IDG

Wie Nachhaltigkeit Führungskultur wird – IDGs als Orientierungsrahmen für Schulführung

Die Sustainable Development Goals (SDGs) geben seit 2015 den globalen Rahmen für nachhaltige Entwicklung vor. Schulen spielen hierbei eine zentrale Rolle, weil sie Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung fördern. Jedoch werden die Kompetenzen für nachhaltige Entwicklung in der Praxis häufig nur oberflächlich umgesetzt. Der Grund liegt weniger im fehlenden Wissen als in der Schulkultur. Der Beitrag von Franziska Kamm, Ivo Kamm, Irene Lampert und Simone Schoch (2026) in der neuen Ausgabe aus dem Web-Journal #schuleverantworten wird von Stefanie Michel-Loher und Jasmin Kolb aufgegriffen und zeigt, wie Schulführung durch die «innere Dimension» ergänzt werden kann, um nachhaltiges Handeln zu ermöglichen.

Damit rückt die Frage in den Vordergrund, wie Schulführung zwischen globalen Nachhaltigkeitszielen und konkreter Schulpraxis vermittelt – ein Anliegen, das im Feld Leadership for Sustainability untersucht wird. Die innere Dimension, die im Folgenden mit den Inner Development Goals beschrieben wird, ist dabei ein zentraler, aber nicht der einzige Baustein.

Ein zentraler Faktor: Die «Inner Development Goals (IDGs)» und der «Inner Development Guide (IDG)»

Die Transformationsforschung zeigt: Nachhaltige Veränderung gelingt nur, wenn sie nicht nur Strukturen betrifft, sondern auch innere Prozesse wie Wahrnehmung, Werte und Haltungen.  Diese «innere Dimension» prägt, wie Menschen handeln – individuell und kollektiv. Häufig besteht aber eine Lücke zwischen Intention und Handeln, welche genau durch diese inneren Faktoren wie beispielsweise Selbstwirksamkeit und Handlungsplanung, geschlossen werden kann. In anderen Worten: Nicht nur was wir tun, ist entscheidend, sondern aus welcher Haltung heraus wir handeln. Während die SDGs beschreiben, welche gesellschaftlichen Ziele erreicht werden sollen, richten die IDGs den Fokus auf die inneren Fähigkeiten und Qualitäten, die für deren Umsetzung erforderlich sind. Sie ergänzen die SDGs um jene inneren Fähigkeiten, die nachhaltiges Handeln ermöglichen, und umfassen fünf Dimensionen (Jordan et al., 2021; IDG Foundation, 2025 in Kamm, Kamm, Lampert u. Schoch, 2026, 3):

  • Being – Sein: Innerer Kompass; Integrität & Authentizität; Offenheit & Lernbereitschaft; Selbstwahrnehmung; Gegenwärtigkeit 
  • Thinking – Denken: Kritisches Denken; Perspektivische Fähigkeiten; Systemisches Denken; Langfristige Orientierung & Visionen; Kreativität 
  • Relating – Beziehungen: Wertschätzung; Verbundenheit; Demut; Empathie & Mitgefühl; Vergebung 
  • Collaborating – Zusammenarbeit: Beziehungen aufbauen; Inklusive Denkweise & interkulturelle Kompetenz; Ko-Kreation; Kommunikationsfähigkeiten; Mobilisierung 
  • Acting – Handeln: Mut; Hoffnung & Optimismus; Bewusster Umgang mit Ressourcen; Proaktives Handeln; Resilienz 

Verbindung zur Schulführung

Das Zürcher Schulführungsmodell dient als Grundlage für die Schulleitungsausbildung der PH Zürich und beschreibt Führung als sozialen Prozess auf drei Ebenen: normative Ansprüche, Handlungsfelder und Gestaltungsebenen. Es beschreibt die zentralen Anforderungen und Kompetenzen schulischer Führung. Durch die Einbindung der Inner Development Goals wird dieses Modell um eine entscheidende Perspektive erweitert: die Frage, aus welcher inneren Haltung heraus Führung gestaltet wird. Wie sich diese Verbindung konkret zeigt, verdeutlichen die Autor:innen anhand von Einblicken aus der Schulleitungsausbildung. Im Folgenden wird exemplarisch ein Beispiel aufgegriffen:

