Schadet Social Media den Nutzenden? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es?

Peter Holzwarth

Der SRF-Club vom 25.8.2026 war dem Thema „Big Tech vor Gericht: Macht Social Media krank?“ gewidmet. Peter Düggeli diskutierte mit seinen Gästen über Konsequenzen und Handlungsmöglichkeiten.

Einige Argumente, Problembereiche und weiterführende Reflexionen werden im folgenden dargestellt (vgl. auch Beitrag „Überlegungen zur Debatte um Verbote von Social Media und Handys“):

1. Man muss im Kontext von Social Media unterscheiden zwischen problematischen Inhalten (z. B. Fake News, Hate Speech, sexuelle Inhalte, Gewaltinhalte, Rassismus, politischer Extremismus), problematischen App-Funktionen bei der Darbietung (z. B. Infinite Scrolling, fehlende Stopping Cues, personalisierte Beiträge) und problematischen Nutzungsweisen. (z. B. Doomscrolling, negativ ausfallende soziale Vergleiche, Minderung der Schlafqualität).

2. Das Geschäftsmodell von Social Media besteht in der Monetarisierung einer möglichst langen Verweildauer. Es geht darum, möglichst viele Daten sammeln zu können und möglichst viel Werbung zu schalten. Social Media wäre möglich, ohne spezielle Funktionen, die die Verweildauer verlängern und die das Abwenden erschweren.

3. Social Media-Nutzung ist vor allem bei jungen Menschen problematisch, weil die Gehirnentwicklung noch nicht abgeschlossen ist: Das „Gaspedal“ ist bei jungen Menschen ausgeprägt, die „Bremsen“ aber noch nicht (Selbstregulation).

4. Nicht nur junge Menschen zeigen problematische Nutzungsformen, sondern auch Erwachsene.

5. Es müssen verschiedene Werte ausbalanciert werden: Kinder- und Jugendschutz einerseits und das Recht auf Kommunikation und Partizipation von jungen Menschen andererseits.

6. Verbote sind schwer durchsetzbar.

7. Verbote können umgangen werden.

8. Altersfeststellung ist aufgrund des Datenschutzes heikel (z. B. Altersschätzung durch KI , Hochladen eines Bildes des Personalausweises).

9. Mediennutzungseinschränkungen durch die Eltern bzw. Erziehungsberechtigte wird teilweise durch schulische Mediennutzung unterlaufen (z. B. Tablets mit Zugang zu Social Media).

10. Der Zugang zu Social Media-Plattformen könnte auf Schulgeräten gesperrt werden.

11. Die Debatte um Social Media kann mit dem Umgang mit Tabak verglichen werden: Die Tabakwarenindustrie konnte sich lange gegen das Argument „Rauchen ist ein Gesundheitsrisiko für Nutzende“ wehren , dann kamen mit immer grösserer Evidenz Einschränkungen in Bezug auf Werbemöglichkeiten und das Rauchen im öffentlichen Raum. Es besteht ein zentraler Unterschied: Rauchen ist immer gesundheitsschädlich, während Social-Media-Nutzung je nach Inhalt und Nutzungsweise schädlich, neutral oder auch entwicklungsförderlich sein kann (z. B. Anregungen für Gesundheit oder Persönlichkeitsentwicklung , Kreativität, Verbindung mit anderen Menschen).

Verbote und Altersbeschränkungen können das Problem nicht restlos lösen. Es muss mehr darüber diskutiert werden, wie junge Menschen in schulischen und ausserschulischen Kontexten darin gestärkt werden können, kompetent und entwicklungsförderlich mit Social Media umgehen zu können (z. B. eigene Nutzung reflektieren, sich der eigenen Bedürfnisse bewusst werden, Lernen, mit sich selbst allein sein zu können, Distanzierungsstrategien, Selbstregulation, Bewusste Steuerung und Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit, alternative Freizeitaktivitäten entwickeln).

