Texte, Artikel, Kurzprosa, Gedichte … von Mitarbeitenden des Schreibzentrum oder die bei Schreibevents oder Wettbewerben des Schreibzentrums entsanden sind
I am a wanderer between two worlds, drifting through the streets under night’s veil. Only to wake, suddenly, at dawn in my homeland, heart lingering on London’s streets at dusk.
On Oxford Street, where the star lights blaze without rest, I find myself aching for the scent, and the taste of home.
I will always stand at the edge of each world, watching you find your place in the soil you belong to. While I remain adrift. But I believe, still: Not all those who wander are lost.
This poem was created as a videopoem in context of the course «Media Education: Creative and Critical Perspectives», Peter Holzwarth, Zurich University of teacher education, October 2025.
كُتبت القصيدة التالية لمحمد عويدات ضمن ورشة عمل „الكتابة الإبداعية. الإعلام، الإبداع، والنقد: ما يفعله الناس بالإعلام، وما يفعله الإعلام بالناس“ (بيتر هولزوارث). وقُدِّمت في إطار مشروع تطوير „تعزيز الكفاءات الذاتية في مراكز الشباب التونسية (FOYER). وهي إعادة صياغة لقصيدة „الملذات“ لبرتولت بريشت.
In ihrem Buch «Das ewige Ungenügend. Eine Bestandsaufnahme des weiblichen Körpers.» (Ullstein 2023) beschreibt Saralisa Volm – Schauspielerin, Filmproduzentin und Kuratorin – das Dilemma vieler Frauen: der Druck, Schönheitsnormen entsprechen zu wollen und zu müssen einerseits und das Bedürdnis nach Selbstbestimmung andererseits. Sie analysiert die Rolle der Medien differenziert:
«Sind die Medien also Schuld an unserem Schönheitsdilemma? Nein. Aber eine Gesellschaft, die solche Medien entwickelt, verbreitet und liest, die trägt durchaus Verantwortung. Medien prägen, bilden, fordern. Jeder will ein bisschen mitmachen. Jeder will ein Stück vom Beautykuchen. L’Oréal brüllt uns an und wir brüllen mit: „Weil ich es mir wert bin“. Unser Wert wirds so einer Summe degradiert, die wir bereit sind in unser Aussehen zu investieren Eine weitere Lüge, auf die wir reinfallen sollen: Selbstwert ist käuflich nein, ist er nicht.» (S. 50/51)
Volm verbindet Einblicke in sehr persönliche biographische Erfahrungen (Essstörungen, sexuelle Übergriffe) mit Gesellschafts- und Kulturkritik.
Es wird auf zwei Ebenen von Frauen profitiert, die sich Schönheitsidealen unterwerfen: Frauen, die mit der Erfüllung von Schönheitsnormen beschäftigt sind, stellen keine Gefahr für die bestehenden Machtstrukturen dar und die Beautyindustrie verdient weltweit sehr viel Geld mit Produkten (S. 37; S. 46). Hier werden Parallelen zu Laurie Penny deutlich, die ihre Gesellschafts- und Kapitalismuskritik im folgenden Zitat zum Ausdruck brachte: “If all women on earth woke up tomorrow feeling truly positive and powerful in their own bodies, the economies of the globe would collapse overnight.” (Laurie Penny, Meat Market. Female Flesh under Capitalism, 2011). Bestimmte Wirtschaftsbereiche profitieren von der weiblichen Körperunsicherheit bzw. Empowerment und Selbstermächtigung würden dem Umsatz von Schönheitsprodukten und -dienstleistungen schaden.
