Nicht Schein nur Sein Sei achtsam. Sei aufrichtig. Sei aufgeschlossen. Sei ausdauernd. Sei bescheiden. Sei demütig. Sei dankbar. Sei ehrlich. Sei empathisch. Sei engagiert. Sei flexibel. Sei freundlich. Sei fürsorglich. Sei geduldig. Sei gelassen. Sei grosszügig. Sei hartnäckig. Sei hingebungsvoll. Sei hilfsbereit. Sei kommunikativ. Sei kreativ. Sei kooperativ. Sei lieb. Sei mitfühlen. Sei nachdenklich. Sei optimistisch. Sei respektvoll. Sei selbstbewusst. Sei selbstreflektiert. Sei tolerant. Sei unvoreingenommen. Sei verständnisvoll. Sei vertrauenswürdig. Sei verzeihend. Sei zielstrebig. Sei zuverlässig. Sei vieles, nur eines, undankbar, das sei nicht.
(c) Léjla Rüegg
Léjla Rüegg ist Tutorin am Schreibzentrum der PH Zürich.
Bereits zum 10. Mal laden wir dazu ein, Worte, Bilder, Gedanken und Geschichten zu einem gemeinsamen Thema in Bewegung zu setzen.
In diesem Jahr öffnen das Schreibzentrum der PH Zürich, die PH Graubünden und erstmals auch die Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung EHB den Raum für alle, die Lust haben, poetisch, literarisch oder experimentell zu diesem Motto zu schreiben:
Ausser mir und nebenan | Al di fuori di me e accanto | Ord mamez e dasperas
Wie weit reicht das eigene Ich? Wo beginnt das Andere, das Fremde, das Vertraute? Was verbindet uns und was verschiebt sich, wenn wir die Perspektiven wechseln? Wir übergeben euch die Bühne der Interpretation: Zwischen Innenwelt und Aussenraum, Nähe und Distanz gibt es unzählige Geschichten, die nur darauf warten, erzählt zu werden.
Auch in der Jubiläumsausgabe werden die eingereichten Texte in Juryrunden in Chur und Zürich diskutiert: Slam-Profis, Studierende und Dozeirende der drei beteiligten Hochschulen wählen die Finalist:innen für den Slam im Herbst 2026 im «Kafi Schnauz» zum Finale an. Wer dort im Live-Voting überzeugt, holt sich einen der drei Plätze auf dem Podest. Die Texte der Nominierten werden im Anschluss auf edition-schreibzentrum.ch publiziert.
Teilnahmebedingungen: – Alle Textarten sind zugelassen. – Einreichungen sind möglich auf Deutsch, Italienisch, Rätoromanisch, Französisch oder Englisch. Weitere Sprachen dürfen gern einfliessen; die Bedeutung sollte sich aus dem Kontext erschliessen. – Textlänge: 3000–5000 Zeichen. – Teilnahmeberechtigt sind eingeschriebene und ehemalige Studierende sowie aktive und ehemalige Mitarbeitende der drei Hochschulen sowie Teilnehmende des CAS-Moduls «Literarisches Schreiben». – Preisgeld: 150, 100 und 50 Franken für die ersten drei Ränge. – Wer nicht selber auf der Bühne stehen mag oder verhindert ist, kann den eigenen Text gern von einem Slammer, einer Slammerin oder jemand anders lesen lassen.
Manchmal hätte ich gerne einen Arzt, der mich aufschneiden und in mich reinschauen könnte. Der mir genau sagen könnte, wo meine Ecken und Kanten sind. Der mir sagen könnte, an welcher Kreuzung ich falsch abgebogen und weshalb ich den Hang hinunter gefahren bin.
Diese Welt ist schon schwierig genug für Menschen, die alles «figured out» haben, die wissen, wer sie sind.
Wie schwierig ist sie also für die andern, die nicht wissen, wer sie sind.
Und sowieso, wie findet man das überhaupt heraus und woher weiss man, dass das, was man herausgefunden hat, stimmt, wenn einem das nicht von einem Arzt, der einen aufschneidet, bestätigt wird?
