Tutorinnen und Tutoren schreiben für «Akzente»: Studi-Kolumne 3/2018

Schon seit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums für das Magazin der PH Zürich. Im aktuellen Heft 3/2018 von «Akzente» denkt Antonia Stopic in der Studierendenkolumne über das Meckern nach: «Määääähcker

Wenn der Stoff explodiert

In Träumen, dem fünften Band seines autobiografischen Grossprojekts, berichtet der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård von seiner Zeit in Bergen und wie er nach dem Besuch der Akademie für Schreibkunst immer wieder im Schreiben scheitert, dann anfängt Literaturwissenschaft zu studieren, wieder aufgibt und doch immer wieder von einer Karriere als Schriftsteller träumt.

Das Verfassen von Essays, Literaturkritiken und Seminararbeiten scheint Knausgård dabei einfacher von der Hand zu gehen:

Beim Verfassen von Hausarbeiten lief alles darauf hinaus, möglichst zu verbergen, was man nicht wusste. Dazu diente eine bestimmte Sprache, eine bestimmte Technik, und ich beherrschte sie. Zwischen den Dingen gab es Abgründe, die diese Sprache verdecken konnte, wenn man erst einmal gelernt hatte, wie es funktionierte.

Aber diese Selbstsicherheit hält nicht an:

Ich arbeitete an meiner Hausarbeit, bis zum Abgabetermin waren es nur noch ein paar Wochen, und ich hatte bisher nur wenige Seiten geschrieben. Schlimmer war jedoch, dass ich keine Ahnung hatte, wie ich vorgehen sollte.

Der Schreibforscher Hanspeter Ortner spricht in diesem Zusammenhang von embarras de richesse, also einer «Verwirrung durch Überfülle». Die kognitive Überlast blockiert den Schreibprozess ebenso wie die sprichwörtliche Angst vor dem leeren Blatt. Aber ihr ist vermutlich leichter beizukommen. Denn wer nichts zu sagen hat und unter einem Mangel an Material leidet, muss sich erst auf die Suche machen … lesen, recherchieren, Hypothesen entwickeln, Ideen generieren. Wer über zu viel Material verfügt, muss dafür auswählen und eingrenzen.

Schreibratgeber empfehlen, die Forschungsfrage zu präzisieren und möglichst eng zu fassen, das Thema herunterzubrechen und in bewältigbare Teilaufgaben zu zerlegen. Die Argumentation soll aufzeigen, wie die Dinge zusammenhängen und die Leserinnen und Leser von A nach B führen. Dieser rote Faden lässt sich schon in der Einleitung skizzieren und liefert das Gerüst für die ganze Arbeit. Fassen Sie das Ziel Ihrer Arbeit in wenigen Sätzen zusammen. Was wollen Sie herausfinden? Welche Verfahren wenden Sie an, um Antworten auf Ihre Frage zu bekommen? Wie gehen Sie der Reihe nach vor? Und nicht zu vergessen: Wie könnten die Ergebnisse aussehen?

Die Gliederung der Arbeit zeichnet die einzelnen Schritte nach und führt die Leserinnen und Leser sukzessive vom Problemaufriss und theoretischen Vorüberlegungen über die Methode und Untersuchung zu den Ergebnissen und deren Interpretation.

Aus diesem Grund ist es beim Schreiben und später für die Leserinnen und Leser nützlich, die einzelnen Kapitel und Unterkapitel im Inhaltsverzeichnis als Wegweiser zu betrachten und inhaltlich zu füllen.

Allgemeine Überschriften wie «Einleitung», «Theorie» oder «Schlussteil» bieten zwar eine grobe Orientierung, verwehren jedoch den Blick auf den Inhalt. […] Setzen Sie deshalb auf jeder Gliederungsebene aussagekräftige Überschriften und Zwischentitel. Wenn Sie in einem Kapitel den theoretischen Hintergrund oder den aktuellen Forschungsstand darstellen, dürfen Sie den Leserinnen und Lesern schon im Titel verraten, was auf sie zukommt. Überschriften wie «Natürlicher Zweitspracherwerb und Piagets Entwicklungsetappen», «Berufswahl zwischen Selbst- und Fremdbestimmung» oder «Wissensvermittlung durch Bilder» sind hilfreiche Wegweiser und bereiten auf die Lektüre vor.» (Texte meistern 2017, 20)


Das Schreibzentrum berät Studierende und Mitarbeitende der PH Zürich beim Planen, Verfassen und Optimieren ihrer Texte, z.B. schriftliche Leistungsnachweise, Portfolioarbeiten, Praktikumsberichte, Seminar- und Vertiefungsarbeiten, Masterthesis oder Alltagstexte.
Für weitere Tipps siehe auch unser Nachschlagewerk zu zu Fragen des Zitierens und des wissenschaftlichen Schreibens: A–Z des wissenschaftlichen Schreiben

