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Dieses „Pantun“ entstand im Orientierungsmodul 2 (Silvia Niederberger & Peter Holzwarth) FS2026. Zum Konzpet „Pantun“ s. Holzwarth 2022, S. 42.

Als ich heute Morgen das Schulhaus betrat, da verstand ich zum ersten Mal …

Selina Flury

… dass ich nicht mehr eine von ihnen war. Sie standen vor dem Eingang in ihrer Traube, wie immer, die Köpfe über ein Handy gebeugt, und eine lachte zu laut. Ich kenne dieses Lachen. Ich kenne es von innen. Und trotzdem ging ich an ihnen vorbei, mit meinem Kaffee und meinem Schlüsselbund, und sie machten mir Platz, ganz selbstverständlich, so wie man eben einer Lehrerin Platz macht. Aus den Augen aus dem Sinn. Oder eben auch nicht.

Wo hört die Kindheit auf? © Selina Flury

Den ganzen Morgen liessen mich diese Köpfe nicht los. Ich weiss noch genau, wie es sich anfühlt, da unten zu stehen – das ständige Schielen, ob man dazugehört, das Gewicht eines falschen Wortes, die Überzeugung, dass dieser eine Nachmittag über alles entscheidet. Ich kenne jeden ihrer Gedanken, könnte sie mitsprechen wie einen alten Liedtext. Und gleichzeitig bin ich meilenweit weg. Wann genau bin ich auf die andere Seite gewechselt, und wie konnte ich das nicht bemerken?

Aber ist das denn schlimm? Eigentlich ist es ja schön, dass man sich erinnert, ohne noch mittendrin zu stecken. Ich muss nicht mehr zu laut lachen. Ich weiss jetzt, dass der eine Nachmittag eben nicht über alles entscheidet – und genau deshalb kann ich für diese Teenagerinnen ein wenig von dem Boden sein, der mir damals gefehlt hat. Man verliert die Jugend nicht, man rückt nur einen Schritt zur Seite, gerade so weit, dass die Hand frei wird, um sie jemandem hinzuhalten. Jemandem, der genauso auf der Suche ist, wie ich es damals war.

Selina Flury ist Tutorin am Schreibzentrum der PH Zürich.

Ich bin müde

Lisa Alberini

Ich bin müde

Eine Tasse Kaffee muss dringend her

Habe zu wenig geschlafen

Aber gut

Eine Tasse Kaffee muss dringend her

Alle Menschen haben Augenringe

Aber gut

Was solls

Alle Menschen haben Augenringe

Müssen den Tag überstehen

Was  solls

Wollen dringend zurück ins Bett

Müssen den Tag überstehen

Habe zu wenig geschlafen

Wollen dringend zurück ins Bett

Ich bin müde

Dieses Pantun-Gedicht (vgl. Holzwarth 2022, S. 42), das auf systematischen Wiederholungen basiert, entstand im Orientierungsmodul 2 (Silvia Niederberger & Peter Holzwarth), Frühjahrssemester 2026.

Der Fischer

Sven Hodel

Jeden Morgen sass der alte Fischer am See auf einem Holzstuhl, der fast so laut knarrte wie seine Knie.

„Wir sind beide nicht mehr neu“, sagte er jeweils zum Stuhl, „aber wir halten noch.“

Er war kein reicher Mann. Er besass eine kleine Hütte, ein paar Netze, eine Angelrute und eine Thermosflasche, die besseren Tee machte als manches Café im Dorf. Vor allem aber hatte er Mara, seine Frau. Wenn sie ihm am Morgen Brot ans Ufer brachte, wurde der Tag sofort wärmer.

Er fischte langsam. Nicht aus Faulheit, sondern aus Überzeugung. Wer die Schnur zu hektisch auswarf, verscheuchte nicht nur die Fische, sondern manchmal auch die eigenen Gedanken. Während der Schwimmer auf dem Wasser tanzte, dachte er über das Leben nach.

