Q&A Zitieren #14: Expertenwissen anzapfen

In seinem Buch The 90 Minute Book Outline widmet sich Autor R.T. Tolentino unter anderem der Frage, wie man in einem Themengebiet in kurzer Zeit zum Experten oder zur Expertin wird. Das erinnert ein bisschen an das Problem zu Beginn einer Masterarbeit. Immerhin soll dort ja eine kluge Frage untersucht und ein Überblick zum Forschungsstand geliefert werden. Das eigene Wissen und Vorwissen ist ein guter Ausgangspunkt. Da ist es hilfreich, in einem Projektjournal einfach mal brainstormartig alles zu notieren, was einem zum Thema einfällt. Allmählich wird klar, wovon man ausgeht, wo man anknüpft und wohin die Reise gehen könnte. Bevor man jedoch richtig loslegt, sollte das Gebiet erst einmal abgesteckt und die Untersuchungsfrage eingegrenzt werden. Um die Auseinandersetzung mit Fachliteratur kommt man dabei nicht herum.

«Don’t be lazy and do some reading.»

Hier könnte Tolentinos «7 Day Expert Method» eine Hilfe sein.
Bevor man seine Arbeit inhaltlich plant, rät er zu folgenden Schritte:

A –  Mindestens 5 Bücher zum Thema lesen und den Erkenntnisgewinn zusammenfassen.
Daraus lässt sich für das weitere Vorgehen ein Aktionsplan skizzieren (Untersuchungsfeld, Stand der Forschung, Wissenslücken, eigenes Erkenntnisinteresse, erwartete Ergebnisse).

B – (Wahlweise, aber empfohlen) Einen Experten oder eine Expertin befragen. Worüber sollte man Bescheid wissen? Was ist wichtig?

C – Sich in der Bibliothek in den Regalen umschauen, die zum Thema einen engeren Bezug haben. Einige Bücher durchblättern, die unser Interesse wecken. Welche Ideen oder Ansätze tauchen in verschiedenen Publikationen immer wieder auf?

D – Die Inhaltsübersichten mit dem Smartphone fotografieren.

An dieser Stelle ist es dann so weit, dass man seine Projektskizze formuliert. Jetzt kann die eigentliche Recherche beginnen!

 

Lesen macht gesund

Nach ihrer Romantherapie (für Erwachsenene) legen die Autorinnen Ella Berthoud und Susan Elderkin nun eine Romantherapie für Kinder vor. 233 ausgesuchte Kinder- und Jugendbücher verhelfen den jungen Leserinnen und Lesern zur passenden Lektüre. Daniel Ammann stellt das Buch für alle Lebenslagen in Akzente 4/2017 vor.

Ella Berthoud, Susan Elderkin und Traudl Bünger.
Die Romantherapie für Kinder.
Aus dem Englischen von Katja Bendels und Kirsten Riesselmann.
Berlin: Insel Verlag, 2017. 372 Seiten.

Der Mann mit zwei Gesichtern

Geschichten über den Vietnamkrieg werden in der Regel aus der Sicht der USA geschrieben. Der Sympathisant von Viet Thanh Nguyen zeigt für einmal eine andere Perspektive. Erik Altorfer stellt den preisgekrönten Roman in Akzente 4/2017 vor.

Viet Thanh Nguyen.
Der Sympathisant.
Aus dem Amerikanischen von Wolfgang Müller.
München: Karl Blessing Verlag, 2017. 528 Seiten.

 

Dem Elend entkommen

Wer sich nach dem Wahlsieg von Donald Trump die Augen rieb, wird nach der Hillbilly-Elegie klarer sehen. In Akzente 4/2017 stellt Martina Meienberg die Lebensgeschichte eines Autors vor, der den Aufstieg aus Armut und Elend geschafft hat.

J. D. Vance.
Hillbilly-Elegie: Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise.
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Gregor Hens.
Berlin: Ullstein, 2017. 303 Seiten.

 

von den beinen zu kurz

Katja Brunners Stück von den beinen zu kurz handelt von einer vordergründig idyllischen Kleinfamilie, in der Vater und Tochter ein inzestuöses Verhältnis haben. Die beiden erkennen in ihrem Tun nichts Abwegiges. Darin verbirgt sich die Sprengkraft des Stücks. In der Hörspieladaption spitzt Regisseur Erik Altorfer den mit dem Mühlheimer Dramatikerpreis ausgezeichneten und ohnehin schon radikalen Text von Katja Brunner weiter zu.

