Tutorinnen und Tutoren schreiben für «Akzente»: Studi-Kolumne 1/2020

Seit über zehn Jahren schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums für das Magazin der PH Zürich. In Heft 1/2020 von «Akzente» singt Ronja Stamm in der Studierendenkolumne auf Seite 25 ein erfrischendes Loblied auf die Absage. Warum immer Ja sagen, wenn man Nein meint?

Autobiografische Spurensuche

Wie schreibt man die Lebensgeschichte der Eltern, wenn man wenig über sie weiss? – In seinem Online-Medientipp in Akzente 1/2020 zeichnet Erik Altorfer nach, wie die Autorin Natascha Wodin in ihren autobiografischen Romanen Sie kam aus Mariupol (2017) und Irgendwo in diesem Dunkel (2018) der Vergangenheit ihrer Eltern, sowjetischen Zwangsarbeitern im Deutschen Reich, nachspürt.

Faktencheck in der Fiktion

Die Segel blähen sich vor dem Wind, und der Wimpel am Hauptmast zeigt auch korrekt die Windrichtung an. SONJA WIMMER / KINDERMANN-VERLAG

Haben Raben gelbe Schnäbel, kann man mit einer Brille Feuer machen oder mit dem Auto zum Mond fahren? In der Fiktion ist alles erlaubt, wenn’s passt und gut gemacht ist! Trotzdem unterzieht Daniel Ammann die Fantasie einem kleinen Faktencheck. Unter dem Titel «Richtig lügen ist grosse Kunst» geht er in der NZZ vom 31.1.2020 (S. 38 und online) der heiklen Frage nach, was Fiktion und Wirklichkeit eigentlich miteinander zu schaffen haben. Sein Fazit: Imagination siegt über Gravitation!

Winterwärme

Zwischen oben und unten ist eine Welt, nicht Leben noch Tod, weder Himmel noch Hölle: Eine Zwischenwelt des Sehnens und Vermissens, der Wut und der Trauer.
In seinem Liebesgedicht erzählt Peter A.  Kaiser von Menschen, die erhaben sein wollen und deswegen keinen Platz in der Welt finden. Er klagt an, schildert den Mangel an Empathie und Wärme, der Menschen «erfrieren» lässt. Und er beschreibt die Schwierigkeit, sich damit abzufinden.

Bereits seit 2009 entsteht jedes Jahr ein Büchlein mit Texten aus Schreib-Events und Wettbewerben. Gedruckte Exemplare können für CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

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Hapert’s beim Lesen?

In der «Seitenblick»-Kolumne von Akzente (Heft 4/2019, S. 9) schaut Alex Rickert diesmal auf die immer wieder heiss diskutierten basalen Lesefertigkeiten und lädt uns gleich zu einem Selbsttest ein. – Und was kann man tun, wenn es mit der Leseflüssigkeit hapert?

Publikumsbeschimpfung an der PH

1966 wurde Peter Handkes Theaterstück «Publikumsbeschimpfung» zum ersten Mal aufgeführt. Wie der Titel ja bereits sagt, beschimpfen im Stück die Schauspieler das Publikum. Das Konzept hatte Peter Fäh schon immer gefallen und nun hat er endlich die Gelegenheit, selber einmal ein Publikum zu beschimpfen.
Im Unterricht wird das in der Regel von den Fachdidaktikern und Praxislehrerinnen nicht goutiert. Im Gegensatz zu Handke möchte er aber nicht zum Nachdenken über das Theater oder Kunst im Allgemeinen anregen. Die Beschimpfung ist hier reiner Selbstzweck.

Im Finale des Moosestache-Poetryslams «PH goes Poetry» holt sich Peter Fäh den 3. Platz.

Bereits seit 2009 entsteht jedes Jahr ein Büchlein mit Texten aus Schreib-Events und Wettbewerben. Gedruckte Exemplare können für CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

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Übersetzen mit Verstand und Gefühl

Hier wird Übersetzen definitiv zur Wortakrobatik: eine Passage aus Joyce’ «Ulysses», im Original und zweimal deutsch. (Bild: Goran Basic / NZZ)

«Wie lispelt man auf Deutsch?», fragt sich Daniel Ammann in seinem Essay über die kleinen und grösseren Tücken des Übersetzens. Was hat der Fuchs im «Kleinen Prinzen» geschluckt, dass er plötzlich wie ein Akademiker spricht? Und warum wird die Handlung von «Brave New World» von London nach Berlin und später wieder zurück nach London verlegt? Übersetzerinnen und Übersetzer müssen ständig Entscheide fällen – und manchmal liegen sie halt falsch.

