Wer hat das Zeug zum Schreibgenie?

In der «Seitenblick»-Kolumne von Akzente (Heft 4/2020, S. 9) fragt sich Schreibberater und Zentrumsleiter Alex Rickert diesmal, was es mit den Schreibgenies eigentlich auf sich hat. Liegt das Talent schon in den Genen, braucht es für Schreibkompetenz einen hohen IQ oder muss man sich einfach mehr Mühe geben und viel üben, um Herausragendes zu leisten?

Von Robotern und Menschen

In seinem Beitrag im Lifelong-Learning-Blog des Zentrums für Hochschuldidaktik und -entwicklung (ZHE) beschäftigt sich Peter Holzwarth mit ethischen Aspekten der Digitalisierung und fragt provokativ: Sind Menschen die besseren Roboter?

https://blog.phzh.ch/zhe/digitalisierung-und-ethik/

Warum Fernunterricht das Klassenzimmer nicht ersetzen kann

Tutor Lorenz Vogel
(Illustration: Elisabeth Moch)

Als die Schulen schlossen, jubelten wohl viele unserer Schülerinnen und Schüler. Schon in den Wochen davor fragten mich manche immer wieder mit schelmischen Blicken, wann es denn so weit sei. Andere suchten das Gespräch mit mir, weil sie Angst vor einer Ansteckung hatten. Ich versuchte zu beruhigen, konnte aber meine eigene Ungewissheit nicht verbergen. Der Entschluss des Bundesrates im März, die Schotten dicht zu machen, schuf Erleichterung auf beiden Seiten. 

Es folgte der Fernunterricht, der – so gut er bei uns auch gemeistert wurde – viele Gründe offenbarte, warum er die Zusammenkunft im Klassenzimmer nicht ersetzen kann. Am eindrücklichsten fand ich dabei, wie gerne die Schülerinnen und Schüler letztendlich in die Schule kommen.

Dies zeigte sich in der Lockerungsphase ab Mitte Mai: Endlich konnten die Teenager wieder unter Gleichaltrigen sein und wieder so etwas wie eine autonome Gesellschaftsform ausserhalb der elterlichen Obhut leben. Wie wichtig dies für Heranwachsende in einer demokratischen Gesellschaft ist, zeigte sich mitunter in der hochpolitischen Stimmung eines Grossteils meiner Klasse. Corona und «Black Lives Matter» bewegte die Schülerinnen und Schüler sichtlich und ich beschloss, ihnen im Unterricht eine Plattform für diesen Austausch zu geben. In den Lektionen «Bildnerisches Gestalten» betrachteten wir aktuelle Werke von politischen Künstlern wie Banksy; im Englisch schrieben sie opinion texts. Dabei kamen ein paar der spannendsten Lektionen meines bisherigen Lehrerdaseins heraus. Ein Austausch in dieser Qualität ist im Fernunterricht schwer vorstellbar. 

Lorenz Vogel studiert an der PH Zürich und arbeitet als Tutor im Schreibzentrum.
Der Text ist erschienen als Kolumne im Magazin für die Mitarbeitenden der PH Zürich, inside 3/2020, S. 21.

Tutorinnen und Tutoren schreiben für «Akzente»: Studi-Kolumne 3/2020

Seit über zehn Jahren schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums für das Magazin der PH Zürich. In Heft 3/2020 von «Akzente» will es Natascha Hossli in der Studierendenkolumne auf Seite 25 nun doch langsam mit dem Älterwerden probieren. Höchste Zeit. Immerhin geht sie auf die Dreissig zu und wird gelegentlich schon von Achtzehnjährigen gesiezt.

Es muss gelikt werden

Mit den Wort-Importen ist es so eine Sache. Mal werden sie in Aussprache und Schreibweise den deutschen Sprachgepflogenheiten angepasst, mal wieder nicht. Man darf Exposé oder Exposee schreiben, soll Annonce aber französisch und Anchorman englisch artikulieren. Eine echte Challenge also, wenn nicht gar ein Knock-out, weil den Wörtern auf Anhieb nicht immer anzusehen ist, woher sie kommen und wie sie es gerne hätten.

Auch im Fall von Likes, Fakes, Scans und Timing behalten die Wörter ihren linguistischen Migrationshintergrund. So weit kein Problem, also no problem. Daran haben wir uns als User bereits gewöhnt. Tricky wird es erst, wenn die eingeführten Vokabeln als Verben unsere Sätze aufmischen und korrekt gemanagt werden wollen. Dann muss nämlich gelikt, gefakt, gescannt und getimt werden.

