Auf der Suche nach guter Literatur?

Das neue Lernobjekt der Bibliothek bietet eine spielerisch-interaktive Einführung in die Literaturrecherche. Interessierte können sich damit selbstständig im Bereich der Informationskompetenz weiterbilden. Jetzt ausprobieren und eigenes Wissen testen!

Die Online-Lerneinheit, auch Lernobjekt genannt, gliedert sich in drei Teile. In einem ersten Schritt erfahren Interessierte, wo sie die Informationsdokumente der Bibliothek wie Bücher, Zeitschriften oder Filme überall finden. Unter anderem geht es um das Deep Web und den Unterschied zwischen Suchmaschinen, Bibliothekskatalogen und Fachdatenbanken. Danach rückt die möglichst effiziente Recherche in den Fokus, mit geeigneten Suchbegriffen und Recherchetechniken wie dem Schneeballsystem. Zum Schluss gibt das Lernobjekt einen Leitfaden an die Hand und klärt auf, wie die gefundenen Informationen und Dokumente bewertet werden können.

Innerhalb der einzelnen Abschnitte und am Ende des Lernobjekts besteht die Möglichkeit, erworbenes Wissen zu testen. Damit lassen sich bereits vorhandene Kenntnisse beurteilen und weitere Lernziele festlegen. Bei Unklarheiten kann man jederzeit innerhalb des Lernobjekts vor- oder zurückspringen.

Noch tiefer in die Recherche tauchen Sie mit einer persönlichen Rechercheberatung ein. Jetzt Termin buchen!

Veranstaltungshinweis

Erneut präsentieren die Bibliotheken der HfH, ZHAW, ZHdK und PHZH im Rahmen der internationalen Open Access Week ein eigenes Programm. Mitorganisator Jan Steiner spricht im Interview über die Details der Kooperation.

Jan Steiner ist seitens der Bibliothek verantwortlich für die Umsetzung von Open Access an der PH Zürich und berät als Teil des Serviceteams zum Thema.

Jan Steiner, was ist der Grundgedanke hinter der Kooperation?

Jan Steiner: Die vier Bibliotheken der Hochschule für Heilpädagogik, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Zürcher Hochschule der Künste und Pädagogischen Hochschule Zürich spannen zusammen, um während der internationalen Open Access Week ein attraktives eigenes Programm anzubieten. Diese Form der hochschulübergreifenden Kooperation findet nun das dritte Jahr in Folge statt. Eingeladen sind alle am Thema Interessierten, insbesondere die Mitarbeitenden der genannten Hochschulen. Dabei geht es jeweils darum, sich über Neuigkeiten im Bereich Open Access auszutauschen und den derzeitigen Stand der Entwicklungen national und international zu reflektieren. Zudem steht die Vernetzung im Zentrum: Nebst den Präsentationen gibt es Raum für Diskussionen und ein internes Netzwerktreffen.

Was ist dieses Jahr konkret geplant?

Jan Steiner: Wir wollen Erfahrungen, Erfolge und Projekte aus dem facettenreichen Publizieren an Hochschulen in den Blick nehmen. Vom 23. bis 26. Oktober finden daher täglich Online-Sessions statt, insgesamt vier zu den Themen «Lehrmaterialien im Open Access? Eine Plattform zur Veröffentlichung von Open Educational Resources (OER) für die Schweizer Hochschullandschaft», «Multimediales Publizieren in Open Access: zwei Praxisberichte», «To flip or not to flip: Praxisbeispiel, die Schweizerische Zeitschrift für Heilpädagogik goes Open Access» und «Infrastructure for Diamond Open Access: From Library Publishing to the Foundation of a University Press». Nachdem letztes Jahr die Pädagogische Hochschule Zürich den Flyer erstellt und die Veranstaltungsseite gehostet hat, übernimmt diese Aufgabe nun die Zürcher Hochschule der Künste. Die Präsentationsfolien der Vorträge werden nach der Veranstaltung dort veröffentlicht.

Menschen – Maschinen

Die Bibliothek präsentiert Ende August eine interaktive Medienausstellung über die komplexe Beziehung zwischen Menschen und Maschinen. Das Thema ist nicht erst seit den jüngsten Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz brandaktuell.

