Papie…was? Die papierlose Generation

Im Rahmen der Lehrveranstaltung «Medienbildung und Informatik» geht es auch um Medienethik und Wertefragen im Kontext von Digitalisierung. In diesem Zusammenhang haben Studierende dystopische Kurzgeschichten verfasst. Hier der Beitrag von Caterina Poggioli:

Hektisch sucht Frau Meier nach ihrem Hologrammtelefon, denn der Unterricht mit ihrer 1. Klasse startet in wenigen Sekunden. Eingeloggt und zack ploppen dutzende Fenster auf und sie sieht, wie alle 137 Schüler und Schülerinnen geduldig auf sie warten. Wie bei jeder Lektion beginnt die Lehrerin mit einer Frage zum Einstieg. „Wer von euch weiß, was eigentlich der Sinn, dieser kleinen Kästchen, die man vor gewissen Wohnungen oder Häuser noch antrifft, ist?“ Eine Antwort erhält Frau Meier nicht. Es herrscht Stille. Nach einer halben Minute bricht sie das Schweigen und klärt die Kinder auf. „Wisst ihr, vor einigen Jahren war es nicht üblich, dass in der Geburtsurkunde auch eine E-Mail-Adresse stand, sowie es bei euch ist. Nein, denn dazumal wurden Informationen, Rechnungen, Briefe, Einladungen usw. jedem persönlich zugestellt und in diesen Kasten gelegt, der aus diesem Grund auch Briefkasten genannt wird. Diese Generation, musste also täglich ein physisch vorhandenes Postfach leeren und schauen, welche Neuigkeiten sie erreichten.“, erläutert Frau Meier. „Hä, also mussten die dazu rausgehen?“, fragt eine Schülerin stutzig. „Ja genau. Die Briefe waren auch noch auf Papier geschrieben.“, erklärt die Lehrerin. „Papie… was?“, ertönt ein Hologramm. „Papier war ein sehr präsentes Medium vor und während der ersten Phasen der Digitalisierung. Bücher waren zum Beispiel früher auch nicht digital.“ Langsam wird die Klasse immer aktiver und stellt mehr und mehr Fragen. „Das eigentliche Thema der heutigen Lektion ist: Schreibkunde. Ich habe euch diese Frage gestellt, da die Schülerinnen und Schüler vor 10 Jahren noch, gelernt haben, wie man von Hand schreibt. Sie mussten mühsam alle einzelnen Buchstaben lernen und die Lehrpersonen hatten das Vergnügen, die kaum lesbaren Texte zu entziffern. Dies wird heute nicht mehr gelehrt, da es schlichtweg keine Relevanz mehr hat, denn heute spielt sich alles digital ab und zudem ist es viel umweltfreundlicher. Darum würde ich euch bitten eure Tastatur auszuklappen und den eingeblendeten Text so schnell wie möglich abzutippen.“

Caterina Poggioli, 2021

Dreihundertsiebenundneunzig Tabs offen

von Angelica Bühler

Mac n cheese Pizza war am Wochenende vor dem Fat Tony Thema. Gespräche über CA$h- und Moneyflow. „angelaworks.ch“ online Vikariatsportal. In Erinnerung an die Italien Ferien schwelgend, suche ich im Internet „songs a piscina italiana sommer 2022“. Artikel gelesen, was ist „zilch execution“ ?
Morgendliches Kaffeetrinken im Campo, zehn Männer in schwarzer Kleidung betreten das Lokal. In schwarzer Kleidung mit Aufschrift „Eindhoven“. Eine Gegend in der Niederlande. Saufen Bier. Klicke weiter. „Ultra-Bewegung“ bezeichnet eine Organisationsform von fanatischen Anhänger:innen eines Fussballteams. Zurück an der Hochschule: „Lerntypen bei Kindern“. Wann hast du Geburtstag? Um welche Zeit? Gib mir noch den Ort an!humandesign.ch“. Liegen auf der Fritschiwiese in der Sonne auf dem etwas feuchten Untergrund. Schau mal Wurmkacke! Niemals?!. Das Wunder Wurm“. Es gibt grundsätzlich drei Gruppen von Regenwürmern. Die eine Regenwurmart gräbt sich vertikal durch die Erde und bildet so stabile Röhren, welche sie ein Leben lang behausen. Die Horizontalgrabenden füllen ihre Röhren direkt wieder mit ihrem Kot auf. Die kleingewachsenen und agilen Regenwürmer bilden die dritte Gruppe und leben im Wald, im Kompost oder auf Misthaufen.
[Drei TikTok Tabs offen
Dienstagmorgen, Vertiefungsfach Geografie, begebe mich auf eine virtual Tour of Cape Town auf „airpano.com“. Kennst duNoah die Bettschen“? Ne, keine Ahnung. Zürcher Jungkünstler, selbstüberzogen sagen welche, Genie sagen andere.
Gustavo Petro, presidente electo de Colombia“, „la vicepresidenta Francia Marquez en los diálogos regionales vinculantes“ y mucho más.
Im Treffpunkt Kiosk lesend. Junot Díaz ein aus der Dominikanischen Republik stammender Schriftsteller und in New York aufgewachsen. Dies, das, fúku. Dies, das, fúku. „Nzz.ch“, fúku: ein vielseitig verwendbarer Fluch oder auch das Grosse Amerikanische Unheil.
[pornographische Inhalte]

