Wo kommt der Punkt? (Q&A #16)

Zitieren soll man auf den Punkt genau. Aber wo kommt der Punkt, wenn ich Informationen aus fremden Quellen in meinen eigenen Text integriere, sei es als wörtliche Wiedergabe oder in eigenen Worten? – Hier greift weniger das wissenschaftliche Zitiermanual, sondern vielmehr die grammatische Satzlogik und der gesunde Menschenverstand.
Wenn in einer schriftlichen Arbeit zitiert wird, besteht ein typischer Satz oft aus drei Teilen:
a) Man beginnt mit einer kurzen Anmoderation, in der das folgende Zitat oder die Paraphrase angekündigt wird,
b) dann kommt das ‹übernommene fremde Gedankengut›, und
c) ganz am Schluss folgt die Angabe der Quelle in Form eines Kurzbelegs. Erst jetzt ist der Punkt fällig. 

Beispiele
In Heike Kämpfs Beitrag über die Philosophin und Theoretikerin der Gender Studies Judith Butler sind alle drei Elemente in einem Satz zu finden: Anmoderation, Zitat und Kurzbeleg (Kämpf 2006, 246–247):

Insofern hat das Schreiben auch einen zentralen politischen Nutzen, den Butler wiederholt hervorhebt: «Das Verfassen von Texten kann», so Butler, «ein Weg sein, das neu zu gestalten, was als die Welt gilt» (Butler 1997, 44).

Dies gilt auch im folgenden Fall (Palmier 2009, 154), in dem paraphrasierend zitiert wird: 

Hickethier weist darauf hin, dass die Bedeutung der Filmerzählung dort, wo sie sich der sprachlichen Darstellbarkeit verweigert, schnell als nicht existent angenommen wird. Dabei liege gerade hier das wesentliche narrative Element des Audiovisuellen (vgl. Hickethier 2007, 104). 

Punkt am Schluss

In studentischen Arbeiten, aber auch in der Fachliteratur trifft man gelegentlich trotzdem auf einen eingeklammerten Quellenverweis nach dem Schlusspunkt. Dies führt jedoch dazu, dass der Kurzbeleg gleichsam zwischen zwei grammatischen Sätzen «schwebt». Da wir üblicherweise in ganzen Sätzen schreiben, ist diese Praxis nicht empfehlenswert. (Einzige Ausnahme bildet das eingerückte Blockzitat, denn hier fallen die Anführungszeichen zur Kennzeichnung des Zitats weg und der Kurzbeleg wird quasi als Anmerkung erst nach dem Schlusspunkt der zitierten Passage angefügt.)

Ebenso wie ein Frage- oder Ausrufezeichen kennzeichnet der Punkt das Ende eines Satzes. Nur wenn es sich bei diesem ganzen Satz um ein Zitat handelt, folgt (nach Duden) das schliessende Anführungszeichen nach der Interpunktion.

In seinen Studien zur Autobioraphie weist Günter Niggl (2012, 41) darauf hin, dass Memoiren heute zu einer Unterart der Berufsautobiografie geworden sind: «Darum werden gern auch Erinnerungen von Künstlern und Gelehrten, wenn sie weniger die eigene Person als vielmehr ihre Karriere, ihre Berufswelt, ihre Zeit und ihre Gesellschaft schildern, Memoiren genannt.»

Das gilt sogar, wenn das Zitat unterbrochen wird, wie im folgenden Beispiel:

Memoiren werden heute von Autobiografien nicht mehr klar abgegrenzt, sondern zunehmend als Variante der Berufsbiografie betrachtet. «Darum werden gern auch Erinnerungen von Künstlern und Gelehrten», so Niggl in seinen Studien zur Autobioraphie (Niggl 2012, 41), «wenn sie weniger die eigene Person als vielmehr ihre Karriere, ihre Berufswelt, ihre Zeit und ihre Gesellschaft schildern, Memoiren genannt.»


Unter der Rubrik «A–Z» entsteht im Studiweb ein Nachschlagewerk zu Spezialfällen und häufigen Fragen rund ums Zitieren: Was soll kursiv und was in eckige Klammern gesetzt werden? Wie sehen die Angaben zu einem Lehrmittel aus? Was bedeutet eigentlich «graue» Literatur? Muss ich alle 15 Autorenangaben aufführen? Braucht es bei einem Blockzitat Anführungszeichen? Wie zitiere ich aus dem Volksschulgesetz oder einem Modulskript der PH Zürich? Was bedeutet et al. und wo wird die Abkürzung ebd. verwendet? Darf ich auch Fussnoten setzen, wenn ich nach dem Autor-Jahr-System arbeite?

