Absolvent:innenbefragung DAS Schulleitung

Absolvent:innenbefragung DAS Schulleitung

Jährlich werden die Absolvent:innen befragt, um den DAS Schulleitung seit seiner erstmaligen Durchführung (Start: 2023) weiterzuentwickeln. Antworten liegen von drei Lehrgängen mit Abschluss 2025 bis 2026 vor (aus den Lehrgängen des DAS SL 01 bis 03 inklusive DAS SL Upgrade). Die Teilnehmenden beantworteten Fragen zu ihrer Ausbildungsmotivation, zur Ausbildung und zu den heutigen Herausforderungen als Schulleiter:in. Mirjam Kocher und Jasmin Kolb haben die Ergebnisse zusammengefasst.

Wer besuchte den DAS Schulleitung?

An der Absolvent:innenbefragung beteiligten sich insgesamt 105 Personen (Rücklaufquote von 44,30 Prozent) aus den Abschlussjahrgängen 2025 bis 2026. Die Befragten sind durchschnittlich 45 Jahre alt und verfügen im Mittel über vier Jahre Berufserfahrung als Schulleiter:in. Die Altersspanne reicht von 32 bis 61 Jahren, die Berufserfahrung von zwei bis 23 Jahren. Rund 70 Prozent der Teilnehmenden sind Frauen, 30 Prozent Männer.

Der überwiegende Teil der Absolvent:innen stammt aus dem Kanton Zürich (83 Personen). Weitere Teilnehmende kommen aus den Kantonen St. Gallen, Appenzell, Thurgau und Schwyz. Insgesamt sind heute 96 der befragten Absolvent:innen als Schulleiter:innen tätig und üben diese Funktion mit einem durchschnittlichen Pensum von 80 Prozent aus. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Schulleitung heute mehrheitlich im Team wahrgenommen wird. Am häufigsten führen die Absolvent:innen ihre Schule gemeinsam in einer Co-Leitung mit einer weiteren Person (61,5 Prozent, 59 Personen). Deutlich seltener sind Schulleiter:innen alleinverantwortlich tätig (18,8 Prozent, 18 Personen). Co-Leitungsmodelle mit drei oder mehr Personen kommen vergleichsweise gleich oft vor (19,8 Prozent, 19 Personen). Die Zahlen unterstreichen damit den hohen Stellenwert kooperativer Führungsformen im schulischen Kontext.

Abbildung 1 Führung als Einer- oder Co-Leitung

Abbildung 1: Führung als Einer- oder Co-Leitung

Die befragten Schulleiter:innen tragen durchschnittlich für 32 Mitarbeitende Verantwortung. Die Spannweite reicht dabei von kleineren Schulen mit acht Mitarbeitenden bis hin zu Organisationen mit 68 Mitarbeitenden. Die grosse Mehrheit der Befragten ist im Kindergarten- und Primarschulbereich (Zyklen 1 und 2: 126 Nennungen) tätig. Führungsverantwortung auf der Sekundarstufe I oder II (24 Nennungen) übernehmen hingegen deutlich weniger Absolvent:innen.

Ein Blick auf die aktuelle Funktion zeigt, dass die meisten Befragten als Schulleiter:innen (87 Personen) tätig sind. Einzelne haben darüber hinaus weiterführende oder spezialisierte Führungsaufgaben übernommen, etwa als Gesamtschulleiter:in (5 Personen), Leiter:in Bildung (1 Person) oder als Abteilungs- beziehungsweise Bereichsleiter:in (1 Person). Die nachfolgende Abbildung 2 zeigt, in welchen Aufgabenbereichen die Absolvent:innen aktuell Führungsverantwortung wahrnehmen.

Abbildung 2 Führungsaufgaben

Abbildung 2: Führungsaufgaben

Motivation für die Ausbildung zur Schulleiterin, zum Schulleiter

Die Absolvent:innen wurden dazu befragt, welche Gründe es für sie gab, den DAS-Schulleitung zu absolvieren. Insgesamt wurden 184 Gründe genannt, die thematisch geordnet wurden (Abbildung 3). Insbesondere sehen die Absolvent:innen die Entwicklung und Gestaltung von Schule sowie den Einfluss auf die Qualität der Schule als Grund, Schulleiter:in zu werden (39 Nennungen). Die persönliche Weiterentwicklung, das eigene Lernen und die Herausforderung, welche die Tätigkeit als Schulleiter:in mit sich bringt, sind ein weiterer Grund (31 Nennungen). Motivation bringen auch die Freude an der Führungstätigkeit (24 Nennungen) sowie das Leisten eines sinnvollen Beitrags für Bildung, Kinder, Jugendliche und Gesellschaft (23 Nennungen). Weitere Gründe sind die eigene Karriere, gute Rahmenbedingungen wie der Lohn oder die Arbeitszeiten (17 Nennungen), mehr Wirkung entfalten und Veränderungen anstossen zu können (15 Nennungen), die Vielfalt und Komplexität der Rolle (13 Nennungen), Arbeit mit Menschen, Teams und verschiedenen Anspruchsgruppen (12 Nennungen) und Freude an Organisation, Administration und dem Betrieb Schule (10 Nennungen).

