
Im September stellt die Forschungsbibliothek Pestalozzianum historische Schulwandbilder und Kinderzeichnungen im Pop-up-Space der Bibliothek aus. Daniela Mistrello spricht über die Aktion.

Daniela Mistrello arbeitet als I+D Spezialistin am Zentrum für Schulgeschichte der PH Zürich.
Daniela Mistrello, wie gross sind die Bildersammlungen der Forschungsbibliothek?
Daniela Mistrello: Die Bildersammlungen des Pestalozzianums bestehen aus rund 2800 Schulwandbildern, 15’000 Glasdiapositiven und 63’000 Kinderzeichnungen. Seit Ende 2022 sind sie digital abrufbar. Einige der Kinderzeichnungen zum Thema Krieg sind ausserdem Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes.
Welche Auszüge werden im Pop-up-Space der Bibliothek der PH Zürich präsentiert?
Daniela Mistrello: Im Pop-up-Raum stellen wir drei Schulwandbilder und fünf Kinderzeichnungen aus. Überdies gibt es eine Tabletstation zu den digitalen Bildersammlungen. Bei den Schulwandbildern handelt es sich um (ehemals ausleihbare) Unterrichtsmittel, die in den Schulen bis in die 1990er Jahre rege benutzt wurden. Oft mit Kommentaren versehen, dienten sie den Lehrpersonen zur Vertiefung eines Themas, es waren etwa Darstellungen von Flora und Fauna, Anatomie, Märchen, Landschaften, geografische Luftaufnahmen oder Szenen aus der Geschichte. Manchmal schmückten sie aber auch einfach das Schulzimmer.
Ihr habt zudem eine – sogar im internationalen Vergleich – sehr umfangreiche Sammlung an Kinder- und Jugendzeichnungen. Wie kam sie ins Pestalozzianum?
Daniela Mistrello: Einerseits war im Pestalozzianum seit 1932 das «Internationale Institut für das Studium der Jugendzeichnung» angesiedelt. Nachdem dieses seine aktive Sammeltätigkeit beendet und sich in «Archiv der Kinder- und Jugendzeichnung» umbenannt hatte, gelangten weiterhin Schenkungen und Nachlässe von Lehrpersonen, Künstler:innen und Unternehmen ans Pestalozzianum. Überdies konnte es auch die Originalzeichnungen aus den Pestalozzi-Kalender-Wettbewerben übernehmen. Die Sammlung der Kinderzeichnungen stellt einen unschätzbaren Fundus an Forschungsobjekten in den unterschiedlichsten Bereichen dar. An den Zeichnungen der jungen Menschen aus den letzten 100 Jahren lassen sich nicht nur die Entwicklungen des Schulzeichnens ablesen, sondern auch verschiedene Themen aus Gesellschaft, Politik, Psychologie, Kunst und so weiter.
Worum geht es bei den Schulwandbildern und Zeichnungen, die ihr im September ausstellt?
Daniela Mistrello: Für die Pop-up-Aktion haben wir Schulwandbilder und Zeichnungen zum Thema «Verkehr» ausgesucht. Auf den Zeichnungen sieht man zum Beispiel eine sehr kritisch anmutende Collage aus den 1970ern oder eine Autopanne aus dem Jahr 1927. Die drei präsentierten Schulwandbilder zum Thema «Gefahren im Strassenverkehr» wurden vom schweizerischen Automobilclub gestiftet und stammen aus den 1930er beziehungsweise 1950er Jahren.