Wie aus einer Mücke ein Elefant wird

Wer kennt das nicht? Man legt sich ins Bett, schaltet das Licht aus, wartet auf das Einsetzen der entspannenden Träume und vernimmt plötzlich das berühmt-berüchtigte Summen einer Mücke. Laura Sägesser dokumentiert in Form von Logbucheinträgen die erstaunliche Kooperation dieser lästigen Insekten: Gezielt treiben sie ein Paar aus dem Bett und in den Wahnsinn. 

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Bereits seit 2009 entsteht jedes Jahr ein Büchlein mit Texten aus Schreib-Events und Wettbewerben. Gedruckte Exemplare können für CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

Mehr Anerkennung, bitte

Tutorin Antonia Stopic
(Illustration: Elisabeth Moch)

In meinen Kolumnen werden Sie einiges über mich, mein Studium, vielleicht auch über mein Leben erfahren. Vorab schon einmal so viel: Ich bin angehende Sekundarstufenlehrerin, Schreibzentrumsmitarbeitende, Sushi-Liebhaberin, Eishockey-Novizin und Hobbybäckerin. Sie wissen nun bereits einiges über mich; ich hingegen nichts über Sie. Deshalb aus Fairness die direkte Frage: Wievielmal pro Woche treiben Sie Sport? Keine Angst, es folgt keine Verachtung, wenn Ihre Gegenfrage verlegen lauten sollte: «Pro Woche?»
Ich selbst habe vermutlich in meinem ganzen Leben niemals so viel Sport gemacht wie seit Beginn meines Studiums. Das ist daran festzumachen, dass sich mein Bizeps-Umfang um ein Vielfaches verdoppelt hat und ich meine Liebe zu Tanktops entdeckt habe. Okay, ich gebe zu, ich nehme Sie auf den Arm.
Um ehrlich zu sein, habe ich mir die Sportausbildung hier an der PHZH um einiges leichter vorgestellt. In den Köpfen von vielen Nicht-Lehrpersonen hat sich die Vorstellung manifestiert, dass eine Sportlehrperson nichts anderes machen muss, als behutsam einen Ball in die Hallenmitte zu legen und sich daraufhin für zwei Stunden aus dem Staub zu machen. Was ich jedoch während meiner Ausbildung erleben durfte, übersteigt die blosse Trillerpfeifennutzung bei Weitem. Ich habe gelernt, wie viel Zeit und Kraft es benötigt, Dinge zu erlernen, die nicht immer leicht zu erlernen waren. Ich habe erfahren, dass sie jedoch mit viel Willenskraft und der richtigen Unterstützung machbar sind. Rückblickend stelle ich einen bemerkenswerten Fortschritt fest. Und weil ich weiss, dass ich da draussen ein, zwei Leidensgenossen habe, bin ich der Überzeugung, dass wir mehr Anerkennung für unsere Leistung verdienen. Schliesslich sind es diese Erfahrungen, die wir den Schülern und Schülerinnen mitgeben können und die weitaus wertvoller sind als die Fähigkeit, den Fussball im Goal zu versenken.

Antonia Stopic studiert an der PH Zürich und arbeitet als Tutorin im Schreibzentrum.
Der Text ist erschienen als Kolumne im Magazin für die Mitarbeitenden der PH Zürich, inside 1/2019, S. 21.

Der Geist in der Maschine

Maschinen führen ein Eigenleben. Manchmal hilft gut zureden oder ein Neustart. Aber was tun, wenn der menschliche Roboter Gefühle und Bewusstsein entwickelt und seinen eigenen Willen durchsetzt?

Vor solchen Fragen steht Charlie in Ian McEwans Maschinen wie ich (Diogenes 2019). Es sind die frühen Achtzigerjahre. In der kontrafaktischen Realität, die der Autor erfindet, weichen die Ereignisse allerdings von der historischen Vergangenheit ab. England steckt politisch in der Krise, dafür ist die Technologie ihrer Zeit weit voraus. Vom mütterlichen Erbe hat sich Charlie einen Androiden gekauft und muss nun mit ansehen, wie dieser sich in die gleiche Frau verliebt, ihr Gedichte schreibt und kurzerhand den Reset-Knopf deaktiviert, um sein Recht auf Selbstbestimmung zu behaupten.

