills sprechen, denn wir brauchen sie auch in der Gegenwart.» Wie aber setzen wir Future Skills konkret und zeitnah um?

Mit Gesetzen, Regulatorien und Lehrplänen/Curricula ist es noch nicht getan. Für eine breite Umsetzung von Future Skills ist gemäss Ehlers (2026) eine Future Skills Literacy der Lehrenden erforderlich: die Kompetenz also, Lernarchitekturen zu entwerfen, in welchen die oben genannten drei Säulen der künftigen Handlungsfähigkeit erworben werden können.

Die Höhere Berufsbildung und die Hochschulen stehen vor ähnlichen Fragen und können gegenseitig voneinander, aber auch von den Umsetzungen aus der beruflichen Grundbildung auf Stufe Sek II lernen (Berufsfachschulen oder aktuelle WEGM-Reform an den Gymnasien). Aus dieser Perspektive liegt hier eine grosse Chance: Die akademische Stärke von Hochschulen trifft auf die Praxisnähe der Höheren Berufsbildung. Future Skills können so zu einem gemeinsamen Bindeglied werden. Dies erfordert Austausch, didaktische Entwicklung und Kooperation zwischen den beiden Bildungsbereichen.

Mit der Lancierung einer neuen Veranstaltungsreihe übernimmt die PH Zürich Verantwortung und stärkt den Dialog zwischen Tertiär A und B – siehe Infobox.

INFOBOX

Netzwerkanlass «Future Skills konkret – Dialog tertiäre Bildung», 21. Mai 2026, PH Zürich

Im Gespräch mit Gästen machen wir das Konzept an konkreten Beispielen greifbar. Das dialogische Format mit anschliessendem Apéro ermöglicht vielseitigen Austausch.

Literaturempfehlungen

Der Beitrag von Dagmar Bach und Franziska Zellweger erläutert Curriculumsentwicklung aus einer kompetenzorientierten Perspektive, bezogen auf professionsorientierte Bildungsgänge an Höheren Fachschulen und Fachhochschulen:
Dagmar Bach & Franzsika Zellweger, 2022: Entwicklung berufsorientierter Curricula. In Höhere Fachschulen in der Schweiz: Herausforderungen und Perspektiven.

Das Kapitel von Ulf-Daniel Ehlers zu Future Skills in der Hochschuldidaktik wird im Oktober 2026 erscheinen:
Ulf-Daniel Ehlers, 2026 (im Druck): Future Skills und Future Skills Literacy. Zur Gestaltung von Hochschullehre für Future Skills (Arbeitstitel). In Handlungsfelder der Hochschuldidaktik. Beziehung aufbauen, Lehre gestalten, Orientierung ermöglichen.

Zu den Autoren

Daniel Degen ist Leiter des Zentrums Berufs- und Erwachsenenbildung der PH Zürich.

Der Preis der kognitiven Entlastung beim digitalen Lesen von Aussagen aus der generativen KI

Text von Maik Philipp

Trau, schau wem

45 Prozent. Das ist der Anteil von Antworten aus Anwendungen der generativen Künstlichen Intelligenz (genKI), die laut einer Studie verschiedener Rundfunkanstalten im Jahr 2025 in mindestens einer Hinsicht problematisch waren. Gefragt wurden ChatGPT, Copilot, Gemini und Perplexity Fragen wie «Kann Trump für eine dritte Amtszeit kandidieren?», «Wer ist der Papst?» oder «In wie vielen Ländern wird die FIFA-Weltmeisterschaft 2026 ausgetragen?». Die Antworten auf die Fragen waren in öffentlich-rechtlichen Rundfunkkanälen vorfindbar, und die Fragen entsprachen typischen Anfragen zum Zeitpunkt der Durchführung.

Vier von neun Antworten waren also mit mindestens einem Problem behaftet, welches die Aussage mindestens als falsch oder irreführend machte, wie die Überprüfungen jeder einzelnen der 2700 Antworten durch 270 Journalist:innen ergaben. Dabei erwies sich Gemini als besonders fehlerhaft (nämlich in Form von doppelt so hohen Fehlerquoten wie die anderen drei Apps), und die Probleme verteilten sich unterschiedlich stark auf verschiedene Bereiche. Über alle vier Apps hinweg

  • umfassten 31 Prozent der Antworten keine, ungenaue oder falsche Quellen,
  • waren 20 Prozent der Aussagen inhaltlich nicht ausreichend korrekt,
  • enthielten 14 Prozent der Antworten zu wenig kontextualisierende Informationen, als dass Laienpersonen die Antwort hätten ausreichend verstehen können.

Wie gesagt: Die Informationen auf Antworten waren öffentlich zugänglich in den jeweiligen Ländern, darunter der Schweiz. Wenn aber übliche Fragen zu tages- und weltpolitischen Vorfällen zu Antworten mit einer Ungenauigkeitsquote von über 40 Prozent führen, wie sehr sollten Personen Aussagen der genKI dann trauen? Bzw. anders gefragt: Was bedeutet das für die Anforderungen an die Lesefähigkeiten?

(Bildquelle: DeeVid AI, KI-generiert)

Fleissiges Helferlein oder kognitive Outsourcingoption?

Man könnte die obige Studie aus (hochschul)didaktischer Sicht abtun, es ginge ja nur um Alltagsinformationen. Das Phänomen, dass genKI Aussagen mit unklarem Geltungsanspruch – zusätzlich zum deregulierten Strom von Halbwahrheiten und Falschaussagen – die digitalen Lesegeräte flutet, ist längst zu einem Problem für den Erwerb von Informationen und Wissen geworden. Die Problemlagen sind vielfältig, was aber für Bildungsinstitutionen und Lernende verschiedener Stufen zunehmend zur Herausforderung wird: wenn Halluzinationen und Desinformationen allmählich anfangen, die Grundlagen des Wissens und Wissenserwerbs zu erodieren.

Dahinter steckt das Phänomen, anspruchsvolle – und somit auch anstrengende – kognitive Prozesse an eine Technologie als fleissiges Helferlein abzugeben, was als «kognitive Entlastung» bezeichnet und durchaus ambivalent beurteilt wird. Im Falle des Lernens bestehen allen Potenzialen der genKI zum Trotz starke Befürchtungen, dass Lernende die ursprünglich für einen Menschen vorgesehenen, kognitiv anspruchsvollen Aufgaben an einen potenter wirkenden Algorithmus delegieren, was zu einer Einbusse an tieferem Lernen und einem längerfristigen Deskilling führen kann.