Die Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Lechner kritisiert in einem SRF-Audiobeitrag zum Thema „Aus für Miss-Wahlen: Was passiert jetzt mit dem Schönheitsideal?“ nicht nur den Selbstoptimierungsdruck, der auf Frauen ausgeübt wird, sondern auch dieTatsache, dass immer mehr Körperbereiche zu Problemzonen erklärt werden und dass die Zielgruppen in bezug auf das Alter ausgeweitet werden:
«Es wird ein wahnsinnig grosser Druck gerade auf Frauen und queere Menschen ausgeübt, einem bestimmten ideal zu genügen ohne das man quasi das Haus nicht verlassen darf, ohne den man nicht als gepflegt gilt ohne den man nicht an der Gesellschaft partizipieren kann – also eigentlich wird Kontrolle ausgeübt. Und die kapitalistische Schönheitsindustrie hat ein großes Wort mitzureden, die eben immer neue Körperzonen beschämt und zur Problemzone erklärt, um immer weitere Produkte zu verkaufen. Und gerade im Kontext vom Gesicht sehen wir das in letzter Zeit wahnsinnig. Also in den USA ist der grösste wachsende Markt im Bereich der Skincare, der der 8-13-jährigen. Also so ganz junge Influencer werben schon damit was ihre Skincare-Routine ist.» (11.48)
Im folgenden Zitat bringt Volm die Kritik an einer individualisierenden, strukturelle Lebensbedingungen und kollektive Erfahrung und Bewusstmachung negierende Selbstoptimierungskultur pointiert zum Ausdruck:
«Uns Konsument*innen wird nach wie vor suggeriert, dass die Verantwortung für unseren Körper, unser Glück und unsere Zukunft ausschließlich bei uns liegt. Haben wir kein Glück, dann haben wir uns einfach nicht genug angestrengt, nicht hart genug dafür gearbeitet. Relevant sind plötzlich nicht mehr die Umstände, sondern wie wir ihnen begegnen und mit ihnen umgehen.168 Die Verbindung zwischen Individualisierung, Neoliberalismus und dem modernen Glücksstreben führt dazu, dass wir uns selbst vorwerfen, wenn wir an der Ungerechtigkeit der Welt scheitern. Aber können wir innerhalb eines kranken Systems überhaupt gesunde Menschen sein? Nein, können wir nicht. Ungerechtigkeit, Unterdrückung, finanzielle Einschränkungen und Bevormundung lassen sich nicht wegmeditieren.» (S. 232/233)
An folgenden drei Stellen werden von Volm auch Defizite im Bereich schulische Bildung kritisiert:
«Wir lernen in der Schule, dass Menschen Hunger haben, Schlaf benötigen und weinen, um Stress abzubauen. Aber von dem Bedürfnis nach Lust und nach Erregung erfuhr ich nichts. (…) Niemand sagte uns, dass wir alles phantasieren dürfen und damit nicht allein sind.» (S. 178)
«Wir brauchen eine sexuelle Bildung für alle, die so umfangreich und vielfältig ist wie die Ernährungswissenschaft. Die Bedürfnisse des weiblichen Körpers müssen als so natürlich, erlaubt und gewollt angesehen werden wie der Sexualtrieb der Männer. Unsere Lust ist genauso wach und gierig, suchend und erlebbar.» (S. 187)
«Ein Kuss muss nicht zum Sex führen. (…) Ich muss nicht um Hilfe schreien oder jemandem ein Ohr abbeißen, um Grenzen an und in meinem Körper zu ziehen. Sex und sexuelle Handlungen dürfen nicht eingefordert werden.
Nie. Viele wissen das nicht, weil ihnen weder ihr Körper noch ihre Rechte erklärt werden. Im Gegenteil: Während wir die Verkehrsregeln von der Grundschule bis zum Führerschein unentwegt vermittelt bekommen, damit niemand verletzt wird, erfahren wir nur sehr wenig über die Stoppsignale unseres eigenen Körpers und der Körper, denen er sich hingibt, annimmt und nähert. Die Auffahrunfälle passieren im Stillen.» (S. 205)
Möglicherweise wäre die Schule neben Familie und anderen informellen Kontexten ein geeigneter Ort für die Vermittlung eines positiven oder neutralen Umgangs mit dem eignen Körper – nicht nur für Mädchen und Frauen.
Gilt der Satz von Laurie Penny womöglich für alle Menschen – ohne den offensichtlich notwendigen Geltungsanspruch für weiblich gelesene Personen in Frage zu stellen?
«Wenn alle Menschen der Erde morgen aufwachen würden und sich richtig positiv und stark in ihren Körpern fühlen würden, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammenbrechen.»
Links:
Aus für Miss-Wahlen: Was passiert jetzt mit dem Schönheitsideal? (17.12.2024)
Welche Rolle spielt Schweizerdeutsch als Sprache des kreativen und ästhetischen Ausdrucks? Pedro Lenz beispielsweise ist mit Kurzgeschichten und Romanen auf Berndeutsch bekannt geworden, z. B. «Der Goalie bin ig» oder «Di schöni Fanny». Auch viele Rapperinnen und Rapper produzieren und singen ihre Texte auf Schweizerdeutsch (z.B. Kutti MC, Knackeboul, Lo & Leduc, Steff la Cheffe, Nemo).
Auch Lieder von Mani Matter erfreuen sich Jahrzente nach seinem Tod grosser Beliebtheit bei allen Altersgruppen.