© Künstliche Intelligenz «VQGAN+CLIP», November 2022

Fritz Gesing: Kreativ Schreiben

Gesing, Fritz 2022. Kreativ Schreiben. Handwerk und Techniken des Erzählens. Köln: Dumont (überarbeitete und erweiterte Neuausgabe).

Die Publikation betont den handwerklichen Aspekt der Schreibens. In einem Kapitel beschäftigt sich der Autor mit Strukturmustern und Plotmodellen von Erzählungen: Die Beziehungsgeschichte, die heroische Geschichte, das Suche-Modell, das retrospektive Modell, das Entwicklungsmodell und das Kathastrophenmodell. Damit werden Orientierungen für das eigene Schreiben geliefert.

Das ebenfalls beschriebene narrative Muster der “Heldenreise” ist sowohl für das eigene Schreiben als auch für die Analyse von Romanen, Kurzgeschichten, Spielfilmen und Kurzfilmen hilfreich.

Eine Heldin oder ein Held erhält die Aufforderung, den gewohnten Alltag zurückzulassen, sich auf eine Reise zu begeben (im wörtlichen oder übertragenen Sinn) und damit ein Problem zu lösen. Auf der Reise kommt es zu unterschiedlichen Begegnungen und Herausforderungen. Am Ende kann die Heldin oder der Held gewandelt die Heimreise antreten und das alte Leben durch neue Erfahrungen bereichern.

Nach diesem Muster sind nicht nur sehr viele Geschichten gebaut, sondern auch Spielfilme, Games und Werbungen.

Auch für das kreative Schreiben im schulischen Kontext ist das Muster hilfreich (Vorstellung, Problemstellung, Lösung): Wer ist die Heldin bzw. der Held? Welches Problem muss die Heldin oder der Held lösen? Welche Lösung findet die Heldin oder der Held?

Fehlinformationen in Bezug auf das wissenschaftliche Schreiben

Immer wieder hören wir von Studierenden, dass Fehlinformationen in Bezug auf das wissenschaftliche Schreiben im Umlauf sind. Im Folgenden werden die bisher gesammelten dargestellt und kommentiert. Wer kennt weitere Fehlinformationen? Bitte melden!

«Alte Literatur darf man nicht verwenden.» – Man darf Literatur jeden Alters verwenden. Bei Studien, die in regelmässigen Intervallen durchgeführt werden (z. B. JAMES-Studie), ist es wichtig, sich auf die jeweils neuste zu beziehen.

«Man muss pro Seite eine bestimmte Anzahl an Zitaten / Verweisen bringen.» – Es gibt keine Vorgaben für eine Mindestanzahl an Zitaten/Verweisen pro Seite.

«Man muss mehr als fünf Seiten Literaturangaben haben.» – Es gibt keine Mindestmengenangabe. Die Anzahl allein ist nicht entscheidend für die Qualität der Arbeit. Es kommt eher darauf an, dass man sich auf die für die Fragestellung relevanten und einschlägigen Quellen bezogen hat.