Bevor die aktualisierte Rechtschreibprüfung vorliegt und downgeloadet werden kann, empfiehlt es sich, schon mal das eigene Know-how upzudaten und seine Orthografie frisch zu tunen. Man kann die neue Schreibweise liken oder auch nicht. Wenn man keine anderen Ausdrücke zur Hand hat, gilt vorderhand der Duden, und der wartet punkto Wortbildung beim Eindeutschen mit einer einfachen Überlegung auf: Partizipien schwacher Verben werden im Deutschen prinzipiell aus ge + Wortstamm + t gebildet. Analog zu machen/gemacht heisst es also liken/gelikt, faken/gefakt, managen/gemanagt. Warum es trotzdem designen/designt (und nicht gedesignt) heisst, hat sich mir noch nicht erschlossen.

Wie bei den unenglischen Pluralformen Babys, Ladys und Communitys wird man sich auch hier an das ungewöhnliche Schriftbild gewöhnen (müssen) – und an den Umstand, dass das stumme e bei diesen Verben nicht zum Wortstamm gehört, auch wenn es für die englisch angehauchte Aussprache durchaus eine Hilfe wäre. Aber schliesslich sind wir auch gegen fighten nicht gefeit.

Like it or leave it.

Alles nur eine Phase

Tutorin Antonia Stopic
(Illustration: Elisabeth Moch)

Haben Sie das neue Jahr mit Vorsätzen begonnen oder lassen wir das hinter uns? Ich mache mir nicht viel daraus und nutze den Neujahresschwung lieber für einen persönlichen Rückblick. Besonders beschäftigt hat mich letztes Studienjahr das Thema «Vier Phasen der Freundschaft». Wenn Sie sich nun kopfkratzend die Frage stellen «Welche vier Phasen genau?», lautet meine Antwort: Keine Sorge, es ist und war kein Modulinhalt an der PH. Vielmehr handelt es sich um ein Konzept eigener Kreation:

Die vier Phasen der Freundschaft beginnen mit der «Einöde», welche typisch für den Beginn jedes Studiums und dadurch gekennzeichnet ist, dass man keine Menschenseele wirklich kennt. Nimmt man nun die Fährte von Kommilitonen auf, mit denen man einige oberflächliche Gemeinsamkeiten teilt, tritt man in die zweite Phase ein, nämlich in das «Rudel», wobei die Mentoratsgruppe für dessen Bildung eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt.

Um die dritte Phase zu erreichen, nämlich die «Verdichtung», ist individueller Einsatz gefragt. Das Ziel: Die Mitmenschen um sich herum genug gut kennenzulernen, um herauszufinden, ob man auf derselben Wellenlänge ist oder, wie in meinem Fall, ob sie den eigenen Humor teilen. Ein wildes Ausschnauben durch die Nase meines jeweiligen Gegenübers ist für mich Zeichen genug dafür, dass sich meine schelmischen Bemühungen für die Auflockerung der Modulpause bewähren. Ausserdem teile ich diesen Tipp gerne, auch wenn er selbstverständlich erscheint: Freunde deiner Freunde kennenlernen. Dies aus zwei Gründen. Erstens ist man unter Freunden stets ungezwungen, zweitens sind die eigenen Freunde immer eine gute Referenz für die eigene Art. «Friede, Freunde, Eierkuchen» lautet die letzte Phase und ich muss zugeben, je näher das Ende meines Studiums rückt, umso mehr wundert es mich, wie es in Zukunft um meine mittlerweile lieb gewonnenen Freundschaften stehen wird. Eine nicht vollends zufriedenstellende, dennoch ehrliche Antwort ist: Nur die Zeit wird dies zeigen.

Antonia Stopic studiert an der PH Zürich und arbeitet als Tutorin im Schreibzentrum.
Der Text ist erschienen als Kolumne im Magazin für die Mitarbeitenden der PH Zürich, inside 1/2020, S. 21.

Sharing is caring

Tutor Lorenz Vogel
(Illustration: Elisabeth Moch)

Dank dem Internet und der «Sharing Economy» findet man heutzutage von Autofahrten bis zu Katzenkäfigen fast alles zur Mitnutzung. Dabei wird der Wert einer Ressource multipliziert, indem sie mehr Menschen Vorteile bringt. Und dennoch kennen wohl viele Lehrpersonen folgende Situation: Man erstellt Materialien zu einem Thema, das derart zum Volksschulstandard gehört, dass man davon ausgehen muss, dass irgendwer die genau gleiche Idee schon einmal umgesetzt hat. Aus diesem Grund habe ich mich schon einige Male auf Lehrmittelsafari in das World Wide Web begeben und nach Unterlagen gesucht, die mir nützlich sein könnten. Ich musste jedoch feststellen, dass das Angebot an Plattformen, die einen Austausch von Schweizer Lehrmaterialen ermöglichen, ziemlich beschränkt ist. Ähnlich sieht es mit der Auswahl auf den einzelnen Seiten aus, die zudem meist eine Anmeldung erfordern oder sogar kostenpflichtig sind. Rar sind Heldenfiguren wie Lorenz Derungs, dessen Websites mir von einem Arbeitskollegen empfohlen wurden. Der Sekundarlehrer hat die Herkulesaufgabe auf sich genommen, der Welt sein gesamtes Lebenswerk an Arbeitsblättern zugänglich zu machen.