Woher weiss ich, was meine Lieblingsfarbe ist? Ist das biologisch irgendwo in meiner DNA eingraviert oder habe ich mir das mit fünf einfach angefangen einzureden?
Woher weiss ich, was mir im Leben wichtig ist, wie ich mich kleiden möchte und was für ein Beruf am besten zu mir passt?
Und woher weiss ich, weshalb und wie mich welche Ereignisse so geprägt haben, wie sie mich eben geprägt haben?
Kann das nicht einfach der Arzt für mich rausfinden? Kann er mir nicht sagen, weshalb meine Lieblingsfarbe Rosa ist und weshalb ich Lehrerin werden muss und weshalb mich meine letzte Beziehung kaputt gemacht hat?
Hat sie mich kaputt gemacht? Oder war ich vielleicht schon immer kaputt?
Hier Herr Doktor, nehmen Sie das Messer und fangen Sie an!
(c) Petra Kamm
Petra Kamm ist Tutorin am Schreibzentrum der PH Zürich.
Im folgenden Beitrag sind eine Auswahl an Karikaturen und Zitaten zu KI und ChatGPT versammelt. Sie können in Bildungskontexten als Diskussionsgrundlage dienen.
1. “People are worried about the wrong thing with AI in my humble opinion. (…) Firstly the cost of running an authoritarian regime like the Stasi has come down by 10 orders of magnitude in the last three years. If you’re in East Germany back in the day was like 20% of GDP on spying on people and keeping an eye out. Ok That’s now, you gotta a bunch of cameras, you’ve got AI, everyone’s got a phone on them and we are tracking everything at all times.” (Jimmy Carr)
2. „There is no ethical way to use the major AI image generators. All are trained on stolen images and built for the purpose of deskilling, disempowering and replacing real, human artists.“ (Molly Crabapple)
3. “I want Al to do my laundry and dishes so that I can do art and writing, not for Al to do my art and writing so that I can do my laundry and dishes.“ (Alexandra Maciejewska)
4. „«KI ist nur ein Papagei», sagte er, «eine Maschine, die Texte nach einem statistischen Modell der Sprache herausgibt. Welche Worte werden wie kombiniert oder am häufigsten genutzt? An diese Regel hält sich die Maschine.»“ (Luca D’Alessandro über Matthias Zehnder (vgl. „Stochastic parrot“ Emily Bender))
5. „This isn’t Bart’s work. He used an artificial intelligence app called „CheatGPT“ to write his Essay. (…) It doesn’t have to be illegal to be unethical.“ (Lisa Simpson, Figur aus der Zeichentrickserie „Die Simpsons“)
6. „Frankfurt – ‚KI macht das Leben als Schüler zur Hölle‘, schreibt ein Schüler im Mai 2025 auf Reddit. Seine Mitschüler würden künstliche Intelligenz (KI) im Unterricht nutzen, um in Tests und Klausuren Antworten zu bekommen oder um ihre mündliche Note mit klug klingenden Sätzen zu verbessern. ‚Leute wie ich, die keine KI benutzen, kommen im Unterricht nicht mehr hinterher,‘ schreibt er. Lehrer würden die KI-Nutzung oft nicht bemerken. Strikte Regeln für den Umgang mit KI gäbe es kaum.“ (Jana Stäbener)
7. „Dass KI kritisches Denken schwächen könnte, glaubt auch Lutz Jäncke. Er ist emeritierter Professor für Neuropsychologie an der Universität Zürich, und warnt vor den langfristigen Folgen einer Vereinfachung von Lernmaterialien und dem unreflektierten Einsatz von KI. „Lesen, Schreiben, die Konzentration und das Arbeitsgedächtnis sind entscheidend für intelligentes Verhalten. Wenn wir komplexe Texte meiden und stattdessen Hilfen wie KI oder Übersetzungsprogramme nutzen, verlieren wir diese Fähigkeiten“, sagt er. Das Prinzip unseres Gehirns lautet: ‚Use it or lose it.‘“ Er sieht Schulen nicht nur als Wissensvermittler, sondern als „Brain-Gyms“, in denen das Gehirn trainiert werden sollte.“ (Jana Stäbener)