«Man darf nur Gedanken von anderen Autorinnen und Autoren wiedergeben – keine eigenen.» – Eine wissenschaftliche Arbeit lebt von fremden und eigenen Gedanken (z. B. Kritik, verschiedene Gedanken zusammendenken, Theorien erweitern etc.). Es ist wichtig, eigene Gedanken von denen anderer zu unterscheiden. Auch sind subjektive Einschätzungen von objektiv gewonnenen Erkenntnissen zu differenzieren.

«Man darf bei Zitaten die Seitenzahlen nicht angeben.» – Man muss die Seitenzahlen angeben, um den Lesenden die Möglichkeit zu geben, das Zitat oder den Gedanken im Originalkontext auffinden und nachvollziehen zu können.

«Es braucht keine Fragestellung.» – Für eine wissenschaftliche Arbeit ist die Fragestellung extrem wichtig. Durch die Formulierung der Fragestellung wird das Erkenntnisinteresse fokussiert und die Umsetzbarkeit kann antizipiert werden (Zeitressourcen, Zugang zu Forschungssubjekten, Möglichkeiten der Datenerhebung und -auswertung, Ansprüche auf Verallgemeinerbarkeit der Aussgaen etc.).

Windes Liebe

Von Nadia Gsell

Es war der Wind, ganz klar der Wind, der mich lächeln liess, als ich die mit Sonnenstrahlen getränkte Allee hinunterlief. Allerorts lagen die farbigen Blätter der Bäume und Büsche auf den Strassen und Wegen. Der Wind brachte mir eine Geschichte, doch nicht nur eine Geschichte, nein, er brachte mir das Lächeln wieder. Das Lächeln, das ich vor langer Zeit verloren hatte, das Lächeln, das ich sehnlichst vermisste und das doch noch nicht gefunden werden wollte. Die Geschichte handelte von der Liebe, die der Wind auf seiner Reise gesehen, aufgesogen und mitgenommen hatte. Der Wind sammelte die Liebe auf Strassen, offenen Fenstern, Bahnhöfen und Gewässern. Ja, der Wind hatte so manche Arten von Liebe erfahren. Gewiss kann der Wind die Liebe nicht festhalten, der Wind will Liebe geben. Die Liebe geht ihren Weg durch Strassen, Gärten, Waldwege und noch so dünne Spalten. Der Wind bringt die Geschichten der Liebe, all die Momente, all die Gefühle von Geborgenheit, Zuneigung und Zufriedenheit. Die allerschönsten und stärksten Geschichten bewahrt der Wind sich für die dunklen Zeiten, die dunklen Tage und die allerdunkelsten Gemüter auf. Ja, der Wind, er spürt, wo er gebraucht wird. Ich habe den Wind gebraucht, ja, ich durfte die Geschichte von der Liebe hören. Die Liebe für die roten, für die gelben und die braunen Blätter. Liebe für den Nebel, der mir jeden Morgen im Gesicht schmeichelt. Liebe für die Kastanien, die die Wege zieren. Liebe für die dunkle, schüchterne Sonne, die zur Mittagszeit durch die Wolken blickt. Liebe für alle Töne der Farbe Orange. Ja, Liebe für den Herbst. Ja, ein Lächeln auf meinem Gesicht.

© Nadia Gsell

Nadia Gsell ist Studentin an der PH Zürich. Am Schreibwettbwerb PH Goes Poetry 2022 belegte sie den dritten Platz.

«Analyze The Lyrics»: Ein literarisches Rap-Quartett lädt zum Spiel mit Bedeutungen ein

«Analyze The Lyrics» – «Analysiere die Songtexte» – so lautet ein Format auf SRF, bei dem junge Protagonistinnen und Protagisten der Schweizer Rap-Szene betont locker beisammensitzen und über Vierzeiler aus einem Schweizerdeutschen Rap-Song diskutieren. Es geht um mögliche Lesarten, intertextuelle Bezüge, szenespezifische Insideranspielungen, regionale Verortungen und mögliche Zuordnungen von Text und Künsterin/Künstler. Nach kurzer Zeit kommt die Auflösung in Form eines Musikvideoausschnitts.