«In einer schriftlichen Reflexion im Rahmen einer Schulleitungsweiterbildung stellte sich eine Schulleitung drei Fragen an die eigene Praxis: wo im Team ein Bedürfnis nach Kontrolle be­stehe, wo sich Verantwortung tatsächlich teilen lasse — und was man dem Team wirklich zutraue. Diese Fragen berühren das, was das Zürcher Schulführungsmodell (ZSFM) als Anspruch Sinn beschreibt: die Aus­einandersetzung mit Werten und Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns (Anderegg & Strauss, 2023). Der Blick richtete sich zu diesem Zeitpunkt noch stark auf die äussere Gestaltung – auf Strukturen und Gefässe. In einer späteren Reflexion zeigt sich eine Verschiebung: Dieselbe Schul­leitung beschreibt, dass sich bereits etwas verändere, wenn sie nicht eingreife. Ge­danken würden zu Ende gedacht, Unsicherheiten dürften ausgesprochen werden und neue Perspektiven entstünden oft von selbst. Diese Bewegung – von der gestaltenden zur beglei­tenden Aufmerksamkeit – berührt zentrale Aspekte des IDG: die Dimensionen Being und Acting im Zusammenspiel (IDG Foundation, 2025). Theoretisch lässt sie sich an Scharmers Konzept der Aufmerksamkeitsqualität anschliessen (Scharmer, 2022, S. 23–25). Sie verbindet das ZSFM-Handlungsfeld Entwicklung mit den IDG-Dimensionen Being und Collaborating (Kamm, Kamm, Lampert u. Schoch, 2026, 5-6).»

Wie die Autor:innen ausführen, beschreibt der IDG weniger ein Ziel als vielmehr eine gemeinsame Orientierung. Dabei sind nicht nur entsprechende Programme oder Strukturen wichtig, sondern auch eine Schulführung, die den IDGs eine qualitativ hohe Aufmerksamkeit schenkt. Die Verbindung von Zürcher Schulführungsmodell und IDG zeigt exemplarisch, wie Schulen Nachhaltigkeit nicht als Zusatzaufgabe, sondern als Teil ihrer Führungs- und Organisationskultur begreifen können. Weiterführende Perspektiven dazu finden sich im Sammelband Leadership for Sustainability – BNE in Bildungsorganisationen stärken (Lampert & Allenspach, 2026).

INFOBOX:

Der ganze Beitrag ist in der aktuellen Ausgabe des Web-Journals von #schuleverantworten zum Thema nachzulesen. Ebenso kann der dazugehörige Webdialog unter folgendem Link nachgehört werden.

#schuleverantworten ist eine Kooperation der PH Niederösterreich und der PH Zürich. Die angebotenen kostenlosen Web-Dialoge und das Web-Journal sollen Ideen, Dialoge und Erfahrungen bieten, Impulse geben und zum Diskurs an und um Führungsverantwortung in der Schulwelt anregen.

Zu den Autorinnen

Jasmin Kolb hat pädagogische Psychologie an der Universität Fribourg studiert und arbeitet im Zentrum Management und Leadership als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Sie beschäftigt sich vor allem mit wissenschaftlichen Evaluationen und der Weiterentwicklung der Schulleitungsausbildung.

Stefanie Michel-Loher

Stefanie Michel-Loher arbeitet im Zentrum Management und Leadership. Sie ist Studiengangs- und Lehrgangsleiterin im DAS Schulleitung und beschäftigt sich mit Fragen zu Führung, insbesondere bezüglich Educational Governance und Bildungsprozessen an Schulen.

Redaktion: Jasmin Kolb
Titelbild: IDG Brandguide, https://innerdevelopmentgoals.org/guide/

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