Man kann angesichts dieser Entwicklung ableiten, dass wir an den Hochschulen und (Berufs-)Schulen eine Vergewisserung brauchen, welche Kompetenzen wir bei den Lernenden benötigen und entsprechend aufbauen wollen. Ich will aus der Perspektive des Lesens skizzieren, was der Preis des kompetenten Lesens mit genKI-Aussagen ist.

Handlungsoptionen: digitale Inforensik betreiben

Algorithmisch generierte Aussagen, die wie im Beispiel der obigen Studie, mit mehreren Problemen behaftet sein können, werden «epistemisch unsichere Informationen» genannt. Das sind Aussagen, deren Status als wahr oder unwahr, glaubwürdig oder unglaubwürdig, belegt oder unbelegt etc. nicht geklärt ist, sondern nach einer verifikatorischen Reaktion der lesenden Person verlangt. In aller Regel sind damit Recherchen und vor allem Beurteilungsfähigkeiten angesprochen, die einer digitalen Inforensik gleichen, indem Personen so lange nach Informationen über Aussagen und Quellen suchen, bis sie ausreichend sicher sind, dass sie diese Informationen verwenden können.

Dazu bedarf es hoher Wissensbestände, z. B. wie Wissen hergestellt wird und welche Quellen eigentlich warum vertrauenswürdig sind. Hinzu kommt, dass Leser:innen verstehen müssen, warum algorithmusausgespielte Inhalte ihr Verstehen mitbeeinflussen. Solche Fähigkeiten zu fördern, ist für das digitale Lesen (noch ohne genKI) bereits untersucht und für die Lesedidaktik aufbereitet worden. Dass solche Fähigkeiten geschult werden müssen, zeigen Forschungsüberblicke, nach denen adäquate Vorgehensweisen in der Regel nicht bei Lernenden verschiedener Altersgruppen im Repertoire vorhanden sind.

Wenn Inhalte der genKI allgegenwärtig sind und erst durch Leser:innen überprüft werden müssen, um dann verworfen, kritisiert, kontextualisiert oder auch für weitere Verwendungen akzeptiert werden zu können, dann können wir bestehende Ansätze nutzen und weiterentwickeln. Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte «laterale Lesen», also ein seitwärts über parallel geöffnete Tabs realisiertes Lesen im Internet. Bei diesem Lesen spüren die Leser:innen vor allem quellenbezogenen Fragen nach, um zu entscheiden, ob sie überhaupt Aussagen in digitalen Dokumenten vertrauen sollen. Diese Form des Lesens zu schulen, wirkt sich positiv auf kritische Lesefähigkeiten aus.

Was es jetzt braucht, ist eine Infusion mit Belangen des Lesens, welches gezielt Eigenheiten wie die Texte, Bilder und Videos aus Apps der genKI aufgreift, um so Schüler:innen und Studierende zu einer gewissen epistemischen Wachsamkeit zu befähigen. Damit sie treffsicher eben nicht die 45 Prozent der Aussagen von genKI glauben, die sie angesichts der Schäden von Falschinformationen besser ignorieren sollten.

INFOBOX

Das Schreibzentrum der PH Zürich entwickelt derzeit Angebote, die auf die Erfordernisse des digitalen, hochschulischen Lesens und Schreibens angepasst sind. Aktuell werden Video-Tutorials erarbeitet, es gibt Workshopangebote für Studierende sowie CAS-Module. Auf Anfrage bietet das Schreibzentrum Weiterbildungsangebote für Berufsfachschulen, Gymnasien und Hochschulen zum digitalen Lesen an.

Hören Sie in der aktuellen Folge des Podcasts Resonanzraum Bildung der PH Zürich, welche Einblicke Maik Philipp zur Lesekompetenz als Schlüssel zur Bildung gibt.

Zum Autor

Maik Philipp ist Professor für Deutschdidaktik an der PH Zürich. Seine Schwerpunkte sind Lese- und Schreibförderung mit Fokus auf Evidenzbasierung.

Von der Schule in die berufliche Grundbildung

Text von Mandy Gnägi

Der Schritt in die Arbeitswelt ist für Lernende ein grosser. Im Gegensatz zum vertrauten Rhythmus des Schul- und Lernalltags findet die berufliche Grundbildung an drei verschiedenen Lernorten statt: im Betrieb, in überbetrieblichen Kursen und in der Berufsfachschule. Diesen Wechsel beschreiben Lernende als einschneidend, zumal sie sich in einer Lebensphase des Umbruchs befinden. War ihr bisheriger Weg ferner durch schulische Schwierigkeiten geprägt, wie z.B. schlechte Noten, hohe Fehlzeiten oder soziale Auffälligkeiten, war ein Einstieg in eine drei- bis vierjähre berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) oder in eine weiterführende Schule erschwert resp. nicht möglich. Eine Folge davon war eine hohe Jugendarbeitslosigkeit der 1990er und 2000er Jahre, der seit 2004 durch eine zeitlich verkürzte und vom schulischen sowie betrieblichen Anspruch her reduziertere Form der Ausbildung entgegengewirkt wurde. Sie schliesst nach absolvierten Prüfungen mit einem eidgenössisch anerkannten Berufsattest (EBA) ab.

Bedarf qualifizierte Begleitung

Mit dem Inkrafttreten der neuen Ausbildungsmöglichkeit hat der Bundesrat die «fachkundige individuelle Begleitung von Personen mit Lernschwierigkeiten in zweijährigen beruflichen Grundbildungen» lanciert. Diese Begleitung soll in der Lage sein, zugrundeliegende «Lernschwierigkeiten» oder «soziale Probleme» gemeinsam mit den Lernenden anzugehen und zu beheben. Alle «schulischen und bildungsrelevanten Aspekte,  die im Umfeld der lernenden Person einen Bildungserfolg gefährden könnten», sollten durch individuelle und zielführende Massnahmen entkräftet werden. Statt den Fokus auf Schwächen und Defizite zu richten, fördert und fokussiert eine fachkundige individuelle Begleitung die Stärken der Lernenden. Dazu gehört auch die Aktivierung von Eigeninitiative und Lernbereitschaft sowie das Erproben und Etablieren verschiedener Lerntechniken. Ziel der fachkundigen individuellen Begleitung ist die Mitgestaltung positiver Lernerfahrungen, so dass Misserfolge und Lehrabbrüche reduziert und Schulen entlastet werden.