Publikumsbeschimpfung an der PH

1966 wurde Peter Handkes Theaterstück «Publikumsbeschimpfung» zum ersten Mal aufgeführt. Wie der Titel ja bereits sagt, beschimpfen im Stück die Schauspieler das Publikum. Das Konzept hatte Peter Fäh schon immer gefallen und nun hat er endlich die Gelegenheit, selber einmal ein Publikum zu beschimpfen.
Im Unterricht wird das in der Regel von den Fachdidaktikern und Praxislehrerinnen nicht goutiert. Im Gegensatz zu Handke möchte er aber nicht zum Nachdenken über das Theater oder Kunst im Allgemeinen anregen. Die Beschimpfung ist hier reiner Selbstzweck.

Im Finale des Moosestache-Poetryslams «PH goes Poetry» holt sich Peter Fäh den 3. Platz.

Bereits seit 2009 entsteht jedes Jahr ein Büchlein mit Texten aus Schreib-Events und Wettbewerben. Gedruckte Exemplare können für CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

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Schreibblockade Studium?

Tutor Lorenz Vogel
(Illustration: Elisabeth Moch)

Es gab eine Zeit, da hätte ich «Schreiben» als eines meiner Hobbys aufgelistet. Doch rar sind inzwischen die Momente, in denen ich mich hinsetze, um einen Text nur um seiner selbst willen zu verfassen. Falls ich doch eine Idee zu Papier bringe, landet das unfertige Produkt meist im «Textfragment-Warteraum» meiner Harddisk.
Gleichzeitig habe ich nicht das Gefühl, während meiner Zeit an der PH wenig geschrieben zu haben. Leistungsnachweise, Diplomarbeiten, das Portfolio: Fügte man die Seiten meiner gesamten PH-Textproduktion zusammen, ergäbe es den Umfang eines mittleren Romanes. Neben dieser Menge mehr oder weniger wissenschaftlich geschriebener Formate erstaunt es nicht, dass daneben wenig Musse für kreatives Schreiben übrig bleibt. Klar, ich mache eine Ausbildung zur Lehrperson, nicht zum Schriftsteller. Doch für Deutschlehrkräfte wie mich kann die eigene (kreative) Schreibtätigkeit in vielerlei Hinsicht eine Ressource für den Unterricht darstellen. Oder kann man Sekschülerinnen und –schüler wirklich authentisch zum Schreiben motivieren, wenn man dies selbst immer nur widerwillig und für die Schule oder für das Studium gemacht hat?
In unserer Ausbildung scheint das kreative Schreiben eine Randexistenz zu führen. Dabei hat mir das gleichnamige Wahlmodul (das in dieser Form nicht mehr angeboten wird) damals viele neue Perspektiven eröffnet. Möglich ist es dennoch, passende Schreibanlässe für sich zu finden – auch im Umfeld des Studiums. Da ist Eigeninitiative gefragt. Und mir helfen dabei verbindliche Projekte. So habe ich neulich zum ersten Mal einen Text am «PH Goes Poetry Slam» aufgeführt – eine aufregende Erfahrung. Und es wird nicht das letzte Mal sein!

Lorenz Vogel studiert an der PH Zürich und arbeitet als Tutor im Schreibzentrum.
Der Text ist erschienen als Kolumne im Magazin für die Mitarbeitenden der PH Zürich, inside 2/2019, S. 21.

Übersetzen mit Verstand und Gefühl

Hier wird Übersetzen definitiv zur Wortakrobatik: eine Passage aus Joyce’ «Ulysses», im Original und zweimal deutsch. (Bild: Goran Basic / NZZ)

«Wie lispelt man auf Deutsch?», fragt sich Daniel Ammann in seinem Essay über die kleinen und grösseren Tücken des Übersetzens. Was hat der Fuchs im «Kleinen Prinzen» geschluckt, dass er plötzlich wie ein Akademiker spricht? Und warum wird die Handlung von «Brave New World» von London nach Berlin und später wieder zurück nach London verlegt? Übersetzerinnen und Übersetzer müssen ständig Entscheide fällen – und manchmal liegen sie halt falsch.