Der Mensch pflegt seit jeher eine besondere Beziehung zu Maschinen. In vielfältigen wissenschaftlichen, sozialen und ethischen Diskursen wird die Technik wahlweise als Abbild, Erweiterung oder Gegenentwurf der eigenen Möglichkeiten dargestellt. Wenn Trennlinien verschwimmen, stellt sich die alte philosophische Frage, was den Menschen letztlich ausmache – und ob er überhaupt noch am Steuer jüngster Entwicklungen sitze. Die Maschine wird nicht zum ersten Mal in der Geschichte zu Frankensteins Monster hochstilisiert.

Fiktion versus Realität

Fiktionale Inhalte haben das Potenzial, überzogene Hoffnungen und Ängste zu wecken. Der Aufstieg von Science Fiction zu einem der weltweit erfolgreichsten Genres prägte viele Denkmuster jüngerer Zeit – sekundiert durch das gleichermassen beliebte Genre Fantasy. So auch die heutige Diskussion über die Entwicklungen rund um KI-Chatbots, -Bildgeneratoren und ähnliche Tools.

Dabei drohen Aufklärung, Transparenz und reale Teilhabe der breiten Masse am Thema in den Hintergrund zu rücken. Horrorszenarien ebenso wie Wunschvorstellungen leiten die Energie in einen fiktionalen Raum um. Nicht selten sind es Zukunftsprojektionen mit utopischem oder dystopischem Charakter, die von der sozialen und ethischen Verantwortung sowie den Handlungsmöglichkeiten politischer und privatwirtschaftlicher Funktionsträger:innen im Hier und Jetzt ablenken.

Bibliotheken kommt deshalb wie anderen Institutionen die wichtige öffentliche Aufgabe zu, einen kritischen, unverstellten Blick zu eröffnen – und durch Kompetenzvermittlung eine breite Partizipation der Gesellschaft am derzeitigen Diskurs zu sichern.

Medienausstellung «Menschen – Maschinen»

Die Ausstellung soll aufklären, anregen, miteinbeziehen. Physische Medien sind von 22. August bis 5. September 2023 in der Bibliothek der PH Zürich ausgestellt (Stockwerk G). Digitale Medientipps finden sich hier.

Der humanoide Roboter Phibi begleitet die Ausstellung. Im Gespräch konfrontiert er Ausstellungsbesucher:innen mit verbreiteten Topoi rund um Künstliche Intelligenz. Solche vielleicht noch unbewussten Ängste und Hoffnungen aus dem «Mund» eines Roboters (dem Technikabbild schlechthin) geweckt zu sehen, kann disruptiv wirken und notwendige Folgediskussionen auslösen. Der selbstreflexive Umgang mit einem der wichtigsten Themen unserer Zeit wird gefördert.

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ChatGPT und Co.

«Im Bereich Open Access hat sich viel getan»

Die PH Zürich hat ihre Policy zu Open Access überarbeitet. Seit der Verabschiedung der ersten Version vor gut fünf Jahren wurde der Bereich deutlich ausgebaut. Die neue Policy trägt der Entwicklung Rechnung. Bibliotheksmitarbeiter Jan Steiner spricht im Interview über die Hintergründe für die Revision.

Jan Steiner ist seitens der Bibliothek verantwortlich für die Umsetzung von Open Access an der PH Zürich und berät als Teil des Serviceteams zum Thema.

Jan Steiner, wann wurde die erste Open-Access-Policy der PH Zürich verabschiedet?

Jan Steiner: «Das war im Januar 2018. Seither wurde der gesamte Bereich Open Access weiter auf- und stark ausgebaut. Deshalb war es an der Zeit, die Policy an die neuesten Entwicklungen anzupassen.»

Können Sie einige dieser Fortschritte genauer ausführen?