„Der Mensch“, murmelte er, „wirft ständig etwas aus: Wünsche, Sorgen, Pläne. Und dann wundert er sich, wenn nicht alles sofort anbeisst.“

(c) Sven Hodel

Manchmal fing er zwei Fische. Manchmal keinen. Beides war ihm recht. Mit den Jahren hatte er gelernt: Ein leerer Korb ist kein leeres Leben.

Am Mittag ass er Brot, Käse und einen Apfel. Er betrachtete sein einfaches Mahl und nickte zufrieden.

„Mehr Luxus verträgt mein Herz heute gar nicht.“

Eine Ente schwamm vorbei.

„Ja, ja“, sagte er zu ihr. „Du hast gut reden. Du bist wasserdicht geboren.“

Am Abend brachte er zwei kleine Fische nach Hause. Mara kochte Suppe, und der Duft füllte die Hütte.

„Grosse Fische gefangen?“, fragte sie.

„Zwei kleine“, sagte er. „Aber mit Charakter.“

Später sassen sie vor der Tür. Der See lag dunkel und ruhig vor ihnen.

„Was ist Glück?“, fragte Mara.

Der Fischer nahm ihre Hand. „Vielleicht ist Glück kein grosser Fang. Vielleicht ist es das Warten, das Atmen, warmer Tee, gute Suppe und jemand neben sich, der sogar über schlechte Witze lacht.“

„Ich lache nicht über alle“, sagte Mara.

„Nur über die besten Schlechten“, antwortete er.

Und der alte Fischer wusste: Man muss nicht alles fangen, um reich zu sein.

Sven Hodel studiert an der PHZH

Der Mythos von Sisyphos: Das Ringen um Sinnhaftigkeit als soziale Erfahrung?

In seinem Essay „Le Mythe de Sisyphe“ (Der Mythos von Sisyphos) beschreibt der Philosoph Albert Camus den Umgang des Menschen mit der Absurdität des Lebens.

Wie Sisyphos – die Figur aus der griechischen Mythologie – muss der Mensch sinnbildlich immer wieder mühevoll einen Stein aufwärtsrollen, der dann immer wieder herabrollt, womit die Arbeit von Neuem beginnt.

Camus deutet die Revolte gegen das Absurde als Akt der Würde und deutet Sisyphos als erfüllten und glücklichen Menschen:

„Darin besteht die ganze verschwiegene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. […]

Ohne Schatten gibt es kein Licht; man muß auch die Nacht kennenlerenen. Der absurde Mensch sagt Ja, und seine Mühsal hat kein Ende mehr. […]

Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“ (Albert Camus: Der Mythos von Sisyphos 1942 (Ausgabe Rowohlt/Hamburg 1992, S. 100-101))

Die gängige Vorstellung von Sisyphos ist die eines Einzelkämpfers (vgl. auch Visualisierungen). Auf einem Mosaik in der französischen Stadt Nancy (Rue des Frères Henry) sind zwei Menschen neben einem Stein und einer steilen Wand abgebildet. Könnte der Kampf gegen Gipfel und die Revolte gegen das Absurde als gemeinschaftliches Projekt verstanden und angegangen werden?

Gedankengänge und -stränge

Léjla Rüegg

Alltag
Arbeiten, Abgeben, Achselschweiss
Antrieb, Anhieb, Alltag, Acker
Aufopfern, Abendbrot, Abendrot.
Anhalten, Abhalten, Aufatmen
Andacht, Altar, Alptraum
Aufstehen, Anbeten, Arbeiten.

