Der Mythos von Sisyphos: Das Ringen um Sinnhaftigkeit als soziale Erfahrung?

In seinem Essay „Le Mythe de Sisyphe“ (Der Mythos von Sisyphos) beschreibt der Philosoph Albert Camus den Umgang des Menschen mit der Absurdität des Lebens.

Wie Sisyphos – die Figur aus der griechischen Mythologie – muss der Mensch sinnbildlich immer wieder mühevoll einen Stein aufwärtsrollen, der dann immer wieder herabrollt, womit die Arbeit von Neuem beginnt.

Camus deutet die Revolte gegen das Absurde als Akt der Würde und deutet Sisyphos als erfüllten und glücklichen Menschen:

„Darin besteht die ganze verschwiegene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. […]

Ohne Schatten gibt es kein Licht; man muß auch die Nacht kennenlerenen. Der absurde Mensch sagt Ja, und seine Mühsal hat kein Ende mehr. […]

Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“ (Albert Camus: Der Mythos von Sisyphos 1942 (Ausgabe Rowohlt/Hamburg 1992, S. 100-101))

Die gängige Vorstellung von Sisyphos ist die eines Einzelkämpfers (vgl. auch Visualisierungen). Auf einem Mosaik in der französischen Stadt Nancy (Rue des Frères Henry) sind zwei Menschen neben einem Stein und einer steilen Wand abgebildet. Könnte der Kampf gegen Gipfel und die Revolte gegen das Absurde als gemeinschaftliches Projekt verstanden und angegangen werden?

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