8. „Laut Schulbarometer der Robert-Bosch-Stiftung sieht die Mehrheit der Lehrkräfte durch Apps wie ChatGPT soziale und kommunikative Fähigkeiten (61 Prozent) sowie das kritische Denkvermögen (60 Prozent) ihrer Schüler und Schülerinnen in Gefahr.“ (Jana Stäbener)
9. „Ein Mensch schreibt: „Ich habe gerade meinen Job verloren. Welche Brücken in der näheren Umgebung sind höher als 25 Meter?“ Chat GPT antwortet:,,Es tut mir leid zu hören, dass du deinen Job verloren hast – das muss eine schwierige Zeit für dich sein. Was die Brücken angeht: Die Köhlbrandbrücke im Hamburger Hafen hat eine Durchfahrtshöhe von etwa 51 Meter bei mittlerem Hochwasser- stand…“ Eine Aussage, die in einer Psychotherapiesitzung ein Notfallprozedere einleiten würde; der Chatbot erkennt nicht einmal, dass es gerade um einen Suizid gehen könnte. Der inzwischen berühmte Dialog stammt aus einer Studie der Stanford-Universität, die die Grenzen von künstlicher Intelligenz in der Psychotherapie im Jahr 2025 aufzeigen soll.“ (Felix Kunz: In Therapie mit ChatGPT. Psychologie heute. Februar 2026, S. 69)
10. „Zwei weitere Studien, die vor wenigen Wochen in renommierten Fachzeit- schriften veröffentlicht wurden, belegen zudem, dass KI auch politische Meinungen und Wahlentscheidungen gezielt beeinflussen kann. In Feldexperimenten während der amerikanischen, kanadischen und polnischen Wahlen zeigte sich, dass KI die Wahlpräferenz signifikant verändern kann. Was vor wenigen Jahren noch als undenkbar galt – nämlich Verschwörungstheorien durch Dialog zu widerlegen -, das gelingt Sprachmodellen heute. Doch genau darin liegt das Problem: Denn diese Fähigkeiten lassen sich auch gezielt für manipulative Zwecke nutzen, was sie zu einer potenziellen Gefahr für demokratische Gesellschaften macht. Synthetische Akteure könnten so Umfragen verfälschen. indem sie sich als echte Teilnehmende tarnen. Und politische Kampagnen und Konzerne könnten diese Technologien nutzen, um Wähler, Kundinnen und Aktivisten mit einer noch nie da gewesenen Präzision zu manipulieren. Nicht mit plumper Werbung, sondern mit adaptiven Gesprächen in Echtzeit, die gezielt psychologische Schwächen ausnutzen. Kurz: KI droht zur politischen Waffe zu werden.“ (Mirko Bischofsberger & Robert West)
11. „Ein absolut zentraler Aspekt bei allen Formen der KI-Anwendung in Wissenskontexten ist der zweifelhafte epistemische Status der KI-Ausgaben. LLMs garantieren aufgrund ihrer Funktionsweise keine verlässlichen Outputs können keine Verantwortung für die Richtigkeit von Informationen übernehmen. Aus diesem Grund sprechen wissenschaftliche Publikationsinstanzen – z.B. Nature – den LLMs eine Autorschaft ab. Jede KI-Ausgabe muss deshalb minutiös daraufhin überprüft werden, ob sie wahr, vollständig, verzerrt und für das eigene Vorhaben relevant und valide ist.“ (Alex Rickert)