Jan Steiner: «Damals erhielt die Bibliothek vorderhand den Auftrag, Verlagsabklärungen für Zweitveröffentlichungen von Publikationen vorzunehmen und Publikationen (Volltexte plus Metadaten) im Repositorium PHZH zu hinterlegen. Seither hat sich das Portfolio kontinuierlich erweitert. Hervorzuheben sind unter anderem die Implementierung des institutionellen Open Access Fonds (iOAF) für gebührenpflichtige OA-Publikationen, der Betrieb eines institutionellen OA-Monitorings (iOAM) sowie diverse Beteiligungen an Crowdfunding für OA-Bücher und an anderen OA-Initiativen mit starkem PHZH-Bezug. Ebenfalls ein wichtiger Part ist heute ganz generell die Beratung zum Open-Access-Publizieren. Und die Betreuung von Publizierenden im Rahmen der Read-and-Publish-Agreements. Dabei handelt es sich um eine anreizorientierte Förderung von Open Access. Autor:innen der PH Zürich haben die Möglichkeit, gebührenfrei in ansonsten kostenpflichtigen Open-Access-Journals zu publizieren.»

Wie kommt die revidierte Policy nun daher?

Jan Steiner: «Die genannten Erweiterungen des Portfolios sind darin berücksichtigt. Weiter hat es sich in den vergangenen Jahren als wünschenswert und sinnvoll erwiesen, dass in der Policy nebst einigen wenigen Grundsätzen auch Empfehlungen für Publizierende enthalten und Zuständigkeiten sauber geregelt sind. All diesen Ansprüchen wird die vorliegende institutionelle Open-Access-Policy iOAP 2.0 in vollem Umfang gerecht. Darüber hinaus weist sie in die nähere Zukunft und enthält eine dezidierte Orientierung an der OA-Policy von Swissuniversities. Damit ist sie in den nationalen OA-Kontext eingebunden.»

Willkommen im neuen Online-Katalog!

Im Online-Katalog sind sämtliche Medien der Bibliothek der PH Zürich verzeichnet. In den letzten Monaten wurde die Nutzungsoberfläche überarbeitet. Damit soll insbesondere der Zugang zur digitalen Bibliothek erleichtert werden.

Die Nutzenden profitieren auf verschiedene Weise von der neuen View (Oberfläche), die ab Mai 2023 zugänglich ist. Ins Auge fallen vor allem die ansprechenden Sammlungen.

Damit ist ein Überblick über sämtliche lizenzierten digitalen Medien wie E-Books, E-Journals, Streamingfilme und Datenbanken möglich – erstmals können Interessierte im digitalen Bestand «schmökern», ohne direkt eine Suche absetzen zu müssen. Das ist insbesondere dann nützlich, wenn man noch kein Thema oder keinen Suchbegriff zur Hand hat und dennoch wissen will, was die digitale Bibliothek so bietet.

Vollzugriff erhält man wie bisher via WLAN vor Ort oder Virtual Private Network der PH Zürich. Alle lizenzierten Medien sind kostenlos nutzbar.

Auch die Suche wurde angepasst

Möchte man dennoch suchbasiert vorgehen, stehen weiterhin die Hauptsuche sowie ab sofort ein Zeitschriftenindex zur Verfügung.

Die Hauptsuche ist neu standardmässig auf die Medien der PH Zürich eingeschränkt. Nach wie vor lassen sich mit dem Suchprofil «swisscovery» die Bestände von 490 wissenschaftlichen Bibliotheken in der Schweiz erkunden. Ausserdem sind seit 2021 modulspezifische Literaturlisten (Seminarapparate) direkt über den Online-Katalog auffindbar.

Der Zeitschriftenindex zeigt gezielt physische und digitale Zeitschriften aus dem Bibliotheksbestand an. Für die Suche nach einzelnen digitalen Zeitschriftenartikeln stehen weiterhin die Datenbanken und/oder die Portale der Zeitschriftenanbieter zur Verfügung. Sie erscheinen nach Themen geordnet in den Sammlungen. Ergänzt werden sie um zahlreiche offene Artikel in der Hauptsuche (Publikationsstandard Open Access).

Für eine Volltextsuche, frühere Sichtbarkeit neu erworbener Exemplare und eine inhaltsoptimierte Oberfläche besucht man fallweise, etwa bei den Film- oder bei den E-Book-Plattformen, am besten die einzelnen Anbieterseiten. Der Beschrieb gibt Auskunft.

Neues Erscheinungsbild – erhaltene Funktionalität

Wie bisher können derzeit ausgeliehene Medien im Katalog reserviert und in die automatisierte Abholstation der PH Zürich bestellt werden. Weitere Informationen finden sich hier.