Ansatzpunkte:

BereichHandlungsmöglichkeiten
Plattformbetreiber / KonzerneRegelungen umsetzten (z. B. Infinite Scrolling verändern, Algorithmen verändern, Benachrichtigungslogiken verändern, Likes weniger sichtbar machen)
PolitikForderungen an Konzerne durchsetzen Verbote  / Altersbeschränkungen konzipieren und erlassen
SchuleMedienkompetenz vermitteln Verbote / Altersbeschränkungen durchsetzen und kontrollieren
ElternhausMedienkompetenz vermitteln Verbote / Altersbeschränkungen durchsetzen und kontrollieren
JugendarbeitMedienkompetenz vermitteln Verbote / Altersbeschränkungen durchsetzen und kontrollieren
EinzelpersonEigene Mediennutzung reflektieren, Mediennutzung so weit wie möglich optimieren, Selbstregulation

Hinweis: Das Beitragsbild stammt von Nadine Hugi (Borer / Holzwarth / Weidinger 2020, 57).

The Morning sun | Sabah güneşi

Ilke Erkin

The morning sun
Filtering softly through my window.

The aroma of tea
That finds me before the day begins.

The scent of the earth
Rising quietly from deep within.

The melody
Of my mother’s gentle humming.

The cheerful laughter
Of people somewhere in the distance.

All of them…

Are the quiet peace that life offers us—
A peace so difficult to describe,
Like the light waiting
At the end of every tunnel.

A warmth
That can only be felt in the heart.

Not something to be explained,
Only experienced.

A feeling
You never grow tired of.

This peaceful life…

But then…

What was life?

What was peace?

Was peace found within life,

Or was life found within peace?

Which one came first?

I don’t know.

But I know this:

Peace was never
A place to search for.

It was simply…

The very moment

You realized

It had been life itself all along.

Sabah,
Penceremden usulca süzülen güneş.

Daha gün başlamadan
Burnuma ulaşan taze çayın kokusu.

Derinlerden yükselen
Toprağın serin nefesi.

Annemin
Mırıldandığı tanıdık bir ezgi.

Uzaklardan gelen
İnsan kahkahalarının sıcak yankısı.

Hepsi…

Hayatın bize sessizce sunduğu
Tarifi zor bir huzur.
Belki de
Hepimizin ömrü boyunca
Kendi tünelinin sonunda aradığı o ışık.

Çünkü huzur…

Kelimelerle anlatılmaz.
Sadece yaşanır.

Yaşandıkça eksilmez;
İnsanın içine usulca yerleşir,
Kök salar.

Sıradan bir sabahın sessizliğinde,
Bir fincan çayın buharında,
Sevdiğin bir sesin tınısında,
Hiç haber vermeden dokunur sana.

Sonra insan düşünmeden edemez…

Neydi hayat?

Neydi huzur?

Huzur hayatın içinde miydi,

Yoksa hayat mı huzurun içinde?

Hangisi diğerine anlam veriyordu?

Hangisi sadece
Yolumuza devam edebilmemiz için
Sessiz bir bahaneydi?

Bilmiyorum.

Ama bildiğim tek bir şey var:

Huzur hiçbir zaman
Aranan bir yer değildi.

O…

Sadece fark edildiği anda,

Hayatın

Ta kendisiydi.

In the context of the International Summer School 2026, students from New Zealand, Brazil/Israel, China, Taiwan, Greece, Cyprus/UK, Sweden, Finland, Hongkong, England and Switzerland came together at the Zurich University of Teacher Education. As part of the event „Gamification in Education“ (Franziska Spring & Peter Holzwarth), the students also dealt with the topic of „Life Skills, mindfulness and games“. The playful and mindful use of language was also a topic. The simply constructed poem „Pleasures“ by Bertolt Brecht was adapted as a remake.

Der Sauerteig, der es nicht eilig hatte

Julia Schmitter

In einer kleinen Bäckerei, ganz hinten auf der Arbeitsplatte, wohnte ein Sauerteig.

Er war weder besonders hübsch noch besonders aufregend. Den ganzen Tag tat er scheinbar nur zwei Dinge: blubbern und warten.

Die anderen Zutaten konnten das nicht verstehen.

„Schon wieder am Herumsitzen?“, rief das Backpulver. „Ich werde in Sekunden zum Helden, wenn ein Kuchen in den Ofen kommt!“

„Und ich“, sagte die Hefe stolz, „lasse einen Teig in einer Stunde doppelt so gross werden. Effizienz, mein Freund! Darauf kommt es an.“

Der Sauerteig blubberte leise.