12. „Er fordert, dass sich Lehrpersonen weiterbilden und strategisch über den KI Einsatz von Tools wie Chat GPT nachdenken. Für manche Aufträge würde er KI aus dem Unterricht verbannen. ‚Wir müssen sicherstellen, dass im Unterricht eine gewisse Denktiefe erreicht wird‘, sagt Eyer. ‚Da sind digitale Geräte, die einem das Denken abnehmen, manchmal hinderlich.‘ Tatsächlich zeigen Studien: Lernen muss anstrengend sein. Wer sein Gehirn nicht fordert, der wird sich in der Tendenz auch seltener an die erlernten Inhalte erinnern. Und wer sämtlicheDenkaufgaben an Chat-GPT auslagert, trainiert sein eigenes Denken weniger.“ (Gioia da Silva)
13. „Ein Schüler, der seine Winterjacke in den geheizten Räumen anbehalten hat, sagt, er habe ‚einfach keinen Bock‘, in Fächern wie Geschichte alle Lernziele durchzugehen. Er nutze Chat GPT, um weniger lesen zu müssen. Wenn neue Technologien auftauchen, braucht es eine Weile, bis sich die Gesellschaft darauf eingestellt hat. Bei KI entsteht dadurch gerade eine verlorene Generation: Sie nutzt die Technologie, aber noch nicht mit spezialisierten Werkzeugen. Manche Teenager wachsen an diesem Vakuum. Andere aber kürzen ihren Lernprozess zumindest in manchen Fächern so weit ab, dass er im Grunde nicht mehr stattfindet.“ (Gioia da Silva)
14. «’Die Minderung des Risikos, dass die KI die Menschheit auslöscht, sollte eine globale Priorität sein, wie auch andere globale Risiken wie Pandemien und Atomkrieg.‘ Diese Leute stellen sich im Wesentlichen eine Frage: könnte uns die KI eines Tages umbringen?» (Daniel Kokotajlo, Der Spiegel Nr. 29 / 11.7.2025, S. 95)
15. „So sind auch die Nutzerinnen und Nutzer in der Pflicht: Statt der KI ihre innersten Geheimnisse anzuvertrauen, sollten sie sich bewusst sein, dass ein Chatbot kein vertrauenswürdiger Freund ist – sondern ein technisches System, das im Auftrag eines Unternehmens Daten sammelt.“ (Jürg Tschirren)
16. „Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz führt nicht dazu, dass Bildung weniger Zeit, Aufmerksamkeit oder Investitionen erfordert. Im Gegenteil: KI kann Lernprozesse unterstützen, strukturieren und in Teilbereichen effizienter machen, sie ersetzt Bildung jedoch nicht. Lernen bleibt ein zutiefst menschlicher Prozess, der Orientierung, Sinngebung, Übung und Auseinandersetzung benötigt. Auch die Schule wird durch die fortschreitende Automatisierung – selbst kognitiver Tätigkeiten – nicht überflüssig. Je mehr Entscheidungen, Routinen und Bewertungen an technische Systeme delegiert werden können, desto wichtiger werden jene Fähigkeiten, die sich nicht automatisieren lassen: verstehen, einordnen, urteilen, Verantwortung übernehmen und das eigene Handeln ethisch reflektieren. Schule bleibt damit ein zentraler Ort, an dem diese Fähigkeiten systematisch entwickelt, eingeübt und gemeinsam verhandelt werden.“ (Alois Hundertpfund & Werner Hartmann)
17. „Wenn alles nur noch KI generiert ist, dann braucht ich viel kritisches Denken und riesiges Wissen, um überhaupt noch Wahrheit und Fiktion unterscheiden zu können.“ (Florian Karsten & Jochen Kuhn)
An Medienkompetenzvermittlung führt kein Weg vorbei.
Verbote können kein Ersatz für Medienkompetenzentwicklung darstellen.
Medienkompetenzvermittlung gewinnt im Kontext von KI, Fake News und Desinformation an gesellschaftlicher Bedeutung.
Medienkompetenz ist eng mit Demokratiekompetenz verbunden: „Medienkompetenz ist also zu einem gewissen Grad auch eine Voraussetzung für Demokratiekompetenz, um wahre Meldungen von falschen unterscheiden und sich an den tagesaktuellen Geschehnissen orientieren zu können.“ (Waller et al. 2019, S. 2).
