Die Ritter von Crongton

Alex Wheatle: Die Ritter von Crongton

McKay und seine Kumpels Liccle Bit und Jonah wetteifern in Alex Wheatles fulminantem Jugendroman um die coolsten Sprüche und kabbeln sich hin und wieder. Aber wenn es hart auf hart kommt, halten die drei Jungs aus South Crongton zusammen wie die Ritter der Tafelrunde. – Daniel Ammann hat den Jugendroman für Buch & Maus besprochen (1/2019, S. 35; siehe auch in der SIKJM-Rezensionsdatenbank).

Wheatle, Alex. Die Ritter von Crongton. Aus dem Englischen von Conny Lösch. München: Verlag Antje Kunstmann, 2019. 256 Seiten.

Willkommen in QualityLand

In QualityLand gibt es für jedes Problem eine App. Man braucht sich nicht über ein schreiendes Kind aufzuregen, sondern lässt ihm beim Arzt einen Hormonchip einpflanzen und drückt auf dem QualityPad die Taste beruhigen.

QualityLand von Marc-Uwe Kling

Eine Portion Progesteron lässt das Kind im Nu verstummen. Etwas komplexer wird es bei selbstfahrenden Autos. Wer soll bei einem Unfall überfahren werden, ein Milliardär oder eine Gruppe von Kindern? Das kommt ganz auf den Besitzer des Fahrzeugs an, denn die eine Moral gibt es nicht, das Auto des Umweltschützers hat eine andere als jenes des Drogendealers. Fest steht: In QualityLand kosten moralisch enthemmte Autos mehr und die Lösung der moralischen Dilemmas bleibt den Maschinen überlassen. Für Menschen lautet die Antwort auf alle Fragen, die sie betreffen, «ok». Sollen Maschinen künftig menschlicher und Menschen digitaler werden? Diese Frage stellt sich den Lesern von Marc-Uwe Klings Dystopie. Noch gibt es mehr Antwortoptionen als «ok».

Martina Meienberg

Kling, Marc-Uwe. QualityLand. Berlin: Ullstein, 2017. 384 Seiten.

Die Rezension ist erschienen in Akzente 1 (2019): S. 35.

Von Vögeln und Menschen

Susanne Röckel: Der Vogelgott

Drei Geschwister finden sich im Zimmer eines Sanatoriums wieder, in dem Thedor, der jüngere Bruder, behandelt wird. Altersmässig stehen sie mitten im Leben, die Situation erscheint aber Lorenz, dem älteren Bruder, «als wäre es wie früher». Und so vereint scheinen die drei nun zu sein, dass die Ich-Erzählung von Lorenz im kollektiven Wir endet. – Erik Altorfers Medientipp in der Online-Ausgabe von Akzente 4 (27.2.2019).

Röckel, Susanne. Der Vogelgott. Salzburg und Wien: Jung und Jung, 2018. 269 Seiten.

Gleich geht’s los

Aufschieben gehört zum Studentenleben und ist anstrengend. Anstatt die freigeschobene Zeit für etwas Sinnvolles zu nutzen – zum Beispiel Freunde treffen oder Sport treiben – plagt das schlechte Gewissen.

Vom Aufschieber zum Lernprofi

So entsteht laut Fabian Grolimund «Müllzeit». Der Psychologe und Lerncoach zeigt, wie sich diese in Arbeits- oder Freizeit umwandeln lässt. Er verspricht: «Bessere Noten, weniger Stress, mehr Freizeit.» Dazu vergleicht er «machende» und «aufschiebende» Studierende, erläutert, wie Letztere die Prokrastination überwinden und stellt 25 erfolgversprechende Übungen vor. Im zweiten Teil geht es um Strategien zur Prüfungsvorbereitung und zum Schreiben von Arbeiten (Literatursuche, wissenschaftliches Schreiben). Aber auch der Umgang mit Langeweile in Vorlesungen, Veränderung der Schlafgewohnheiten oder geeignete Lernorte sind Themenbereiche, die Grolimund ausführt. Die humorvolle und fordernde Art des Autors und das praxisorientierte Training motivieren zum Weiterlesen und Ausprobieren.

Julia Bärtschi

Felix Grolimund. Vom Aufschieber zum Lernprofi: Bessere Noten, weniger Stress, mehr Freizeit. Freiburg i. Br.: Verlag Herder, 2018. 192 Seiten.

Die Rezension ist erschienen in Akzente 4 (2018): S. 35.

Teuflische Muse

Wenn ein Film oder eine TV-Serie ankündigt, alles beruhe auf einer wahren Geschichte (nur die Namen seien geändert worden, um die Opfer zu schützen), so ist dieser Hinweis stets mit Vorsicht zu geniessen. Man möchte sogar behaupten, es handle sich dabei um ein Fiktionalitätssignal erster Ordnung. In Roman Polanskis Film nach einem Roman von Delphine de Vigan ist das nicht anders.

