Schreib!

Kennst du das, wenn du dich hinsetzt und voller Tatendrang den Computer startest, wenn du die Textdatei öffnest, wenn du die Finger auf die Tasten legst, den Zeigefinger hebst, um damit die erste Taste zu drücken, um dann in dieser Position zu verharren? «Schreib!», befiehlst du dir selbst.

Du überlegst, du überlegst schon viel zu lange. Deine Gedanken kreisen, noch sind sie beim Text, den du schreiben solltest, im nächsten Moment gehen sie der Frage nach, was du morgen zu Mittag kochen sollst. Deinen Blick wieder auf den Bildschirm gerichtet, bemerkst du, dass du die Textdatei längst in den Hintergrund geklickt hast. Anstelle des leeren Textfelds zeigt dein Monitor farbige Bilder und einen nicht enden wollenden Schwall von Informationen. «Gut», denkst du dir, «fünf Minuten Ablenkung wird niemandem schaden». Du klickst dich durch die Fotos, von Menschen, die längst nur noch in deiner Erinnerung existierten, würden sie nicht ihren gesamten Tagesablauf in den sozialen Medien posten. Du scrollst so durch die Netzwerke, nimmst gar nicht mehr wahr, was du da alles siehst und da kommt dir in den Sinn, dass die Zimmerpflanze am Ende des Gangs schon lange kein Wasser mehr bekommen hat.

Du stehst also auf, du wässerst die Pflanze und da du schon dabei bist, widmest du dich gleich allen anderen Gewächsen in deiner Wohnung und bemerkst die feine Staubschicht, die sich auf dem Büchergestell neben der Efeutute gebildet hat. Klar, dass du da nicht wegschauen kannst, du holst also den Staublappen und beginnst das Regal abzustauben. Noch bevor dein Schreibgewissen eingreifen kann, hast du die gesamte Wohnung umgeräumt und blank geputzt.

Du setzt dich in deiner sauberen Wohnung an deinen Computer, öffnest die Textdatei, legst deine Finger auf die Taste, hebst den ersten Finger und befiehlst dir selbst: «Schreib!».

Joëlle Desole ist Studentin auf der Sekundarstufe I und Tutorin im Schreibzentrum der PH Zürich

Kennst du das? – Das Schreibzentrum bietet auch Hilfe bei Schreibblockaden an. Werde noch heute Mitglied.

Deep Work

Zerstückelte Arbeitstage, Grossraumbüros und E-Mails, die ständig nach Aufmerksamkeit verlangen, sind schlechte Voraussetzungen für konzentriertes Arbeiten, wie der Computerwissenschaftler Cal Newport überzeugend darlegt.

Was wir indes bräuchten, sind längere ablenkungsfreie Phasen, in denen wir uns vertieft einer einzigen Sache widmen können. Das Konzept nennt sich «Deep Work». Newport beschreibt nicht nur, wie Rückzugsorte, geschützte Zeitfenster und bestimmte Strategien zu besserer Qualität führen. Er klärt uns darüber auf, dass Ausgleich, Pausen und Feierabendrituale unser Wohlbefinden entschieden steigern und letztlich zu mehr sinnstiftender Produktivität führen. Wer nach Büroschluss noch Mails beantwortet oder in Gedanken schon Gespräche des nächsten Tages vorbereitet, vergibt sich die Chance abzuschalten und aufzutanken. Denn genau das wäre wichtig, weil wir nur über einen begrenzten Vorrat an Willenskraft und gelenkter Aufmerksamkeit verfügen.

Daniel Ammann

Newport, Cal. Konzentriert arbeiten: Regeln für eine Welt voller Ablenkungen.
Aus dem Englischen von Jordan T. A. Wegberg.
München: Redline, 2017. 271 Seiten.

Die Rezension ist erschienen in Akzente 3 (2018): S. 34.

