Unter dem Motto «Write my Fire!» und inspiriert von den feurigsten Songs der letzten 50 Jahre schrieben Studierende und Mitarbeitende der PH Zürich gemeinsam Geschichten, Minidramen, Chats, Dialoge und vieles mehr. Dies anlässlich unseres Schreibevents zur Schweizer Erzählnacht 2012.
Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Die Vernissage des aktuellen Werks «Write My Fire!» begeisterte mit Lesungen und Live-Musik der Lokalband «November’s Fall» und fand am 10. April 2013 anlässlich unseres Jubiläumsfests in der PH Zürich statt. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.
Mit fiebrigen Halluzinationen und einem gebrochenen Bein fängt es an. Für den 15-Jährigen Nick hat die Wirklichkeit aber noch ganz andere Abenteuer auf Lager. Zuerst verlässt sein übergewichtiger Vater die Familie, um 300 Kilometer nach New York zu wandern. Als dann Nicks bester Freund Scoot an jener seltenen Krankheit stirbt, die ihn mit fünfzehn greis wie Yoda aussehen lässt, verliert Nick beinah den Boden unter den Füssen. Da überredet ihn die smarte Jaycee zu einer heimlichen Reise. Die beiden Jugendlichen büxen aus, um Scoots letzten Wunsch zu erfüllen und dessen Vater eine Erstausgabe von John Steinbecks «Von Mäusen und Menschen» zurückzugeben. Doch wie in Steinbecks Geschichte kommt alles anders als geplant, und fast will es scheinen, als hätte der weise Scoot es so gewollt.
Gae Polisner Der Sog der Schwerkraft.
München: cbj, 2014. 250 Seiten.
Kurzrezension von Daniel Ammann aus «Bücher am Sonntag», 29.6.2014, S. 12.
«Das Gestern stand klar vor ihm, das Soeben schwand, zerfloss, ungreifbar und verbraucht. An seinem Zelt wurde der erste Leichnam vorbeigetragen, notdürftig bedeckt mit einer im Wind flatternden Plane.»
So viel vorweg: Diese Leiche wird nicht der einzige Tote bleiben, dem wir in diesem Buch begegnen. Dabei ist das Buch quasi das Gegenteil eines Krimis. Die Hauptfigur, Jonas, begleiten wir als Leser einmal auf der Achterbahnt seiner Jugend und einmal auf einen Trip auf den Mount Everest.
Ein Schicksalsschlag im Jugendalter treibt Jonas in eine endlose Suche nach dem Extremen. Mit allem, was er hat, sträubt er sich gegen das Erwachsenwerden. Er reist um die Welt, lebt mal als Einsiedler mitten in Rom, mal als Rucksacktourist in Elendsvierteln und begegnet schliesslich Marie, seiner grossen Liebe. Der Roman ist ein rauschender Roadtrip und ein Fest des Hedonismus. Stellenweise übertritt er jedoch die Grenze zum Kitsch. Das Buch entwickelt aber eine derartige Sogwirkung, dass man es, einmal angefangen, nicht mehr aus den Händen gibt. Es ist lange her, seit ich einen Roman so schnell verschlungen haben wie diesen – ein grösseres Wunder.
Thomas Glavinic Das grössere Wunder.
München: Hanser Verlag, 2013. 528 Seiten.
In einer Zeit, in der Gott tot ist, Politiker Futter für Satiresendungen und alle Menschen Künstlerinnen und Künstler sind, liefert die Wirtschaft mit ihrem Leistungsdenken die einzige Erzählung, die unhinterfragt bleibt. Von dieser Prämisse geht der Psychologe Paul Verhaeghe in seiner Analyse der durchökonomisierten Gesellschaft aus. Leistung gilt per se als gut. Wie gut sie ist, kann nur definiert werden, wenn sie messbar wird. Verhaeghe beschreibt die Nebenwirkungen dieses scheinbar einleuchtenden Denkens in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Ausgeklügelte Tarifsysteme, detaillierte Lehrpläne, umfangreiche Prüfungsverordnungen und Reglemente von Ethikkommissionen fordern Aufmerksamkeit und halten von der eigentlichen Arbeit ab. Wie dies Einzelne belastet, erlebt er als Psychoanalytiker täglich. Ein Paradigmenwechsel ist fällig … bevor die Gesellschaft je zur Hälfte aus Therapeuten und Therapierten besteht. – Kurzrezension von Thomas Hermann aus den Medientipps der Zeitschrift «Akzente» 2 (2014): S. 35.