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Schildkrötenwege

Es gibt Bücher, die einen umhauen. Da träumt man schon mal davon, dem Autor des Romans persönlich zu begegnen. Für die 18-jährige Ich-Erzählerin in Matthew Quicks Roman geht dieser Wunsch in Erfüllung – allerdings mit unabsehbaren Folgen. – Daniel Ammann hat Schildkrötenwege oder Wie ich beschloss, alles anders zu machen für Buch & Maus rezensiert.

Quick, Matthew. Schildkrötentage oder Wie ich beschloss, alles anders zu machen. Aus dem amerikanischen Englisch von Knut Krüger. München: dtv, 2018. 298 Seiten.

Die Rezension ist erschienen in Buch & Maus 3 (2018): S. 36.

Was die Schweizermacher nicht sahen

Die Schweizer Fremdenpolitik aus der Perspektive der Behörden, das kennt man seit Rolf Lyssys Film Die Schweizermacher. Vierzig Jahre später wechselt Vincenzo Todisco die Perspektive: sein Roman Das Eidechsenkind erzählt vom verbotenen Leben eines italienischen Saisonnierkindes. – Erik Altorfers Medientipp in der Online-Ausgabe von Akzente 4 (28.11.2018).

Todisco, Vincenzo. Das Eidechsenkind. Zürich: Rotpunktverlag, 2018. 214 Seiten.

Unendliches bei Ende

Die Lektüre von Literarischem heisst auch, sich auf Unabschliessbares einzulassen. Dies erfährt, wer sich von Hans-Heino Ewers zum Lesen bzw. Wiederlesen von Michael Endes Kinderbuchklassikern verführen lässt.
So regt der Autor zum Beispiel an, über die Schul­pädagogik im Jim Knopf nachzudenken, indem er auf Jims und Lukas’ Besuch der Mathematikstunde von Frau Mahlzahn verweist. Danach fragt Jim, ob Schulen generell so aussähen. Lukas’ Antwort lässt verschiedene Interpretationen zu: «Gott bewahre! (…) Manche Schulen sind sogar ganz nett. Allerdings sind dort keine Drachen als Lehrer, sondern einigermassen vernünftige Leute.» Bei Momo können sich auch Erwachsene auf eine Philosophiestunde bei Meister Hora freuen: Die grauen Herren würden entstehen, weil die Menschen ihnen die Möglichkeit gäben zu entstehen, erklärt er. Und wer eine Deutung für die Grenze zwischen Bewusstem und Unbewusstem sucht, wird vielleicht in der Unendlichen Geschichte fündig.

Martina Meienberg

Ewers, Hans-Heino. Michael Ende neu entdecken: Was ‹Jim Knopf›, ‹Momo› und ‹Die unendliche Geschichte› Erwachsenen zu sagen haben. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 2018. 278 Seiten.

Die Rezension ist erschienen in Akzente 3 (2018): S. 35.

Der Tod ist ein mühseliges Geschäft

Eine Reise durch Syrien der besonderen Art: Die drei Geschwister Fâtima, Hussain und Bulbul transportieren in Hussains Minibus ihren in einem Damaszener Krankenhaus verstorbenen Vater. Sein letzter Wunsch war es, in seinem Heimatdorf in der Nähe von Aleppo bestattet zu werden. – Erik Altorfer über die Roadnovel des syrischen Autors Khaled Khalifa, dessen Romane in seiner Heimat nur auf dem Schwarzmarkt erhältlich sind.

Khalifa,Khaled. Der Tod ist ein mühseliges Geschäft. Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 2018. 220 Seiten.

Die Rezension ist erschienen in der Online-Ausgabe von Akzente 3 (27.8.2018).

Deep Work

Zerstückelte Arbeitstage, Grossraumbüros und E-Mails, die ständig nach Aufmerksamkeit verlangen, sind schlechte Voraussetzungen für konzentriertes Arbeiten, wie der Computerwissenschaftler Cal Newport überzeugend darlegt.

Was wir indes bräuchten, sind längere ablenkungsfreie Phasen, in denen wir uns vertieft einer einzigen Sache widmen können. Das Konzept nennt sich «Deep Work». Newport beschreibt nicht nur, wie Rückzugsorte, geschützte Zeitfenster und bestimmte Strategien zu besserer Qualität führen. Er klärt uns darüber auf, dass Ausgleich, Pausen und Feierabendrituale unser Wohlbefinden entschieden steigern und letztlich zu mehr sinnstiftender Produktivität führen. Wer nach Büroschluss noch Mails beantwortet oder in Gedanken schon Gespräche des nächsten Tages vorbereitet, vergibt sich die Chance abzuschalten und aufzutanken. Denn genau das wäre wichtig, weil wir nur über einen begrenzten Vorrat an Willenskraft und gelenkter Aufmerksamkeit verfügen.

Daniel Ammann

Newport, Cal. Konzentriert arbeiten: Regeln für eine Welt voller Ablenkungen. Aus dem Englischen von Jordan T. A. Wegberg. München: Redline, 2017. 271 Seiten.

Die Rezension ist erschienen in Akzente 3 (2018): S. 34.