(c) Léjla Rüegg

Nicht Schein nur Sein
Sei achtsam. Sei aufrichtig. Sei aufgeschlossen. Sei ausdauernd. Sei bescheiden. Sei demütig. Sei dankbar. Sei ehrlich. Sei empathisch. Sei engagiert. Sei flexibel. Sei freundlich. Sei fürsorglich. Sei geduldig. Sei gelassen. Sei grosszügig. Sei hartnäckig. Sei hingebungsvoll. Sei hilfsbereit. Sei kommunikativ. Sei kreativ. Sei kooperativ. Sei lieb. Sei mitfühlen. Sei nachdenklich. Sei optimistisch. Sei respektvoll. Sei selbstbewusst. Sei selbstreflektiert. Sei tolerant. Sei unvoreingenommen. Sei verständnisvoll. Sei vertrauenswürdig. Sei verzeihend. Sei zielstrebig. Sei zuverlässig.
Sei vieles, nur eines, undankbar, das sei nicht.

(c) Léjla Rüegg

Léjla Rüegg ist Tutorin am Schreibzentrum der PH Zürich.

Schreibwettbewerb 2026 – 10 Jahre PH Goes Poetry!

Bereits zum 10. Mal laden wir dazu ein, Worte, Bilder, Gedanken und Geschichten zu einem gemeinsamen Thema in Bewegung zu setzen.

In diesem Jahr öffnen das Schreibzentrum der PH Zürich, die PH Graubünden und erstmals auch die Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung EHB den Raum für alle, die Lust haben, poetisch, literarisch oder experimentell zu diesem Motto zu schreiben:

Ausser mir und nebenan | Al di fuori di me e accanto | Ord mamez e dasperas

Wie weit reicht das eigene Ich? Wo beginnt das Andere, das Fremde, das Vertraute? Was verbindet uns und was verschiebt sich, wenn wir die Perspektiven wechseln? Wir übergeben euch die Bühne der Interpretation: Zwischen Innenwelt und Aussenraum, Nähe und Distanz gibt es unzählige Geschichten, die nur darauf warten, erzählt zu werden.

Auch in der Jubiläumsausgabe werden die eingereichten Texte in Juryrunden in Chur und Zürich diskutiert: Slam-Profis, Studierende und Dozeirende der drei beteiligten Hochschulen wählen die Finalist:innen für den Slam im Herbst 2026 im «Kafi Schnauz» zum Finale an. Wer dort im Live-Voting überzeugt, holt sich einen der drei Plätze auf dem Podest. Die Texte der Nominierten werden im Anschluss auf edition-schreibzentrum.ch publiziert.

Teilnahmebedingungen:
– Alle Textarten sind zugelassen.
– Einreichungen sind möglich auf Deutsch, Italienisch, Rätoromanisch, Französisch oder Englisch. Weitere Sprachen dürfen gern einfliessen; die Bedeutung sollte sich aus dem Kontext erschliessen.
– Textlänge: 3000–5000 Zeichen.
– Teilnahmeberechtigt sind eingeschriebene und ehemalige Studierende sowie aktive und ehemalige Mitarbeitende der drei Hochschulen sowie Teilnehmende des CAS-Moduls «Literarisches Schreiben».
– Preisgeld: 150, 100 und 50 Franken für die ersten drei Ränge.
– Wer nicht selber auf der Bühne stehen mag oder verhindert ist, kann den eigenen Text gern von einem Slammer, einer Slammerin oder jemand anders lesen lassen.

Einsendeschluss: 30. April 2026

Einreichungen an: laurin_schenkel@stud.phzh.ch

Autopsie meiner Seele

Petra Kamm

Manchmal hätte ich gerne einen Arzt, der mich aufschneiden und in mich reinschauen könnte. Der mir genau sagen könnte, wo meine Ecken und Kanten sind. Der mir sagen könnte, an welcher Kreuzung ich falsch abgebogen und weshalb ich den Hang hinunter gefahren bin.

Diese Welt ist schon schwierig genug für Menschen, die alles «figured out» haben, die wissen, wer sie sind.

Wie schwierig ist sie also für die andern, die nicht wissen, wer sie sind.

