
Hochschulen übernehmen, genauso wie die ihnen angeschlossenen Bibliotheken, eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Eine neue digitale Medienzusammenstellung beleuchtet die Rolle von Bildungsinstitutionen als Trägerinnen des gesellschaftlichen Wandels.
Die Medientipps kreisen um die Konzepte Corporate Social Responsibility, Corporate Citizenship, Service Learning, Third Mission, Diversität, Chancengleichheit und Inklusion.
In Hochschulen wird die gesellschaftliche Verantwortung von Institutionen und Unternehmen einerseits theoretisch diskutiert und gelehrt – andererseits ganz praktisch ausgestaltet: zum Beispiel in Form des sogenannten «Service Learning». Dabei betätigen sich Studierende (oder auch Schüler:innen) curricular für das Gemeinwohl – sammeln soziale Erfahrungen in Gemeinden, Vereinen oder Organisationen – und reflektieren die erworbenen fachlichen und überfachlichen Kompetenzen sowie die Verbindungen zu den Lernzielen begleitend im Unterricht. Welche Lernorte eignen sich speziell im Bereich der Lehrpersonenbildung zur Förderung einer zivilen Verantwortungskompetenz?
Praxispartnerschaften
Bekannt geworden ist das Konzept der «Teaching Clinic»: Niedergelassene Lehrpersonen formulieren persönliche Herausforderungen, die durch Studierende in Forschungsprojekten bearbeitet und mit Lösungsansätzen zurückgespielt werden. Die Problemstellungen stehen dabei meist in einem grösseren gesellschaftlichen Zusammenhang (knüpfen zum Beispiel an Diskriminierung, Krisen, Klimawandel und so weiter an).
Wie gewinnbringend Praxisprojekte (wie Non-Profit-Projekte) sein können, lässt sich auch anhand der Perspektive beantworten, was «vom Studium übrig bleibt». Will man noch einen Schritt weiter gehen, stellt sich ganz grundsätzlich die Frage, wie Campus und Community dauerhaft partnerschaftlich kollaborieren können. So arbeitet man bereits heute in «Campus-Community-Partnerships» langfristig und produktiv mit Praxispartner:innen zusammen, wie einige Titel darlegen.
Gesellschaftliche Kapitale
Ebenfalls relevant – und ergänzend zum «Service Learning» – kann der «Community-based Research»-Ansatz verstanden werden. Im Kern geht es bei der Beziehung der Hochschule mit ihrer Umwelt auch immer um den Transfer von Information und Wissen: von der Zivilgesellschaft in die Hochschule und zurück. Die Literatur macht klar: Eine Universität oder Hochschule soll zugleich «responsible» und «responsive» sein, also selbst Verantwortung übernehmen, aber auch Anregungen aufnehmen. Jede Hochschule trägt naturgemäss eine grosse gesellschaftliche Verantwortung, da sie künftige Fachpersonen in einer volatilen, unsicheren, komplexen und mehrdeutigen Umwelt ausbildet. Umgekehrt bestimmen gesellschaftliche Fragestellungen die Schwerpunktsetzung des Hochschulstudiums, Curriculums und der Forschung. In einer weiteren Schlaufe werden diese Themen durch Hochschulen als Key Opinion Leader auf ihrem jeweiligen Feld wiederum reflektiert und Diskurse massgeblich mitgestaltet.
Hochschulen prägen und verwalten im Rahmen ihrer «Third Mission» das Wissenskapital einer Gesellschaft, ebenso wie Bereiche des Human-, Kultur- und Sozialkapitals. Dieses breite Selbstverständnis von Hochschulen als eine Art von «Corporate Social Responsibility» wird in den Medientipps verschiedentlich besprochen.
Makro-, Meso- und Mikroebene
Die Rolle der Hochschulen in der Gesellschaft lässt sich dabei nie unabhängig von den Studierenden und Mitarbeitenden denken: In demokratischen Ländern ist die Erziehung von Schüler:innen und Studierenden zu aktiven und verantwortungsbewussten Bürger:innen ein wichtiges Bildungsziel. Bei verantwortungsvoller Lehre geht es – wie die Literatur zeigt – nicht zuletzt um Demokratielehren und -lernen. Interessant ist die Frage, inwiefern sich dies auf die politische Partizipation übersetzen lässt. Eine Methode zum handfesten «Demokratielernen» an Schulen und Hochschulen ist das oben genannte «Service Learning».
In der Gesamtschau wird deutlich, dass Hochschulen in einem komplexen gesellschaftlichen Geflecht agieren und ihre internen wie externen Stakeholder gut kennen und pflegen sollten. Wie durchlässig eine Hochschule für verschiedene Personengruppen dabei wirklich ist, steht zur Diskussion. Einige Beiträge gehen deshalb der sozialen Öffnung respektive den mannigfachen Grenzziehungen einer Hochschule sowie der Diversitätskompetenz, der Chancengleichheit und Inklusion in der Bildung kritisch nach. Die Hochschule rückt dabei als lehrende, aber vor allem auch lernende Institution in den Fokus.
Und die Hochschulbibliotheken?
Nicht nur die Hochschulen, auch die (Hochschul-) Bibliotheken übernehmen traditionell einen wichtigen gesellschaftlichen Auftrag und kommen ihrer sozialen Verantwortung unter anderem als Leuchttürme des Sharing-Gedankens, der Inklusion, der freien Bildung und Forschung sowie als wichtige Dritte Orte nach. In letzteren zeigt sich der Gewinn für die Community und die Stakeholder nicht nur im klassisch finanziellen, sondern vor allem im sozialen Mehrwert (Idee des «Social Return on Investment»).
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