Klassenzimmer in Hokkaido

Schule-Japan-5Webcams dienen der Sicherheit, Kontrolle und Informationsvermittlung. Sie besitzen keine teure Optik und liefern oft unscharfe Bilder. Das verleiht ihnen Authentizität und manchmal malerische Qualität. Der Zufall spielt beim Entstehen eine grössere Rolle als sonst in der Fotografie. Die Bilder werden aus ungewohnten Perspektiven automatisch und unbemerkt aufgenommen. Das öffnet ungewohnte und ungewollte Sehweisen auf Vertrautes und Unvertrautes. Aus dem endlosen Bilderstrom, der durch Abertausende von Webseiten fliesst, fischt der Fotokünstler Kurt Caviezel überraschende Sujets und stellt die besten davon in Museen und Galerien aus.

In seinem Archiv von weit über drei Millionen Bildern gibt es fast nichts, was es nicht gibt, so auch ein paar Schulszenen, vorwiegend aus Japan. Der Einblick in ein Klassenzimmer aus Hokkaido wirft Fragen auf: Ist das eine Szene zwischen Lektionen? Ersetzt die Kamera die Lehr- oder Aufsichtsperson? Können Eltern ihre Kinder im Schulzimmer beobachten? Es ist ein rätselhaftes und ein starkes Bild. Kindliches Verhalten wird unverstellt sichtbar: im Hintergrund das abgewandt lesende Kind als ruhender Pol, im Vordergrund die herumalbernden Mädchen als Gegenpol, dazwischen die sich im Raum positionierenden Kinder. Die sechs Schülerinnen und Schüler sind – zufällig – zu einem Dreieck formiert. Das eindringende Tageslicht haucht dem Augenblick Leben ein und versperrt zugleich den Blick ins Freie. – Thomas Hermann in «Akzente» 2 (2014), S. 38.

Weitere Informationen zu Kurt Caviezel: www.kurtcaviezel.ch

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