„Mag sein.“

„Mag sein?“, lachte die Hefe. „Hast du keine Ziele? Keine Deadlines? Keine Produktivität?“

„Doch“, antwortete der Sauerteig. „Ein gutes Brot.“

Die Hefe schüttelte den Kopf.

„Du könntest viel erfolgreicher sein. Stell dir vor: weniger warten, mehr liefern. Vielleicht mehrere Brote gleichzeitig. Mit etwas Marketing könntest du sogar Sauerteig-Coach werden.“

Der Sauerteig sagte nichts.

Er blubberte einfach weiter.

Am nächsten Morgen kamen beide Teige in den Ofen.

Das Hefebrot war als Erstes fertig. Es sah wunderbar aus. Luftig, weich und beeindruckend hoch.

„Siehst du?“, flüsterte die Hefe stolz. „Schnelligkeit gewinnt.“

Kurz darauf kam auch das Sauerteigbrot aus dem Ofen.

Es war etwas dunkler. Die Kruste knackte leise. Der Duft erfüllte die ganze Bäckerei.

Die Kundschaft kam herein.

„Ein Sauerteigbrot, bitte…“

„Für mich auch…“

„Haben Sie noch eins…?“

© Qasim Khan

Das Hefebrot blieb natürlich nicht liegen. Es fand ebenfalls seine Käufer.

Doch schon am nächsten Tag war es trocken.

Das Sauerteigbrot hingegen schmeckte immer noch hervorragend. Manche behaupteten sogar, es sei jetzt noch besser.

Am Abend sass die Hefe etwas nachdenklich neben dem leeren Gärkorb.

„Weisst du“, sagte sie, „ich habe immer geglaubt, dass schneller automatisch besser bedeutet.“

Der Sauerteig lächelte.

„Manches wächst durch Geschwindigkeit.“ Er machte eine kleine Pause. „Und manches wächst nur durch Zeit.“

Dann blubberte er zufrieden weiter – ganz ohne Eile.

Julia Schmitter ist Studentin der PH Zürich.

Of Joy and Despair | Prazer e Desespero


Felipe Kaufman Gorodovits

A child who joyfully plays
Without hearing the noise of the explosion.
The sun rises, the sun sets
Enlightening the trees
That were not cut yet
The drops of rain flowing down the neck
Unaware they were tears
The next day arrives
And says it’s still worth
The crack of the half open door
Waiting for the family to return
The roaring strength of the waterfall
Remembering the fish that once swam
The hat over the head
Of a tired man,
Alone, smiling,
Knowing by his side is someone to trust

In the context of the International Summer School 2026, students from New Zealand, Brazil/Israel, China, Taiwan, Greece, Cyprus/UK, Sweden, Finland, Hongkong, England and Switzerland came together at the Zurich University of Teacher Education. As part of the event „Gamification in Education“ (Franziska Spring & Peter Holzwarth), the students also dealt with the topic of „Life Skills, mindfulness and games“. The playful and mindful use of language was also a topic. The simply constructed poem „Pleasures“ by Bertolt Brecht was adapted as a remake.

Worte, die bewegen: Bühne frei für das 10. PH Goes Poetry Finale!

Es ist wieder so weit, unsere Lieblingszeit des Jahres steht vor der Tür, und dieses Mal feiern wir eine ganz besondere Jubiläumsausgabe! Die besten Bühnenpoet:innen der PH Zürich, der PH Graubünden und erstmals auch der EHB (Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung) treten am 1. Oktober gegeneinander an, um das Kafi Schnauz zum 10. Mal zum Beben zu bringen. Das Thema, das dieses Jahr alle Emotionen schwingen lässt: «Ausser mir und nebenan» | «Al di fuori di me e accanto» | «Ord mamez e dasperas».

Das Line-up verspricht absolute Hochspannung: Nadia Gsell, die als erfahrene Slammerin bereits zum dritten Mal im Finale steht und nach ihrem 3. Platz im letzten Jahr den Titel fest im Blick hat. Ihr gegenüber steht eine frische Welle an Talenten: Für sieben der acht Finalist:innen ist es der allererste Einzug ins grosse Finale! Mit völlig neuen Texten und unbändiger Energie wollen Roger A. Freiburghaus, Anna Hool, Qasim Ahmad Khan, Nathalie Peeters, Lia Salamina, Sonja Weibel und Markus Weil die Crowd für sich gewinnen.