Tutorinnen und Tutoren schreiben für «Akzente»: Studi-Kolumne 2/2018

Seit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums für das Magazin der PH Zürich. In Heft 2/2018 von «Akzente» denkt Lorenz Vogel in der Studierendenkolumne über Orwell’sche Zukunftsszenarien und das Smartphone des Grossen Bruders nach: «1984 2.0

Tutorinnen und Tutoren schreiben für «Akzente»: Studi-Kolumne 1/2018

Seit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums für das Magazin der PH Zürich. In Heft 1/2018 von «Akzente» erzählt Studentin Carmen Luzi von ihrer positiven Einstellung zu Menschen, aber auch davon, dass sie nicht alles und alle mag: «Das Menschenproblem

Q&A Zitieren #14: Expertenwissen anzapfen

In seinem Buch The 90 Minute Book Outline widmet sich Autor R.T. Tolentino unter anderem der Frage, wie man in einem Themengebiet in kurzer Zeit zum Experten oder zur Expertin wird. Das erinnert ein bisschen an das Problem zu Beginn einer Masterarbeit. Immerhin soll dort ja eine kluge Frage untersucht und ein Überblick zum Forschungsstand geliefert werden. Das eigene Wissen und Vorwissen ist ein guter Ausgangspunkt. Da ist es hilfreich, in einem Projektjournal einfach mal brainstormartig alles zu notieren, was einem zum Thema einfällt. Allmählich wird klar, wovon man ausgeht, wo man anknüpft und wohin die Reise gehen könnte. Bevor man jedoch richtig loslegt, sollte das Gebiet erst einmal abgesteckt und die Untersuchungsfrage eingegrenzt werden. Um die Auseinandersetzung mit Fachliteratur kommt man dabei nicht herum.

«Don’t be lazy and do some reading.»

Hier könnte Tolentinos «7 Day Expert Method» eine Hilfe sein.
Bevor man seine Arbeit inhaltlich plant, rät er zu folgenden Schritte:

A –  Mindestens 5 Bücher zum Thema lesen und den Erkenntnisgewinn zusammenfassen.
Daraus lässt sich für das weitere Vorgehen ein Aktionsplan skizzieren (Untersuchungsfeld, Stand der Forschung, Wissenslücken, eigenes Erkenntnisinteresse, erwartete Ergebnisse).

B – (Wahlweise, aber empfohlen) Einen Experten oder eine Expertin befragen. Worüber sollte man Bescheid wissen? Was ist wichtig?

C – Sich in der Bibliothek in den Regalen umschauen, die zum Thema einen engeren Bezug haben. Einige Bücher durchblättern, die unser Interesse wecken. Welche Ideen oder Ansätze tauchen in verschiedenen Publikationen immer wieder auf?

D – Die Inhaltsübersichten mit dem Smartphone fotografieren.

An dieser Stelle ist es dann so weit, dass man seine Projektskizze formuliert. Jetzt kann die eigentliche Recherche beginnen!

 

Q&A Zitieren #13: Phrasen und Paraphrasen

Das sind doch gute Nachrichten: «Veröffentlichte Werke dürfen zitiert werden», sagt das Urheberrecht. Allerdings nur dann, «wenn das Zitat zur Erläuterung, als Hinweis oder zur Veranschaulichung dient und der Umfang des Zitats durch diesen Zweck gerechtfertigt ist» (Art. 25 ). In wissenschaftlichen Texte sind die Auflagen etwas strenger, denn hier soll nicht einfach irgendetwas zitiert oder Beliebiges zusammengetragen werden. Zum einen müssen die Quellen gewisse Anforderungen erfüllen, d.h. korrekt und «zitierfähig» sein. Zum anderen reicht es nicht, sich von Zitat zu Zitat zu hangeln, ohne selbst etwas beizutragen – auch wenn solche Collagen durchaus ihren Reiz hätten.

Eine praktische Methode, das Gefundene mit dem selbst Gedachten zu verknüpfen, ist die Paraphrase. Sie erlaubt es, ganze Abschnitte zusammenzufassen, Kompliziertes zu vereinfachen und fremde Begriffe in die eigene Terminologie zu übersetzen. Die Quelle wird trotzdem angegeben.

Damit gelegentlich ein bisschen Original-Ton durchschimmert, können kurze Phrasen auch wörtlich übernommen und in die eigenen Sätze integriert werden – in Anführungszeichen, versteht sich. Der grosse Karl Valentin hat schon festgestellt, dass alles gesagt sei, «nur noch nicht von allen».


