Unsoziale Medien

Das Dilemma mit den
sozialen Medien. (Netflix, 2020)

Lassen wir mit der Verbreitung und Nutzung von Social Media zu, dass unser gesellschaftlicher Zusammenhalt kaputtgeht, dass wir manipuliert werden, dass wir süchtig oder depressiv werden?
Mit diesen Fragen setzt sich das kritische Dokudrama «The Social Dilemma» (Netflix, 2020) auseinander. Schreibzentrumsmitarbeiter und Medienpädagoge Peter Holzwarth stellt den Film in seinem Akzente-Medientipp kurz vor.

Wenn Grossmutter vergesslich wird

Auch Kinder und Jugendliche kommen im Alltag mit Demenzkranken in Berührung. Wie muss es sich anfühlen, wenn man allmählich den Verstand verliert? Davon erzählen Autorinnen und Autoren wie Jenny Downham, Tamara Bos und Allan Stratton. In ihren eindrücklichen Geschichten greifen sie zwar das schwierige Thema Alzheimer auf, rücken dabei aber die komplizenhaften Beziehungen zwischen betroffenen Grossmüttern und ihren mutigen Enkelinnen ins Zentrum. Das ist Lesestoff für jedes Alter.
In seinem Beitrag «Grossmutters löchriges Gedächtnis» (Neue Zürcher Zeitung 19.12.2020, S. 39) wirft Daniel Ammann einen Blick in aktuelle Bilderbücher und Jugendromane, die sich mit Demenz befassen.

Plötzlich passen die verschiedenen Bruchstücke des Wissens nicht mehr zusammen. Die Puzzleteile ergeben das Bild eines Gehirns.
Simon Tanner / NZZ

Frauke Angel und Stephanie Brittnacher: Oma Kuckuck. Aachen: Edition Pastorplatz, 2020. 34 Seiten. Ab 5 Jahren.

Maja Gerber-Hess: Als Oma noch Tango tanzte. Mit Illustrationen von Nicole Lang. Glarus: Baeschlin, 2013. 104 Seiten. Ab 8 Jahren.

Jenny Downham: Obwohl es dir das Herz zerreisst. Aus dem Englischen von Astrid Arz. München: cbt, 2017. 480 Seiten. Ab 14 Jahren.

Tamara Bos: Romys Salon. Mit Vignetten von Petra Baan. Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann. Hildesheim: Gerstenberg, 2018, 192 Seiten.
Verfilmung: Romys Salon. Deutschland/Niederlande 2019. Regie: Mischa Kamp. Drehbuch: Tamara Bos. / DVD 2020.

Allan Stratton: Zoe, Grace und der Weg zurück nach Hause. Aus dem Englischen von Manuela Knetsch. München: Hanser, 2020. 256 Seiten.
Orig. The Way Back Home. Toronto: Scholastic Canada, 2017. 264 Seiten.

Wer hat das Zeug zum Schreibgenie?

In der «Seitenblick»-Kolumne von Akzente (Heft 4/2020, S. 9) fragt sich Schreibberater und Zentrumsleiter Alex Rickert diesmal, was es mit den Schreibgenies eigentlich auf sich hat. Liegt das Talent schon in den Genen, braucht es für Schreibkompetenz einen hohen IQ oder muss man sich einfach mehr Mühe geben und viel üben, um Herausragendes zu leisten?

Leselisten ohne Ende

Was soll man bloss lesen?, fragt sich Daniel Ammann in seinem Akzente-Medientipp und konsultiert drei Bücher, die sich mit dem literarischen Kanon beschäftigen, persönliche Empfehlungen aussprechen, aber auch einen kritischen Blick auf den unüberschaubaren Buchmarkt und die vielen Literaturpreise werfen.

Die Sprache des Kriegs schwitzt die Angst

Im Fallen lernt die Feder fliegen, Usama Al Shahmanis zweiter Roman, erschien im Spätsommer 2020. Anlässlich der Studienwoche Migration Inland las der Autor an der PH aus seinem ersten Werk In der Fremde sprechen die Bäume arabisch und sprach anschliessend mit Erik Altorfer. Hier veröffentlichen wir Auszüge aus diesem Gespräch.

