Teuflische Muse

Wenn ein Film oder eine TV-Serie ankündigt, alles beruhe auf einer wahren Geschichte (nur die Namen seien geändert worden, um die Opfer zu schützen), so ist dieser Hinweis stets mit Vorsicht zu geniessen. Man möchte sogar behaupten, es handle sich dabei um ein Fiktionalitätssignal erster Ordnung. In Roman Polanskis Film nach einem Roman von Delphine de Vigan ist das nicht anders.

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Masterarbeit in zwei Wochen

Kaum zu glauben: Angeblich soll mal jemand eine Masterarbeit in zwei – oder sagen wir grosszügig: wenigen – Wochen hingelegt haben. Ohne viel empirische Vorüberlegungen habe ich ein paar abgeschlossenen Arbeiten ausgezählt und eine einfache Rechnung angestellt: Wie lange würde es dauern, diese Arbeiten zu tippen, wenn man ohne Unterbruch und Formulierungsbremse 90 Anschläge pro Minute hinbekäme? (Nur so nebenbei: Beim Eintrittstest für die Handelsmittelschule muss man 1000 Anschläge in 10 Minuten schaffen und darf nicht mehr als 6 Fehler machen …)

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Schildkrötenwege

Es gibt Bücher, die einen umhauen. Da träumt man schon mal davon, dem Autor des Romans persönlich zu begegnen. Für die 18-jährige Ich-Erzählerin in Matthew Quicks Roman geht dieser Wunsch in Erfüllung – allerdings mit unabsehbaren Folgen. – Daniel Ammann hat Schildkrötenwege oder Wie ich beschloss, alles anders zu machen für Buch & Maus rezensiert.

Quick, Matthew. Schildkrötentage oder Wie ich beschloss, alles anders zu machen. Aus dem amerikanischen Englisch von Knut Krüger. München: dtv, 2018. 298 Seiten.

Die Rezension ist erschienen in Buch & Maus 3 (2018): S. 36.

Was die Schweizermacher nicht sahen

Die Schweizer Fremdenpolitik aus der Perspektive der Behörden, das kennt man seit Rolf Lyssys Film Die Schweizermacher. Vierzig Jahre später wechselt Vincenzo Todisco die Perspektive: sein Roman Das Eidechsenkind erzählt vom verbotenen Leben eines italienischen Saisonnierkindes. – Erik Altorfers Medientipp in der Online-Ausgabe von Akzente 4 (28.11.2018).

Todisco, Vincenzo. Das Eidechsenkind. Zürich: Rotpunktverlag, 2018. 214 Seiten.

Tutorinnen und Tutoren schreiben für «Akzente»: Studi-Kolumne 4/2018

Schon seit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums für das Magazin der PH Zürich. Im aktuellen Heft 4/2018 von «Akzente» stellt sich Sharon Ben Ishay in der Studierendenkolumne ihren Ängsten und fragt: «Komfortzone oder Adrenalinkick?»

Zelt oder Palast? Wer plant, hat mehr vom Schreiben

Wenige schreiben, wie ein Architekt baut, der zuvor einen  Plan entworfen und bis ins Einzelne durchdacht hat; vielmehr die meisten nur so, wie man Domino spielt.
– Arthur Schopenhauer (1788–1860)

Wie oft sitzt du in der Bibliothek, um einen Leistungsnachweis, ein Portfolio, die Vertiefungsarbeit zu verfassen und schlägst ohne Idee, Plan oder ein genaues Ziel in die Tasten? Das Schreiben ist ein aufbauender Prozess. Zelt oder Palast? Wer plant, hat mehr vom Schreiben weiterlesen

Unendliches bei Ende

Die Lektüre von Literarischem heisst auch, sich auf Unabschliessbares einzulassen. Dies erfährt, wer sich von Hans-Heino Ewers zum Lesen bzw. Wiederlesen von Michael Endes Kinderbuchklassikern verführen lässt.
So regt der Autor zum Beispiel an, über die Schul­pädagogik im Jim Knopf nachzudenken, indem er auf Jims und Lukas’ Besuch der Mathematikstunde von Frau Mahlzahn verweist. Danach fragt Jim, ob Schulen generell so aussähen. Lukas’ Antwort lässt verschiedene Interpretationen zu: «Gott bewahre! (…) Manche Schulen sind sogar ganz nett. Allerdings sind dort keine Drachen als Lehrer, sondern einigermassen vernünftige Leute.» Bei Momo können sich auch Erwachsene auf eine Philosophiestunde bei Meister Hora freuen: Die grauen Herren würden entstehen, weil die Menschen ihnen die Möglichkeit gäben zu entstehen, erklärt er. Und wer eine Deutung für die Grenze zwischen Bewusstem und Unbewusstem sucht, wird vielleicht in der Unendlichen Geschichte fündig.

Martina Meienberg

Ewers, Hans-Heino. Michael Ende neu entdecken: Was ‹Jim Knopf›, ‹Momo› und ‹Die unendliche Geschichte› Erwachsenen zu sagen haben. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 2018. 278 Seiten.

Die Rezension ist erschienen in Akzente 3 (2018): S. 35.

Der Tod ist ein mühseliges Geschäft

Eine Reise durch Syrien der besonderen Art: Die drei Geschwister Fâtima, Hussain und Bulbul transportieren in Hussains Minibus ihren in einem Damaszener Krankenhaus verstorbenen Vater. Sein letzter Wunsch war es, in seinem Heimatdorf in der Nähe von Aleppo bestattet zu werden. – Erik Altorfer über die Roadnovel des syrischen Autors Khaled Khalifa, dessen Romane in seiner Heimat nur auf dem Schwarzmarkt erhältlich sind.

Khalifa,Khaled. Der Tod ist ein mühseliges Geschäft. Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 2018. 220 Seiten.

Die Rezension ist erschienen in der Online-Ausgabe von Akzente 3 (27.8.2018).