Astrid – Gegen alle Konventionen

Woher kommt die Traurigkeit in Astrid Lindgrens Kinderbüchern? Etwa wenn Pippi am Weihnachtsabend in den Himmel schaut und ihrer verstorbenen Mutter vorschwindelt, dass sie ganz viele Geschenke erhalten habe, nur damit sich diese keine Sorgen macht. Antworten finden sich im Film Astrid.

Dieser beleuchtet ein dunkles Kapitel in der Biografie der Kinderbuchautorin: Bei ihrer ersten Stelle verliebt sich Astrid in den verheirateten Herausgeber einer Lokalzeitung. Als sie schwanger wird, entscheidet sie sich gegen ein Leben in Sicherheit, gegen die Ehe mit dem Kindsvater und wählt den Weg gegen alle Konventionen ihrer Zeit. So wächst ihr Sohn Lasse zuerst bei einer Pflegemutter in Kopenhagen auf. Dort lebt er so lange, bis er Astrid als Mutter nicht mehr erkennt und nur widerwillig mit ihr nach Schweden zurückkehrt. Nach einer schwierigen Annäherung zwischen Mutter und Sohn erobert sie schliesslich sein Herz mit – wie könnte es anders sein – einer selbst erfundenen Geschichte.

Martina Meienberg

Astrid. Schweden/Dänemark 2018. Regie: Pernille Fischer Christensen. DVD Berlin: DCM Film Distribution, 2019.

Die Rezension ist erschienen in Akzente 3 (2019): S. 34.

Trinken in Kairo

Snooker in Kairo. (C. H. Beck, 2018)

Waguih Ghali hat in seinem kurzen Leben nur einen Roman geschrieben. 1964 erschienen, wurde Snooker in Kairo im Arabischen Frühling neu gelesen. In den Beschreibungen der postrevolutionären Zeit nach Nassers Militärputsch fanden die Demonstrierenden Parallelen zur politischen Gegenwart und zu ihrem Lebensgefühl.

Ram ist der komische und traurige Held dieses Romans. Er gehört der Oberschicht an, ist aber immer pleite. Er ist Kommunist und verachtet die Armen. Sein Englisch ist besser als sein Arabisch, jedoch hasst er die Kolonialmacht. Zynismus und Selbsthass sind seine Reaktion auf diese Widersprüche. Und der Alkohol hilft: Meist ist Ram betrunken oder auf der Suche nach dem nächsten Drink. Snooker in Kairo ist schnell und direkt, voller Situationskomik und bitterem Scharfsinn, zeitlos und von aktueller Brisanz. Ein Glück, dass das Meisterwerk der ägyptischen Literatur nun auf Deutsch vorliegt.

Drei Geschwister finden sich im Zimmer eines Sanatoriums wieder, in dem Thedor, der jüngere Bruder, behandelt wird. Altersmässig stehen sie mitten im Leben, die Situation erscheint aber Lorenz, dem älteren Bruder, «als wäre es wie früher». Und so vereint scheinen die drei nun zu sein, dass die Ich-Erzählung von Lorenz im kollektiven Wir endet.

Erik Altorfer, Akzente 3 (2019), S. 35.

Ghali, Waguih. Snooker in Kairo. Aus dem Englischen von Maria Hummitzsch. München: C. H. Beck, 2018. 256 Seiten.

Das neue Gefühl

Ich über dich – Du über alles (2018)

Früher veränderte jedes Buch, das er las, sein Leben, jeder Film war gross­artig und jede Freundschaft würde bestimmt ein Leben lang halten. Aber irgendwann hat sich da ein neues Gefühl eingeschlichen … In seinem Text «Distanz» fragt sich unser Tutor Peter Fäh, wie es zu diesem Riss zwischen früher und heute, zwischen ihm und der Welt gekommen ist.

Mehr über die Schreib-Events des Schreibzentrums gibt es hier. Gedruckte Exemplare der Erzählnachtbüchlein können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

Alles auf Anfang

In der Rubrik Romananfang, aber auch mit eigenen ersten Sätzen haben wir uns an dieser Stelle immer wieder mit dem Beginnen befasst. Im Schreiben, mit jedem Text fangen wir immer wieder ganz vorne an. Manchmal startet das Abenteuer mit einem fulminanten ersten Satz, manchmal stellt sich dieser erst viel später ein, am Ende eines langen Auswahlprozesses.

Der erste Satz, heisst es, entscheide quasi über das Schicksal eines Romans oder einer Erzählung. Da wundert es einen, dass überhaupt noch ein Autor, eine Autorin den Stift aufs leere Blatt setzen mag. Wie kommen Anfänge eigentlich zustande – und gibt es ein Rezept für den guten Start?
In seinem Essay in der Neuen Zürcher Zeitung beschäftigt sich Daniel Ammann mit den vielfältigen Möglichkeiten und Mythen des Anfangens – eine kleine Poetik der ersten Sätze.