Deutsch als literarische Sprache

«Ich geniesse in der deutschen Sprache die Freiheit, ich geniesse es, nicht darüber nachdenken zu müssen, was die Folgen des Geschriebenen sein könnten. Im arabischen Kontext wirkt der Kritiker in mir sehr stark –  das macht die Räume für mich enger. Dazu kommt die Beziehung der Sprache zum Inhalt. Die deutsche Sprache ermöglicht mir, eine Distanz zum Gegenstand aufzubauen. Ich schreibe über Dinge, die mich berühren, aber durch die deutsche Sprache bildet sich eine dünne Folie zwischen mir und dem Geschehen. Und doch ist es manchmal schwierig: alles spielt in meinem Denkraum, meinem Wahrnehmungsraum und trägt aber eine andere Sprache. Oft sind die Gefühle nicht transportierbar – in einer anderen Sprache können sie nicht repräsentiert werden. […]»

Die Sprache des Krieges

«Der Krieg hat die Sprache verstümmelt, er hat sie gelähmt. Der Krieg reduziert das Vokabular einer Sprache und verändert ihre Semantik. Ich kann mit Leuten über Krieg sprechen, und sie können sich den Krieg vorstellen. Aber wenn man den Krieg erlebt hat und ein Wort im Krieg benutzt wurde – was man gesehen hat, was man hautnah gespürt hat – dann hat das Wort eine andere Farbe. Das Licht der Sätze, des Geschilderten bricht anders, die Sprache schwitzt die Angst, die man hatte. […]

Manchmal versuche ich, meine literarische Sprache von dieser Sprache des Krieges zu entfernen, aber es gelingt mir nicht immer. Ich rutsche ständig in diese unangenehme Atmosphäre. Für mich als Autor beim Schreiben und für die Leserschaft ist das unangenehm. Aber es ist die literarische Verarbeitung einer Erfahrung. Es gibt nichts Schöneres als die Literatur: diese Erfahrungen sprachlich zu bekleiden, Figuren zu schaffen und die Erfahrungen so in der Literatur zu verewigen. Das sind unsere Geschichten. Die Geschichten der Menschen. […]»

Die Flucht

«Die Flucht ist keine Wahl. Flucht ist eine Reaktion, keine Aktion. Man reagiert auf die Tatsache, dass man sein Leben retten muss. Ohne Plan, es spielen Schicksal, Vernunft und Beziehungen mit. Im Krieg ist der Zufall der Herr des Augenblicks. Es ist Zufall, dass man diese Strasse nimmt und nicht die andere. Auf der einen stirbt man, auf der anderen wird man gerettet. […]

Ich habe die Flucht nicht geplant. Ich war ein ganz normaler Doktorand und Autor und beschäftigte mich mit Literatur. Ich war einfach lebendig. Nach der Aufführung eines meiner Theaterstücke an der Universität wurden wir vom Geheimdienst gesucht, zwei Kollegen aus der Theaterproduktion wurden festgenommen. Ich musste darauf reagieren. Ich hatte die Wahl, an die Uni zu gehen und verhaftet zu werden oder zu fliehen. Ich habe mich entschieden. Ich verliess die Stadt und dann begann der ganze Prozess der Flucht. […]

Im Exil denkt man jeden Tag an die Rückkehr. Dieser Gedanke ist unabschaffbar. Es ist eine ständige Zerrissenheit. In meinen Büchern sind die Figuren zwar in der Schweiz, aber ihre Gedanken und ihr Erleben wirken so, als wären sie im Irak: eine ständige Rückkehr, eine ständige Spaltung. […]»

Akzente-Medientipps zu Usama Al Shahmanis Romanen Im Fallen lernt die Feder fliegen und In der Fremde sprechen die Bäume arabisch.

