Sprache und Bildung

Begleitend zur Fachtagung «Beyond CLIL: Pluriliteracies teaching for deeper learning – Lessons from across Europe» zeigt die Bibliothek der PH Zürich im September digitale und physische Medien rund um Sprache und Bildung.

Der zweitägige Workshop findet am 22. und 23. September an der PH Zürich statt. In dieser Woche sind Interessierte eingeladen, die begleitende Medienausstellung der Hochschulbibliothek zu besuchen. Die digitalen Tipps widmen sich unter anderem den Konzepten des «Content and Language Integrated Learning» (CLIL), «Pluriliteracies Teaching for Learning» (PTL) und dem sprachsensiblen Fachunterricht.

«Content and Language Integrated Learning» (CLIL)

Bei «Content and Language Integrated Learning» (CLIL) handelt es sich um einen dualen Bildungsansatz, eine Art Fusion: Sachfächer wie Biologie, Geschichte oder Physik werden in einer Fremdsprache unterrichtet – meist Englisch (seltener liegt der Fokus auf einer migrationsbedingten Zweitsprache). Dadurch verbessert sich nicht nur das Fachwissen, sondern auch die Sprachkompetenz der Schülerschaft. Das Konzept hat sich in der bilingualen Bildungslandschaft Europas seit den 1990er Jahren etabliert. Die Leseempfehlungen fassen die theoretischen Annahmen und Ursprünge zusammen, die dem Unterrichten eines inhaltlichen Fachs in einer anderen Sprache zugrunde liegen. Sie erörtern deren praktische Anwendung auf mehreren Stufen, mit diversen Fächerkombinationen und in verschiedenen europäischen Staaten inklusive der Schweiz – und sie skizzieren interessante Entwicklungsperspektiven für die Forschung.

Dabei zeigt sich beispielsweise, dass in anglophonen Kontexten ganz eigene Herausforderungen eine Rolle spielen: Wie können Schüler:innen in englischsprachigen Ländern motiviert werden, eine andere Sprache als die hegemoniale Weltsprache Englisch in einem Sachfach anzuwenden (wenn Englisch doch in den Augen vieler «eigentlich ausreicht»)? Dennoch ist es denk- und fruchtbar, Fächer wie Mathematik oder Musik an englischen Schulen auf Italienisch oder Französisch zu lehren.

«Pluriliteracies Teaching for Learning» (PTL)

Der Wandel hin zu einem «vertieften Lernen», also der Übertragung von Wissen von einem Kontext in einen anderen, spiegelt sich bereits im CLIL: «Pluriliteracies Teaching for Learning» (PTL) baut darauf auf und entwickelt den Ansatz weiter. Unter anderem geht es darum, die Verbindungen zwischen Inhalts- und Sprachenlernen sichtbar zu machen, Fachliteralität in mehreren Sprachen zu vermitteln und Lernverläufe entlang den Fähigkeiten der Lernenden zu gestalten. Dabei kann das Modell sowohl für das lebenslange Lernen als auch für das generelle Zurechtkommen in einer komplexen Welt als bedeutsam angesehen werden, wie die Medientipps zeigen. Sprache ist für die Internalisierung von Wissen zentral – und die Fähigkeit, erworbenes Fachwissen über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg erfolgreich zu kommunizieren, gehört zur modernen Wissensgesellschaft dazu. In seinem integralen Ansatz weist PTL über Fachdisziplinen (inklusive der Sprachfächer) hinaus. Ganzheitlich betrachtet sind Charakteristika des Lernenden wie Wohlbefinden, Reflexion oder Selbstwirksamkeit für tiefergehende Lernprozesse ebenfalls relevant – sowie die Dynamik und Beziehung mit der Lehrperson.

Sprachsensibler Fachunterricht

Im letzten Themenabschnitt zum sprachsensiblen Fachunterricht widmen sich die digitalen Titel ausserdem Schüler:innen mit Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache. Der Terminus «sprachsensibler Unterricht» kann als Sammelbegriff für den Umgang mit sprachlicher Heterogenität in der Schule verstanden werden. Fachliche Inhalte sind fast immer mit und durch Sprache vermittelt: Welchen Beitrag leistet die Sprache also für die Bildungsteilhabe und -gerechtigkeit? Welche Chancen und Herausforderungen erleben Schüler:innen und Lehrpersonen in der Migrationsgesellschaft durch die Sprache als Lernmedium im Fachunterricht? Wie kann letztgenannter etwa in Deutschland oder der Schweiz sprachbildend und -sensibel gestaltet werden?

Als Methodenwerkzeuge kommen analoge und digitale Hilfsmittel infrage – Konzepte wie «Scaffolding» spielen eine wichtige Rolle. Es geht wiederum um die Verknüpfung fachlichen und sprachlichen Lernens. Beleuchtet werden in den Publikationen verschiedene Stufen und Disziplinen bis hin zur Lehrpersonenausbildung und -weiterbildung. Denn: Der kompetente Umgang mit sprachlicher (und kultureller) Heterogenität erfordert spezifisches Professionswissen. Das Rezept einer wirksamen Lehre besteht damit nicht zuletzt aus dem Dialog der Fachdidaktiken – auf Ebene der Schülerschaft liegt darin der Schlüssel zum eigenen Schulerfolg.