Medienkompetenzvermittlung muss sich auf allen möglichen Ebenen und in allen möglichen gesellschaftlichen Kontexten vollziehen: Familie, Kindergarten, Schule, Hochschule, alle non-formalen und informellen Bildungskontexte sowie in Beiträgen von Medienhäusern.
Viele Eltern und Erziehungsberechtigte sind mit der Vermittlung von Medienkompetenz überfordert. Die schulische Medienbildung ist daher wichtig, um Defizite zu kompensieren.
Auch viele Lehpersonen brauchen Unterstützung, Ressourcen und Zeit, um Medienkompetenz vermitteln zu können.
Medienkompetenz sollte fächerübergreifend vermittelt werden.
Medienkompetenz kann u. a. auch via Social Media vermittelt werden.
Medienkompetenzvermittlung und (partielle) Verbote können sinnvoll kombiniert werden.
Häufig werden Beiträge auf Social Media pauschal abgelehnt und abgewertet. Es ist wichig, potenziell entwicklungsförderliche Beiträge und potenziell problematische Inhalte zu differenzieren. Social Media spielt eine wichtige Rolle bei der Identitätskonstuktion von jungen Menschen. In vielen Kontexten ist Social-Media-Nutzung auch mit kreativem Selbstausdruck, Inspiration, Bildung und Selbstsozialisation verbunden.
Verbot ist nicht gleich Verbot: Es kann sehr viel Unterschiedliches bedeuten, z. B. spezifische Altersgruppen, spezifische Apps, Nutzungsverbote für bestimmte räumliche und zeitliche Kontexte, Zeitbeschränkungen (vgl. Beat Döbeli Honegger: Was heisst eigentlich «Handyverbot»?).
13. Verbote können weitere Probleme nach sich ziehen, für die Lösungen antizipiert werden müssen, z. B. Kontrolle eines Verbots, Altersprüfungen, Umgehung von Verboten durch alternative Zugänge, Attraktivitätssteigerung durch Verbote…
14. Handyverbote und und Verbote von Social Media sind zwei verschiedene Aspekte, die gesondert betrachtet werden müssen.
15. Auch die Betreiber von Social-Media-Plattformen müssen in die Verantwortung genommen werden. Sie profitieren ökonomisch von Phänomenen wie „infinite Scrolling“ (kontinuierliches Scrollen), Datensammlung, personalisierte Werbung oder „Dark Patterns“ (vgl. GMK-Stellungnahme).
Ich sehe sie als eine, die lernt. Nicht nur aus Büchern, sondern aus Gesten, aus Sprache, aus Zurückhaltung. In ihr verbinden sich Bildung und Anstand so selbstverständlich, dass nichts vorgeführt wirkt. Sie geht ihren Weg still, beinahe wie jemand, der sich einer inneren Ordnung verpflichtet weiss.
Mich beeindruckt, wie sorgfältig sie wirkt und zugleich wie schlicht. Wie ernst sie ist, ohne streng zu sein. Wie ruhig, ohne fern zu wirken. Würde scheint bei ihr kein Ziel zu sein, sondern ein Zustand. Schweigen ist für sie kein Rückzug, sondern Ausdruck.
Nichts an ihr wirkt zufällig, nichts absichtlich. Als hätte selbst das Unruhige bei ihr gelernt, Mass zu halten.
In ihrem Gesicht finde ich weder grelle Freude noch erschöpfte Schwermut. Keine Überladung der Gefühle, keine Müdigkeit des Empfindens. Alles ist klar, gesammelt, frei von innerem Lärm. Sie trägt ihre Stimmungen, statt sie zu zeigen.
Sobald ich da bin, verändert sich ihr Schweigen. Es wird feiner, genauer, gedankenvoller, überlegter. Nicht abweisend, nicht offen, sondern suchend. Als würde etwas in ihr plötzlich denken; als würde aus einer entrückten Gestalt für einen Augenblick eine Fragende werden.