Textfetzen

Im Moment befinde ich mich im Austauschsemester in Cardiff. Ich wohne mit fünf Mitbewohner*innen zusammen in einem Haus mit einem kleinen «Garten». Dieser 15-Quadratmeter-Teerplatz hat mich während zwei Lockdowns am Leben gehalten. Ich sass, ich las und ich genoss die Sonne und den Regen. Nichts konnte mich daran hindern, draussen zu sitzen, meinen Tee zu trinken und eine Kippe nach der anderen zu rauchen. Nun bin ich aber schon wieder auf der Suche nach einer Wohnung in Zürich. «Auf der Suche» ist etwas gut gemeint, zu aktiv, ein wenig gelogen. Zwei gute Freundinnen haben die ganze Arbeit getan und auch eine charmante Wohnung im Herzen der Stadt gefunden, die sogar preislich tragbar ist.
Einziger Haken: Kein Balkon.
Kann ich auf diesen Luxus verzichten?
Wohl eher nicht.
Tue ich es trotzdem, weil ich zu faul bin, etwas Neues zu suchen?
Ziemlich sicher.

Luxus in Zürich
Zürich im Luxus
Zürich nur mit Luxus

Wir als Zürcher*innen sind uns oft nicht bewusst, wie gierig und süchtig wir nach Luxus sind. Natürlich wissen wir, dass wir in einer der reichsten und teuersten Städte der Welt wohnen, doch dass wir ohne unseren Lebensstandard – der sehr wohl luxuriös ist – ziemlich verzweifeln, fällt erst in der Pandemie auf. Wir verzichten ungern auf ein Abendessen in einem trendigen Restaurant oder auf ein Bier in der Lieblingskneipe. Tanzen in einem überfüllten Club war lange noch möglich. Im Vergleich zu anderen Ländern leben wir hier noch mit sehr vielen Freiheiten.
Denn wir verlassen uns ja auf «gesunden Menschenverstand» und «Eigenverantwortung».

digital painting, 2020, sooji kim

Verstand und Gefühl
Verstand mit Gefühl
Gefühl mit Verstand

Wer sich mit Jane Austen auskennt, kennt Sense and Sensibility. In der deutschen Übersetzung heisst der Roman Verstand und Gefühl. Die Geschichte handelt von zwei Schwestern, deren Charakter grundsätzlich im Kontrast stehen. Elinor, die ältere Schwester, handelt gerne mit Verstand und gibt selten ihre Gefühle preis. Marianne spricht aus ihrem Herzen und lässt sich von ihren Gefühlen und Emotionen leiten.

Denial and shame
Shame in denial
Denial, shame and inebriation

She looks at me. I look at her, ashamed. Between us there are twenty centimetres, a sink and the mirror on the wall. I wash my hands, my face and stare at my reflection again.
Big pupils, small eyes. A lot of different highs, little consciousness.
I stumble out of the bathroom. Pleased with my condition, but annoyed to feel the urge to be intoxicated. Or am I annoyed at the sober reality?
Smoke until you vomit. Drink until you fall. Swallow until you feel numb.
I tell myself it wouldn’t happen too often, it’s just a phase.
That’s me. But that’s not what I was expecting to become, not what I was hoping to be.

Angelica Maria Bühler studiert an der PH Zürich und arbeitet als Tutorin im Schreibzentrum.

Von Robotern und Menschen

In seinem Beitrag im Lifelong-Learning-Blog des Zentrums für Hochschuldidaktik und -entwicklung (ZHE) beschäftigt sich Peter Holzwarth mit ethischen Aspekten der Digitalisierung und fragt provokativ: Sind Menschen die besseren Roboter?

https://blog.phzh.ch/zhe/digitalisierung-und-ethik/

Herbst: Utopie vs. Realität

Ein ganz normaler Streifzug durch die Instagram-Accounts meiner Lieblingsinfluencerinnen beweist mir immer wieder, wie schön der Herbst doch sein kann. Ich scrolle mir den Daumen wund und alles, was ich sehe, sind die Sonnenseiten dieser Jahreszeit.

Auch mein Freundeskreis probiert mir den Herbst schmackhaft zu machen. «Lass uns doch an einem Sonntagmorgen gemütlich im Bächlihof in Jona brunchen gehen!», «Wie wär’s mit einer Halloween-Party? Aber komm verkleidet!», «Oh, ich hätte schon Lust auf eine feine Kürbissuppe …» bis hin zu meiner Freundin, die findet, wir sollten an einem «sonnigen Nachmittag im bunten Wald» spazieren gehen.