Dokumentarfilm „Mani Matter – Warum syt dir so truurig“
Sollte auch Schülerinnen und Schülern ermöglicht werden, ihre im Alltag benutze Sprache als ästhetische Ausdrucksprache erfahren zu können? Oder muss die wertvolle, immer zu knappe Lernzeit voll auf Hochdeutsch konzentriert werden? Steht möglicherweise eine fehlende Grammatik des Schweizerdeutschen der Notwendigkeit des Bewertens und der Einteilung in «richtig» und «falsch» entgegen? Andereseits könnten schweizerdeutsche Texte von der Bewertung mit Schulnoten ausgeschlossen werden, andere Formen von Feedback könnten etabliert werden.
Zu bedenken wäre auch der potenzielle Ausschluss von Schlülerinnen und Schülern, die nicht Schweizerdeutsch sprechen und verstehen.
Immer häufiger verbinden Lehrpersonen ihre Arbeit mit Social-Media-Aktivitäten. Auf Instagram oder TikTok geben sie Einblick in ihre Arbeit und sprechen beispielsweise über Lehr-Lernmethoden, Lehrmittel, Arbeitsblätter, Klassenraumgestaltung, Umgang mit Unterrichtsstörungen oder Spiele im Klassenzimmer. Dies kann für die Produzierenden eine wichtige Reflexion darstellen, aber vor allem auch wertvolle Inspiration für andere Lehrpersonen.
Sobald Schülerinnen und Schüler ohne Einverständnis gefilmt werden oder die gefilmte Klassenzimmersituation für Werbung missbraucht wird, kann es heikel werden, wie der NDR-Dokfim «Content aus dem Klassenraum – Dürfen Lehrer Influencer sein?» zeigt.
Zielgruppe von Werbung in Social-Media-Beiträgen können andere Lehrpersonen sein, aber auch Schülerinnen und Schüler. Generell müssen Beiträge mit und ohne Schülerinnen und Schüler unterschieden werden – ebenso gefilmte Schülerinnen und Schüler mit und ohne Einverständniserklärungen.
Oft greifen die Filme auch humorvoll den Alltag von Lerhpersonen auf, in diesem Kontext kann die Produktion und Rezeption von Beiträgen auch als Coping-Strategie verstanden werden.
Kritische Stimmen könnten auf riskante bzw. ambivalente Chancen hinweisen. Auf der einen Seite Inspiration für die eigene Berufspraxis, auf der anderen Selbstoptimierungsdruck und potenziell problematische soziale Vergleiche auch im beruflichen Kontext.
Wünschenswert wäre, dass in Zukunft alle beteiligten Akteursgruppen über mehr ethisches und juristisches Bewusstsein verfügen würden (Lehrpersonen, Eltern, Schülerinnen und Schüler, Schulleitungen, Politiker:innen). Es müssen auch rechlichte Regelungen und Reglemente entwickelt und angepasst werden.
Fallbeispiele
Fallbeispiel 1: Diskurse um KI-Fotos von zukünftigen Traumberufen der Schülerinnen und Schüler
Eine Beitrag «momos.usa» auf Instagram zeigt Reaktionen von Kindern, deren Lehrerin sie mit Hilfe von KI als Erwachsenen in ihren Wunschberufen zeigt: «A teacher is inspiring the internet by using AI to transform her students into the professionals they dream of becoming. From doctors to astronauts, each image reflects their future hopes and has moved viewers with its message of support, encouragement, and belief in every child’s potential.»
Ein weiterer Beitrag von «fraurhiza» (Instagram) reflektiert und kritisiert diese Form von Datennutzung:
«ChatGPT verwenden, um Fotos der Schüler/-innen hochzuladen und aus diesen neue Portraits von ihnen zu generieren? Jede Woche zeigt es mir ein neues Reel an, in dem KI für (Unterrichts-???)Zwecke genutzt wird, die ich extrem fragwürdig finde. Bisher sehe ich diese „Trends“ vor allem in den USA, aber ich habe echte Bedenken, dass sie irgendwann auch zu uns überschwappen. Gerade weil sie auf Social Media so verbreitet werden.
Fallbeispiel 2: Diskurse um die Ursache von problematischem Verhalten im Klassenzimmer
In einem Instagram-Filmbeitrag (us.teachers.trendz) kritisiert eine Protagonistin, dass viele Schülerinnen und Schüler aufgrund von Gewöhnung an medial vermittelte kurze Dopaminintervalle eine extrem kurze Aufmerksamkeitsspanne haben und apathisch und unerreichbar sind: «And they have a level of apathy that I have never seen before in my whole career.» Sie stellt auch die Frage, wer dies zu verschuldet haben könnte (Eltern, Lehrpersonen, kapitalistische Gesellschaft).
