Myriam Ziegler Amtschefin VSA Zürich

«Unsere Volksschule ermöglicht jedem Kind eine Grundbildung»

Seit dem 1. Juni 2020 ist Myriam Ziegler neue Amtschefin des Volksschulamts im Kanton Zürich (VSA). Vorher war sie in der gleichen Position im Kanton Zug tätig. In diesem Interview erfahren Sie von Ziegler, was sie als Amtschefin motiviert sowie ihre Vorstellungen und Wünsche an und von den Zürcher Schulleiterinnen und Schulleitern.

Myriam Ziegler, was motiviert sie, die Führung des Volksschulamtes im Kanton Zürich zu übernehmen?

Unsere Volksschule ermöglicht jedem Kind eine Grundbildung und stellt damit für mich einer der wichtigsten Werte dar, die wir unseren Kindern und Jugendlichen mit auf den Weg geben können. Bildung eröffnet ganz generell dem einzelnen Kind seine Zukunftsperspektiven und ist gleichzeitig für unsere Gesellschaft eine wichtige Ressource.

Die Chance zu haben, zusammen mit meinen Mitarbeitenden des VSA die Volksschule im Kanton Zürich zu unterstützen und weiterzuentwickeln, das empfinde ich als grosses Privileg. Zudem finde ich die Arbeit an der Schnittstelle zwischen Politik und Praxis sehr spannend. Zugegeben, diese Arbeit kann zwischendurch auch herausfordernd sein, aber das trübt keineswegs meine Freude an einer äusserst sinnvollen Tätigkeit in der kantonalen Verwaltung.

Welche Entwicklungen werden nach Ihren Einschätzungen in den nächsten 10 Jahren auf die Volksschule zukommen?

Die Volksschule hat in den letzten Jahren zahlreiche Änderungen und Entwicklungen erfahren. Ich denke, wir befinden uns zurzeit noch immer in einer Phase der Konsolidierung.

Aber selbstverständlich werden wir weiterhin auf die verschiedensten Entwicklungen reagieren müssen. Um hier nur einige Beispiele zu nennen:
Zu den grössten Herausforderungen gehört sicher, dass wir auch künftig in ausreichendem Masse auf einen gut ausgebildeten Nachwuchs für Lehrpersonen zählen können. Sicherlich wird uns auch die «Digitale Transformation» mit ihren Auswirkungen auf die Organisation der Schule und insbesondere auch auf den Unterricht beschäftigen. Aufgrund des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels wird das Thema «Tagesstrukturen» aktuell bleiben. Und nicht erst seit der Covid-Pandemie ist für uns auch das Thema «Gesundheit der Lehrpersonen» ein wichtiger Punkt, mit dem wir uns ausführlich beschäftigen.

Welchen Beitrag kann die Schulführung – also Schulleitungen, Schulbehörden, Teacher Leaders, Schulverwaltungsleitungen u.a. – dazu leisten?

Schul- und Unterrichtsentwicklung ist ohne die aktive Beteiligung der Schulführung und die vorgelebte Verantwortung nicht möglich. Am wichtigsten erachte ich deshalb, dass alle an der Schule Beteiligten sich gegenüber Veränderungen und Entwicklungen grundsätzlich offen zeigen.

Dies bedeutet nicht, dass ich einen sofortigen Aktivismus erwarte. In erster Linie geht es darum, dass man sich mit Veränderungen auseinandersetzt, diese reflektiert und Überlegungen anstellt, ob und wenn ja, welche Entwicklungen im schulischen Umfeld notwendig sind, damit wir unseren Auftrag – nämlich die Kinder und Jugendlichen gemäss ihren Leistungsfähigkeiten bestmöglich zu fördern und für ihren weiteren Lebensweg zu stärken – erfüllen können.

Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Aufgaben einer Schulleitung?

Das Aufgabengebiet der Schulleitung ist sehr vielseitig und anforderungsreich. Ich bin überzeugt, dass Schulleiterinnen und Schulleiter sowohl für die organisatorische, aber insbesondere auch für die pädagogisch/didaktische Entwicklung einer Schule von prägender Bedeutung sind. Eine klare und motivierende Personalführung gehört ebenso zu den wichtigsten Aufgaben wie die gezielte und transparente Kommunikation mit allen an der Schule Beteiligten. Zusammen mit den Lehrpersonen geben die Schulleitungen ihrer Schule ein eigenes, von den kommunalen Anforderungen und Bedürfnissen geprägtes Profil und tragen wesentlich zur guten Qualität unserer Volksschulen bei. 

Was wünschen Sie sich als Amtschefin von den Zürcher Schulleiterinnen und Schulleitern?

Ich wünsche mir vor allem, dass wir gemeinsam einen konstruktiven und offenen Dialog sowie eine zielführende Zusammenarbeit pflegen – eine Zusammenarbeit, welche das grosse Engagement der Schulleiterinnen und Schuleitern unterstützt und das gemeinsame Verständnis zwischen uns fördert.

Wenn Sie ein Forschungsprojekt im Themenbereich Schulführung im Kanton Zürich in den Auftrag geben könnten: Was für ein Projekt wäre dies?

Nun, am liebsten wäre mir natürlich eine Antwort auf die Frage, wie die für alle Kinder gleichermassen (fast) perfekte Schule funktionieren würde. Wir alle wissen, dass wir eine abschliessende Antwort auf diese Frage wohl kaum je erhalten werden. Aber wir bleiben dran!

Zum Autor

Niels Anderegg leitet an der PH Zürich das Zentrum Management und Leadership. In seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit befasst er sich mit dem Zusammenhang von Führung und Lernen. Er interessiert sich für die Frage, was eine «gute Schule» ist und was Führungspersonen dazu beitragen können. Unter anderem leitet er den Lehrgang «Pädagogische Schulführung» und «Schulführung und Inklusion».

Redaktion: Melina Maerten

Titelbild: zVg, © Marion Nitsch/Lunax

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