Porträt Lior Müller Querformat

Keine Patentrezepte, dafür jede Menge Praxis

Wie wird aus theoretischem Führungswissen gelebte Praxis? Und was hilft, wenn der Schulalltag mal wieder seine ganz eigenen Pläne hat? Diese Fragen diskutiert Lior Müller als Praxisdozentin mit den Teilnehmenden im DAS Schulleitung. Wie sie die Rolle als Praxisdozentin gestaltet und was ihr dabei wichtig ist.

Noch gar nicht so lange ist es her, dass ich selbst im DAS Schulleitung an der Pädagogischen Hochschule Zürich sass. Ich erinnere mich an spannende Führungsmodelle, inspirierende Diskussionen und die vielen Fragen, die mich damals beschäftigten. Besonders neugierig war ich darauf, wie sich all diese Erkenntnisse im Führungsalltag tatsächlich bewähren würden.

Heute darf ich den Lehrgang aus der Perspektive der Praxisdozentin erleben. Dabei teile ich meine Erfahrungen als Schulleiterin, diskutiere mit den Teilnehmenden über konkrete Herausforderungen und begleite sie ein Stück auf ihrem Weg, den ich selbst gegangen bin. Dass ich noch gut weiss, wie es sich auf der anderen Seite des Tisches anfühlt, ist dabei durchaus von Vorteil.

Schule gestalten – mit Menschen und für Menschen

Nach mehreren Jahren als Primarlehrerin hat sich mit meinem Wechsel in die Schulleitung mein Blick auf Schule erweitert. Besonders begeistert mich die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen Entwicklungen anzustossen und Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen ihre Stärken entfalten können. Unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und zu erleben, wie aus einer ersten Idee etwas entsteht, das im Schulalltag tatsächlich einen Unterschied macht – genau das macht Führung für mich so sinnstiftend.

Natürlich gehören auch anspruchsvolle Entscheidungen, unterschiedliche Erwartungen und unerwartete Wendungen dazu. Gelegentlich wäre eine Gebrauchsanweisung für den Führungsalltag praktisch. Wobei diese vermutlich spätestens nach dem ersten Montagmorgen bereits überarbeitet werden müsste.

Wenn Führungsmodelle auf den Alltag treffen

Als Praxisdozentin ergänze ich in enger Absprache mit den Dozierenden die Studientage mit praxisnahen Inputs, konkreten Fallbeispielen und Einblicken in meinen Führungsalltag als Schulleiterin für Sonderpädagogik. Mein Anliegen dabei: Theorie soll nicht nur verstanden, sondern im Führungsalltag auch nutzbar werden. Denn während sich Führungsprozesse auf dem Papier wunderbar strukturieren lassen, hält sich der Schulalltag nicht immer an das vorgesehene Ablaufdiagramm. Ein kurzfristiger Personalausfall, ein anspruchsvolles Elterngespräch und eine dringende Entscheidung, bei der unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen – und das alles möglichst noch vor der ersten Kaffeepause.

Solche Situationen bieten spannende Ausgangspunkte, um gemeinsam mögliche Handlungswege zu erkunden. Was ist gerade wichtig? Welche Perspektiven gilt es einzubeziehen? Und wie gelingt es, auch unter Druck überlegt zu handeln? Dabei teile ich nicht nur Erfahrungen, die sich bewährt haben, sondern auch eigene Stolpersteine. Denn gerade dort, wo nicht alles nach Plan läuft, entstehen oft die wertvollsten Erkenntnisse.

Auf Augenhöhe – und ohne «die richtige Antwort»

Ich erinnere mich gut an die Vorfreude, aber auch an die Unsicherheiten, die mit dem Einstieg in eine Führungsfunktion verbunden sind. Plötzlich soll man Orientierung geben, Entscheidungen treffen und möglichst souverän auftreten – während man selbst noch dabei ist, den eigenen Führungsstil zu entwickeln. Deshalb möchte ich für die Teilnehmenden eine unkomplizierte Ansprechperson sein, bei der auch vermeintlich einfache Fragen, persönliche Anliegen und Unsicherheiten Platz haben.

Ich verstehe mich als Sparringspartnerin, die Erfahrungen teilt, neue Blickwinkel eröffnet und gerne auch einmal gemeinsam über einer kniffligen Führungssituation brütet. Denn gute Führung bedeutet für mich nicht, auf alles eine Antwort zu wissen, sondern aufmerksam zuzuhören, Situationen differenziert zu betrachten, das eigene Handeln zu reflektieren und dabei verschiedene Antworten und Wege zu finden.

Besonders bereichernd ist dabei, dass der Austausch in beide Richtungen funktioniert. Die Teilnehmenden bringen unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven ein, die auch mich immer wieder zum Nachdenken anregen. So nehme ich aus den Studientagen regelmässig neue Impulse für meine eigene Führungspraxis mit.

Freude an Führung weitergeben

Was ich den angehenden Schulleitungen besonders gerne mitgeben möchte, ist neben konkreten Ideen und Handlungsmöglichkeiten vor allem die Begeisterung für diese vielseitige Aufgabe. Führung braucht Fachwissen, eine reflektierte Haltung und den Mut, Verantwortung zu übernehmen. Die eigene Führungsrolle zu entwickeln, bedeutet aber auch, sich auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und zunehmend Sicherheit im eigenen Handeln zu gewinnen. Gerade dieser Entwicklungsprozess darf Freude machen – mit Offenheit, Gelassenheit und dem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Wenn die Teilnehmenden aus den Studientagen nicht nur mit neuen Erkenntnissen, sondern auch mit gestärktem Vertrauen in ihre Fähigkeiten und ihre Führungsfunktion in den Schulalltag zurückkehren, dann habe ich als Praxisdozentin viel erreicht.

Vielleicht liegt genau darin das Schönste an meiner Rolle: Ich darf Menschen für eine Aufgabe begeistern, die mich selbst begeistert. Eine Aufgabe, die herausfordert, überrascht und unglaublich viele Möglichkeiten bietet, gemeinsam etwas zu bewegen. Und wenn dabei auch einmal herzlich über die kleinen und grossen Herausforderungen des Schulleitungsalltags gelacht wird, umso besser. Denn bei aller Verantwortung darf Führung vor allem auch eines: Freude machen!

INFOBOX

Die nächste Schulleitungsausbildung beginnt am 10. März 2027. Hier finden Sie alle wichtigen Informationen und die Anmeldung zum DAS Schulleitung.

Zur Autorin

Lior Müller

Lior Müller ist Schulleiterin Sonderpädagogik und Praxisdozentin im DAS Schulleitung an der Pädagogischen Hochschule Zürich.

Redaktion: Melina Maerten
Beitragsbild: zVg

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