Im Konto lassen sich Suchen und Favoriten speichern, eigene Ausleihen und Bestellungen verwalten. Die Tutorials geben Auskunft, wie man den Online-Katalog optimal nutzt (sie werden derzeit aktualisiert: funktionales Vorgehen behält vielerorts seine Gültigkeit).

Auch die im Rahmen von Unterrichtsmodulen entstandenen Lernumgebungen zur Lese- und Schreibförderung sind neu in den Sammlungen integriert. Die Ausleihbedingungen bleiben die gleichen.

Online-Katalog

Jetzt neue View besuchen

Sexual Harassment Awareness Day 2023

Am 23. März findet die hochschulübergreifende Sensibilisierungskampagne Sexual Harassment Awareness Day 2023 statt. Der humanoide Roboter Phibi stellt im Eingang der Bibliothek der PH Zürich Medientipps zum Thema vor.

Auch im Hochschulkontext finden sich seit Langem Formen der Tabuisierung und Normalisierung von Sexismus und sexueller Belästigung. Der Sexual Harassment Awareness Day 2023 sensibilisiert auf verschiedene Facetten, animiert zum Dialog und liefert Hintergrundinformationen und Kontaktstellen. Mehr Informationen zum Programm an der PH Zürich hier.

Die Bibliothek präsentiert am 23. März Medien zum Thema. Die virtuelle Ausstellung ist über den humanoiden Roboter Phibi abrufbar. Darin werden sexuelle Belästigung, Mobbing, Gender, Sexismus und Chancengleichheit auf verschiedene Art und Weise verhandelt – im Hochschulkontext sowie auch in sonstigen schulischen und gesellschaftlichen Bereichen.

Haben Sie eigene Vorschläge? Melden Sie sie uns unter bibliotheksberatung@phzh.ch.

Bibliotheken setzen gemeinsam die Segel

Ein Wochenende im Zeichen der Bibliotheken! Am 24. März 2023 startet das diesjährige BiblioWeekend unter dem Motto «Die Segel setzen». Hier erfahren Sie mehr über die Angebote an der PH Zürich.

Die Bibliothek der PH Zürich bietet am Freitag ein vielfältiges Programm. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, ohne Anmeldung daran teilzunehmen. Der BiblioWeekend-Bereich befindet sich in der Lounge im Stockwerk G Mitte.

Ausstellung (11 bis 16 Uhr)
Medientipps aus der digitalen Bibliothek zum Thema «Die Segel setzen – Aufgaben moderner Bibliotheken in der heutigen Gesellschaft».

Begegnungstisch (11 bis 16 Uhr)
Spiele, Diskussionsanregungen, Tipps und Tricks für einen offenen Diskurs in Bibliotheken.

Beratungstisch (11 bis 16 Uhr)
Spontanberatungen zu Recherche, Information und Literaturverwaltung mit Schwerpunkt «Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit an einer Hochschule».

Bibliotheksführung (12 und 15 Uhr)
Interaktive Spezialführung zum Thema «Die Bibliothek der PH Zürich setzt die Segel: Herausforderungen und Chancen in einer sich wandelnden Bibliotheks- und Hochschullandschaft.»

Die Führungen dauern je 45 Minuten und starten ohne Anmeldung beim Beratungstisch.

Impressionen, 24. März 2023

Bibliotheksmitarbeiterin Susanne Keller am BiblioWeekend-Stand.

Ausstellung

«Die Welt am Rand»

Im März steht die Bibliothek erneut im Zeichen der Nachhaltigkeitswoche Zürich. Interessierte finden im Stockwerk G bei der Theke und online eine umfangreiche Sammlung an Medientipps zum Thema «Die Welt am Rand». Es geht um das Ziel 1 der UNO Agenda 2030. Ausserdem wird eine neue Unterrichtsidee vorgestellt.

Von den 17 Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 ist die Bekämpfung der Armut das erste («Armut in all ihren Formen und überall beenden»). Doch eine Welt ohne Armut scheint utopischer denn je. Eine Herausforderung und theoretisch lösbare Aufgabe – der sich angesichts gesundheitlicher und klimatischer Notlagen jedoch immer weniger Funktionsträger:innen stellen wollen. Die Medientipps werfen als Teil der thematischen Reihe #ichbinalle ein Schlaglicht auf den unerbittlichen Existenzkampf am Rande des öffentlichen Blickfelds.