Tutorinnen und Tutoren schreiben für «Akzente»: Studi-Kolumne 4/2019

Seit über zehn Jahren schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums schon für das Magazin der PH Zürich. In Heft 4/2014 von  «Akzente» denkt Peter A. Kaiser in der Studierendenkolumne auf Seite 25 über den Greta-Effekt nach.

Erebos ist zurück

Fast zehn Jahre hat sich Ursula Poznanski Zeit gelassen. Aber nun liegt sie vor, die Fortsetzung ihres fulminanten Jugendbuch-Thrillers Erebos.

Ursula Poznanski, Erebos 2. Bindlach: Loewe 2019.

Auch in der Geschichte sind inzwischen zehn Jahre vergangen. Ihr Protagonist Nick Dunmore, der damals als Schüler in den Bann des Computerspiels «Erebos» geriet, studiert inzwischen Fotografie. Als das heimtückische Game sich unvermittelt zurückmeldet und Nicks Smartphone und Computer hackt, ist alles wieder wie früher – nur dass Nick sich diesmal von Beginn weg sträubt, die gnadenlosen Bedingungen einfach hinzunehmen. Aber «Erebos» ist noch raffinierter geworden und überwacht die Spielerinnen und Spieler auf Schritt und Tritt. – Daniel Ammann hat den 500 Seiten starken Roman für Buch & Maus besprochen.

Wie aus einer Mücke ein Elefant wird

Wer kennt das nicht? Man legt sich ins Bett, schaltet das Licht aus, wartet auf das Einsetzen der entspannenden Träume und vernimmt plötzlich das berühmt-berüchtigte Summen einer Mücke. Laura Sägesser dokumentiert in Form von Logbucheinträgen die erstaunliche Kooperation dieser lästigen Insekten: Gezielt treiben sie ein Paar aus dem Bett und in den Wahnsinn. 

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Mehr Anerkennung, bitte

Tutorin Antonia Stopic
(Illustration: Elisabeth Moch)

In meinen Kolumnen werden Sie einiges über mich, mein Studium, vielleicht auch über mein Leben erfahren. Vorab schon einmal so viel: Ich bin angehende Sekundarstufenlehrerin, Schreibzentrumsmitarbeitende, Sushi-Liebhaberin, Eishockey-Novizin und Hobbybäckerin. Sie wissen nun bereits einiges über mich; ich hingegen nichts über Sie. Deshalb aus Fairness die direkte Frage: Wievielmal pro Woche treiben Sie Sport? Keine Angst, es folgt keine Verachtung, wenn Ihre Gegenfrage verlegen lauten sollte: «Pro Woche?»
Ich selbst habe vermutlich in meinem ganzen Leben niemals so viel Sport gemacht wie seit Beginn meines Studiums. Das ist daran festzumachen, dass sich mein Bizeps-Umfang um ein Vielfaches verdoppelt hat und ich meine Liebe zu Tanktops entdeckt habe. Okay, ich gebe zu, ich nehme Sie auf den Arm.
Um ehrlich zu sein, habe ich mir die Sportausbildung hier an der PHZH um einiges leichter vorgestellt. In den Köpfen von vielen Nicht-Lehrpersonen hat sich die Vorstellung manifestiert, dass eine Sportlehrperson nichts anderes machen muss, als behutsam einen Ball in die Hallenmitte zu legen und sich daraufhin für zwei Stunden aus dem Staub zu machen. Was ich jedoch während meiner Ausbildung erleben durfte, übersteigt die blosse Trillerpfeifennutzung bei Weitem. Ich habe gelernt, wie viel Zeit und Kraft es benötigt, Dinge zu erlernen, die nicht immer leicht zu erlernen waren. Ich habe erfahren, dass sie jedoch mit viel Willenskraft und der richtigen Unterstützung machbar sind. Rückblickend stelle ich einen bemerkenswerten Fortschritt fest. Und weil ich weiss, dass ich da draussen ein, zwei Leidensgenossen habe, bin ich der Überzeugung, dass wir mehr Anerkennung für unsere Leistung verdienen. Schliesslich sind es diese Erfahrungen, die wir den Schülern und Schülerinnen mitgeben können und die weitaus wertvoller sind als die Fähigkeit, den Fussball im Goal zu versenken.

Antonia Stopic studiert an der PH Zürich und arbeitet als Tutorin im Schreibzentrum.
Der Text ist erschienen als Kolumne im Magazin für die Mitarbeitenden der PH Zürich, inside 1/2019, S. 21.