Die Katze lässt das Mausen nicht

Seit der Corona-Zeit geniesst unsere Katze besonders viel Streicheleinheiten und bedankt sich für diese zusätzliche Aufmerksamkeit in Form von nächtlichen Beuten, die sie stolz auf dem Teppich vor meinem Bett platziert. Mehrmals pro Woche werde ich von jämmerlichem Gepiepe geweckt. Dieses eine Mal war es wohl eine widerspenstige Maus, die sich mit allen Mitteln gewehrt hatte. Auch wenn von diesem kleinen Nager am nächsten Morgen jede Spur fehlte, hatte er im Gesicht und Fell unserer Katze böse Bisswunden hinterlassen. Ich möchte gar nicht ins Detail gehen, aber es war kein schöner Anblick und musste vom Tierarzt untersucht werden.

Jäger der Nacht

Nun war ich also mit meiner Katze auf dem Beifahrersitz auf dem Weg zu diesem Termin. Obwohl die Strassen seit dem Lockdown ziemlich leer waren, hatten sich heute anscheinend besonders viele Leute dazu entschlossen, mit dem Auto zur Arbeit zu gehen. Als wäre dieser unerwartete Stau noch nicht genug, sass in diesem grauen Opel vor mir noch ein Sonntagsfahrer. An jedem Lichtsignal bremste er schon viel zu früh ab, liess jeden Fussgänger über die Strasse und fuhr maximal 40 km/h. Seit dem Lockdown war ich mir so stressige Situationen einfach nicht mehr gewohnt.

Erschöpft liess ich mich im Wartezimmer des Tierarztes in einen Stuhl sinken. Bald streckte die Praxisassistentin ihren Kopf zur Tür hinein, um mich freundlich aufzurufen. Ihr Lächeln fror aber sofort ein: «Oh, Sie sind das!» Sie war diese lahme Schnecke, die mir vorher auch noch den Parkplatz vor der Nase weggeschnappt hatte. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie unangenehm und eisig die Stimmung während der ganzen Untersuchung war. Aber hey, meine Katze ist wieder fit und geht fleissig auf nächtliche Jagd. Was man für seine Vierbeiner nicht alles in Kauf nimmt …

Corinne Zahnd studiert an der PH Zürich und arbeitet als Tutorin im Schreibzentrum.

PH Goes Poetry: and the Nominees are …

Nach einer langen und hitzigen Jurysitzung ist es so weit: Die Finalistinnen und Finalisten für den «PH Goes Poetry»-Schreibwettbewerb sind nominiert!

Wir haben nicht nur die bekannten Altstars – Nadja Isler, die Siegerin 2017 und 2018, Peter A. Kaiser, Sieger 2019 – in der Endrunde. Neben der Bronzemedaillenträgerin  Monique Honegger (2018) sind die fünf Neulinge Laura Bachmann, Angelica Bühler, Helen Eugster, Ramon Hasenböhler und Marco Rüegg erstmals dabei! Mit diesem aufregenden Feld an Poet*innen steigen wir ins Finale des «PH Goes Poetry»-Schreib­wett­be­werbs am 24.9.2020 im Kafi Schnauz. Im Finale battlen die Auserwählten um Preisgeld, Applaus und den klassischen Poetry-Slam-Whisky! Wem gibst du deine Stimme?

Damit du dich dafür aufwärmen kannst, öffnet das Kafi Schnauz um 17 Uhr, das Finale beginnt um 18.30 Uhr. Sei dabei, wenn es heisst «PH Goes Poetry»!

Der Battle findet bei jedem Wetter draussen auf dem Campusplatz statt – bei Regen unter dem Dach. Please bring your mask, thank you.

Nicholas Rilko

Workshops des Lernforums für das HS 2020

Im Herbstsemester 2020  bietet das Lernforum der PH Zürich wieder attraktive Workshops für Studierende und Mitarbeitende der PH Zürich sowie der PH Schaffhausen an. Je nach Format und erwarteten Teilnehmendenzahlen finden die Workshops vor Ort oder online statt.

Schreibzentrum: Verbessern Sie Ihre Lesetechnik, um Berge von Fachliteratur zu bewältigen. Frischen Sie Kommaregeln auf. Holen Sie sich Anregungen für das Planen, Verfassen und Überarbeiten Ihrer Vertiefungs- oder Masterarbeit. Aber nicht nur das wissenschaftliche Schreiben steht im Mittelpunkt. Auch Bewerbung und Lebenslauf, Elternbriefe oder eigene Erzählungen und Reportagen kommen im Workshop-Programm des Schreibzentrums zum Zug. Und last but not least: Auch für die Vorbereitung der Deutschkompetenzprüfung sind Sie bei uns am richtigen Ort.