Physische Medien sind von 10. bis 28. März 2023 in der Bibliothek der PH Zürich ausgestellt.

In diese Zeit fällt auch die Nachhaltigkeitswoche Zürich, während der es täglich eine breite Palette von Veranstaltungen und Aktivitäten für Studierende, Mitarbeitende und interessierte Personen zum Thema gibt.

Tipps aus der digitalen Bibliothek finden sich hier.

Weitere Unterrichtsidee

Studierende haben zu einem weiteren Kinderbuch aus dem Bibliotheksbestand Schulmaterial erarbeitet (frühere Unterrichtsideen hier, hier, hier und hier). Schauen Sie sich gerne folgende

zu Mary wears what she wants an. Thema ist diesmal Ziel 5 der UNO Agenda 2030 («Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen»). Das Bilderbuch über Mary, die anstelle eines Rocks eine Hose tragen will (und damit aus ihrer Zeit fällt), ermutigt junge Leser:innen, selbst zu denken, und stellt gleichzeitig Geschlechter- und Gesellschaftsnormen infrage.

Viel Spass beim Entdecken neuer Medien!

ChatGPT und Co. Erste Einordnungen

Die Bibliothek der PH Zürich verfolgt die derzeitige Entwicklung rund um KI-Chatbots mit grossem Interesse. Erste Einschätzungen und Schlussfolgerungen für die Informations- und Medienkompetenz sowie den Bibliotheksbetrieb lesen Sie in diesem Beitrag.

Der Beitrag basiert auf dem vorläufigen Wissensstand Mitte Februar 2023 und bezieht sich hauptsächlich auf Literatur und Quellen zum konkreten Beispiel «ChatGPT».

Vorläufige Schlüsse für die Informations- und Medienkompetenz

KI-Chats wie ChatGPT (Large Language Models) sind ab sofort Teil der Recherche.

Der Umgang mit KI-Chats und der einhergehenden Flut an Informationen erfordert neue Konzepte der Informations- und Medienkompetenz.

Die Grundlagen dafür müssen interdisziplinär erarbeitet werden.

Dazu gehört auch eine kritische Auseinandersetzung mit den kommerziellen Interessen und weiteren Absichten der Betreiber solcher Tools (indirekter «Informationszweck») sowie mit problematischen Mustern in der Datengrundlage, z.B. der Reproduktion von Stereotypen.

Es gilt, Kompetenzen nachzuholen und auszubauen.

KI-Chats wie ChatGPT bergen einerseits die Gefahr, bestehende Defizite in der Informations- und Medienkompetenz zu akzentuieren.

Es ist somit darauf zu achten, dass wichtige Fähigkeitsfelder der Informations- und Medienkompetenz nicht verloren gehen: Wissen über Medientypen, über die Qualität von Quellen, über Publikationszwecke und -prozesse, über Urheberrechte und Lizenzierung, über das Erfassen von (Falsch)Informationen, i.e. wichtige oder falsche Inhalte aus einer Quelle herausfiltern können, etc.

Andererseits haben sie das Potenzial, Metabereiche der Informationskompetenz auf spielerische Art und Weise zu fördern: Etablierung und laufende Anpassung der eigenen Recherchestrategie, richtige Fragen stellen, mentale Flexibilität, Kreativität, schrittweise-annäherndes Vorgehen, Ergebnisoffenheit etc.

Langfristig wird die Informations- und Medienkompetenz nicht an Bedeutung verlieren, sondern gewinnen.

Die oben genannten Fähigkeitsfelder sind zu fördern, Chancen und Grenzen der KI-Chats aufzuzeigen.

Der Rechercheprozess ist und bleibt im Rahmen der Informationskompetenz mindestens so wichtig wie das Rechercheprodukt. ChatGPT gibt ein überzeugend wirkendes Produkt aus, verschleiert den Prozess allerdings bisher weitgehend. Andere Tools sind da weiter.

Es braucht eine erneute Diskussion über die Qualität von Informationen und Quellen.