Der Weg zum Erfolg

Reicht Talent, um es im Sport, in der Musik oder als Autor·in an die Spitze zu schaffen? Oder kann es jeder und jede mit entsprechendem Einsatz und beharrlichem Training zur Meisterschaft bringen? Unter dem Titel «Übung macht den Meister – oder doch nicht?» fragt Daniel Ammann im Lifelong Learning Blog, was es mit Begabung, jahrelanger Berufserfahrung und den berühmten 10’000 Übungsstunden auf sich hat.

Tutorinnen und Tutoren schreiben für «Akzente»: Studi-Kolumne 2/2019

Akzente 2/2019: «Medien und Informatik»

Seit zehn Jahren schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums schon für das Magazin der PH Zürich. Im aktuellen Heft 2/2019 von «Akzente» fragt sich Reka De Bona in der Studierendenkolumne, durch wie viele Türen man gehen muss, bis man seinen «guten Ort» erreicht hat: «A place to be.»

Kompetenzen für morgen

Die Zukunft hat schon begonnen. Bleibt noch zu klären, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten wir brauchen, um den anstehenden Veränderungen und Umbrüchen gewachsen zu sein. Um diese «21st Century Skills» geht es im Beitrag von Alex Rickert. Im Lifelong Learning Blog fragt er nach tragfähigen Kompetenzen für die Berufswelt von morgen und formuliert drei Postulate für die Volks- und Hochschule.

Beim Lesen und Schreiben sind neue Blickwinkel und Strategien gefragt.

Herr Ibis in St. Gallen – ein Nachtrag zum Literaturfestival

Der Autor Daniel Ammann hat am Literaturfestival Wortlaut aus
«Der weisse Schatten und andere Geschichten» gelesen.

«Ideen, Wörter und Sätze, die irgendwann zu Text, zu Literatur werden wollen», antwortete der Autor Daniel Ammann auf die Frage, was ihn zum Schreiben inspiriere. Entstanden ist eine ganze Sammlung von Kurzgeschichten Der weisse Schatten und andere Geschichten (2018). Eine Kostprobe gabs am diesjährigen St. Galler Literaturfestival Wortlaut: «Das Tonband läuft, aber ich habe noch kein einziges Wort rausgebracht. Ich lege mir die Sätze zurecht wie Sezierbesteck. Ich baue Druck auf. Es muss authentisch klingen. Mann muss die Angst in der Stimme spüren», so der Protagonist in «Stimmprobe». Nichts dergleichen war beim Autor zu vernehmen – souverän las Daniel Ammann aus seinem neuesten Werk und erntete grossen Beifall an der vollbesetzten Ostschweizer Bühne im Splügeneck. Zwar hat Daniel Ammann die Frage offen gelassen, was mit Herrn Ibis (der Schlüsselfigur seiner gleichnamigen Kurzgeschichte) geschehen ist. Mit Sicherheit lässt sich aber sagen, dass sowohl der Autor als auch Herr Ibis gut beim Publikum angekommen sind.    

Eine Rezension zum Kurzgeschichtenband «Der weisse Schatten und andere Geschichten» (2018) von Daniel Ammann ist im Akzente (4/2018) erschienen. 


Die Ritter von Crongton

Alex Wheatle: Die Ritter von Crongton

McKay und seine Kumpels Liccle Bit und Jonah wetteifern in Alex Wheatles fulminantem Jugendroman um die coolsten Sprüche und kabbeln sich hin und wieder. Aber wenn es hart auf hart kommt, halten die drei Jungs aus South Crongton zusammen wie die Ritter der Tafelrunde. – Daniel Ammann hat den Jugendroman für Buch & Maus besprochen (1/2019, S. 35; siehe auch in der SIKJM-Rezensionsdatenbank).

Wheatle, Alex. Die Ritter von Crongton. Aus dem Englischen von Conny Lösch. München: Verlag Antje Kunstmann, 2019. 256 Seiten.

Alte und neue Träume

Ich über dich – Du über alles (2018)

Motivation zum Schreiben eines Textes oder zum Umsetzen eines Traumes ist schnell mal verflogen, sobald sich erste Hindernisse in den Weg stellen. Unsere Tutorin Sharon Ben Ishay erinnert in ihrem Beitrag daran, warum es sich lohnt, über sie hinwegzuspringen.

Mehr über die Schreib-Events des Schreibzentrums gibt es hier. Gedruckte Exemplare der Erzählnachtbüchlein können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.