Digital Learning: Lernen Sie, die Office-Vorlagen der PHZH richtig zu nutzen, erstellen Sie Screencasts mit Camtasia und nutzen Sie Teams und andere E-Tools, um Ihren Online-Unterricht sinnvoll zu gestalten. Weiter bieten wir verschiedene Kurse zu ILIAS oder zur Gestaltung von wissenschaftlichen Postern, Präsentationen oder zum Schneiden von Filmen in iMovie.

Bibliothek: Lernen Sie mit Citavi Ihre Literatur zu verwalten und nach Chicago-Stil zu zitieren. Erfahren Sie, wie einfach der Zugriff von zu Hause auf den E-Medienbestand der PHZH funktioniert. Informieren Sie sich über die aktuellsten Entwicklungen und Trends im Bereich Open Access Publizieren.

Im Herbstsemester finden die Beratungen des Lernforums wieder vor Ort im LAA-F014 unter Einhaltung der Schutzmassnahmen statt.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag
Schreibzentrum 12.15–13.45 Uhr, Bibliothek und DLE 12.15–12.45 Uhr.

Anmeldungen und weitere Infos zu Angeboten des Lernforums gibt es hier

Aller Anfang … ist leicht

Im besten Fall läuft es so: Der erste Satz zieht uns über die Schwelle und hinter uns fällt die Tür zu. Nicht umsonst heisst es, der erste Satz sei der wichtigste überhaupt, von ihm hänge das Schicksal des Textes ab. Aus dem gleichen Grund wird sprichwörtlich behauptet, anfangen sei schwierig.

Ich muss widersprechen. Aller Anfang ist leicht. Alle Türen stehen offen. Vor uns liegt ein Feld der unbegrenzten Möglichkeiten. Wer eine packend Geschichte erzählen will, hat die wirklichen Hürden und Hindernisse alle noch vor sich.

Schwer fällt am ersten Satz höchstens die Entscheidung. Die Last unendlich vieler Optionen kann einen lahmlegen. Aber wir können auch einfach alle Varianten notieren, die uns einfallen, und später entscheiden, womit wir am besten beginnen. 

Um dem Geheimnis des Anfangs auf die Spur zu kommen, sammle ich schon seit vielen Jahren erste Sätze. Offenbar bin ich da nicht der Einzige (und sicher nicht der Erste). In seinem Buch «Jemand musste Josef K. verleumdet haben …»: Erste Sätze der Weltliteratur und was sie uns verraten (C.H. Beck, 2020) unternimmt auch der Germanist Peter-André Alt den Versuch, etwas Ordnung ins Chaos der Romananfänge zu bringen.

Zur PDF-Fassung des Medientipps in Akzente geht es hier.

Zu guter Letzt
Sogar ein bisschen Statistik ist dabei ganz aufschlussreich. Über 8000 Wörter machen die 250 zitierten Anfangssätze aus. Die häufigsten semantischen Begriffe (und Substantive) sind dabei:
Zeit und Jahr (je 16), Mensch und Buch (15), Welt und Geschichte (14). Das reicht zwar noch nicht für ein Rezept, ist aber immerhin schon ein Anfang.

Niemals den Helden begegnen

Emily Dickinson (Hailee Steinfeld unter ihrer Eiche
(Screenshot aus der TV-Serie «Dickinson», S1E04)

Autorinnen und Autoren können zu persönlichen Helden werden. Aber in ihren eigenen Romanen kommen sie mitunter ganz schlecht weg. Deshalb «Niemals den Helden begegnen», wie Henry David Thoreau in der Serie «Dickinson» zur Dichterin Emily Dickinson sagt. – Eine Spurensuche von Daniel Ammann (NZZ vom 14.8.2020, S. 30).

John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Aus dem Englischen von Sophie Zeitz. München: dtv, 2014. (Verfilmung: The Fault in Our Stars. USA 2014. Regie: Josh Boone.)
Alina Bronsky: Und du kommst auch drin vor. München: dtv, 2017 (Taschenbuchausgabe 2020).
Matthew Quick: Schildkrötenwege oder Wie ich beschloss, alles anders zu machen. Aus dem amerikanischen Englisch von Knut Krüger. München: dtv, 2018.