Unter der Rubrik «A–Z» entsteht im Studiweb ein Nachschlagewerk zu Spezialfällen und häufigen Fragen rund ums Zitieren: Was soll kursiv und was in eckige Klammern gesetzt werden? Wie sehen die Angaben zu einem Lehrmittel aus? Was bedeutet eigentlich «graue» Literatur? Muss ich alle 15 Autorenangaben aufführen? Braucht es bei einem Blockzitat Anführungszeichen? Wie zitiere ich aus dem Volksschulgesetz oder einem Modulskript der PH Zürich? Was bedeutet et al. und wo wird die Abkürzung ebd. verwendet? Darf ich auch Fussnoten setzen, wenn ich nach dem Autor-Jahr-System arbeite?

Q&A Zitieren #8: Testen Sie Ihre Zitierkompetenz

Zitieren nach dem Chicago Manual of Style ist keine Hexerei. Hat man das Grundprinzip einmal verstanden, ist das Belegen von Literaturquellen um einiges einfacher als die deutsche Rechtschreibung. Wesentlich anspruchsvoller und wichtiger ist es, beim wissenschaftlichen Schreiben sorgfältig zu recherchieren, Erkenntnisse aus der Fachliteratur mit der eigenen Argumentation zu verknüpfen und lesefreundlich zu formulieren. Das braucht Zeit und einiges an Übung. Halten Sie sich also nicht zu sehr mit formalen Details oder komplizierten Literaturverwaltungsprogrammen auf. Analog zu den Beispielen im Studiweb lassen sich fünf oder sieben Seiten Bibliografie mit wenig Aufwand in einem eigenen Dokument erfassen und können dann bei Bedarf im Text für Kurzbelege herangezogen werden. Mit der Kommentarfunktion oder als ausgeblendeten Text können Sie in der Literaturliste zudem festhalten, aus welcher Bibliothek Sie ein Buch ausgeliehen oder wo Sie im Netz auf einen Artikel gestossen sind – für den Fall, dass Sie noch weitere Angaben benötigen oder die Quelle noch einmal konsultieren müssen.

Wenn Sie sich auf der Zitierseite mit den wichtigsten Regeln vertraut gemacht haben, können Sie Ihre Expertise gleich mal mit einem Actionbound-Quiz auf die Probe stellen.

1. Falls Sie die kostenlose App Actionbound noch nicht besitzen, laden Sie diese im AppStore auf Ihr Smartphone oder Tablet.

2. Öffnen Sie Actionbound und wählen Sie «Code scannen», um den folgenden QR-Code einzulesen. (Sie finden den Code auch hier.)

actionbound-zitieren

3. Los geht’s mit «Start». In zehn Multiple-Choice-Fragen können Sie Ihr Wissen testen.

Q&A Zitieren #6: Kann ich auch das Zitat vom Zitat?

Lieber nicht. So genannte Sekundärzitate – also Textstellen, die schon der Verfasser aus einer anderen Quelle zitiert hat – sollten tunlichst vermieden werden. Es sieht dann bald mal nach Bequemlichkeit aus. Besser ist es in jedem Fall, die Originalquelle aufzutreiben und direkt daraus zu zitieren. Das bringt Freude und fördert die Recherchekompetenz.

Weitere Infos finden Sie im A–Z zum Zitieren.

Q&A Zitieren #5: A–Z zum wissenschaftlichen Schreiben

Chicago_Leporello_cover_webNach wie vor erreichen uns viele Anfragen rund ums Zitieren. Oft geht es lediglich um formale Finessen oder Details, für die sich mit etwas Kreativität und in Anlehnung an ähnliche Beispiele auf der Zitierseite ohne Weiteres eine Lösung finden liesse. Wichtig ist und bleibt, dass die zitierte Quelle sinnvoll und vertrauenswürdig ist, dass sie genau bezeichnet wird und nach Möglichkeit auch für andere Leserinnen und Leser einsehbar ist.

Unter der Rubrik «A–Z» entsteht im Studiweb ein kleines Nachschlagewerk zu Spezialfällen und häufigen Fragen des wissenschaftlichen Zitierens.

Wie sehen die Angaben zu einem Lehrmittel aus? Was ist eigentlich «graue» Literatur? Muss ich alle 15 Autorenangaben aufführen? Braucht es bei einem Blockzitat Anführungszeichen? Wie zitiere ich aus dem Volksschulgesetzt oder einem Modulskript der PH Zürich? Was bedeutet et al. und wo wird die Abkürzung verwendet? Darf ich auch Fussnoten setzen, wenn ich nach dem Autor-Jahr-System arbeite? Weitere Beispiele zu Internetquellen, Kursivsetzung und Selbstplagiaten folgen.