Alex Rickert rezensiert das intensive Hörereignis in der Online-Ausgabe von Akzente 4/2017 (mit Hörprobe und Bildergalerie).

Katja Brunner.
von den beinen zu kurz. Hörspiel.
Regie: Erik Altorfer. Produktion WDR 2014
Luzern: Der gesunde Menschenversand, 2015.
Audio-CD, 52 Minuten.

«Es gibt ganz viel zwischen Mann und Frau»

Am 9. November 2017 fand an der PH Zürich ein Podium zum Thema «Trans an Schulen und Hochschulen» statt. Am Gespräch nahm unter anderen auch ein Transmann teil.

«Es ist meine einzige Hoffnung», sagt die Protagonistin im Film «The Danish Girl» vor der Operation zur Geschlechtsangleichung. Danach erlebt sie für einen kurzen Moment das Glück, ganz sich selbst zu sein, bevor sie an den Folgen der Operation stirbt. «The Danish Girl» (2015) von Tom Hooper spielt in den 1920er-Jahren und basiert auf der Biografie der transsexuellen Malerin Lili Elbe.

Der Film war Ausgangspunkt der Podiumsdiskussion an der PH Zürich zum Thema Trans an Hochschulen und Schulen. Moderatorin Monique Honegger, Kommission Diversity_Gender, griff zu Beginn das Stichwort Abschied als zentrales Element des Films auf: Abschied von Identitäten, Abschied von Menschen. «Als wir als Eltern nicht mehr verkennen konnten, dass unser Junge ein Mädchen ist, haben wir mit Ballonen und einer Playmobilfigur ein Abschiedsritual gemacht. Unser Kind war aber schon immer, wer sie war», sagte Kristian, Vater eines Transkindes. Myshelle Baeriswyl, Psychologin und Sexualpädagogin, ergänzte: «Für Kinder ist es kein Abschied. Es ist eher ein Abschied für die Eltern.»

Louis, ein junger Transmann, beschrieb, was innen vor sich gehe, sei nicht das, was aussen sichtbar sei: «Auf Fotos von früher ist zu sehen, dass ich als Mädchen überangepasst war. Ein Junge war ich nur in meinen Fantasiewelten, in die ich geflüchtet bin. Während meiner Mädchenzeit war ich wahnsinnig unglücklich. Nun gehe ich den Weg, mit dem ich mich am Schluss wohl fühle.» Wie es denn für Kinder sei, diesen Weg zu gehen, fragte Honegger anschliessend. Für Transkinder sei es einfach. Je jünger das Kind, desto klarer sei das Gefühl, so Tanja Martinez, Heilpädagogin. «Das Zweifeln und Abwägen, das ist die Geschichte der Aussenstehenden.» Wenn ein Kind vor der Pubertät auf diesem Weg sei, könne man die körperliche Entwicklung in die richtige Richtung lenken. «Es ist eine Chance, unerkannt als Transmensch zu leben», betonte Baeriswyl.

Und was kann die Schule tun? «Geschlechtliche Vielfalt muss sichtbarer werden. Diese Themen gehören ins Curriculum», forderte Baeriswyl. «Wir brauchen aber keine besondere Behandlung» meinte Louis. Einig war man sich unter den Podiumsgästen auch, dass es für die Schule nicht den einen Weg und schon gar kein Rezept gebe. «Es gibt ganz viel zwischen Mann und Frau. Es ist nicht so klar abgegrenzt, wie wir das gerne hätten», sagte Louis. In welcher Garderobe sich das Kind im Turnen und Schwimmen umzieht, solle man zusammen mit dem Kind regeln, empfiehlt Martinez. Kinder seien sehr offen. Kristian bestätigte das: «Unser Kind wurde nicht gemobbt von anderen Kindern, sondern von deren Eltern.» Diese hätten Unterschriften gesammelt, damit ihr Mädchen nicht mit den anderen Mädchen in die Garderobe dürfe. So forderte der Vater zum Schluss: «Bitte nehmt die Kinder ernst!»

Martina Meienberg

Politische Lindgren

«Der Frieden bietet keine grosse Geborgenheit, die Atombombe wirft ihren Schatten auf ihn.» Diese fast schon seherische Aussage aus dem Jahr 1945 stammt aus Astrid Lindgrens Tagebuch. Mehr über das politische Denken der Kinderbuchautorin ist im Medientipp von Martina Meienberg in Heft 4/2016 von Akzente zu erfahren

Martina Meienberg: «Politische Lindgren» (und als PDF hier).