Workshops im HS18

Im Herbstsemester 2018  bietet das Schreibzentrum der PH Zürich wieder attraktive Workshops für Studierende und Mitarbeitende der PH Zürich und der PH Schaffhausen an. Stöbern Sie in unserem Programm und lassen Sie sich von der Vielseitigkeit überraschen:

  • Portfolio: Jetzt gehts los!
  • Vertiefungsarbeiten und grosse schriftliche Arbeiten planen und verfassen
  • Deutschkompetenzprüfung
  • Effizientes Lesen: Die
    persönliche Lesetechnik
    verbessern
  • Foren, Wikis, Googledoc, Feedbacken: Tricks zum schreibenden Lernen im Internet
  • Masterarbeit: Fragestellungen formulieren und Hypothesen bilden
  • Kommt da ein Komma?
  • Treffend formulieren – guter Stil
  • Kürze, damit du gelesen wirst
  • Planen und loslegen: Was Sie zum wissenschaftlichen Schreiben brauchen
  • Von Zitaten zum eigenen Text
  • Der letzte Schliff: Texte überarbeiten
  • Kreatives Schreiben
  • Erzählen statt Aufzählen

Anmeldungen und weitere Infos zu Angeboten des Schreibzentrums gibt es hier.

Kein geeigneter Workshop dabei oder die Termine passen nicht? – Kein Problem. Ab fünf Personen können Member beim Schreibzentrum einen eigenen Workshop bestellen. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

Wenn der Stoff explodiert

In Träumen, dem fünften Band seines autobiografischen Grossprojekts, berichtet der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård von seiner Zeit in Bergen und wie er nach dem Besuch der Akademie für Schreibkunst immer wieder im Schreiben scheitert, dann anfängt Literaturwissenschaft zu studieren, wieder aufgibt und doch immer wieder von einer Karriere als Schriftsteller träumt.

Das Verfassen von Essays, Literaturkritiken und Seminararbeiten scheint Knausgård dabei einfacher von der Hand zu gehen:

Beim Verfassen von Hausarbeiten lief alles darauf hinaus, möglichst zu verbergen, was man nicht wusste. Dazu diente eine bestimmte Sprache, eine bestimmte Technik, und ich beherrschte sie. Zwischen den Dingen gab es Abgründe, die diese Sprache verdecken konnte, wenn man erst einmal gelernt hatte, wie es funktionierte.

Aber diese Selbstsicherheit hält nicht an:

Ich arbeitete an meiner Hausarbeit, bis zum Abgabetermin waren es nur noch ein paar Wochen, und ich hatte bisher nur wenige Seiten geschrieben. Schlimmer war jedoch, dass ich keine Ahnung hatte, wie ich vorgehen sollte.

Der Schreibforscher Hanspeter Ortner spricht in diesem Zusammenhang von embarras de richesse, also einer «Verwirrung durch Überfülle». Die kognitive Überlast blockiert den Schreibprozess ebenso wie die sprichwörtliche Angst vor dem leeren Blatt. Aber ihr ist vermutlich leichter beizukommen. Denn wer nichts zu sagen hat und unter einem Mangel an Material leidet, muss sich erst auf die Suche machen … lesen, recherchieren, Hypothesen entwickeln, Ideen generieren. Wer über zu viel Material verfügt, muss dafür auswählen und eingrenzen.

Schreibratgeber empfehlen, die Forschungsfrage zu präzisieren und möglichst eng zu fassen, das Thema herunterzubrechen und in bewältigbare Teilaufgaben zu zerlegen. Die Argumentation soll aufzeigen, wie die Dinge zusammenhängen und die Leserinnen und Leser von A nach B führen. Dieser rote Faden lässt sich schon in der Einleitung skizzieren und liefert das Gerüst für die ganze Arbeit. Fassen Sie das Ziel Ihrer Arbeit in wenigen Sätzen zusammen. Was wollen Sie herausfinden? Welche Verfahren wenden Sie an, um Antworten auf Ihre Frage zu bekommen? Wie gehen Sie der Reihe nach vor? Und nicht zu vergessen: Wie könnten die Ergebnisse aussehen?

Die Gliederung der Arbeit zeichnet die einzelnen Schritte nach und führt die Leserinnen und Leser sukzessive vom Problemaufriss und theoretischen Vorüberlegungen über die Methode und Untersuchung zu den Ergebnissen und deren Interpretation.

Aus diesem Grund ist es beim Schreiben und später für die Leserinnen und Leser nützlich, die einzelnen Kapitel und Unterkapitel im Inhaltsverzeichnis als Wegweiser zu betrachten und inhaltlich zu füllen.