Wer liefert die stärksten Zeilen? Wer holt sich das Preisgeld und den Sieges-Whisky? Eure Stimme entscheidet, wer am Ende triumphiert!

Kommt rechtzeitig vorbei, holt ein Getränk an der Bar und sichert euch die besten Plätze für ein unvergessliches Literatur-Spektakel. Das Kafi Schnauz in der PHZH-Mensa öffnet die Bar um 17.00 Uhr für ein lockeres Warm-up, um 18.30 Uhr startet dann das grosse Finale. Wir freuen uns auf euch!

Amanda Salib, PH Goes Poetry Team

Sequenzenplanung

Étoile Tardent

SO VIELE DINGE KLÄREN

PLANEN TAG EIN TAG AUS

DEUTSCH UND BILDLNERISCHES GESTALTEN

SO VIELE DINGE KLÄREN

5 WOCHEN PRAKTIKUM

DEUTSCH & BG

BIBLIOTHEK

5 WOCHEN PRAKTIKUM

VORBEREITEN

BIBLIOTHEK

GUTES TANDEM

VORBEREITEN

PLANEN TAG EIN TAG AUS

GUTES TANDEM

Dieses „Pantun“ entstand im Orientierungsmodul 2 (Silvia Niederberger & Peter Holzwarth) FS2026. Zum Konzpet „Pantun“ s. Holzwarth 2022, S. 42.

Als ich heute Morgen das Schulhaus betrat, da verstand ich zum ersten Mal …

Selina Flury

… dass ich nicht mehr eine von ihnen war. Sie standen vor dem Eingang in ihrer Traube, wie immer, die Köpfe über ein Handy gebeugt, und eine lachte zu laut. Ich kenne dieses Lachen. Ich kenne es von innen. Und trotzdem ging ich an ihnen vorbei, mit meinem Kaffee und meinem Schlüsselbund, und sie machten mir Platz, ganz selbstverständlich, so wie man eben einer Lehrerin Platz macht. Aus den Augen aus dem Sinn. Oder eben auch nicht.

Wo hört die Kindheit auf? © Selina Flury

Den ganzen Morgen liessen mich diese Köpfe nicht los. Ich weiss noch genau, wie es sich anfühlt, da unten zu stehen – das ständige Schielen, ob man dazugehört, das Gewicht eines falschen Wortes, die Überzeugung, dass dieser eine Nachmittag über alles entscheidet. Ich kenne jeden ihrer Gedanken, könnte sie mitsprechen wie einen alten Liedtext. Und gleichzeitig bin ich meilenweit weg. Wann genau bin ich auf die andere Seite gewechselt, und wie konnte ich das nicht bemerken?

Aber ist das denn schlimm? Eigentlich ist es ja schön, dass man sich erinnert, ohne noch mittendrin zu stecken. Ich muss nicht mehr zu laut lachen. Ich weiss jetzt, dass der eine Nachmittag eben nicht über alles entscheidet – und genau deshalb kann ich für diese Teenagerinnen ein wenig von dem Boden sein, der mir damals gefehlt hat. Man verliert die Jugend nicht, man rückt nur einen Schritt zur Seite, gerade so weit, dass die Hand frei wird, um sie jemandem hinzuhalten. Jemandem, der genauso auf der Suche ist, wie ich es damals war.

Selina Flury ist Tutorin am Schreibzentrum der PH Zürich.

Ich bin müde

Lisa Alberini

Ich bin müde

Eine Tasse Kaffee muss dringend her

Habe zu wenig geschlafen

Aber gut

Eine Tasse Kaffee muss dringend her

Alle Menschen haben Augenringe

Aber gut

Was solls

Alle Menschen haben Augenringe

Müssen den Tag überstehen

Was  solls

Wollen dringend zurück ins Bett

Müssen den Tag überstehen

Habe zu wenig geschlafen

Wollen dringend zurück ins Bett

Ich bin müde

Dieses Pantun-Gedicht (vgl. Holzwarth 2022, S. 42), das auf systematischen Wiederholungen basiert, entstand im Orientierungsmodul 2 (Silvia Niederberger & Peter Holzwarth), Frühjahrssemester 2026.