Die verwendeten Informationen und genannten Quellen eines KI-Chatbots müssen einer Qualitäts- und Relevanzprüfung unterzogen werden, will man die wissenschaftliche Hoheit und Verantwortung für einen Text nicht der Maschine abtreten. Es braucht in diesem Fall eine ergänzende Recherche.

KIs, die halluzinieren und erfinden, oder gar nicht erst referenzieren, sind im Lichte der Informationskompetenz kritisch zu sehen. Selbst bei echten Referenzangaben besteht die Gefahr, dass die KI einzelne überzeugend wirkende Quellen gegenüber der Gesamtevidenz überbetont.

Large Language Models unterscheiden sich konzeptionell von Suchmaschinen. Das hat Auswirkungen auf die Quellenkritik.

Nicht nur die Quellen von KI-Produkten, sondern auch die KI-Produkte selbst sind als Quellen qualitativ einzuordnen. Ob das aus klassischer Sicht der Informationskompetenz überhaupt möglich ist, bleibt offen. Und: Wie bewertet man KI-Texte, die ihrerseits als Quelle KI-Texte verwenden, und so weiter?

Bisherige Qualitätsmerkmale seriöser Quellen, etwa deren sprachliche Güte, stehen mit der Vereinfachung der Textproduktion durch KI auf dem Prüfstand. Andere kooperative Ansätze wie das Peer-Review werden womöglich wichtiger.

Die Qualität einer Quelle beruht auf weiteren «Wahrheitskonzepten» (etwa dem Bezug auf eine geteilte Realität), die fallweise offenzulegen und zu hinterfragen sind.

Die Entwicklung geht rasant weiter.

Die KI-Tools werden viele der genannten Defizite, auch aus Sicht der Informationskompetenz, vermutlich in absehbarer Zeit überwinden.

Vorläufige Schlüsse für den Bibliotheksbetrieb

Informations- und Medienkompetenz wird künftig noch wichtiger.

Formate zur Förderung dieser Kompetenzen sind weiter auszubauen.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und curriculare Verankerung sind voranzutreiben.

ChatGPT bezieht seine Antworten derzeit nicht aus dem (aktuellen) Deep Web.

Ob relevante wissenschaftliche Texte in die Antworten eines KI-Chatbots einfliessen, kann nur anhand einer transparenten Offenlegung des Datenkorpus und der Quellen beurteilt werden.

ChatGPT beruht bisher weder auf dem aktuellen Surface Web noch auf dem Deep Web.

Somit behalten Bibliothekskataloge, Datenbanken und Google Scholar etc. vorerst ihre Bedeutung, wenn es um den systematischen Zugriff auf Informationen aus lizenziert-geschützten Quellen geht (Deep Web).

Medien, die offen publiziert werden (z.B. Publikationsstandard Open Access), können hingegen theoretisch als Datengrundlage für KI-Chats wie ChatGPT dienen. Die Entwicklung ist also genau zu verfolgen.

Bereits im Februar 2023 gibt es Tools, die aktuelle Internetinhalte in ihren Antworten berücksichtigen.

KI-Chatbots lassen sich mit dem Deep Web, etwa mit Bibliothekskatalogen oder Datenbanken, verknüpfen. Als Korpus kommen in diesem Fall nicht nur Metadaten infrage. Die Chat-Antworten entstünden beispielsweise auch aus offenen oder bereits gekauft-lizenzierten wissenschaftlichen Volltexten. Die Offenlegung des Datenkorpus und der Quellen bleibt entscheidend. Update 16. März 2023

Ein weiterer Anwendefall wäre die automatische Erstellung einer thematischen Bibliografie aus einem Bibliothekskatalog. Update 16. März 2023

Miteinbezug von KI-Chats in die Beratungs- und Förderformate.

Klare Verortung von KI-Chats im Rechercheprozess. KI-Chats wie ChatGPT (Large Language Models) können bisher vor allem zur Bestimmung des Informationsbedarfs und Annäherung an ein Themengebiet – und somit zur Schärfung der Fragestellung und Etablierung wichtiger Suchbegriffe hinzugezogen werden. Also im Sinne einer Vorbereitung für die nachfolgende Recherche in «klassischen» Bibliothekskatalogen, Datenbanken etc.

Chancen und Grenzen von KI-Chats erforschen und aufzeigen.