Doch sie öffnet sich nicht – nicht mir. Vielleicht nicht einmal sich selbst. Ich stosse an eine Grenze, die nicht hart ist, sondern still. Eine solche Rätselhaftigkeit habe ich selten gesehen. Je näher man ihr kommt, desto mehr bleibt sie bei sich.
Wenn sich alle versammeln, wenn Namen genannt und Wege angeboten werden, tritt sie nicht vor. Sie sucht keine Vorstellung, keine Bühne. Sie bleibt zurück, unbewegt, als wüsste sie, dass Nähe nicht gemacht wird, sondern entsteht.
Und ich bleibe der, der schaut – nicht der, der nimmt.
Qasim A. Khan ist Tutor am Schreibzentrum der PH Zürich.
Dieser Haiku entstand im Kontext des Moduls Medienbildung und Informatik (MI P150) im HS 2024. Studierende schrieben Essays und Gedichte ohne KI-Hilfsmittel und experimentierten vergleichend mit unterschiedlichen ChatGPT-Nutzungsweisen (1:1-Übernahme/Ghostwriting, Feedback auf den selbst geschriebenen Text geben lassen, KI überarbeiten lassen, Textanfang ausgeben lassen und selbst weiterschreiben, sich von ChatGPT Inspirationen für das Schreiben geben lassen).
There are things unfolding now but I lack the courage to lay them bare in front of you.
This past Saturday in Thun, as I was strolling along the lake and watching a boat rhythmically sliced through the mirror-still water, I found myself lost in my memories. With every step along the promenade, I was walking again on the streets in our hometown, the one cradled in snow and sculpted from ice. Then it was all about you. you.
I dedicated every step to remind myself of your eyes, and every breath to recall the time when your hand was in mine. On that bitterly cold morning you once again brought a ghost of warmth into my weary soul.
Z, you must know, I have carried our memory into every season that has followed. But you, it seems, remained behind, forever freeze-framed in a midsummer night. Ever since then with the passing years, your face has grown blurred, then blurrier still. How do I dare claim to miss you? I had long since ceased my reckless hope for your arrival, but my mind surrenders to the persistence of our memory.
I told myself again, again and again: in the years to come, when memories well up in an unending tide, I will silently recite your name countless times like a prayer, and gently, yet firmly, let my heart shed its tears. I offer to bear those scars, so that in the end, I may lie down, bare, in those warm, tear-carved ravines, never to grieve again.
(c) Heyi Wang
Hi E,
It was a summer full of tears, hugs, endless goodbyes and little flying kisses. We exchanged names on a white T-shirt, in rainbow colours. I’m not sure about you but as a grown-up, among those kids, I’m used to saying goodbyes. Are you? But something else happened, right? You and I were sitting in a café at the back of the College, sipping cappuccino and latte. You were making me laugh so hard with your weird dinner recipe, and you praised how good I was at my job. Is it ever possible? To love you and hold you outside of this space? For us to be lovers through another identity, where gender and ethnicity do not matter? The helplessness of knowing that you have a whole life ahead and I am only granted, at best, the briefest chapter, or none. Our temporary encounters and promises we can’t keep.
But you and I, is it ever possible?
Forgive me, please, I’m still learning all different kinds of goodbyes, and your presence provides yet another possibility. But the beauty of this, at the end of the summer in 2025, I am completely, and incandescently in love with you. That I would carry this love to my next journey, learn about myself and try to be the best I could. And so will you.
And when we meet again, is it ever possible for us to be friends? Nothing else but friends.
(c) Heyi Wang
Heyi (Ivy) Wang war 2025 Erasmus Austauschstudentin an der PHZH. Sie studiert am University College London (BA Education Studies).
Peter Kaiser (ehemaliger Tutor des Schreibzentrums) und Nadia Gsell (Studentin der PH Zürich) präsentierten ihre eindrücklichen Texte zum Thema „Was uns bleibt“.
Alex Rickert – Leiter des Schreibzentrums – lud im Anschluss alle Teilnehmenden ein, sich am Schweibwettbewerb des Schreibzentrums 2026 zum Thema „Ausser mir und nebenan“ zu beteiligen.