Ein ähnliches Szenario entwirft der Spielfilm Zoe (Drake Doremus 2018). Cole (Ewan McGregor) entwickelt beziehungsfähige Androiden, seine Mitarbeiterin Zoe (Léa Seydoux) stellt jungen Paaren Prognosen für deren gemeinsame Zukunft. Schwierig wird es, als sich die beiden zaghaft auf eine Beziehung einlassen und der neu erschaffene Ash dazwischenfunkt. Was ist echt? Zu wie viel Leben und Leid ist ein synthetischer Körper fähig?

Die Grenzen des Machbaren lotet auch der überspannte Science-Fiction-Thriller Replicas aus (Jeffrey Nachmanoff 2018). Ein Forscher (Keanu Reeves) versucht das Bewusstsein von Verstorbenen auf Roboter zu übertragen und setzt sich über ethische Grundsätze hinweg, als seine Familie bei einem Unfall ums Leben kommt.

Daniel Ammann, Akzente 3 (2019), S. 35.

Tiefenlektüre

Maryanne Wolfe, Schnelles Lesen, langsames Lesen

Die digitalen Medien haben unser Verhalten nachhaltig verändert. Wir lesen häufiger am Bildschirm – flüchtiger und mit kognitiver Ungeduld. Das wirke sich, so die Kognitions- und Literaturwissenschaftlerin Maryanne Wolf, auf unser Gehirn aus.

In der Evolution des Menschen taucht das Lesen relativ spät auf und muss als künstliche kulturelle Errungenschaft erst mühsam erlernt werden. Dabei bilden sich spezielle Leseschaltkreise aus. Damit uns die Fähigkeit zur Tiefenlektüre nicht abhanden kommt, plädiert die Autorin für eine Neuorientierung in der Lehrerausbildung. Es gelte sicherzustellen, dass Kinder schon früh die Fähigkeit des vertieften Lesens kennen und schätzen lernen. Wolf wünscht sich für unsere Kinder eine «mediale Zweisprachigkeit». Sie sollen versierte, flexible Code-Switcher werden, die zwischen Druck- und Digitalmedien wechseln und auch die noch kommenden Kommunikationsformen optimal nutzen können.

Daniel Ammann, Akzente 3 (2019), S. 35.

Wolfe, Maryanne. Schnelles Lesen, langsames Lesen: Warum wir das Bücherlesen nicht verlernen dürfen. Aus dem Englischen von Susanne Kuhlmann-Krieg. Illustrationen: Catherine Stoodley. München: Penguin, 2019. 300 Seiten.

Astrid – Gegen alle Konventionen

Woher kommt die Traurigkeit in Astrid Lindgrens Kinderbüchern? Etwa wenn Pippi am Weihnachtsabend in den Himmel schaut und ihrer verstorbenen Mutter vorschwindelt, dass sie ganz viele Geschenke erhalten habe, nur damit sich diese keine Sorgen macht. Antworten finden sich im Film Astrid.

Dieser beleuchtet ein dunkles Kapitel in der Biografie der Kinderbuchautorin: Bei ihrer ersten Stelle verliebt sich Astrid in den verheirateten Herausgeber einer Lokalzeitung. Als sie schwanger wird, entscheidet sie sich gegen ein Leben in Sicherheit, gegen die Ehe mit dem Kindsvater und wählt den Weg gegen alle Konventionen ihrer Zeit. So wächst ihr Sohn Lasse zuerst bei einer Pflegemutter in Kopenhagen auf. Dort lebt er so lange, bis er Astrid als Mutter nicht mehr erkennt und nur widerwillig mit ihr nach Schweden zurückkehrt. Nach einer schwierigen Annäherung zwischen Mutter und Sohn erobert sie schliesslich sein Herz mit – wie könnte es anders sein – einer selbst erfundenen Geschichte.

Martina Meienberg

Astrid. Schweden/Dänemark 2018. Regie: Pernille Fischer Christensen. DVD Berlin: DCM Film Distribution, 2019.

Die Rezension ist erschienen in Akzente 3 (2019): S. 34.