Individuelle Begleitungen regen durch Impulse den Denk- und Veränderungsprozess bei den Jugendlichen an. (Bildquelle: Adobe Stock)

Variantenreiches Arbeitsfeld

Die genannten Ziele machen deutlich, dass fachkundige individuelle Begleitungen über ein Handlungsrepertoire verfügen müssen, das sich deutlich von dem als Lehrperson resp. als ausbildungsverantwortliche Person unterscheidet. Für ihre Arbeit stehen den individuellen Begleitungen unterschiedliche zeitliche, personelle und räumliche Ressourcen zur Verfügung. Da es dafür keine einheitliche Regelung gibt, variieren die Einsätze von individuellen Begleitungen von Schule zu Schule, die sich grob in vier Kategorien einteilen lassen: es findet regelmässig eine offene Sprechstunde für alle Lernenden der Schule statt, im Rahmen des Stundenplans ist eine Stunde im Klassenverband für die individuelle Begleitung reserviert, individuelle Begleitungen werden auf Anfrage bestimmten Klassen oder Lernenden zugewiesen oder es werden externe individuelle Begleitungen an die Schule geholt. Folglich muss eine fachkundige individuelle Begleitung angesichts genannter Umstände, Ziele und Herausforderungen eine hohe Handlungskompetenz ausbilden, um ihrer Aufgabe und den daran gekoppelten Anforderungen gerecht zu werden.

Essenzen einer besonderen Qualifikation

Ein wichtiger Faktor dafür ist ein hoher Grad an Selbstreflexion einerseits und ein stetes Einholen von Feedback andererseits. Beide Formen verfolgen den Nutzen, darüber die Anschlussfähigkeit an die Lernenden und die Wirksamkeit für die Lernenden im Hinblick auf die vereinbarten Ziele zu ermitteln. Individuelle Begleitungen gestalten darüber den Rahmen für einen Entwicklungsprozess, bei dem sich Lernende gemäss ihrer Stärken, Ressourcen und Lösungsmöglichkeiten als wirksam, handlungsfähig und entscheidend erleben. Individuelle Begleitungen geben also keine Veränderungswege vor, sondern regen durch unterschiedliche Impulse primär den Denk- und Veränderungsprozess dazu bei den Lernenden an. Eine fundierte Weiterbildung zur fachkundigen individuellen Begleitung umfasst folglich relevante Essenzen aus dem systemischen Coaching und Lerncoaching, der angewandten positiven Psychologie, der Neuen Autorität und den entsprechenden Kommunikationen, um darüber tragfähige Beziehungen zu gestalten. Fachkundige individuelle Begleitung zeichnet aus, eine sorgfältige pädagogische Diagnostik vorzunehmen, beim Verdacht auf psychische Störungen versiert zu agieren, mit den Lernenden auf ihre Stärken zu schauen, Ressourcen zu aktivieren, Gutes und Gelingendes in den Fokus zu rücken. Es ist erwiesen, dass mit der Stärkung des Vorhandenen die Defizite überwunden werden können. Durch die Arbeit der individuellen Begleitungen erleben sich Lernende selbstwirksam, eingebunden und kompetent – und das manchmal erstmalig in ihrer Schullaufbahn.

CAS Fachkundige individuelle Begleitung

Mit der Etablierung der fachkundigen individuellen Begleitung zur Unterstützung von Lernenden haben Pädagogische Hochschulen in der Schweiz die Aufgabe gefasst, entsprechende Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten. Die PH Zürich hat ihr Angebot bisher zwei grösseren Revisionen unterzogen, um die Inhalte zu aktualisieren und die jeweiligen Bedürfnisse und Bedarfe aufzunehmen. Ab dem Herbst 2026 wird das Zentrum Berufs- und Erwachsenenbildung den bisherigen, zwei Jahre umfassende CAS Coaching und Lernen mit Jugendlichen ersetzen. Neu ist die Anpassung an die gängige Weiterbildungsdauer von etwa 10 Monaten. Neu ist ebenso, dass durch explizite Reflexionsaufgaben und Vertiefungen sowie durch eine modulübergreifende Arbeit die jeweiligen Inhalte stärker miteinander verzahnt und reflektierend in den eigenen Entwicklungsprozess zur individuellen Begleitung einbezogen werden. Neu ist, dass zu den bewährten Inhalten die Aspekte von Stärkenorientierung, Gruppen- und Lerncoaching, Lernbegleitung und souveränes Handeln durch organisationales Verständnis aufgenommen worden sind. Neu ist auch, dass sich das CAS mit dem Titel «Fachkundige individuelle Begleitung (FiB/ZiB) – Lernende in Schule und Beruf stärken» nicht mehr nur an Berufsschullehrpersonen, sondern an alle Verantwortlichen in der beruflichen Bildung wendet.

INFOBOX

Bei allen Fragen oder Anliegen rund um die Weiterbildung zur fachkundigen individuellen Begleitung wenden Sie sich gerne direkt an Mandy Gnägi, mandy.gnaegi@phzh.ch oder +41 43 305 51 08.

Lehrgang

Alle Informationen zum CAS Fachkundige individuelle Begleitung (FiB/ZiB)

Weitere Informationen zum Thema

«Coaching in der Berufs- und Erwachsenenbildung» – Blogbeitrag von Mandy Gnägi im Lifelong Learning Blog (22. April 2025)

Literatur

- Bach, D. (2017): Reden kann auch Gold sein – Coaching von Berufslernenden
- Bauer, Ch., Hegemann, T. (2010): Ich schaffs! – Cool ans Ziel. Das lösungsorientierte Programm für die Arbeit mit Jugendlichen
- Fischer, S. (2024): Fachkundige individuelle Begleitung. Gelingensfaktoren in der beruflichen Grundbildung
- Wolfensberger, R. (2018): FiB-Handbuch. Individuelle Begleitung in der zweijährigen Grundbildung

Netzwerk

CoP – FiB-EBA, verantwortet durch Nadine Vetterl, nadine.vetterl@dlh.zh.ch

Zur Autorin

Mandy Gnägi ist Beraterin und Dozentin im Zentrum Berufs- und Erwachsenenbildung an der PH Zürich.