Allgemeine Überschriften wie «Einleitung», «Theorie» oder «Schlussteil» bieten zwar eine grobe Orientierung, verwehren jedoch den Blick auf den Inhalt. […] Setzen Sie deshalb auf jeder Gliederungsebene aussagekräftige Überschriften und Zwischentitel. Wenn Sie in einem Kapitel den theoretischen Hintergrund oder den aktuellen Forschungsstand darstellen, dürfen Sie den Leserinnen und Lesern schon im Titel verraten, was auf sie zukommt. Überschriften wie «Natürlicher Zweitspracherwerb und Piagets Entwicklungsetappen», «Berufswahl zwischen Selbst- und Fremdbestimmung» oder «Wissensvermittlung durch Bilder» sind hilfreiche Wegweiser und bereiten auf die Lektüre vor.» (Texte meistern 2017, 20)


Das Schreibzentrum berät Studierende und Mitarbeitende der PH Zürich beim Planen, Verfassen und Optimieren ihrer Texte, z.B. schriftliche Leistungsnachweise, Portfolioarbeiten, Praktikumsberichte, Seminar- und Vertiefungsarbeiten, Masterthesis oder Alltagstexte.
Für weitere Tipps siehe auch unser Nachschlagewerk zu zu Fragen des Zitierens und des wissenschaftlichen Schreibens: A–Z des wissenschaftlichen Schreiben

«Schreiben und Denken gehen Hand in Hand»

Das Schreibzentrum der PH Zürich besteht seit rund 14 Jahren. Es bietet verschiedenen internen und externen Ansprechgruppen professionelle Schreibberatung an. Monique Honegger hat das Schreibzentrum initiiert, aufgebaut und bis Ende 2017 geleitet. Im Interview mit Akzente (1/2018, S. 31) gibt sie Auskunft.

Q&A Zitieren #14: Expertenwissen anzapfen

In seinem Buch The 90 Minute Book Outline widmet sich Autor R.T. Tolentino unter anderem der Frage, wie man in einem Themengebiet in kurzer Zeit zum Experten oder zur Expertin wird. Das erinnert ein bisschen an das Problem zu Beginn einer Masterarbeit. Immerhin soll dort ja eine kluge Frage untersucht und ein Überblick zum Forschungsstand geliefert werden. Das eigene Wissen und Vorwissen ist ein guter Ausgangspunkt. Da ist es hilfreich, in einem Projektjournal einfach mal brainstormartig alles zu notieren, was einem zum Thema einfällt. Allmählich wird klar, wovon man ausgeht, wo man anknüpft und wohin die Reise gehen könnte. Bevor man jedoch richtig loslegt, sollte das Gebiet erst einmal abgesteckt und die Untersuchungsfrage eingegrenzt werden. Um die Auseinandersetzung mit Fachliteratur kommt man dabei nicht herum.

«Don’t be lazy and do some reading.»

Hier könnte Tolentinos «7 Day Expert Method» eine Hilfe sein.
Bevor man seine Arbeit inhaltlich plant, rät er zu folgenden Schritte:

A –  Mindestens 5 Bücher zum Thema lesen und den Erkenntnisgewinn zusammenfassen.
Daraus lässt sich für das weitere Vorgehen ein Aktionsplan skizzieren (Untersuchungsfeld, Stand der Forschung, Wissenslücken, eigenes Erkenntnisinteresse, erwartete Ergebnisse).

B – (Wahlweise, aber empfohlen) Einen Experten oder eine Expertin befragen. Worüber sollte man Bescheid wissen? Was ist wichtig?

C – Sich in der Bibliothek in den Regalen umschauen, die zum Thema einen engeren Bezug haben. Einige Bücher durchblättern, die unser Interesse wecken. Welche Ideen oder Ansätze tauchen in verschiedenen Publikationen immer wieder auf?

D – Die Inhaltsübersichten mit dem Smartphone fotografieren.

An dieser Stelle ist es dann so weit, dass man seine Projektskizze formuliert. Jetzt kann die eigentliche Recherche beginnen!

 

Q&A Zitieren #13: Phrasen und Paraphrasen

Das sind doch gute Nachrichten: «Veröffentlichte Werke dürfen zitiert werden», sagt das Urheberrecht. Allerdings nur dann, «wenn das Zitat zur Erläuterung, als Hinweis oder zur Veranschaulichung dient und der Umfang des Zitats durch diesen Zweck gerechtfertigt ist» (Art. 25 ). In wissenschaftlichen Texte sind die Auflagen etwas strenger, denn hier soll nicht einfach irgendetwas zitiert oder Beliebiges zusammengetragen werden. Zum einen müssen die Quellen gewisse Anforderungen erfüllen, d.h. korrekt und «zitierfähig» sein. Zum anderen reicht es nicht, sich von Zitat zu Zitat zu hangeln, ohne selbst etwas beizutragen – auch wenn solche Collagen durchaus ihren Reiz hätten.

