Vom 13. bis 15. Juli 2026 fand im Tagungszentrum Schloss Au der Einstieg in die Grundlagen Teacher Leadership zum ersten Mal international statt. Es waren neben Teilnehmenden aus der Schweiz auch Teilnehmende von Schweizer Schulen im Ausland dabei. Sie brachten Schulkontexte mit, die sich in Strukturen, Ressourcen und Rahmenbedingungen teils deutlich von Schweizer Volksschulen unterscheiden. Die drei Tage standen im Zeichen vom Verstehen des jeweiligen Systems, des Führungskontextes und der individuellen Rolle und waren geprägt von Einblicken in diverse schulische und ausserschulische Kulturen.
Max (Name geändert) hat sich entschieden nach Singapur an die Schweizer Schule zu wechseln. Neben den drei Tagen auf dem Schloss Au, steht die Organisation eines Umzugs gerade auf seinem Arbeitsplan. Es müssen Absprachen bezüglich Visums, Wohnung und Einstieg in die neue Schule vorbereitet werden. Er weiss noch nicht so genau was auf ihn zukommt. Seine Aufgabe und die Schule kennt er. Die Kultur des Landes und der Schule, die Kolleg:innen und ihre Erwartungen und Bedürfnisse noch nicht. Wie wird dort Verantwortung verteilt? Wer entscheidet, was gilt als selbstverständlich und wie wird Neues aufgenommen?
Was Teacher Leadership an Schweizerschulen im Ausland besonders macht
Die Schweizerschulen im Ausland sind ein besonderer Kontext für gemeinschaftliche Schulführung. Es gibt 16 vom Bund anerkannte Schulen in 10 Ländern auf 3 Kontinenten, von Mailand und Barcelona über Bogotá und Curitiba bis Singapur und Beijing. Aus der Initiative der lokalen Schweizer Gemeinschaften entstanden, wird an Schweizer Schulen nach Schweizer Lehrplan unterrichtet, mit grossem Fokus auf Mehrsprachigkeit. Ihr Umfeld ist komplex: Trägerschaft, Bund, Dachverband und Gastland wirken zusammen. Dazu kommen häufige Personalwechsel aufgrund der Anstellungsbedingungen von lediglich zwei Jahren. Wie man unter solchen Bedingungen Verantwortung im Kollegium verteilt und Wissen sichert, war ein Thema, das die Teilnehmenden aus den Schulen im In- und Ausland besonders beschäftigte.
Daraus ergeben sich Fragen, die im Einstieg immer wieder auftauchten und für spannende Diskussionen sorgten:
Führung in einem Mehrebenensystem, das anders aussieht. Zum Modell der Educational Governance gehören hier neben Schulleitung und Trägerschaft auch der Bund, der Dachverband, Patronatskantone und das Gastland. Die Analyse des eigenen Führungsumfelds fiel deshalb für viele Teilnehmende anders aus als in einer Schweizer Volksschule.
Unterschiedliche Anstellungsbedingungen. Wenn Lehrpersonen oft mehrjährig, aber befristet angestellt sind, kommt es stark darauf an, Verantwortung im Kollegium zu verteilen und Wissen zu sichern. Themenbezogene und professionsbezogene Teacher Leader sind hier besonders wichtig, um etwa bei dem Entwicklungsschwerpunkt Mehrsprachigkeit oder bei der Umsetzung des Schweizer Lehrplans im Gastland Verantwortung und Einfluss wahrzunehmen.
Schweizer Standards und lokaler Kontext. Teacher Leader vermitteln zwischen dem, was «Schweizer Bildung» bedeutet, und den Gegebenheiten vor Ort, mit Kolleg:innen aus unterschiedlichen Kulturen und ihren jeweiligen Berufsbiografien.
Neben unterschiedlichen Voraussetzungen und Hintergründen kommen im Austausch doch auch immer wieder Gemeinsamkeiten zum Vorschein. Besonders spannend waren die Bilder von Schule und Zusammenarbeit, die mittels Aktivierungsaufgaben am Anfang der drei Tage diskutiert wurden. Aussagen, die man in Schulen immer wieder hört, zeigen unterschiedliche Bilder von Schule und Zusammenarbeit: Für die einen ist wichtig, dass es im Team allen gut miteinander geht. Andere sagen, dass am Ende die individuelle Autonomie von Lehrpersonen das höchste Gut ist, in die man als Kolleg:in nicht eingreifen kann (oder sollte). Solche Überzeugungen können aufzeigen, warum Teacher Leadership nicht allein eine Frage von Struktur und Strategie ist. Sie ist auch eine Frage der individuellen Überzeugungen und Kultur. Deshalb stand neben fachlichen Inputs und wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema Führung und Teacher Leadership vor allem auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle und den Erwartungen im Mittelpunkt.
Thesen, die die Teilnehmenden zum Thema Teacher Leadership basierend auf der Auseinandersetzung mit entsprechender Literatur und eigenen Erfahrungen bestätigten dies. In verschiedenen Plakaten zeigten sie auf, dass eine gemeinsame Haltung benötigt wird. Jede Lehrperson trägt hierzu bei und Vertrauen wird als die Basis gesehen. Führen oder Einflussnehmen auf Kolleg:innen heisst demnach, Themen zu initiieren, Räume der Ermöglichung zu schaffen und die Expertise im Kollegium zu nutzen. Dies hängt auch immer mit dem Aushalten und Ansprechen von Widerständen zusammen und wird von den Teilnehmenden teils auch als Schwierigkeit zur eigenen Rolle als Teacher Leader wahrgenommen. Gerade bei hoher Fluktuation ist dies entscheidend. Solche und weitere individuellen Überzeugungen galt es herauszuschälen, in Frage zu stellen und im weiteren Verlauf der Grundlagen Teacher Leadership weiterzuentwickeln.
Mit dem Einstieg auf Schloss Au ist die Arbeit im Lehrgang erst richtig angelaufen. Die weiteren Module finden nun online statt. So können Teilnehmende aus der Schweiz und von Schweizer Schulen im Ausland weiterhin gemeinsam lernen, unabhängig davon, in welcher Zeitzone sie arbeiten. Der Austausch der Perspektiven, der vor Ort bereits bereichernd war, bleibt damit erhalten und wird in die Praxis der einzelnen Schulen getragen.
INFOBOX:
Für die Auseinandersetzung mit Teacher Leadership bietet das Zentrum «Management und Leadership» unterschiedliche Angebote an. In den Grundlagen Teacher Leadership entwickeln Teacher Leader ihre Führungskompetenzen weiter. Die Weiterbildung Grundlagen Teacher Leadership International richtet sich an Teilnehmende aus der Schweiz und von Schweizerschulen im Ausland und wird mit Ausnahme des dreitägigen Einstiegmoduls online durchgeführt. Sie startet einmal jährlich im Sommer. Zudem gibt der nächste Anlass der Themenreihe «Teacher Leadership» Anlass für Austausch und Vernetzung – dieses Mal zum Thema «Talente wirken lassen: Stärkenorientierung in Schulteams».
Zur Autorin

Jasmin Kolb hat pädagogische Psychologie an der Universität Fribourg studiert und arbeitet im Zentrum Management und Leadership als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Sie beschäftigt sich vor allem mit wissenschaftlichen Evaluationen und der Weiterentwicklung der Schulleitungsausbildung.
Redaktion: Jasmin Kolb
Beitragsbild: Bildarchiv PHZH