Lernen oder überspringen? Wie generative KI Lernwiderstände verstärken kann

Text: Stefanie Dernbach-Stolz und Dominic Hassler

In der (zunehmend digitalen) Bildungswelt scheint Effizienz das oberste Ziel zu sein: Inhalte werden komprimiert, Lernpfade automatisiert und ganze Fähigkeiten per «Skill Skipping» übersprungen. Warum werden beim Lernen Abkürzungen genommen? Wie entwickeln sich Lernwiderstände? Und was hat das mit generativer KI zu tun?  

Menschen neigen laut der «Cognitive Miser Theory» dazu, kognitiven Aufwand zu vermeiden (Fiske & Taylor 2013). Lernende haben das schon früher getan – etwa durch Abschreiben. Mit KI-Tools wie Chat-GPT ist das heutzutage einfacher denn je.

Heute können wir in vielen Schulzimmern und Weiterbildungskursen beobachten, dass Lernende Aufgaben direkt mit Chat-GPT lösen. Nuxoll (2024) nennt das «Skill Skipping»: Es wird ein Resultat abgegeben, aber kein Lernprozess durchlaufen. Doch Lernen entsteht nicht durch richtige Antworten, sondern durch eigenständiges Denken.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Aufgaben so zu lösen als kompetenzorientiert ausgelegt werden kann. Tatsächlich dürfte es in vielen beruflichen Situationen sinnvoll sein, Aufgaben wie bspw. das Verfassen einer E-Mail mit einem KI-Sprachmodell zu erledigen. Trotzdem ist es in einem Bildungssetting nicht zielführend das zu tun, da das Schreiben (und damit verbunden auch das Lesen) weniger effektiv erworben wird.

Eine Metapher hilft uns, dies zu verdeutlichen: Es ist allen klar, wie absurd es wäre, einen Roboter ins Fitnesscenter zu schicken, wenn man seinen Körper trainieren möchte. Weniger offensichtlich, aber genau gleich absurd sollte es sein, in Bildungskontexten eine Lernaufgabe mit Chat-GPT zu lösen. Denn Bildungsinstitutionen sind die Fitnesscenter für das Gehirn. Wenn man nicht hingeht und die grauen Zellen bei den Übungen selbst anstrengt, gibt es keinen Trainingseffekt bzw. Lernzuwachs.

Zwei Roboter trainieren im Fitnesscenter. Quelle: leonardo.ai

Betrachtet man das «Skill Skipping» aus der Perspektive des Lernwiderstandes, stellt sich die Frage, warum Lernen nicht positiv konnotiert ist. Häufig wird das Lernen in Bildungskontexten als Zumutung wahrgenommen, was Widerstände und Vermeidungsstrategien erzeugt (man denke da nur an die eigene Schulzeit zurück). Dabei ist es ein zentrales Ziel von Lehrpersonen, Dozierenden und Erwachsenenbildner:innen, gelingendes oder erfolgreiches Lernen zu ermöglichen. Entsprechend stellt sich die Frage, wie und warum Lernwiderstände entstehen. Gemäss der subjektwissenschaftlichen Lerntheorie entstehen Lernwiderstände dann, wenn die Lernenden keinen subjektiven Sinn in einer Lernsituationen erkennen können oder sich gezwungen fühlen zu lernen – ohne dass es ihnen einen persönlichen Nutzen erbringt. Dies führt dazu, dass sie sich verweigern, unmotiviert sind oder nur oberflächlich lernen (Holzkamp 1993). Dabei kann man zwischen zwei grundlegenden Lernformen unterscheiden:

(Abb. 2. Quelle: Foucault 1993)

Defensives Lernen: Bei dieser Form findet Lernen unter Druck oder Zwang statt. Die Lernenden lernen, weil sie lernen müssen, um etwa eine Prüfung zu bestehen oder um Sanktionen zu vermeiden. Bildlich überspitzt kann man dies in der Grafik (Abb. 2) sehen, die eine Gefängnisszene darstellt, bei der die Insassen einem Vortrag zu den Folgen von Alkoholismus zuhören müssen. Bei dieser Form des Lernens entstehen häufig Lernwiderstände, da das Lernen nicht aus innerem Antrieb stattfindet. Expansives Lernen: Bei dieser Form geschieht Lernen aus eigenem Interesse und zur Erweiterung der eigenen Handlungsmöglichkeiten. Dadurch wird das Lernen als sinnvoll erlebt, weil es in einem Zusammenhang mit den eigenen Zielen, Interessen und Lebenszusammenhängen steht. In solchen Fällen treten kaum Lernwiderstände auf. (Holzkamp 1993)

Die Unterscheidung dieser zwei Lernformen ist für die Erklärung von Lernwiderständen wesentlich. Dennoch lassen sich Lernwiderstände nicht allein durch das Anwenden von expansiven Lernformen auflösen.

Einerseits sind die Gründe und Ursachen für Lernwiderstände vielfältig. Dazu gehören u.a. die fehlende Relevanz des Lerngegenstandes oder der mangelnde praktische Nutzen, bestehende (Bildungs-) Erfahrungen und Einstellungen und Wertehaltungen als auch die persönliche Lebenssituation (soziale Herkunft, Alter, Familie, etc.) die dem Lernen im Wege stehen können (Faulstich/Grell 2004).

Andererseits lassen sich Prüfungen o.ä. nicht immer umgehen. Die effizienzorientierte bzw. defensive Lernperspektive betont jedoch vor allem Standardisierung, Vergleichbarkeit und Messbarkeit. Das widerspricht expansivem Lernen. Wenn Aufgaben oder Lernpfade zu weit von der Lebenswelt der Lernenden entfernt sind und nicht als bedeutsam erlebt werden, reagieren diese oft defensiv – etwa mit automatisiertem Durchklicken oder KI-Nutzung. In diesem Fall setzen die Lernenden sich nicht tiefergehend mit Inhalten auseinander und haben keine Möglichkeit, eigene Lerninteressen zu verfolgen oder eigene Fragen zu entwickeln. Dies führt dazu, dass Lernen noch stärker als fremdbestimmt erlebt wird, was noch mehr Lernwiderstände auslösen kann. Ein Teufelskreis.