In Liebe, eure Nachbarn von oben

Wohnkonstellationen polarisieren. Während die einen sich zu fünft in einer Dreizimmerwohnung ansiedeln, lassen sich die anderen zu zweit in der gleichen Wohnung einen Stock tiefer nieder. Das führt zu Konflikten. Dabei sind Gut und Böse nicht immer so eindeutig zuzuschreiben, wie es im gängigen Treppenhaustratsch häufig geschieht. Von einer besonderen Art der Konfliktbewältigung erzählt Natascha Hossli, wenn sie die «Lauten» von oben den «Braven» von unten einen Brief schreiben lässt. 

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Es muss gelikt werden

Mit den Wort-Importen ist es so eine Sache. Mal werden sie in Aussprache und Schreibweise den deutschen Sprachgepflogenheiten angepasst, mal wieder nicht. Man darf Exposé oder Exposee schreiben, soll Annonce aber französisch und Anchorman englisch artikulieren. Eine echte Challenge also, wenn nicht gar ein Knock-out, weil den Wörtern auf Anhieb nicht immer anzusehen ist, woher sie kommen und wie sie es gerne hätten.

Auch im Fall von Likes, Fakes, Scans und Timing behalten die Wörter ihren linguistischen Migrationshintergrund. So weit kein Problem, also no problem. Daran haben wir uns als User bereits gewöhnt. Tricky wird es erst, wenn die eingeführten Vokabeln als Verben unsere Sätze aufmischen und korrekt gemanagt werden wollen. Dann muss nämlich gelikt, gefakt, gescannt und getimt werden.

Bevor die aktualisierte Rechtschreibprüfung vorliegt und downgeloadet werden kann, empfiehlt es sich, schon mal das eigene Know-how upzudaten und seine Orthografie frisch zu tunen. Man kann die neue Schreibweise liken oder auch nicht. Wenn man keine anderen Ausdrücke zur Hand hat, gilt vorderhand der Duden, und der wartet punkto Wortbildung beim Eindeutschen mit einer einfachen Überlegung auf: Partizipien schwacher Verben werden im Deutschen prinzipiell aus ge + Wortstamm + t gebildet. Analog zu machen/gemacht heisst es also liken/gelikt, faken/gefakt, managen/gemanagt. Warum es trotzdem designen/designt (und nicht gedesignt) heisst, hat sich mir noch nicht erschlossen.

Wie bei den unenglischen Pluralformen Babys, Ladys und Communitys wird man sich auch hier an das ungewöhnliche Schriftbild gewöhnen (müssen) – und an den Umstand, dass das stumme e bei diesen Verben nicht zum Wortstamm gehört, auch wenn es für die englisch angehauchte Aussprache durchaus eine Hilfe wäre. Aber schliesslich sind wir auch gegen fighten nicht gefeit.

Like it or leave it.

Hybris überwinden

Nicht auf andere Menschen runterschauen, weniger urteilen und vor allem die eigene Überlegenheit immer wieder hinterfragen: hehre Ziele, die sich Lorenz Vogel steckt und die ihm ermöglichen, neugierig durch die Welt zu gehen und auch den grössten menschlichen Sonderlichkeiten mit einer gewissen Gelassenheit zu begegnen. Und wenn alle guten Vorsätze versagen, hilft Atemtechnik und Nasenwurzelmassage, denn der Anblick einer Tarantelhaut am stillen Örtchen ist wirklich nichts für schwache Mägen. 

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Flipped Classroom auf dem Prüfstand

Wäre es nicht schön, könnte man die Lernzeit in der (hoch)schulischen Bildung höchst (inter)aktiv nutzen? Das kann gelingen, wenn Lernende vorbereitet in die Veranstaltung kommen. Das setzt wiederum voraus, dass Lehrende ihnen zuvor (digital) eine Wissensgrundlage zur Verfügung stellen. Der «Flipped Classroom» scheint das zu ermöglichen. – Maik Philipp stellt das Konzept in seinem Beitrag auf dem Lifelong-Learning Blog auf den empirischen Prüfstand.

Flipped Classroom scheint sich in den Geistes- und Sozialwissenschaften besonders zu bewähren.

Maik Philipp ist Professor für Deutschdidaktik an der PH Zürich und arbeitet im Schreibzentrum.