Wollen die meisten Lehrpersonen ihre hart erarbeiteten Früchte nicht teilen? Von einigen Befragten habe ich gehört, dass wir in unserem Beruf tendenziell halt schon eher eigenbrötlerisch veranlagt seien. Aus meiner eigenen Erfahrung kenne ich aber viele Beispiele, wo eigene Materialien gerne weitergereicht wurden. Doch dies geschieht meist nur von Hand zu Hand.

Warum also gibt es trotz der heutigen technischen Möglichkeiten keine zentrale Austauschplattform, welche sämtlichen Volksschulen zugänglich ist? Eine Plattform beispielsweise, auf der man seine Materialien hochladen und mit Kompetenzbereichen und Lernzielen verlinken kann, damit diese über die Suchfunktion schnell gefunden werden. Und alles in offenen Formaten, sodass es von den Usern auf die Bedürfnisse der eigenen Klasse angepasst werden kann. Klingt grossartig, oder?

Lorenz Vogel studiert an der PH Zürich und arbeitet als Tutor im Schreibzentrum.
Der Text ist erschienen als Kolumne im Magazin für die Mitarbeitenden der PH Zürich, inside 4/2019, S. 21.

Vollzeit, Freizeit, Eiszeit

Tutorin Antonia Stopic
(Illustration: Elisabeth Moch)

Sommer, Sonne, Sonnenschein. PH-studentisch übersetzt: Kompaktwochen, Portfolio und nicht zu vergessen: Kompaktwochen. 
Es scheint, man sorge sich um das Wohlergehen der künftigen Lehrerinnen und Lehrer. Denn sobald die Türen der Schulhäuser schliessen, um erst wieder im August aufzumachen, scheint man sich an der PH Zürich zu fragen: «Wie verkraften die angehenden Lehrpersonen so viel Freizeit?» 
Um ihnen diese Last von den Schultern zu nehmen, wird ein vielfältiges und
abwechslungsreiches Sommerloch-Überbrückungsprogramm diktiert. Von einer Woche zur nächsten, ohne Pause. Böse Zungen behaupten, dass nur aus Gründen der möglichen Verwechslungsgefahr mit dem ZVV-Ferienpass kein PHZH-Ferienpass ausgestellt wird – mit schön viel Platz auf jeder Seite für den altgewohnten Leistungsnachweis «Was ich diese Woche gelernt habe».
Dennoch muss nach Überwindung der initialen Unlust eingesehen werden, dass die Kompaktwochen durchaus Gutes mit sich bringen: Erstens werden die Studentinnen und Studenten so schon während ihres Studiums darauf vorbereitet, dass für sie der Traum der dreizehn Wochen Ferien nicht in Erfüllung gehen wird. Das mag viele nun wie der Schlag treffen und doch bleibt nichts anderes übrig, als zu akzeptieren, dass der Lehrberuf eine Vollzeitbeschäftigung ist, bei der man auch mal seine Freizeit anstatt die Zunge auf Eis legen muss. Zweitens bleibt in den Kompaktwochen viel Zeit für soziale Interaktionen und Freundschaften, was während des Studiums manchmal zu kurz kommt.

Antonia Stopic studiert an der PH Zürich und arbeitet als Tutorin im Schreibzentrum.
Der Text ist erschienen als Kolumne im Magazin für die Mitarbeitenden der PH Zürich, inside 3/2019, S. 21.

Tutorinnen und Tutoren schreiben für «Akzente»: Studi-Kolumne 1/2020

Seit über zehn Jahren schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums für das Magazin der PH Zürich. In Heft 1/2020 von «Akzente» singt Ronja Stamm in der Studierendenkolumne auf Seite 25 ein erfrischendes Loblied auf die Absage. Warum immer Ja sagen, wenn man Nein meint?

Hapert’s beim Lesen?

In der «Seitenblick»-Kolumne von Akzente (Heft 4/2019, S. 9) schaut Alex Rickert diesmal auf die immer wieder heiss diskutierten basalen Lesefertigkeiten und lädt uns gleich zu einem Selbsttest ein. – Und was kann man tun, wenn es mit der Leseflüssigkeit hapert?