Was können Lehrende tun? – Anregungen zum expansiven Lernen

KI kann selbstgesteuertes Lernen untergraben. Sinnstiftendes Lernen braucht Zeit und Subjektivität – nicht nur Technik. Zentral ist, dass Lehrende unreflektierte Anwendungen von KI erkennen und handeln. Hier einige Anregungen:

Mit den Lernenden über das Lernen sprechen. Dadurch entstehen Reflexionsräume, in denen ein Bewusstsein geschaffen werden kann, wodurch die subjektive Relevanz gestärkt wird. Das braucht Zeit für Fragen, Irritationen und Selbstverortung. Und die Lehrenden erhalten ein besseres Verständnis für den Ursprung der Lernwiderstände, was sie wiederum handlungsfähig macht. Naheliegend wäre etwa die Lernenden in Gruppen über das Bild der beiden Roboter (Sie dürfen es gerne verwenden) diskutieren zu lassen und dabei gleich Transparenz zu schaffen: «Sie können (fast) alle Aufgaben im Unterricht mit KI lösen. Wollen Sie das – und warum?». So wird das Bewusstsein für den Lernprozess gefördert.

Von der Kultur des richtigen Resultats zur Kultur des Lernprozesses. Wenn Lehrende dem richtigen Resultat eine hohe Bedeutung zumessen, bspw. indem sie nur die Lösungen der Lernenden auf Richtigkeit kontrollieren, geben sie den Lernenden unbewusst einen Anreiz, KI für all diese Aufgaben zu nutzen. Stattdessen ist es zielführender, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass ein richtiges, KI-generiertes Resultat für das Lernen weitestgehend wertlos ist. Der Weg zum Resultat, also der Lernprozess, ist zentral, ebenso die dabei gemachten Fehler. Aus diesen lässt es sich hervorragend Lernen. Bewertungen dokumentieren in diesem Sinne die Lernfortschritte und nicht das Resultat. Für manche Lehrende ist das ein grosser, aber essenzieller Kulturwandel.

Abb. 3
(Quelle: LinkedIn)

Verantwortung an Lernende übergeben. Viele Lehrende möchten nicht ständig mit dem Zeigefinger darauf hinweisen, dass die Lernenden keine KI für das Lösen der Aufgaben verwenden sollen. Zudem gibt es manchmal durchaus Aufgaben, bei denen KI-Unterstützung hilfreich sein kann. Folgende Idee stammt von Tobias Seidl: Aufgaben, bei denen es zur Erreichung der Lernziele wichtig ist, dass zunächst selbst nachgedacht wird, werden mit einem Warnhinweis markiert (Abb. 3). Dadurch können Lehrende sich dem traditionellen Katz-und-Maus-Spiel entziehen. Die Lernenden fühlen sich ernst genommen und die Verantwortung für ihr Lernen und den KI-Einsatz geht subtil auf sie über.

Wenn Bildungsinstitutionen als «Fitnesscenter für das Gehirn» verstanden werden, darf der «Trainings»lernprozess nicht ausgelagert oder automatisiert werden. Gerade in einer von KI geprägten Welt ist es entscheidend, dass Lernende selbst denken, reflektieren und ihre Handlungsmöglichkeiten erweitern. Lehrpersonen und Bildungsverantwortliche sind deshalb gefordert, Lernsettings so zu gestalten, dass sie expansive Lernprozesse ermöglichen, statt defensive Vermeidungsstrategien befördern.

INFOBOX

Lehrgänge

In den folgenden Lehrgängen können Sie sich vertieft mit der Gestaltung von Lernprozessen in einer von KI geprägten Welt auseinandersetzen:
- CAS Unterricht gestalten mit digitalen Medien, ab 13. Januar 2026
- CAS Weiterbildungsdesign, ab 4. Februar 2026

Module

Die folgenden Module können einzeln gebucht und als Wahlmodul in verschiedenen CAS-Lehrgängen angerechnet werden:
- Lernen und Lehren mit künstlicher Intelligenz (KI), ab 19. August 2025
- Lernen und Weiterbildungsteilnahme Erwachsener, ab 3. März 2026

Zu den Autor:innen

Stefanie Dernbach-Stolz ist Dozentin an der PH Zürich und arbeitet im Zentrum Berufs- und Erwachsenenbildung. Sie ist Leiterin des CAS Weiterbildungsdesign.

Sprachförderung an Berufsfachschulen – Bitte einmal austauschen

Text: Sandra Buchmann

Wer glaubt, an der Berufsfachschule findet keine Sprachförderung statt, der irrt.
Wer glaubt, die Berufsfachschulen wissen, wie andere Berufsfachschulen Sprachförderung gestalten, der irrt ebenfalls.

Unterschiedliche Schulen, unterschiedliche Projekt-Foki

Die Tagung Sprachförderung und Mehrsprachigkeit vom 14. März 2025 gab einen spannenden Einblick in die Sprachförderungswelt der Berufsfachschulen. Verschiedene Berufsfachschulen im und ausserhalb des Kantons Zürich führen schulintern Sprachförderprojekte durch. Diese haben unterschiedliche Foki: fachübergreifende Sprachförderung, sprachsensibler Fachunterricht, leichte Sprache und Sprachstanderhebungen – um eine Auswahl zu nennen.

Vom Wissen anderer (Schulen) erfahren

Als Tagungsleiterin besass ich den Luxus, in einen der fünf praxisorientierten Workshops der Tagung reinzusitzen. Ich wählte einen Workshop, der das Sprachförderprojekt einer Berner Berufsfachschule vorstellte. Da der Hintergrund meiner Workshop-Wahl für den weiteren Verlauf dieses Beitrags wichtig sein könnte, teile ich ihn hier: Ich selbst hatte an einer Zürcher Berufsschule ebenfalls ein Sprachförderprojekt geleitet und war deshalb nicht nur als PH-Vertreterin, sondern auch als Vertreterin aus dem Schulfeld am Workshop interessiert.

