Jetzt braucht es «Schulleitung für alle»

Wie «Schule für alle» gelingen kann, gehört zu den zentralen Herausforderungen für Schulleitungen. Zwischen politischem Auftrag, gesellschaftlichen Erwartungen und zunehmendem heterogenen Schulalltag geht es für Führungspersonen darum, Integration nicht nur zu organisieren, sondern wirksam zu verankern. Im Fokus stehen dabei das Verständnis und die gezielte Nutzung sonderpädagogischer Expertise als integraler Bestandteil schulischer Führung.

Der Beitrag von Aurelia Hummel und Alexandra Hofmann, der im PROFIL Nr. 2/2026 am 26. Juni erscheint, nimmt genau diese Perspektive ein. Im Interview greift Ivo Kamm zentrale Gedanken ihrer Publikation auf und vertieft sie aus der Perspektive von Schulleitungen: Was bedeutet es konkret, Integration zu führen? Welche Kompetenzen sind gefragt? Und wie kann es gelingen, die «Schule für alle» im Spannungsfeld von Praxis, Politik und öffentlichem Diskurs nachhaltig zu stärken?

Die beiden Autorinnen Aurelia Hummel und Alexandra Hofmann zeigen auf, warum eine integrative Schule nur dann ihre Wirkung entfalten kann, wenn sonderpädagogische Konzepte nicht isoliert gedacht, sondern bis auf die Leitungsebene hin durchdrungen und verantwortet werden. Am Beispiel der Psychomotoriktherapie verdeutlichen sie, welches Potenzial in professionell eingesetzten Förderangeboten liegt – und welche Risiken entstehen, wenn dieses Wissen im System nicht ausreichend verankert ist.

1. Ihr Text plädiert für eine «Schule für alle» und betont die Notwendigkeit einer vertikalen Verankerung sonderpädagogischer Konzepte. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Beitrag gerade jetzt zu schreiben?

Hummel: Weil wir nicht glauben, dass die Schule für alle kaputt ist. Wir sind am Besserwerden mit den Instrumenten, die wir haben. Eines der Wichtigsten – aus unserer Sicht als Psychomotoriktherapeutinnen – sind die sonderpädagogischen Massnahmen, die den Volksschulen gegeben sind. Da erleben wir im Berufsalltag beides, dass Kindern und ihren Lehrpersonen wirklich eine Last genommen wird – oder wie das System leerläuft. Dann sagen alle: «Seht ihr? Diesen Kindern helfen wir nur noch mit einer separaten Schiene.» Dabei wäre das oft nicht nötig.

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Ein Jahr im Bildungssystem Kanadas

Als Gastdozent ein Jahr an der University of British Columbia in Vancouver ist ein wunderbarer Spiegel, um mehr über das eigene Schulsystem zu lernen. Besonders beeindruckt hat der Umgang mit Inklusion. Gedanken von Frank Brückel.

Hautnah erleben, was auf der anderen Seite des Globus «Schulentwicklung» bedeutet und wie dort versucht wird, aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen in den Schulen zu begegnen und Lösungen zu implementieren! Dies war das Ziel meiner Arbeit als Gastdozent an der University of British Columbia zwischen August 2019 und Juli 2019 in Vancouver, Kanada.

Das alles beherrschende Thema in British Columbia ist seit einigen Jahren die Inklusion. Dabei wird «inklusiv» sehr umfassend verstanden. Im Grunde geht es darum, dass Unterschiede hinsichtlich der Vielfalt in Kultur, Religion, Geschlecht, Fähigkeiten oder sozioökonomischem Hintergrund akzeptiert und geschätzt werden und alle Menschen gleiche Chancen in ihrer individuellen Entwicklung erhalten.

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