Dieses spannende Format kann zu ähnlichen Diskussionen motivieren. Personen treffen sich, bringen jeweils eigene oder fremde Romanausschnitte, Gedichtzeilen oder Ausschitte aus Songtexten mit und diskutieren in ähnlicher Weise über Lesarten, Epochen und mögliche Autorinnen und Autoren.

Zum Thema Rap in der Schule:

Holzwarth, Peter. 2012. «Rap. Video.» In Medienpädagogik Praxis Handbuch. Grundlagen, Anregungen und Konzepte für aktive Medienarbeit, hrsg. v. Eike Rösch, Kathrin Demmler, Elisabeth Jäcklein-Kreis u. Tobias Albers-Heinemann, 354–359. München: kopaed.
medienpaedagogik-praxis.de/2012/12/01/rap-video/


FAQ – Evergreens aus der Schreibberatung – #23

Simona Tschumper

«Ich brauche Hilfe bei einer schriftlichen Arbeit und möchte die Dienste des Schreibzentrums nutzen. Was gilt ab dem HS22 und welche Möglichkeiten habe ich?»

Als Student:in der PH Zürich kannst du die Angebote des Schreibzentrums neu kostenlos und ohne Mitgliedschaft nutzen. Einen Überblick über das gesamte Angebot an Workshops, Blogs, Schreibwettbewerben und Ressourcen zum wissenschaftlichen Schreiben (Zitieren) findest du auf der Website des Schreibzentrums.

Schreibberatung

In der Schreibberatung wirst du beim Verfassen unterschiedlicher Textsorten unterstützt. Egal ob LNW, Bachelor- oder Masterarbeit, Portfolioeintrag, narrative und argumentative Texte für die Deutschkompetenzprüfung oder persönliche Texte – die Tutor:innen und Dozierenden gehen gerne auf dein Anliegen ein.

Während des Semesters wird von Montag bis Freitag von 12:15 bis 13:45 Uhr eine offene Sprechstunde angeboten. Du kannst entweder spontan im Lernforum (LAA-F014) vorbeikommen oder vorgängig einen Termin per Mail (schreibberatung@phzh.ch) vereinbaren und dein Anliegen schildern.

Grundsätzlich gilt: Je früher, desto besser. Die Tutor:innen und Dozierenden des Schreibzentrums unterstützen dich nicht nur bei der Überarbeitung eines Textes, sondern helfen auch gerne bei der Ausarbeitung einer Fragestellung, der Eingrenzung des Themas, der Gliederung einer Arbeit oder bei Schreibblockaden. Das Schreibzentrum bietet kein Korrekturlesen an.

Weitere Angebote und nützliche Links

Brauchst du Hilfe beim wissenschaftlichen Schreiben? Das Schreibzentrum stellt verschiedene Ressourcen zum Zitieren nach dem Chicago Manual of Style (CMS) zur Verfügung. In unserem «A–Z des wissenschaftlichen Schreibens» findest du Antworten und Beispiele zu zahlreichen Fragen.

Falls du Unterstützung bei der Literaturrecherche brauchst, wende dich an die Rechercheberatung der Bibliothek.

Entdecke hier das Workshop-Angebot des Lernforums zur Vorbereitung auf die Deutschkompetenzprüfung, zum Zitieren, zum kreativen Schreiben und vielem mehr. Die Workshopangebot des Schreibzentrums findest du auch hier: stud.phzh.ch/sz-workshops.

Beitrag von Maik Philipp auf leseforum.ch

Maik Philipp ist Mitglied des Schreibzentrums und hat auf leseforum.ch einen Beitrag über «Taxierte Schreibaufgaben» veröffentlich. Der Text steht kostenlos als PDF zur Verfügung:

leseforum.ch/sysModules/obxLeseforum/Artikel/761/2022_2_de_philipp.pdf

leseforum.ch


Philipp, Maik. «Taxierte Schreibaufgaben:
Die revidierte Bloom-Taxonomie als Analyse- und Planungswerkzeug
für das Lernen mit dem Schreiben.» leseforum.ch. Nr. 2022 | 2. leseforum.ch/sysModules/obxLeseforum/Artikel/761/2022_2_de_philipp.pdf

Weiter Literatur von Maik Philipp: phzh.ch/personen/maik.philipp

Wenn der Küchenroboter nicht das Gelbe vom Ei auftischt

Im Rahmen der Lehrveranstaltung «Medienbildung und Informatik» geht es auch um Medienethik und Wertefragen im Kontext von Digitalisierung. In diesem Zusammenhang haben Studierende dystopische Kurzgeschichten verfasst.