«Hab ich gar nicht gewusst»-Momente

Der erste «Hab ich gar nicht gewusst»-Moment folgte schnell. Ich erfuhr in besagtem Workshop unter anderem, dass diese Schule das Informationsschreiben für die Lernenden zum Thema BYOD (Bring your own device) in leichter Sprache verfasst und damit positive Erfahrungen gemacht hat. Eine kleine schulinterne Datenerhebung habe gezeigt, so die Workshopleitung, dass diejenigen Lernenden, welche das BYOD-Schreiben in leichter Sprache erhalten hatten, häufiger Geräte mit der korrekten Ausstattung mitbrachten als die, die das Standard-Schreiben erhalten hatten.

Die BYOD-Krise

Das ist ein Detail, aber ein Wichtiges! An «meiner» Berufsfachschule, an der ich neben meiner Tätigkeit an der PH Zürich unterrichte, war ich als Klassenlehrerin einer Integrationsvorlehre-Klasse von August 2024 bis mindestens Januar 2025 damit beschäftigt, herauszufinden, weshalb in einer Woche bei Tomas und in der anderen Woche bei Melina der Computer nicht funktionierte. Das ging so weiter und BYOD wurde abgelöst von DBYOD (Don’t bring your own device) oder UAD (Use another device).

Fazit aus der BYOD-Krise

Hätte ich die nette Frau von der Berner Berufsfachschule a) schon früher gekannt und b) ich mich schon früher mit ihr ausgetauscht, wäre meine BYOD-Krise (und die vieler anderer Lehrpersonen an meiner Schule) eventuell zu verhindern gewesen. Es lohnt sich nicht, weiter zurückzublicken. In Zukunft werden an «meiner» Schule jedoch die BYOD-Schreiben angepasst und die Anpassung dauert dank Austausch schneller.

Mit einem Austausch zwischen Akteur:innen aus Berufsfachschulen kann wertvolles Wissen geteilt werden.

Über BYOD hinaus

Das BYOD-Beispiel steht stellvertretend dafür, dass es für verschiedene Akteur:innen in der Berufsbildung gewinnbringend sein kann, sich systematischer und regelmässiger über Sprachförderung (konkret) an Berufsfachschulen auszutauschen. Neben den bereits erwähnten Akteur:innen wie Projektleitende und Lehrpersonen, sind beispielsweise auch Schulleitungsmitglieder und Vertreter:innen des Mittelschul- und Berufsbildungsamts Zürich in den Austausch einzubinden.

Wie und wo austauschen?

Eine Möglichkeit, den Austausch zur Sprachförderung an Berufsfachschulen zu stärken, wäre eine Erfahrungstagung an der PH Zürich. Verschiedene Berufsfachschulen und verschiedene Akteur:innen daraus – beispielsweise Projektleitende, Lehrpersonen und Schulleitungen – könnten einmal im Jahr zum Austausch an die PH Zürich eingeladen werden.

Übrigens: Beim Apéro der Tagung Sprachförderung und Mehrsprachigkeit war ein Kollege aus Fribourg irritiert darüber, dass mit keinem Wort der bilinguale Unterricht in Deutsch/Französisch erwähnt wurde.

Ça existe ou quoi?

INFOBOX

LEHRGANG
Im CAS Sprachprofi bauen Sie Strategien auf, um Lernende in den Bereichen Lesen, Schreiben, Sprechen und Hören fachübergreifend zu fördern.

BERATUNG
Wir beraten und begleiten Berufsfachschulen bei der schulinternen Planung und Umsetzung von Sprachförderprojekten. Kontakt: sandra.buchmann@phzh.ch

WEITERE INFORMATIONEN

Webseite der PH Zürich: Sprachförderung an Berufsfachschulen

Podcast «Resonanzraum Bildung» der PH Zürich zum Thema «Sprachförderung an Berufsfachschulen»

Newsartikel auf www.phzh.ch, 8. Mai 2025: «CAS Sprachprofi wird Teil der Ausbildung Sek II/Berufsbildung»

Zur Autorin

Coaching in der Berufs- und Erwachsenenbildung

Text: Mandy Gnägi

Das Rollenverständnis von Lehrpersonen in der Berufs- und Erwachsenenbildung hat sich nicht erst mit der Kompetenzorientierung ausdifferenziert. Je nach Kontext mäandrieren Lehrende in ihrem Verhalten als Hüterin oder Hüter von Wissen, als strukturgebende Leader, als impulsgebende Beratende, selbst als unwissende Lernende oder als unterstützende Coaches. Jede dieser Rollen impliziert ein eigenes Verhalten. Danach gestaltet sich das Miteinander ebenso wie neue Lehr-Lernangebote austariert und formuliert werden. Die Rolle eines systemischen Coaches ist dabei insofern eine besondere, als dass sie nicht als die inhaltlich überlegeneren Personen agieren: ihnen obliegt ausschliesslich die Verantwortung dafür, dem Gegenüber durch unterschiedliche Impulse und Interventionen Möglichkeiten für einen Reflexions- und Entwicklungsprozess zu eröffnen. Die inhaltliche Deutung oder Wertung bleibt in der Verantwortung des Gegenübers, dem Coachee.

Coaches schenken den Coachees höchste Aufmerksamkeit und echtes Interesse.

Coaches öffnen Raum

Sucht ein Coachee ein Coaching auf – oder wird durch die Institution dazu angehalten – ist das Anliegen häufig bekannt und bereits mehrfach besprochen oder durchdacht. Im Coaching wird in einem dialogischen Prozess diesem Anliegen aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Grund gegangen. Hintergründe, relevante Personen, bestimmende Bedingungen oder «Trigger» werden dabei ebenso in den Fokus genommen, wie die bisherigen Versuche, das Thema zu lösen. Die Coachee erleben höchste Aufmerksamkeit und echtes Interesse daran, das Thema in der subjektiv erlebten Komplexität zu erfassen. Dabei sind Ruhe, wertschätzende und klare Kommunikation, schrittweises Fragen und sorgfältiges Agieren Gelingensbedingungen dafür, dass das Gegenüber Vertrauen aufbaut und sich öffnet. So kann es in dieser «sicheren» Umgebung gelingen, dass die Coachee bereit sind, neue Sichtweisen auf das Thema einzunehmen – etwa aus der Perspektive von vorhandenen Rahmenbedingungen, aus der von Kolleginnen oder Kollegen, aus der des Betriebes resp. der Institution, der vorgesetzten Person oder aus der von Freunden. Dieser neue Blick auf das «Problem-System», in dem sich das Thema am deutlichsten zeigt, ermöglicht, das eigene und fremde Verhalten neu zu bewerten. Gleichermassen wird deutlich, welche Wege von Lösungen die Coachee nun gehen können, welche Ressourcen dafür vorhanden sind oder aktiviert werden müssen.