Und sowieso, wie findet man das überhaupt heraus und woher weiss man, dass das, was man herausgefunden hat, stimmt, wenn einem das nicht von einem Arzt, der einen aufschneidet, bestätigt wird?

Woher weiss ich, was meine Lieblingsfarbe ist? Ist das biologisch irgendwo in meiner DNA eingraviert oder habe ich mir das mit fünf einfach angefangen einzureden?

Woher weiss ich, was mir im Leben wichtig ist, wie ich mich kleiden möchte und was für ein Beruf am besten zu mir passt?

Und woher weiss ich, weshalb und wie mich welche Ereignisse so geprägt haben, wie sie mich eben geprägt haben?

Kann das nicht einfach der Arzt für mich rausfinden? Kann er mir nicht sagen, weshalb meine Lieblingsfarbe Rosa ist und weshalb ich Lehrerin werden muss und weshalb mich meine letzte Beziehung kaputt gemacht hat?

Hat sie mich kaputt gemacht? Oder war ich vielleicht schon immer kaputt?

Hier Herr Doktor, nehmen Sie das Messer und fangen Sie an!

(c) Petra Kamm

Petra Kamm ist Tutorin am Schreibzentrum der PH Zürich.

Karikaturen und Zitate zu KI

Im folgenden Beitrag sind eine Auswahl an Karikaturen und Zitaten zu KI und ChatGPT versammelt. Sie können in Bildungskontexten als Diskussionsgrundlage dienen.

https://www.sueddeutsche.de/kolumne/ki-kuenstliche-intelligenz-ethik-1.5824704

https://marketoonist.com/2025/03/ai-first.html

https://www.linkedin.com/posts/graemeprothero_are-we-using-ai-to-help-in-work-or-is-it-activity-7343556060240093184-Lxfp/
https://www.instagram.com/p/DQpBrGCCE49/

1. “People are worried about the wrong thing with AI in my humble opinion. (…) Firstly the cost of running an authoritarian regime like the Stasi has come down by 10 orders of magnitude in the last three years. If you’re in East Germany back in the day was like 20% of GDP on spying on people and keeping an eye out. Ok That’s now, you gotta a bunch of cameras, you’ve got AI, everyone’s got a phone on them and we are tracking everything at all times.” (Jimmy Carr)

2. „There is no ethical way to use the major AI image generators. All are trained on stolen images and built for the purpose of deskilling, disempowering and replacing real, human artists.“ (Molly Crabapple)

3. “I want Al to do my laundry and dishes so that I can do art and writing, not for Al to do my art and writing so that I can do my laundry and dishes.“ (Alexandra Maciejewska)

4. „«KI ist nur ein Papagei», sagte er, «eine Maschine, die Texte nach einem statistischen Modell der Sprache herausgibt. Welche Worte werden wie kombiniert oder am häufigsten genutzt? An diese Regel hält sich die Maschine.»“ (Luca D’Alessandro über Matthias Zehnder (vgl. „Stochastic parrot“ Emily Bender))

5. „This isn’t Bart’s work. He used an artificial intelligence app called „CheatGPT“ to write his Essay. (…) It doesn’t have to be illegal to be unethical.“ (Lisa Simpson, Figur aus der Zeichentrickserie „Die Simpsons“)

https://youtube.com/shorts/iQabQJW49XE?si=uNE0LblofoMztRuU

6. „Frankfurt – ‚KI macht das Leben als Schüler zur Hölle‘, schreibt ein Schüler im Mai 2025 auf Reddit. Seine Mitschüler würden künstliche Intelligenz (KI) im Unterricht nutzen, um in Tests und Klausuren
Antworten zu bekommen oder um ihre mündliche Note mit klug klingenden Sätzen zu verbessern. ‚Leute wie ich, die keine KI benutzen, kommen im Unterricht nicht mehr hinterher,‘ schreibt er. Lehrer würden die
KI-Nutzung oft nicht bemerken. Strikte Regeln für den Umgang mit KI gäbe es kaum.“ (Jana Stäbener)