Abbildung 3 Thematische Cluster

Abbildung 3: Thematische Cluster zur Frage «Welche waren für dich persönlich die drei wichtigsten Gründe, Schulleiter:in zu werden?»

Formate der DAS SL-Ausbildung und ihre Einschätzung und mögliche Konsequenzen

Der DAS Schulleitung bedient sich unterschiedlicher, innovativer Ausbildungsformate. Der Lehrgang kombiniert Module im Pflicht- und Wahlpflichtbereich, Lerngruppen, Praxisdozierende, Coaching, Standortgespräche und Leistungsnachweise, um die Entwicklung professioneller Führungskompetenzen für Schulleitungen zu fördern.

  • Module im Pflichtbereich finden in festen Lehrgangsgruppen statt und beschäftigen sich mit der eigenen Führungsrolle, Schulführung, Zusammenarbeit, Persönlichkeitsentwicklung, Arbeitsorganisation sowie dem Theorie-Praxis-Transfer durch Hospitationen.
  • Module im Wahlpflichtbereich werden individuell nach den eigenen Kompetenzentwicklungszielen und beruflichen Anforderungen ausgewählt und orientieren sich am Zürcher Schulführungsmodell.
  • In Laboren (Labs) und Lerngruppen bearbeiten die Teilnehmenden eigene Fragestellungen, reflektieren ihre Praxis, tauschen Erfahrungen aus und unterstützen sich gegenseitig bei aktuellen Führungsherausforderungen.
  • Die Praxisdozierenden bringen aktuelle Erfahrungen aus dem Berufsfeld in die Ausbildung ein, schaffen Praxisbezüge und stehen als Ansprechpersonen für Fragen aus der beruflichen Praxis zur Verfügung.
  • Regelmässige Standortgespräche dienen der Kompetenzbilanzierung und der Planung weiterer Entwicklungsschritte.
  • Ergänzend dazu findet ein individuelles Führungscoaching statt.

Der erfolgreiche Abschluss setzt das Bestehen von vier Kompetenz- bzw. Wissensnachweisen voraus: Wissensprüfung, Fallanalyse, Rollenspiel und Kolloquium zur Aktionsforschung.

Wie beurteilen die Absolvent:innen die verschiedenen Elemente des DAS Schulleitung?

Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild. Besonders positiv werden die Module im Wahlpflichtbereich eingeschätzt. Knapp vier Fünftel der Befragten (78,1 Prozent) betrachten diese als wichtig oder sehr wichtig für die Übernahme ihrer Schulleitungsfunktion. Fast die Hälfte (46,7 Prozent) schreibt ihnen sogar eine sehr hohe Bedeutung zu. Offenbar wird die Möglichkeit, individuelle Schwerpunkte entsprechend den eigenen Entwicklungszielen und beruflichen Anforderungen zu setzen, als besonders wertvoll wahrgenommen.

Ebenfalls hohe Zustimmungswerte erhalten die Standortgespräche und das Führungscoaching. Rund drei Viertel der Absolvent:innen bewerten diese Formate als eher bis sehr wichtig (Standortgespräche: 71,4 Prozent; Führungscoaching: 76,0 Prozent). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere individuelle Reflexions- und Begleitangebote einen wichtigen Beitrag zur Kompetenzentwicklung und zur Bewältigung von Führungsherausforderungen leisten.

Deutlich kritischer werden hingegen die Labore (Labs) beurteilt. Drei Viertel der Befragten stufen diese als eher unwichtig, unwichtig oder sehr unwichtig ein (75,2 Prozent) . Nur rund jede vierte Person misst ihnen eine hohe oder eher hohe Bedeutung bei (22,9 Prozent). Im Vergleich zu allen anderen Ausbildungselementen stellen die Labs damit das am wenigsten positiv bewertete Format dar.

Dieses Ergebnis ist vor dem Hintergrund der Konzeption der Labs interessant. Sie wurden im Zuge der Neugestaltung des Lehrgangs als selbstorganisierte und offene Lernform eingeführt und befinden sich weiterhin in der kontinuierlichen Weiterentwicklung. Die Rückmeldungen der Absolvent:innen liefern deshalb wichtige Hinweise darauf, wie dieses Format künftig noch stärker auf die Bedürfnisse angehender Schulleiter:innen ausgerichtet werden kann.