All diese interessanten Aktivitäten, all diese traumhaften Bilder auf Instagram – trotzdem kann ich mich nicht mit dem Herbst anfreunden. Jeder Tag startet gleich: Ich stehe morgens um 7 Uhr auf, ziehe die Vorhänge zur Seite und alles, was ich sehe ist … nichts! Es ist dunkel und neblig. Die Sonne geht erst um 07:32 Uhr auf – falls sie sich gegen den Nebel behaupten kann. Meist bleiben die Tage trostlos und grau.

Doch das ist noch lange nicht alles. Ist es mal nicht neblig, beschert uns der Herbst gerne einmal wochenlangen Regen. Und bei starkem Wind bringt auch ein Regenschirm nichts mehr. Er verliert an Halt, biegt sich nach Aussen und landet direkt im Müll. Davon ist auf Social Media aber nichts zu sehen. Denn eins ist klar: Der Instagram-Herbst bringt mehr Sonne mit sich als ein zweiwöchiger Sommerurlaub im Fotohotspot Bali.

Marcos Romero

«PH Goes Poetry» – Fifth Anniversary Edition

Applaus und Tusch für die fünfte Ausgabe: Für den Schreibwettbewerb 2021 für Studierende, Ex-Studierende und Mitarbeitende der PH Zürich suchen wir neue Texte rund um das Thema «Spiel mir das Lied».

Mit dabei sind wieder das Kafi Schnauz sowie die grossartigen Slammer Lukas Becker und Joël Perrin. Sie moderieren im Mai 2021 den PH Goes Poetry Slam, bei dem die besten Texte im Kafi Schnauz gegeneinander antreten. Wer den eigenen Text nicht selbst performen möchte, kann ihn durch die erfahrenen Slammer lesen lassen. Den drei Erstplatzierten winken Preisgeld und die Publikation ihrer Texte. Die Siegerin oder der Sieger erhält zusätzlich die traditionelle Flasche Whisky. Und los geht’s!

Bitte schickt eure Texte an Janine: eberlejanine@stud.phzh.ch.

Janine Eberle, Peter A. Kaiser und Nicholas Rilko

Traumberufe anno 2020

Ich behaupte, dass jeder und jede von uns als Kind einen Traumberuf hatte: Meiner war bestimmt Astronaut, soweit ich mich erinnere. Ist es nun vorbei mit klassischen Traumberufen von Kindern? Die Zeit ist im Wandel und mit ihr verändert sich auch die Art und Weise, wie wir unsere professionelle Karriere sehen und gestalten können. Was meine Eltern sich nie hätten vorstellen können, ist für mich Alltag. Heute gibt es Antworten auf Fragen, die man früher gar nicht gestellt hatte.

Das beste Beispiel hierfür ist der sogenannte Influencer. Der «Beeinflusser» ist grundsätzlich eine Person des (mehr oder weniger) öffentlichen Interesses, die sich auf sozialen Medien selbst inszeniert, darstellt und eine beträchtliche Anzahl von Fanatikern belustigt. Doch die Frage ist: Wie ernährt man damit seine Familie?

Traumberufe

Da die meisten Influencer sowieso noch jung sind und die Welt ganz eigen sehen, mache ich mir keine Sorgen um ihre Familien. Tatsächlich erhalten sie pro Klick und pro Person, die ihre Videos anschaut, einen Geldbatzen, der in grösseren Mengen längst für eine Familie ausreicht. Zudem gestalten Influencer ihren Inhalt auch mit gesponserten Marketingkampagnen für irgendwelche Spiele oder Energy-Drinks.

Gut für sie, oder?

Ich sehe kein Problem darin. Wenn man auf diese Weise erfolgreich werden kann, dann ist es so. Obwohl man sich dies früher nicht hätte denken können, ist es heute die Realität. Sogar auf Berufsmessen für Jugendliche ist der Beruf des Influencers gut vertreten, in fünf Jahren kann man sicher die Lehrstelle und die Berufsmatura auf diesem Fachgebiet abschliessen.

So unvorstellbar. Und doch so echt. Wie der Wunsch, ein Astronaut zu werden.

Nicholas Rilko studiert an der PH Zürich und arbeitet als Tutor im Schreibzentrum.