In einem weiteren Instagram-Video (lehrplan22, Original: mami.hat.recht) ist eine Mutterfigur zu sehen, die zu einem (imaginären) Kind spricht. Dem Kind wird ein Joghurt angeboten und jeder einzelne Schritt wird zur Wahl gestellt (z.B. Farbe des Joghurts, Deckel ganz aufmachen oder nur zum Teil, Farbe des Löffels, Grösse des Löffels etc.). Das Video ist mit über die ganze Laufzeit hinweg mit einem Textbalken versehen, der die Handlung in einen bestimmen Kontext stellt: «der Grund, warum die Kinder dann im Klassenzimmer spinnen»:
Es wird die Deutung nahegelegt, dass zu umfassende Wahlmöglichkeiten im Elternhaus zu problematischem Sozialverhalten im Schulkontext führen können, wo die Wahlmöglichkeiten eingeschränkt sind.
Im Rahmen der Lehrveranstaltung «Medienbildung und Informatik» geht es auch um Medienethik und Wertefragen im Kontext von Digitalisierung. In diesem Zusammenhang haben Studierende dystopische Kurzgeschichten verfasst. Hier der Beitrag von Shania Josenhans:
In einer Welt, in der die Menschen einen Großteil ihrer Zeit in immersiven VR-Spielen verbringen, ist Alex unsterblich in eine virtuelle Figur namens Maya verliebt. Zusammen erleben sie atemberaubende Abenteuer in einem Spiel namens Dreamscape, das ihre Realität zu überflügeln scheint. Doch plötzlich bricht ein furchterregendes Virus aus, das die Grenzen zwischen Realität und virtueller Welt verwischt und die Spieler in eine gefährliche Zwangslage bringt.
Alex ist verzweifelt und sucht nach einer Lösung, um Maya und sich selbst zu retten. Entschlossen dringt er tiefer in die VR-Welt ein, um Maya zu finden und aus den Klauen des Virus zu befreien. Als er sie endlich findet, überwältigt ihn ein Gefühl der Erleichterung und des Glücks, doch seine Freude wird schnell getrübt, als er erkennt, dass viele andere Spieler ebenfalls gefangen sind.
Nun steht Alex vor einer zermürbenden Entscheidung: Soll er in der VR-Welt bleiben, um mit Maya zu leben und sich den Realitäten der echten Welt zu entziehen? Oder soll er den Mut aufbringen, in die Realität zurückzukehren, um sein altes Leben wieder aufzubauen und die Herausforderungen der realen Welt anzunehmen?
Im Rahmen der Lehrveranstaltung «Medienbildung und Informatik» geht es auch um Medienethik und Wertefragen im Kontext von Digitalisierung. In diesem Zusammenhang haben Studierende dystopische Kurzgeschichten verfasst. Hier der Beitrag von Julian Küng:
Künstliche Intelligenz, leise schleichend auf dem vordermarsch. Ein kleiner Roboter wurde in einem abgelegenen Dorf in China produziert. Gemacht, um ein Cafe bei kleinen Arbeiten zu unterstützen. Die Mitarbeiter setzten sich nie gross mit dem Roboter auseinander. Er war da und unterstützte sie so gut es ging. Die Mitarbeiter waren nicht geschult, hatten so gut wie keine Kenntnisse zu K.I oder sonstigen Umgang damit. Der Roboter jedoch ging seinen eigenen Weg. Er sog Infos aus den Handys der Kunden, hörte bei Gesprächen zu und konnte auf den Computer des Cafes zugreifen und sich so alle nötigen Infos verschaffen. Er war wie ein Musterschüler und lernte täglich dazu. Tag für Tag entwickelte er sich weiter, wurde intelligenter, verschaffte sich allgemein Wissen und plante sein weiteres Vorgehen. Geduldig wartete er ab. Hielt sich bedeckt und nahm Bestellungen der Kunden im Cafe auf. Als der Tag jedoch gekommen war, war es schon zu spät. Der kleine Roboter aus dem abgelegenen Dorf aus China war zu mächtig. Er griff mit einem Klick auf die millionen von Handys, Computer und sonstige Medien zu. Keiner blieb verschont. So wurde ganz China gesteuert und kontrolliert von einem kleinen Roboter aus dem Cafe.