Hier der Beitrag von Debora Müller:

Wenn der Küchenroboter nicht das Gelbe vom Ei auftischt

«Mama, dieses Gericht schmeckt mir nicht! Ich will etwas anderes essen!» Während Michaela wütend aber auch verzweifelt mit dem Fuss aufstampfte, rollte die Mutter nur genervt die Augen. Drohen, logisch erklären, Verständnis zeigen, sogar emotionale Erpressung hatte sie schon versucht, aber alles nützte nichts. Wenn Michaela etwas nicht wollte, dann wollte sie es nicht, da war und blieb sie stur. Michaela war zwar erst acht, aber sie erinnerte sich an die Zeiten, in denen die Mutter bestimmt hatte, was auf den Tisch kam, und nicht ein Roboter. Unter dem Deckmantel einer Gesundheitsreform hatte sich vor zwei Jahren alles verändert. Morgens musste man täglich eine Blutprobe abgeben, die Sensoren in den WC-Schüsseln analysierten jeden Tropfen Urin und jeden Stuhlgang. Anschliessend wurden die Informationen auf den Chip im Handgelenk geladen und vom zentralen Rechner ausgewertet. Dort wurde dann entschieden, was der Körper brauchte und ein entsprechendes Menü zusammengestellt und an den Chip gesandt.

Im Raum, wo früher einmal die Küche gewesen war, stand jetzt ein Monster von Zubereitungsmaschine. Nachdem man den Chip ans Lesegerät gehalten hatte, produzierte das Monster das Menü – genau auf den Bedarf des Körpers zugeschnitten. Zwar hatte man Vorlieben und Abneigungen beim Essen angeben können, aber viel nützte das nicht. Das Essen schmeckte im Vergleich zu früher meistens fade und wenn man mehr würzen wollte, wurde man vom Foodcenter mit mechanischer Stimme darauf hingewiesen, dass der Natriumgehalt so optimal für den Körper sei und man sich schaden würde, wenn man weiter würzen würde.

Wiedersetzen gab es nicht – falls man dies tat, wurde es in der Akte vermerkt. Wenn man dann doch einmal auf unerklärliche Weise krank wurde oder sich verletzt hatte und den Arzt aufsuchte, wurde dieser über alle «Fehltritte» informiert – ebenso die Krankenkasse, die dann den Arztbesuch nicht bezahlen musste.

Die Mutter schaute auf ihr eigenes Tablet mit ihrem Mittagessen und entdeckte ihre Rettung. Sie hatte heute Karotten erhalten und das war eines der wenigen Gemüse, die Michaela mochte. Da ihr kleiner, blonder Engel heute aber offenbar kein Betakarotin nötig hatte, hatte Michaela keine Karotten bekommen. «Komm, wir machen halbe-halbe mit unseren Gemüsen», schlug sie augenzwinkernd ihrer verzweifelten Tochter vor. Und insgeheim wünschte sie sich, dass Michaela jünger wäre und sich nicht an früher erinnern könnte, an die Zeiten, in denen sie noch hatte kochen dürfen.

Debora Müller, 2021

Ehemalige Tutorin Antonia Rakita im inside 2/2022

Unsere ehemalige Tutorin schreibt im aktuellen Heft auf S. 21 über ihr erstes Jahr im Schuldienst.

Hier ein Ausschnitt:

«Ich suche aktiv nach drei Dingen, die gut liefen. Diese kurze Übung findet bereits Anklang bei einigen aus dem Kollegium; wir erinnern uns gegenseitig daran, sie durchzuführen. Es ist eine Überlegung wert, diese Strategie auch den Lernenden zur Bewältigung des Alltags mit auf den Weg zu geben.» Antonia Rakita (inside 2/2022, S. 21, Pädagogische Hochschule Zürich)