Der Einsatz von Chatbots im Bibliotheksbetrieb ist auch ganz praktischer Natur. Update 16. März 2023

Häufige Benutzungsfragen lassen sich mit KI-Unterstützung automatisiert beantworten, Texte für den Alltagsbetrieb, Kurse oder offene Bildungsressourcen schneller erstellen. Zugunsten der Produktivität und Wirtschaftlichkeit.

Ausblick

Diskurs begleiten und mitgestalten.

Offenbleiben, Perspektiven erweitern, Entwicklungen wachsam verfolgen, in Kontakt treten, vernetzen.

Bibliotheken sind traditionell Spezialistinnen in Recherche und Umgang mit Informationen und Quellen und gehören zu den wichtigsten Förderinstitutionen für Informationskompetenz und Medienkompetenz. Sie dürfen (und müssen) daher als Key Opinion Leader in Erscheinung treten.

Zitiervorschlag

Grossmann, Andreas. 2023. «ChatGPT und Co. Erste Einordnungen.» biblioPHil: Blog der Bibliothek der PH Zürich (Blog), 22. Februar 2023 (zuletzt aktualisiert 16. März 2023). https://blog.phzh.ch/bibliothek/2023/02/22/chatgpt-und-co-erste-einordnungen/

Literatur und Links

Association of College and Research Libraries, Hrsg. 2016. Framework for Information Literacy for Higher Education. Chicago.

Cox, Christopher und Elias Tzoc. 2023. «ChatGPT: Implications for academic libraries.» College & Research Libraries News 84(3): 99–102. doi: 10.5860/crln.84.3.99.

Döbeli Honegger, Beat. 2023. «ChatGPT & Schule. Einschätzungen der Professur Digitalisierung und Bildung der Pädagogischen Hochschule Schwyz.» Version 1.28 (Januar). doi:10.5281/zenodo.7573314.

Egloff, Mirjam. 2023. «KI: ChatGPT, Bildgeneratoren und Co.» Schule am Bildschirm. https://www.schabi.ch/seite/KI-und-Schule

Hoffmann, Lisa. 2023. «ChatGPT im Hochschulkontext – eine kommentierte Linksammlung». Hochschulforum Digitalisierung (Blog), 20. Januar 2023. https://hochschulforumdigitalisierung.de/de/blog/chatgpt-im-hochschulkontext-kommentierte-linksammlung?fbclid=IwAR3wykjUf5HNqa91f3jkJRbIPLvOUvOHTwWLvHKyXn-6w9o0E3uEwHVOg4o

Holzwarth, Peter. 2023. «KI und Schreibprozesse an Schulen/Hochschulen». Medienpädagogik (Blog), 19. Januar 2023. https://www.medienpaedagogik-praxis.de/2023/01/19/ki-und-schreibprozesse-an-schulen-hochschulen/

Meriam Library, Hrsg. 2004. Evaluating Information – Applying the CRAAP Test. Chico: California State University. Online verfügbar unter: https://library.csuchico.edu/sites/default/files/craap-test.pdf

Mohr, Gunda, Gabi Reinmann, Nadia Blüthmann, Eileen Lübcke und Moritz Kreinsen. 2023. Übersicht zu ChatGPT im Kontext Hochschullehre. Hamburg: Universität Hamburg. Online verfügbar unter: https://www.hul.uni-hamburg.de/selbstlernmaterialien/dokumente/hul-chatgpt-im-kontext-lehre-2023-01-20.pdf

Rickert, Alex. 2022. «Nehmen uns Maschinen das Schreiben ab?» akzente 4(November). Online verfügbar unter: https://blog.phzh.ch/akzente/2022/11/25/nehmen-uns-maschinen-das-schreiben-ab/#more-8065

Shanahan, Murray. 2023. Talking About Large Language Models. London: Imperial College London. doi:10.48550/arXiv.2212.03551.

Ein Blick zurück auf das vergangene Jahr

Die letzten zwei Jahre waren von tiefgreifenden Veränderungen geprägt – gesamtgesellschaftlich wie auch auf betrieblicher Ebene der Bibliothek der PH Zürich. 2022 stand deshalb im Zeichen des Innehaltens, der kritischen Analyse und Weiterentwicklung der neuen Angebote.