Paul Verhaeghe Und ich? Identität in einer durchökonomisierten Gesellschaft.
München: Verlag Antje Kunstmann, 2013. 252 Seiten.
Häufig gestellte Frage: «Kann ich auch Texte besprechen, die nicht im Rahmen des Fachbereichs Deutsch entstehen?»
Unsere Antwort: Ja, das Schreibzentrum will das Schreiben in allen Fachbereichen fördern. Denn Formulieren und Texte optimieren wird in allen Fachbereichen verlangt. Es spielt also keine Rolle, um was es in deiner Arbeit geht, Schreibprozess ist Schreibprozess, und dieser steht im Mittelpunkt, wenn du dich an die Tutorinnen und Tutoren im Schreibzentrum wendest.
Seit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums für das Magazin der PH Zürich (neu: «Akzente»). Im aktuellen Heft zum Thema «Medienbildung» beobachtet Marcel Flütsch auf Seite 25, wie Frustrierte und Busfahrer ihrem Leben einen Sinn geben, und staunt.
Winterthur, 5.–6. Juni 2014: 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten an der 5. internationalen Konferenz des Forums wissenschaftliches Schreiben (FWS) am Departement Angewandte Linguistik der ZHAW über das Schreiben im Beruf.
In immer mehr Berufsfeldern wird immer stärker auch schriftlich kommuniziert. Schreiben wird zum ständigen Kommunikationsmodus, zum «Writing by the way», wie Daniel Perrin (ZHAW) erklärte, der die Tagung eröffnete. Ziel der Tagung war es, Textroutinen im beruflichen Schreiben unter verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Dabei wurden Grundlagenforschung und Praxis vernetzt.
Berufliches Schreiben rückt zunehmend in den Fokus der Schreibforschung: Sei es das Verfassen von Projektskizzen, Projektberichten und Offerten in technischen Berufen oder die Korrespondenz in kaufmännischen Berufen, sei es die multilinguale Kommunikation im internationalen Umfeld, seien es Protokolle im Justizwesen oder wissenschaftliche Texte im Forschungskontext – mit jeder beruflichen Tätigkeit gehen eigene Formen der schriftlichen Kommunikation einher, die vielfältige Fragen zur effektiven Schreibförderung sowie Forschungsfragen eröffnen.
Torsten Steinhoff, Katrin Lehnen und Mark Torrence an der FWS-Tagung in Winterthur
Torsten Steinhoff (TU Dortmund) rückte in seiner Keynote die spezifisch sprachliche Dimension von Schreibförderung ins Zentrum. Mark Torrence (Nottingham Trent University) hinterfragte aus kognitionspsychologischer Sicht, inwiefern es Sinn macht, Planen als Teiltätigkeit des Schreibens in der Schreibförderung stark zu gewichten. Was im Kern des beruflichen Schreibens von Lehrpersonen steht und wie Lehrpersonen dies lernen, referierte Katrin Lehnen (Justus-Liebig-Universität Giessen). Weitere Beiträge eröffneten ein Feld von berufsspezifischer Schreibpraxis, dies von Aspekten der Schreibförderung bis zu Fragen der Schreibentwicklung und Textsorten im Rahmen des beruflichen Wandels.