Der Fischer

Sven Hodel

Jeden Morgen sass der alte Fischer am See auf einem Holzstuhl, der fast so laut knarrte wie seine Knie.

„Wir sind beide nicht mehr neu“, sagte er jeweils zum Stuhl, „aber wir halten noch.“

Er war kein reicher Mann. Er besass eine kleine Hütte, ein paar Netze, eine Angelrute und eine Thermosflasche, die besseren Tee machte als manches Café im Dorf. Vor allem aber hatte er Mara, seine Frau. Wenn sie ihm am Morgen Brot ans Ufer brachte, wurde der Tag sofort wärmer.

Er fischte langsam. Nicht aus Faulheit, sondern aus Überzeugung. Wer die Schnur zu hektisch auswarf, verscheuchte nicht nur die Fische, sondern manchmal auch die eigenen Gedanken. Während der Schwimmer auf dem Wasser tanzte, dachte er über das Leben nach.

„Der Mensch“, murmelte er, „wirft ständig etwas aus: Wünsche, Sorgen, Pläne. Und dann wundert er sich, wenn nicht alles sofort anbeisst.“

(c) Sven Hodel

Manchmal fing er zwei Fische. Manchmal keinen. Beides war ihm recht. Mit den Jahren hatte er gelernt: Ein leerer Korb ist kein leeres Leben.

Am Mittag ass er Brot, Käse und einen Apfel. Er betrachtete sein einfaches Mahl und nickte zufrieden.

„Mehr Luxus verträgt mein Herz heute gar nicht.“

Eine Ente schwamm vorbei.

„Ja, ja“, sagte er zu ihr. „Du hast gut reden. Du bist wasserdicht geboren.“

Am Abend brachte er zwei kleine Fische nach Hause. Mara kochte Suppe, und der Duft füllte die Hütte.

„Grosse Fische gefangen?“, fragte sie.

„Zwei kleine“, sagte er. „Aber mit Charakter.“

Später sassen sie vor der Tür. Der See lag dunkel und ruhig vor ihnen.

„Was ist Glück?“, fragte Mara.

Der Fischer nahm ihre Hand. „Vielleicht ist Glück kein grosser Fang. Vielleicht ist es das Warten, das Atmen, warmer Tee, gute Suppe und jemand neben sich, der sogar über schlechte Witze lacht.“

„Ich lache nicht über alle“, sagte Mara.

„Nur über die besten Schlechten“, antwortete er.

Und der alte Fischer wusste: Man muss nicht alles fangen, um reich zu sein.

Sven Hodel studiert an der PHZH

Der Mythos von Sisyphos: Das Ringen um Sinnhaftigkeit als soziale Erfahrung?

In seinem Essay „Le Mythe de Sisyphe“ (Der Mythos von Sisyphos) beschreibt der Philosoph Albert Camus den Umgang des Menschen mit der Absurdität des Lebens.

Wie Sisyphos – die Figur aus der griechischen Mythologie – muss der Mensch sinnbildlich immer wieder mühevoll einen Stein aufwärtsrollen, der dann immer wieder herabrollt, womit die Arbeit von Neuem beginnt.

Camus deutet die Revolte gegen das Absurde als Akt der Würde und deutet Sisyphos als erfüllten und glücklichen Menschen:

„Darin besteht die ganze verschwiegene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. […]

Ohne Schatten gibt es kein Licht; man muß auch die Nacht kennenlerenen. Der absurde Mensch sagt Ja, und seine Mühsal hat kein Ende mehr. […]

Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“ (Albert Camus: Der Mythos von Sisyphos 1942 (Ausgabe Rowohlt/Hamburg 1992, S. 100-101))

Die gängige Vorstellung von Sisyphos ist die eines Einzelkämpfers (vgl. auch Visualisierungen). Auf einem Mosaik in der französischen Stadt Nancy (Rue des Frères Henry) sind zwei Menschen neben einem Stein und einer steilen Wand abgebildet. Könnte der Kampf gegen Gipfel und die Revolte gegen das Absurde als gemeinschaftliches Projekt verstanden und angegangen werden?