Ankündigung des neuen Sammelbands «Leadership out of Boxes – Führung und Kreativität im Fokus»

Welche Rolle spielt Kreativität im Führungshandeln? Und wie kann Führung Kreativität fördern? Genau diesen Fragen widmet sich der Sammelband «Leadership Out of Boxes – Führung und Kreativität im Fokus», der Anfang Juni erscheint. Die Beiträge nähern sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven: praxisnah, theoretisch fundiert oder empirisch gestützt. In diesem Blogbeitrag geben Stefanie Michel-Loher, Nina-Cathrin Strauss und Frank Brückel einen ersten Einblick.

Im Zentrum steht ein Verständnis von Führung, das über lineare und eindimensionale Vorstellungen hinausgeht und darauf abzielt, Bedingungen für kreatives Denken und Handeln zu schaffen. Im Sinne gemeinschaftlicher Schulführung wird Kreativität als Ergebnis eines Zusammenspiels von Personen, Strukturen und Kultur verstanden, in dem neue Perspektiven entstehen und bestehende Muster weiterentwickelt werden.

In den Beiträgen wird deutlich, dass Kreativität mehr als eine «nice to have»-Fähigkeit ist. So zeigen Miriam Landes und Eberhard Steiner, dass Kreativität im Bildungskontext als zentrale Zukunftskompetenz verstanden werden muss und dass Führung eine Schlüsselrolle dabei spielt. Sie führen aus, was dazu beiträgt, um Stabilität und Erneuerung in ein produktives Gleichgewicht zu bringen, um Innovation gezielt zu fördern. Dass sich damit auch das Verständnis von Führung selbst verändert, arbeitet Thomas Wendt heraus. Ausgehend von der Begriffsgeschichte von Kreativität und Führung entwickelt er die Idee einer kreativen Führung, die dialogischer, reaktionsfähiger und weniger hierarchisch geprägt ist.

Wie stark die Bedingungen des schulischen Alltags kreative Prozesse beeinflussen, zeigt Markus Brücklmeier. Stress kann sowohl beflügeln als auch hemmen, je nachdem, ob er als bewältigbar erlebt wird. Auch Siegfried Preiser nimmt die kreativitätsfördernden Bedingungen in seinem Beitrag auf. Er verweist mit dem Konzept des Kreativitätsklimas auf die Bedeutung von Offenheit, Motivation und emotionaler Sicherheit.

Auch der Blick auf Individuen wird differenziert geschärft: Tanja Gabriele Baudson macht deutlich, dass insbesondere hochbegabte und besonders kreative Persönlichkeiten ein Führungsumfeld benötigen, das auf Partizipation, Resonanz und Wertschätzung setzt, anstatt auf Kontrolle und Hierarchie.

Wie sich Kreativität konkret in schulischen Kontexten entfalten kann

Im Rahmen der Maker Education bei Evelyne Fankhauser und Björn Maurer wird sichtbar, wie Schulen strukturell und kulturell so gestaltet werden können, dass kreative Prozesse selbstverständlich werden. Ebenso praxisnah beschreibt Eva Isberg, wie Design Thinking Schulen in Transformationsprozessen unterstützt und ko-kreative Arbeitsweisen fördert. Dass auch agile Ansätze einen solchen Rahmen bieten können, verdeutlichen Stefanie Michel-Loher, Reto Kuster, Katharina Weber und Markus Eschenlohr am Beispiel von Scrum, das Struktur und kreative Zusammenarbeit miteinander verbindet.

Diese Perspektiven werden durch empirische und praxisnahe Einblicke weiter konkretisiert: Barbara Vollmer zeigt am Beispiel einer Montessori-Schule, wie Lernumgebungen Kreativität, Selbstwirksamkeit und Gesundheit stärken können, während eine starke Standardisierung eher hemmend wirkt. Gleichzeitig macht Rahel Tschopp deutlich, dass kreative Schulentwicklung auch unter engen strukturellen Rahmenbedingungen möglich ist, wenn Gestaltungsspielräume bewusst genutzt werden.

In den Interviews mit Bettina Labahn und Nina Madjdpour wird schliesslich sichtbar, wie Kreativität Teil einer gelebten Schulkultur werden kann, getragen von Freiräumen, Kooperation sowie klaren Strukturen und verankert in einer gemeinsamen Haltung.

Den Abschluss bildet das Künstlerduo Frank und Patrik Riklin, das dazu anregt, gewohnte Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen. Mit ihrer «Formel zur Herstellung neuer Wirklichkeiten» eröffnen sie einen Perspektivenwechsel und zeigen deutlich, dass Veränderung dort beginnt, wo man das Übliche bewusst verlässt. Diese Impulse greifen sie auch im Rahmen des Symposiums Personalmanagements auf, an dem sie uns auf lebendige Weise dazu anstiften, Probleme kreativ zu lösen.