Trinken in Kairo

Snooker in Kairo. (C. H. Beck, 2018)

Waguih Ghali hat in seinem kurzen Leben nur einen Roman geschrieben. 1964 erschienen, wurde Snooker in Kairo im Arabischen Frühling neu gelesen. In den Beschreibungen der postrevolutionären Zeit nach Nassers Militärputsch fanden die Demonstrierenden Parallelen zur politischen Gegenwart und zu ihrem Lebensgefühl.

Ram ist der komische und traurige Held dieses Romans. Er gehört der Oberschicht an, ist aber immer pleite. Er ist Kommunist und verachtet die Armen. Sein Englisch ist besser als sein Arabisch, jedoch hasst er die Kolonialmacht. Zynismus und Selbsthass sind seine Reaktion auf diese Widersprüche. Und der Alkohol hilft: Meist ist Ram betrunken oder auf der Suche nach dem nächsten Drink. Snooker in Kairo ist schnell und direkt, voller Situationskomik und bitterem Scharfsinn, zeitlos und von aktueller Brisanz. Ein Glück, dass das Meisterwerk der ägyptischen Literatur nun auf Deutsch vorliegt.

Drei Geschwister finden sich im Zimmer eines Sanatoriums wieder, in dem Thedor, der jüngere Bruder, behandelt wird. Altersmässig stehen sie mitten im Leben, die Situation erscheint aber Lorenz, dem älteren Bruder, «als wäre es wie früher». Und so vereint scheinen die drei nun zu sein, dass die Ich-Erzählung von Lorenz im kollektiven Wir endet.

Erik Altorfer, Akzente 3 (2019), S. 35.

Ghali, Waguih. Snooker in Kairo. Aus dem Englischen von Maria Hummitzsch. München: C. H. Beck, 2018. 256 Seiten.

Das neue Gefühl

Ich über dich – Du über alles (2018)

Früher veränderte jedes Buch, das er las, sein Leben, jeder Film war gross­artig und jede Freundschaft würde bestimmt ein Leben lang halten. Aber irgendwann hat sich da ein neues Gefühl eingeschlichen … In seinem Text «Distanz» fragt sich unser Tutor Peter Fäh, wie es zu diesem Riss zwischen früher und heute, zwischen ihm und der Welt gekommen ist.

Mehr über die Schreib-Events des Schreibzentrums gibt es hier. Gedruckte Exemplare der Erzählnachtbüchlein können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

Alles auf Anfang

In der Rubrik Romananfang, aber auch mit eigenen ersten Sätzen haben wir uns an dieser Stelle immer wieder mit dem Beginnen befasst. Im Schreiben, mit jedem Text fangen wir immer wieder ganz vorne an. Manchmal startet das Abenteuer mit einem fulminanten ersten Satz, manchmal stellt sich dieser erst viel später ein, am Ende eines langen Auswahlprozesses.

Der erste Satz, heisst es, entscheide quasi über das Schicksal eines Romans oder einer Erzählung. Da wundert es einen, dass überhaupt noch ein Autor, eine Autorin den Stift aufs leere Blatt setzen mag. Wie kommen Anfänge eigentlich zustande – und gibt es ein Rezept für den guten Start?
In seinem Essay in der Neuen Zürcher Zeitung beschäftigt sich Daniel Ammann mit den vielfältigen Möglichkeiten und Mythen des Anfangens – eine kleine Poetik der ersten Sätze.

Der Weg zum Erfolg

Reicht Talent, um es im Sport, in der Musik oder als Autor·in an die Spitze zu schaffen? Oder kann es jeder und jede mit entsprechendem Einsatz und beharrlichem Training zur Meisterschaft bringen? Unter dem Titel «Übung macht den Meister – oder doch nicht?» fragt Daniel Ammann im Lifelong Learning Blog, was es mit Begabung, jahrelanger Berufserfahrung und den berühmten 10’000 Übungsstunden auf sich hat.

Kompetenzen für morgen

Die Zukunft hat schon begonnen. Bleibt noch zu klären, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten wir brauchen, um den anstehenden Veränderungen und Umbrüchen gewachsen zu sein. Um diese «21st Century Skills» geht es im Beitrag von Alex Rickert. Im Lifelong Learning Blog fragt er nach tragfähigen Kompetenzen für die Berufswelt von morgen und formuliert drei Postulate für die Volks- und Hochschule.

Beim Lesen und Schreiben sind neue Blickwinkel und Strategien gefragt.