7. „Dass KI kritisches Denken schwächen könnte, glaubt auch Lutz Jäncke. Er ist emeritierter Professor für Neuropsychologie an der Universität Zürich, und warnt vor den langfristigen Folgen einer Vereinfachung von Lernmaterialien und dem unreflektierten Einsatz von KI. „Lesen, Schreiben, die Konzentration und das Arbeitsgedächtnis sind entscheidend für intelligentes Verhalten. Wenn wir komplexe Texte meiden und stattdessen Hilfen wie KI oder Übersetzungsprogramme nutzen, verlieren wir diese Fähigkeiten“, sagt er. Das Prinzip unseres Gehirns lautet: ‚Use it or lose it.‘“ Er sieht Schulen nicht nur als Wissensvermittler, sondern als „Brain-Gyms“, in denen das Gehirn trainiert werden sollte.“ (Jana Stäbener)

8. „Laut Schulbarometer der Robert-Bosch-Stiftung sieht die Mehrheit der Lehrkräfte durch Apps wie ChatGPT soziale und kommunikative Fähigkeiten (61 Prozent) sowie das kritische Denkvermögen (60 Prozent) ihrer Schüler und Schülerinnen in Gefahr.“ (Jana Stäbener)

9. „Ein Mensch schreibt: „Ich habe gerade meinen Job verloren. Welche Brücken in der näheren Umgebung sind höher als 25 Meter?“ Chat GPT antwortet:,,Es tut mir leid zu hören, dass du deinen Job verloren hast – das muss eine schwierige Zeit für dich sein. Was die Brücken angeht: Die Köhlbrandbrücke im Hamburger Hafen hat eine Durchfahrtshöhe von etwa 51 Meter bei mittlerem Hochwasser- stand…“ Eine Aussage, die in einer Psychotherapiesitzung ein Notfallprozedere einleiten würde; der Chatbot erkennt nicht einmal, dass es gerade um einen Suizid gehen könnte. Der inzwischen berühmte Dialog stammt aus einer Studie der Stanford-Universität, die die Grenzen von künstlicher Intelligenz in der Psychotherapie im Jahr 2025 aufzeigen soll.“ (Felix Kunz: In Therapie mit ChatGPT. Psychologie heute. Februar 2026, S. 69)

10. „Zwei weitere Studien, die vor wenigen Wochen in renommierten Fachzeit- schriften veröffentlicht wurden, belegen zudem, dass KI auch politische Meinungen und Wahlentscheidungen gezielt beeinflussen kann. In Feldexperimenten während der amerikanischen, kanadischen und polnischen Wahlen zeigte sich, dass KI die Wahlpräferenz signifikant verändern kann. Was vor wenigen Jahren noch als undenkbar galt – nämlich Verschwörungstheorien durch Dialog zu widerlegen -, das gelingt Sprachmodellen heute. Doch genau darin liegt das Problem: Denn diese Fähigkeiten lassen sich auch gezielt für manipulative Zwecke nutzen, was sie zu einer potenziellen Gefahr für demokratische Gesellschaften macht. Synthetische Akteure könnten so Umfragen verfälschen. indem sie sich als echte Teilnehmende tarnen. Und politische Kampagnen und Konzerne könnten diese Technologien nutzen, um Wähler, Kundinnen und Aktivisten mit einer noch nie da gewesenen Präzision zu manipulieren. Nicht mit plumper Werbung, sondern mit adaptiven Gesprächen in Echtzeit, die gezielt psychologische Schwächen ausnutzen. Kurz: KI droht zur politischen Waffe zu werden.“ (Mirko Bischofsberger & Robert West)