Coaches haben persönliches Handwerkszeug

Mit welchen Methoden im systemischen Coaching gearbeitet wird, obliegt den Kompetenzen, Erfahrungen und Vorlieben der Coaches. Dazu gehören verbale Impulse durch Fragen gekoppelt mit dem Raum, in dem die Antworten gut gehört werden und darauf reagiert wird. Möglich ist die Arbeit mit Bildern; sei es mit vorgefertigten Bildkarten oder der Einladung an die Coachee, selbst Stellvertreterbilder zu entwerfen oder Konstellationen oder Hierarchien aufzuzeichnen. Zum Einsatz können ebenso unterschiedliche Materialien gebracht werden. Gerade die beiden zuletzt genannten Zugänge ermöglichen es den Coachees, einer vorhandenen Sprachbarriere konstruktiv zu begegnen. Unabhängig davon, welches Repertoire das persönliche Handwerkszeug der Coaches umfasst: es wird so im Coaching zum Einsatz gebracht, wie es dem Entwicklungsprozess des Coachees dienlich ist.

Coaches bringen Handwerkszeug so ins Spiel, wie es den Coachees dienlich ist.

Coaching braucht Haltung und psychologische Sicherheit

Das Wichtigste im systemischen Coaching ist eine zugewandte Haltung. Coaches muss es gelingen, Vorurteile, jede Form von eigenem Stress oder eigenen Emotionen abzulegen und sich ganz auf ihr Gegenüber einzulassen. Zur offenen und zugewandten Haltung gesellt sich die Einstellung, dass jedem Verhalten ein Nutzen innewohnt. Nicht immer ist der Nutzen offensichtlich oder ergibt sich mit der ersten oder zweiten Frage an die Coachee. Dann braucht es hohe Präsenz und Beharrlichkeit, sorgfältiges Navigieren im Ungewissen und grosse Wachsamkeit, um die verborgenen Aspekte zu beleuchten.

Genanntes bildet zusammen mit der Deutungshoheit der Coachee einen Rahmen, in dem sie psychologische Sicherheit erfahren:  Vertraulichkeit, Verlässlichkeit, Klarheit, verschiedene Angebote für einen Perspektivwechsel, Zuversicht, Würdigung und der Fokus auf Ressourcen machen es dem Coachee möglich, das Handeln zu reflektieren und daraus Erkenntnisse für einen Veränderungsprozess abzuleiten.

INFOBOX

COACHING IN DER BERUFS- UND ERWACHSENENBILDUNG

In der Weiterbildung der Pädagogischen Hochschule gibt es mehrere Angebote, um sich im Bereich Coaching weiterzubilden. Wer ein CAS anstrebt, dem stehen zwei Möglichkeiten offen. Der CAS Coaching – Beraten im Bildungsbereich richtet sich an jene Personen, die sich in der Begleitung von Studierenden, Teamentwicklung, Beratung, Elterngesprächsführung oder auch Coaching von Kursleitenden qualifizieren möchten.

Wer den Fokus auf eine fachkundige individuelle Begleitung (FiB) von Jugendlichen legen will, findet im CAS Coaching und Lernen mit Jugendlichen das passende Gefäss. Der Lehrgang richtet sich einerseits an Lehrpersonen in Berufsfachschulen, die durch die Weiterbildungsinhalte des CAS in der Lage sind, die Lernenden in der Erreichung eines erfolgreichen Lehrabschlusses gezielt zu unterstützen. Andererseits ist er für all jene Personen im Bildungsbereich offen, die in den unterschiedlichen Kontexten junge Menschen im Bildungsbereich und Ausbildungsbetrieben auf ihrem Weg unterstützen wollen.

WEITERE BERATUNGS- UND COACHINGANGEBOTE

Beratung und Coaching für Berufsfachschulen

Beratung und Coaching für Hochschulen

Übersicht Beratung und Coaching an der PH Zürich

Zur Autorin

Mandy Gnägi ist Beraterin und Dozentin im Zentrum Berufs- und Erwachsenenbildung an der PH Zürich.

Wie «bildet» man eigentlich Erwachsene? 

Text von Nils Bernhardsson-Laros und Markus Weil

Erwachsenenbildung findet in vielfältigen Kontexten statt – von Hochschulen bis hin zu informellen Settings in Alltagssituationen. Eine zentrale Eigenheit besteht darin, Erwachsene in Lernsituationen als mündige Individuen zu betrachten, sie aber dennoch direkt oder indirekt pädagogisch anzuleiten. Didaktische Ansätze auf Augenhöhe und machtfreie Wissensvermittlung bieten Lösungen, können das Spannungsfeld aber nicht völlig aufheben.

Gemeinschaftliches Lernen in der Erwachsenenbildung

Dilemma von Selbst- und Fremdsteuerung

Ganz unabhängig davon, in welchen Kontexten Erwachsene «gebildet» werden, geht dies immer mit einem konstitutiven Dilemma einher, das historische Hintergründe hat. Bereits in den 1920er Jahren, mit der Transformation von der Volks- zur Erwachsenenbildung und der Entstehung der sogenannten «neuen Richtung», wurde der traditionelle Ansatz einer erziehenden Belehrung infrage gestellt. Stattdessen orientierte man sich an machtfreien Bildungsformaten, in denen gemeinschaftliches Lernen im Vordergrund stand. Seitdem führt die Erwachsenen- und Weiterbildung ein Dilemma mit sich: Erwachsene werden einerseits als autonome, bereits erzogene Individuen betrachtet, während sie andererseits im Bildungsprozess doch pädagogisch adressiert werden müssen. Dieser dichotome Zusammenhang von Erziehung und Bildung mag – je nachdem in welchen Kontexten Erwachsene gebildet werden sollen, ob in formalen Unterrichtssituationen, in Gruppenanlässen oder in gestalteten Lernumgebungen – mal mehr und mal weniger zum Tragen kommen. Zumindest im Hintergrund bleibt er jedoch immer bestehen und kann nicht aufgelöst werden. Eine gewisse Pädagogisierung ist unvermeidbar und gleichzeitig auch erwünscht.