Am Symposium wird der neue Sammelband vorgestellt. Autor:innen werden vor Ort sein, um über Kreativität miteinander in den Austausch zu kommen. Damit öffnet sich ein Raum, die im Sammelband angestossenen Gedanken weiterzuführen, zu diskutieren und mit eigenen Erfahrungen zu verbinden.

Schauen Sie sich weitere Videos zum Thema Leadership out of Boxes Führung und Kreativität im Fokus an.

INFOBOX

Am Freitag, 5. Juni 2026 findet das 19. Symposium Personalmanagement zum Thema kreative Führung statt. Melden Sie sich noch bis zum 24. Mai 2026 hier an.

Zu den Autor:innen

Stefanie Michel-Loher

Stefanie Michel-Loher arbeitet im Zentrum Management und Leadership. Sie ist Studiengangsleiterin des DAS Schulleitung und Co-Tagungsverantwortliche des Symposiums Personalmanagements: «Handle unüblich! Neue Wirklichkeiten wagen – Eine lustvolle Anstiftung zur kreativen Problemlösung».

Frank Brückel

Frank Brückel ist Dozent im Zentrum Schule und Entwicklung an der PH Zürich. Er leitet die Arbeitsgruppe Tagesschule und ist zudem Mitglied im Leitungsteam MAS Weiterbildungsstudien. Er kennt sich speziell in Schulentwicklung, Ganztagesbildung und Professionalisierung bei Lehrpersonen aus.

Nina-Cathrin Strauss

Nina-Cathrin Strauss ist Dozentin im Zentrum Management und Leadership und promovierte Pädagogin. In Ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit der Professionalisierung von Schulführung, insbesondere von Teacher Leadern und Schulleitungen. Sie ist Lehrgangsleiterin im DAS Schulleitung und Themenverantwortliche für Teacher Leadership.

Redaktion: Melina Maerten
Beitragsbild: Bildarchiv PHZH

«Es braucht den positiv-neonaiven Raum, um Dinge aus einer anderen Perspektive zu entdecken.»

Die Schweizer Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin durchbrechen Denkmuster, öffnen Denkräume, brechen Routinen und setzen Irritationen. Was die Zwillinge bewegt, wie sie arbeiten und warum es sich lohnt, immer wieder neue Fragen zu stellen, um Zukunft zu gestalten, hat Stefanie Michel-Loher im Gespräch mit ihnen erfahren.

Ihr seid Zwillinge und arbeitet seit Jahrzehnten zusammen. Wie würdet ihr euch beschreiben?

Frank Riklin: Ich bin neun Minuten früher geboren als Patrik. Wir sagen immer: Ich habe neun Minuten mehr Lebenserfahrung. Patrik ist dafür neun Minuten frischer, vielleicht ein bisschen weniger «verbraucht».

Patrik Riklin: Wenn ich Frank beschreibe, ist er strukturierter, schneller im Zusammenfassen und verschafft sich rasch einen Überblick. Ich bin spontaner, chaotischer, unlogischer. Was uns verbindet, ist die Kreativität, insbesondere diese Haltung der «Neonaivität»: die Mischung aus Verstand und Fantasie, aus Wissen und dem Mut, Dinge anders zu denken. Wir sind zwei Individuen – vermeintlich gleich, aber doch verschieden. Wir haben denselben Spirit, aber unterschiedliche Kanten. Und genau in dieser Symbiose entsteht unsere Kraft. Wir sind mehr als nur Zwillinge. Wir arbeiten seit über 50 Jahren zusammen.

Frank: Wir lernen täglich voneinander. Ich versuche zum Beispiel, mir meine eigene Neonaivität immer wieder wachzuküssen, dieses innere Kind. Naivität ist bekanntlich eine Stärke des Kindes: neugierig, experimentierfreudig, glauben, ohne alles vorab zu wissen.

Patrik: Was früher der Sandhaufen im elterlichen Garten war, übersetzen wir heute in den gesellschaftlichen Raum. Diese Haltung prägt unsere heutige Arbeit: Möglichst intuitiv ins Tun kommen, spielerisch, humorvoll, ohne alles tot zu recherchieren. Natürlich braucht es danach wieder Struktur, damit Ideen anschlussfähig werden und andere mitgehen können. Aber zuerst braucht es diese Frische; das unverkrampfte Spiel mit Normen und Grenzen. Sokrates sagte: «Ich weiss, dass ich nichts weiss.» Je mehr wir wissen, desto mehr merken wir, was wir nicht wissen. Diese Tatsache beschäftigt uns sehr.

«Es braucht den positiv-neonaiven Raum, um Dinge aus einer anderen Perspektive zu entdecken.» weiterlesen