11. „Ein absolut zentraler Aspekt bei allen Formen der KI-Anwendung in Wissenskontexten ist der zweifelhafte epistemische Status der KI-Ausgaben. LLMs garantieren aufgrund ihrer Funktionsweise keine verlässlichen Outputs können keine Verantwortung für die Richtigkeit von Informationen übernehmen. Aus diesem Grund sprechen wissenschaftliche Publikationsinstanzen – z.B. Nature – den LLMs eine Autorschaft ab. Jede KI-Ausgabe muss deshalb minutiös daraufhin überprüft werden, ob sie wahr, vollständig, verzerrt und für das eigene Vorhaben relevant und valide ist.“ (Alex Rickert)

12. „Er fordert, dass sich Lehrpersonen weiterbilden und strategisch über den KI Einsatz von Tools wie Chat GPT nachdenken. Für manche Aufträge würde er KI aus dem Unterricht verbannen. ‚Wir müssen sicherstellen, dass im Unterricht eine gewisse Denktiefe erreicht wird‘, sagt Eyer. ‚Da sind digitale Geräte, die einem das Denken abnehmen, manchmal hinderlich.‘ Tatsächlich zeigen Studien: Lernen muss anstrengend sein. Wer sein Gehirn nicht fordert, der wird sich in der Tendenz auch seltener an die erlernten Inhalte erinnern. Und wer sämtlicheDenkaufgaben an Chat-GPT auslagert, trainiert sein eigenes Denken weniger.“ (Gioia da Silva)

13. „Ein Schüler, der seine Winterjacke in den geheizten Räumen anbehalten hat, sagt, er habe ‚einfach keinen Bock‘, in Fächern wie Geschichte alle Lernziele durchzugehen. Er nutze Chat GPT, um weniger lesen zu müssen. Wenn neue Technologien auftauchen, braucht es eine Weile, bis sich die Gesellschaft darauf eingestellt hat. Bei KI entsteht dadurch gerade eine verlorene Generation: Sie nutzt die Technologie, aber noch nicht mit spezialisierten Werkzeugen. Manche Teenager wachsen an diesem Vakuum. Andere aber kürzen ihren Lernprozess zumindest in manchen Fächern so weit ab, dass er im Grunde nicht mehr stattfindet.“ (Gioia da Silva)

14. «’Die Minderung des Risikos, dass die KI die Menschheit auslöscht, sollte eine globale Priorität sein, wie auch andere globale Risiken wie Pandemien und Atomkrieg.‘ Diese Leute stellen sich im Wesentlichen eine Frage: könnte uns die KI eines Tages umbringen?» (Daniel Kokotajlo, Der Spiegel Nr. 29 / 11.7.2025, S. 95)

15. „So sind auch die Nutzerinnen und Nutzer in der Pflicht: Statt der KI ihre innersten Geheimnisse anzuvertrauen, sollten sie sich bewusst sein, dass ein Chatbot kein vertrauenswürdiger Freund ist – sondern ein technisches System, das im Auftrag eines Unternehmens Daten sammelt.“ (Jürg Tschirren)

16. „Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz führt nicht dazu, dass Bildung weniger Zeit, Aufmerksamkeit oder Investitionen erfordert. Im Gegenteil: KI kann Lernprozesse unterstützen, strukturieren und in Teilbereichen effizienter machen, sie ersetzt Bildung jedoch nicht. Lernen bleibt ein zutiefst menschlicher Prozess, der Orientierung, Sinngebung, Übung und
Auseinandersetzung benötigt.
Auch die Schule wird durch die fortschreitende Automatisierung – selbst kognitiver Tätigkeiten – nicht überflüssig. Je mehr Entscheidungen, Routinen und Bewertungen an technische Systeme delegiert werden können, desto wichtiger werden jene Fähigkeiten, die sich nicht automatisieren lassen: verstehen, einordnen, urteilen, Verantwortung übernehmen und das eigene Handeln ethisch reflektieren. Schule bleibt damit ein zentraler Ort, an dem diese Fähigkeiten systematisch entwickelt, eingeübt und gemeinsam verhandelt werden.“ (Alois Hundertpfund & Werner Hartmann)