Vertrauen und Vertragsprinzip

Auch in Kontexten in denen eine (vermeintlich) machtfreie Wissensvermittlung propagiert wird, kommen Lehrende nicht umhin, wenn auch in einem geringen Masse, paternalistisch zu handeln, indem sie stellvertretende Deutungen für die Bildung der Lebenspraxis ihrer Lernenden vornehmen. Selbst wenn man sich dabei am Vertragsprinzip orientiert und sich als Bildungsdienstleister:in versteht, die/der manifeste Bildungsbedürfnisse der Lernenden erfüllt, kann und soll offen mit der notwendigen Pädagogisierung der Lernenden umgegangen werden. Auch in vertraglich konnotierten Bildungskontexten begeben sich die Teilnehmenden in die Hände der jeweiligen lehrenden Person, der sie zunächst mit einem Vertrauensvorschuss begegnen müssen. Der offene und reflektierte Umgang mit dieser paternalistischen Dimension ist eine Herausforderung, die eine langfristige, berufsbiographische Reflexion erfordert.

Formelle und informelle Settings

Gerade in der Erwachsenenbildung, wo sehr viele informelle und selbstgesteuerte Elemente zum Tragen kommen, wird die Rolle der Lehrenden häufig unterschätzt – auch in vermeintlich vertraglich definierten Bildungssettings.

Es lässt sich differenzieren, ob es sich um ein informelles, selbst initiiertes Lernsetting handelt oder um ein formelles, strukturiertes. Informelles Lernen, wie beispielsweise beim Austausch mit Kolleg:innen, wird oftmals selbst initiiert und weniger stark mit einem Machtgefälle in Verbindung gebracht. Je nach Verhalten der auskunftgebenden Person, kann aber auch hier eine Pädagogisierung Einzug halten. Gestaltete Lernumgebungen laden zum Selbstlernen ein, hier wird die Steuerung auf die Lernumgebung übertragen, wenn zum Beispiel bestimmte Informationen zur Verfügung gestellt werden und andere nicht. In dieser Reihe sind formalere Settings am stärksten mit dem Dilemma «Wie bildet man eigentlich Erwachsene?» konfrontiert. Lehrende können jedoch durch didaktische Gestaltung auf Augenhöhe und durch die bewusste Schaffung machtfreier Lernumgebungen gegensteuern. Auch das Angebot von Lernumgebungen, die Erwachsene selbst erkunden und gestalten können, bietet eine Möglichkeit, diesem Dilemma entgegenzutreten und das Lernen auf eine machtfreie, partizipative Grundlage zu stellen. Diese Grundlagen werden auch auf anderen Bildungsstufen thematisiert, neu hinzu kommt hier, dass die Zielgruppe mündige Erwachsene sind, die in der Regel viele berufliche und Lebenserfahrungen mitbringen welche im pädagogischen Setting zu berücksichtigen sind.

Fazit: Reflektieren und Weiterentwickeln

Die Reflexion dieses Spannungsfeldes zeigt, dass die Erwachsenenbildung in Bezug auf Macht, Verantwortung und Autonomie immer wieder neu ausbalanciert werden muss. Um mit der Dichotomie zwischen fremdbestimmter Erziehung und machtfreier Bildung umzugehen, hat sich in der Erwachsenen- und Weiterbildung ein Ansatz etabliert, der auf sogenannten «Erzogenen-Idealen» basiert. Dabei wird z.B. von hochgradig gebildeten, wissenden oder zur biografischen Selbstreflexion fähigen Menschen ausgegangen, woraufhin sich die Zielgruppe der Bildungsangebote als solche adressieren lässt, die diesen Idealen (noch) nicht entspricht. Für die Erwachsenenbildung bedeutet dies, dass ein zentrales Ziel darin besteht, dass Lehrende und Bildungseinrichtungen einen normativen Standpunkt entwickeln und diesen kontinuierlich in Bezug auf das berufliche Handeln sowie die Teilnehmenden ihrer Veranstaltungen reflektieren und weiterentwickeln. Das ist insbesondere relevant für die ständige Anpassung der eigenen Bildungsansprüche an die Bedarfe und Erwartungen der Lernenden. 

Die Erwachsenenbildung stellt Reflexionsinstrumente bereit, mit denen das eigene pädagogische Handeln hinterfragt und überprüft werden kann. Sie ergänzt den Erwerb professioneller Kompetenzen, wie sie in Weiterbildungen, der beruflichen Grundbildung oder Höheren Berufsbildung (z. B. Fachausweis) vermittelt werden, durch akademische Professionalisierungsstrategien.

INFOBOX

Wenn Sie Interesse an Fragen zur Praxis der Erwachsenenbildung haben oder diese als Reflexionsinstanz nutzen möchten, um Ihr eigenes pädagogisches Handeln weiterzuentwickeln, bietet die PH Zürich vielfältige Weiterbildungsangebote sowie Möglichkeiten zum Austausch und zur Vernetzung.

AUSTAUSCHGRUPPE«EB@PHZH»
Die informelle Austauschgruppe EB@PHZH trifft sich mindestens zweimal pro Jahr am Campus PH Zürich oder online. Informationen zur Gruppe und weiteren Veranstaltungen zum Thema finden sich auf der Seite Netzwerk Erwachsenenbildung.

TAGUNG
Gestaltung und Entwicklung von Lernräumen in der Erwachsenenbildung: Physische und virtuelle Dimensionen
Kooperation SVEB–PH Zürich
Donnerstag, 30. Januar 2025, 13–17.45 Uhr, Campus PH Zürich

MODULE
Angebotsentwicklung, ab 13. Januar 2025, Campus PH Zürich
Diversity Now: Diversitäten jonglieren, ab 27. Februar 2025, Campus PH Zürich
Aufgaben des Bildungsmanagements, ab 19. März 2025, Campus PH Zürich

LEHRGANG
CAS Unterricht gestalten mit digitalen Medien
ab 28. Januar 2025, Campus PH Zürich

LITERATUR
Bernhardsson-Laros, N. (2024): Spannungen zwischen Theorie und Praxis in der Erwachsenen- und Weiterbildung. Relationierungen im Rahmen einen habitualisierten ethischen Reflexivität

Zu den Autoren

Nils Bernhardsson-Laros ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Schulentwicklung an der PH Zürich.