Ferienzeit

Die Ferienzeit stellt eine Zäsur im Schuljahr dar. Vor, während und nach dieser Phase lassen sich interessante Effekte und Rituale im Schulbetrieb beobachten. Die Lesetipps im Juli widmen sich vor Ort und online dieser Thematik.

Leere Schulzimmer? Ferien! Die schulfreie Zeit ist für viele Schüler:innen eine willkommene Pause vom Schulalltag, und auch ein ergiebiges Forschungsgebiet. Denn: Anders, als man vielleicht meinen könnte, steht sie auf unterschiedliche Art und Weise mit Schule und Leistung in Zusammenhang.

Der letzte Schultag

Kurz vor den Ferien lässt sich der Unterricht gerne etwas lockerer gestalten. Einige Ideen für kleine Wettspiele, die Spass und Kooperation unter den Schüler:innen fördern, liefert der erste Medientipp. Die Verabschiedung in die schulische Auszeit ist aber nicht immer mit einem langsamen Ausklingen verbunden. So stellt ein Beitrag etwa die formale und mentale Hürde der Zeugnisübergabe vor den Sommerferien ins Zentrum: Was passiert bei dieser «Stunde der Wahrheit» im Klassenzimmer? Wie gehen Grundschulkinder und Lehrpersonen damit um, wenn zum ersten Mal der kulturelle Code «Leistung» dominant in den Alltag tritt?

Lern- und Motivationsaspekte

Nicht nur vor den Ferien, auch in den Ferien halten die Autor:innen interessante Beobachtungen fest. Die Ferienzeit kann Schüler:innen etwa dazu dienen, die «Batterien wieder aufzuladen». Schulfreude – falls sie denn übers Schuljahr abgeflacht ist – flammt erneut auf. Vielleicht gilt sogar: Je langweiliger die Ferien sind, umso mehr freut man sich auf die Wiederaufnahme des Unterrichts.

Zudem findet in der schulfreien Phase durchaus Lernzuwachs statt, nur eben je nach Schüler oder Schülerin sehr unterschiedlich ausgeprägt, bis hin zu einem Lernverlust nach dem Motto «Wir fangen nach den Ferien wieder bei Null an». Der «Ferieneffekt» oder «summer slide» (respektive im Umkehrschluss «summer learning») ist gerade in den USA gut untersucht: Als gewichtige Treiber werden ausserschulische Faktoren wie die soziale Herkunft oder der familiäre Bildungsstand gesehen. In der Diskussion um schulische Kompetenzen dürfen ausserschulische Merkmale zwar nicht unterschätzt werden, doch es zeigt sich in Europa ein leicht abweichendes Forschungsbild: Die Schule selbst spielt eine entscheidende Rolle in der herkunftsspezifischen Entwicklung fachlicher Kompetenzen, eine primäre Rückführung auf Herkunft als schulexterner Faktor greift zu kurz. Die Abhängigkeiten, die daraus für den Bildungserfolg entstehen, werden durch schulinterne Prozesse, Haltungen und Strukturen verstärkt oder attenuiert.

Neben dem privaten Lernumfeld gibt es auch offizielle Lerngefässe. Der Ansatz, schulische Angebote in die Ferien zu erweitern, um Defizite auszugleichen oder besondere Interessen zu fördern, wird in der Literatur auf die Probe gestellt. Ein Medientipp untersucht etwa den Kompetenzzuwachs und die Selbstwirksamkeit bei deutschen Hauptschüler:innen während der «Sommerakademie», die den Übergang von der Schule in den Beruf erleichtern soll. Generell stehen solche ergänzenden Angebote zur geistigen Betätigung während der schulfreien Zeit (wie zum Beispiel auch sogenannte «Lerncamps» oder «Forscherferien») regional in sehr unterschiedlichem Ausmass zur Verfügung. Welche Bildungspotenziale haben darüber hinaus organisierte Aktivitäten der traditionellen Jugendarbeit (Pfadfinder, Jugend-, Kirchzentren) und weitere Ferien- und Freizeitangebote?

Sport und Betreuung in den Ferien

Ersatz für die körperliche Betätigung während der Schulzeit lässt sich in den Ferien freilich eher niederschwellig finden. Es gibt fremd- und selbstorganisierte Sportmöglichkeiten an den meisten Wohnorten, aber auch an vielen Ferienorten: Körperliche Animation für Jung und Alt gehört bei grossen Urlaubsressorts inzwischen zum Standardprogramm. Welche Qualifikation bringen die Betreuer:innen von Feriensportangeboten aber genau mit? Eine Publikation widmet sich dem Thema.

Nicht zuletzt aus beruflichen Gründen sind viele Eltern auf Betreuung in den Ferien angewiesen. Das Angebot variiert dabei stark, je nach Land und Gemeinde. Eine Studie beleuchtet die Vielfalt und Zufriedenheit mit den gefundenen Lösungen und Einrichtungen – wobei private Unterstützung durch Freunde, Bekannte und Verwandte, vornehmlich Grosseltern, weiterhin einen grossen Teil ausmacht.

Die Bibliothek wünscht eine spannende Ferienlektüre!

Auch vor Ort sind im Stockwerk G Nord ab Mitte Juli physische Medientipps zum Thema «Sonne & Ferien» ausgestellt. Kommen Sie vorbei!

Lesetipps

Für das Sportfest, die letzte Stunde vor den Ferien oder zwischendurch: vier Ideen für kleine Wettspiele im Schulsport

Die Stunde der Wahrheit am letzten Schultag vor den Sommerferien

Zur Veränderung der Schulfreude von Klasse 4 bis 7. Eine Längsschnittanalyse schulformspezifischer Effekte von Ferien und Grundschulübergang

Ferien und Ferieneffekte

Der Ferieneffekt — auch in Deutschland schichtspezifisch?

Förderung von Hauptschülerinnen und Hauptschülern über die Sommerferien zur Vorbereitung auf den Übergang von der Schule in den Beruf

Lerncamps in den Ferien?

Das Projekt «Forscher Ferien»

Potenziale und Wirkungsweisen von Ferien-Freizeitangeboten. Zwischen Bildungsanspruch und Spass

Frei. Freiräume. Freizeiten: Einsichten und Erkenntnisse aus der Studie «Ferienfreizeiten unter der empirischen Lupe»

Feriensportangebote im Test: Eine empirische Untersuchung an ausgewählten Beispielen

Betreuung in den Schulferien in NÖ: Individuelle Lösungen, Wahrnehmungen, Wünsche

Übrigens: Zur Kinderunterhaltung während der Ferien findet sich auf der lizenzierten Streamingplattform Filmfriend eine Kollektion zum Thema «Sommerspass für die grossen Ferien: Turbulente Kids-Filme zwischen Spass und Abenteuer» (mit Switch Edu-ID anmelden!)

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