Die 5. Konferenz des Forums wissenschaftliches Schreiben fand in Zusammenarbeit mit dem Language Competence Center der ZHAW und dem Swiss Faculty Development Network (SFDN) statt. Dank der Kontinuierlichkeit der binären Konferenz und der Konstanz der Teilnehmenden sei innerhalb der letzten 9 Jahre trotz und auch gerade wegen der interdisziplinären Ausrichtung des Themenfeldes ein Rahmen für einen differenzierten Diskurs entstanden, stellte Monique Honegger (Forum wissenschaftliches Schreiben) in der Tagungsbilanz fest. www.forumschreiben.ch
In seinem hellsichtigen Essay Literarisches Eigentum fragt Plagiatsexperte Philipp Theisohn, wie es im medientechnischen Zeitalter um die Ethik geistiger Arbeit und das Urheberrecht bestellt ist. Wer Ideen und Wörter nicht nur borgt und durch Quellenangabe wieder zurückgibt, begeht eine Untat. Aber, wie Theisohn zeigt, führt die Plagiatshysterie auch dazu, dass Texte auf messbare Daten reduziert und Schreiben zur variativen Verwertung vorhandener Werke degradiert wird.
«Miranda sass an der Bar des Striplokals, in dem sie arbeitete und massierte sich ihre schmerzenden Füsse. Morgens um 6 Uhr hatte der letzte Gast den Club verlassen und die Musikbox spielte endlich etwas Entspannenderes… Bei Johnny Cash wurde Miranda immer etwas nostalgisch. Als sie noch jünger gewesen war, wollte sie die Bühnen dieser Welt erobern. Nun war sie seit sechs Jahren in diesem etwas siffigen Lokal und entblösste sich für fünf Dollar die Stunde vor sabbernden Typen.»
Unter dem Motto «Write my Fire!» und inspiriert von den feurigsten Songs der letzten 50 Jahre schrieben Studierende und Mitarbeitende der PH Zürich gemeinsam Geschichten, Minidramen, Chats, Dialoge und vieles mehr. Dies anlässlich unseres Schreibevents zur Schweizer Erzählnacht 2012.
Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Die Vernissage des aktuellen Werks «Write My Fire!» begeisterte mit Lesungen und Live-Musik der Lokalband «November’s Fall» und fand am 10. April 2013 anlässlich unseres Jubiläumsfests in der PH Zürich statt. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.
Webcams dienen der Sicherheit, Kontrolle und Informationsvermittlung. Sie besitzen keine teure Optik und liefern oft unscharfe Bilder. Das verleiht ihnen Authentizität und manchmal malerische Qualität. Der Zufall spielt beim Entstehen eine grössere Rolle als sonst in der Fotografie. Die Bilder werden aus ungewohnten Perspektiven automatisch und unbemerkt aufgenommen. Das öffnet ungewohnte und ungewollte Sehweisen auf Vertrautes und Unvertrautes. Aus dem endlosen Bilderstrom, der durch Abertausende von Webseiten fliesst, fischt der Fotokünstler Kurt Caviezel überraschende Sujets und stellt die besten davon in Museen und Galerien aus.
In seinem Archiv von weit über drei Millionen Bildern gibt es fast nichts, was es nicht gibt, so auch ein paar Schulszenen, vorwiegend aus Japan. Der Einblick in ein Klassenzimmer aus Hokkaido wirft Fragen auf: Ist das eine Szene zwischen Lektionen? Ersetzt die Kamera die Lehr- oder Aufsichtsperson? Können Eltern ihre Kinder im Schulzimmer beobachten? Es ist ein rätselhaftes und ein starkes Bild. Kindliches Verhalten wird unverstellt sichtbar: im Hintergrund das abgewandt lesende Kind als ruhender Pol, im Vordergrund die herumalbernden Mädchen als Gegenpol, dazwischen die sich im Raum positionierenden Kinder. Die sechs Schülerinnen und Schüler sind – zufällig – zu einem Dreieck formiert. Das eindringende Tageslicht haucht dem Augenblick Leben ein und versperrt zugleich den Blick ins Freie. – Thomas Hermann in «Akzente» 2 (2014), S. 38.