Erebos ist zurück

Fast zehn Jahre hat sich Ursula Poznanski Zeit gelassen. Aber nun liegt sie vor, die Fortsetzung ihres fulminanten Jugendbuch-Thrillers Erebos.

Ursula Poznanski, Erebos 2. Bindlach: Loewe 2019.

Auch in der Geschichte sind inzwischen zehn Jahre vergangen. Ihr Protagonist Nick Dunmore, der damals als Schüler in den Bann des Computerspiels «Erebos» geriet, studiert inzwischen Fotografie. Als das heimtückische Game sich unvermittelt zurückmeldet und Nicks Smartphone und Computer hackt, ist alles wieder wie früher – nur dass Nick sich diesmal von Beginn weg sträubt, die gnadenlosen Bedingungen einfach hinzunehmen. Aber «Erebos» ist noch raffinierter geworden und überwacht die Spielerinnen und Spieler auf Schritt und Tritt. – Daniel Ammann hat den 500 Seiten starken Roman für Buch & Maus besprochen.

Wie aus einer Mücke ein Elefant wird

Wer kennt das nicht? Man legt sich ins Bett, schaltet das Licht aus, wartet auf das Einsetzen der entspannenden Träume und vernimmt plötzlich das berühmt-berüchtigte Summen einer Mücke. Laura Sägesser dokumentiert in Form von Logbucheinträgen die erstaunliche Kooperation dieser lästigen Insekten: Gezielt treiben sie ein Paar aus dem Bett und in den Wahnsinn. 

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Mehr Anerkennung, bitte

Tutorin Antonia Stopic
(Illustration: Elisabeth Moch)

In meinen Kolumnen werden Sie einiges über mich, mein Studium, vielleicht auch über mein Leben erfahren. Vorab schon einmal so viel: Ich bin angehende Sekundarstufenlehrerin, Schreibzentrumsmitarbeitende, Sushi-Liebhaberin, Eishockey-Novizin und Hobbybäckerin. Sie wissen nun bereits einiges über mich; ich hingegen nichts über Sie. Deshalb aus Fairness die direkte Frage: Wievielmal pro Woche treiben Sie Sport? Keine Angst, es folgt keine Verachtung, wenn Ihre Gegenfrage verlegen lauten sollte: «Pro Woche?»
Ich selbst habe vermutlich in meinem ganzen Leben niemals so viel Sport gemacht wie seit Beginn meines Studiums. Das ist daran festzumachen, dass sich mein Bizeps-Umfang um ein Vielfaches verdoppelt hat und ich meine Liebe zu Tanktops entdeckt habe. Okay, ich gebe zu, ich nehme Sie auf den Arm.
Um ehrlich zu sein, habe ich mir die Sportausbildung hier an der PHZH um einiges leichter vorgestellt. In den Köpfen von vielen Nicht-Lehrpersonen hat sich die Vorstellung manifestiert, dass eine Sportlehrperson nichts anderes machen muss, als behutsam einen Ball in die Hallenmitte zu legen und sich daraufhin für zwei Stunden aus dem Staub zu machen. Was ich jedoch während meiner Ausbildung erleben durfte, übersteigt die blosse Trillerpfeifennutzung bei Weitem. Ich habe gelernt, wie viel Zeit und Kraft es benötigt, Dinge zu erlernen, die nicht immer leicht zu erlernen waren. Ich habe erfahren, dass sie jedoch mit viel Willenskraft und der richtigen Unterstützung machbar sind. Rückblickend stelle ich einen bemerkenswerten Fortschritt fest. Und weil ich weiss, dass ich da draussen ein, zwei Leidensgenossen habe, bin ich der Überzeugung, dass wir mehr Anerkennung für unsere Leistung verdienen. Schliesslich sind es diese Erfahrungen, die wir den Schülern und Schülerinnen mitgeben können und die weitaus wertvoller sind als die Fähigkeit, den Fussball im Goal zu versenken.

Antonia Stopic studiert an der PH Zürich und arbeitet als Tutorin im Schreibzentrum.
Der Text ist erschienen als Kolumne im Magazin für die Mitarbeitenden der PH Zürich, inside 1/2019, S. 21.