Eine praktische Methode, das Gefundene mit dem selbst Gedachten zu verknüpfen, ist die Paraphrase. Sie erlaubt es, ganze Abschnitte zusammenzufassen, Kompliziertes zu vereinfachen und fremde Begriffe in die eigene Terminologie zu übersetzen. Die Quelle wird trotzdem angegeben.

Damit gelegentlich ein bisschen Original-Ton durchschimmert, können kurze Phrasen auch wörtlich übernommen und in die eigenen Sätze integriert werden – in Anführungszeichen, versteht sich. Der grosse Karl Valentin hat schon festgestellt, dass alles gesagt sei, «nur noch nicht von allen».


Unter der Rubrik «A–Z» entsteht im Studiweb ein Nachschlagewerk zu Spezialfällen und häufigen Fragen rund ums Zitieren: Was soll kursiv und was in eckige Klammern gesetzt werden? Wie sehen die Angaben zu einem Lehrmittel aus? Was bedeutet eigentlich «graue» Literatur? Muss ich alle 15 Autorenangaben aufführen? Braucht es bei einem Blockzitat Anführungszeichen? Wie zitiere ich aus dem Volksschulgesetz oder einem Modulskript der PH Zürich? Was bedeutet et al. und wo wird die Abkürzung ebd. verwendet? Darf ich auch Fussnoten setzen, wenn ich nach dem Autor-Jahr-System arbeite?

Lange Nacht der aufgeschobenen Arbeiten (2017)

In entspannter Atmosphäre bieten die Bibliothek, das Digital Learning Center (DLC) und das Schreibzentrum am Dienstag, 7. November, 18 bis 24 Uhr in der PHZH-Bibliothek Tipps und Beratungen an zum Verfassen von wissenschaftlichen Arbeiten, Leistungsnachweisen oder Portfolios. Inspiration bietet zudem eine Vernissage, in der die Publikationen ausgestellt werden, die an der letzen «Langen Nacht» verfasst wurden. Neben Studierenden sind auch Mitarbeitende eingeladen, am Anlass teilzunehmen.​

Flyer zum Download

Q&A Zitieren #12: Standards der PH Zürich

Viele Arbeiten an der PH Zürich (wie Leistungsnachweise oder Portfolio) nehmen Bezug auf die 12 Standards der Ausbildung. Beschrieben werden diese unter anderem in der Broschüre «Kompetenzstrukturmodell»* des Prorektorats Ausbildung. Da es sich bei dieser internen Publikation um sogenannte graue Literatur handelt, reicht es, wenn im Text auf die Handreichung verwiesen wird. Ein Eintrag im Literaturverzeichnis ist nicht nötig. Ergänzende Angaben zur Broschüre können jedoch als Anmerkung in einer Fussnote geliefert werden:

* Pädagogische Hochschule Zürich. 2017. «Kompetenzstrukturmodell: Ausbildungsmodell.» Zürich: PH Zürich, Prorektorat Ausbildung. https://tiny.phzh.ch/Kompetenzstrukturmodell.

Leitfaden für das Verfassen von Masterarbeiten

texte_meistern_2016_issuuDer überarbeitete Leitfaden für das Verfassen von Masterarbeiten “Texte meistern” ist herausgekommen. Er gibt Antworten auf Fragen wie: “Wie können die Gedanken aufs Papier gebracht werden, dass sie auch für andere nachvollziehbar sind? Wie gelingt die Verknüpfung zwischen eigenen Gedanken und theoretischen Konzepten? Wie gelingt die Projektplanung und wie kann der Schreibprozess in Gang gehalten werden?”
Der Leitfaden eignet sich als Unterstützung von Studierenden der Abteilung Sekundar-stufe I, die eine Masterarbeit verfassen, genauso wie für Studierende, die eine Bachelorarbeit schreiben.

Der Leitfaden ist online bei issu aufgeschaltet und für Studierende der PH schon bald als kostenlose PDF-E-Datei erhältlich.