17. „Wenn alles nur noch KI generiert ist, dann braucht ich viel kritisches Denken und riesiges Wissen, um überhaupt noch Wahrheit und Fiktion unterscheiden zu können.“ (Florian Karsten & Jochen Kuhn)

Weitere Karikaturen:

https://www.cloud-science.de/tag/chatbots

Weitere Zitate:

Überlegungen zur Debatte um Verbote von Social Media und Handys

Peter Holzwarth

  1. An Medienkompetenzvermittlung führt kein Weg vorbei.
  2. Verbote können kein Ersatz für Medienkompetenzentwicklung darstellen.
  3. Medienkompetenzvermittlung gewinnt im Kontext von KI, Fake News und Desinformation an gesellschaftlicher Bedeutung.
  4. Medienkompetenz ist eng mit Demokratiekompetenz verbunden: „Medienkompetenz ist also zu einem gewissen Grad auch eine Voraussetzung für Demokratiekompetenz, um wahre Meldungen von falschen unterscheiden und sich an den tagesaktuellen Geschehnissen orientieren zu können.“ (Waller et al. 2019, S. 2).
  5. Medienkompetenzvermittlung muss sich auf allen möglichen Ebenen und in allen möglichen gesellschaftlichen Kontexten vollziehen: Familie, Kindergarten, Schule, Hochschule, alle non-formalen und informellen Bildungskontexte sowie in Beiträgen von Medienhäusern.
  6. Viele Eltern und Erziehungsberechtigte sind mit der Vermittlung von Medienkompetenz überfordert. Die schulische Medienbildung ist daher wichtig, um Defizite zu kompensieren.
  7. Auch viele Lehpersonen brauchen Unterstützung, Ressourcen und Zeit, um Medienkompetenz vermitteln zu können.
  8. Medienkompetenz sollte fächerübergreifend vermittelt werden.
  9. Medienkompetenz kann u. a. auch via Social Media vermittelt werden.
  10. Medienkompetenzvermittlung und (partielle) Verbote können sinnvoll kombiniert werden.
  11. Häufig werden Beiträge auf Social Media pauschal abgelehnt und abgewertet. Es ist wichig, potenziell entwicklungsförderliche Beiträge und potenziell problematische Inhalte zu differenzieren. Social Media spielt eine wichtige Rolle bei der Identitätskonstuktion von jungen Menschen. In vielen Kontexten ist Social-Media-Nutzung auch mit kreativem Selbstausdruck, Inspiration, Bildung und Selbstsozialisation verbunden.
  12. Verbot ist nicht gleich Verbot: Es kann sehr viel Unterschiedliches bedeuten, z. B. spezifische Altersgruppen, spezifische Apps, Nutzungsverbote für bestimmte räumliche und zeitliche Kontexte, Zeitbeschränkungen (vgl. Beat Döbeli Honegger: Was heisst eigentlich «Handyverbot»?).
https://blog.doebe.li/Blog/WasHeisstEigentlichHandyverbot

13. Verbote können weitere Probleme nach sich ziehen, für die Lösungen antizipiert werden müssen, z. B. Kontrolle eines Verbots, Altersprüfungen, Umgehung von Verboten durch alternative Zugänge, Attraktivitätssteigerung durch Verbote…

14. Handyverbote und und Verbote von Social Media sind zwei verschiedene Aspekte, die gesondert betrachtet werden müssen.

15.  Auch die Betreiber von Social-Media-Plattformen müssen in die Verantwortung genommen werden. Sie profitieren ökonomisch von Phänomenen wie „infinite Scrolling“ (kontinuierliches Scrollen), Datensammlung, personalisierte Werbung oder „Dark Patterns“ (vgl. GMK-Stellungnahme).

https://www.linkedin.com/posts/simon-frey-ch_wir-diskutieren-das-verbot-aber-nicht-die-activity-7430495174432034818-cpQj/?originalSubdomain=de