Abbildung 4 Bewertung der Module und Inhalte

Abbildung 4: Bewertung der Module und Inhalte

Beim Lernen im DAS Schulleitung spielen unterschiedliche Personen und Austauschgefässe eine wichtige Rolle (Abbildung 5). Besonders positiv werden die Dozent:innen der Module im Wahlpflichtbereich bewertet. Knapp drei Viertel der Absolvent:innen (74,3 Prozent) schätzen deren Beitrag für ihre Kompetenzentwicklung als wichtig (45,7 Prozent) oder sehr wichtig (28,6 Prozent) ein. Dies unterstreicht die Bedeutung von themenspezifischen und individuell wählbaren Lerninhalten, die an den individuellen Entwicklungszielen der Teilnehmenden ansetzen.

Ebenfalls hohe Zustimmungswerte erhalten die Lerngruppen. Rund zwei Drittel der Befragten bewerten den Austausch mit ihren Kolleg:innen als wichtig oder sehr wichtig (62,9 Prozent). Die Ergebnisse verdeutlichen, welch zentralen Stellenwert das gemeinsame Reflektieren von Erfahrungen, das gegenseitige Lernen und die kollegiale Unterstützung für die Professionalisierung von Schulleiter:innen haben.

Vergleichsweise zurückhaltender und polarisierend fällt die Bewertung der Praxisdozierenden aus. Zwar wird deren Beitrag von knapp der Hälfte der Befragten als eher wichtig bis sehr wichtig eingeschätzt (47,5 Prozent eher wichtig bis sehr wichtig), gleichzeitig beurteilt ihn eine ähnlich grosse Gruppe als eher unwichtig bis sehr unwichtig (44,7 Prozent). Dieses Ergebnis lädt dazu ein, die Rolle und Ausgestaltung praxisbezogener Begleitformate weiter zu reflektieren.

Abbildung 5 Bewertung der beteiligten Akteursgruppen

Abbildung 5: Bewertung der beteiligten Akteursgruppen

Herausforderungen von Schulleiter:innen

Die Absolvent:innen sehen sich in der Schulleitungstätigkeit mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert (Abbildung 6). Auf die Frage «Was sind aus deiner Perspektive heute die grössten Herausforderungen für eine Schulleitung?» nennen die Absolvent:innen insbesondere den Zeitdruck, die Arbeitsbelastung und die Aufgabenfülle (38 Nennungen). Zudem gestalten sich die Administration, Bürokratie und Managementaufgaben als herausfordernd (24 Nennungen). Auch die widersprüchlichen Erwartungen unterschiedlicher Anspruchsgruppen und das Sein in einer Sandwich-Position werden von den Absolvent:innen häufig genannt (23 Nennungen). Die komplexen Einzelfälle, die Inklusion und die damit zusammenhängende Elternarbeit sind ebenfalls herausfordernd (21 Nennungen). Weiter werden auch Personalgewinnung, Personalführung und Fachkräftemangel (geeignete Lehrpersonen finden, führen und halten: 20 Nennungen), Ressourcen, Pensen und strukturelle Rahmenbedingungen (zu wenige Ressourcen, Kompetenzen und Unterstützung: 19 Nennungen) und Schulentwicklung, Komplexität und Wandel (Schulentwicklung unter Bedingungen hoher Komplexität und gesellschaftlichen Wandels: 15 Nennungen) aufgeführt.

Abbildung 6 Thematische Cluster zur Frage Was sind aus deiner Persp...

Abbildung 6: Thematische Cluster zur Frage «Was sind aus deiner Perspektive heute die grössten Herausforderungen für eine Schulleitung?»

Die Ergebnisse zeigen, dass Schulleiter:innen ihre Rolle vor allem aus dem Wunsch heraus übernehmen, Schule aktiv mitzugestalten, Entwicklung zu ermöglichen und Verantwortung für eine gute Bildung zu tragen. Gleichzeitig verdeutlicht die Befragung die hohen Anforderungen des Berufsalltags, der durch Zeitdruck, administrative Aufgaben und vielfältige Erwartungen unterschiedlicher Anspruchsgruppen geprägt ist.

Die Befragung liefert damit spannende Einblicke in die Motivation, die Einschätzung von Ausbildungsformaten, die berufliche Situation und die Herausforderungen der Absolvent:innen des DAS Schulleitung. Im nächsten Beitrag ordnen Stefanie Michel-Loher und Ivo Kamm die Ergebnisse ein und diskutieren, welche Impulse sich daraus für die Weiterentwicklung des Studiengangs ergeben.

Zu den Autorinnen

Jasmin Kolb hat pädagogische Psychologie an der Universität Fribourg studiert und arbeitet im Zentrum Management und Leadership als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Sie beschäftigt sich vor allem mit wissenschaftlichen Evaluationen und der Weiterentwicklung der Schulleitungsausbildung.

Mirjam Kocher

Mirjam Kocher arbeitet als Dozentin und Senior Researcher im Zentrum Lehrberufe und pädagogische Professionalität der PH Zürich. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit Fragen der Professionalisierung von Lehrpersonen und Schulleitungen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Rolle von Schulleitungen bei der Ausbildung und Begleitung angehender Lehrpersonen.

Redaktion: Melina Maerten
Beitragsbild: Bildarchiv PHZH

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