Lesetipps

CLIL

Content and language integrated learning: CLIL

The Routledge handbook of content and language integrated learning

Content and Language Integrated Learning (CLIL)

Journal of immersion and content-based language education

Curriculum Integrated Language Teaching: CLIL in Practice

Content and Language Integrated Learning (CLIL) in a Swiss context

Multilingual Content and Language Integrated Learning (CLIL) in the Social Sciences

Heterogenitätsfreundlicher CLIL-Unterricht auf der Primarstufe


Plurliteracies

A deeper learning companion for CLIL

Beyond CLIL: Fostering Student and Teacher Engagement for Personal Growth and Deeper Learning

Pluriliteracies Teaching for Learning

A pluriliteracies approach to content and language integrated learning

Towards Pluriliteracies Approaches to Language Teaching and Learning

Recalibrating the Language Classroom for Deeper Learning

Pluriliteracies for global citizenship

Knowledge ecology for conceptual growth

Teaching Conceptual Understanding in Multilingual Classrooms


Sprachsensibler Fachunterricht

Mehrsprachigkeit in der Schule: Sprachbildung im und durch Sachunterricht

Berufs- und Fachsprache Deutsch in Wissenschaft und Praxis

Sprachbildung und sprachsensibler Fachunterricht in den Naturwissenschaften

Sprache als Lernmedium im Fachunterricht

Sprachsensibel unterrichten in der Grundschule

Förderung der Sprachkompetenz in allen Fachbereichen als Schlüssel zum Schulerfolg

Sprachsensibler Unterricht und Deutsch als Zweitsprache als Gegenstand der Lehrerinnen- und Lehrerbildung

Ausstellung zu historischen Schulbildern

Im September stellt die Forschungsbibliothek Pestalozzianum historische Schulwandbilder und Kinderzeichnungen im Pop-up-Space der Bibliothek aus. Daniela Mistrello spricht über die Aktion.

Daniela Mistrello arbeitet als I+D Spezialistin am Zentrum für Schulgeschichte der PH Zürich.

Daniela Mistrello, wie gross sind die Bildersammlungen der Forschungsbibliothek?

Daniela Mistrello: Die Bildersammlungen des Pestalozzianums bestehen aus rund 2800 Schulwandbildern, 15’000 Glasdiapositiven und 63’000 Kinderzeichnungen. Seit Ende 2022 sind sie digital abrufbar. Einige der Kinderzeichnungen zum Thema Krieg sind ausserdem Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes.

Welche Auszüge werden im Pop-up-Space der Bibliothek der PH Zürich präsentiert?

Daniela Mistrello: Im Pop-up-Raum stellen wir drei Schulwandbilder und fünf Kinderzeichnungen aus. Überdies gibt es eine Tabletstation zu den digitalen Bildersammlungen. Bei den Schulwandbildern handelt es sich um (ehemals ausleihbare) Unterrichtsmittel, die in den Schulen bis in die 1990er Jahre rege benutzt wurden. Oft mit Kommentaren versehen, dienten sie den Lehrpersonen zur Vertiefung eines Themas, es waren etwa Darstellungen von Flora und Fauna, Anatomie, Märchen, Landschaften, geografische Luftaufnahmen oder Szenen aus der Geschichte. Manchmal schmückten sie aber auch einfach das Schulzimmer.

Ihr habt zudem eine – sogar im internationalen Vergleich – sehr umfangreiche Sammlung an Kinder- und Jugendzeichnungen. Wie kam sie ins Pestalozzianum?

Daniela Mistrello: Einerseits war im Pestalozzianum seit 1932 das «Internationale Institut für das Studium der Jugendzeichnung» angesiedelt. Nachdem dieses seine aktive Sammeltätigkeit beendet und sich in «Archiv der Kinder- und Jugendzeichnung» umbenannt hatte, gelangten weiterhin Schenkungen und Nachlässe von Lehrpersonen, Künstler:innen und Unternehmen ans Pestalozzianum. Überdies konnte es auch die Originalzeichnungen aus den Pestalozzi-Kalender-Wettbewerben übernehmen. Die Sammlung der Kinderzeichnungen stellt einen unschätzbaren Fundus an Forschungsobjekten in den unterschiedlichsten Bereichen dar. An den Zeichnungen der jungen Menschen aus den letzten 100 Jahren lassen sich nicht nur die Entwicklungen des Schulzeichnens ablesen, sondern auch verschiedene Themen aus Gesellschaft, Politik, Psychologie, Kunst und so weiter.

Worum geht es bei den Schulwandbildern und Zeichnungen, die ihr im September ausstellt?

Daniela Mistrello: Für die Pop-up-Aktion haben wir Schulwandbilder und Zeichnungen zum Thema «Verkehr» ausgesucht. Auf den Zeichnungen sieht man zum Beispiel eine sehr kritisch anmutende Collage aus den 1970ern oder eine Autopanne aus dem Jahr 1927. Die drei präsentierten Schulwandbilder zum Thema «Gefahren im Strassenverkehr» wurden vom schweizerischen Automobilclub gestiftet und stammen aus den 1930er beziehungsweise 1950er Jahren.

Weitere Informationen zur Aktion

Impressionen, 1. September 2026